Arbeit

Gesammelte Schätze des Monats der Fremde

 

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Irlands, das Land der Kobolde, der Schafe und des Islams?! Anscheinend soll die islamische Bevölkerung bis 2030 hier um 188% gewachsen sein. Ja gut… 2011 lebten 1,1% in Irland (48.130 Menschen).  Ich wusste nicht, dass dieser Umstand so weltbewegend ist, dass er auf der Googlesuche auf Platz drei der Suchanfragen erscheint, aber bitte. Jetzt aber zu wichtigergem, beispielsweise meiner Wenigkeit.

Dieser Monat sollte eigentlich jeden Rahmen sprengen in Sachen Spannung und Erlebnissen und sicherlich tut er das auch, jedoch bin ich vermutlich so reizüberflutet dass der Status schon mittlerweile bei Routine angekommen ist.

Irlands, das Land der Kobolde, der Schafe und des Islams?! Anscheinend soll die islamische Bevölkerung bis 2030 hier um 188% gewachsen sein. Ja gut… 2011 lebten 1,1% in Irland (48.130 Menschen).  Ich wusste nicht, dass dieser Umstand so weltbewegend ist, dass er auf der Googlesuche auf Platz drei der Suchanfragen erscheint, aber bitte. Jetzt aber zu wichtigergem, beispielsweise meiner Wenigkeit.

Dieser Monat sollte eigentlich jeden Rahmen sprengen in Sachen Spannung und Erlebnissen und sicherlich tut er das auch, jedoch bin ich vermutlich so reizüberflutet dass der Status schon mittlerweile bei Routine angekommen ist.

Die Besitzer meiner Unterkunft sind im Großen und Ganzen wirklich nett, wenn auch ein wenig speziell. Politischer Aktivismus, gepaart mit einen folkloristischen, yoga- orientiertem Nachtleben prallt auf Vollblut Italienerin mit frischem Baby. Zwischen all dem mal wieder ich. Weder Yoga, noch Baby oder gar Nachtleben orientiert. Ich hätte alles hervorragend ausblenden können, wäre da nicht der Umstand gewesen, dass ich die ersten 29 Tage im Wohnzimmer verbringen musste. Mein eigentlicher Raum war noch von AirBnB Gästen besetzt… Liebhaber des Nachtlebens und das Feingefühl eines Elefantens besitzend. Siehe laut um fünf Uhr morgens die Wohnungstürzuschlagen und dann minütlich abwechseln Zimmer- Badezimmertür und dann zur jeweiligen Begleitung flüstern: We have to be quiet. Jeder Guerilla-Krieger hätte die beiden an den nächstbesten Baum gebunden und den wilden Tieren überlassen, besser sie würden gefressen als der Rest der Mannschaft.

Ansonsten hält sich unser Verhältnis in der Waage. Wir teilen eine gewisse Neigung für dieselbe Filmgenres und die Liebe zur Geschichte (zumindest mit meinem Vermieter), jedoch ist die Haltung von Grundsatzdiskussionen recht unterschiedlich. Ich weiß nicht ob er schon dahinter gekommen ist, aber ich sehe zu dass ich diese Themen großräumig meide. Mit seiner Freundin habe ich nichts gemeinsam. Außer dass wir beide nicht sonderlich gut Englisch sprechen. Ich bin eben nur halb so geistreich, was mich tierisch nervt. Ich bin nicht dumm wie Stroh, wirke aber so. (Mein zweiter unabsichtlicher Reim des Tages).

Wobei, dass eigentlich zuerst meine kleinste Sorge gewesen war. Es gab da noch eine ganz andere Nummer. Wenn mein Vermieter früh morgens/ mitten in der Nacht von der Arbeit nach Hause kam legte er sich dann öfters mal ins Wohnzimmer. Wir erinnern uns, ich schlief dort. Nein, ich habe ihn nie reinkommen hören und nein wir haben auch nicht im selben Bett bzw. auf der Couch geschlafen sondern an entgegensetzen Enden des Raumes! Keine Angst. Mein Problem war einfach nur, dass ich beim Aufwachen lediglich eine dunkle Silhouette erspähen konnte, wenn ihr alleine eingeschlafen seid dann ist es überhaupt nicht witzig zu zweit aufzuwachen auch wenn der Andere mehrere Meter von dir entfernt friedlich liegt. Was mich besonders wahnsinnig macht ist, dass die Wohnung eine offene Küche besitzt… Im Wohnzimmer quasi. Habt ihr schon mal versucht im Dunkeln euer Frühstück zu kochen und zu essen? Ihr werdet die Taschenlampenfunktion eures Handy lieben lernen. Sachen packen und sich blind Klamotten für den Tag herauszusuchen wird ebenfalls zu einer Herausforderung. Egal wie leise ich war, ich habe ihn meist doch aufgeweckt. Er hat sich aber nie beklagt. Besser ist… Ich meine was kann ich dafür, dass sein Sohn gerade seine Schreiphase hat. Es ist sein Sohn, nicht meiner. Oropax würden helfen…

Daraus folgere ich einfach mal… Die Stärke meines Heimwehs sowie meiner Verfassung hängt also ganz stark von meiner Verfassung ab: Wie gut/ lang ich geschlafen habe, welche Wetterlage gerade herrscht herrschte und was ich an diesem Tag machen würde. Bis sich die Parameter verschieben, wird es noch eine ganze Weile dauern. Meine oben genannte Routine besteht meist darin mit den Stimmungsschwankungen zurecht zu kommen. Alleine… Permanent an der Wange eines irgendjemanden zu hängen schickt sich nicht. Man muss lernen, alleine klar zu kommen weshalb ich bereits stolz bin bereist drei gute Tage hinter einander gehabt zu haben. Zur Verdeutlichung, bei einem Graph der Gleichung f(x)= 20sin(20x)  hab ihr schnell einen ersten  Eindruck. Es ist kein Wunder wenn ich um neun bereits im Bett verschwinde und um vier schon wider aufstehe. Danke Zeitverschiebung…

Zumal sich neben einem unfreiwilligen Mitbewohner seines/ meines Zimmers noch  eine Spanne von weiteren Problemen auftaten. Fehlende Privatsphäre heißt für mich als introvertierter Mensch die pure Hölle. Das Wohnzimmer wird tagsüber gerne als Babyzimmer benutzt und eben Wohnzimmer. Wenn man keine Menschen sehen will, könnte dies schwierig werden. Sicherlich ich hätte rausgehen können, ich hab mir nichts anderes gewünscht nur wenn du dir das Knie beim draußen Joggen zu zerschießt, dass Gehen zum Spießroutenlauf wird ist das ganze verdammt unangenehm. So zahle ich das Fitnessstudio in dem ich mich hier angemeldet habe seit gut zwei Wochen umsonst, wobei ich nun pausieren werde denn irgendwann saß ich in der Notaufnahme. Brav früh morgens und wartete auf Diagnose, Ergebnisse, Hilfe. Kühlen, Kampferöl und eine entzündungshemmende Salbe inklusive Schonen hatten eher weniger geholfen und so hatte ich die Faxen dicke. Den ganzen Tag zu Hause sitzen ohne bis dato eigenen Rückzugsort?!

