Familie

Herzkramen, Klappe die Zweite: Sprache

Für diejenigen, die sich gerade Fragen was dieser ganze Herzschmerz soll, der lese dort bitte mal ganz flux hier nach. Denn dieser Herzschmerz ist die verdammt geniale Idee des Herren Random Randomsens.

Auf dann, die zweite Runde beginnt: 

Ich habe nicht viel zum Thema Sprache zu sagen. Ich bin weder redegewandt, noch präzise, noch sprachbegabt, noch sprachbegeistert oder gar der deutschen oder überhaupt irgendeiner Grammatik mächtig. Selbst Kommunizieren fällt mir immer noch scher, aber wenn man eins sagen und schreiben können sollte dann ist es definitiv dieser Satz: Ich liebe dich.

Für den Anfang hier meine elf Variationen.

 

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Mixtape des familiären Zusammenlebens

Wenn man sich schon auf einem Selbstfindungstrip befindet flammen in Gedanken immer wieder dieselben Partykillerthemen auf wie: Familie, Freunde, Gesellschaft, Identifikation, Zukunft und noch sehr viele mehr… Manche mehr, manche weniger philosophisch verpackt. Nichtsdestotrotz lässt sich nicht von der Handweisen, dass vorausblickend das Wort Zukunft in fetten Großbuchstaben über mir steht sowie rückblickend der Schriftzug: Familie. Man kann sie sich eben nicht aussuchen, sodass es häufig zu zwei Pendants tendiert: Geliebt oder verhasst. Davon mal abgesehen braucht der Mensch dennoch ein Rudel obwohl er über Abgrenzung funktioniert. Faszinierende Wesen diese Menschen, aber ich schweife mal wieder ab.

Ich persönlich bin ich kein Großfamilienmensch, war ich nie und ich finde die Vorstellung persönlich grauenhaft. Ich war allerdings auch noch nie in der Situation mit einer „blutsverwandten“ Horde Kontakt aufnehmen zu müssen… Vorteile: Weniger Anfahrtskosten zu diversen Hordentreffen die eher einem Speeddating ähneln, weniger Klatsch und Tratsch, weniger Wangenknuffen und der Stress irgendwelchen Erwartungen zu entsprechen stinkt.

 

Nachteile: Man hat eben nicht den coolen Cousin (er war es mal, bis er seinen Berufswunschäußerte) oder die coole Cousine, die Seelenverwanten gleichen wie in vielen jungen Erwachsenen Romanen, eine möglich geringere Sozialkompetenz und man bekommt weniger Geschenke. Gut, letzterer Punkt wäre zu kapitalistisch und zu undankbar als ihn jemals zugeben zu wollen.

Mein innersten Kreis würde ich als Kleinstfamilie bezeichnen, den größeren Bereich dagegen eher als Standard. Selbst dort fangen die Grenzen an zu verschwimmen, denn bereits dort verschwindet die „Blutsverwandtschaft“ und weicht der, der „geistigen Wellenlänge“. Was ich damit eigentlich sagen will, egal wer oder was eure Familie bildet ihr werdet ihr fehlen bemerken… Vielleicht nicht sofort, vielleicht nicht an den fehlenden Geräuschen in der Küche oder dem Bad, aber in irgendetwas immer. Weshalb es jetzt irgendwie eine Art Abrechnungspflaster gibt, denn trotz fehlendem Liebesglück gab es wie bei allem nicht immer nur die Honigkuchenseite. Jedoch darf ich stolz behaupten, dass ich wie immer gerne polarisiere. Mir ging es nicht halb so schlecht wie man annehmen könnte. Sonst hätte ich hier noch ganz andere Sachen aufgefahren.

 

Jede Familie hat ihr eigenen Leichen im Keller:

 

Dennoch, Familie als Ganzes betrachtet ist schon irgendwie was tolles:

 

Wie hält man eigentlich bis zur Eisernen Hochzeit durch?

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Mixtape der versteckten Eier

Und es ist wieder soweit, die Osterdeko stehen in den Regalen, Eltern bekommen röte Kopfe sowie Atemprobleme beim Eier auspusten und die Kleinen spielen wahlweise wir treiben alle in den Wahnsinn, Hasen fangen oder Eier laufen. Ich hoffe dennoch ob religiös oder nicht, ihr habt nette Feiertage. Anlässlich der wunderbaren Lernphase dachte ich mir, ich heitere mich und euch zumindest ein bisschen auf. Insbesondere mir, die sich min. 5 Stunden täglich im Ring mit historischen Originaltexten befindet… Ich würde euch gern mehr erzählen, aber wie heißt es so schön:

1. Regel: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club.

2. Regel: Ihr verliert KEIN WORT über den Fight Club!

So kann ich euch nur sagen, wenn ihr auf euer Handy schaut und die Digitalanzeige 18:17 anzeigt und ihr sofort an das Wartburgfest denkt und die damit einhergehenden Folgen wie die Gründung von Turnervereinen und Burschenschaften habt ihr zu viel gelernt…

Jetzt aber zum Debüt des Tages….

Eines noch:

Menschen, die tiefreligiös/ gläubig sind oder keinen schwarzen Humor besitzen sollten dieses Mixtape vielleicht überspringen. Es sind weder antichristliche, noch anstößige oder gar religionsfeindliche Texte aber sie sind eben auch alles andere als gregorianisch, strikt gottlobend. Feiert dennoch schön, jeder soll tun und lassen was er mag (insofern es nicht gegen das Gesetz verstößt, ne?) und ich bin euch trotzdem nicht böse. Ich will allerdings eben als Heidenkind auch meinen Spaß haben. Ostern war für mich nämlich stets Eier anmalen, sich am Osterfrühstücksbuffett satt zu essen und eben Bio-Fairtrade-Vegane-Schokomümmelmänner jagen! Was ich jetzt auch tun werde… Demnach: Frohes Fest!

