Monat: Juni 2016

Gesammelte Schätze des Monats der Sommersonnenwende

Im Monat der Sommersonnenwende widmen wir uns nun der der eigenen Identitätsfindung… vielleicht diesmal sogar mit mehr Erfolg als im Monat der Hexen…

So nun aber, schließet die Augen und stimmt mit ein in ein lautes:

»KIAIII!«, brüllt der Mann, der sich auf die Nonne stürtzt und dabei eine Motorsäge schwingend. Die taff aussehende Nonne brüllt »KIAIII?« zurück und tritt ihn formvollendet, wobei sich der Rock ihres Habits komplex um sie bauscht.

S. 1006- Unendlicher Spaß von David Foster Wallace

 

Und die erste Identität kommt zum Vorschein:

Mein Name ist Andre Gage. Als ich aus dem See stieg , war ich sechsundzwanzig Jahree alt. Ich wurde mit emines Vaters Kraft geboren, doch ohne seine Müdigkeit; mit seinr Beharrlichkeit, doch ohne seinen Schmerz. Ih wurde dazu aufgerufen, das werk zu ende zu führen, das mein vater begonnen hatte: eine aufgabe, die er sichvorgenommen hatte, für die sich aber geschaffen worden war.

S. 1- Ich und die Anderen von Matt Ruff

 

Es geht sogar noch dramatischer…

»Mein Name ist übrigens Henrey Thoren. Meinetwegen kannst du mich auch ›Puppenspieler‹ nennen. Die Geschich- ten schreibt allerdings ein anderer.«

S. 37- Die Blausteinkriege I von T.S. Orgel

 

…in der Verbindung mit dem hier:

„Weil Ihr der Puppenspieler seid.“ Sie nickte in Richtung des Flammentempels. „Ich habe Euch auf der Bühne gesehen. Ihr sagt den Adligen dort oben, welche Rolle sie zu spielen haben, nicht wahr?“

„Eine interessante Feststellung.“ Der Glatzkopf wischte sich mit dem Ärmel über den Mund. „Wenn ich der Puppenspieler sein soll, wer sind dann deiner Meinung nach die Marionetten?“

S. 36- Die Blausteinkriege I von T.S. Orgel

 

… und hier wohne ich:

Diese Villa ist meine Welt. Das Kaminzimmer ist mein Asien, die Bibliothek mein Europa, die Küche mein Afrika. Nordamerika liegt in meinem Arbeitszimmer. Mein Schlafzimmer ist Südamerika, und Australien und Ozeanien liegen auf meiner Terrasse.

S. 6- Die Falle von Melanie Raabe

 

… und dies ist meine Hobby:

„Weswegen bist du hier?“, hatte die andere gefragt. Sie wirkte hart und zugedröhnt und war offensichtlich auf einem ganz anderen Spielplatz unterwegs gewesen, als sie verhaftet wurde.

„Mord“, hatte Claire geantwortet, da sie beschlossen hatte, das Ganze einfach nicht ernst zu nehmen.

S. 14- Pretty Girls von Karin Sluaghter 

 

Was soll man dazu denn noch sagen?

Marathe zuckte mit den Schultern.» Die Besessenen sind oft zäh.«

S. 931- Unendlicher Spaß von David Foster Wallace

 

und jetzt zu dir mein lieber Leser

Du bist die Assitusse mit den zwei Jahre alten Sneakers. Du bist die, über die alle hinter ihrem Rücken witze machen: Ich habe neulich Nele gesehen Pfandflaschensammeln am Hauptbahnhof.

S. 6-7-  Ghetto Bitch Gernot von  Gricksch

 

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Impressionen aus meiner Existenz

So, als Entschädigung für die letzwöchentliche Verspätung gibt es diese Woche gleich zwei Beitrage… was für ein Luxus. Zumindest ein halber, da dieser eher nur gerade so wieder spiegelt was mir derzeit so alles über den Weg läuft. Einen kleiner Einblick in meinen Alltag zuzusagen.