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Thy Art is murder….

Wer meint ein Kunstleistungskurs sei einfach, der besuche doch mal bitte einen. Wer meint, dass Künstler exzentrische Despoten wären die nichts tun müssen außer den einen oder anderen Strich auf eine Leinwand zu setzen, der liegt ebenfalls verdammt falsch.

Ja vielleicht ist der ein oder andere exzentrisch, manche vielleicht sogar despotisch, aber was auf jeden Fall nicht zutrifft ist das Vorteil des einen Striches. Es sind viele Striche, tausende und aber hunderttausende. Wenn nicht sogar unendlich viele und sie alle müssen perfekt sitzen, nicht als Individuum sondern als Schwarm. Wer kein Fan von Strichen ist, der nehme Punkte oder wahlweise: Zeitung, Pappe, Heftklammern, Kleber oder Fäden.

Viel Erfolg beim ersten Versuch des Nähens von Papierkleidung… Frei nachdem Motto Viel hilft Viel das Ganze noch unter erheblichem Zeitdruck ohne Fingerhut.

Ihr werdet nicht nur physisch bluten sondern auch psychisch. Der Seelenhöllentrip wenn man so sagen kann positiv wie negativ.

Also warum nicht zusammen bluten? Ich meine für einen guten Zweck, Blutspenden zum Beispiel oder Blutplasma. Wäre mal ein sinnvoller Trend.

Beginnen wir doch mal mit etwas einfachem wie dem Anfang unseres Semesterthemas: Paper Dress.

Als Auftakt galt es verschiedene Kleidungstücke aus Papier her zustellen mit unterschiedlichen Arbeitstechniken. Walzen, Nähen, Falten, Knüller, Bemalen, Bekleben, Raffen alles durfte vertreten sein… Wie wir Dinge walzen sollten ohne Walzmaschine ist mir bis heue ein Rätsel aber gut… das war nicht das Einzige was ungelöst bleiben sollte…

Ihr seht:

Eine Tasche/ Korb aus Eierkarton (geklebt sowie zusammengenäht)

Eine Harlekin inspirierte Mütze, gerissen sowie zusammen geklebt

Eine schicke Hawaii- Blütenkette ohne Blüten, weil knüllen sowie viel schöner ist als Blümchen zu malen

Ein Cut-Out- Top, ein Muss für alle Nightmare before Christmas Fans

Ein schickes Abendkleid aus Modemagzinpapier, mal eben schnell zusammengeklebt (das Mal-eben-schnelle-Zusammenkleben kostete übrigens sehr viele Nerven…)

Ein gerafftes Schleifchenarmband was ich nie tragen würde, weil ich es absolut hässlich finde

Last but not least ein Rock aus einem Kaffeefilter und jede Menge gerissener Papierschichten obendrüber gehalten von jeder Menge miteinander vernähter Fäden (Sally lässt erneut grüßen)

Sowie einer weiteren Mütze, dies Malaus aus Backpapier geflochten mit Seidenpapiertentakeln. (An dieser Stelle: Danke an meine Mitbewohnerin)

Nachts, in kreativer Eile zu arbeiten empfehle ich übrigens nicht jedem… Es ist deutlich entspannter im Zeitplan zu bleiben, doch bei einer Probenwoche gestaltet sich dass als recht schwierig.

Ihr seht Kunstlehrer kennen kein Erbarmen, die kleinen Aufgaben gibt es stets in den freien Wochen, in denen weder Klausuren noch irgendwas anderes ansteht und die großen Projekte kommen dann als riesige Welle im Hafen angerollt. Ein Hoch auf Katsushika Hokusai.

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21. Türchen:

50. „Schlafend zu sterben ist ein Luxus, der uns nur sehr selten gewährt wird.“ -Kill Bill – Volume 1/ Teil 2

„Kommt rein, kommt, rein!“ wurden sie weiter hinein gedrängt, und wie der Blitz waren die beiden nicht nur ihre klatschnassen Hüte, Schals und Mäntel los  sondern hatten in Windeseile jeweils ein Paar Hausschuhe verpasst bekommen wie nur noch ein halb volles Glas Punsch. Denn Heather jagte wie ein Wirbelsturm in seinem Element durch das gesamte Zimmer um ihrer Bestimmung der perfekten Gastgeberin alle Ehre zu machen. So wunderte es keinen, dass der unglücklich verschüttete Eierpunch in null Komma nichts aufgewischt worden war und die zwei gerade Eingetroffenen nun endgültig mit einem vollen Glas auf der alten, grünen Couch saßen. Vor ihnen ein akkurat gedeckter Plätzchenteller, allesamt natürlich selbst gebacken, sowie herrlich schmeckend. Zumindest ließ darauf das sehr deutliche Schmatzgeräusch von Archie schließen.. „Heather nicht so stürmisch“ grummelte Henry wieder und legte vorsichtig die Beine hoch um nicht noch einmal das Hausinferno zu entfachen. „Du weißt doch, deine Frau möchte für dich eben nur das Beste“, knurpste der jüngere zwischen dem dritten viel mehr vierten Mince Pie.

Dann wurde es still. Archie lag zufrieden lächelnd in einer Art Kekskoma und Henry war eindeutig zu erschöpft um begnadete, weihnachtsphilosophische Gedanken zu äußern. Zu sehr war er immer noch mit dem Umstand beschäftigt, weshalb sie so früh aus der Fabrik entlassen worden waren. Gerne hätte Henry seine Frau noch einmal angebracht begrüßt, doch die war nach ihrem stürmischen Aufritt schon wieder im Nirvana verschwunden. So zog sich der Augenblick des Genusses bis sich die Tür der Küche erneut öffnete, dieses mal allerdings nicht wie vom Blitz getroffen sondern langsam und bedächtig. Heraus geschritten kam Margret, eine Dame mit schlohweißem Haar, krummen Rücken und so viel Falten im Gesicht, dass man sie in Familienkreisen auch gerne liebevoll die „Schildkröte“ nannte. Dennoch, trotz ihres Rücken, brauchte sie weder einen Stock noch sah sie aus als ob sie Schmerzen leiden müsste. All den Erwartungen widersprechend, trug sie sogar den vollständigen Kronleuchter allein, zwar mit beiden Händen doch das Gedeck schleifte weder auf dem Boden noch verrutschte es.