 

Judas auf jeden Fall, wäre ich Jesus gewesen ebenso…. Aber ich bin nicht Jesus und ich will dem jungen Herren auf keinen Fall hier etwas unterstellen!

 

Lieder konnte ich keinen Gospelchor aus den 12, naja dann elf Aposteln finden. Müssen also diese vier schnicken Jungs herhalten:

 

Jesus lebt weiter! Egal wie…

 

Wir steigen alle in den Himmel auf. Irgendwann mal:

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24./ 25. Türchen:

Ja, das letzt Türchen ließ auf sich warten ich weiß, aber ich weiß auch, dass ich gestern einfach mal frei und Weihnachten haben wollte. Statt einer Geschichte müsst ihr euch heute einfach mal mit einem Echtzeitbeitrag begnügen. In Anbetracht dessen, dass Weihnachten ist sicher auch kein Problem da man im Allgemeinen eh noch Weihnachtshopping betreibt.

So genau weiß ich auch gar nicht, was ich euch schreiben soll. Denn eigentlich ist schon alles gesagt. Vielleicht zu gegeben Anlass einfach mal eine Danksagung? Schließich scheint es ja im Trend zu liegen sich gen Ende bei jedem zu Bedanken. Verlegern, Illustratoren, Lektoren, der Familie und sonst noch irgendwelchen Personen.  Dürfte bei mir zwar recht klein ausfallen, aber probieren kann ich es ja trotzdem einmal. Denn so ein zwei Menschen fallen mir tatsächlich ein.

Der größte Helfershelfer ist nämlich mein Mitbewohner nicht nur das fetteste Dankeschön der Welt fürs Korrekturlesen, nein auch fürs Dichthalten gegenüber sämtlichen Mitmenschen. Schließlich bekam er die ersten 30 Seiten schon Mitte November geliefert und musste still schweigend bis eben zum 21. Türchen durchhalten. Was soll ich sagen, er hat es mit Bravour gemeistert. Ich hätte das nicht gekonnt, ich hab es ja so schon kaum geschafft meinen Mund zu halten.

Zumal meine Geschichten zu korrigieren ein absoluter Graus ist. Meistens schreibe ich sie in einem rutsch durch und das Blatt ist dann nicht mehr nur schwarz weiß sondern eben schwarz, weiß, rot und davon ganz schön viel. So wird Lektor spielen zu einer Freizeit Herausforderung aller erster Güte. Also danke an dieser Stelle noch einmal.

So, rein theoretisch könnte ich hier auch schon Schluss machen mit Danke sagen, denn mehr Helfershelfer gab es nicht. Mehr Motivationsgeber auch nicht. Zum einen ist das Schade zum anderen zeigt es mir erneut, dass der einzige Mensch an den man glauben muss man selbst ist. So oft wie ich gehört habe: Dein Geschreibsel ist ganz nett. Will ich gar nicht aufzählen. Früher hat mich das getroffen, heute weniger. Mag sein, dass mein Geschreibsel ganz nett ist, aber mit Geschreibsel füllt man keine 24. Tage. Mit Geschreibsel füllt man auch nicht seine gesamte Freizeit. Mit Geschreibsel bringt man keine Menschen zum weinen…

Deshalb noch einmal ein großes Dankeschön an mich selbst, fürs Durchhalten. An dieser Stelle eine kurze Notiz an die Nachwelt:

Sollte man anfangen von seinen Romanfiguren zu träumen verbringt man definitiv zu viel Zeit mit ihnen. 

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23. Türchen:

„Aufgabe? Geheim!“ – Walle-E

Brumm, Brumm. Dieses Brumm-Brumm-Etwas ließ mein Bett vibrieren. Ich drehte mich wieder zur Wand, schließlich war Samstag. Samstag, da stand ich für gewöhnlich nie auf. Nie, egal was war: Umzug, Bauarbeiten, fuchsteufelswilder Kumpel, selbst bei einem Erdbeben wäre ich liegen geblieben. Das Haus war eh so marode, dass aufstehen auch nichts genützt hätte. Bevor man auch nur die Tür hätte erreichen können wäre man erschlagen worden. Deckel drauf, Mensch tot. So einfach war das. Brumm, Brumm machte es wieder. Immerhin war es ein sehr angenehmes an mein Bett stoßen. Erdbeben könnten anscheinend sogar beim Wiedereinschlafen helfen. Das Geschunkel in meinen Traum einbauend döste ich weiter. Nur moment, seit wann brummten Erdbeben? Ich stöhnte… Also kein Geschenk von Mutternatur. Jetzt begann auch langsam mein Kopf zu schmerzen. Gut, sagte ich langsam? Ich meinte schnell. Mein Kopf glich einem chinesischen Feuerwerk. Selbst ein Schlag in die Fresse fühlte sich angenehmer an. Merke: Zwei Schwermatrosen sind nix für einen leeren Magen. Brumm, Brumm machte es wieder. Dieses Mal lauter, drängender. Ich jaulte… Mein Kopf. Das Hämmern wurde heftiger. Welcher Vollpfosten besaß den Schlüssel zu… „Verpiss dich“, grummelte ich. Egal wer es war, er sollte gehen – sofort. Es folgte leises Getrappel, dann wurde das Brummen leiser. Endlich. Zumal ich jetzt sicher sein konnte, dass es kein One-Night-Stand gewesen war, denn diese ließen sich für gewöhnlich nicht mir einem „Verpiss dich“ abwimmeln, schon gar nicht die Hübschen.

