Zukunft

„Realistische“ Männer in der Literatur

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde der letzte Beitrag diesbezüglich starker Frauen in der Literatur wäre nicht eingeschlagen wie eine Bombe wiederhole ich das Ganze doch einfach. Nur nicht mehr mit Frauen, sondern mit Männern. Gleichberechtigung ist hierbei durchaus erwünscht, weshalb es hier weder um Hexer (Gerald von Riva), Zwerge oder den perfekten Schwiegersohn (Augustus Walters) gehen wird geschweige denn um die beliebten Bad Boys (Daemon Black), welche noch nicht einmal im Ansatz das Prädikat menschlich verdienen. Selbst Männer haben ein recht darauf sensibel, gefühlvoll, zickig, ängstlich zu sein. Dabei habe ich allerdings auch hier drauf geschaut, dass besagter Charakter nicht bloß in Selbstmitleid versinkt und als bloßer Sidekick dient (Peter Mellark). Der Umstand ist genauso schlimm die der perfekte Schwiegersohn oder das öberflächliche, naive Mädchen. Ich nenne diese Reihe also nicht  starke Männer in der Literatur sondern eben reale Männer/ Jungs. Denn stark finde ich in diesem Zusammenhang allzu missverständlich. Übrigens für alle Quellenangaben einfach auf das jeweilige Foto klicken….

 

  1. Dante

Der Titel ist scheiße, aber er vermittelt genau das was Jungs/ Männern heutzutage vermittelt wird. Sie dürfen um alles in der Welt nicht weinen jetzt frage ich mich allerdings weshalb? Wirkt das unmännlicher? Ich meine wenn Frauen weinen zeigt keiner mit dem Finger auf sie und ruft „schwul“ (den Zusammenhang habe ich auch noch nie verstanden) oder Pussy… Wenn Frauen weinen, wollen Menschen erst einmal helfen. Wieso denn zur Hölle nicht bei Männern? Können wir bitte auf die Steinzeitrollenverteilung verzichten? Das war vor gut 5500 Jahren….

Aber zurück zum Buch. Dante hat gerade mal mit 17 Jahren sein Abitur bestanden und gar nicht mal so schlecht. Was ihm vorschwebt? Ein Germanistikstudium und später den Beruf des Journalisten. Nur wäre da nicht seine Ex- Freundin, denn die steht eines Tages samt Baby vor der Tür drückt es ihm in die Hand und verschwindet dann. Schließlich ist er der Vater und nun ist er mit Kümmern an der Reihe. Sie verschwindet darauf hin spurlos und Dantes Träume zerplatzen.

Er hat ein Kind am hacken, eines was sich noch nicht selbst versorgen oder gar reden kann. Herzlichen Glückwunsch! Willkommen im Reality TV. Statt sich der Vaterrolle jedoch zu verweigern, reißt sich der Junge gehörig zusammen (sein Vater spielt dabei keine unerhebliche Rolle) und beginnt zu lernen, zu lieben und irgendwie sein gesamtes Leben mit Baby auf die Reihe zu bekommen. Es dauert, er macht Fehler, aber er lernt daraus. Der Leser bemerkt sehr wohl, dass er am Ende des Romans alles für seine Tochter tun würde und sie für nichts in der Welt abgeben möchte. Dies gilt übrigens auch für seinen Bruder… Der im Gegensatz zu seinem besten Freund mein persönlicher Held ist (neben Dante).

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„All that happens must be known“ -The Circle

The roman novel called The Circle is a current topic book and the newest work from the popular author Dave Eggers. But is this book, which splits the critiques world a real dystopian masterpiece like 1984 or Brave new world? Let’s take a look in at the world of Mae Holland to find out if the anthems or the scorchers are right.

As mentioned before the book tells thea  story about a young lady called Mae Holland who applies to for a new job at one of the famous companies in the the  world known as The Circle. At her old working place she felt never overburdened nor insufficiently challenged, that is one of the reasons why Mae is deeply grateful about Annie’s recommendation of herself and describes her new working place as heaven. But soon the Circle reveals his native face and the place with all time clean places, an own gym, several perfect restaurants and nice people turns into an monopole which refuses every employee his one privacy by the help of the Circle’s inner and outer social media accounts. If Mae notices the dangerous of the ideas of her new heads of the business I will lleave that open.

The most important fact is that Dave Eggers picked up a very interesting and contemporary topic, which concerns everybody in the world. Even the people who hasn’t haven’t gotten an smartphone nor computer. In addiction the author built up an current world which appears as almost the same thansimilar to our world,. The only acceptation exception is the extremely need of social media tools. This makes the difference between the potential of the book and the actual story.

As good as Eggers intentions were he doesn’t implement it convincingly. At the beginning his writing style fits in to the situation, the reader is like Mae overwhelmed by the perfection and the unbelievable new impression of the company. Nevertheless the opinions about the topic surveillance split up in black and white. Every person, who is able to think logical and knows one or two things about the topic realisesrealizes that the authors makes himself comfortable to completely ignore the most important aspects of the grey zones… Only at the end it appears such an situation, but even in this case Eggers doesn’t let reflecting his own characters reflect their doings. As a reaction the reader gets the impression that the authors created most of the characters and dialogs just to underline his opinion of the black/ white world concerning surveillance.