„Margret“, fuhr es aus Henry heraus, „Lass mich das doch tun. Du holst dir doch nur noch mehr Rücken.“ Lachend schüttelte die ältere Dame den Kopf, „Bleib du nur mal bei dem Keksmonster und pass auf, dass einige Mince Pies noch zur Bescherung reichen. Ich habe nämlich nicht mehr so viele…“ Mit den Worten stieg sie auf einen kleinen Schemel, anschließend auf einen der antiken Holzstühle um schließlich den sagenhaft, silberglänzenden Kronenleuchter inklusive Gedeck perfekt mittig auf der Tafel zu platzieren. „Gibt es einen Grund, weshalb du und Archie schon so früh zurück seid?“, fragte sie beiläufig, als sie sich vorsichtig zurückzog vom Stuhl auf den Schemel und dann zurück auf den sicheren Dielenboden. Der jüngere zog nachdenklich die Schultern hoch „Ob du es führ wahr hälst oder nicht, aber wir wurden tatsächlich offiziell von Mr. Huskin früher entlassen.“ „Früher entlassen?“ Besorgt zogen sich ihre Augenbrauen zusammen, so wie es auch Heathers stets taten, wenn sie scharf nachdachte. „Wurde euch ein Grund genannt?“ „Außer dass Weihnachten ist nicht, nein. Mr Huskin hat sich auch nichts weiter anmerken lassen oder blieb gar länger um ihn zu fragen. Alles sehr mysteriös…“ Henry kippte immer noch in Theorien versunken seinen Kopf von rechts nach links und wieder zurück.

„Sonderbar.Wie sonderbar, murmelte Margret.“ vielleicht weiß Graham mehr.

„Oh wie wunderbar“ hörte man nun den mittlerweile wieder erwachten Archie sagen, wobei er weniger den Leuchter meinte als den inzwischen kälter gewordenen Punsch meinte, der, das musste Henry zugeben, dieses Jahr besonders gut schmeckte, denn seiner war bereits leer. Das Familiengeheimrezept tat immer gut egal ob bei Krankheit oder freudigen Ereignissen des Jahres… Sobald die Selle die pure Essenz der dort drin steckenden Liebe aufgesogen hatte ging es der Haut und Knochen Augenblick wieder gut. Margret lächelte „Es gibt Nachschlag, wenn sich der werte Herr umziehen würde, es wird Zeit…“ Henry zückte sofort seine Taschenuhr, wie spät war es denn geworden? Beim Erblicken der Zeiger sprang er wie von einem Grinch gestochen auf, fegte fast die gesamte Gebäckkollektion vom Tisch und wollte gerade erneut ein „Himmel Herr…“ ausrufen, als Heather aus dem Keller kam, erneut in die Stube rauschte an ihm vorbei und nur noch rufen konnte „Schatz.. du musst dringend damit aufhören!“. „…Und du bleibst bitte mal stehen“, rief er ihr hinterher, hechtete einige Schritte nach vorn und gab ihr noch gerade so einen zarten Begrüßungskuss. So viel Zeit musste sein.

„Oh, ich dachte… na dann störe ich mal nicht weiter…“, unterbrach Margret die Szene von hinten wobei sie sich schon wieder zurückzog als Heathers Blick vorbei an Henrys Oberarm glitt, auf den Gebäcksteller… „Warte Mom, schau doch bitte nach den Mince Pies. Ich habe gerade zwei Bleche in den Ofen geschoben. Ich versuche Graham zu holen…“ mit diesen Worten entschwand sie sich Henrys Umarmung und huschte bereits wieder schnell wie der Blitz die Treppe hoch. Betreten stand er ein wenig verloren in der Küche, was musste er auch eine solch perfektionistische Perfektionistin geheiratet haben. Dieses Fest wäre auch ohne fünf Gänge Menü sowie 6 Bleche Gebäck perfekt geworden. Schließlich war Weihnachten, das Fest der Liebe, da konnte doch gar nichts schiefgehen. Leicht beschwingt vom nun dritten Eierpunsch machte sich Henry auf um sich endlich eilends umzukleiden. Die Besorgnis war wie weggewischt…

Einige Minuten später, Henry hatte sich gewaschen, rasiert sowie frisiert, kehrte er in seinem besten Anzug ins große Wohnzimmer zurück. Doch statt reges Treiben wie noch vor seinem Badbesuch herrschte Grabesstille. Verdutzt bemerkte er wie alle um Archies Vater Graham herum standen und gebannt in den von ihm gehaltenen Daily Telegraph starrten. Seit wann trugen die Zeitungsjungen eine zweite Ausgabe am selben Tag aus? Erleichtert, dass Graham nichts geschehen war, räusperte sich Henry leise und trat näher um seiner kreidebleichen Frau über die Schulter zu schauen. „Was ist den passiert?“ fragte Henry beherzt, denn normalerweise brachte niemanden seine Familie so aus der Fassung. Es dauerte einige Sekunden bis Lini, Archies Frau, Henry die Zeitung so in seine Richtung drehte, dass er auch ohne Brille etwas lesen konnte. Wobei, dass was dort geschrieben stand in großer schwarz fett-gedruckter Frakturschrift hätte selbst ein Blinder entziffern können. „Richard Cory went home last night and put a bullet through his head.“ prangte dort. Fast die Hälfte des A2 Blattes nahm die Überschrift ein darunter sah man lediglich ein arg verwackeltes Foto eines menschlichen Torsos. Henry schnappte erschrocken nach Luft. War das etwa möglich? Konnte das sein? Sein ehrenwerter Unternehmer, der ehrenwerte stets höfliche und zuvorkommende Richard Cory, der Cory sollte Suizid begangen haben?