Langsam schob ich mir die Decke über den Kopf. Bloß nicht zu schnell bewegen, meldeten meine Muskeln. Aber ehe ich wirklich wieder Einschlafen konnte wurde das Trappeln wieder lauter und dann, dann gab es einen kräftigen Rumms und mein komplettes Bett erzitterte. Die Matratze senkte sich und ich flog ein Stückchen in die Luft. Mein Kopf explodierte, ich wimmerte. Jetzt rebellierten nicht nur Kopf und Muskeln, nein auch der Magen kam jetzt hinzu. Wütend tastete ich nach einem Kissen. Wer auch immer das gewesen war… Reflexartig schlug ich die Augen auf und versuchte mein Ziel zu erhaschen – da ein blonder roter Fleck am Fußende meines Bettes. Ich holte aus und hielt inne. Der rote Fleck wackelte und kam über die Decke auf mich zu gelaufen. Das fanden ich und mein Körper noch weniger lustig und ehe ich mich versah hörte ich ganz dicht an meinem Ohr: „Brummmmmmmm!“ Dann schnellte es an mir vorbei. Ich zuckte zusammen. Um ein Haar hätte es mich am Auge erwischt. Nicht das es mir etwas ausgemacht hätte, außer unförmig umher tanzende Lichtpunkte sah ich immer noch nicht. Was es auch gewesen sein mochte, offensichtlich wollte es, dass ich aufstand. Wenn ich erfuhr, wer das war…

Mürrisch setzte ich mich in Bewegung. Wer wusste schon wie ewig dieser Schlafterrorimus anhalten würde? Mein Magen hatte sich bereits auch wieder beruhigt. Zumindest hing er mir nicht mehr direkt im Rachen. Auf ging’s! Zuerst ein Bein über die Kante, dann Zehen ausstrecken, wo war der Boden? Da. Urks war der kalt. Sofort bildete sich von meinem Knöchel aus über die Wade noch eine Schicht Gänsehaut. Erstmal Pause. Bloß nicht nachdenken. Vorsichtig fühlte ich nach meinem Arm… Dann nach dem Anderen beide waren da. Logisch, wie hätte ich mich vorhin auch abstützen können? Wie in Zeitlupe beugte ich mich nun nach vorne. Jetzt kam die Königdisziplin, das Aufstehen. Gefährlich kippte ich nach vorn.  Verdammt – wo war mein Gleichgewichtssinn hin? Der näher kommende Boden begann sich zu drehen.

Los, Gehirn! Stell scharf. Lass mich nicht auf Brennweite 16 sitzen. Krampfhaft versuchte ich die Augen offen zu halten und tatsächlich. Allmählich verschwanden die Farbflecken. Die Wand vor mir wurde langsam scharf und nach einer gefühlten Ewigkeit, hatte ich meinen Kopf soweit, dass er mich tatsächlich aufrichtete. Apropos funktionierende Sinne, hier müffte es. Mit einem Fuß tappte ich voran, der Boden wackelte noch bedenklich, doch ich schaffte es gerade so zur Fensterbank. Ein Glück sie war leer ansonsten wäre sie spätestens jetzt leer gewesen. Meine zitternden Hände griffen nach den Vorhängen. Leicht zog ich daran, nichts. Der Stoff zeigte sich unbeeindruckt und blieb noch genauso hängen wie einige Sekunden zuvor. Mist. Mehr Kraft hatte ich im Moment nicht, geschweige denn die Geduld. Da ertönte leises Gekicher unter mir und ein gewaltiges Ratsch war zu hören. Ich kniff meine Augen zusammen. Scheiße war das hell! Meine Netzhaut brannte. Konnte man von Sonnenlicht erblinden? Schnell drehte ich mich weg vom Fenster, das wiederum mochte mein Kopf gar nicht. Verdammt. Innerlich verfluchte ich Matthias dafür, dass er mich überredet hatte dieses Gebräu zu trinken….

Was war da nochmal drin gewesen? Scheiß drauf. Wenn die Leber versagte, hatte man laut Professor keine Schmerzen. Niere sowie Leberversagen scheinen die angenehmsten Organversagen zu sein, die der Körper so zu bieten hat. Mit einer Hand vor meinen Augen, mit der anderen suchend nach dem Fenstergriff tastend muss ich für den Irren in meiner Wohnung wahrscheinlich sehr lustig aussehen. Mittlerweile hatte ich einfach beschloßen nicht weiter nachzuforschen wer dort in meiner Wohnung umher wütete. Wenn derjenige sich zu erkennen geben wollte sollte er es tun, bis dahin war er lediglich ein Irrer für mich und entweder ich hatte Glück und er war mir wohl gesonnen oder ich würde demnächst in einem Sack entschlafen. Das Pochen fing wieder an. Gut, zu viel denken ging anscheinend noch nicht, da der Hebel. Ich ließ mich fallen. Mein gesamtes Gewicht drückte auf den Fensterhebel und es funktionierte. Kipp musste fürs erste reichen.

