Monat: November 2015

Tunnelblick

Im Anschluss an den Brief für Mr. Salinger ist hinterher auch noch eine Zeichnung entstanden. Meine Lieblingsszene…

Es war allerdings relativ schwierig eine Szene zu finden, denn a. das Buch ist durchgehend so genial, dass man das gesamte Buch zeichnen könnte und b. ich hasste damals Zeichnen. Deshalb viel ein Großteil der Personen bzw. Szenen einfach weg. Also was tun wenn man eigentlich Personen zeichnen müsste, aber beides nicht kann oder einfach sehr, sehr uninspirierend findet. Man sucht und sucht nach einer Lösung, ich habe das Buch durchgeblättert inklusive sämtlicher Museumsführer die meine Mitbewohner und ich besitzen… So ganz half mir das immer noch nicht weiter, bis sich anscheinend einer meiner Neuronen dazu bequemte durch mein Hirn zu sausen an die passenden Nerv anzudocken und eine Idee ausspuckte. Wieso es einfach nicht abstrahieren und mehr symbolisch arbeiten? Gefühl anstatt Objektivität. Expressionismus anstatt Impressionismus oder neue Sachlichkeit. Die Idee wurde geskribbelt und das Perspektiven Buch fand seine wiederholte Verwendung. Zumindest Perspektive kann ich einigermaßen, das müsste klappen. Nach 3 Tagen war ich dann auch fertig und einigermaßen zufrieden.

Wer Lust hat sich mit der Interpretation auszutoben, kann dies nu gerne tun. Für alle anderen geht es unten weiter…

Tunnelblick

 

Die erste Frage, die ich euch nun stelle: Seid ihr neugierig auf meine Interpretation oder einfach nur unheimlich unkreativ? Wie auch immer… Wer das Buch gelesen hat ist allerdings auch dieses Mal wieder klar im Vorteil. Denn im Verlauf lässt sich sagen, dass Holden nun ja… Geistig etwas speziell wird oder wie heute private Ärzte sagen würden: Er erkrankt an dem behrühmt-berüchtigten Burnout-Snydrom. Zumindest an einer Form… Ich bin mir nicht sicher, ob man mit 16 schon so ausgebrannt sein kann wie eine Adventskerze an Silvester. Ich würde deshalb die Bezeichnung hoffnungslos Überfordert gepaart mit Leistungsdruckdepressionen bevorzugen. Aber weiter im Text. Der Auslöser für Holdens nun geistige Abstinenz ist wohl der Besuch bei seinem ehemaligen Englischlehrer. Nachdem er völlig verstört aus der Wohnung von Mr. Antolini flüchtet und halb wahsinnig die Nacht in der Grand Central Station verbracht hat fast er einen Entschluss: Er wird niemals nach Hause zurück zu kehren. Lieber trampt er gen Westen und schlägt sich als taubstummer Tankwart durch, als noch einmal in diese Familienhölle zurück zukehren. Doch bevor er seine endgültige Entscheidung in die tat umsetzt Möchte er sich zumindest ein letztes mal seine kleine Schwester Phoebe sehen, die ihm mehr als alles andere bedeutet. Getroffen werden soll sich am Naturkundemuseum an der Sixth Avenue und eben diese Warteszene habe ich gezeichnet. Das wäre die kleine Zusammenfassung… jetzt kommen wir zur Interpretation.

 

Sicherlich kennt ihr das psychische Phänomen des Tunnelblicks oder lieber doch nicht? Also ich hoffe stark, dass ihr nie so gestresst oder reizüberflutet wart, dass ihr dieses Phänomen selbst durchleben durftet. Doch statt aus dem Affekt einen Mord zu begehen wie es uns im Abendprogramm meist dargelegt wird, abstrahiert sich lediglich sein Blickfeld. Dabei schaut der die Sixth Avenue herunter und hofft dabei auf Phoebe, die sogleich um die Ecke biegen müsste. Der Lichtschein und der blaue Himmel kündigen sie nämlich als Rettung an. Sie allein ist der letze Lichtstrahl oder Hoffnungsschimmer in seiner jetzigen Lebenssituation und das Einzige was ihm hilft nicht die Haftung an der Realität zu verlieren und völlig abzudriften, in seinen mittlerweile völlig vernebelten, abgrundtiefen Geist.

