Gesammelte Schätze des Monats des Nachdenkens

Ich fange diesen Monat mal sehr direkt an: Regen nervt. Ich meine, ich mag den Winter. Ich habe weder ein Problem mit der Dunkelheit noch mit der Kälte. Weshalb ich Menschen mit dieser: Es wird Winter, dunkel und kalt und es ist alles grausig absolut nicht nachvollziehen kann. Lediglich der November und der Februar sind merkwürdigerweise Monate mit denen ich so absolut nicht kann. Die Mischung aus dunkel, kalt, nass und vor allem trostlos macht es. Ich hätte gerne eine Petition dafür, dass sobald die Lebkuchen Anfang September in die Supermärkte kommen die Lichterketten an den Häuserfassaden gleich darauf folgen. Lässt die Stadt so viel schöner wirken, dank der ganzen Demos würden es sogar dementsprechend viele Menschen sehen. Was mich gleich zum nächsten Thema führt, ich finde es unfassbar deprimierend dass so viele Menschen demonstrieren müssen. Es geht jedes Mal um Menschenrechte und jedes Mal denke ich mir was treibt diese Menschen an. Die Regierung lässt es doch so oder so kalt, Wasserwerfer regeln. Immerhin sparen wir uns so eine weitere Rechnung. Ich glaube, mein Gehirn will einfach nicht verstehen, weshalb es so viele ignorante und egomane Menschen auf dieser Welt gibt. Ich meine, was an dieser Regel: Dont be an asshole ist so schwer umzusetzen? Gilt für Politiker_innen genauso wie für Unternehmer_innen oder sonstige Menschen, für die aber besonders. Neoliberalismus sucks.

Weg von der Politik und zu schöneren Dingen wie beispielsweise, dass ich mich sehr über meine neue Rollenspielrunde freue. Meine Mitspieler_innen sind toll genauso wie der Spielleiter und bereits in der zweiten Session sind wir auf der Suche oder auf der Jagd nach Väterchen Frost. Er produziert zu unserem Glück keine Frostzombies lediglich Frostleichen. Ebenfalls nicht schön, jedoch ein wenig ungefährlicher für uns. Allerdings wirklich nur minimal, denn Witchcraft zeichnet sich dadurch aus, dass die Lebenspunkte tatsächlich einigermaßen realistisch kalkuliert sind. Wir haben genau drei Kämpfer_innen in unserer Gruppe, der Rest sind Wissenschaftler_innen. Bin gespannt wie lange wir durchhalten, die zwei weiblichen NPCs unseres Spielleiters habe ich bereis jetzt ins Herz geschlossen. Aber gegen eine vietnamesische Spionin und ein Ex-Cowgirl oder Bounty Hunter (wir sind uns da noch nicht so ganz sicher) ist auch wenig einzuwenden wie ich finde. Solange sie auf unserer Seite sind selbstverständlich.

Ansonsten plätschert der Versuch über Ebay Dinge zu verkaufen so vor sich hin, die meisten Käufer_innen bekunden regens interesse nur, um im letzten Moment doch abzusagen. Was unfassbar anstrengend ist, denn oftmals habe ich bereits meinen gesamten Tag umorganisiert nur, um dann vor unvollendeten Tatsachen zu stehen. Leider leidet der Schlaf darunter oder meine Alltagsstruktur und beides ist momentan essenziell. Ich will nämlich keinen Ärger mehr mit meinen Vorgesetzten auf der Arbeit bekommen, nur weil ich früher gehen muss oder meine Eltern beauftragen oder eben auf meinen Mittagsschlaf verzichten. Ich finde, Zuverlässigkeit sollte wieder ein größeres Ding werden, genauso wie Pflichtbewusstsein gerade in den älteren Generationen. Merke ich auch immer wieder in diversen Seminaren Was da so manch einer vom Hocker lässt.

Dagegen sind unsere hilflosen Versuche mit englischen Definitionstexten umzugehen fast schon niedlich. Trotz für einige witzige Momente reichen Vorlesungen doch immer wieder. Gerade meiner Dozentin in meinem Hauptseminar hätte ich noch so viel Humor zugetraut, schließlich versucht sie uns wirklich bei der Stange zu halten. Sie stellte uns in der letzten Sitzung eine weitere mittelalterliche Karte vor, auf der für uns fast nichts zu erkennbar war und auch sich die immer wieder wiederholenden christlichen Symbole und Gründungsgeschichten verschiedener Landstriche waren eher schleppend. Bis wir zum Nordteil der Karte kamen, denn dort lag laut ihr tatsächlich Schnee. Des Weiteren erklärte sie uns die Darstellung einer Mauer, welche den Rest des Reiches vor menschenfressenden Schneemonstern beschützen und sollte und ehe wir auch nur reagieren konnte kommentierte sie das Ganze mit: Winter is comming und der Saal war wieder wach, zumindest für die nächsten fünf Minuten. Zwei andere Male traf ich mal wieder ins Schwarze, dass eine Mal während der todernsten Besprechung einer Darstellung des gekreuzigten Jesu und der damit einhergehenden Frage welche Reliquien uns denn bekannt seien Schweißtuch, Dornenkrone, Lanze oder Kreuz wurden genannt bis ich mal wieder laut an das Känguru denken musste und mir: Gab es da nicht noch ne Vorhaut? Der Saal lachte, meine Dozentin nahm das dagegen absolut ernst. Es gibt übrigens angeblich auch die Windeln Jesu, von wegen es existierend irgendwelche Maßnahmen gegen die mögliche Entstehung eines Personenkultes.