„Tatütata“, hörte ich jetzt wiede,r diesmal von noch weiter weg. Wer auch immer es war, er verstand es seine Mitmenschen eindeutig zu nerven, dass schaffte selbst Jim nicht. Höchstens meine Mutter oder…  Jesus Christus! Klein, Blond, nervte, trug etwas Rotes?! „Bitte nicht“, flüsterte ich. „Bitte, bitte. Lass es nicht war sein“ Ich tappte Böses ahnend mehr schlecht als recht in den Flur. Vor der Haustür quer in der Diele lagen ein grüner Anorak, lilafarbene Stiefel, ein dreckiger gelber Turnbeutel und jede Menge Wachsmalstifte. Meine Schwester…! Wie zur Hölle war sie hier rein gekommen? Wer außer mir hatte noch einen Schlüssel?! Kopfschmerzen waren vergessen. Die Übelkeit wurde sofort hinuntergeschluckt, zumindest fürs erste. Denn neben dem schwesterlichen Kleinchaos, kringelten sich bunte süß-sauer Schlangen um die Spüle herum, auf der Anrichte lagen ein paar angebissene Orangen und im Wohnzimmer ergoss sich eine Klamottenflut über den anscheinend wie auch immer nass gewordenen Boden. All das kandiert von einem geplatzten Tetrapack 1,5% fetthaltige H-Milch! „Was hast du da getan?!“, stieß ich wütend hervor.

Aus meiner gestrigen noch einigermaßen betretbaren Wohnung war innerhalb von nur wenigen Stunden oder viel mehr Minuten eine riesige Mülldeponie geworden. Ganz langsam drehte ich meinen Kopf immer noch völlig konstatiert gen Bad. Die Tür stand halb offen, einen weiteren Blick unterließ ich allerdings, wollte ich hier heute noch einigermaßen lebend herauskommen.

„Aufgabe“ erklang es fröhlich aus dem Wohnzimmer und dann rannte mir der Plagegeist direkt in die Kniekehlen. Ich grunzte wütend. Mein Aggressionspotenzial war von dem einer Fruchtfliege auf das einer sehr, sehr, sehr wütenden Hornisse gewachsen. Ein Stich und das Vieh wäre tot gewesen. „Still“ zischte ich nur und packte meine Schwester am Arm. Meine Schmerzen waren vergessen. Was Emotionalität doch so alles bewirken konnte. Die Kleine wollte aber nicht still sein. Weshalb auch? Sie strampelte und begann zu quengeln, schließlich schnappte sie nach meiner Hand. „Bestie“, knurrte ich und versuchte sie durch den Klamottenwust auf das noch freie Ledersofa zu schleppen. Das war Gott sei dank bis auf ein paar dreckige Schuhe verschont geblieben. Ich deponierte meine Schwester neben den Schuhen und blickte tief in ihre Augen. Ihr vor Zorn verzerrtes Gesicht wich der Grimasse eines traurigen Clowns. „Nicht bewegen“, zischte ich nur wieder und beherrschte mich gerade so sie nicht am nächsten Kleiderhaken aufzuhängen.

Stattdessen schaute ich mich weiter suchend um. Zumindest waren die Regale mit Büchern und CDs heil geblieben. Plötzlich fing meine Schwester an zu weinen. Meine Kopfschmerzen meldeten sich wieder. Ich hielt das nicht aus! Was sollte ich denn bitte jetzt machen? Warum weinte die?! „Okay, ruhig… ganz ruhig kleine Schwester. Ich bin dir nicht böse, nur überrascht gewesen.“, log ich um sie zu beruhigen, aber es bewirkte eher das Gegenteil. Sie brüllte noch lauter. „Na warte…“ Abermals glitt mein Blick suchend über das Chaos. Da. Ich stieg über die Milchpfütze hinweg. Mittlerweile musste es doch schon weit nach neun Uhr sein. Angestrengt reckte ich meinen Arm noch weiter nach vorn um die Fernbedienung zu ergattern. Zack, Schwupps. Auf den grünen Knopf gedrückt und schon erklang hinter dem Sofa fröhliches Gelächter aus dem Morgenland, in dem Winnie Puh und seine Freunde gerade aufwachten.

Meine Schwester war wirklich ein kleiner Plagegeist, ständig wollten sie Action. Ich versuchte zu blinzeln und tatsächlich – mein Blickfeld verschärfte sich immer weiter. Wie spät war es eigentlich wirklich? Ich suchte meine Wecker… 12:00 Uhr!? Verdammt. So spät schon? Schnell rannte ich in die Küche. In einer halben Stunde wollte Smilla vorbeischauen. Wie es hier aussah, wie der Blitz überall stapelte sich das Geschirr, der Mülleimer quoll über, und in der Mitte noch mehr verstreute Wachsmaler. Na toll… Wo sollte ich anfangen? Dann auf einmal  stürmte meine Schwester herein, entdeckte mich und klammerte sich an mein rechtes Bein. Dann rammte sie mir ihr Holzflugzeug in die Seite. Ich jaulte auf vor Schmerz „Du kleines Biest…“, fluchte ich.

„Aufgabe, Aufgabe“, plapperte sie bereits weiter. Ich runzelte die Stirn „Welche Aufgabe? Meine Wohnung zu verwüsten? Ja, dass hast du prima gemacht.“, fragte ich gespielt freundlich. „Aufgabe? Geheim!“, rief sie erneut und düste wieder mit ihrem Flugzeug fort. Soso… Wie auch immer… Erst ein Mal musste das Geschirr weg, ich konnte mir denken was sie wollte, aber erst musste aufgeräumt werden. Aus dem Wohnzimmer hörte ich sie über den Fernsehlärm rufen „Geheim, Geheim“. Schnell sortierte ich die Spülmaschine ein, plötzlich spürte ich einen fiesen Schmerz in der Fingerkuppe. Mist, jetzt hatte ich mich auch noch geschnitten. Ich drehte den Wasserhahn auf… Während die eine Hand nun unter dem Wasser hing, versuchte ich mit der anderen den überlaufenden Müll in den Eimer zu pressen. Hektisch schaute ich auf die Uhr, noch 15 Minuten Hilfe…. In 15 Minuten musste ich fertig sein und das Bett? Ach egal, da konnte ich die Tür zumachen, das musste warten. Eilig drehte ich den Hahn zu, so jetzt war fertig machen angesagt. Zähne putzen, Waschen, Haare machen.