„Das ist doch bestimmt eine Falschmeldung!“, stieß er immer noch völlig fassungslos ein. Sein bester Freund schüttelte den Kopf. „Leider nein, der Junge kam gerade erst vor drei Minuten…“, antwortete Archie ebenso fassungslos. „Unglaublich, völlig irrsinnig und das an Weihnachten“, flüsterte Archies Vater. Ihm war der Schock sichtlich anzusehen, schließlich hatte er Cory höchst persönlich noch als Kind gekannt. „Aber, aber wann soll das den passiert sein..?“, stotterte nun Lini los, die allerdings nicht allzu aufgelöst aussah. Auf diese Frage konnte selbst der Artikel nicht wirklich Auskunft geben doch sofort riefen, spekulierten, mutmaßten und diskutierten alle maßlos durcheinander. Das ganze wuchs zu einem einzigen Crescendo an und kurz bevor es seinem Höhepunkt erreichte, stieg Margret erneut vom Boden, auf den Schemel und dann auf den Stuhl um energisch das Wortgemenge mit Hilfe der Tischglocke zu unterbrechen…

„Ruhe meine Lieben! Ich weiß dies ist ein sehr schwerer Augenblick für alle von uns“, dabei beobachtete Henry wie Lini gefährlich von ihr fixiert wurde… „…doch denke ich sollten wir uns von dieser dennoch schrecklichen Nachricht die Feierlichkeiten nicht verderben lassen. Möge der junge Herr in Frieden ruhen und nun lasset uns zu Tische eilen bevor das Essen kalt wird…“

Nach Beendigung des kleinen Appells blieben alle wie angewurzelt sowie stumm stehen und beobachteten voller Interesse wie Margret wieder auf den Boden zurück kehrte und sich schließlich auf einen der Stühle setzte. „Sie hat recht“, murmelte Heather und schloss sich ihr an und nach und nach füllte sich die Tafel mit den restlichen Teilnehmern des Abends.

„Schlafend zu sterben ist ein Luxus, der uns nur sehr selten gewährt wird.“ hörte er Margret sagen. „Und ich habe mir immer gewünscht Richard Cory zu sein“ flüsterte Archie. „Wer nicht, wer nicht?“ antwortete Graham und steckte sichtlich betroffen eine Pfeife an. Sofort schaute ihn seine Frau streng an und er machte sie schuldbewusst eilends wieder aus.

Lini räusperte sich: „Ich möchte ja nicht unhöflich erscheinen, doch fehlt nicht noch etwas?“ Damit deutete sie auf den großen noch leeren Fleck auf der bereits reichbestückten Tafel.

„Himmel, Arsch und Zwirn! Der Truthahn“ rief Heather erschrocken aus und stürmte, mit einer theatralischen Mine und Gestik aus dem Wohnzimmer. Dies zauberte allen ein kleines Lächeln in ihre müden und zweifelnden Gesichter. „Schatz kein Fluchen!“, setze Henry immer noch schmunzeln hinterher.

Ende

20. Türchen:

50. „Schlafend zu sterben ist ein Luxus, der uns nur sehr selten gewährt wird.“ -Kill Bill – Volume 1/ Teil 1

Dreimaliges kurzes, schrilles Klingeln. Henry hob fragend die Augenbraue, dann schaute er skeptisch auf seine Uhr. Ging sie falsch? Aber nein, dass konnte nicht sein. Er pflegte seine Uhr regelmäßig. Putzen, Dichtung regelmäßig eigenhändig wechseln und das trockene Samtbett in der speziellen Truhe von seinem ehrenwerten Vater Sir Alfred konnte unmöglich die Uhr verschleißen. Er heize nur für sich selbst im Sommer! skeptisch drehte er sich zu seinen Kollegen. „Es ist zu früh, warum läutete die Klingel?“, fragte Henry hoffnungsvoll. Vielleicht war seine gute Wegbegleiterin doch noch völlig intakt.

„Vielleicht ein Versehen…!“, kam es aus der hinteren Ecke. „ In den ganzen 30 Jahren die ich arbeite gab es hier noch nie ein Versehen!“ erklang es gleichzeitig aus dem hinteren Teil der Halle.

„Was ist es dann…?“ fragte Henry immer noch leicht beunruhigt. „Sehen Sie doch, Mr. Huskin!“ Sobald die letze Silbe von Hus-kin ausgesprochen worden war erstarb augenblicklich das Getuschel in dem alten Fabrikgemäuer und gut 260 Augen blickten wie auf Knopfdruck mechanisch nach oben auf die Seitenbrücke, auf der nun ein kleiner, kräftiger Mann in einem dunkelroten Anzug und Backenbart erschien. Seine Koteletten waren ordentlich gestutzt, was selbst der kurzsichtigste aller Arbeiter intuitiv wusste. Mr Huskin war für seine Akkuratheit und Pünktlichkeit berühmt sowie berüchtigt. Gemächlichen Schrittes ging er auf die Mitte der Brücke zu und wandte sich dann abrupt an seine Untergebenen, die immer noch in einer gewissen Habachtstellung verharrend seinen Bewegungen folgten. Als sich Mr. Huskin ganz sicher sein konnte, dass auch wirklich alle Aufmerksamkeit ihm galt, klatschte er in die Hände und rief…

Gentleman!,

ich darf ihnen versichern es gibt keinen Grund zur Sorge,es hat alles seine Richtigkeit. Aufgrund des schweren Schneetreibens hat Mr. Cory per Telegramm bestimmt, dass sie nun, verehrte Angestellt,e zwei Stunden früher die Fabrik verlassen dürfen. 

Die Instanz, ich und Mr. Cory wünschen ihnen allen fröhliche Festtage und ein fröhliches Neues Jahr. Kommen sie gut Heim und Vorsicht auf den Straßen!

Noch bevor seine Worte vollständig verklungen waren, drehte er sich wieder in die Richtung aus der er gekommen war und verschwand schließlich schnelleren Schrittes hinter einer grauen Gittertür, die mit einem leisen Klack ins Schloss viel. Darauf folgte fast schon beklemmende Stille, doch dann klatschte jemand wie Mr. Huskin in die Hände und nach und nach erfüllte der sich immer weiter steigernde Beifall die gesamte Manufaktur. Ein Beifall, den London selbst nach der vor Jahren statt= gefundenen Houdini Show noch nie gehört hatte. Wer ein wenig gebildet war musste in diesem Moment Angst haben, dass ihm nicht die Decke auf den Kopf fiel… und tatsächlich manche Gesichter sahen definitiv das Gegenteil von erfreut aus, denn die Arbeiter der Mr. Cory Investigation of Wegdwood from Roxburghshire waren die wohl bestausgebildetsten, ehrenwertesten sowie tatkräftigsten Arbeiter des gesamten Königreiches. Henry dagegen schaute weder besorgt noch erfreut an die Decke oder gen Ausgang. Sein Blick haftete immer noch äußerst nachdenklich an der grauen Metalltür. Mr. Cory war zwar ein sehr rechtschaffener Unternehmer und für seine Edelmütigkeit bekannt, aber ein früherer Feierabend? Dass hatte es tatsächlich noch nie gegeben. Da war er ganz sicher in all den Jahren, die er sowie sein Vater und Großvater gearbeiteten hatten stets wurde pünktlich, doch nie überpünktlich geschlossen. Ob das wirklich alles seine Richtigkeit hatte? Er war immer noch skeptisch.