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„Wir wollen Frieden, wir wollen Freiheit!“

„Was würdet ihr tun ohne Freiheit?“ -Braveheart

"Wir wollen Frieden, wir wollen Freiheit!" -Planet der Affen 2

„Die Freiheit…Die Freiheit. Das sehen wir daran, wie weit ein Mensch geht. um die Freiheit zurück zu erlangen, die man ihm genommen hat. Sie werden ihre Ketten zerbrechen, sie werden ihre Feinde dezimieren, sie werden wieder und wieder und wieder, gegen alle Hindernisse, gegen alle Vorurteile versuchen Nachhause zu kommen.“ -Amistad

Weil man es besser nicht ausdrücken kann… Für alle Menschen auf Erden!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allerhand schulisches…

Hier bin ich wieder! Nun (fast) sogar in Echtzeit. Zumindest mit aktuellen Themen, die noch interessanter sind als die in der Tagesshow. Nicht. Vielleicht für diejenigen, die nun mit ins Stalkergeschäft einsteigen wollen, denn: Die liebe Schuhle hat wieder begonnen. Nicht jetzt und auch nicht gestern, sondern vor längerer Zeit, aber erst jetzt gibt es so wirklich richtig was zu erzählen… Wie genial 36 Wochenstunden sein können, die Hausarbeiten jetzt nicht mit einberechnet erwähne ich an dieser Stelle nicht. Bei meinem Anblick meines Stundenplans bzw. den Stundenplan für unsere gesamte Stufe bekamen jeder ein große P wie Panik in die Augen gesetzt. Dieser Plan war so unglaublich unübersichtlich, dass niemand wusste wo, wann, wer sein sollte, musste oder durfte. Die ganzen neuen Lehrerkürzel kannten wir sowieso nicht, denn über die Ferien hat sich gefühlt unser halbes Kollegium verheiratet oder ausgetauscht. Diese Lehrerkürzel sind nämlich verdammt wichtig. Die zwei Wochen Kurstauschmöglichkeit müssen schließlich rege genutzt werden. Leider hat es bei mir in Biologie nicht mehr geklappt und das folgende viertel Jahr wird die Hölle! Dennoch am ersten Schultag nach den großen Ferien ist das Gefühl zu den Semi-Seniors zu gehören einfach unbeschreiblich. Man hatt den besten Stundenplan der bisherigen mühsam absolvierten Schulkarriere, darf jederzeit ungefragt, alleine das Schulgelände verlassen und man wird manchmal gesietzt… von unserem neuen Geschichtslehrer beispielsweise.

Was irgendwie schön ist, aber auch sehr anstrengend sind die neue Bekanntschaften, Gesichter und Konversationsmöglichkeiten. Altbekannte Gesichter sind noch einmal um gefühlte 50cm gewachsen und die Hälfte verdrückt sich in der Pause entweder auf das Klo um ihre wundheilenden Salben auf ihre frisch gepiercten oder tatoowierten Stellen zu reiben oder sie gehen im Pulk gemeinsam rauchen. Glaubt mir so viel Kaugummi, Deo oder Parfumgeruch habt ihr noch nie in einem Klassenraum gerochen. Nachdem ganzen Gedrücke, Wiedersehensgekreische, und Lobausteilungen für die jeweilige neue Bodymodifikation wurde uns endlich unser individueller Stundenplan ausgeteilt, den jeder Verstand und danach ging es prompt mit unseren Tutoren gen Horizont. Wir kamen von den blauen Bergen und dahin werden wir auch wieder zurückkehren oder so ähnlich. In den ersten Stunden hieß es einfach nur mitschreiben und brav lächeln.

Ungelogen wir sind die Schule mit den meisten Kopien in unserer Stadt und ich bin mir sicher, dass das nur an Herrn Andrenalienjunkie liegt. Ich kenne keinen andere Menschen, der so viel kopiert wie er. Das Staatsarchiv müsste über ernsthafte Konkurenz nachdenken. Doch Ende der ersten Stunde wurden die ersten Wellen der Aufregung flacher und die gesamte Schülerschaft sank in eine Art Wachkoma. Meine Konzentration ließ nach, die Lust an allem Neuen ebenso. Die Reaktion? Lustloses Herumgekritzele auf meinem frisch gekauften Öko-Papier Block, dies tat ich so lange bis sich ganz langsam ein Zettelchen in mein Blickfeld schob. Seit wann konnten Zettel laufen? So müde war ich noch nicht, dass ich jedglichen Bezug zur Realität verloren hatte, zumal es keine Brownies mit Extrazutat zum Abendessen geben hatte… und auch niemals geben wird! Der Zettel bewegte sich allerdings beharrlich weiter und zwar in Richtung meiner linken Hand. Es dauerte allerdings seine Zeit bis ich erfasste was darauf stand, diese krakeligen Horrorbuchstaben meines besten Klassenkameraden und Freizeitganoven Mister J kann selbst er nicht mehr lesen.