Zwischendrin kam immer wieder meine kleine Schwester ins Bad und zog ständig an mir herum. „Aufgabe, Aufgabe!“, rief sie ständig. „Gleich“ erwiderte ich genervt. Mein Güte, konnte sie nicht einmal still sein? Ich hatte jetzt wichtigere Probleme. Wo war mein Lieblingshirt? In der Waschmaschine natürlich… Dann also ein anderes. Ganz hinten im Schrank entdeckte ich noch ein altes abgewarztes T-Shirt voller Farbflecken. Na toll… Mein Renovierungsshirt, egal besser als nichts. Wieder rannte ich in die Küche. Noch 5 Minuten. Mittlerweile schleuderte meine Schwester die Wachsmalstifte in der Küche herum. „Jetzt reicht’s!“ , rief ich sauer. Mein Gott, konnte sie nicht einmal leise sein! Was war bloß mit ihr los, sie war doch sonst nicht so. Mein Kopf hielt das nicht aus. Wo war das Aspirin…? Und ich hatte Hunger! Ahhh… In dem Moment ging mir ein Licht auf. Meine vorherige Vermutung verwarf ich… Meine Schwester hatte Hunger! Natürlich, sie war mindestens schon seit 8 Uhr wach. Ich Idiot! Okay, was war denn noch da… Toast und Milch nicht viel, aber es reichte. „Hedda!“ rief ich. Sie kam angerannt. „Aufgabe? Geheim!“ Rief sie wieder. Ich lächelte… „Armer Ritter kommt sofort“, ich reichte ihr den Teller. „Und die Aufgabe?“, fragte ich? Sie schnappte mir den Teller weg. „Gelöst!“ erwiderte sie bloß mit vollem Mund.

Ende

 

21. Türchen:

50. „Schlafend zu sterben ist ein Luxus, der uns nur sehr selten gewährt wird.“ -Kill Bill – Volume 1/ Teil 2

„Kommt rein, kommt, rein!“ wurden sie weiter hinein gedrängt, und wie der Blitz waren die beiden nicht nur ihre klatschnassen Hüte, Schals und Mäntel los  sondern hatten in Windeseile jeweils ein Paar Hausschuhe verpasst bekommen wie nur noch ein halb volles Glas Punsch. Denn Heather jagte wie ein Wirbelsturm in seinem Element durch das gesamte Zimmer um ihrer Bestimmung der perfekten Gastgeberin alle Ehre zu machen. So wunderte es keinen, dass der unglücklich verschüttete Eierpunch in null Komma nichts aufgewischt worden war und die zwei gerade Eingetroffenen nun endgültig mit einem vollen Glas auf der alten, grünen Couch saßen. Vor ihnen ein akkurat gedeckter Plätzchenteller, allesamt natürlich selbst gebacken, sowie herrlich schmeckend. Zumindest ließ darauf das sehr deutliche Schmatzgeräusch von Archie schließen.. „Heather nicht so stürmisch“ grummelte Henry wieder und legte vorsichtig die Beine hoch um nicht noch einmal das Hausinferno zu entfachen. „Du weißt doch, deine Frau möchte für dich eben nur das Beste“, knurpste der jüngere zwischen dem dritten viel mehr vierten Mince Pie.

Dann wurde es still. Archie lag zufrieden lächelnd in einer Art Kekskoma und Henry war eindeutig zu erschöpft um begnadete, weihnachtsphilosophische Gedanken zu äußern. Zu sehr war er immer noch mit dem Umstand beschäftigt, weshalb sie so früh aus der Fabrik entlassen worden waren. Gerne hätte Henry seine Frau noch einmal angebracht begrüßt, doch die war nach ihrem stürmischen Aufritt schon wieder im Nirvana verschwunden. So zog sich der Augenblick des Genusses bis sich die Tür der Küche erneut öffnete, dieses mal allerdings nicht wie vom Blitz getroffen sondern langsam und bedächtig. Heraus geschritten kam Margret, eine Dame mit schlohweißem Haar, krummen Rücken und so viel Falten im Gesicht, dass man sie in Familienkreisen auch gerne liebevoll die „Schildkröte“ nannte. Dennoch, trotz ihres Rücken, brauchte sie weder einen Stock noch sah sie aus als ob sie Schmerzen leiden müsste. All den Erwartungen widersprechend, trug sie sogar den vollständigen Kronleuchter allein, zwar mit beiden Händen doch das Gedeck schleifte weder auf dem Boden noch verrutschte es.

