#Film

Avatar- Eine Analyse Teil II

Weiter geht es mit dem zweiten Teil. Zum ersten Teil geht es hier und auch für diesen Abschnitt gibt es eine ausdrückliche Spoilerwarnung. Für die gesamte Serie nur damit ihr es wisst!

 

Die Bewohner- Vielseitigkeit macht’s!

Wasserstamm

Insgesamt existieren zwei Wasserstämme und eine sonderbare Ausnahme, die hier aber keine Rolle spielt. Der Stamm im Norden ist sowohl sehr viel liberaler als auch größer als der südliche Vertreter. Aufgrund dessen, wurde der Süden das zweite Opfer der Feuernation in dem 100-Jährigen Krieg. Doch selbst davor besaß er keine große Handelsflotte oder nennenswerte Beziehungen zu Wirtschaftspartnern. Das Aussehen der Kleidung sowie die Umgebung beider Stämme erinnern stark an die Inuits bzw. an verschiedene Urstämme im Norden Sibiriens und Kanadas. Die Kultur dagegen: das friedliche Miteinander, die Zweisamkeit basierend auf Heirat und die Bodenständigkeit erinnert eher an Süd-Ost Asien. Eine recht interessante Symbiose. Die beiden Charaktere (Sokka plus Katara) mit denen die Serie beginnt stammen übrigens vom südlichen Wasserstamm.

 

Erdkönigreich

Das Erdkönigreich ist die größte der vier Nationen, damit einhergehend ist die gesamte Lage (sozial, ökonomisch sowie politisch) nicht gerade unproblematisch. Homogenität existiert hier jedenfalls nicht. Neben Kolonien, autonom sein wollenden Regionen sowie armen Niemandsländern existiert darüber hinaus ein großes Sozialgefälle. Eben davon abhängig in welcher Region man wohnt, und welchem Fürst/ Feudalherren man untersteht. Zieht man die eine oder andere Parallele in unsrige heutige Welt fällt einem recht schnell China ein. Um es weiter zu spezifizieren, könnte man sein Augenmerk auf die Qing- Dynastie legen und wer in chinesischer Geschichte bewandert ist weiß, dass dies ebenfalls keine goldene Zeit war.

Es fängt bereits bei dem Namen der Hauptstadt des Reiches an. Damals in der Qing- Dynastie lautete der Name der kaiserlischen Residenz die Verbotene Stadt in der Welt von Avatar heißt sie Ba Sing Se oder vielmehr die Stadt der Geheimnisse und Lügen. Aus ihren Mauern dringt nichts hinaus was nicht auch hinaus soll und dass etwas ungefragt hineinkommt ist gar unmöglich. Nicht umsonst werden die Stadtmauern Ba Sing Ses gerne mit der großen chinesischen Mauer verglichen. Bewacht bis zum geht nicht mehr und unüberwindbar.

Herrschen tut hier das Militär und die Art von Bürokratie, die ihre Widersacher ganz schnell und heimlich im nächsten Brunnen ertränken lässt oder wegsperrt. Die beiden eigentlichen Herrscher Kaiser Puyi sowie sein Ebenbild in der Serie (König Kuei) sind daher mehr Marionetten als wirkliche Regierungsoberhäupter. Im Falle des Erdkönigs Kuei wird dieser von Long Feng dem Leiter des Geheimdienstes in Ba Sing Se beraten. Um den Leiter des Geheimdienstes kurz zu charakterisieren: Er ist ein Verräter aller erster Güte, ohne Skrupel aber mit verdammt viel Macht. Diese Macht kann er sich allerdings auch nicht zu schreiben, denn im Laufe seines Lebens ist er immer mehr Marionette der Feuernation geworden. Der Höhepunkt dabei bildet die Besetzung Ba Sing Ses von der Feuernation, weshalb die Tochter des Feuerlords die endgültige Macht über Long Feng, den Erdkönig und der gesamten Nation zugeschrieben bekommt. Nichts desto trotz hat er es geschafft dem König einen gesamten Krieg zu verheimlichen. Einen Krieg! Das Ganze endet darin, dass Aang persönlich den Erdkaiser darüber aufklärt was außerhalb der Mauern seines Palastes und seiner Stadt vorgeht.