Aber das Wort: Öffnen, bewegten mich doch dazu hurtig den zerknüllten Wisch ausseinander zu friemeln. Was für ein Morgenmuffel vor dem Herren. Zumal er erst eben gerade gekommen war, die gesamte Wilkommensrede und Einweisung hatte er mehr oder weniger absichtlich verschlafen. Nach einem zögerlichen Blick griff ich ganz vorsichtig und sehr unaufällig nach dem Zettel. Dabei übersah ich allerdings leider die Trinkflasche meiner Freundin, die gefährlich an zu schwanken drohte. Reflexartig wollte ich nach dem roten Ungetüm greifen, da schmierte schon meine Federtasche ab, die ich nun versuchte mit meinem Kinn zu stoppen. So wie es kommen musste verlor ich dabei das Gleichgewicht, Kippeln auf dem Stuhl sei Dank und hing nun halb unter, halb über dem Tisch. Meine Federtasche und die Trinkflasche blieben zwar unversehrt, dafür schaute mich nun der gesamte Kurs eher fassungslos als mitfühlen an. Ich blickte halb mörderisch, halb verplant in die Gegend und in dem Moment in dem ich ganz langsam wieder auf meine Ursprungsposition zurück schlich fiel Mister J laut lachend vom Stuhl. Was für einen Einstieg ins Schuljahr. Miss Mckanzie störte es nicht, die dachte sich vermutlich eh, dass wir noch alle halb in den Seilen hingen. Womit sie nicht ganz falsch gedacht hatte. Sie lächelte mich einfach nur an und fragte: Bist du nicht Wang? Mein Gesichtsausdruck musste mir nun völlig entglitten sein, denn Mister J fiel noch einmal lachend vom Stuhl. Na, herzlichen Dank auch. Laschflashs können ansteckend sein, müssen aber nicht. Seine zukünftige Tutorin bei der Aufführung betrunken und halbwahnsinnig anzubrüllen hat also Wiedererkennenswert. Sehr schön. Wie auch immer zurück zum Zettel, der immer noch halb ungeöffnet vor mir auf dem Tisch lag. Der wohlformulierte Text lautete (Ich habe es mal versucht grammatikalisch lesbar zumachen):

Siehst aus wie ein Zombie. Zu viele Serien? Habe ja schon immer gesagt, Netflix ist der Untergang. Dahinter thronte der Red John Smiley… Unter dem Smiley gab es sogar noch etwas kreatives zum Ankreuzen. Meine Mitmachgen wurde im nu geweckt und es er gab sich folgendes: Die Antoworten auf seine Frage:

Ja, Nein und irgendetwas, undefinierbares, durchgestrichenes. Genau das kreiste ich ein und schrieb darunter: Ich kann dich beruhigen, du hast kein Lupus. 

Ich zielt und voll ins Schwarze. Das Geschoß verfehlte Mister Js Kopf nicht. Nimm das, du elender Knappe! Er selbst schaute mich mit seinem: Ist-das-nun-wirklich-dein-Ernst-Gesicht an. Ich grinste honigkuchenpferdartig zurück und winkte fröhlich. Diese Ergneisse waren leider die letzen, lustigen der Stunde, denn der Rest war ungefähr so langweilig wie Gras beim Wachsen zu zusehen. In der Pause trafen wir dann unerwartet auf Miss Piggydie uns etwas zu motiviert entgegen rief: In Prison again Bichtes! und bekam prompt von mir ein: Schatzi, orange steht dir nicht ebenso wenig sucht Sophia eine Assistentin, entgegen geschleudert. Wir grinsten uns halb tot und eine neue Mitschülerin, nennen wir sie Ölzeugliebhabrin lachte mit. Insiderwitze sind doch etwas feines. Was allerdings nicht so fein war, war das Ölzeuglieberhaberin nun die letze Staffel einer überhypten Serie schaut, fast am Ende der letzen Staffel ist und Mister J ihr unabsichtlich das Ende verraten hat.