„Margret“, fuhr es aus Henry heraus, „Lass mich das doch tun. Du holst dir doch nur noch mehr Rücken.“ Lachend schüttelte die ältere Dame den Kopf, „Bleib du nur mal bei dem Keksmonster und pass auf, dass einige Mince Pies noch zur Bescherung reichen. Ich habe nämlich nicht mehr so viele…“ Mit den Worten stieg sie auf einen kleinen Schemel, anschließend auf einen der antiken Holzstühle um schließlich den sagenhaft, silberglänzenden Kronenleuchter inklusive Gedeck perfekt mittig auf der Tafel zu platzieren. „Gibt es einen Grund, weshalb du und Archie schon so früh zurück seid?“, fragte sie beiläufig, als sie sich vorsichtig zurückzog vom Stuhl auf den Schemel und dann zurück auf den sicheren Dielenboden. Der jüngere zog nachdenklich die Schultern hoch „Ob du es führ wahr hälst oder nicht, aber wir wurden tatsächlich offiziell von Mr. Huskin früher entlassen.“ „Früher entlassen?“ Besorgt zogen sich ihre Augenbrauen zusammen, so wie es auch Heathers stets taten, wenn sie scharf nachdachte. „Wurde euch ein Grund genannt?“ „Außer dass Weihnachten ist nicht, nein. Mr Huskin hat sich auch nichts weiter anmerken lassen oder blieb gar länger um ihn zu fragen. Alles sehr mysteriös…“ Henry kippte immer noch in Theorien versunken seinen Kopf von rechts nach links und wieder zurück.

„Sonderbar.Wie sonderbar, murmelte Margret.“ vielleicht weiß Graham mehr.

„Oh wie wunderbar“ hörte man nun den mittlerweile wieder erwachten Archie sagen, wobei er weniger den Leuchter meinte als den inzwischen kälter gewordenen Punsch meinte, der, das musste Henry zugeben, dieses Jahr besonders gut schmeckte, denn seiner war bereits leer. Das Familiengeheimrezept tat immer gut egal ob bei Krankheit oder freudigen Ereignissen des Jahres… Sobald die Selle die pure Essenz der dort drin steckenden Liebe aufgesogen hatte ging es der Haut und Knochen Augenblick wieder gut. Margret lächelte „Es gibt Nachschlag, wenn sich der werte Herr umziehen würde, es wird Zeit…“ Henry zückte sofort seine Taschenuhr, wie spät war es denn geworden? Beim Erblicken der Zeiger sprang er wie von einem Grinch gestochen auf, fegte fast die gesamte Gebäckkollektion vom Tisch und wollte gerade erneut ein „Himmel Herr…“ ausrufen, als Heather aus dem Keller kam, erneut in die Stube rauschte an ihm vorbei und nur noch rufen konnte „Schatz.. du musst dringend damit aufhören!“. „…Und du bleibst bitte mal stehen“, rief er ihr hinterher, hechtete einige Schritte nach vorn und gab ihr noch gerade so einen zarten Begrüßungskuss. So viel Zeit musste sein.

„Oh, ich dachte… na dann störe ich mal nicht weiter…“, unterbrach Margret die Szene von hinten wobei sie sich schon wieder zurückzog als Heathers Blick vorbei an Henrys Oberarm glitt, auf den Gebäcksteller… „Warte Mom, schau doch bitte nach den Mince Pies. Ich habe gerade zwei Bleche in den Ofen geschoben. Ich versuche Graham zu holen…“ mit diesen Worten entschwand sie sich Henrys Umarmung und huschte bereits wieder schnell wie der Blitz die Treppe hoch. Betreten stand er ein wenig verloren in der Küche, was musste er auch eine solch perfektionistische Perfektionistin geheiratet haben. Dieses Fest wäre auch ohne fünf Gänge Menü sowie 6 Bleche Gebäck perfekt geworden. Schließlich war Weihnachten, das Fest der Liebe, da konnte doch gar nichts schiefgehen. Leicht beschwingt vom nun dritten Eierpunsch machte sich Henry auf um sich endlich eilends umzukleiden. Die Besorgnis war wie weggewischt…

Einige Minuten später, Henry hatte sich gewaschen, rasiert sowie frisiert, kehrte er in seinem besten Anzug ins große Wohnzimmer zurück. Doch statt reges Treiben wie noch vor seinem Badbesuch herrschte Grabesstille. Verdutzt bemerkte er wie alle um Archies Vater Graham herum standen und gebannt in den von ihm gehaltenen Daily Telegraph starrten. Seit wann trugen die Zeitungsjungen eine zweite Ausgabe am selben Tag aus? Erleichtert, dass Graham nichts geschehen war, räusperte sich Henry leise und trat näher um seiner kreidebleichen Frau über die Schulter zu schauen. „Was ist den passiert?“ fragte Henry beherzt, denn normalerweise brachte niemanden seine Familie so aus der Fassung. Es dauerte einige Sekunden bis Lini, Archies Frau, Henry die Zeitung so in seine Richtung drehte, dass er auch ohne Brille etwas lesen konnte. Wobei, dass was dort geschrieben stand in großer schwarz fett-gedruckter Frakturschrift hätte selbst ein Blinder entziffern können. „Richard Cory went home last night and put a bullet through his head.“ prangte dort. Fast die Hälfte des A2 Blattes nahm die Überschrift ein darunter sah man lediglich ein arg verwackeltes Foto eines menschlichen Torsos. Henry schnappte erschrocken nach Luft. War das etwa möglich? Konnte das sein? Sein ehrenwerter Unternehmer, der ehrenwerte stets höfliche und zuvorkommende Richard Cory, der Cory sollte Suizid begangen haben?