Damit nicht genug, der liebe Kulturminister Long Feng verschleppte über Jahre hinweg junge Erdbürgerinnen und unterzog sie der Folter, Gehirnwäsche und einer einhergehenden Umerziehung zur perfekten Sklavin. Es gibt in der gesamten Geschichte von Avatar kein einzigen Hinweis darauf, ob die Gehirnwäsche jemals rückgängig gemacht werden konnte. Dafür wissen sowohl Zuschauer als auch die einzelnen Charaktere der Geschichte zu wenig über die Prozedur. Denn Bevor Aang etwas genaueres erfahren konnte zerstörte Long Feng das Geheimversteck unter dem See namens Laogai sowie alle dazugehörigen Informationen. Darüber was mit dem Gefangenen passierte spekulieren Fans noch heute. Eins steht jedoch fest, alle Theorien haben kein glückliches Ende für die Betroffenen. Wann die Entführungen übrigens angefangen haben, weiß ebenso niemand so genau. Viele Thesen verweisen eher auf den Anfang des Krieges, da schon damals die Flüchtlingslager eine einzige Katastrophe waren und niemand wirklich irgendjemanden vermisste. Ich erinnere gerne daran, dass der Krieg bereits seit 100- Jahren tobt. Mal mehr mal weniger, dennoch stellt euch bitte eine staatliche Organisation vor die fast seit mehreren Jahrzehnten Bürgerinnen entführt. Um gleich eins drauf zu setzen, Laogai heißt übersetzt so viel wie Reform durch Arbeit und ist nichts anderes als ein noch heute bestehendes System aus Arbeitslagern in denen alle Gefangene ihre Haft welche durch ein ordentliches Gericht verurteilt werden. Was auch immer dass heißen mag…

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Gedankenschnipsel zum Oscar 2018, Teil II

Tapfer geht es mit dem zweiten Teil (hier geht’s zum ersten). Ich bin schon unglaublich gespannt wer von euch bis zum Ende durchhält… Übrigens, im vorherigen Teil habe ich die Trailer der einzelnen Filme nur im Titel des jeweiligen verlinkt. In diesem und im nächsten Teil allerdings direkt eingefügt, einfach weil ich will dass die kleineren Streifen mehr Aufmerksamkeit bekommen…

Kategorie: Beste Regie

Christopher Nolan:

Der Mann hängt mir langsam zum Hals raus. Ich habe das Gefühl, der haut jedes Jahr mindestens einen Film raus… Der Markt ist auch irgendwann übersättigt

Jordan Peele:

Der Typ scheint echt nur aufgrund von Get Out so gehypt zu werden. Wenn der Film so gut ist vermutlich gerechtfertigt?

Paul Thomas Anderson:

There will be Blood war absolut grandios, wenn auch nicht ohne.

Guillermo del Toro:

Ich weiß nicht wie viel er Regie geführt hat und wie frei die Schauspieler waren, jedoch ist das Endprodukt ein sehr Gutes genauso wie Pans Labyrinth.

Greta Gerwig:

Eine Frau? Das sieht man selten? Freut mich, vor allem weil ich mir Ladybird echt anschauen möchte. Ob sie gewinnen sollte? Da gehe ich ganz nach dem Leitsatz, der Beste hat’s verdient.

Ich meine ich habe zwar Schauspielerische Erfahrung, jedoch bin ich immer noch eine Laie. Erst recht in den Kategorien: Beste Kamera, Bester Schnitt, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Originaldrehbuch… Weder habe ich die Original Vorlagen noch die Drehbücher gelesen noch weiß ich was ein gutes Drehbuch so wirklich ausmacht. Genauso wie Schnitt oder Ton. Ich habe absolut keine Ahnung von Technik und bin froh, wenn ich mit Klick sowie Doppelklick oder Neustart durch den Alltag stolpern kann.

Kategorie: Bester Dokumentarfilm

Abacus- Small Enough to Jail:

Halleluja, ist der Film als kontrovers betitelt worden. Für alle die ihn nicht kennen, definitiv sehenswert. Es geht um Bank, die tatsächlich vor Gericht verurteilt wurde. Normalerweise ist der Satz Too big too fail Programm. Es wird alles daran getan, die Zentralbanken finanziell zu stabiliesieren, egal wie viel Geld sie verschwulden oder falsch investieren. Alles nur damit das globale Finanzsystem nicht einbricht. Dass dies seit Jahren trotzdem der Fall ist, wird knallhart ignoriert. Noch ist es ja nicht so weit. Aber zurück zum Film. Abacus war wohl ein Vorreiter. Besonders in China, dumm nur dass die internationalen Kräfte es gar nicht mögen, wenn jemand neues, einflussreiches auf der Fläche erscheint. Never touch a running system, weshalb hin und wieder gerne mal künstlich Sand ins Getriebe der Konkurrenz geworfen wird. Hoppala, tja Kolleteralschaden. Abakus war ebenso schon so groß genug Konkurenz zu bieten, jedoch immer noch zu klein um in den Ring der Too big too fail-Leader aufgenommen zu werden. Das sollte ihr Untergang werden…

 

Faces Places:

Eine schöne Geschichte, nur erinnert es mich eben mehr an reine Street Art. Es ist eben ein tolles Projekt, aber dann würde ich dem Film eben mehr einen Kunstpreis geben für Street Art als einen cineastischen wenn ihr versteht was ich meine.