Selbst unser Herr Adrenalienjunkie musterte J abschätzig, als er dies erfuhr. In der zweiten großen Pause hatten wir uns insofern wieder beruhigt, dass wir uns einigermaßen vernünftig artikulieren konnten. Wir lösten überraschender Weise sogar eine Matheaufgabe. Miss Piggy hatte als Mittagessen sich beispielslos eine Packung American Double Chocolatchip Cookies gekauft und betrachtete für vor dem Aufreißen kurz die Verpackung und meinte: Sagt mal, wie kann es sein, das die Verpackung 325g enthält und ein Cookie aber 50g wiegt? Ölzeuglebhaberin antwortete nur schulterzuckend: Halber Cokkie? Wir alle hielten gespannt den Atem an, als Miss Piggy die Tüte nun vorsichtiger als sonst aufriss. Wir alle tippen auf einen bloßen Druckfehler. Halbe Cookies? Wo sollte es denn so etwas geben? Doch siehe da ganz oben über all den anderen perfekt geformten braunen Heiligengralen lag feinsäuberliche ein einsortierter halber Cookie. Anscheinend war er von einem hungrigen Fabrikarbeiter probiert worden und fristete nun ein Einzeldasein als armer Außenseiter. Miss Hufflepuff schrieb dies als legendärstes Ereignis des Schuhljahres in ihr Jahrbuch hinein und schaute wiederholt skeptisch in die Packung. Der halbe Cookie blieb halbiert, doch war dies ebenfalls einerlei da Miss Piggy und Co. die Packung innerhalb von einer halben Minute wegeatmet hatten. Angesaugt und schwups weg waren die Kekse, auch der halbe Außenseiter.

Nicht ganz so fasziniert war ich von meinem Deutschkurs, da ich eine neue Lehrerin bekam. Frau Sonnenkönigin, ich kannte sie nicht und fand es reichlich ungerecht dass ich Herrn Adrenalienjunkie nicht mehr als Lehrer hatte. Sobald ich das auch nur verbal äußerte bekam ich ein Tauschangebot einiger ehemaligen Klassenkamerdaen. Nur würde ich mit dem Tausch nicht in meinen gewünschten Deutschkurs kommen sondern in den dritten. Den Kurs von Herrn Diktator. Niemals, würde ich in diesen Kurs wecsheln. Es mochte vielleicht sein, dass sie selbst raus wollten, aber ich wollte eben nicht rein. Ich bin zum Teil recht geduldig, aber lieber hätte ich für den Rest des Jahres Ordnungsdienst gemacht, als in den Deutschkurs des Herrn Diktators zu gehen. Von meinen alten Klassenkameraden wurde ich allerdings nur angefahren warum ich denn nicht wechseln würde. Ich käme doch so gut mit ihm aus. Sie dagegen würden ihn ja hassen…

Und ich nicht oder wie?! Nur weil ich mich dennoch regelmäßig zu einer mündlichen Beteiligung zwinge, keine unentschuldigten Fehlstunden habe und als Einzige im Kurs zumindest keine komplett Verweigerung zeigte heißt das noch lange nicht, dass ich diesen Lehrer mag.

Sein Name ist nämlich Programm, seine Meinung zählt und das ist alles. Wir müssen ihn nun schon seit 2 Jahren ertragen in einem Nebenfach namens Philosophie und den in Deutsch? Nein! Es hat sich dann doch noch alles zum Guten gewendet. Die drei sind aus dem Kurs raus, gegen zwei Tauschpartner. Damit war das Verhältnis ungefähr gleich geblieben und ich war diesem Teufel von Mensch entronnen. Halleluja!

 

„Willkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider #4

Statt der flackernden Bilder sah ich nun nur rote und schwarze Punkte, sie kreisten wie wahnsinnig um mich herum, tanzten einen Reigen. Rechtsherum, Linksherum, drumherum. Mir wurde flau… Blinzel, blinzeln befiehl mir eine Stimme irgendwo her. Ich gehorchte, infolge dessen wurden der Reigen etwas langsamer. Ich blinzelte wieder und ganz langsam formten sich die, inzwischen nun nicht mehr nur roten und schwarzen, Punkte zu einem Bild zusammen. Da war Gelb, etwas Blau und so viel Grün… Von dem alten Schwarz oder Rot war keine Spur mehr zu sehen, dafür jede andere Farbe des Spektrums vertreten.