In Geschichte diskutierten wir an anderer Stelle über Gesetze, Objektivität und Allgemeingültigkeit und die darauf folgende Frage der Professorin: Was auf der Erde ist denn allgemeingültig? Mein Hirn schaltete schneller als ich eigentlich wollte und posaunte frohen Mutes: Naturkonstanten bzw. Naturgesetzte... Worauf sie weiter nachbohrte: Die da wären? Ich schaltete dagegen in den Panikmodus, hatte ich natürlich nicht so weit gedacht und schaltete auf Überlebensmodus was sich dann ungefähr so anhörte: Ähm Erster und zweiter Hauptsatz der Thermodynamik. Also der Energieerhaltungssatz, dass keine Energie verloren gehen kann, sondern nur umgewandelt wird und: In einem geschlossenen System, nimmt das Chaos stetig zu. Stille. Ich sage euch, ich bin schon lange nicht mehr so angestarrt worden wie von jeder einzelnen Person in diesem Raum. Am meisten staunte meine Professorin, die wohl eher mit so etwas wie Schwerkraft gerechnet hatte. Was mir natürlich in meiner Panik nicht eingefallen ist. Immer wieder schön. Da lob ich mir doch die genügsamen Bücher in der Unibibliothek auf denen ich hervorragend schlafen kann. Oder meine Snowboardjacke, die so eine coole Ärmeltasche besitzt, in die ich meine Schlüsselkarte fürs Unigebäude anstatt des Skipasses packen kann. Kein elendiges Gefummel mehr am Rucksack, wenn ich es mal wieder eilig habe.

Mehr habe ich auch gar nicht mehr zu erzählen, es ist doch mehr geworden als ich anfangs gedacht hätte. Eine Sache noch, unsere Weihnachtsmärkte haben schon geöffnet und ich bin gespannt, ob ich es dieses Jahr mal tatsächlich schaffe. Letztes Jahr war es einmal, vielleicht wird es dieses Mal sogar auf zwei erhöht je nachdem ob ich mich von meinem Schreibtisch wegbewegen kann. Drückt mir mal die Daumen, dass sich die Mythen der Azteken, das christliche Lexikon der Ikonografie und zwei weitere Studien schneller lesen als es sich momentan anfängt.

 

Derzeitiger Zustand 2.0:

Mit den Jahren verändert der Geist den Körper mehr als umgekehrt.

S. 20- Die Töchter von Ilian von Jenny-Mai Nuyen

 

Willkommen in der Welt der Verantwortung und des Erwachsenseins:

Die Diskrepanz zwischen seinem kindlichen Wünschen und Träumen auf der einen Seite und den eiskalten Antworten auf der anderen erschreckten ihn selbst jetzt noch.

S. 13- Chrysaor von James A. Sullivan

 

Bitte ersetzt „die Stadt“ durch „unsere neuen Nachbarn“ und dass ist leider keine Übertreibung. Sie sind schrecklich, in allem:

Als Mr. Yang im Juli zwei Wochen verreist war, um seine Mutter in Hongkong zu besuchen, lernten sie, dass ein ungemähter Rasen einen höflichen, aber strengen Brief von der Stadt zur Folge hatte, in dem darauf hingewiesen wurde, dass ihr Gras höher als fünfzehn Zentimeter sei und die Stadt, sollte dieser Zustand nicht binnen drei Tagen behoben werden, den Rasen mähen und dafür hundert Dollar berechnen würde.

S. 19- Kleine Feuer überall von Celeste Ng

 

Ich sag mal so Hauptbahnhöfe sind nicht anders, schon gar nicht morgens…

It can hardly be a coincidence that no language on earth has ever produced the expression „As pretty as an airport.“

S. 1- The Long Dark Tea-time of the Soul von Douglas Adams

 

Ich finde dieses Zitat spiegelt hervorragend das Feeling unserer Witchcraft Rollenspielrunde wieder:

Baba Sidona mit ihren Sprüchen hatte Milas Angst noch geschürt: „Schaue einem Raben niemals in die Augen“, hatte sie gesagt. „Er stiehlt sonst deine Seele und fliegt mit ihr davon“.

S. 13- Der Kuss des Raben von Antje Babendererde

 

Übertragbar auf jede Situation im Alltag, die mit anderen menschlichen Wesen zu tun hat:

Die Leute haben so viele Geheimnisse. Niemand ist genau das, was er auf den ersten Blick zu sein scheint.

S. 352- Mädchen in Scherben von Kathleen Glasgow

 

Ich dachte mein Zimmer sei bisweilen sehr unordentlich und dann komme ich in jeweils zwei Büros meiner Dozent_innen. Holy!

 (…) und ihr Blick fiel auf ein hohes, verrostetes Metalltor, das von einem Buch – einem Buch! – offen gehalten wurde.

S. 19- Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Féret-Fleury

3 Kommentare

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