Leben

Katastrophenloser zweiter Versuch

Das Ereignis ist jetzt auch schon wieder eine Weile. Weitaus über vier Wochen oder genau vier? Ich weiß ja noch nicht einmal wann der Beitrag hier erscheinen wird, denn zwischen den ersten Zeilen hier und den letzten liegt noch eine lange Zeit voll mit Konzerten und Referaten. All das macht mich übrigens jetzt schon nervös, vor allem die Referate. Deshalb, die Haare sitzen wohl nicht mehr so perfekt wie sie mal waren. Schon gar nicht bei mir, aber was ist schon perfekt.

Wie auch immer, ich war im Oktober das zweite Mal in meinem Leben beim Friseur und zwar ohne vorher eine mittelschwere Katastrophe verursacht zu haben. Kein Nervenzusammenbruch, keine Panikattacke lediglich das Gefühl am völlig falschen Ort zu sein, aber das zieht sich sowieso konsequent durch mein Leben. Weshalb war ich beim Friseur? Es liegt nahe: Sich die Haare selbst zu schneiden ist eine Kunst und die beherrsche ich bekanntermaßen definitiv nicht. Zumal mein Haar auch nicht so dankbar ist wie das Dackelhaar von P!nk. Von meinem Traumiro in weiß musste ich mich deshalb schon viel zu früh verabschieden.

Es sollte trotzdem etwas Neues werden. Es sollte einerseits den Geldbeutel schonen und auf der anderen Seite einigermaßen respektabel aussehen. Der oder diejenige sollte also Ahnung von seinem Handwerk haben und wir wissen alle wie das mit Friseuren ist. Die Definition von gekonntes Handwerk ist weit… Genauso wie die Preisliste, die meistens nicht wirklich das widerspiegelt was man letztendlich geboten bekommt.

Aus dem Grund habe ich Unterfangen Frisur auch immer gerne weit von mir geschoben, bis ich eines Tages am Haken hing. Der Haken hieß: Haarmodell werden. Klingt interessant, war es aber ehrlich gesagt nicht. Frau K. macht uns da allen etwas in ihrem Reality-TV vor. Man wird weder zu etwas gezwungen, noch ist es etwas völlig radikal Neues (was niemand mit einem abgesprochen hat) und man bricht auch nicht in Tränen aus. Zumindest ich bin es nicht, obwohl die Meisterin nachschneiden musste.

Damit das ganze Experiment sich auch wirklich lohnen würde, ging ich zu einem der teuersten Friseure unsere Stadt. Bei dem schlug sich das angebliche Können wirklich in den Preisen wieder, dass aber auch gerechtfertigt war (wenn man sich das Ergebnis dann so angesehen hat). Zumal Haarmodells eben weniger zahlen würden… Ich sah eben jenen Aushang der besagte: Schnittmodell gesucht. So ging ich in den Laden, meldete mich, mir wurde eine ungefähre Idee vorgelegt und bekam schließlich einen Termin. Besagte Idee ist übrigens geringfügig korrigierbar nach oben oder nach unten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit rosa-grün gepunktetem Haar herumspaziert wäre, war in dem Moment und auch später sehr, sehr, sehr gering. Das Einzige was ich nicht eingeplant hatte an Katastrophen war: die Zeit. Was ein Meister kann, kann der Lehrling noch lange nicht. Könnte man fast wortwörtlich nehmen, denn der Termin dauerte gute zweieinhalb Stunden… Gut Ding will eben Weile haben, aber dafür gab es Abhilfe. Ich war damals so verplant gewesen diesen Zeittraum doppelt zu belegen. Zum einem mit dem Friseurtermin zum anderen mit dem Treffen eines Freundes. Weshalb das Ganze also nicht ganz dreist kombinieren? Anscheinend habe ich mich dabei auch nicht ganz so blöd angestellt, denn er sagte zu und ich war erstaunt. Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen, als bei einem Friseur herum zu sitzen. Schon gar nicht mit jemandem, den ich bis dato fast nicht kannte. Derjenige war nämlich der Herr gewesen mit dem ich auf dem MPS unseren Zeltplatz hüten musste. Alle anderen waren nämlich auf Nahrungsjagd durch die norddeutschen Supermärkte kurzzeitig verschollen gewesen. Ich kann also nicht nur dreist sein, sondern Menschen auch noch adäquat und eloquent zulabern.