Vorsichtig zog ich erneut die Luft ein, meine Lunge brannte nun noch schlimmer als in dem grauen Nebel. Ich öffnete den Mund und röchelte , das Röcheln ging in einen lauten Reizhusten über, der mein ganzen Körper für Minuten durchschüttelte… Gott Luft, süße, klare, kalte Luft. Ich schluckte gierig, mein Husten wurde weniger. Erschöpft streckte ich die Zunge heraus mir war nicht nur Flau im Magen sondern übel. Dieser widerliche süße Gestank. Ich erschauderte. In dem Moment in dem ich den Kiefer ein wenig nach unten bewegte, hörte ich ein Knacken und als ob ein Damm bräche schwappte ohrenbetäubender Lärm über mich hinweg und ließ meinen Kopf wieder ins Gras zurückfallen. Ich presste meine Hände auf meine Ohren, wieder keuchte ich nach Luft. Jäh wurde ich bei meinem regelmäßigen Ein und Ausatmen unterbrochen, etwas packte mich unsanft und versuchte mich hochzuhieven. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich nicht mehr im Auto saß sondern frei auf einer Wiese gelegen haben musste, doch anstatt stehen zu bleiben knickten meine Beine wieder unter mir ein und ich viel unsanft zu Boden. Ein stechender Schmerz durchfuhr meine Brust und ich schrie auf. Jetzt riss mir jemand die Hände von den Ohren und schrie ebenfalls: „Leif?! Geht’s dir gut?“, „Sollen wir einen Arzt holen?“, „Kannst du sprechen?“ „Gott verdammt, antworte!“ Ich antwortete nicht, zu viele Fragen in zu kurzer Zeit. Ich war immer noch damit beschäftigt tief ein und aus zu atmen und in die Dunkelheit zu starren. Ganz ruhig du bist in Sicherheit. Die Zeit dehnte sich, ich atmete. Mein Mund war trocken, dann fiel mir auf wie mich sechs schwarze Silhouetten anstarrten. „Alles gut…“, flüsterte ich. Meine Stimme brach weg. Hatte nur einen Albtraum, versuchte ich zu ergänzen doch in dem Moment durchfuhr mich ein erneuter Hustenreiz und brach ab. Der Schmerz verstärkte sich wieder, wuchs ins Unermäßliche und bevor ich schreien konnte wurde der Husten wieder weniger und der schmerz verschwand fast wieder. Was war bloß passiert? In Zeitlupe drehte ich mich zurück auf den Rücken und stütze mich auf meine Unterarme, sie zitterten, alles an mir zitterte. Was wohl kein Wunder war denn die erdrückende Hitze war nun einer Eiseskälte gewichen und Nässe. Woher kam die Nässe? Nichts Gutes ahnend schaute ich an mir herunter, mein Blick bestätigte mein Gefühl. Etwas oder Jemand musste mich wohl baden geschickt haben, denn meine Kleider selbst meine Socken klebten durchweicht. Hatten die Irren mich versucht etwa zu ertränken?! Automatisch spannten sich alle meine Muskeln auf einen Schlag an und meine Harre stellten sich hoch, doch statt wie gewünscht hochzuspringen und Thomàs oder wem auch immer eine zu verpassen blieb ich nur verwirrt liegen. Mein Brustkorb hatte bei der Kontraktion wieder angefangen zu schmerzen. „W-W-Was ist passiert?“, stotterte ich statt dessen zwischen Zähneklappern. Pierre kam auf mich zu: „Junge hast du uns erschreckt! Das war kein Traum! Du warst wie besessen!“ Die Anderen nickten lediglich wie mechanisch aufgezogen sie alle waren kreidebleich, gegen sie hätte selbst eine Leiche mehr Teint gehabt.