 

Icarus:

Der russische Doping-Skandal diesbezüglich Olympias. Jetzt mal ernsthaft, ein Skandal ist es doch nur, wenn man damit nicht gerechnet hat. Welcher naive Depp denkt denn bitte heute noch, dass bei Olympia nur Amateure herumlaufen?! Ich meine Olympia ist das Spiel der Besten der Besten… Der sportliche Machtkampf der Weltnationen. Da stecken so unglaublich viele Milliarden dahinter, da gilt es Gold zu gewinnen und nichts Anderes. 100% Leistung reichen da schon lange nicht mehr aus. Weshalb ich denke, dass 99% der Olympioniken gedopt sind. Selbst die Anwärter aus den klitzekleinen Staaten, denn die bekommen schließlich auch internationale Fördergelder von Sponsoren.

Der Leiter des Doping-Labors war einfach nur zu blöd sich erwischen zu lassen. Dumm gelaufen für die Russen, aber ernst kann ich das ganze Theater um den vermeintlichen Skandal nicht nehmen.

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Gedankenschnipsel zum Oscar 2018, Teil I

Der ganze Spaß ist seit heute Morgen in der Früh vorbei und uns bleiben wieder 365 Tage, um uns auf den 91. Oscar zu freuen. Ich wusste nicht, dass er schon so alt ist. Ma-Go Filmtipps hatte mich ja dazu eingeladen beim Oscar-Tippspiel mit zu machen, was ich nicht geschafft habe. Folgende Gründe waren dafür verantwortlich:

 

  1. Ich war schlichtweg zu müde für die Erstellung einer Exeltabelle, stattdessen hatte ich eine andere grandiose Idee… (und zwar eine verdammt dämliche)

 

  1. Ich dachte schlichtweg, dass meine Idee weniger Arbeit wäre

 

  1. Ich will es mir nicht mehr antun, mich in irgendjemanden hinein zu versetzen, der einen völlig anderen Geschmack hat als ich. Schön, dass sie eine andere Meinung haben… Nachvollziehen kann ich sie dennoch nicht.

 

Dass wäre es an dieser Stelle. Nun zu meinem achso grandiosen Einfall. Ich bin am gestrigen Tagen sämtliche Kategorien durchgegangen und habe meine ersten und auch späteren Gedanken zu einem jedem Film sowie Schauspieler niedergeschrieben. Dass war eine Menge Arbeit, jedoch bereue ich sie nicht. Ich habe viele versteckte Diamanten gefunden, von denen ich noch gar nichts wusste. Sie waren übrigens nicht immer Oscar relevant, an dieser Stelle: Danke liebe YouTube List. Eines noch, es sind Gedanken. Sie sind weder besonders hyper-politisch-korrekt, noch eloquent, noch relevant für das Weltgeschehen. Deshalb lest sie euch durch und habt Spaß, so wie ich es hatte während meiner Recherchearbeiten. Darüber hinaus, habe ich den Artikel vor der Oscar- Vergabe fertig geschrieben. Seitdem habe ich ihn nicht verändert und ich will nur sagen, dass meine Gedanken nicht von irgendwelchen Ergebnissen beeinflusst worden sind.

PS: Da die Gesamtlänger meiner Notizen am Ende über neun Seiten betrug, werde ich hieraus eine kleine Reihe machen und sie in drei Teilen veröffentlichen. Ich denke, dass ist im Wohlgefallen aller. Jetzt kann ich nur noch sagen: Film ab!

Kategorie: Bester Film

Call me by your Name:

Irgendwie mag ich nichts an diesem Film. Weder die Schauspieler, noch den Plot, die Story oder sogar den Drehort.

Dunkirk sowie Darkest Hour:

Ich habe festgestellt, dass die meisten Kriegsfilme bei mir einfach nicht ziehen. Schaut man sich den historischen Ablauf an ist vieles für das Drehbuch geschönt worden. Verständlich, dennoch ärgerlich. Zumal es meist dann immer um die Sinnfrage geht oder es ganz wunderbar lächerlich, pathetisch, heroisch und patriotisch wird.

Im Klartext: Krieg ist sinnlos. Wer zum Mittel des Krieges greift, ist nicht mehr in der Lage zu kommunizieren. Bevor Krieg ausbricht ist die Wahrheit schon lange verloren gegangen. Krieg geschieht niemals im Willen der Bürger. Es geht immer um Macht und diese Macht wird nur einem winzig kleinen Teil zur Verfügung gestellt. Die einfachen Soldaten sind dabei nur Marionetten. Ich schnalle nicht, weshalb es glorifiziert werden muss.

Get Out:

Soll angeblich ja ein guter Film gewesen sein. Leider absolut nicht mein Genre.

Lady Bird:

Ich. muss. diesen. Film. schauen! Ich bin ja eh so ein Comming-of-Age-Film Fan (richtige Zielgruppe und so), aber ich liebe die Hauptfigur jetzt schon! Vorfreudealarm…!

Phantom Thread:

Ernsthaft? Die Geschichte zwischen Designer und Muse hatten wir doch auch schon tausendmal. Gibt es nichts Innovativeres?

The Post:

Guter Trailer Anfang, und netter Witz im Flugzeug aber weshalb muss man Woodkid im Trailer verwenden? Es ist ein großartiger Song, aber absolut abgefrühstückt…. Innovation wo bist du?