Was ich neben der Zeit nicht eingeplant hatte war, dass man sich als durchnächtigter semi-gutgelaunter hypernervöser Grottenolm vielleicht doch hätte ans Klientel anpassen sollen. Hohe Schuhe soll man schließlich vor DEM Abend ja auch erst einmal einlaufen und ein Hochzeitskleid trägt sich auch nicht einfach so, schon gar nicht wenn es eine Korsage oder einen Reifrock besitzt.

All das hatte ich also weder bedacht oder verdrängt (sehr viel wahrscheinlicher) oder es war mir schlicht weg völlig egal (am wahrscheinlichsten). Es war mir dann aber doch nicht egal, als wir diesen Laden betraten. Einer der Nerds (meine Wenigkeit) hatte so absolut gar keine Ahnung wie man sich in so einem extravaganten Etablissement verhält und fand alles wahnsinnig peinlich. Mein Gehirn verfiel kurzeitig in den chronischen Modus: Warum sind die so höflich und zuvorkommend? Das kann ich doch auch alleine… oder Was? Ich muss mir nicht selbst die Haare waschen?! An dieser Stelle gibt mein dekadentes Ego sehr gerne zu, dass der Friseurkittel aus Satin schon was hatte. Fazit: Ich bin doch auch nur ein Opfer unserer konsumorientierten Welt. Die Haare waschen tue ich mir trotzdem lieber alleine… wie auch alles andere. Weshalb mein Gehirn dann im Stillen wieder anfing mit: Ihhh mach das weg, Lass mich in Ruhe, Ich kann das alleine zu schreien. Sehr erwachsen… Das ging die nächsten Stunden übrigens so weiter. Nach außen habe ich es hoffentlich ganz gut kaschiert auch wenn ich nie wusste mit wem ich jetzt reden soll. Mit meiner Begleitung, dem Friseur, mit mir selbst oder einfach gar nicht. Letzteres wäre aber gegenüber allen unfair gewesen, weshalb ich irgendeinen Mix aus allem versuchte. Ich habe es dann übrigens irgendwann aufgegeben. Die Situation blieb die selbe und ich war deutlich entspannter.

Zwischen drin, war ich dann aber doch interessiert was er mit meinen Haaren machte. Ich habe folgendes gelernt: Mann muss wohl bestimmte Linien im Haar erkennen, die bei jedem Menschen unterschiedlich sitzen. Diese Linienstruktur, von der die Meisterin ständig sprach ist wohl bei mir sehr schwach ausgeprägt, weshalb er sie übrigens auch krumm und schief geschnitten hatte. Sie korrigierte alles innerhalb von fünf Minuten und mir fehlte noch nicht einmal ein weiterer Zentimeter an Haar.

Der ursprüngliche Plan war ein Bob gewesen, aus dem wurde dann ein einfacher Stufenschnitt. Nicht wirklich pflegebedürftige und es steht mir scheinbar. Vielleicht wird es ja im neuen Jahr ein wenig experimenteller, wer weiß.

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Die gesammelten Schätze des Monats des elektronischen Wahnsinns

Nach ganzen drei Wochen Universität kann ich jetzt schon sagen, dass ich eine ambivalente Beziehung zu diesem Konstrukt haben werde. Übersetzt heißt es so viel wie, so lange ich mich nicht auf andere Menschen verlassen muss läuft alles topp. Dumm nur, dass es so etwas wie Termine, Absprachen und Gruppenarbeit gibt. Ich sehe „The lone Wolf“ wird hier zwar leichter als auf der Schule, aber immer noch schwerer als in der isländischen Einöde. Wir werden sehen…

Wenn ich jedenfalls weiterhin Babys um mich herumsitzen habe, die noch nicht einmal wissen wie man sich seine Fachliteratur zusammensucht oder korrekt seine Quellen angibt, dann werde ich schlicht weg durchdrehen. Oder diese neunzig Minuten einfach verschlafen. Alles ist sinnvoller sich dieses Gebrabbel anzuhören. Die Folien werden eh Internet hochgeladen. Was nicht heißen soll, dass wir ein Hightech Studiengang sind. Oh nein, eine Professorin musste erst kürzlich den Technischen Support kommen lassen, weil sie nicht wusste welcher Lichtschalter für welches Licht verantwortlich war.