Frühstück

Es war mal ein Jogurt- Tetrapack… Bevor ich aufgestanden war, denn wie ihr seht hatte ich Hunger und wenn mir der Jogurt zu langsam aus der Packung tropft muss ich eben etwas nachhelfen.

Memo an euch: Sprecht mich bloß nicht an, wenn ich Hunger habe die Wahrscheinlichkeit das ihr genauso so endet ist relativ groß.

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Auf dem Schulweg entdecke ich oft Sachen, die ich vorher meist weder bedacht noch vorher je wahrgenommen habe. Beispielsweise wie gut sich ein Balkon als Parkplatz eignet. Kreativität ist im Kampf gegen den vorschriftsliebende Vermieter eben keine Grenzen gesetzt und diese Kreativität sollte erhalten werden.

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Sobald die Schüler sich auf den recht unbequemen niederlassen, heißt es dann für die nächsten 90 Minuten zu nicken, schreiben und (wenn man Glück hat) sich vielleicht sogar einmal zur Wort kommen lassen.

Viele Leerkörper rezitieren leider immer noch bloß den Stoff aus den Büchern, so dass man als williger Schüler die jeweiligen Bücher nur durchlesen muss und dann alles Wort für Wort übernehmen kann… Meine Highlights sind deshalb Deutsch und Geschichte, manchmal auch an sehr sehr guten und sehr seltenen Tagen Kunst sowie Theater.

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Nach dem Ankommen wartet auch schon der häusliche Wahnsinn, wie Wolf, Raubtier, Essen vorbereiten sowie anschließende Nahrungszufur. Dann Hausaufgaben und schließlich Freizeit.

Meist hilft mir meine Mitbewohnerin und wir meistern den häuslichen Haushalt gemeinsam. Wie ihr seht entsteht dabei sogar von Zeit zu Zeit heimelige Kunst. Die Zutaten? Ein Reiniger, ein zweiter Reiniger und Küchencrêpe, gefolgt von einer chemische Reaktion et voilà… fertig ist die modern Art of Kitchen. Warum ich beziehungsweise meine Mitbewohner vor dem Kochen die Küche reinigen verstehe ich allerdings bis heute nicht. Weshalb seht ihr hier…

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Eigentlich wollte ich wie jeden zweiten Dienstag brav mein Gemüse dünsten…  schließlich machen sich Gemüse sowie Obst hervorragend in den vietnamesischen Reispapierrollen. Den Dampfgareinsatz einfach in den Topf gesetzt und den Herd selbst bis zum Anschlag hochgeschaltet. Davon mal abgesehen, dass ich völlig vergessen hatte Wasser unter den Einsatz einlaufen zu lassen fand eine merkwürdige Geruchsentwicklung statt. Ich dachte es läge an den angebrannten Karotten, die unter dem Dampfgarstützgerüst lagen, da die kleinen Eisenbeinchen schon vor Jahren weggebrochen waren. Falsch gedacht, denn als ich einfach Wasser über das Gemüse kippte und weiter garen wollte duplizierte sich die Geruchsentwicklung dramatisch. Irgendwann nahm ich dann den Dampfgarer ab… und ich fand das hier vor. In meiner Naivität und Überraschtheit fragte ich mich ob Möhren tatsächlich so viel Stärke enthielten, dass so etwas daraus entstehen konnte. Wohl kaum, zumal es sich eher so gummiartig anfühlte.

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Nachdem ersten Schock und dem Schnabulieren des Abendmahls fing ich an das merkwürdige durchsichtige Etwas aus dem Topf zu entfernen. Dieses Vorhaben funktionierte allerdings weder mit der Allzweckwaffe Froschreiniger noch mit dem Keramikreiniger und so holte ich irgendwann die heimische Atomwaffe: unseren uralten ultrascharfen Cutter.  Siehe da, es funktionierte wunderbar. Heute ist dieses Deckeletwas in das unendlich große Sammelsorium meines Mitbewohners eingezogen und wird von nun an ihm treue dienst leisten da bin ich mir sicher….Ach ja, denn dieses Gummieding war tatsächlich keine Stärke sondern eben ein durchsichtiger Deckel, der anscheinend irgendwie unten an dem Einsatz fest geklebt war.