The Shape oft Waters:

Der Film hatte mich bereits bei dem Kostüm vom Wasserwesen sowie dem Szenenbild. Einfach aus dem Grund, weil es mich wirklich an Biohof erinnert und Rupturen ist und bleibt fantastisch.

Theres Billboards Outside Ebling, Missouri:

Mildred Hayes? Ich liebe dich. Bester Charakter seit langem… Der Film sieht mal wieder innovativ aus. Davon braucht die Welt mehr!

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„Realistische“ Männer in Filmen

Hallueluja, die Serie findet ihre gebürtige Fortsetzung. Hat eine Weile gedauert, jedoch viel es mir tatsächlich noch schwerer realistische Männer in Filmen zu finden als die Frauen. Meine Güte… Auch hier sind es nur fikitionale Charaktere, ansonsten hätte ich es mir doch zu leicht gemacht. Deshalb geniest einfach das Ergebnis und sagt bescheid, wenn euch noch andere Charaktere einfallen.

 

Lee Chandler- Manchester by the Sea

Lee ist nicht gerade einer der freundlichsten Menschen unter der Sonne, schon gar nicht wenn er abends auf seine regelmäßigen Kneipentouren geht. Seine Laune verbessert sich erst recht nicht, als er erfährt, dass sein Bruder Joe letztendlich an seinem Herzleiden gestorben ist. Schließlich offenbart der Anwalt sowohl Lee als auch Joes Sohn Patrick, dass Lee nun auch noch der Erziehungsberechtigte von Patrick werden soll. Beide sind davon eher weniger angetan, um nicht zu sagen entsetzt. Lee hat weder Lust nach Manchester-by-the-Sea zurück zu ziehen, noch will Patrick aus seiner Heimat weg. Wie nun das Dilemma lösen? Da wird der Film so hervorragend, denn er zeigt wie es ist, wenn Mann ob jung oder alt oder Frau vor vollendeten Tatsachen steht. Keiner der beiden hat eine Antwort darauf. Nicht nur auf die Ortsfrage, sondern irgendwie auf alles was die beiden plötzlich miteinander verbindet. Besonders Lee muss sich nun mit der Frage auseinandersetzen, wie er auf Leute wirkt, was ihm wichtig ist und wie junge Menschen überhaupt funktionieren und was aus deren Sicht Leben überhaupt bedeutet. Da ist es kein Wunder, dass der Zuschauer auch irgendwann erfährt, weshalb Lee Chandler eigentlich so unausstehlich ist und weshalb er auf keinen fall in Manchester bleiben möchte. Je mehr Zeit vergeht, desto besser kommen Patrick und Lee miteinander klar. Fragen werden zu Antworten und Lösungen finden sich auf allen Gebieten. Aber nur, weil beide nicht lockerlassen, Kommunikation und sich auseinander zu setzen mit dem Miteinander sowie der Umwelt und sich selbst ist unheimlich wichtig. Egal wie alt man ist.

 

Jackie Elliot- I will dance

So weit ist es nun schon, die Nebenfiguren werden herangezogen, jetzt aber mal im Ernst. Der Vater von Billy könnte für jedes Elternteil stehen, welches mit dem Umstand konfrontiert wird, dass das eigene Kind einen Traum verfolgt, der den eigenen Vorstellungen nicht wirklich entspricht… Viel mehr alleine die Idee, dass dies das eigene Kind tatsächlich wagen könnte den Eltern, jeweils eine Gänsehaut beschert. Sei es, weil dieser Traum viel zu gefährlich oder die Wahrscheinlichkeit einfach so unfassbar gering ist, dass es mit der Traumerfüllung klapp, dass man als Elternteil seinem Kind davon gleich abraten möchte bevor es die harte Erfahrung selbst machen muss.

Wie gesagt hier das Beispiel von Jackie Elliot. Er ist nordenglischer Kohlarbeiter in den 80er Jahren, verwitwet und gemessen an seinem Alter hat er mindestens den zweiten Weltkrieg miterlebt. Es klingt böse, aber die Voraussetzung für einen liberalen Geist, welcher frei von Vorurteilen ist sehen anders aus. Das Einzige was dieser Mann vermutlich erfahren hat in seinem Leben ist, harte, rohe, körperlich anstrengende Arbeit. Da ist es zumindest nachvollziehbar weshalb er die Liebe seines Sohnes zum Ballett erst einmal vollständig verdrängt und sie nicht wahrhaben will. Schließlich müssen Männer besonders „männlich“ sein, was sie nur beim Boxunterricht lernen. Hart, roh und möglich unzerstörbar. Zum Glück hat Billy gewisse Hilfen, weshalb sich der Vater irgendwann erbarmt und der Liebe seines Sohnes eine Chance gibt.