Ein wirkliches Klientel haben wir tatsächlich nicht in unserem Studienfach. Wir haben diverse Rentner, die ihre Rente ein wenig spannender Gestalten wollen, Menschen die bereits eine Berufsausbildung hinter sich haben oder parallel noch arbeiten, Menschen, die bereits Kinder haben und meine Altersgruppe die sich dem spießigen Partyfolk zugehörig fühlt. Party machen wollen, aber konservativ oder noch schlimmer neoliberal sein. Bin gespannt wie lange es dauern wird bis die ersten Merken, dass mein Wille zu lernen nicht nur übermotivierte Erstsemestereuphorie ist. Selbst die Identitätskrise wird mich nicht umhauen können, dafür bin ich ein zu chronisch kriselndes Krisengebiet. 

Meine Tutorinnen für die Einführungswoche waren da übrigens nicht ganz unschuldig bei. Bekomme ich am Sonntagabend um 18 Uhr eine Mail mit der Nachricht, dass sich die Begrüßungsveranstaltung mal eben um vier Stunden nach vorne verschoben hat. Wie soll man Sonntagabends den eigenen Chef noch erreichen?! Richtig man setzt sich hin und betreibt Telefonterror und hängt gleich Messenger und Mail hinten dran. Doppelt hält bekanntlich besser und ich war bereits am Ende mit den Nerven. Bevor das Studium überhaupt angefangen hat lag mein Counter der Mails bereits bei 10 Stück und es sollten noch viele folgen. Sehr, sehr viele… Dass ich mit den Nerven bereits am Ende war, stimmt deshalb so nämlich auch nicht. Es geht immer schlimmer…

Die Kursvergabe läuft mittlerweile über digitalem Wege. Nur hat das System ein paar Defizite. Mit anderen Worten: Es ist unbrauchbar. Vorlesungen die im Verzeichnis angegeben werden, sind im System nicht an wählbar und anders herum. Es gibt Vorlesungen/ Seminare, die erfordern spezielle Qualifikationen was nicht kenntlich gemacht wurde und was ganz besonders genial gelöst ist die einmal fest gesetzte Teilnehmerzahl. Die sitzt dann bombenfest und selbst wenn sich der Professor dazu entschließt, sie hoch zu setzen wird es nicht funktionieren. Weil das System es so will! Spätestens ab diesem Zeitpunkt habe ich mich gefragt wann wohl diese Sätze vom System ausgesprochen wird: I’m sorry, Dave. I’m afraid I can’t do that und dann Dave, this conversation can serve no purpose anymore. Goodbye.

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Die gesammelten Schätze des Monats der Musik

Ich dachte gerade ernsthaft, der Oktober sei bereits vorbei und war dezent irritiert. Nun gut, dem ist nicht so. Wobei mir jetzt einfällt, dass ich dringend unseren Tofuvorrat im Kühlschrank verspeisen sollte. Soja hält sich zwar, aber überstrapazieren will man die Pflanze ja auch nicht.

Das erste Wochenende des Septembers war ganz dem MPS gewidmet. Die ganze Aktion fing jedoch relativ hollprig an aufgrund von Verspätungen, Feierabendverkehr und einem Zeltaufbau, der eher einem Wir-halten-alles-fest-damit-nichts-zusamen-kracht erinnerte. Es blieb leider bei einem Zelt, denn das zweite war so Wacken geschädigt, dass wir es gleich entsorgten. Unsere Platznachbarn, waren auch ganz froh darüber hatten sie uns helfen müssen. Was lernen wir darauf, die Jungs sind absolut fit darin Soft sowie Hardware zu erneuern, aber ein Zelt aufstellen?

Schwierig…

Der Grill wurde dann gegen 22 Uhr angeschmissen, wir hatten also eine Verspätung von nur zwei Stunden. Ich memte mal wieder die Grillmeisterin (irgendwie ironisch so als Vegetarierin), aber das Fleisch wurde wohl erstaunlich gut. Es waren wohl alle überrascht, am meisten ich selbst. Anschließend unterhielten wir uns über Gott und die Welt, sangen Disneylieder und sämtliche Balladen aus naja Game of Thrones… Kommt schon, was habt ihr erwartet?!

