Monat: Dezember 2018

Die gesammelten Schätze des Monats der kleinen Freuden

Ich dachte mir der Dezember wird ruhiger und siehe da, er wurde es. Zum Schreiben fehlt mir dennoch die Zeit und die Muse. Seien wir ehrlich, liegt vermutlich noch nicht einmal an den äußeren Umständen, sondern nur an mir Selbst. Wenn ich eins kann dann mich selbst zu überfordern mit allem was dazu gehört. Leben ist aber auch schwierig, wer hat sich dass eigentlich ausgedacht? Jetzt kommt mir nicht mit Gott. Ich weiß eine Nicht-Existenz kann man schwer beeisen, aber mir wäre es tatsächlich lieber wären wir die Herren unserer Schicksals. Zumal ich keine Lust habe mit 0,00000001% meiner Alltagsmenschen verwandt zu sein. Da gibt es nämlich verdammt große Idioten drunter. Ich verweise hier bewusst auf diesen einen ganz bestimmten Nachbarn und diverse Kommilitonen meines Studiengangs. Wenn ich es nicht live erleben würde würde ich nicht vermuten, dass es so unfassbar viele Spießer und selbstgerechte Pseudo-Linke in meinem Studiengang gibt. Vermutlich kommt zu einer der zwei Diskussionen sogar noch ein Sonderbeitrag, die zweite kann ich hier trotzdem noch einmal erwähnen.

Ich besuche ein Seminar, was sich konkret mit Bildern in verschiedensten Gewaltkontexten außeinander setzt. Keine Leichte kost, dafür aber oftmals sehr, sehr lehrreich und der Professor ist wirklich gut. In einer Stunde lauschte ich ich einem Referat, welche die Terroranschläge auf Weihnachtsmärkte analysierte; Tatwaffe: LKWs. Dahinter stand die Frage im Raum inwiefern Journalisten mit ihrer oftmals nicht objektiven Berichterstattung dem Terror in die Hände spielen. Schließich tragen sie die Panik oftmals in den Raum weiter, ohne Medien würde es eben Monate dauern (oder Wochen) bis wir hier im Norden wüssten, was in Straßbourg geschehen ist. Am Ende des Referates zeigte uns die Referentin eine der Titelseiten der Tratsch und Klatsch Zeitung schlechthin. Sie sollte ein Beispiel sein, wie man auf keinen Fall Bericht erstatten sollte: (Anm. meinerseits: Wenn wir den Standard so niedrig setzen, wird das nie was mit dem anständigen Journalismus) Fette Buchstaben, negativ konnotierte Schlagwörter und eine Collage aus sämtlichen Gewaltbildern des Geschehenen. Dann zeigte uns unser Professor ein weiteres Bild einer anderen Zeitung. Zu sehen war: Das Brandenburger Tor, welches in den Farben der deutschen Flagge angestrahlt wurde, davor ein Christbaum und darunter der Ausspruch: Fürchtet euch nicht. Zu meinem Entsetzten bewerteten die Mehrheit diese Titelseite als sehr viel „differenzierter“ oder „distanzierter“. In den Moment bin ich schlichtweg aus den Wolken gefallen und verbrachte die nächsten Minuten mich über die Haltung meiner Mitstudenten zu empören. Der Professor war sowohl überrascht als auch erfreut. Ich hoffe es zumindest, er sah zumindest so aus.

Für alle zum Mitschreiben. Das Brandenburger Tor in den Farben der deutschen Nationalflagge anzustrahlen mit einem deutschen Christbaum davor und einem Satz aus dem Lukas Evangelium ist keine neutrale Berichtserstattung?! Hand aufs Herz, wer von euch ist noch praktizierender Christ (außerhalb von Ostern oder Weihnachten wohlgemerkt)? Ich bin mir sicher verdammt wenige. Weshalb zur Hölle ist also dieses Titelblatt so exkludierend? Welcher Depp hatte in dem Moment zu viel Glühwein intus? Falls der Vorfall noch nicht genug war, kann ich gleich mit meinem Chef weitermachen. Der hat sich nämlich mit seiner konsumorientierten Markthaltung mal wieder wahnsinnig beliebt gemacht. Mir erst mehrmals einprägen wann ich wo zu sein habe, aber dann keine weiteren Anweisungen geben oder erst gar nicht auftauchen um aufgetragenes gegenzuzeichnen… Dafür hetzte ich mich jedes Mal durch mein gesamtes Nervenkostüm. Vor einigen Tagen hat er dann die Quittung bekommen. Ich habe nicht umsonst eine Mütze zum Nikolaus bekommen auf der in großen, roten Lettern NO! geschrieben war. In dem Moment in dem ich den Pausenraum mit dieser Mütze betrat, hatte er die Quartalsbesprechung mit der Bezirkschefin. Passiv-Agressive Rache kann ich! Zu allem Überfluss kam noch, dass sie mir meinen im Januar versprochenen Urlaub wieder genommen und ihn auf andere umverteilt haben. Macht meine derzeitige Situation nicht unbedingt charmanter. Manchmal hätte ich wirklich nichts dagegen einfach als Einsiedler irgendwo im nirgendwo zu leben. Wobei ich dort keinen Zugang zur Weihnachtsschokolade hätte… und wer sagt, dass ich dort einen Ofen fürs Plätzchen backen hätte?