„Das ist doch bestimmt eine Falschmeldung!“, stieß er immer noch völlig fassungslos ein. Sein bester Freund schüttelte den Kopf. „Leider nein, der Junge kam gerade erst vor drei Minuten…“, antwortete Archie ebenso fassungslos. „Unglaublich, völlig irrsinnig und das an Weihnachten“, flüsterte Archies Vater. Ihm war der Schock sichtlich anzusehen, schließlich hatte er Cory höchst persönlich noch als Kind gekannt. „Aber, aber wann soll das den passiert sein..?“, stotterte nun Lini los, die allerdings nicht allzu aufgelöst aussah. Auf diese Frage konnte selbst der Artikel nicht wirklich Auskunft geben doch sofort riefen, spekulierten, mutmaßten und diskutierten alle maßlos durcheinander. Das ganze wuchs zu einem einzigen Crescendo an und kurz bevor es seinem Höhepunkt erreichte, stieg Margret erneut vom Boden, auf den Schemel und dann auf den Stuhl um energisch das Wortgemenge mit Hilfe der Tischglocke zu unterbrechen…

„Ruhe meine Lieben! Ich weiß dies ist ein sehr schwerer Augenblick für alle von uns“, dabei beobachtete Henry wie Lini gefährlich von ihr fixiert wurde… „…doch denke ich sollten wir uns von dieser dennoch schrecklichen Nachricht die Feierlichkeiten nicht verderben lassen. Möge der junge Herr in Frieden ruhen und nun lasset uns zu Tische eilen bevor das Essen kalt wird…“

Nach Beendigung des kleinen Appells blieben alle wie angewurzelt sowie stumm stehen und beobachteten voller Interesse wie Margret wieder auf den Boden zurück kehrte und sich schließlich auf einen der Stühle setzte. „Sie hat recht“, murmelte Heather und schloss sich ihr an und nach und nach füllte sich die Tafel mit den restlichen Teilnehmern des Abends.

„Schlafend zu sterben ist ein Luxus, der uns nur sehr selten gewährt wird.“ hörte er Margret sagen. „Und ich habe mir immer gewünscht Richard Cory zu sein“ flüsterte Archie. „Wer nicht, wer nicht?“ antwortete Graham und steckte sichtlich betroffen eine Pfeife an. Sofort schaute ihn seine Frau streng an und er machte sie schuldbewusst eilends wieder aus.

Lini räusperte sich: „Ich möchte ja nicht unhöflich erscheinen, doch fehlt nicht noch etwas?“ Damit deutete sie auf den großen noch leeren Fleck auf der bereits reichbestückten Tafel.

„Himmel, Arsch und Zwirn! Der Truthahn“ rief Heather erschrocken aus und stürmte, mit einer theatralischen Mine und Gestik aus dem Wohnzimmer. Dies zauberte allen ein kleines Lächeln in ihre müden und zweifelnden Gesichter. „Schatz kein Fluchen!“, setze Henry immer noch schmunzeln hinterher.

Ende

20. Türchen:

50. „Schlafend zu sterben ist ein Luxus, der uns nur sehr selten gewährt wird.“ -Kill Bill – Volume 1/ Teil 1

Dreimaliges kurzes, schrilles Klingeln. Henry hob fragend die Augenbraue, dann schaute er skeptisch auf seine Uhr. Ging sie falsch? Aber nein, dass konnte nicht sein. Er pflegte seine Uhr regelmäßig. Putzen, Dichtung regelmäßig eigenhändig wechseln und das trockene Samtbett in der speziellen Truhe von seinem ehrenwerten Vater Sir Alfred konnte unmöglich die Uhr verschleißen. Er heize nur für sich selbst im Sommer! skeptisch drehte er sich zu seinen Kollegen. „Es ist zu früh, warum läutete die Klingel?“, fragte Henry hoffnungsvoll. Vielleicht war seine gute Wegbegleiterin doch noch völlig intakt.

„Vielleicht ein Versehen…!“, kam es aus der hinteren Ecke. „ In den ganzen 30 Jahren die ich arbeite gab es hier noch nie ein Versehen!“ erklang es gleichzeitig aus dem hinteren Teil der Halle.

„Was ist es dann…?“ fragte Henry immer noch leicht beunruhigt. „Sehen Sie doch, Mr. Huskin!“ Sobald die letze Silbe von Hus-kin ausgesprochen worden war erstarb augenblicklich das Getuschel in dem alten Fabrikgemäuer und gut 260 Augen blickten wie auf Knopfdruck mechanisch nach oben auf die Seitenbrücke, auf der nun ein kleiner, kräftiger Mann in einem dunkelroten Anzug und Backenbart erschien. Seine Koteletten waren ordentlich gestutzt, was selbst der kurzsichtigste aller Arbeiter intuitiv wusste. Mr Huskin war für seine Akkuratheit und Pünktlichkeit berühmt sowie berüchtigt. Gemächlichen Schrittes ging er auf die Mitte der Brücke zu und wandte sich dann abrupt an seine Untergebenen, die immer noch in einer gewissen Habachtstellung verharrend seinen Bewegungen folgten. Als sich Mr. Huskin ganz sicher sein konnte, dass auch wirklich alle Aufmerksamkeit ihm galt, klatschte er in die Hände und rief…

Gentleman!,

ich darf ihnen versichern es gibt keinen Grund zur Sorge,es hat alles seine Richtigkeit. Aufgrund des schweren Schneetreibens hat Mr. Cory per Telegramm bestimmt, dass sie nun, verehrte Angestellt,e zwei Stunden früher die Fabrik verlassen dürfen. 

Die Instanz, ich und Mr. Cory wünschen ihnen allen fröhliche Festtage und ein fröhliches Neues Jahr. Kommen sie gut Heim und Vorsicht auf den Straßen!