Die Nacht war dementsprechend kurz und wir waren alle sehr erfreut über den morgendlichen Weckruf. Nicht. Neben unserem Zelt hauste der Timelord des Mittelalters. Sein Highlight zu jeder Stunde war es, sein Horn zu blasen und die Uhrzeit zu schreien. Wären die Bewohner des Campingplatzes nicht völlig im Eimer gewesen, wir hätten ihm die Gurgel umgedreht. Es war nämlich sieben Uhr morgens als er anfing. Es folgt die acht und um neun erbarmten wir uns schließlich aufzustehen, es nütze ja doch nichts. Wir wollten schließlich frühstücken, uns umziehen, mit den anderen noch shoppen gehen und das erste Konzert sollte bereits um 13 Uhr starten. Um neun Uhr, hat der Herr mit dem Horn dann übrigens ausgesetzt… Eine Welle aus unflätigen Wörtern folgte. Um zehn ertönte erneut sein Horn. Ich sehe, hier war man sich schnell einig.

Bin ich eigentlich die einzige Person, die das Wort „Gewandungen“ zwar episch findet, aber auch gleichzeitig sehr merkwürdig? Gegen dass sich nun vor uns erstreckende Meer aus Pfauenfedern, Rüstungen, Holzplatten, Stoffbergen, Flechtfrisuren und Make-Up konnten wir unmöglich ankommen. Zu uns gesellten sich Paladine, Samurais, Faune, Drachenblüter, Saurons, Gandalfs, Zwerge, Orks, Piraten und natürlich ein paar wunderbaren Elfen und wir alle pilgerten zur großen Wiese… So fing der Reigen an und die Eröffner waren Ye Banished Privateers. Eine Piraten(rock?)band, deren Musik uns ordentlich in Schwitzen gebracht hat. Piraten sind schon ein hartes Volk. Auf dieselbe Partyweise bestritten wir dann den Tag mit Waldkauz, Versengold, Saltatio Mortis, Knasterbard, Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Fiddlers Green, und Faun.

Waldkauz wäre an dieser Stelle mein Geheimtipp. Eine Mischung aus Faun und Omnia, wobei sie musikalisch eher an Faun andocken und im Gegensatz zu Omnia, die englischen Texte singen können ohne dass es lächerlich wirkt.

Die große Aftershowparty gipfelte dann in einem Fiddlers Green Konzert und Holy Hell, die Jungs sind echte Rampensäue. Wurde vorher schon ordentlich getanzt wurde es hier auf die Spitze getrieben. Brüllen, Johlen, Grölen, Tanzen, Springen, Moshpid, Wall of Folk, alles inklusive und am Ende des Konzerts hatten 80% des Publikums keine Oberteile mehr an. Geschlechts und Gender unabhängig… Ein riesen Spaß! Ich merke an dieser Stelle an, die Band war keine Metalband sondern spielte irish Speedfolk.

Der Weg zum Zeltplatz war dagegen weniger amüsant. Zu wenig Licht und nun ja Winter is comming war plötzlich Gegenwart geworden. In dem Moment hätte ich gerne den schwarzen Ikeaflokati aka Mantel des Kommandanten der Nachtwache gehabt. Ein grobgewebtes Leinencape musste herhalten und unter jeder Menge Gegröle und Gehopse (Das Grölen war eher einem Röcheln und das Springen eher ein Humpeln) kamen wir zumindest beim Zelt an, ohne vorher zu Eis erstarrt zu sein.

Dumm nur, dass diese Nacht das Lagerfeuer nicht ganz so brennen wollte wie letzte Nacht. Plötzlich erschien uns die Nacht durchzumachen irgendwie doch nicht mehr so verführerisch wie am Tagesanfang und so wurde um kurz vor vier Uhr das letzte Handylicht ausgeknipst. Am nächsten Tag mussten wir feststellen, dass es zwei von uns sogar nicht mehr in ihre Zelte geschafft hatten, sondern einfach draußen geblieben waren. Die beiden, wurden dann jeweils auch wirklich fies krank. Aber auch wir bekamen am nächsten Morgen die Quittung. Unser Hornbläser verschlief übrigens sowohl sechs, als auch sieben und acht Uhr. Kurz vor neun ertönten die ersten hämischen Rufe à la Na wie spät ist es denn jetzt?, Hat da jemand zu viel gesoffen? und natürlich kam auch der Wackeninsider wieder hoch, der ewige Ruf nach: HELGA!