„Kurz nachdem du eingeschlafen warst, wollte dich Jewgaf nach den Stiften fragen und sah, dass du komplett verschwitzt warst und wie verrückt zittertest“, legte er los, „er versuchte sofort dich zu wecken, aber es klappte einfach nicht. Weder mit Rütteln noch mit lautem Anschreien. Irgendwann hat er dann Thomàs angeschrien und meinte wir sollten anhalten. Du bekamst bereits blaue Lippen und es sah so aus als ob du ersticken würdest!“ Karen nickte abermals immer noch wie versteinert. Sie sah so aus als ob sie sich gleich übergeben musste. Ich war immer noch nur mit Atmen beschäftigt und den dabei auftreten Schmerzen, ein Glück das kein Husten mehr dazu kam. Die Erde hatte sich für mich immer noch nicht gänzlich beruhigt sie schwankte ebenso wie mein Magen. „Wir haben versucht dich mit dem Baustrahler aufzuwecken, dass klappe aber auch nicht. Als uns klar wurde, dass du gleich krepieren würdest rannte ich zum See und schüttete dir einen Eimer Wasser über dich, das half zumindest ein Bisschen.“, ergänzte Karen kleinlaut, ihre Stimme zitterte noch mehr als meine. „Zumindest hörtest du auf zu schreien und dich zu verkrampfen, danach lagst du allerdings wie tot da. Schließlich hat Pierre angefangen dich zu beatmen damit du wieder zu dir kommst…“ ergänzte Thomàs erschöpft. Er wirkte auf einmal überhaupt nicht mehr angetrunken sondern stocknüchtern wie die Anderen. Sie musterten mich immer noch voller Schrecken. Der Schock stand ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben insbesondere Pierre, der sich nun erleichtert neben mich ins Gras fallen ließ. Der Kerl der neben ihm stand musste anscheinend dieser… Wie war noch mal sein Name? Ich konnte mich nicht mehr erinnern, außer Kälte und Luft erfüllte nichts mein Denkvermögen.

„Wäre nett gewesen uns vorher zu informieren, dass du seit neustem gegen etwas allergisch bist.“, hörte ich Pierre sagen. Er roch entsetzlich nach Feuerwerkskörpern, vermutlich hatte er geraucht. „Oder Epileptiker“, tönte es hinter Piere aus der Dunkelheit zu uns herüber. Ich setzte zu einer Antwort an, jedoch wurde ich vorher von Karen unterbrochen. „Wenn wir im nächsten Dorf sind sitz du im auf jeden Fall im nächsten Zug nach Hause, du musst zum Arzt!“ Pierres neuer Freund murmelte was da zu und runzelte die Nase, ich glaubte „Psychiater“ verstanden zu haben. Aber dafür die Hand ins Feier legen würde ich nicht. Dass war mir auch herzlich egal… „Hört… Ich hatte einfach einen Albtraum, und der kam mir eben so echt vor, dass ich etwas überreagiert habe. Mehr nicht!“ „Du bist uns fast krepiert. Schau dich dann! Deine Lippen sind blau, du schnappst immer noch nach Luft und du bist so blass wie ein Vampir… Ich bin froh, dass ich genug Knoblauch gegessen habe! Schluss. Aus. Punkt. Du fährst ins nächste Dorf mit Thomàs und dann geht’s nach Hause!“, Karen hatte sich anscheinend gefangen, den nun ging sie um Angriff über. Auf ihre Nase hatte sich diese Zornesfalte gebildet, die ich aus früheren Zeiten nur allzu gut kannte. Wenn dies auftauchte war Obacht geboten, eine scharfe Handgranate in der Hand zu halten war nicht dagegen. Dennoch, was mischte sie ich gerade in meine Gesundheit ein?! Ich war erwachsenen, besaß einen eigenen Verstand und war somit allein für mich verantwortlich. All meine Erfahrungen, guten Vorsätze und Thomàs Warnung waren mir auf einen Schlag völlig egal. Sie wollte Konfrontation, die bekam sie nun auch. Trotzig verschränkte ich die Arme vor der Brust, ich würde nicht zurückfahren. Nicht nachdem ganzen Mist den ich erlebt hatte. „Vergesst es. Ich fahre nicht zurück, ich klaue nicht umsonst mein eigenes Gepäck und lasse mich von einem angetrunkenem Volltrottel anfahren nur um wenig später wegen eines Alptraums zurückfahren…“ „Du hast was?!“, Pierre prustete los, aus Hysterie oder wegen Übermüdung konnte ich nicht feststellen ich wusste nur, dass er mir tierisch auf die Nerven ging. Mein Kopf hatte angefangen zu dröhnen und da war lauthals Lachen nicht unbedingt förderlich. „Das erklärt vieles… Aber warum?“ Thomàs schaute mich ungläubig an, „Mein Freund du fährst definitiv nach Hause.“ „Wer wollte den früher starten?! Ich nicht!“ schrie ich zurück.