„Heureka Henry! Komm du alter Miesepeter, wir müssen uns beeilen, sonst sind die ganzen Straßen verstopf und bleiben mitten im Sturm stecken!“ „Warte ich komme gleich nach“ murmelte er selbst in sich halb hinein, halb nach außen und bahnte sich bereits einen Weg zur eisernen Treppe, die nach oben auf die Brücke führte, wo ihr Aufseher gerade noch gestanden hatte.

„Ach Henry, wann fängst du mal an nicht alles zu hinterfragen, man könnte glauben du hättest die gute Meinung über Menschen verloren“ neckte ihn sein Freund, und packte ihm beim Arm und zog ihn ungeduldig in Richtung Außenwelt. Henry ließ ich widerwillig mittreiben. „Ich kann es immer noch nicht glauben. Findest du nicht auch, dass Mr. Huskin etwas bleich aussah?“ Archie sah ihn ärgerlich an, „Nein Mr. Huskin sah ganz normal aus… Wie immer sozusagen und jetzt schau mich nicht an sondern schau auf den Boden, sonst rutscht du mir noch aus“ feixte Archie. Das waren die letzten Worte, die Hernes bester Freund für die nächste Stunde wechseln sollte. Es hätte Henry nichts ausgemacht, wenn Archie genauso ein schweigsamer Zeitgenosse wie er selbst gewesen wäre, doch das war Archie nicht. Ganz und gar nicht. Also musste er selbst nachdenken oder war sauer, letzteres war aber eher unwahrscheinlich. Nicht an Weihnachten, das Fest der Freude. So oder so hätten sie vermutlich wenig Worte miteinander gesprochen, denn das Schneegestöber war mittlerweile so dicht und stark, das sie sich regelrecht nach Hause durch die Straßen kämpfen mussten.

Sie waren so beschäftigt damit, nicht auszurutschen oder gar weggeweht zu werden, dass sie fast am kaum noch zu sehenden Hauseingang vorbei gelaufen wären. Nach mehrmaligen äußerst holprigen Versuchen das eingefrorene Gartentor zu überwinden, griff Archie schließlich in seinen Mantel und holte sein Taschenmesser hervor. Minuten später und vor allem mindestens ein dutzend Eiskristalle im Bart reicher, erreichten die zwei Gefährten den schützenden Vorsprung der Haustür. Nun bestand die nächste Hürde darin das ebenfalls verschneite Haustürschloss freizulegen… Denn weder Archie noch Henry kamen mit dem Schlüssel in die Nähe des rettenden Türmechanismus, zu gefroren waren ihre Hände.

„Himmel, Ar….“ „Mein lieber Herr an Weihnachten wird nicht geflucht!“, wurde er plötzlich von einer sowohl bekannten als auch sehr strengen Stimme unterbrochen. Erschrocken blickten die zwei auf. Doch außer dem Hausvordach und weißem Schneegestöber, das ihnen sofort in die Augen fiel, erkannten sie nichts und niemanden. „Heather macht euch auf!“ , folgte und damit hörten sie ein dumpfes Krack und es herrschte wieder das Heulen des sich nähernden Sturmes. Mittlerweile war es so kalt, dass sie ihre Glieder nicht mehr spürten zumindest die bis zu den Knien und Ellenbogen reichten. „Hoffentlich frieren wir uns hier nicht noch etwas tot“, witzelte Archie gerade halb im Scherz als in dem Moment die Haustür schlagartig aufgerissen wurde und das sich ergießende warme Licht die zwei zugeschneiten Gestalten arg blendete. „Schnell, schnell was steht ihr denn hier so rum?! Hinein mit euch! Oder wollt ihr euch und uns den Tod holen?“ Wurden sie ruppig begrüßt und mit sofortiger Reaktion fast schon ins Innere gezerrt. In der warmen Stube angekommen, die Kleider waren nun mehr nass als gefroren, wurde ihr Geruchssinn gerade zu überwältigt mit köstlichen Proben des bevorstehenden Festessens: Turkey, Erdäpfel, Backpflaumen, Plumpudding und konnte das sein….? „Der Eierpunsch ist fertig“ , ertönte es aus der Küche und mit dem öffnen der Türe roch es nun nicht mehr nach den Hauptkomponenten des Mahles sondern nun kamen die feinen Nuancen wie der Rosmarin, Frois Gras oder auch der Scotchgeruch hinterher gezwitschert…

19. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 8

„Ich kann gerne nicht mehr stören. Aber leider weiß ich wo weder die Schlafzimmer sind noch das Bad, oder sonst irgendwas.“, fuhr ich ihn funkelnd an. Mochte es ihm gerade aufgefallen sein oder nicht, ich wäre hier gerade fast elendig verreckt! Jetzt platze mir endgültig der Kragen „Mag sein, dass ihr euch länger kennt. Mag auch sein dass ich hier vielleicht nicht sonderlich erwünscht bin aber um ehrlich zu sein interessiert mich das einen feuchten Dreck denn ich brauche diese verfluchte Kohle und es ist mir aktuell auch völlig egal was ich dafür tun muss. Genauso gut könnte ich auch zwei einfach umbringen und mich davonstehlen, mit Geldkasten den würde ich nämlich auch noch suchen. Genauso wie neue Klamotten oder etwas zu essen. Eine Tür wäre übrigens auch nicht schlecht, denn dann könnte ich euch nicht mehr auf die Nerven gehen, wobei dass ja dann egal wäre, weil ihr tot wäret.“ Ein wenig erstaunt von meiner durchschlagenden Stimme nach der Eiskonservierung holte ich nun erneut tief Luft. Wenn er jetzt noch etwas dagegen sagte dann… Ich schielte deutlich zu den Küchenmessern. Groß genug wären sie. Dann wieder zurück zu den zweien. Der Große schaute nun nicht mehr mich an, sondern den kleineren. Ihm schien scheinbar der Blick nichts auszumachen. Also konnte der Herr wohl seine Fähigkeit kontrollieren. Ein wunderbarer Meuchelmörder.

Eine Weile geschah erneut nichts. Irgendwie bekam ich das Gefühl in einer Zeitschleife zu stecken. Aktion, Reaktion, lange Pause… und wieder von vorn. Wie gerne wäre ich jetzt wieder hinter Gittern. Dort gab es zumindest einen enorm gerechten Alltag. Dann eine Reaktion,  “…und wir sollen es ihnen zeigen?“ Ich stöhnte ärgerlich, dabei wäre mir fast meine Decke heruntergefallen. Wie begriffsstutzig oder dumm waren denn hier alle?!“ Wortlos drehte ich mich um und langte nach den Messern, wozu hatte ich überhaupt gefragt. War ja klar, dass das nicht funktionieren würde, die waren doch alle komplett verrückt. „Die einzig verrückte sind wohl Sie, aber das dürfte ihrer Arbeit wohl kein Abbruch tun. Nur stürmen Sie nicht gleich wieder davon ich bin nicht so schnell“, völlig unbeeindruckt kam der Große näher und schob sich an mir vorbei, nicht ohne seinen Freund auf seinen Rücken zu laden. Ein Absurditätenkabinett hätten die zwei wirklich alleine verdient. Ich folgte ihnen mit gebürtigem Abstand mit dem Messer, was wusste ich schon… Die beiden verursachten noch nicht einmal irgendwelche Geräusche, selbst auf den Holzböden nicht. Genauso wenig redeten sie, sahen sich nach mir um oder taten überhaupt etwas anderes als zu laufen.