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Die gesammelten Schätze des Monats der (Ent-)Spannungen

Es wird wieder Zeit für die Zitatelite oder für meinen viel längeren Monatsrückblick. Der August war zumindest aufgrund von Krankheit anderer und allgemeiner Ferienstimmung wesentlich ruhiger als der Juli. Ich habe es sehr begrüßt auch wenn ich mit der plötzlich vorhandenen Freizeit, schon manchmal ein wenig überfordert war. Das angenehmste sind allerdings die allmählich abkühlenden Temperaturen und die ebenso ausdünnenden Events in der Stadt. Denn jedes Wochenende musste dementsprechend abgesperrt werden. Die Straßen waren dicht, die Metrolinien erst recht und als Cocktailkirsche kamen dann noch die zigtausend Baustellen. Kurz um, man hat in dieser Stadt nur noch eine Chance, wenn man Fahrrad fährst.

Da lobe ich mir doch den norddeutschen Herbst inklusive Hoddiewetter. Perfektes Lesewetter, was ich endlich mal mehr machen müsste. Dafür habe ich endlich alle Game of Thrones Folgen geschaut. Inklusive Nachbereitung via Podcast. Ich bin mir mittlerweile mit recht vielen einig, dass die Serie ab Staffel fünf zu schwächeln anfängt. Teile der Handlungsstränge ergeben keinen Sinn mehr, die Geschwindigkeit der Truppenbewegungen wird immer absurder und es sterben keine Charaktere, wo sie eigentlich wirklich hätten sterben müssen. Ab Staffel sechs steht dann fest, gut HBO kann Game of Thrones nicht wirklich ohne Vorlage adäquat weiterführen. Für mich bleibt jetzt nur noch die gesamte Vorgeschichte durchzuarbeiten und dass müsste ich doch bis April 2019 geschafft haben.

Parallel steht noch eine Lektüre über Anarchie auf dem Plan. Schuld daran ist hauptsächlich ein weiterer Pen and Paper Charakter: das anarchistische-barbarische Eichhörnchen. Wir haben mit unserer Gruppe endlich mal angefangen Konferenz der Tiere zu spielen. Unsere Aufklärungstruppe besteht aus einem uralten kommunistischen Panther, einem existentiellen Papageien, einer faschistischen Krähe, einer feministischen Arbeiterbiene, einem Hamster der als ultimativer Mitläufer geboren wurde, meiner Wenigkeit und einem Goldfisch als General.

Ich muss euch nicht sagen, dass unser Papagei die Hälfte der Zeit unseren General im Schnabel tragen musste, weil wir ansonsten absolut nicht vorangekommen wären? Besonders schön war es, als der Papagei außer Gefecht gesetzt wurde und wir beide reanimieren mussten. Goldfisch und Papagei. Jetzt stellt euch bitte ein wildgewordenes Eichhörnchen vor, was wie geistesgestört auf einem Papageienbauch zu Stayin’ Alive von den Bee Gees herumspringt. Einen besseren Reanimator gibt es auf der gesamten Welt nicht.

Beim Spiel um den eisernen Thron gibt es nicht sonderlich viele Neuigkeiten, da einmal ein Totalausfall stattfand, aber was wir erfahren und vor allem geplant haben hat sich gewaschen. Stichwort: Ankunft in Kingslanding. Wobei ich bereits vor Kingslanding meinen ersten Ehekrach hatte, immerhin wir haben knapp 14 Tage durchgehalten. Ich war nicht ganz unfroh, denn dass hieß für mich ich würde höchstwahrscheinlich Ruhe in der Hauptstadt haben. Es kam dann auch so. Wer dagegen richtig Stress bekam, war mein Adoptivbruder. Ein kleiner Auszug:

Er: Ich leg die Rüstung nicht ab. Nicht im Thronsaal, ich war im Wald. Ich weiß, was passiert ist…

Sie: Du ziehst die Rüstung aus!

Er: Nein!

Sie: Doch, musst du sonst… *böser Blick und drohender Unterton*

Er: Ist mir egal, ich habe keine Lust von hintern erstochen zu werden

Sie: Das ist Kingslanding, hier wirst du nicht erstochen, hier wirst du vergiftet!