Sobald sich Jackie auf seinen Sohn einlässt, viel mehr noch das Talent seines Sohnes erkennt fängt er an sich dafür einzusetzen. Von dort an versucht er alles um seinen Sohn zu unterstützen. Er wird sogar zum Streikbrecher während des Kohlarbeiterstreiks und zieht damit den gesamten Zorn seiner Kollegen auf sich, nur um das Geld für seinen Sohn zusammen zu kratzen.

 

Sherlock Holmes- Mr. Holmes

Ist die Romanfigur dagegen völlig überhypet macht dieser Film vieles richtig, es braucht nur eine Weile bis man dies erkennt. Denn ein typisch schnellgeschnittener Aktionstreifen ist dies auf keinen Fall. Diese Geschichte ist soviel mehr, denn sie erzählt vom Älterwerden. Dem Älterwerden des berühmten Sherlock Holmes und das damit einhergehende schlechter werdende Gedächtnis. Richtig, Holmes leidet bereits jetzt schon unter dem Anfangsstadium der Demenz. Für jeden normalen Menschen tragisch, jedoch leider immer noch recht normal. Nur nicht für Sherlock Holmes, und das Ganze wird auch nicht besser als er in seinen „letzten“ Fall hineinrutscht und erst dort wirklich bemerkt und wahrhaben muss, dass er seine Denkarbeit von früher so nicht mehr leisten kann. Für ein Genie ein Graus. Gerade wenn der ehemalige Kollege Watson einen seiner Fälle im Übermaß fiktionalisiert. So sucht Holmes nach einer Lösung für seinen Verlust seine grauen Zellen und findet sie augenscheinlich im Gelee Royale der Bienen. Während er sich der Bienenzucht widmet nähert er sich dem Sohn der Haushälterin immer mehr an und beide entwickeln eine tiefe Freundschaft. Weshalb es Roger langsam gelingt Holmes Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Dieser wusste er musste an Watsons geschildertem Fall gescheitert, sein. Nur was war geschehen? In diesem Film lernt der alte Sherlock, was es wirklich heißt sich um jemanden zu kümmern, weil man ihn liebt. Die Intelligenzbestie des Jahrhunderts erfährt was es heißt Verantwortung zu übernehmen, sich schuldig zu fühlen und letztendlich zu sehen, dass es wichtigere Dinge gibt als das Genie zu sein. Denn eine Familie zu haben und auch mal sein zu dürfen ohne alles zu zerdenken ist ebenfalls etwas Wundervolles.

 

Nazaret Manoogian- The Cut

Seine Töchter habe ich bereits in diesem Beitrag erwähnt, jedoch hat ihr Vater eine ebenso große Berechtigung erwähnt zu werden. Als christlicher Armenier gerät Nazaret unter das gnadenlose Rad des Völkermordes seitens der Osmanen an den Armenier. Unfähig irgendwie zu helfen, wird Nazaret entführt, muss ansehen wie seine Freunde und Verwandten ermordet werden und er selbst überlebt nur durch ein gewisses Wunder, verliert dabei aber seine Fähigkeit zu sprechen.

Von dort an immer auf der Flucht erfährt er irgendwann, dass seine beiden Töchter überlebt haben und fliehen konnten. Er besitzt keinerlei Gewissheit ob es sich dabei nicht nur um ein Gerücht handeln könnte, noch hat er Geld. Er schlägt sich durch, immer mit der Angst als Armenier enttarnt zu werden und erlebt dabei ungeheuerliches. Er wird verraten, erniedrigt, sieht allerhand blutiges sowie verstörendes und gibt dennoch die Hoffnung nie auf, eines Tages seine beiden Töchter wieder in die Arme schließen zu können. Wenn dies keine Vaterliebe ist, weiß ich es auch nicht.

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Blade Runner, ein inspiriertes Nachsinnen

Wenn man krank ist hat man sehr viel Zeit zum Nachdenken und meist noch sehr viel mehr Zeit um Fernsehen beziehungsweise YouTube zu schauen. Da trifft es sich besonders gut, wenn man wie aus dem nichts auf einen Typen trifft der unheimlich gerne, sehr ausführlich und verdammt eloquent Analysen bzw. „Ruminations“ von Filmen und besonders Videospielen veröffentlicht. Dank ihm hatte ich nun die Muße, den Leitfaden und überhaupt die formulierten Gedanken um diesen Artikel hier zu Stande zu bringen. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Herren und wollte dies demnach hier nur mal so erwähnt haben wollen. 

Die grobe Handlung lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

Blade Runner spielt in einer dystopischen Zukunft: Die Erde versinkt in Überbevölkerung, die Armut ist allgegenwärtig ebenso wie der undurchdringliche Smog. Die reale Flora und Fauna wie wir sie erkennen existiert nicht mehr. Sie war entbehrlich geworden und so wurde sie schlichtweg durch mechanische Äquivalente ersetzt und nicht nur sie. Dank Eldon Tyrell gibt es auch noch eine zweite Form des „menschlichen“ Seins, die Replikanten.