Nach mindestens 10 Korridoren, drei Stockwerken in die Höhe und vielen, vielen, sehr vielen Treppen standen wir am Anfang eines Ganges, von dem verschiedene Türen abgingen. Einige waren weiß und aus Holz, andere wiederum aus Metal. Auf jeder Tür war ein Symbol abgebildet. Sonst nichts, keine Klinke, kein Schloss. „Ihre Tür ist die dunkelrote. Den Rest finden Sie im Zimmer.“ Langsam schob ich mich an den zweien vorbei, es folgte ein Blitz, ein Kreuz und ein Traumfänger. Welche Bedeutung hatte diese Zeichen. Elektrizität? Telekinese? Gedanken Manipulation?

War vielleicht das vorhin gar keine wirkliche Kälte sondern nur gedanklich eingepflanzte? Eine Halluzination? Inzwischen war mir nicht mehr kalt, viel mehr knurrte mein Magen noch lauter. Dann stand ich vor besagter Tür. Dunkelrot und mit einer hölzernen Masserung. Statt eines Kreuzes oder Kompass war ein Auge abgebildet. Ich lächelte, dass war das erste was mir an diesem Ort gefiel. Das Auge, über alles wachend, über alles wissend. Neugierig strich ich über das vermeintliche Holz. Statt meiner Berührung stand zu halten glitt die Tür beiseite und gab mir meinen Blick frei auf mein neues Zuhause. „Für warmes Wasser legen Sie einfach den Hebel um“. hörte ich von hinten. Ich ignorierte sie lediglich. Ab jetzt gehörte die Welt wieder mir…

 

Ende

18. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 7

Um es kurz zu fassen so oder so wäre ich geliefert. Also war es eigentlich egal wie ich mich entschied und da mir immer noch Klamotten fehlten, ich spürte meine Zehen nicht mehr und mein Knöchel brannte immer noch entsetzlich, wäre es schlauer auf direktem Wege zum Ziel zu kommen, als einen womöglich riesigen Umweg zu laufen. Vielleicht behielt mein Chef ja doch Recht und es war lediglich die erste Begegnung gewesen. Beim Hinausgehen kam mir noch der Gedanke:  „Mein Chef“… wie komisch das Klang. Ich konnte die Male an einer Hand abzählen wo ich wirklich einen echten Chef gehabt hatte.

Kurz darauf, kurze Wege sei dank, stieß ich die Küchentür erneut auf und wäre am liebsten gleich wieder gegangen… In der Küche befand sich zwar nich Xion, dafür aber der humanoide Eisbären-Panther und der junge Mann mit dem Raubtier-Beute-Blick. Nicht unbedingt die besten Startvoraussetzungen, doch hatte ich zumindest auf dem Weg hier her eine riesige Filzdecke schnappen können, die herrenlos über einem Treppengeländer hin. So war das Unterwäschemodell Dasein endgültig passé. Hoffte ich zumindest.

Der große trug übrigens jetzt eine riesige Kapuze, starrte auf den Boden und stand ansonsten genauso dort wie vor meinem Einstellungsgespräch. Der kleinere saß dagegen auf der Küchenzeile und las in etwas. Was genau konnte ich allerdings nicht erkennen, denn beim Anblick des Buchrückens verstand ich außer Kauderwelsch genau gar nichts. Symbole an Symbole tummelten sich dort und fast erschien es mir so als ob sie mich tanzend auslachen würden. Zumindest hatten sie mich noch nicht bemerkt.… Hinausschleichen und nach einem Flucht- und somit Lageplan suchen wäre noch im Bereich des möglichen.

Infolge dieses Geistesblitzes wollte ich mich gerade rückwärts in Sicherheit bringen als der Große plötzlich den Kopf hob und mich wie vorhin anstarrte. Genauso wenig erfreut wie ich und darüber hinaus noch weitaus böswilliger als der rothaarige. Reflexartig blieb ich stehen, was nun? Entdeckt hatte er mich. Ein Kneifen in Form von panischem Hinausrennen fiel ebenfalls weg. Die Würdelosigkeit nur in eine Decke gekleidet, immer völlig ahnungslos zu sein, reichte mir für das nächste Jahr. Zumal wenn ich jetzt zurückstarrte könnte ich meinen Status vielleicht etwas mehr auf sein altes Niveau heben. Kurz um, mein Brustkorb hebte sich möglichst unbemerkt und dann starrte ich zurück, in diese eiskalten grauen Gletscheraugen… Ohne dass ich es beeinflussen konnte wurde mir kalt, noch kälter als draußen im Schnee. Dies war keine fremde Kälte von außen, nein diese Kälte kam aus mir heraus so als ob… Gefror ich etwa gerade von innen?! Verdammt, mit so etwas hatte ich nicht gerechnet. Ich kannte die Gerüchte über Hybriden, die das Wetter beinflussen konnten, aber seit wann gab es Kräfte, die einen von innen erfrieren ließen? Sofort horchte ich auf meinen Puls, gut er war noch da zwar schwach aber noch definitiv da. Stellte sich nur die Frage,wie kam ich aus der Situation wieder raus. Meine Füße inklusive Beine waren inzwischen taub so viel stand fest. Weglaufen war also unmöglich geworden. Immer noch in seine Augen starrend versuchte ich abzuschätzen ob er wusste was in mir vorging. Ach was war ich auch doof, natürlich wusste er es. Er kannte schließlich seine Stärke. Unvermittelt vernahm ich von der Seite das Rascheln einiger Buchseiten, garantiert war der Zweite nun auch auf mich aufmerksam geworden. Die Reaktion auf mich blieb allerdings aus. Wie lange konnte ich wohl den Blick des Großen standhalten bevor ich endgültig zu Eis erstarrte. Vor Kälte waren jetzt nicht nur meine Füße, Schienbeine und Oberschenkel gelähmt, die Kälte begann auch in den Fingerspitzen und zog ganz langsam meine Unterarme hinauf. Perfide, er spielte mit mir wie die Katze mit der Maus. Der Raubtier-Beute-Blick bekam nun eine ganz neue Bedeutung. Ich bekam Angst, wäre mir nicht so entsetzlich kalt gewesen, ich hätte garantiert angefangen zu schwitzen.