Seit langem gab es deshalb vier ganze Bleche voll, die aber nach Abzug für Freunde und Nachbarn sich recht schnell wieder relativiert hatten. Mir schmecken sie ja jedes Mal, aber ich habe immer Bedenken bei anderen. Glutenfrei heißt zwar nicht gleich gesund, aber die vergleichsweise Alternativen zu normalem Keksteig mussten dann immer drei Stunden ruhen. Wer zur Hölle wartet bitte drei Stunden auf einen Teig? Neben dem Plätzchen backen wurden dann noch gute Spiele spielt, das Blogland mal wieder etwas aufrollt und meine beiden Essays durften halt auch nicht fehlen. An dieser Stelle einen gut gemeinten Rat: Kriegsverbrechen sind kein gutes Essaythema. Also eigentlich schon, aber gerade in der Weihnachtszeit zieht einen so etwas wirklich runter. Beschäftigt euch stattdessen lieber mit schönen Sachen wie zum Beispiel Kurzbiografien. Was mir nur keiner gesagt hat war, dass der geniale Kopf der Ikonographie in seinen späteren Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Und was das für Probleme waren… Halleluja.

Da hilft dann immer nur der fensterlose Raum einmal pro Woche und egal welche Woche ich werde nächstes Mal vermutlich verdammt viel zu lachen haben. Falls alles gut geht, wovon ich eigentlich nicht mehr wirklich ausgehe. Dafür sind meine jeweiligen Gruppen zu chaotisch und betrachten wir es mal ganz objektiv… Einen Holzpalast zu brandschatzen, damit zumindest ein Teil der Königsfamilie aus der Septe rennt um nicht auch noch in die Luft zu gehen ist bis heute ein sehr interessanter Plan. Jetzt wissen wir zumindest auch, weshalb Summerhal abbrennt. Immerhin er ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Ich halte den Plan zwar für die beste Alternative, aber immer noch nicht für eine Gute! In der anderen Woche sieht es allerdings auch nicht besser aus. Die Kampagnenprämisse einer Händlersfamilie zu helfen hatte sich mit dem Tod von vieren unserer Gruppe erledigt. Wunderbarerweise hat genau einer überlebt, weshalb wir wiederbelebt wurden. Ich betone hier übrigens das widerbelebt und nicht wiedererweckt, es war (hoffentlich?) keine Nekromantie im Spiel. Wir sind gerade dabei uns an unserem Täter zu rächen. Die Prämisse niemanden umzubringen konnten wir also gleich in die Tonne hinterher kippen.

(mehr …)

Werbeanzeigen

Mixtape, das Fest der Liebe #3

Es ist endlich Weihnachten! Gut, eigentlich ist er am 25. Weihnachten und heute Heiligabend, aber so genau nehme ich es damit wirklich nicht. Defacto wäre für mich eher fröhliches Geschenkefest angesagt oder eben fröhliches Jul und da Jesus sowieso eigentlich im Juli geboren worden ist, können wir eigentlich alle gleich nach Hause gehen. Chanukka ist schließlich auch schon vorbei, fehlen nur noch die Hindus und die Moslems. Falls ich Leser habe, die diesen Religionen angehören: Was ist euer Äquivalent zu Weihnachten? Divali und Ramadan? Falls ich mich gerade mal wieder total beliebt bei diversen Gläubigen oder Religionslehrern mache… Macht euch nichts draus, das Christentum schneidet bei mir genauso schlecht ab.

Wie auch immer, damit ich zumindest irgendetwas zum Sammelsorium der Feste beitragen kann, (wenn hier schon kein einziger Beitrag kommt) dann gibt es hiermit zumindest etwas auf die Ohren. Die Weihnacht (Verzeihung, Heiligabend) kommt wie jedes Jahr immer so überraschend. Von heut auf morgen schleicht der sich ans Bett, dann pünktlich am 24. Dezember wirft er einen aus den gemütlichen Federn und dann heißt es im besten Falle rennen was das Zeug hält. Die achso liebe Verwandtschaft ist dann nämlich gar nicht mehr so lieb wenn sie ganz nach Befana-Tradition Kohle statt Süßes geschenkt bekommt und dann auch noch gut zwei Wochen später.

Dass sich hier zu lande das Geschenkefest wie jedes Jahr seit Ende September ankündigt erwähne ich mal lieber nicht. Ich hatte übrigens dieses Jahr schon im September Lust auf Spekulatius und Lebkuchen. Um euch in eurem Friede-Freude-Eierkuchen-Dasein zu bestärken überspringt sicherheitshalber die ersten drei Stücke meiner Sammlung. Es sei denn ihr wollt die Verwandtschaft verschrecken, dann nehmt die auf jeden Fall mit rein. Ist euch schon mal aufgefallen, dass Werte wie Kultiviertheit, Beliebtheit, Freude, Spaß oder Liebe genauso relativ werden wie die Daten von Heiligabend und Weihnachten selbst? Jetzt ergibt die Redewendung Zwischen den Jahren so viel Sinn. Die Tage zwischen dem 24. und dem 31. Dezember befinden sich schlicht weg in einem Quantentunnel außerhalb von Raum und Zeit. Jetzt wissen wir auch alle, weshalb fast niemand ans Telefon geht oder weshalb das Fernsehprogramm so schlecht ist.