Memo an mich selbst: Immer alles umdrehen bevor man es benutzt.

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Und nach einem so mit Adrenalin vollgepumpten Tag möchte ich meist einfach nur in meinem gemütlichen Knautschzeug ins weiche Bett fallen… Aber wehe irgendjemandem fällt spontan ein, dass er etwas vergessen hat. Dann muss nämlich ich noch einmal raus, egal um welchen Preis. Nach all den Jahren habe ich logischerweise damit umzugehen gelernt.

 

Ich werde langsam wahnsinnig vor lauter Liebe…

So meine Liebe Outofjointließ einfach 😀 Ich sage nur 10 Stunden Bahnfahrt zwischen lauter betrunkenen Deutschlandfans, mit nur drei Stunden Schlaf… Viel Spaß!

Was denkst du bei wie vielen dieser „Würdest du eher …“-Entscheidungen man im wahren Leben doch anders entscheiden würde als man es bei einem Online-Quiz tut?

Zu 99% tatsächlich nein würde ich nicht. Da meine Veranlagungen in der Implusivität und auf der Ehrlichkeit beruhen fallen mir solche oft Nichtigen-Entscheidungen sehr leicht. Geht es um Essen, bin biologisch und ethisch eh eingeschränkt und geht es um Action bevorzuge ich dass worauf ich lust habe, aber nicht Todesangst empfinden würde… Da ist mein Selbsterhaltungstrieb zu groß.

Ein Beispiel gefällig? Wir mussten mal geschlossen als gesamte Klasse an einem sogennanten GESA-Test teilnehmen zur Berufsfindung nach unserem Abschluss. Dieser Test war für 90 Minuten angesetzt und obwohl ich ähnlich lange bei den Intelligenz sowie Allgemein Fragen wie die Anderen brauchte, war ich nach gut 60 Minuten fertig.

Der Grund war der persönliche Präferenzen- Block…  Wünsche, Fähigkeiten, Selbsteinschätzung, Referenzen all das wurde abgefragt und zu jeder Frage wusste ich binnen Sekunden eine Antwort.

Ich weiss, dass ich nicht mit Menschen umgehen kann also fällt alles soziale weg, ebenso sind Zahlen nicht unbedingt meine besten Freunde mit denen ich den Rest meines Lebens teilen möchte genauso verhält es sich mit Duftstoffen.

So lässt sich das ziemlich leicht übertragen… Wozu Eiscreme in einer Churro-Schale essen, wenn ich erstens keine Churros mag und zweiten ich dafür Aubgerinen Pakohra bekommen würde!

Ich hätte auch lieber große Ohren, als eine lange Nase. Die Ohren könnte man zusammen binden, ich könnte besser höen und vielleicht sogar damit fliegen…

Kurz um ich übertrage Would you rather Fragen immer in die Realität, weshalb ich in der Realität auc nicht anders antworten würde.

Was hältst du von Networking? Sinnvoll, hilfreich, unterhaltsam oder anstrengend, fake und nutzlos?

Schaut man sich die Mencheitgeschichte so and fäll auf dass es so einige Verbände oder Netzwerk gab angefangen im 2.600.000 v. Chr in der Altseinzeit, als es verschiedene Ansammmlungen von Menschenrudeln exestierten, die zusammen jagten und sammelten. Zusammenarbeit sicherte damals das Überleben. Im Laufe der Geschichte etablierten sich Netzwerke, als Gruppierungen, Verbände, Orden, Gilden oder weiteren Stämmen… aus religiösen, ethischen oder etwaigen anderen Gründen. Beispielweise die genannten Beispiele (ich habe versucht wirklich jede geschichtliche Periode abzudecken plus jeweile Kontinente, die Aufzählung ist also etwas länger gworden. Entschuldigt, aber dass habt ihr davon wenn die Besitzerin des Blogs gerade mehrere geschichts Referate sowie Hausarbeiten hinter sich hat. Wer sich dies nicht antuen möchte; einfach überspringen)

Also beginnen wir… mit Echnaton, der damals im alten Äghypten die bis dato vereehrten Götter abschffte und mit der Verehrung Atons den Monotheismus angestrebt. Hat ihm allerdings nicht wirklich viel genützt, denn die Bevölkerung war von dem plötzlichen religösen Umschwung nicht wirklich amüsiert… sein Tod ist bis heute ungeklärt.