That means Mea is incredibly one dimensional for a protagonist. She is naive, and later she became more and more egotistic and narcissistic because of the circle’s intrigues. She never ever questions anything or even cares about the opposite opinions of others. Mae can be defined as the black side of social media… A brainwashed zombie… The white side, the complete opposite is her ex-boyfriend Mercer, he refuses everything what is linked with the internet and social media. As you can see he is designed as the proper antagonist of Mae. His role is just to remember the reader how dangerous surveillance can be but hasn’t got any other treats. Especially at the end of the story the plot becomes more and more exaggerated and at one point I dropped off Eggers intention that the Circle or an other big company in our reality can be compared as a totalitarian system.

The writer should have more concentrated on the successful intentions and ideas in his story. Not everything is bad. For example there are more-dimensional characters in the Circle like Francis or Annie both represent an own topic of the surveillance, but in the so called grey zone (surveil kids because of the high criminal rate). They develop in the history and that causes more attention from the reader. He becomes more empathetic and the situations becomes more emotional which appeals to the reader as well written.

All in all this book is in the beginning a real an page turner, but not because of the unbelievable good designed characters or writing style. It is more about the curiosity for the introduced system. What will happen to the world? Is it possible to retrogressive the whole society? Due to that and the overexplaining of the intentions and ideas my by using simple metaphors and extreme appealing of the opinion about the topic I would recommend this book for youngsters, who haven’t read classic works yet like Animal Farm, 1984, or Brave new world.

And thanks again to Sternchen for correcting my revier, you’re helping me a lot.

Gesammelte Schätze des Monats der Wintersonnenwende

Die Gesammelten Schätze werden auch diesen Monat wieder offenbart… Aber bevor der extra Jahresrückblick erscheint, hier mein schier unglaubliches, subjektive, einzigartiges, kreatives sowie innovatives Monatresumé…

Also was habe ich diese 31 Tage so erlebt?

Definitiv sehr viel mehr als im November. Beispielsweise fing es gleich am ersten Dezember an mit dem Start meines selbsterstellten Adventskalenders. Dieser wollte schließlich jeden Tag umsorgt und behütet werden. Zumal endlich Sternchen zurück zu den Lebenden gekehrt ist und so mal wieder ordentlich Schwung in die Kommentarbox kam. Ihr anderen seid aber auch so still 😉

Tja, und kaum ist man Volljährig durfte ich auch schon die erste Überweisung meines Lebens schreiben. War gar nicht so schlimm wie erwartet… Im Grunde genommen ist es auch nicht anderes als irgendwelche Arbeitsblätter in Mathe auszufüllen und man hat sogar für gewöhnlich sogar noch die Lösungen für die einzelnen Felder. Im Gegensatz zu Mathe ein Kinderspiel würde ich sagen.

Danach kam nicht minder spannendes E-Mailgeschreibsel auf mich zu, denn endlich fand ich auch nun mal Zeit mich mit meinem geplanten Auslandsjahr nach dem Abi zu widmen. Ebenso steht im neuen Jahr vielleicht ein neues Hörbuchprojekt an, aber das steht noch in den Sternen. Ich darf nur hoffen und Tatzen drücken.

Jetzt aber näheres zum Projekt: Raus aus zu Haus!

Der letzte Stand von euch müsste Irland als Ziel gewesen sein oder? Wenn nicht, jetzt wisst ihr es. Die gründe sind ebenso vielfältig wie die Farben des Regenbogens an dessen Ende wir bitte den Goldtopf finden werden. Bei dem Ziel ist es vorerst auch geblieben und eigentlich wollte ich nun auch nicht mehr umschwenken. Denn die Finnen sollen ein sehr verschlossenes Völkchen sein und um ehrlich zu sein bin ich dafür dann wiederum viel zu introvertiert und der Hauptgrund wäre für leidliches Bereisen dieses wundervollen Landstrichs: Die Sprache. Ähnlich wie walisisch oder gar gälisch herrschen teilweise in einem Wort lediglich Konsonanten und meine Zunge bibbert schon beim Anblick des Wortes.

Mein derzeitiges irisches Problem wäre der schlichtweg nicht vorhandene Wohnraum. Oder präzisier ausgedrückt. Der Wohnraum der auch nur einigermaßen in leidlicher Stadtnähe liegt ist schlicht weg ausgebucht für die nächsten Monate und ist dazu quasi für mich als Student unbezahlbar. Jeden Morgen anderthalb Stunden dann mit dem Rad, Bus oder der Bahn zu fahren macht dann auch nicht wirklich Spaß. Schließlich will ich ein wenig Irland erleben und dass nicht nur in dieversen Pendlerverkehrswegen.