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Die gesammelten Schätze des Monats der Feuerwelle

Die erste Amtshandlung des Monats war die Beweihräucherung meinerseits, denn ich hatte Geburtstag. Hipp, Hipp, Hurray! Wieder ein Jahr älter, und wieder ein Jahr voller Erfahrungen etc. etc. Ich kürze den klischeehaften Geburtstagsschmonz einfachhalber ab und umfahre die Dankesrede großzügig. Über welchen Geburtstag ich mich noch viel mehr gefreut habe, war der meines Blogs. Wir haben nämlich immer am selben Tag Geburtstag, was ich ungelogen jedes Jahr wieder aufs Neue vergesse und mich dann am besagten Tag dementsprechend freue. Zahlen waren wirklich noch nie mein Ding… Genauso wie der Geschenkkorb, der mir dann am nächsten Morgen von meinen Kollegen auf der Arbeit überreicht wurde. Auch wenn sie es vermutlich niemals lesen werden, möchte ich, dass nur mal für die Zukunft festhalten: Make-Up ist nicht, gebt mir Essen! Meine Mitbewohnerin hat sich dafür umso mehr gefreut, was mich wiederrum gefreut hat. Eine optimale Win Win Situation sozusagen. Ich sollte einfach das Fach „wichteln“ oder „Beschenken“ studieren, ich wäre bestimmt erste Klasse.

Ich weiß übrigens noch nicht einmal, was dieser Korb beinhaltet hat. Ich konnte zwar diverse Nagellacke identifizieren, aber davon mal abgesehen… Es gab noch eine sehr interessante Sprühdose mit der Aufschrift „Körperschaum, Geruch: Tasty Donut“ und ich sage euch das Zeug stank. Es war eine Mischung aus dem künstlichen Geruch von diesen Harribo Beeries und ner merkwürdigen Eigennote. Es erinnerte vielleicht nach Donut? Ich hatte noch nie einen, deshalb ist die Einordnung vielleicht jetzt nicht wirklich aussagekräftig. Auf jeden Fall bekommt man Wiedererkennungswert bzw. geruchswert.

Nebenjob macht es möglich, weshalb ich mich dann noch einmal selbst beschenkt habe. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt mir ein Paar Zughilfen zu zulegen. Für die Tage, an denen meine Finger mal wieder so gar keine Lust haben auch nur irgendetwas länger als drei Sekunden festzuhalten. Ein zweites Paar bzw. mein erstes richtiges Paar Kniebandagen durfte natürlich auch nicht fehlen. Fazit der Anschaffung: Ich liebe meine neuen Bandagen, dank des Design sehe ich jetzt zwar aus wie ein BVB Fan, aber davon mal gesehen redern die Dinger wundervoll. Sie sind nur nicht für den Alltag geeignet, denn man kann mit den Teilen weder vernünftig knien noch sitzen. Mit den Zughilfen muss ich dagegen noch üben, aber es wird.

Der erste Gau des Monats war übrigens mein neuer Chef. Unser vorheriger ist wohl Rente gegangen und dann kam er. Man könnte ihn perfekt beschreiben mit: „Er ist wieder da“… Jung, vermutlich frisch aus der Ausbildung, lediglich am Profit und an der Effizienz der Mitarbeiter interessiert, inklusive einer Prise allround-Blödmanndasein. Ich durfte ihn übrigens ganz alleine kennen lernen, da der Rest des Teams entweder krank oder im Urlaub war. Endete damit, dass ich fast den gesamten Laden alleine einräumen durfte, Überstunden geschoben habe ohne Ende und dann auch noch mit einem dämlichen Kommentar entlassen wurde. Ich verbeiße mir jetzt auch jeden weiteren Vergleich, da der absolut böse enden könnte.

Zumal ich am Anfang wirklich dachte, es würde an mir liegen. Schließlich reagiere ich gerne mal etwas über. Der nächste Tag schuf allerdings Klarheit und während ich die Seife einräumte belauschte ich im Laufe des Morgens ganze drei Mitarbeitergespräche, die alle nicht glimpflich für unseren neuen Chef ausfielen. Wenige Wochen später, waren wir ganze drei Mitarbeiter weniger. Seitdem bekommen wir regelmäßig gesagt wie langsam wir doch arbeiten würden… (mehr …)

Die gesammelten Schätze des Monats der Kreislaufattitüden

The Master is back! So seit dem 4. Mai bin ich wieder im Land und es ist himmlisch!

Kurzer Teaser, den alle meine Freunde und Bekannten sich schon anhören mussten: Ich habe wieder eine Wasch-, Spülmaschine und einen leckeren gefüllten Kühlschrank!

Die Abreise verlief erstaunlich entspannt, nur organisieren können isländische Taxiunternehmen nicht wirklich. Da ruft man schon an und bestellt ein großes Taxi (großer Koffer und Übergepäck) und was kommt? Das kleinste Taxi von ganz Island, mit einem Fahrer der beim Aussteigen fast an seinem eigenen Raucherhusten erstickt. Den Koffer haben wir dann doch noch irgendwie versaut bekommen….