“Miss, schauen Sie ganz langsam weg… Dass reicht, lassen Sie ihn.“, die Stränge war nicht zu überhören. Äußerlich versuchte ich mich geschlagen zu geben, was allerdings kaum mehr möglich war. Ich konnte noch nicht einmal mehr die Schultern oder meinen Hals bewegen. Apropos Hals, plötzlich dämmerte es mir. Wenn mein Gesicht gefror konnte ich gar nicht mehr wegschauen. Ich würde weiter einfrieren, ob ich es wollte oder nicht und wer sagte, dass man diesen Vorgang umkehren konnte?! Ich tat gerade nichts anderes, als mir mein eigenes Grab zu schaufeln! Hatte ich bis vor wenigen Sekunden noch Angst so schwebte ich innerlich in blanker Panik. „Bitte“ , die Stimme klang nun nicht mehr streng sondern genauso panisch wie ich mich fühlte. Dann schließlich brach ich meinen Stolz und wollte den Kopf wegreißen als ich bemerkte dass nichts geschah. „Drehen sie den Kopf einfach zur Wand und lassen Sie ihn… Jetzt!“ das „Jetzt“ klang schon fast drohend. „Das würde ich ja gern..“ brachte ich noch heraus bevor  un auch mein Mund erstarrte. Ich dachte, konnte aber nicht mehr sprechen. Was ging hier ab?!

Bereit für mein Ende kniff ich die Augen zusammen und wartete, dass mein das mein Herz aufhörte zu schlagen oder mir die Luft ausblieb, da meine Lunge erschlaffte. Doch nichts passierte. Nichts –  weder das eine noch das andere. Selbst nach gefühlten Minuten nicht. Um mich herum raschelte es wieder, dies mal länger und lauter. Selbst jetzt spührte ich immer noch meinen Puls, der übrigens nicht mehr schwach sondern wie ein Vorschlaghammer meinen Brustkorb sprengen wollte. Auch kam es mir so vor, als hätte ich wieder Gefühl in den Zehenspitzen bekommen. Die Kälte blieb, aber ich konnte definitiv meine Zehen wieder zusammen ziehen und auch meine Gänsehaut fühlte sich nun wirklich nach Gänsehaut an. Erleichtert versuchte ich zu schlucken und siehe da es funktionierte. Nach und nach taute mein körper wieder auf. Zwar noch innendrin völlig vermutlich blau und verbrannt, falls man das übehaupt sein konnte. Zumindest nach außen völlig normal aussehend. Inzwischen hatte ich mutig die Augen wieder geöfnnet. Ich starrte geradeaus auf den Boden. Das war keine Vorsicht. In diesem Fall war es pure Lebenserhaltung. Ganz heimlich schielte ich doch irgenwann nach oben und sah gerade noch so von meinen wimpern vedeckt, wie seine Fingerknöchel mittlerweile ganz weiß waren. Und die Fingernägel gruben sich unnatürlich tief in  seinen Handballen…

Wie aus heiterem Himmel tauchte in meinem Blickwinkel plötzlich das weise Fell des humanoiden Bären auf. “Was haben sie sich eigentlich dabei gedacht?!“ Ich fuhr zusammen. Also meine Körperrflexe funktionierten wohl wieder. Um meinen Schrecken zu verbegen, zuckte ich lediglich mit den Schultern, dann knurrte mein Magen. Sollte ich es wagen ihn zu duzen? Er schien nicht viel jünger zu sein als ich, vielleicht war er sogar älter. Aufgrund seines schneeweißen Fells war es echt schwer zu schätzen.

17. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 6

Plötzlich wie auf Knopfdruck aktiviert von meinem Gedanken des Rückzugs um mir endlich  gewisse Kleidung zu besorgen, die mich vor dem erfrieren retten würde, begann sich der halb humanoide vielmehr Eisbär als Panda zu bewegen. Er sprang von der Anrichte herunter und schlurfte oder krabbelte aus dem Raum hinaus um kurz danach mit einer Sprühflasche zurück zu kommen, die er dann über dem noch einzigen Schlafenden positionierte. Seine weißen Haare vielen ihm über die Augen, so dass nun endgültig ein weißes Fellknäul vor mir stand. „Wasser marsch“, meinte der rothaarige nur und sofort schrak der Betroffene auf und sah als zu allererst nur mich. Nach einigem Blinzeln murmelte er so etwas wie: „Nicht schon wieder…“, und versuchte dann Anstalten zu machen aufzustehen. „Miss äh….“, er fing an zu überlegen. Ich konnte es förmlich ein seinem Hirn rattern hören. Waren denn hier alle völlig beschränkt, selbst die FreakShow am ersten Tag des Strafantritts war amüsanter gewesen. „Ähm…“ er hob die Augenbrauen und sah mich an. Dann zuckte er die Schultern und stieg über den Eisbärenpanda hinweg und rauschte an mir vorbei. „Folgen sie mir einfach“, wortlos setzte ich mich in Bewegung. Kurz bevor ich um die Ecke bog drehte ich mich noch einmal um und sah zur Küche. Der rothaarige versuchte sich gerade an einem Kopftand auf dem Tisch. Wo war ich hier bloß gelandet?!

„Entschuldigen Sie, die benehmen sich manchmal wie kleine Kinder“, ich brauchte einen Moment um zu kapieren wen er mit „die“ meinte… „Das hört irgendwann wieder auf“, setze er schnell nach als er meinen Gesichtsausdruck bemerkte. “Ich wüsste gerne wann ‚irgendwann‘ ist“, entgegnete ich. „Kommt ganz d’rauf an. Es kann sich auf 3 Stunden oder 3 Monate hinziehen. Je nach Laune…. Setzen Sie sich, bitte…“ Dabei zeigte er auf einen der unzähligen Bücherstapel, die wie ungeordnete Zinnsoldaten auf dem Boden seines Büros herumstanden. Hätten sie bis zur Decke gereicht, stünde man in einem Wald. Statt setzen beäugte ich den Buchenholzstamm eher misstrauisch, mindestens 10000 Seiten, ob die wohl „sitzfest“ waren?