Darum bin ich jetzt tatsächlich auf das Umgestiegen, was ich am wenigsten wollte. Nein keine Sorge, ich habe mich nicht in einem irischen Kindergarten als Erzieherin angemeldet, viel mehr habe ich jetzt um die vier Reiseorganisationen angeschrieben ob sie mir nicht helfen könnten. Diese vermitteln einem nicht nur ein Praktikum in der Wunschbranche, nein ich haben sie Beziehungen zu Gastfamilien sowie Wohnheimen/ WGs.  Die Entscheidung nagt schon arg an meinem Stolz, da ich eigentlich vor hatte das gesamte Projekt allein durch zu ziehen nur will ich keinen 0815-Job in den Wochen machen schon gar nicht bei einem Magazin als Kaffebräuerin…. Auch will ich nicht das Jahr ständig in irgendwelchen Hostels wohnen müssen, was richtig ins Geld gehen kann.  Es ist ja auch nicht so, als dass ich es nicht versucht hätte. Nur was bei der Wohnungssuche heraus kam habt ihr ja gelesen und mit der unabhängigen Jobsuche erging es mir ähnlich. Denn zwar gibt es eine sicherlich wunderbare Seite für Jobsuchende, nur ist die nur für Iren selbst bestimmt. Dies habe ich aber viel zu spät gelesen… Brav also sämtliche Fragebögen ausgefüllt, gläsern geworden abgeschickt und dann eine Rück-E-Mail erhalten, dass ich jetzt doch bitte zu meinem Einwohnermeldeamt gehen soll mit Sozialversicherungsnummer und allem um dann einen Anmeldecode für Einheimische Arbeitslose zu erhalten, denn ich dann hier gegen eine Gebühr einlösen konnte. Ah ja… Klar.

Erst meine Daten klauen und mich dann auch noch auflaufen lassen. Dankeschön… die 60 Minuten hätte ich mir auch sparen können.

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19. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 8

„Ich kann gerne nicht mehr stören. Aber leider weiß ich wo weder die Schlafzimmer sind noch das Bad, oder sonst irgendwas.“, fuhr ich ihn funkelnd an. Mochte es ihm gerade aufgefallen sein oder nicht, ich wäre hier gerade fast elendig verreckt! Jetzt platze mir endgültig der Kragen „Mag sein, dass ihr euch länger kennt. Mag auch sein dass ich hier vielleicht nicht sonderlich erwünscht bin aber um ehrlich zu sein interessiert mich das einen feuchten Dreck denn ich brauche diese verfluchte Kohle und es ist mir aktuell auch völlig egal was ich dafür tun muss. Genauso gut könnte ich auch zwei einfach umbringen und mich davonstehlen, mit Geldkasten den würde ich nämlich auch noch suchen. Genauso wie neue Klamotten oder etwas zu essen. Eine Tür wäre übrigens auch nicht schlecht, denn dann könnte ich euch nicht mehr auf die Nerven gehen, wobei dass ja dann egal wäre, weil ihr tot wäret.“ Ein wenig erstaunt von meiner durchschlagenden Stimme nach der Eiskonservierung holte ich nun erneut tief Luft. Wenn er jetzt noch etwas dagegen sagte dann… Ich schielte deutlich zu den Küchenmessern. Groß genug wären sie. Dann wieder zurück zu den zweien. Der Große schaute nun nicht mehr mich an, sondern den kleineren. Ihm schien scheinbar der Blick nichts auszumachen. Also konnte der Herr wohl seine Fähigkeit kontrollieren. Ein wunderbarer Meuchelmörder.

Eine Weile geschah erneut nichts. Irgendwie bekam ich das Gefühl in einer Zeitschleife zu stecken. Aktion, Reaktion, lange Pause… und wieder von vorn. Wie gerne wäre ich jetzt wieder hinter Gittern. Dort gab es zumindest einen enorm gerechten Alltag. Dann eine Reaktion,  “…und wir sollen es ihnen zeigen?“ Ich stöhnte ärgerlich, dabei wäre mir fast meine Decke heruntergefallen. Wie begriffsstutzig oder dumm waren denn hier alle?!“ Wortlos drehte ich mich um und langte nach den Messern, wozu hatte ich überhaupt gefragt. War ja klar, dass das nicht funktionieren würde, die waren doch alle komplett verrückt. „Die einzig verrückte sind wohl Sie, aber das dürfte ihrer Arbeit wohl kein Abbruch tun. Nur stürmen Sie nicht gleich wieder davon ich bin nicht so schnell“, völlig unbeeindruckt kam der Große näher und schob sich an mir vorbei, nicht ohne seinen Freund auf seinen Rücken zu laden. Ein Absurditätenkabinett hätten die zwei wirklich alleine verdient. Ich folgte ihnen mit gebürtigem Abstand mit dem Messer, was wusste ich schon… Die beiden verursachten noch nicht einmal irgendwelche Geräusche, selbst auf den Holzböden nicht. Genauso wenig redeten sie, sahen sich nach mir um oder taten überhaupt etwas anderes als zu laufen.

Nach mindestens 10 Korridoren, drei Stockwerken in die Höhe und vielen, vielen, sehr vielen Treppen standen wir am Anfang eines Ganges, von dem verschiedene Türen abgingen. Einige waren weiß und aus Holz, andere wiederum aus Metal. Auf jeder Tür war ein Symbol abgebildet. Sonst nichts, keine Klinke, kein Schloss. „Ihre Tür ist die dunkelrote. Den Rest finden Sie im Zimmer.“ Langsam schob ich mich an den zweien vorbei, es folgte ein Blitz, ein Kreuz und ein Traumfänger. Welche Bedeutung hatte diese Zeichen. Elektrizität? Telekinese? Gedanken Manipulation?