Das kam dann übrigens auch zwischenzeitlich, denn es waren immerhin noch -2°C und der Schnee wollte sich wohl noch einmal in seiner ganzen Pracht zeigen. Eine wahre Naturgewalt, die mir fast den Flug verdorben hat. Glücklicherweise hielt er gerade mal eine Stunde an, und die Räumungsfahrzeuge in Reykjavik sind extra schnell.

Danach ging es weiter zu Security, die übrigens sämtlichen Südeuropäern oder Arabern Ehre gemacht hätte. Sie reden laut und gestikulierend wild dabei, half mir allerdings auch nicht sie zu verstehen. Es ist recht schwierig sich an irgendwelche angeblichen Ansagen zu halten, wenn man diese nicht versteht und keiner einem hilft sie zu verstehen. So stand ich dort mehr oder minder völlig verloren, bis sich mal ein Herr dazu erbarmte mir zu erklären was denn die Dame letztendlich wollte. Fazit: Sie wollte, dass ich eine zweite Schale für meinen Rucksack holte. Die Verweigerung Englisch zu sprechen vermisse ich definitiv nicht!

Was das Sicherheitskontrollpersonal übrigens immer hassen, sie aber nichts dagegen tun können ist eine leere Trinkflasche mitzunehmen. Sie können euch die nicht wegnehmen und ihr könnt sie hinter der Security wieder auffüllen. Übrigens, selbst die Duty-Free Shops sind auf Island teuer. Allerdings haben sie eine hervorragend sortierte Spirituosenabteilung. Für einen Festbetrag und dem Vorzeigen des eigenen Passes dürft ihr euch sogar an einer der Bars dort besaufen. Ich sag mal so, als ich an ihr vorbeischlurfte war es gerade mal sieben Uhr morgens und sie war voll. Denkt euch den Rest.

Mehr kann ich eigentlich gar nicht mehr erzählen. Alleine Reisen ist in Kombination mit dem isländischen Flughafen ist nicht allzu spannend. Es sei denn ihr seid zwei ältere Isländer, die ins falsche Flugzeug aussteigen und plötzlich rausbegleitet werden müssen. Diese zwei älteren Herren, saßen in meiner Maschine und waren fest der Überzeugung, dass sie nach Oslo fliegen würden. Ich frage mich heute noch wie man dies Verwechseln kann. Beide Städte sind unterschiedlich groß, werden Unterschiedlich geschrieben und liegen überhaupt wo ganz anders. Sobald die zwei in ihrem richtigen Flugzeug saßen starteten wir auch schon.

Wobei sich zuvor noch ein sehr übervorsichtiger Vater bei der Stewardess genau erkundigte wie genau man denn die Schwimmweste unter dem Sitz hervorholen kann. Als nächste Frage kam dann auch noch ob das Flugzeug auch sicher sei… Am liebsten hätte ich ihm erzählt, dass die Tragflächen eines Flugzeugs lediglich geklebt werden.

Ich hatte übrigens eine Sitzreihe für mich alleine, schlafen war trotzdem nicht drin. Es macht Stewardessen immer wieder Spaß die wehrlosen Füße von Passagieren mit ihrem verdammten Wagen zu traktieren. Ich habe es dann irgendwann aufgeben und bei dem besorgten Vater durch die Sitzlücke erneut Dunkirk geschaut. Irgendwie ironisch. Ein total überfürsorglicher Vater, der vermutlich eine leichte Flugangst hat schaut sich Dunkirk zur Beruhigung an? Die Kompensationsmethoden von Menschen sind schon faszinierend. (mehr …)

Ein Dutzend Dinge, die ich während meines „Auslandsjahr“ gelernt habe

Seit gut drei Wochen bin ich mittlerweile wieder im Lande und bin einigermaßen angekommen. Deshalb bin ich auch erst jetzt dazu gekommen mir so wirklich Gedanken um die letzten neun Monate zu machen. Hier sind ein Paar meiner Einsichten, die ich mal aufgeschrieben habe. Villeicht wird zu dem Thema noch mehr kommen nur ist in-sich-hinein-gehen ein relativ anstrengender Prozess und ich bin mal wieder überall und nirgendwo unterwegs….

