Gesammelte Schätze des Monats der Torschlusspanik

Ein leises Hallo, hier bin ich wieder (vermeintlich, ich glaube es kaum) aus dem Leben hinter dem Bildschirm. Oder wie sollte ich das Leben außerhalb des Blogs nenne? Real Life ist bereits so abgegriffen zumal die Bedeutung absolut keinen Sinn ergibt. Ich meine Real Life impliziert, dass dieses Leben hier nicht real ist und spätestens jetzt müsste ich mir arge Sorgen machen und zwar um uns alle. Ihr kommt mir doch alle recht real vor, trotz gegebener Telepräsenz. Aber vielleicht ist das auch nur so eine Generationen-Z Eigenart, da wir angeblich mit Internet groß geworden sind. Stimmt nicht meine Kindheit habe ich weder vor dem Fernseher noch vor dem Computer verbracht. Wobei ich gerade überlege ob ich überhaupt zu Generation Z… Ich zähle tatsächlich dazu, anscheinend wurde ich digital nachsozialisiert. Zumal es eigentlich die falsche Definition impliziert, ich bin kein Mensch der die Technik versteht. Ich benutze sie, dass ist aber schon alles. Was so viel bedeutet wie Klick, Doppelklick, E-Mails empfangen und Löschen. Ich kenne lediglich Menschen, die wissen wie der heiße Kram funktioniert.

Einerlei (eines meiner Lieblingswörter, aber wie soll ich denn wieder auf den eigentlichen Kern kommen, wenn ich doch so gerne abschweife), ich habe Semesterferien! Wobei ich Vorlesungsfreizeit wesentlich passender finde. Eigentlich wollte ich den Essay für meine Geschichtsvorlesung einfach herunter schreiben und dann las ich, dass wir die Quellen in Fußnoten mit angeben sollen und nur spezielle Fachliteratur benutzen durften und diese Fachliteratur nichts mit dem Essaythema zu tun hatte oder nur indirekt. Ab dem Moment hatte ich Fragen, sehr viele Fragen. Sie wurden übrigens absolut unzulänglich beantwortet. Manchmal würde ich Professor_innen schon gerne den Hals umdrehen. Denn diese bunkern derzeit auch noch meine Fachliteratur für meine dritte Hausarbeit, mal schauen wann sie damit rausrückt. Ja es ist eine sie und nein eigentlich dürfte ich das gar nicht wissen wer es ist, nur kenne ich bereits nach zwei Semestern die Pappenheimer für bestimmte Themen.

Die Austragung oder vielmehr Inaktivsetzung meinerseits ging übrigens trotz des Dramas in drei Akten in die zweite Runde. Eine E-Mail meines Professors, der entweder betrunken oder völlig übermüdet war sei Dank. Ich will ihm nichts unterstellen (doch eigentlich schon den ich habe ihn hassen gelernt), aber er sollte die nächsten Jahre zusehen, dass er seine Mails an die richtigen Personen schreibt und dann auch in verständlichem Deutsch mit anständigem Syntax und keinem Buchstabenkauderweltsch. Ich saß deshalb nämlich nach einer Woche händeringender Panik bei meinem Studienkoordinator und war bereits sämtliche juristische Register zu ziehen… Brauchte ich dann gar nicht, denn es war alles wunderbar. Weshalb nichtgleich so, weshalb unnötig Panik machen lieber Professor? Studienkoordinator war übrigens sehr erleichtert darüber, dass er scheinbar einem Drama entgangen war seine Kollegin sah dagegen wahrlich enttäuscht aus. Möchte auch nicht wissen wie viel psychologische Hilfsarbeit die in den Semestern jeweils leisten müssen…. Akute Ersthilfe von völlig verzweifelten Studierenden. Die Odyssee diesbezüglich des Nebenfachwechsels hatte ich erwähnt? Nein? Kurzfassung: Er entsprach dem klischeehaften Amtsbesuch. Bitte wenden sie sich an Person X, dieses leiteten einen dann weiter an Person Y, diese wiederum wieder zurück an Person X und darüber hinaus noch an Person Z und M weiter… Die Koordination meiner Studienkoordination ist absolut nicht gegeben und ich frage mich ernsthaft weshalb meine Uni das Exzellenzcluster verliehen bekommen hat. Wobei Kunstgeschichte nicht unter die Disziplinen fällt dafür die Indo- bzw. Tibetologie. Zugegeben, das ist cool. Der Rest… verständlich aber die Physik hat eh schon so viel Geld und die Information habe ich von den besagten Physikern. Es ist also kein Vorurteil!

Ich persönlich wäre ein Fan davon, wenn sie mit der großangekündigten Baustelle auch endlich mal anfangen würden. Wir warten mittlerweile seit etwa über zwei Jahren. Bin gespannt, ob ich den Beginn noch erleben werde. Den Abschluss des Baus jedenfalls definitiv nicht mehr. Ich halte zwar die Regelstudienzeit für absoluten Bockmist, aber neun Jahre für meinen Bachelor wollte ich eigentlich auch nicht brauchen. Ein weiterer Alltagsthriller leistete sich übrigens meine Ärztin. Die meldete sich per Mail mit den ungefähren Worten: Blutergebnisse sind da, bitte machen Sie dringend einen Termin via Telefon aus. Weshalb sie sich bei mir per Mail meldet und ich dann via Telefon… ab dem Zeitpunkt habe ich dann aufgehört Dinge zu hinterfragen. Bei dem Wort dringend schrillten bei mir übrigens schon wieder die Alarmglocken. Die Antwort lautete dann: Ja also der nächste Termin wäre in zwei Wochen. Tödlich war es also nicht. Schön, dass wir drüber geredet haben. Apropos, meine Blutwerte sind übrigens wieder einwandfrei.