War vielleicht das vorhin gar keine wirkliche Kälte sondern nur gedanklich eingepflanzte? Eine Halluzination? Inzwischen war mir nicht mehr kalt, viel mehr knurrte mein Magen noch lauter. Dann stand ich vor besagter Tür. Dunkelrot und mit einer hölzernen Masserung. Statt eines Kreuzes oder Kompass war ein Auge abgebildet. Ich lächelte, dass war das erste was mir an diesem Ort gefiel. Das Auge, über alles wachend, über alles wissend. Neugierig strich ich über das vermeintliche Holz. Statt meiner Berührung stand zu halten glitt die Tür beiseite und gab mir meinen Blick frei auf mein neues Zuhause. „Für warmes Wasser legen Sie einfach den Hebel um“. hörte ich von hinten. Ich ignorierte sie lediglich. Ab jetzt gehörte die Welt wieder mir…

 

Ende

18. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 7

Um es kurz zu fassen so oder so wäre ich geliefert. Also war es eigentlich egal wie ich mich entschied und da mir immer noch Klamotten fehlten, ich spürte meine Zehen nicht mehr und mein Knöchel brannte immer noch entsetzlich, wäre es schlauer auf direktem Wege zum Ziel zu kommen, als einen womöglich riesigen Umweg zu laufen. Vielleicht behielt mein Chef ja doch Recht und es war lediglich die erste Begegnung gewesen. Beim Hinausgehen kam mir noch der Gedanke:  „Mein Chef“… wie komisch das Klang. Ich konnte die Male an einer Hand abzählen wo ich wirklich einen echten Chef gehabt hatte.

Kurz darauf, kurze Wege sei dank, stieß ich die Küchentür erneut auf und wäre am liebsten gleich wieder gegangen… In der Küche befand sich zwar nich Xion, dafür aber der humanoide Eisbären-Panther und der junge Mann mit dem Raubtier-Beute-Blick. Nicht unbedingt die besten Startvoraussetzungen, doch hatte ich zumindest auf dem Weg hier her eine riesige Filzdecke schnappen können, die herrenlos über einem Treppengeländer hin. So war das Unterwäschemodell Dasein endgültig passé. Hoffte ich zumindest.

Der große trug übrigens jetzt eine riesige Kapuze, starrte auf den Boden und stand ansonsten genauso dort wie vor meinem Einstellungsgespräch. Der kleinere saß dagegen auf der Küchenzeile und las in etwas. Was genau konnte ich allerdings nicht erkennen, denn beim Anblick des Buchrückens verstand ich außer Kauderwelsch genau gar nichts. Symbole an Symbole tummelten sich dort und fast erschien es mir so als ob sie mich tanzend auslachen würden. Zumindest hatten sie mich noch nicht bemerkt.… Hinausschleichen und nach einem Flucht- und somit Lageplan suchen wäre noch im Bereich des möglichen.

Infolge dieses Geistesblitzes wollte ich mich gerade rückwärts in Sicherheit bringen als der Große plötzlich den Kopf hob und mich wie vorhin anstarrte. Genauso wenig erfreut wie ich und darüber hinaus noch weitaus böswilliger als der rothaarige. Reflexartig blieb ich stehen, was nun? Entdeckt hatte er mich. Ein Kneifen in Form von panischem Hinausrennen fiel ebenfalls weg. Die Würdelosigkeit nur in eine Decke gekleidet, immer völlig ahnungslos zu sein, reichte mir für das nächste Jahr. Zumal wenn ich jetzt zurückstarrte könnte ich meinen Status vielleicht etwas mehr auf sein altes Niveau heben. Kurz um, mein Brustkorb hebte sich möglichst unbemerkt und dann starrte ich zurück, in diese eiskalten grauen Gletscheraugen… Ohne dass ich es beeinflussen konnte wurde mir kalt, noch kälter als draußen im Schnee. Dies war keine fremde Kälte von außen, nein diese Kälte kam aus mir heraus so als ob… Gefror ich etwa gerade von innen?! Verdammt, mit so etwas hatte ich nicht gerechnet. Ich kannte die Gerüchte über Hybriden, die das Wetter beinflussen konnten, aber seit wann gab es Kräfte, die einen von innen erfrieren ließen? Sofort horchte ich auf meinen Puls, gut er war noch da zwar schwach aber noch definitiv da. Stellte sich nur die Frage,wie kam ich aus der Situation wieder raus. Meine Füße inklusive Beine waren inzwischen taub so viel stand fest. Weglaufen war also unmöglich geworden. Immer noch in seine Augen starrend versuchte ich abzuschätzen ob er wusste was in mir vorging. Ach was war ich auch doof, natürlich wusste er es. Er kannte schließlich seine Stärke. Unvermittelt vernahm ich von der Seite das Rascheln einiger Buchseiten, garantiert war der Zweite nun auch auf mich aufmerksam geworden. Die Reaktion auf mich blieb allerdings aus. Wie lange konnte ich wohl den Blick des Großen standhalten bevor ich endgültig zu Eis erstarrte. Vor Kälte waren jetzt nicht nur meine Füße, Schienbeine und Oberschenkel gelähmt, die Kälte begann auch in den Fingerspitzen und zog ganz langsam meine Unterarme hinauf. Perfide, er spielte mit mir wie die Katze mit der Maus. Der Raubtier-Beute-Blick bekam nun eine ganz neue Bedeutung. Ich bekam Angst, wäre mir nicht so entsetzlich kalt gewesen, ich hätte garantiert angefangen zu schwitzen.