Replikanten sind irgendetwas zwischen Android und Mensch. Androiden sind humanoide Roboter wie beispielsweise C3PO aus dem Star Wars Universum. Eine Maschine, welche den Menschen sowohl im Verhalten als auch im Aussehen ähnelt. Dennoch sind Defizite vorhanden, denn so humanoid ein Roboter auch sein mag, er bleibt eben ein Roboter weshalb Gefühle oder überhaupt alles damit verwandte wegfällt. Was dagegen ein Mensch ist, spare ich mir an der Stelle nun zu erklären.

Wie oben schon erwähnt sind Replikanten etwas wesentlich feinsinnigeres. Sie wurden weder geboren noch haben sie einen wirklichen Alterungsprozess hinter sich. Sie wurden erschaffen, geformt sowie geprägt allein durch die Hand des Menschen bzw. Tyrells Angestellten.

Aussehen, Verhalten, Intelligenzpotential, grundsätzliche Charakterzüge, Ab- Zuneigungen sowie Motive all dies wird im Vorwege bestimmt und abgesprochen. Um den Slogan des Tyrell Unternehmens zu erfüllen „More human than human“ bleibt es jedoch nicht bei der bloßen Programmierung, es geht viel tiefer, viel perfider… Denn als Basis für das Innere oder die Identität eines Replikanten werden im künstliche Erinnerungen eingepflanzt. So wissen die Individuen meist selbst nicht, was sie sind. Weshalb wurden diese Wesen nun erschaffen? Nun, sie dienen der Gesellschaft, denn mit zunehmenden Dreck, Menschen, Armut fielen immer wieder Aufgaben an, die nie ein Mensch als Beruf bedienen wollte wie Soldat, Prostituierte, Farmer für Maden, Putzkräfte etc. Je nach Beruf wurden sie darauf programmiert. In Anbetracht dessen, dass diese Produkte vollkommen künstlicher Natur sind könnte man sie rein theoretisch so „Supermenschen“ machen und man hätte ausgesorgt. Genau da liegt das Problem, denn erstens hätte Tyrell nicht viel davon genau 500 Exemplare herzustellen und dann seine Firma zu schließen weil schlichtweg keine weiteren Replikanten mehr gebraucht werden, da diese 500 nun für die Ewigkeit weiter arbeiten. Zweitens, die Replikanten mit einer unglaublichen KI ausgestattet sind. So lernen sie aufgrund von Beobachtungen unglaublich schnell neue Dinge ähnlich wie Affen. Zwar mögen die künstlichen Erinnerungen nahe zu echt wirken, jedoch stößt selbst dort die Technik an ihre Grenzen, denn aufgrund der kurzen Daseinsdauer ohne Kindheit befindet sich das logische Denken auf der Höhe eines Erwachsenen, die Emotionen auf der eines Kleinkindes. Die Erinnerungen vermitteln lediglich die Basisgefühle: Freude, Angst oder Traurigkeit. Das macht ihre Gefühlslage teilweise recht instabil, denn alles was so viel komplexer ist als diese drei reinen Gefühle wird auf eines der drei herunter gebrochen.

All dies sind Gründe für Tyrell den Replikanten eine begrenzte Lebenszeit einzuprogrammieren. Vier Jahre, länger dürfen seine Wesen nicht unter den Lebenden weilen. Diese Zeit reicht natürlich kaum, um seine Identität voll zu erfassen. Geschweige denn zu lernen was Leben wirklich bedeutet. Sie sollen ja auch gar nicht erst auf den Geschmack kommen, sondern lediglich funktionieren. Trotz der Sicherungsmaßnahmen kam es vor 20 Jahren zu einem nicht näher beschriebenen Aufstand. Daraufhin wurde es sämtlichen Replikanten verboten auf der Erde zu leben oder je auf die Erde zurück zu kehren. Natürlich gibt es immer Rebellen, selbst unter Replikanten und so entstanden die Blade Runner. Auftragskiller, deren Profession es ist eben diese illegalen Besucher/ Bewohner zu beseitigen.

Einer dieser Blade Runner ist Rick Deckard. Dass die Arbeit nicht ungefährlich ist erlebt der Zuschauer am Anfang des Films. Denn einer Deckards Kollegen wird in seinem eigenen Büro erschoßen. Von einem der sechs Replikant, die sich zuvor von ihrer alten Kolonie losgesagt hatten und via Piraterie auf die Erde gekommen waren. Da sein Kollege nun menschliches Gemüse ist bekommt Deckard nun den Auftrag die sechs ausfindig zu machen. So viel zur Vorgeschichte und zur Handlung des Filmes….