Aber nun zu positiveren Dingen. Halt wartet, eine Geschichte habe ich noch: Erstgespräche bei der Psychotherapeutin. Zuvor möchte ich jedoch anmerken, dass die Suche bisher erstaunlich gut funktioniert. Einen Termin zu ergattern ist allerdings etwas anderes. Bin trotzdem zuversichtlich, dass irgendwann mal etwas passen wird, denn augenscheinlich „gute“ Therapeut_innen gibt es in meiner Stadt wie Sand am Meer. Es überrascht mich ehrlich gesagt, dass ich viele mittlerweile per Mail anfragen kann und nicht mehr telefonieren muss. Ein Hoch auf die Technik und vor allem Inklusion von Menschen, die Telefonieren auf den Tod nicht leiden können. Nun zur eigentlichen witzigen Geschichte: Am Ende des Erstgesprächs (nach einem Diagnosegespräch, dem bekannten schriftlichen Fazit des Diagnosegesprächs und bereits einer Mail mit der Kurzfassung meiner Diagnosen und Anliegen) fiel folgende Aussage (ich zitiere!): Hm, dass ist ja schon was Komplexeres. Ach was, wirklich?  Ich dachte ich wäre nur zum Spaß hier und wir machen hier gleich Party mit Ringelpieps und Anfassen. Für solche Aussagen studieren Menschen?! Ich weiß wieder weshalb ich diese Kategorie von Mensch eigentlich nicht leiden kann.

Apropos Menschen, wir kommen nun in wirklich schönere Gefilde. Ich durfte mit ganz vielen tollen Menschen mein Geburtstag nachfeiern. Grandioser Abend und es ist auch nur ein Stuhl dabei kaputt gegangen. Ich muss jetzt nur schauen wie ich das ganze übrig gebliebene Bier wieder loswerde. Wobei das nächste Festival nähert sich… Zur Not wird es an diverse Mitcamper verschenkt. Ich meine, es ist Bier. Was kann bei Bier auf einem Festival schon schief gehen…? Ein Memo an mich selbst, geht niemals als Vegetarier das Grillfleisch einkaufen, auch wenn ihr zu zweit seid. Zwei Vegetarier reißen es dann nämlich auch nicht mehr heraus. Wenn ich die Schafs-, Ziegen- und Kuhweiden ausklammere habe ich noch nie so lange vor einer Fleischtheke gestanden. Letztendlich haben wir dann per Ausschlussverfahren über Fragen wie Wie war das noch mal mit halal oder koscher? Und haben wir Leistungssportler oder Fitnessfanatiker bei uns? Einkaufen kann wahnsinnig anstrengend werden. Grillkäse ist da einfach genügsamer (und sehr viel leckerer).

 

So hier psychologische Psychotherapeuten, ihr seid gefragt:

»(…)Oft sprechen wir darüber, wie ihr kämpfen sollt, aber wir reden nie über das Warum.«

S. 24- Children of Blood and Bone von Tomi Adeyemi

 

Ich glaube K. Müller irrt sich, dieses Gefühl kennen verdammt viele Menschen nicht. Leider:

Der Mann zwischen den Schwalben war der Einzige, der dieses Gefühl der Leichtigkeit nicht hatte. Der Mann zwischen den Schwalben war Kurt Müller, arbeitsloser Schauspieler Mitte vierzig, der sich gerade beunruhigend schwer fühlte.

S. 8- Herr Müller, die verrückte Katze und Gott von Ewald Arenz

 

 

Die Frauen des Dorfs beglückwünschten meine Mut­ter, Dein Sohn, der Eddy, der ist gut erzogen, der ist nicht wie die anderen, das merkt man gleich. Und meine Mut­ter war stolz, sie beglückwünschte mich ihrerseits.

S. 30- Das Ende von Eddy von Louis Édouard

 

Sich aber dann über den Tod von Robin Wiliams oder Jonghyun mokieren:

„You know“, he said, „these smart-alec show-off suicides really make me tired. They only do it to annoy.“

S. 49- The Long Dark Tea-time of the Soul von Douglas Adams

 

Der Satz hätte von mir stammen können nachdem wir die halbe Stadt in Brand gesetzt und die Bank ausgeraubt und ein Wasserstoffbombenäquivalent geklaut haben. Pen and Paper, immer wieder schön:

„Ich bitte Euch- keine moralischen Vorhaltungen! Dafür ist es reichlich zu spät!“

S. 8- Das Herz im Glas von Katharina V. Haderer

 

Etwas Selbsterkenntnis als Schlusswort zu diesem Monat:

Vielleicht trieb mich das unbewusste Bestreben einer Rechtfertigung vor mir selbst, nicht nur dessen, was ich getan hatte, sondern auch des Menschen, zu dem ich geworden war.

S. 892- Diener der alten Macht. Das Erbe der Weitseher von Robin Hobb

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