“Miss, schauen Sie ganz langsam weg… Dass reicht, lassen Sie ihn.“, die Stränge war nicht zu überhören. Äußerlich versuchte ich mich geschlagen zu geben, was allerdings kaum mehr möglich war. Ich konnte noch nicht einmal mehr die Schultern oder meinen Hals bewegen. Apropos Hals, plötzlich dämmerte es mir. Wenn mein Gesicht gefror konnte ich gar nicht mehr wegschauen. Ich würde weiter einfrieren, ob ich es wollte oder nicht und wer sagte, dass man diesen Vorgang umkehren konnte?! Ich tat gerade nichts anderes, als mir mein eigenes Grab zu schaufeln! Hatte ich bis vor wenigen Sekunden noch Angst so schwebte ich innerlich in blanker Panik. „Bitte“ , die Stimme klang nun nicht mehr streng sondern genauso panisch wie ich mich fühlte. Dann schließlich brach ich meinen Stolz und wollte den Kopf wegreißen als ich bemerkte dass nichts geschah. „Drehen sie den Kopf einfach zur Wand und lassen Sie ihn… Jetzt!“ das „Jetzt“ klang schon fast drohend. „Das würde ich ja gern..“ brachte ich noch heraus bevor  un auch mein Mund erstarrte. Ich dachte, konnte aber nicht mehr sprechen. Was ging hier ab?!

Bereit für mein Ende kniff ich die Augen zusammen und wartete, dass mein das mein Herz aufhörte zu schlagen oder mir die Luft ausblieb, da meine Lunge erschlaffte. Doch nichts passierte. Nichts –  weder das eine noch das andere. Selbst nach gefühlten Minuten nicht. Um mich herum raschelte es wieder, dies mal länger und lauter. Selbst jetzt spührte ich immer noch meinen Puls, der übrigens nicht mehr schwach sondern wie ein Vorschlaghammer meinen Brustkorb sprengen wollte. Auch kam es mir so vor, als hätte ich wieder Gefühl in den Zehenspitzen bekommen. Die Kälte blieb, aber ich konnte definitiv meine Zehen wieder zusammen ziehen und auch meine Gänsehaut fühlte sich nun wirklich nach Gänsehaut an. Erleichtert versuchte ich zu schlucken und siehe da es funktionierte. Nach und nach taute mein körper wieder auf. Zwar noch innendrin völlig vermutlich blau und verbrannt, falls man das übehaupt sein konnte. Zumindest nach außen völlig normal aussehend. Inzwischen hatte ich mutig die Augen wieder geöfnnet. Ich starrte geradeaus auf den Boden. Das war keine Vorsicht. In diesem Fall war es pure Lebenserhaltung. Ganz heimlich schielte ich doch irgenwann nach oben und sah gerade noch so von meinen wimpern vedeckt, wie seine Fingerknöchel mittlerweile ganz weiß waren. Und die Fingernägel gruben sich unnatürlich tief in  seinen Handballen…

Wie aus heiterem Himmel tauchte in meinem Blickwinkel plötzlich das weise Fell des humanoiden Bären auf. “Was haben sie sich eigentlich dabei gedacht?!“ Ich fuhr zusammen. Also meine Körperrflexe funktionierten wohl wieder. Um meinen Schrecken zu verbegen, zuckte ich lediglich mit den Schultern, dann knurrte mein Magen. Sollte ich es wagen ihn zu duzen? Er schien nicht viel jünger zu sein als ich, vielleicht war er sogar älter. Aufgrund seines schneeweißen Fells war es echt schwer zu schätzen.

17. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 6

Plötzlich wie auf Knopfdruck aktiviert von meinem Gedanken des Rückzugs um mir endlich  gewisse Kleidung zu besorgen, die mich vor dem erfrieren retten würde, begann sich der halb humanoide vielmehr Eisbär als Panda zu bewegen. Er sprang von der Anrichte herunter und schlurfte oder krabbelte aus dem Raum hinaus um kurz danach mit einer Sprühflasche zurück zu kommen, die er dann über dem noch einzigen Schlafenden positionierte. Seine weißen Haare vielen ihm über die Augen, so dass nun endgültig ein weißes Fellknäul vor mir stand. „Wasser marsch“, meinte der rothaarige nur und sofort schrak der Betroffene auf und sah als zu allererst nur mich. Nach einigem Blinzeln murmelte er so etwas wie: „Nicht schon wieder…“, und versuchte dann Anstalten zu machen aufzustehen. „Miss äh….“, er fing an zu überlegen. Ich konnte es förmlich ein seinem Hirn rattern hören. Waren denn hier alle völlig beschränkt, selbst die FreakShow am ersten Tag des Strafantritts war amüsanter gewesen. „Ähm…“ er hob die Augenbrauen und sah mich an. Dann zuckte er die Schultern und stieg über den Eisbärenpanda hinweg und rauschte an mir vorbei. „Folgen sie mir einfach“, wortlos setzte ich mich in Bewegung. Kurz bevor ich um die Ecke bog drehte ich mich noch einmal um und sah zur Küche. Der rothaarige versuchte sich gerade an einem Kopftand auf dem Tisch. Wo war ich hier bloß gelandet?!

„Entschuldigen Sie, die benehmen sich manchmal wie kleine Kinder“, ich brauchte einen Moment um zu kapieren wen er mit „die“ meinte… „Das hört irgendwann wieder auf“, setze er schnell nach als er meinen Gesichtsausdruck bemerkte. “Ich wüsste gerne wann ‚irgendwann‘ ist“, entgegnete ich. „Kommt ganz d’rauf an. Es kann sich auf 3 Stunden oder 3 Monate hinziehen. Je nach Laune…. Setzen Sie sich, bitte…“ Dabei zeigte er auf einen der unzähligen Bücherstapel, die wie ungeordnete Zinnsoldaten auf dem Boden seines Büros herumstanden. Hätten sie bis zur Decke gereicht, stünde man in einem Wald. Statt setzen beäugte ich den Buchenholzstamm eher misstrauisch, mindestens 10000 Seiten, ob die wohl „sitzfest“ waren?

