Monat: Oktober 2014

Ich, der arbeitslose Wetterfrosch

Die Glocke klingelt, die Flure füllen sich. Wir rennen über den Hof und schnell wieder ins nächste Gebäude. Große Pause ist zwar fein, doch guckt man blöd drein, wenn der liebe Herr Petrus sich mal wieder dachte: Och, die Menschen müssten sich mal wieder natürlich duschen. Vielleicht dachte er auch: Der eh schon trief nasse Pudel am Ende der Strasse müsste noch nasser werden, damit er sich in seinem nasses, modrigen Schicksal richtig wohl fühlen kann. Unsere Lehrerin ist da so ähnlich, wie Petrus. Statt Erbarmen mit uns zu haben, lächelt sie uns nur an, spannt ihren Regenschirm auf und meint nur: Draussen bleiben, frische Luft tut gut und damit schmeißt sie uns raus. Unsere Standartantwort lässt sie nie gelten Es gäbe nie das falsche Wetter sondern nur falsche Kleidung. Vielfraß* zuckt nur mit seinen Schultern, schaut ungläubig nach oben und spannt ebenfalls seinen Regenschirm auf. In dem Moment wird er zum beliebtesten Jungen auf dem Schulhof. Ich als geborener Wetterfrosch habe natürlich weder einen Schirm noch eine Regenjacke dabei. Hätte es gestern geregnet da wäre ich bestens vorbereitet gewesen: Sweatshirt, Stiefel, Jacke (Sturmtauglich), doch gestern schien die Sonne und es war herbstlich warm. Jeden Tag fühle ich mich wie einer diesen fiesen Realitishows, in denen es immer wieder heißt: Und schalten sie morgen wieder ein, verehrte Damen und Herren, wenn es wieder heißt: Wetterfrosch oder bloß Froschenkel?  Wunderbar.

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Klick, Klick Blitzgewitter

Vorletzte Woche kam mein Albtraum uns besuchen, mein persönlicher Paparazzo… Halt! Nicht nur mein persönlicher Albtraum, sondern auch der vieler anderer Schüler! Ich meine ich bin kein Teenager der eine Stunde im Bad braucht, ich brauche definitiv nur ein drittel der Zeit, und ich bin auch keiner dieser Teenager der alle fünf Minuten panisch auf die Toilette rennt um sein Make-Up neu aufzulegen, oder sich alle drei Sekunden die Haare kämmt, nützt bei meinen Haaren ohnehin nichts. Trotz allem Nichtseins sind Schulphotographen für mich der Tag Alptraum. Jedes zweite Jahr aufs Neue, und dieses Jahr war es wieder soweit. Wie schön. Die Reaktionen auf den angekündigten Termin waren ungefähr so klicheehaft, dass sich jeder High School Musical Psychoanalytiker darüber gefreut hätte. Es war alles vertreten: wildes Gekreische, genervtes Augenrollen bis hin zu missbilligendem Grunzen. Ich war schon froh, dass der Termin nicht auf einen  Montag den 13 gelegt worden war. Es war Dienstag. Datum: Vergessen. Kurz um, sofort machten sich ungefähr ein Viertel der Klasse daran die Ultimative Shoppinglist zu entwerfen, der weibliche Masterplan sozusagen. Schminkuntensilien, Klamotten, Friseurtermin und es musste auch Zeit eingeplant werden fürs Posen üben. Der Kommentar von der anderen Seite, dass es nur ein Schulfoto sei und es sich nicht um die Final Runde der überhypten Modelcastingshow war, wurde mit strafenden Blicken geächtet. Was die lieben Modeengel übers Planen vergessen hatten, wir hatten noch Unterricht. Die Lehrerin war mittlerweile nicht mehr Sommerbraun sondern Bordeauxrot und naher der Explosion…

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