Damit euch jetzt Fröhliche Festtage

 

Beschreibt das Weihnachten von vielen Menschen in meinem Alter vermutlich besser zusammen als die Bibel es jeh könnte:

 

Wer kennt sie nicht?

 

Im Laufe der Jahre ist dieses Lied zusammen mit Halleluja irgendwie eines meiner Lieblingslieder geworden:

 

Modern, aber doch getragen:

 

Dieses Jahr bin ich irgendwie bei den Norwegern hängen geblieben, die Lieder sind aber auch einfach schön:

 

Für die Heiden unter euch:

(mehr …)

Gesammelte Schätze des Monats der Bedrängnis

Ich gebe es gerne zu: ich bin ein bisschen später dran als sonst. Es lag aber nur indirekt an mir. Zumindest litt ich weder unter einer Schreibblockade noch unter Kreativitätsmangel…. Ich hatte lediglich Zeit sowie Konzentrationsmangel. Die letzten vier Wochen waren recht intensiv möchte ich sagen. Auf Gutdeutsch übersetzt: Die Kacke war nicht mehr am dampfen, sie hatte sich bereits hinfort sublimiert.

Eine Kiwi zwitscherte mir am Studienbeginn vor, dass das Studium ein Marathon sei kein Sprint und ich gar nicht erst auf den Zug aufspringen sollte. Keine knappen Dinger, kein Bulimielernen und sich nicht jedes Semester mit Vorlesungen oder lauter Aufbauseminaren voll packen. Das Ganze funktionierte zumindest die ersten drei Wochen in denen ich eh dreimal meinen gesamten Stundenplan ändern musste. Danach fand die Referatsvergabe statt und der Plan war hinfällig geworden. Ergebnis: Ich hatte zwei Referate, deren Vorbereitung parallel verliefen, an der Hacke. Insgesamt 120 Arbeitsstunden in guten zwei Wochen. On Top natürlich noch das gewöhnliche Unileben, Sport und so etwas wie Schlaf oder eine gewisse Freizeit, die man zumindest Mittwochs für genau vier Stunden beanspruchen möchte. Mein Vorsatz sauste von Och-wir-schauen-mal-und-gehen-das-alles-ganz-entspannt-an zu Wie-lege-ich-mir schnellst-möglichst- einen-Burn-Out-zu und dabei studiere ich Kunstgeschichte und nicht Medizin.

Ich war jedoch guter Hoffnung denn man sagte mir, dass unsere Fachbibliothek genug Literatur für zumindest eines meiner Themen haben würde. Der Satz entsprach sogar der Wahrheit, nur gab es auf meine Fragen immer höchstens eine drei Sätze lange Antwort. Wenn man Bandwurmsätze mal braucht, so sind sie natürlich nicht da. Ein Glück, dass es so viel Fachliteratur zu meinem Thema gab, so kam ich schließlich doch auf 15 Sätze und auf sehr viele Bücher. Glaubt mir manchmal wünschte ich mir Command+ F.

Thema Nummer zwei war jedoch trotzdem mein Highlight des Monats. Nicht, denn:

Wer musste feststellen, dass das gesamte Material für diesen Künstler ausgeliehen worden war? Wer stand lieb bettelnd vor der Professorin um nach Ersatzliteratur zu fragen? Wer musste sich letztendlich selbst bemühen, weil die Dozentin nichts gebacken bekam? Wer stand am Ende vor der Biografie des Künstlers, seinem Originaltraktat und einer Diplomarbeit die sich zwar alle mit dem Thema beschäftigt haben aber auf Englisch bzw. im Englisch des 17. Jahrhunderts geschrieben worden waren? Wer saß dann gut und gerne am Wochenende neun Stunden vor den zu übersetzenden Seiten und fluchte laut? Wer machte sich einen tierischen Stress und hatte mehrere Nervenzusammenbrüche täglich? Wer hatte am Ende drei Lektoren, weil er feststellen musste das auf englisch Lesen und das Gelesene dann akkurat zu übersetzen zwei völlig verschiedene Dinge sind? Wer nahm eine Doktorarbeit mit Hilfe von Photoshop so außeinander, so dass deren Bilder brauchbar waren, weil die übrigens nicht zum Thema passten? Ich stand am Ende vor meiner Hörerschaft und erschlug sie mit einem nahezu perfekten Referat… danach nahm ich mir die Professorin vor. Sie lebt noch und sie hat zumindest nicht in meiner Anwesenheit angefangen zu weinen, aber dass war es auch schon.

(mehr …)