Um mein Glück heute nicht noch mehr herauszufordern dankte ich liebend gerne ab. Mein Gegenüber grinste bloß, er selber pflanzte sich auf seinen großen, schwarzen Bürostuhl mit hoher Lehne. Um dann noch mehr Papier aus den Untiefen des Schreibtischs heraus zu befördern und mit einem erstaunten Pfiff den Stapel Papier auf seinen Schreibtisch fallen zu lassen. Ein Blick darauf und sein Stirnrunzeln glättete sich. „Hier haben wir Sie ja: Lilith Zeller, geboren 1988, Berlin. Mutter verschollen, Vater ein todgeglaubter Mutant aus der Fabrik, statt Abschlusszeugnis eine schriftliche Auflage für einen Haftantritt und statt eines Lebenslaufes randvolle Bewährungsauflagen. Ich sehe sie waren fleißig und schon früh darum bemüht vorzusorgen.

Nichts Gutes ahnend schaute ich auf ihn hnrunter und versuchte einen kurzen Blick auf das genau Geschriebene zu erhaschen. Keine Frage, dieser Typ kannte mich besser als ich mich vermutlich selbst. Die Frage blieb immer noch, woher? Er schien kein Mann, der besondern Art zu sein…

So scheinheilig wie möglich hackte ich nach: „…und was wollen Sie mit dem Kram. Vor allem mit oder von mir?“

Nach der geäußerten Frage hing der erhobene Ton noch etwas in der Luft und ich konnte quasi zusehen wie die Klangmalerei verhallte. Gut es war eher Klanggeschmiere. Erneut verspürte ich wieder tiefe Unruhe in mir, irgendwas lief hier schief oder zumindest ganz und gar nicht richtig. Waren diese Kerle nicht von der Regierung – so waren sie doch nicht vollkommen legal, so schien es mir. Der Mann starrte mich an. Dann schaute er verständnislos und schließlich lachte er wieder. „Was ich mit Ihnen will? Einstellen natürlich! Sie sind die Beste die Xion je gefunden hat und glauben sie mir ihre Lebensgeschichte hat ihm ganz schöne Arbeit bereitet. Der Arme weiß selbst bis heut nicht mehr so ganz wo er ist…“

„Also?“ Jetzt strahlte er wie ein vierjähriges Kind, dass stolz seiner Mutter präsentierte allein auf die Toilette gehen zu können. Es sah zu dämlich aus. „Ich erwarte ihre Antwort natürlich nicht sofort, aber solange Sie nicht unterschrieben haben müssten wir Sie nun ja eher unter Verschluss hierbehalten. Nur zur Sicherheit…“. Ich überlegte, plötzlich schien es mir so als ob ich gar keine andere Wahl mehr hatte. Entweder… oder. Und über das Oder wollte ich gar nicht so genau nachdenken. Wer wusste schon, ob der Verschluss auch irgendwann wieder aufging. Nur behagte mir die Vorstellung wieder in etwas Illegales abzurutschen gar nicht. Nochmal einsperren ließ ich mich nicht. Totentänze hin oder her. Zellennachbarn zu haben, die acht Augen besaßen oder Kettensägen anstatt Händen, den Mund am Hinterkopf waren nicht unbedingt eine Wiedersehensparty wert. Andererseits, wie sah es denn nochmal mit Nötigung aus. Theoretisch könnte ich die Drohung seinerseits durchaus gegen in verwenden. Wenn ich es nur aufgenommen hätte! Mist… musste wohl so gehen. Essen und Bits war wichtiger als Legal und Illegal. Die Begriffe waren schließlich durchaus dehnbar und sobald ich genügend BitCoins zusammen getragen hätte würde ich hier verduften und zwar im Hyper-Raum. Zumal das Amt garantiert bald vor meiner Tür stehen würde und dann würden sie nicht mehr so freundlich anklopfen wie vor drei Monaten…

„Aber damit eins klar ist…“, setzte ich an, „wenn Sie mich noch einmal im Regen oder Schnee stehen lassen sorge ich davor, dass dieser kleine Maulwurfshügel hier ganz schnell auffliegt und wenn wir schon mal dabei sind – ich will verdammt nochmal neue Klamotten.“ Damit unterschrieb ich per Fingerabdruck und starrte meinen wohl nun offiziellen Chef erwartungsvoll an. Sollte der jetzt mal zusehen, wo er Damenkleidung herbekam. Unterwäschemodell war definitiv noch nie mein Traumjob gewesen und würde es auch nicht werden.