Own your Shit

Die wichtigste Sache, die ich wohl während meiner neun Monate Ausland gelernt habe wäre: Own your Shit. Gerade in Beziehungen zu Partner(n), Freundin, Arbeitgeber, Kollegen oder wen auch immer. Lerne dich deiner selbst Bewusst zu sein. Lerne dich selbst zu hinterfragen und beseitige Probleme wie Eifersucht, schlechte Laune, Streitereien oder Ansprüche. Denn ganz oft ist es nicht die Kleinigkeit die jemand erwähnt hat, die uns durch die Decke gehen lässt. Meist ist es etwas ganz anderes, etwas was viel tiefer sitzt. Die eigene Unsicherheit sollte nicht die Ursache dafür sein, dass ihr jeden zweiten Tag jemanden mit verbalen Molotowcocktails bewerft. Ich bin ein Paradebeispiel dafür, ich habe konsequenterweise jeden Boten erschossen. Jetzt weiß ich, ich muss nicht an der Person arbeiten, der mir den Boten geschickt hat. Nein, ich muss an mir arbeiten. Zwischenstand: Es klappt in vielen Fällen schon besser. Zynisch werde ich wohl immer bleiben.

 

Abgrenzen

Der obige Punkt aus einer anderen Perspektive. Denn auch ich war des öfteren schon in meinem Leben ein Bote oder in irgendwelche größeren/ kleineren Konflikte involviert. Immer habe ich mir den Schuh angezogen, dass ich Schuld hätte. Egal bei was: Zwei meiner Freunde streiten sich? Ich war Schuld. Der Lehrer flippte aus? Ich war Schuld. Mein Haustier ist gestorben, weil es einen Tumor hatte? Ich war Schuld. Ist auf Dauer dezent ungesund und anstrengend.

Für das Leben anderer bin ich in der Regel nicht verantwortlich. Ich kann Hilfe anbieten, mehr aber auch nicht. Wenn die Hilfe nicht erwünscht wird, dann lasse ich es. Nur weil jemand unglücklich ist, muss ich automatisch mit unglücklich sein. Nein, nein, nein… und es heißt auch darüber reflektieren zu können, ob man nun wirklich Mist gebaut hat oder ob die andere Person einen gerne als Sündenbock hinstellen würde, weil er/sie sich nicht eingestehen kann dass er/sie Mist gebaut hat.

 

Kommunikation ist alles

Gehört mit in diesen riesigen Korb namens Own your Shit. Denn wenn du dich deines Selbst bewusst bist, dann rede drüber. Rede über deine Gefühle, deine Ängste, Erwartungen, Wünsche was auch immer. Es macht ein Leben ein wenig leichter und sei es nur ein: Entschuldigung ich bin gerade nicht ansprechbar, weil ich tierisch Hunger habe und erst einmal was Essen muss ansonsten gehe ich gleich an die Decke. Es ist eine Ansage, können die meisten Menschen nachvollziehen und man hat für 20 Minuten seine Ruhe. Viele Streitereien entstehen aus Missverständnissen, weil man nie drüber geredet hat oder sich dachte was der andere denken würde bzw. könnte. Wie gesagt nicht denken, sondern reden und zwar miteinander.

 

Kill them with kindness

Mein persönlicher Grad an passiver Aggressivität ist (wenn ich sauer bin) nicht zu übertreffen. Wenn andere verbale Molotowcocktails schmeißen komme ich gut und gerne mal mit einer Panzerfaust vorbei oder gleich mit einer Wasserstoffbombe. Ich sage euch, damit kommt man nicht weit. Man macht zwar seinem Ärger Luft, aber dann kommt der Gegenwind. Trotzreaktionen von anderen Menschen sollte man nicht unterschätzen und dann stehen sich zwei Sturköpfe gegenüber und man hat sich ineinander so verkeilt wie Deutschland und Frankreich 1916 in Verdun. Für das Erreichen eines bestimmten Ziels weniger Vorteilhaft. Erst recht, wenn man von der Person auf die man sauer ist abhängig ist und sich damit so einiges einhandeln würde. Eine Regel, die ich dann selbst lernen musste und immer noch muss: (die Macht der Panzerfaust bleibt eben extrem Stark) bleibe freundlich. Egal was passiert: lächel und winke. Damit entwaffnest du deinen Gegenüber im Zweifel, denn er kann nichts tun. Wenn seine Wut abprallt, dann verraucht sie ins nichts und er ist gezwungen sich auf einen Lösungsweg einzulassen.

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