Krieg zwischen Athen und Sparta… Diese Odysee muss ich jetzt nicht wirklich kriegerisch erläutern oder? Kurz zusammen gefasst: Athener sahen ich selbst als Denker, die Spartaner als Krieger und wenn unterschiedlche Ideologien innerhalb eines engen Raumes aneinander geraten kracht es gerne einmal, vor allem wenn beide führende Staatsmächte sind und expandieren wollen…

Römer und… der Rest? Hat bis ins Jahr 480 n. Chr ganz gut funktioniert bis die Mischung aus Dekadenz und Germanen die römische Verwaltung sowie schier endlose Infrastrukturennetz der Kolonien mal ein wenig dezimierten beziehungsweise dem Erdbodengleichmachten…

Ähnlich wie Sparte und Athen sich bekriegten, war es dank Mohammed irgendwann Medina und Mekka.

Die Tempelritter, das Beispiel für eine funktionierende Allianz aller erste Güte. Immerhin er vereinigte Mönche sowie Ritter unter einem Dach und das knapp 200 Jahre lang. Mit der Hilfe Gottes konnten die jeweiligen Eliteeinheiten tun lassen was ihnen gefällt, solange es nicht gegen das Wort des Papstes oder eine der 72 Ordensregeln verstieß. Ein kriegerisches Netzwerk um die wehrlosen Pilger zu schützen, um dann irgendwann sämtliche Osmanen abzuschlachten.

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Es war einmal….

Ich bin dank eines Theaterprojektes mal wieder rigeros abstinent, so dass nun eine etwas ältere Kurzgeschichte herhalten muss. Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich euch gerade auf den zweiten Platz meiner Aufmerksamkeit degradiert habe. Ich verspreche hoch und heilig, dass nächste Woche mal wieder etwas aktuelleres erscheint…

Es war einmal ein Prinz, weit drüben im Märchenlande. Weil der nur ein Träumer war, liebte er es sehr, auf einer Wiese nahe dem Schlosse zu liegen und träumend in den blauen Himmel zu starren. Denn auf dieser Wiese blühten die Blumen größer und schöner wie sonstwo… -Bertolt Brecht

Doch bald nahm das satte Blau des Himmels allmählich ab, immer mehr verlor es seine Farbe bis er dem Gefieder eines gemeinen Straßenvogels ähnelte, der sich drüben in den Armenvierteln der um jeden Brotkrumen arg zankte. Dies trübte den Prinzen, waren seine Träume nun nicht mehr so farbenfroh und leuchtend wie die Glühwürmchen die Nachts um sein Fenster herum schwirrten. Bald schwanden ebenfalls die leuchtenden Farben der Blumen von Tag zu Tag bis nur noch graue Fetzten an den Stängeln hingen. Der junge Herrscher bekam es mit der Angst zu tun, so etwas hatte er noch nie erlebt. Stand das Ende der Welt bevor? Ihm wurde ganz Bang ums Herz, was sollte er bloß tun? Denn auf das plötzliche Blumensterben folgte auch die erschreckende Beobachtung, dass die Blätter sich verfärbten ähnlich wie die Blumen nur wurden sie nicht grau, nicht schwarz sondern gelb, orange und rot. Nur die Nadelbäume blieben ungerührt und versteckten sich in der warmen Farbenpracht. Ob die grünen Bäume wohl gehänselt wurden beim Versteckspiel? Grasgrün ließ sich schwer tarnen in dem Meer aus grau und orange. Der Prinz seufzte. Wie weit die Bäume wohl laufen mussten um passende Verstecke zu finden? Konnten Bäume überhaupt zählen oder warteten sie nach einer inneren Uhr einfach ab? Vielleicht waren die Bäume auch Schuld, dass es den Blumen so schlecht ging. Wenn Bäume rannten musste sicherlich die Erde beben. Was sollten die kleinen zarten Blüten diesen massigen Monumenten aus Holz entgegensetzten? Der Prinz fühlte die Wut in sich hinauf steigen, wie eine kleine Spinne das Regenrohr an der Schlossfassade. Die Angst um sein Königreich hatte er vergessen. Er musste die Blüten retten, wenn die Bäume ihr Versteckspiel unterlassen würden, erginge es den Blumen bestimmt besser. Insgeheim fasste er einen Entschluss: Das Blumensterben musste verhindert. Koste es was es wolle! Und er selbst würde den Grundstein dafür legen.