Kommen wir zum Filmsetting:

Ist euch aufgefallen, dass es auf der Erde kein einziges Alien gibt was anders aussieht? Gut, nun könnte es für die ein ebenso geltendes Aufhalteverbot geben, jedoch weshalb wird das nie erwähnt? Überlegen wir weiter: Roy ist scheinbar ein ein ehemaliger Soldat. Diese Soldaten haben den Auftrag im Namen ihres jeweiligen Generals weitere Territorien für die Menschheit zu erlangen. Nur gegen wen kämpfen sie genau? Wenn keine Aliens existieren, wen töten sie? Betrachten wir die Gesellschaftsstruktur wird diese relativ schnell sehr klar. Replikanten, Bettler, Berufstätige und an der Spitze die wenigen Reichen. Wäre es nicht logisch wenn dieses Ständesystem auf den anderen Planeten nicht auch so funktioniert? Was wäre wenn die Reichen und Schönen nichts anderes zu tun hätten, als sich gegenseitig mit ihren gekauften Replikanten zu bekriegen? Statt Drohnen, nehmen sie nahezu echte Menschen. Macht doch gleich viel mehr Spaß und wer gewinnt hat am meisten Macht, Geld und Platz Ressourcen zu farmen.

Replikanten-Soldaten sind also dazu verdammt ihre eigene Art zu töten, vermutlich ohne dass sie es wirklich realisieren oder zumindest nicht sofort. Sie haben wie man es sieht nur oder immerhin vier Jahre Zeit es heraus zu finden. Wenn überhaupt.

Die Lichtsetzung verachte ich an dieser stelle ebenfalls nicht, jedoch dürft ihr euch auch so denken wie großartig dieses Meisterwerk ist. Gehen wir ein weiteres Thema an. Die Erzählart, Blade Runner kommt ohne jede Erzählhilfe aus. Kein Prolog, kein Textepos à la Star Was, keine Zwischensequenzen oder Begrenzungen des filmischen Raumes. Ridley Scott kreierte damals Szenen, die aneinander gereiht immer für sich stehen. Der ganze Film lässt einen zu denken beginnen. Deshalb ist es überhaupt möglich erst in diesen Film etwas hinein zu interpretieren, deshalb ist er so herrlich mehrdeutig und mehrschichtig. Selbst nach dem fünften Mal schauen entdeckt man jedes Mal ein neues Detail.

Wo wir gerade beim Thema der Mehrdeutigkeit sind, lasst uns doch einmal einige Motive des Filmes genauer Betrachten. Fangen wir mit den Augen an. Ich selbst habe das ganze Aufsehen gegenüber Augen nie ganz verstanden. Augen seien das Fenster zur Seele des Menschen, die Augenfarbe könne angeblich etwas über den jeweiligen Charakter aussagen etc. etc. etc. In dem Setting ergibt der ganze Hype endlich mal Sinn. Als erstes Beispiel könnte man hier den Voigt-Kampff-Test anführen. Er ist übrigens der Grund, weshalb Deckards Kollege am Anfang des Filmes überhaupt erschoßen wurde. Um Replikanten letztendlich als solche zu entlarven werden sie diesem Test unterzogen. Ihnen werden 20- 30 Fragen gestellt, welche ihr Gefühlszentrum aktivieren soll darüber hinaus werden gleichzeitig verschiedene Körperreaktionen gemessen wie Herzfrequenz oder eben die Bewegungen des Auges. Wir erinnern uns, Replikanten kennen lediglich die drei Grundgefühle. Diese Fragen des Void-Kampff-Tests sind allerdings sehr viel mehr komplexer und zwingen den Replikanten ständig sich auf ein Gefühl zu beschränken. Dieser Streß des Herunterbrechens wird eben gemessen. Ein emotionaler Drogentest quasi.

Als zweites Beispiel sehen wir uns doch einfach mal die Augen von Mr. Tyrell an. Ist euch aufgefallen, dass er seine gigantische Brille nie absetzt? Aufgrund der Linsenkrümmung ist sowohl seine Sicht auf die Welt verzerrt (für ihn ins sinnvolle) als auch die Perspektive des Gegenübers, da er durch die Krümmung hindurch sehen muss. Verzerrte Augen gleich verzerrte Seele, erklärt die Charakterzüge des Magnaten. Eiskalte Kalkulation, keine Schuldgefühle beim Herumspielen mit dem Leben anderer und wirtschaftliches Kalkül.

Nächstes Motiv. Es mag zwar etwas weit hergeholt sein, jedoch lasst mich erklären. In Blade Runner tauchen so einige Referenzen oder teilweise Parallelen zu Tierwelt auf. Fast jeder relevante Charakter in Blade Runner entspricht einem Tier. Es ergäbe sogar Sinn, denn vor allem als Replikant ist man nichts wert. Man ist Sklave des Systems, vogelfrei und eigentlich noch nicht einmal wirklich Herr seiner Sinne. Da ist es nur verständlich sich eine zweite Haut zuzulegen, mit der man sein Wertgefühl ein wenig aufbessern kann. Wie sollte es besser gehen, sich ein Tier zu suchen in einer Welt in der reale Tiere so selten geworden sind wie in unserer Welt außerirdisches Leben?