Um mein Glück heute nicht noch mehr herauszufordern dankte ich liebend gerne ab. Mein Gegenüber grinste bloß, er selber pflanzte sich auf seinen großen, schwarzen Bürostuhl mit hoher Lehne. Um dann noch mehr Papier aus den Untiefen des Schreibtischs heraus zu befördern und mit einem erstaunten Pfiff den Stapel Papier auf seinen Schreibtisch fallen zu lassen. Ein Blick darauf und sein Stirnrunzeln glättete sich. „Hier haben wir Sie ja: Lilith Zeller, geboren 1988, Berlin. Mutter verschollen, Vater ein todgeglaubter Mutant aus der Fabrik, statt Abschlusszeugnis eine schriftliche Auflage für einen Haftantritt und statt eines Lebenslaufes randvolle Bewährungsauflagen. Ich sehe sie waren fleißig und schon früh darum bemüht vorzusorgen.

Nichts Gutes ahnend schaute ich auf ihn hnrunter und versuchte einen kurzen Blick auf das genau Geschriebene zu erhaschen. Keine Frage, dieser Typ kannte mich besser als ich mich vermutlich selbst. Die Frage blieb immer noch, woher? Er schien kein Mann, der besondern Art zu sein…

So scheinheilig wie möglich hackte ich nach: „…und was wollen Sie mit dem Kram. Vor allem mit oder von mir?“

Nach der geäußerten Frage hing der erhobene Ton noch etwas in der Luft und ich konnte quasi zusehen wie die Klangmalerei verhallte. Gut es war eher Klanggeschmiere. Erneut verspürte ich wieder tiefe Unruhe in mir, irgendwas lief hier schief oder zumindest ganz und gar nicht richtig. Waren diese Kerle nicht von der Regierung – so waren sie doch nicht vollkommen legal, so schien es mir. Der Mann starrte mich an. Dann schaute er verständnislos und schließlich lachte er wieder. „Was ich mit Ihnen will? Einstellen natürlich! Sie sind die Beste die Xion je gefunden hat und glauben sie mir ihre Lebensgeschichte hat ihm ganz schöne Arbeit bereitet. Der Arme weiß selbst bis heut nicht mehr so ganz wo er ist…“

„Also?“ Jetzt strahlte er wie ein vierjähriges Kind, dass stolz seiner Mutter präsentierte allein auf die Toilette gehen zu können. Es sah zu dämlich aus. „Ich erwarte ihre Antwort natürlich nicht sofort, aber solange Sie nicht unterschrieben haben müssten wir Sie nun ja eher unter Verschluss hierbehalten. Nur zur Sicherheit…“. Ich überlegte, plötzlich schien es mir so als ob ich gar keine andere Wahl mehr hatte. Entweder… oder. Und über das Oder wollte ich gar nicht so genau nachdenken. Wer wusste schon, ob der Verschluss auch irgendwann wieder aufging. Nur behagte mir die Vorstellung wieder in etwas Illegales abzurutschen gar nicht. Nochmal einsperren ließ ich mich nicht. Totentänze hin oder her. Zellennachbarn zu haben, die acht Augen besaßen oder Kettensägen anstatt Händen, den Mund am Hinterkopf waren nicht unbedingt eine Wiedersehensparty wert. Andererseits, wie sah es denn nochmal mit Nötigung aus. Theoretisch könnte ich die Drohung seinerseits durchaus gegen in verwenden. Wenn ich es nur aufgenommen hätte! Mist… musste wohl so gehen. Essen und Bits war wichtiger als Legal und Illegal. Die Begriffe waren schließlich durchaus dehnbar und sobald ich genügend BitCoins zusammen getragen hätte würde ich hier verduften und zwar im Hyper-Raum. Zumal das Amt garantiert bald vor meiner Tür stehen würde und dann würden sie nicht mehr so freundlich anklopfen wie vor drei Monaten…

„Aber damit eins klar ist…“, setzte ich an, „wenn Sie mich noch einmal im Regen oder Schnee stehen lassen sorge ich davor, dass dieser kleine Maulwurfshügel hier ganz schnell auffliegt und wenn wir schon mal dabei sind – ich will verdammt nochmal neue Klamotten.“ Damit unterschrieb ich per Fingerabdruck und starrte meinen wohl nun offiziellen Chef erwartungsvoll an. Sollte der jetzt mal zusehen, wo er Damenkleidung herbekam. Unterwäschemodell war definitiv noch nie mein Traumjob gewesen und würde es auch nicht werden.

Doch statt sich an die Arbeit zu machen um meine Forderung zu erfüllen reichte er mir die Hand, ergriff sie und schüttelte sie immer noch breit grinsend. „Sehr erfreut, Sie glauben gar nicht wie wichtig Sie für uns sind. Ich heiße übrigens Orion, Orion Tonak, ehemaliger Psychologe und Arzt der Wyoming-Klinik“. Dann sah er mich ernst an, „Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren. Sie sollten spätestens um 24:00 hier sein. Und niemand, wirklich niemand darf von uns und diesem Ort erfahren?! Verstanden?! Und glauben Sie mir wenn Sie zumindest gegen diese zwei Richtlinien verstoßen werden Sie sich den Schnee nur wünschen.“ Seine Ernsthaftigkeit war mittlerweile einer Finsternis gewichen, dass ich mich fast entschuldigt hätte, aber nur fast. Ich hatte weitaus schon fiesere Typen vor mir, beispielsweise die merkwürdigen Männer aus der Küche. Bemüht unbeeindruckt auszusehen, nickte ich lediglich. Als er, Tonak das wahrnahm, lächelte er wieder breit und nickte wie ich, nur sehr viel glücklicher mit dem Kopf. „Ich wusste Sie sind vertraulich.“ Dann schaute er zufällig auf seine Uhr um daraufhin erschreckt aufzustöhnen „mein Gott so spät schon, entschuldigen Sie vielmals, aber ich habe noch einiges zu tun…“ und damit schritt er um seinen Schreibtisch an mir vorbei und aus der Tür. Kam allerdings gleich zurück mit den Worten: „ Den Komplex lassen Sie sich am besten einfach von einem der Jungs zeigen… Einmal aufgewärmt können sie sehr hilfsbereit sein.“

Bei den Worten kam erneut eine dunkle Vorahnung auf, dass hier könnte ganz böse enden…

Nachfragen waren offenbar nicht erwünscht und gerade überlegte ich stark ob nicht ein Erkundungsrundgang allein weniger lebensgefährlich war, als erneut auf die Gestalten zu treffen. Normalerweise war ich nicht so leicht einzuschüchtern. Vor allem hatte ich die Herren nur Augenblicke erleben dürfen. Aber irgendetwas sagte mir, dass ich hier nicht die Einzige war, die ihre Begabungen besonders beherrschte. Mich komplett zu durchleuchten, allein und ohne Hilfe hatte ich bis jetzt für unmöglich gehalten. Besonders scharf darauf, es herauszufinden was seine Freunde alles konnten, war ich nicht. Nur wollte ich denen weder in der Gruppe noch einmal begegnen, noch einem von ihnen von Angesicht zu Angesicht.