Doch statt sich an die Arbeit zu machen um meine Forderung zu erfüllen reichte er mir die Hand, ergriff sie und schüttelte sie immer noch breit grinsend. „Sehr erfreut, Sie glauben gar nicht wie wichtig Sie für uns sind. Ich heiße übrigens Orion, Orion Tonak, ehemaliger Psychologe und Arzt der Wyoming-Klinik“. Dann sah er mich ernst an, „Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren. Sie sollten spätestens um 24:00 hier sein. Und niemand, wirklich niemand darf von uns und diesem Ort erfahren?! Verstanden?! Und glauben Sie mir wenn Sie zumindest gegen diese zwei Richtlinien verstoßen werden Sie sich den Schnee nur wünschen.“ Seine Ernsthaftigkeit war mittlerweile einer Finsternis gewichen, dass ich mich fast entschuldigt hätte, aber nur fast. Ich hatte weitaus schon fiesere Typen vor mir, beispielsweise die merkwürdigen Männer aus der Küche. Bemüht unbeeindruckt auszusehen, nickte ich lediglich. Als er, Tonak das wahrnahm, lächelte er wieder breit und nickte wie ich, nur sehr viel glücklicher mit dem Kopf. „Ich wusste Sie sind vertraulich.“ Dann schaute er zufällig auf seine Uhr um daraufhin erschreckt aufzustöhnen „mein Gott so spät schon, entschuldigen Sie vielmals, aber ich habe noch einiges zu tun…“ und damit schritt er um seinen Schreibtisch an mir vorbei und aus der Tür. Kam allerdings gleich zurück mit den Worten: „ Den Komplex lassen Sie sich am besten einfach von einem der Jungs zeigen… Einmal aufgewärmt können sie sehr hilfsbereit sein.“

Bei den Worten kam erneut eine dunkle Vorahnung auf, dass hier könnte ganz böse enden…

Nachfragen waren offenbar nicht erwünscht und gerade überlegte ich stark ob nicht ein Erkundungsrundgang allein weniger lebensgefährlich war, als erneut auf die Gestalten zu treffen. Normalerweise war ich nicht so leicht einzuschüchtern. Vor allem hatte ich die Herren nur Augenblicke erleben dürfen. Aber irgendetwas sagte mir, dass ich hier nicht die Einzige war, die ihre Begabungen besonders beherrschte. Mich komplett zu durchleuchten, allein und ohne Hilfe hatte ich bis jetzt für unmöglich gehalten. Besonders scharf darauf, es herauszufinden was seine Freunde alles konnten, war ich nicht. Nur wollte ich denen weder in der Gruppe noch einmal begegnen, noch einem von ihnen von Angesicht zu Angesicht.

16. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 5

Wirklich Lust es herauszufinden verspürte ich nicht und so riss ich mir nicht nur meine Maske vom Kopf sondern im selben Atemzug auch meine Klamotten. Bloß raus aus dem verseuchten Zeug. Angeekelt und stinkwütend schleuderte ich die Sachen so weit weg von mir wie ich nur konnte. Dann nach Vollendung der Tat klaubte ich meine noch einigermaßen verschonten Habseligkeiten wie mein heißgeliebtes Lederetwas zusammen und richtete mich langsam auf und stellte fest das das Auftreten mit meinem Knöchel nicht mehr ganz der Norm entsprach, schon gar nicht das Verhältnis von Schmerz zu Körper. Wieder umschauen. Von Wachposten oder installierten Kameras keine Spur. Wo waren diese Bastarde? Niemand ließ mich einfach so draußen stehen. Ich schaute zurück in den Hof, der Schneefall hatte aufgehört und der vorhin noch so fröhlich rieselnde Wattebausch verwandelte sich nun in radioaktive Pfützen, die nun um die Wette strahlen würden, falls dort jemand hineinträte… einzig und allein um diese Freerider tat es mir leid… Diese wunderbaren Gefährten waren nun endgültig hinüber.

Gerade wollte ich mich wegdrehen als mir ein Gedanke durch den Kopf blitzte. Rache war Blutwurst und so knallte ich das Fenster zu und legte den Schalter um. Jetzt konnten Nachkömmlinge sehen wo sie blieben. Ich drinnen alles andere draußen, dass zählte. Dann drehte ich mich auf einem Bein energisch zur diesmal existierenden Tür und hinterließ neben meinen halbdurchlöcherten Klamotten jede Menge Dreck auf dem sauberen Boden. Ich würde die Scheiße nicht sauber machen. Genauso wenig würde ich nicht ohne Bewerbungsgespräch und eine Entschädigungssumme gehen. Schließlich war ich gezwungen worden nun halb nackt durch die Gegend zu lahmen. Für ein T-Shirt unter dem Sweater hatte es nämlich nicht gereicht, geschweige denn für eine Leggins unter der Hose.

Nach passieren der, oh Wunder, unverschlossenen Tür, humpelte ich weiter den schmalen Gang entlang und tastete währenddessen die Wand ab. Raufasertapete… gab schlimmeres. Der Boden war mittlerweile zu bordeauxrotem Linoleum gewechselt, weshalb nahezu mein gesamtes Humpelpaket absorbiert wurde. Fast schon gruselig. Wo war ich hier nur reingeraten? Hoffentlich nicht in das woran ich dachte. Kaum bog ich um die Ecke tat sich eine Gabelung vor mir auf… Rechts oder Links? Schwer zu sagen. Ich horchte. Vielleicht würden mir der Luftraum und Schallwellen mehr Anhaltspunkte geben als meine optische Wahrnehmung. Es existierten weder Wegweiser noch irgendwelche Flecken, die darauf hinwiesen wohin die beiden Flure hätten hinführen können. Vorsichtig legte ich mein Ohr zwischen den verschiedenen Ausgängen an die Wand und horchte. Tapeten waren nicht die besten Schallleiter, aber besser als blind ins Leere zu laufen.