Noch bevor seine Worte vollständig verklungen waren, drehte er sich wieder in die Richtung aus der er gekommen war und verschwand schließlich schnelleren Schrittes hinter einer grauen Gittertür, die mit einem leisen Klack ins Schloss viel. Darauf folgte fast schon beklemmende Stille, doch dann klatschte jemand wie Mr. Huskin in die Hände und nach und nach erfüllte der sich immer weiter steigernde Beifall die gesamte Manufaktur. Ein Beifall, den London selbst nach der vor Jahren statt= gefundenen Houdini Show noch nie gehört hatte. Wer ein wenig gebildet war musste in diesem Moment Angst haben, dass ihm nicht die Decke auf den Kopf fiel… und tatsächlich manche Gesichter sahen definitiv das Gegenteil von erfreut aus, denn die Arbeiter der Mr. Cory Investigation of Wegdwood from Roxburghshire waren die wohl bestausgebildetsten, ehrenwertesten sowie tatkräftigsten Arbeiter des gesamten Königreiches. Henry dagegen schaute weder besorgt noch erfreut an die Decke oder gen Ausgang. Sein Blick haftete immer noch äußerst nachdenklich an der grauen Metalltür. Mr. Cory war zwar ein sehr rechtschaffener Unternehmer und für seine Edelmütigkeit bekannt, aber ein früherer Feierabend? Dass hatte es tatsächlich noch nie gegeben. Da war er ganz sicher in all den Jahren, die er sowie sein Vater und Großvater gearbeiteten hatten stets wurde pünktlich, doch nie überpünktlich geschlossen. Ob das wirklich alles seine Richtigkeit hatte? Er war immer noch skeptisch.

„Heureka Henry! Komm du alter Miesepeter, wir müssen uns beeilen, sonst sind die ganzen Straßen verstopf und bleiben mitten im Sturm stecken!“ „Warte ich komme gleich nach“ murmelte er selbst in sich halb hinein, halb nach außen und bahnte sich bereits einen Weg zur eisernen Treppe, die nach oben auf die Brücke führte, wo ihr Aufseher gerade noch gestanden hatte.

„Ach Henry, wann fängst du mal an nicht alles zu hinterfragen, man könnte glauben du hättest die gute Meinung über Menschen verloren“ neckte ihn sein Freund, und packte ihm beim Arm und zog ihn ungeduldig in Richtung Außenwelt. Henry ließ ich widerwillig mittreiben. „Ich kann es immer noch nicht glauben. Findest du nicht auch, dass Mr. Huskin etwas bleich aussah?“ Archie sah ihn ärgerlich an, „Nein Mr. Huskin sah ganz normal aus… Wie immer sozusagen und jetzt schau mich nicht an sondern schau auf den Boden, sonst rutscht du mir noch aus“ feixte Archie. Das waren die letzten Worte, die Hernes bester Freund für die nächste Stunde wechseln sollte. Es hätte Henry nichts ausgemacht, wenn Archie genauso ein schweigsamer Zeitgenosse wie er selbst gewesen wäre, doch das war Archie nicht. Ganz und gar nicht. Also musste er selbst nachdenken oder war sauer, letzteres war aber eher unwahrscheinlich. Nicht an Weihnachten, das Fest der Freude. So oder so hätten sie vermutlich wenig Worte miteinander gesprochen, denn das Schneegestöber war mittlerweile so dicht und stark, das sie sich regelrecht nach Hause durch die Straßen kämpfen mussten.

Sie waren so beschäftigt damit, nicht auszurutschen oder gar weggeweht zu werden, dass sie fast am kaum noch zu sehenden Hauseingang vorbei gelaufen wären. Nach mehrmaligen äußerst holprigen Versuchen das eingefrorene Gartentor zu überwinden, griff Archie schließlich in seinen Mantel und holte sein Taschenmesser hervor. Minuten später und vor allem mindestens ein dutzend Eiskristalle im Bart reicher, erreichten die zwei Gefährten den schützenden Vorsprung der Haustür. Nun bestand die nächste Hürde darin das ebenfalls verschneite Haustürschloss freizulegen… Denn weder Archie noch Henry kamen mit dem Schlüssel in die Nähe des rettenden Türmechanismus, zu gefroren waren ihre Hände.

„Himmel, Ar….“ „Mein lieber Herr an Weihnachten wird nicht geflucht!“, wurde er plötzlich von einer sowohl bekannten als auch sehr strengen Stimme unterbrochen. Erschrocken blickten die zwei auf. Doch außer dem Hausvordach und weißem Schneegestöber, das ihnen sofort in die Augen fiel, erkannten sie nichts und niemanden. „Heather macht euch auf!“ , folgte und damit hörten sie ein dumpfes Krack und es herrschte wieder das Heulen des sich nähernden Sturmes. Mittlerweile war es so kalt, dass sie ihre Glieder nicht mehr spürten zumindest die bis zu den Knien und Ellenbogen reichten. „Hoffentlich frieren wir uns hier nicht noch etwas tot“, witzelte Archie gerade halb im Scherz als in dem Moment die Haustür schlagartig aufgerissen wurde und das sich ergießende warme Licht die zwei zugeschneiten Gestalten arg blendete. „Schnell, schnell was steht ihr denn hier so rum?! Hinein mit euch! Oder wollt ihr euch und uns den Tod holen?“ Wurden sie ruppig begrüßt und mit sofortiger Reaktion fast schon ins Innere gezerrt. In der warmen Stube angekommen, die Kleider waren nun mehr nass als gefroren, wurde ihr Geruchssinn gerade zu überwältigt mit köstlichen Proben des bevorstehenden Festessens: Turkey, Erdäpfel, Backpflaumen, Plumpudding und konnte das sein….? „Der Eierpunsch ist fertig“ , ertönte es aus der Küche und mit dem öffnen der Türe roch es nun nicht mehr nach den Hauptkomponenten des Mahles sondern nun kamen die feinen Nuancen wie der Rosmarin, Frois Gras oder auch der Scotchgeruch hinterher gezwitschert…