Der Traum war wahr gewesen, doch inwiefern war es real? Nur weil ich ein bisschen überreagiert hatte, wollten sie mich nach Hause schicken… Waren sie verrückt? Was sollte aus der Reportage werden? Aus der Natur dort, irgendjemand musste doch zeigen, dass dort illegale Versuche durchgeführt wurden. Nicht wegen so eines Drecks würde ich umkehren! Beleidigt schob ich das Kinn vor und setze erneut an, „Ich fahr aber nicht nach Hause, ich fahre weiter. Mit euch und dann zeichne ich drei Monate lang! Was soll denn schon passieren, dort ist Niemandsland. Wir müssten mit Tonnen von Glück gesegnet sein, damit wir die Monate überleben!“ Karens Augen verkleinerten sich augenblicklich zu eiskalten Schlitzen: “Sag das nie wieder. Hast du mich verstanden!“ fauchte sie mir ins Gesicht, „Ich will so etwas nie, nie wieder hören. Dein Pessimismus geht mir gehörig auf den Geist.“ Dann drehte sie sich auf ihren Absätzen um und stampfte in die Dunkelheit davon. „Du hast aber nicht Monate im Krankenhaus verbracht du…“ Noch bevor ich meinen Satz auch nur annähernd zu Ende sprechen konnte durchzuckte mich dieser Schmerz und stellte mich ruhig. Satt mich geschlagen zu geben meckerte ich statt dessen Thomàs an „Sieht dass für dich aus wie Liebe? Das einzige was Karen liebt, ist sich selbst und Leon, aber nicht mich du Idiot!“

Und deine Anfälle werden garantiert nicht durchs Zeichnen besser. Vielleicht werden sie sogar noch schlimmer“ Sie fröstelte und zog ihren Pullover näher um sich. In dem Moment hörten wir den Motor des Busses. Pierre zog mich hoch. Ich liess mich wieder fallen, ich würde nicht zurück fahren. Erst würde ich dass hier beenden. Ich war es ihnen schuldig, den Opfern, den Angehörigen und vor allem Jordis Eltern. „Ich bleib hier!“ sagte ich nur und kauerte mich noch mehr zusammen. Mittlerweile war mir eiskalt und meine Glieder schmerzten, trotzdem zur Not würde ich hier 40 Tage und 40 Nächte hocken. Thomàs kam und sah mich schief an „Was ist jetzt? Zurück oder nicht?“ „Leif, wenn du so weiter machst fahren wir alle zurück und blasen das gesamte Projekt ab…“

Ich erstarrte, dass konnten sie unmöglich machen. Sie riskierten damit ihren Job. Bis auf die zwei Fotographen, schien dies aber niemanden sonderlich zu beunruhigen. Ob die zwei sich wohl gerade eine Notlösung überlegten? Schließlich sahen sie nur so ihre Familien… anders kamen sie nicht in die Sperrzone. Nicht alleine oder zu zweit sondern nur mit einer Internationalen Genehmigung. Die Strahlung war zu stark. Pierre ergriff abermals meine Schultern und machte Anstalten mich wie einen Mehlsack zu schultern, als der Mann der mich wecken sollte nach seinem Handgelenk und mit der anderen Hand auf mich zeigte. „Zweiter Van Gogh schadet niemals. Was soll schon im Niemandsland passieren? Zurücklassen können wir ihn immer noch.“ Ob er lebendig im Sinne hatte? Ich sah mich schon in seinem inneren Auge mit einem Stein an den Füßen unter Wasser… Auf einmal gefiel mir der Typ überhaupt nicht. Sein Freund folgte ihm mit hängenden Schultern in Richtung Bus, anscheinend hatte sich für die zwei das Thema erledigt. Kurz bevor sie einstiegen nickte der größere mir noch einmal zu. Dann sah er wieder Pierre an und schüttelte den Kopf. Thomàs schaute zwischen mir und Pierre hin und her, er sah aus wie der kleine Bruder der gerade darauf wartete, ob er nun das Eis bekommen würde oder nicht.  „Als Übersetzter sind Jobs rar.“, meinte er nur und trottete ebenfalls in Richtung Bus. Ich schaute immer noch stur gerade aus „Es geht mir gut ehrlich.“, sagte ich. Machte dabei aber keine Anstalten mich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Sicher war Sicher. „Igiot“ meinte Karen nur und dann stieg auch sie ein. Pierre schüttelte den Kopf. „Unser Chef wird uns umbringen so oder so… Aber damit das klar ist: Du nimmst Tabletten klar?! Und du gehst nirgendwo alleine hin, verstanden?!“ Ich wollte schon protestieren, dass ich doch kein Kleinkind sei, da sah mich Pierre wieder scharf an. „Das oder Zug!“ Er klang eisern. Also was hatte ich für eine Wahl? Gefeuert werden oder wie ein Kleinkind behandelt zu werden. Ich entschied mich fürs Kleinkind. „Ich bräuchte, aber dringend frische Klamotten…“ nuschelte ich leise in mich hinein, prompt bestätigte mein Körper meinen lauten Gedanken mit einem gewaltigen Nieser. „Auch das noch“ seufzte Pierre und verschwand in der Dunkelheit.