Da – ich hörte Stimmen, dann ein Lachen. Die Vibration kam von rechts. Trotz Linoleum auf leichte Schritte bedacht, wendete ich mich in besagte Richtung und folgte dem Gang. Das Erste was mir nach einiger Zeit auffiel war, dass sich der Boden erneut änderte. Statt bordeauxfarbenem Linoleum zierten nun abgewarzte Holzdielen in derselben Farbe den Untergrund.

Ich murrte widerwillig, jetzt hieß es erst recht vorsichtig sein. Holz so neu es auch scheinen mochte verzog sich unheimlich leicht und ein fieses Knarren war somit vorprogrammiert.

Ich trat wieder einen Schritt vor, nur im Unterschied darin, dass ich mich bemühte so leicht wie eine Feder zu werden. Einatmen, ausatmen. Sich vorzustellen man selbst sei ein Kranich und würde über den Boden schweben. Dann, nach dreimaligem Sammeln betrat ich den Boden beziehungsweise ich stellte mir vor wie ich darüber schwebte. Plötzlich krachte die erste Diele so laut, dass ich einen Augenblick dachte sie würde weg brechen. Die Stimmen verstummten sofort, anschließendes hektische Stühlerücken dann nichts mehr.

Wie beschissen konnte ein Tag noch werden? Ich rollte mit den Augen, biss die Lippen so fest zusammen, dass ich aussah wie Voldemort auf dem Sterbebett und schmiss all meine persönlichen Vorsichtsmaßnahmen über Bord. Wenn nichts mehr ging, half nur die Flucht nach vorn. Direkt ins Kreuzfeuer. Ehrentod war immer noch besser als zigtausend dahinsiechende Jahre ohne nicht ein Fleckchen Tageslicht. So fiel ich quasi die letzten Schritte und riss in einem Zug schwungvoll die Tür auf… Dass ich immer noch lediglich Unterwäsche trug war mir gerade einerlei. Sollten sie sich doch in Grund und Boden schämen… oder was auch immer dort drinnen auf mich wartete.

Was ich in kürzester Zeit nach betreten des Raumes wahrnahm waren: sechs Männer, die allesamt auf dem Tisch saßen, auf dem Boden oder auf der Küchenzeile, wie beispielsweise der größte von allen. Der Eine stand und trug etwas weißes auf dem Rücken. Ich kniff die Augen zusammen. Etwas sehr großes weißes. Ein Panda? Plötzlich bewegte es sich und schaute mich verschlafen an und aus dem Panda wurde ein Mensch mit sehr viel weißem Fell… Ein weiterer junger Mann mit eisblauen Augen starrte mich an, wie eine Eule in die Nacht. Dann drehte er den Kopf und schlief weiter. In dem Moment schaute der Träger des möchte-gern-Pandas von seinem Becher auf und sah mich genauso durchdringend an, mit den gleichen Augen nur nicht wie eine Eule in die Nacht sondern wie ein Raubtier auf seine Beute. Ich fröstelte. Davon völlig unbeeindruckt löste sich sein Blick von meinem Gesicht und taxierte mich weiter von oben nacht unten und zurück. Dabei verzog er keine einzige Miene. Dort wo seine Blicke mich getroffen hatten, waren meine Körperhaare so dermaßen noch oben geschoßen, dass ich mich wie ein elektrisiertes Kaninchen fühlte. Na wunderbar, ihn möglichst zu ignorieren und mir nichts anmerken zu lassen musterte ich die anderen. Wer mir sofort auffiel war der Unbekannte von vorhin am Fenster. Ebenso wie der andere saß er auf einem bequem aussehenden Birkenholzstuhl und schlief. „Sie an, der Geschäftsleiter schläft!“, kommentierte ich aggressiver und ein wenig lauter als eigentlich beabsichtigt. Sofort starrten mich zehn Augen an, direkt, und sie sahen nicht erfreut aus. Vielleicht hätte ich mir den Kommentar doch sparen sollen. Der Umstand der fehlenden Kleider machte es sicher nicht besser. Wobei allzu schlimm sah ich jetzt nicht aus. Särge schleppen machte eine gute Figur.

„Bist du die Neue?“ fragte der erste den ich wahrgenommen hatte. „Nein ich bin der Weihnachtsmann, deshalb auch der wunderbare Auftritt.“ „Es ist Mitte…“, er geriet ins stocken und brach dann ab. Anscheinend musste er sich erst darüber klar werden wo und in welcher Zeitdimension er sich befand. Ein typisches Zeichen von Wandlern… Den Gedanken offenbar verworfen stand er auf und ging zum Kühlschrank. Jetzt war ich es die ihn anstarrte. Er war es gewesen der vorhin an mir vorbei gesprintet war. Die Statur passte zumindest, weinrote Haare und als er sich erneut zu mir drehte sah ich, dass er neben den eisblauen Augen nur ein Ohr besaß, das andere fehlte. Er lächelte nicht. Er sah eher so aus als ob er mir gleich an die Gurgel gehen wollte. Trotzdem streckte er mir die Hand entgegen und reichte mir eine braune Flasche. „Nimm“, war das einzige was er sagte und schlurfte mir die Flasche in die Hand drückend wieder zurück zu seinem Platz und vertiefte sich in den Kaffeesatz seiner vor ihm stehenden Tasse. Ich biss mir auf die Lippen. Ich machte mir hier gerade keine Freunde.