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54. „Ich zeichne Faultiere für die Nachwelt“ -Ice Age

54. „Ich zeichne Faultiere für die Nachwelt“ -Ice Age

„Nächste Haltestelle …..!“

Ich sprang auf. Wie der nächste Halt hieß wusste ich schon seit Jahren, schließlich träumte ich eben so lange mir hier meinen Lebenstraum zu verwirklichen. Zugegeben ein wenig nervös war ich schon, aber das gehörte eben dazu. In dem Moment kam mir der Lieblingsspruch meiner Großmutter in den Sinn, stets predigte sie mir: Leben heißt Veränderung sagte der Stein zur Blume und flog davon. Im zarten Alter von fünf Jahren gefiel er mir außerordentlich gut, doch spätestens als meine beste Freundin auf die andere Seite der Erde zog, ich von meiner ersten großen Liebe betrogen wurde oder ich meinen Lebenstraum entdeckte ging er mir zusehends auf die Nerven.

Es gab Dinge die sich nicht veränderten wie mein Traum beispielsweise. Fünf Jahre mochten für manche eine kurze Zeit, doch für mich war es eine halbe Ewigkeit und diese undefinierte Ära reichte aus um mir die Entscheidung der Vermählung mit mir selbst und der Kunst abzunehmen. Ich hatte gesucht, gelesen, weiter gesucht, Termine vereinbart, weiter überlegt, gefunden, verworfen, wieder gesucht und vor ein paar Wochen hatte plötzlich alles gepasst. Der Ort, die Menschen, der Preis sowie meine Wünsche. Endlich fühlte ich mich respektiert und ernst genommen, außer der Himmel. Er fand meinen Lebenstraum wohl nicht allzu prickelnd, denn er schickte mir den heißesten Tag des Jahres ohne auch nur eine einzige Brise geschweige den Wolken.

Zu meinem Bedauern war da nicht nur der sengende Scherz der brennenden Mittagssonne sondern ebenso diese Angst. Diese verdammte Angst, sie ließ sich trotz Optimismus und immer wieder kurz aufblitzenden Glücksgefühlen einfach nicht abschütteln. Unversehens spürte ich wie der Wagen langsamer wurde, dann erschien der kühle orange, grün, gelb gekachelte Bahnhof in meinem Blickfeld. Die Türen schwangen wie von Geisterhand und mit einem undurchdringlichen Quietschen auf und ich sprang quasi aus dem Zug. Ich durfte meinem Restzweifel auf keinen Fall die Oberhand übergeben. Komme was wolle, ich würde es durchziehen. Kneifen galt nicht, auch wenn niemand, wirklich niemand von meinem Vorhaben wusste. Wenn es auch nur irgendjemand erfahren hätte, wäre ich auf dem Präsentierteller meines gesamten Freundes- sowie Familienkreises verbal gehängt worden.

Aber egal ich durfte jetzt keine kostbare Energie verschwenden um mich um andere zu kümmern. Bloß nicht, also Treppe hinab sprinten. Die Hitze traf mich wie ein Vorschlaghammer, der Bahnhof selbst war trügerisch kühl gewesen, doch der Rest der Welt schien dem Hitzetod erlegen. Kein Wunder, dass keine einzige Seele auf der weiten Verkehrsstrasse zu sehen war.