Ich war gerade dabei zu versuchen den Nebel aus meinem Traum mit ein paar Strichen aufs Papier festzuhalten, da unterbrach mich eine Erschütterung und schleuderte meinen Bleistift 30 Zentimeter in die Tiefe ein leises Tatschung ertönte und dann herrschte wieder Stille. Die Anderen taten als ob sie schliefen. Vermutlich hatten sie sich mit der neuen Situation wohl noch nicht ganz angefreundet zu haben. Welch ein Segen, so hatte ich zumindest genügend Beinfreiheit, wenn sie allerdings in Zukunft jemanden einteilen würden um auf mich aufzupassen würde ich mir wohl eine andere Lösung suchen müssen als bloße Gleichgültigkeit. Skeptisch schaute ich hoch, erwartet ich Karen oder Pierre durch meine Skepsis schlug in unangenehme Überraschung um als ich direkt in das Gesicht meines womöglich-vielleicht Mörders starrte. Zuerst starrte er mich einfach nur zurück an, doch dann ließ er blitzschnell etwas in meinen Schoß fallen und starrte mich dann weiter an. Ich schielte nach unten, wagte es noch nicht meinen Gegenüber aus meinen Augen zu lassen. Nur für den Fall… Ich setze zu einer Frage an, doch er drückte mir bloß seine Hand auf meinen Mund und zischte: „Ich hab dir den Hals gerettet. Tu mir eingefallen zeichne.“ So schnell wie er gekommen war, war er auch wieder verschwunden und mein Mund war wieder frei. Instinktiv stellten sich mir die Nackenhaare hoch, und ich sollte der Freak sein. Langsam bekam ich das Gefühl, das unsere Reise nicht so geplant verlaufen würde wie angedacht und die Rede war hier nicht von der Planung. Ich zögerte, sollte ich ihn noch einmal darauf ansprechen? Vorsichtig beugte ich mich in den Flur, keiner rührte sich. Mein mysteriöser Besuch war wohl in den hinteren Reihen des Buses verschwunden, von ihm würde ich garantiert keine weiteren Gespräche erwarten können.

Vielleicht würde mir das zusammengefaltete Papier mehr sagen? Auf den ersten Blick viel mir eines auf, es musste alt sein. Sehr alt. Die Ränder waren abgegriffen, die Faltlinien brüchig, das Papier gelblich und die Fotographie fast vollkommen verblasst. Ich musste die Augen zusammen kneifen und das Stück ins Licht halten, damit ich überhaupt etwas erkannte. Eine Person, ein Kind, ein Kind mit Zöpfen? Ein Mädchen. Höchstwahrscheinlich. Es schien an etwas zulehnen, an was konnte ich nicht erkennen. Vielleicht an einem Baum? Doch was war nun das Besondere an diesem Foto? Der Blick des Mädchens? Im Gegensatz zum Rest des Bildes konnte man ihn selbst durch die klaren Faltlinien erkennen. Er sollte fröhlich sein, gewitzt, nachdenklich vielleicht auch nur neutral. Doch  anstatt der erwartenden Gefühle sah ich nur ein blankes Entsetzen. Die bloße panische Angst, die ich in diesem Nebel hatte. Ich schluckte schwer, mein Hals war plötzlich rau wie Sand und mein knurrender Magen auf der Stelle verstummt. Wer das wohl war? Seine Tochter, seine Schwester? Was hatte dieses Mädchen mit mir zu tun? Warum schaute dieses Mädchen so entsetzt? Ich ahnte, dass der Besitzer des Fotos genauso wenig wusste wie ich… War es möglich, das etwas auf der Rückseite des Bildes stand? Eilig drehte ich es um, da in der unteren linken Ecke stand etwas geschrieben. Mit schwarzer Tinte, meine Augen strengten sich noch mehr an um diese mögliche Information zu entziffern. Ein Datum… 26 апреля 1986. April also… 1986. Langsam wurde die Situation nicht nur unangenehm oder unrealistisch, schein sie schien langsam ein unheimliches Ausmaß anzunehmen, aber daneben stand noch etwas. Ich blinzelte stark, da. Ein Schriftzug, diesmal in römischen Buchstaben geschrieben: „Willkommen in der Todeszone!“