Straßenseite wechseln, Fassade suchen… Noch 20 Meter. In mir kribbelte es, besonders in meiner Nase. Noch 10 Meter, ich fing an in meinem Schweiss zu baden. Die Hitze, und die Angst ließ meinen Körper einen gewaltigen Cocktail voller Adrenalin, Testosteron, Endorphine sowie Trijodthyronin. Konnten Frauen überhaupt Testosteron bilden?! Verdammt vor Aufregung konnte ich mir noch nicht einmal den Stoff des ersten Semesters merken.

Mittlerweile hatte sich meine Nervosität mit meiner Angst zu einem fiesen Darmknäul entwickelt welches sich ganz langsam als lähmende Ungewissheit in meinen Adern ausbreitete. Das Gift des Menschen: seine Launen. Hätte ich nicht doch noch einige Nächte darüber schlafen sollen? Oder lieber Sophie mitnehmen sollen? Ich hatte selbst überlegt, ob ich Anke bitte sollte… aber wenn es Anke wusste, wussten es alle.

Vor wenigen Tagen hatte ich mir noch gesagt, dass ich tapfer genug wäre um diese Stunden mit mir allein durch stehen zu können. Es wäre ein hervorragender Selbstfindungsprozess werden. So viel zum Thema Erwachsenenvernunft. Im Moment hatte ich nicht den geringsten Hauch des Gefühls, dass immense Schmerzen meine Selbstfindung auch nur irgendwie positiv beeinflussen würden. Wo musste ich eigentlich stehen bleiben? Richtig, bei Meter null. Null Meter über dem Abgrund der Hölle oder null Meter vor dem Eingang zum Himmel… Wie ging das gleich noch einmal? Schultern straffen, Brust raus und lächeln. Es würde so oder so kein zurück geben, also was sollte schon passieren. Dieses Ereignis hatte ich seit Monaten geplant… Es war alles abgesprochen worden, mehrmals sogar. Wieso blieben also mir diese Bedenken? Ich würde gerade wegs durch diese Tür hinein gehen, meine alte Hülle abstreifen und als vollkommen neuer Mensch hinauskommen. Wo war das Problem?!

Es gab keins. Punkt fertig aus, meine Angst wollte mir nur einen Streich spielen nichts weiter… Mit einem gewaltigen Zischen zog ich die Luft ein und drückte dann versucht entschlossen die Tür auf. Ein Windspiel ertönte. Ein Windspiel in einem Tattoostudio? Das war bei meinem letzten Besuch aber nicht hier gewesen… Sofort nagte die eben noch erfolgreiche verdrängte Angst wieder an mir. Windspiele hingen doch nur bei Dosensammelnden Omas, nicht dass ich etwas gegen dosensammelnde Oamas habe, die im Wald wohnen mit ihren zwölf Katzen, aber von einer solchen älteren Dame wollte ich in Paracelsus Namen nicht gezeichnet fürs Leben werden! War so etwas überhaupt legal? Die Crew zu wechseln ohne jemandem auch nur ein Sterbenswörtchen zu erzählen? Ich spürte wie ein sich das ganz kleine Schweißrinsal das meine Wirbelsäule entlang lief leicht anstieg, wehe es würde ein Amazonas werden. Ich sah mich im Vorzimmer um. Allerdings sehr, sehr langsam… Falls ich auch nur eine unbekannte Nasenspitze erblicken würde, wäre ich ebenso schnell wieder weg mit Hyperlichtgeschwindigkeit. Auf ins andere Ende des Universum!

Nach einigen Sekunden angestrengtesten Lauschens setze ich zögerlich einen Schritt vor den anderen Richtung Tresen. Dann fiel mein Blick auf die Klingel… Konnte ich es wagen? Sicher… Im Klingelstreichspielen war ich schon immer die Größte gewesen, nur Bowie war damals noch flinker gewesen als ich. Dennoch, sollte ich sie wirklich drücken? Dann gäbe es wirklich kein Zurück mehr. Jetzt könnte ich immer noch umdrehen und mir lebenslang einreden, dass ich es geschafft hätte, aber unter diesen Umständen niemals.

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