Fangen wir mit Sebastian an. Ein junger Mensch, welcher gewisser maßen von der Gesellschaft ausgeschloßen und letztendlich verstoßen wurde (lediglich Tyrell lädt ihn manchmal zu sich ein, um mit ihm Schach zu spielen). Seit langer Zeit lebt er im Verborgenen und baut sich seines hohen Intellekts selbst einfache Automaten, welche ihm in der Einsamkeit Gesellschaft leisten. Leise, missachtet, verborgen, intelligent und vor allem friedlich alles Eigenschaften einer Maus.

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Starke Frauen in Filmen

Da die letze Ausgabe schon ein wenig her ist und zwar gefühlt sehr sehr lange her, gibt es hier nun gehörigen Nachschub. Ich habe nichts unversucht gelassen, um mal wieder an ein paar Perlen zu gelangen. Vielleicht kennt der ein oder andere unter euch meine Paradebeispiele, (da sie wie der Polarstern am Firmament funkeln) vielleicht auch nicht (kann ja nicht jeder ein Alpha Ursae Minoris sein). Allerdings muss ich auch noch erwähnen, dass ich mich wirklich bemüht habe die weiblichen Charaktere aus reinen Drehbüchern zu entnehmen. Keine Roman, Comic, Videospielvorlage.  Falls mir trotzdem eine Romanverfilmung dazwischen gerutscht sein sollte, tut es mir Leid. Wobei eigentlich tut es mir nicht leid, denn jeder macht mal Fehler. Vergesst einfach was ich gesagt habe. Statt dessen widmen wir uns noch kurz drei Frauen, welche ich nicht unerwähnt lassen möchte: Kate Fitzgeralt (Beim Leben meiner Schwester), die Protagonistinnen aus Grüne Tomaten sowie Clarice Starling (Hannibal) oder Joy Newsome (Raum). Jetzt aber zum Eingemachten.

 

Die Braut (Kill Bill)

Als Attentäterin mit dem eigenen Chef liiert zu sein hat einige Vor-Nachteile. In Kiddos Fall, letztendlich mehr Nachteile denn nachdem sie erfährt, dass sie schwanger ist taucht sie unter und entscheidet sich für ein normales Leben außerhalb des blutigen Milieus. Dumm nur, dass ihr Geliebter und eigentlicher Ehemann einer der größten Verbrecher Amerikas ist und ihre gesamte Familie sowie die Angehörigen ihres folgenden Ehemannes bei der Probe ihrer Hochzeit erschießt. Was sie allerdings weiß und der Ex-Eheman bzw Ex-Chef Bill erfährt, ihre Tochter lebt… Obwohl Kiddo einer anderen Attentäterin am Tag ihrer Entscheidung nur knapp entkommen ist.

Was macht man, als Mutter wenn man aus einem vier- jährigen Koma erwacht und das Junge vermisst? Richtig, man fängt an abgrundtief zu hassen und so schwört sie sich alle ihre ehemaligen Mitarbeiterinnen umzubringen. Einer nach dem anderen, wozu gibt es ansonsten To-do Listen?

Ihr kennt den Verlauf des Films oder? Jeder muss dran glauben, egal ob ihre Kolleginnen nun selbst Mütter sind oder single. Der Terminator ist nichts gegen diese Frau, sie braucht ja noch nicht einmal ein Gewehr. Ihr ist jedes Mittel recht Messer- Katana, Gift. Sie hat ein Ziel und dass setzt sich auch verdammt noch mal in die Tat um. Sie erleidet schmerz, Panik, angst und vor allem trauert. Ihr wurde alles genommen und nun holt sie sich dass zurück was ihr geblieben ist. Ihre Tochter… Da kann selbst Bill nichts mehr ausrichten, egal wie er ihr ersucht ins Gewissen zu reden. Wenn ein Mensch einmal abgöttisch geliebt hat, dann kann Verrat genau das Gegenteil bewirken. Dabei verliert sie allerdings keine Ehre, denn Angehörigen ihrer Opfer ist Rache durchaus erlaubt.

 

Eini (Granny is dancing on the Table)

Eini wohnt zusammen mit ihrem autoritären und überwachenden Vater in einer kleinen Holzhütte mitten im schwedischen Nirgendwo. Freunde hat sie keine, denn Isolation von der Außenwelt ist das oberste Gesetz des Vaters. So bleibt die Bildung aus, obwohl Eini keineswegs dumm ist. Sie kann sich helfen, sie weiß wie man überlebt. Vor allem weiß sie wie man den eigenen gewalttätigen Vater überlebt, welcher regelmäßig cholerische Anfälle bekommt und sie seit Jahren schlägt. Weg kann sie nicht, denn jedes Mal würde sie wieder eingefangen werden. Es ist nicht so, als dass sie es nicht schon versucht hätte. Das einzige was ihr bleibt ist eine Fantasiewelt, die sie sich mithilfe des Tagebuchs ihrer Großmutter aufrecht erhält. In diesem entdeckt Granny die Welt, fährt nach Amerika und lernt jede Menge spannende Menschen kennen. Ihre Schwester dagegen heiratet einen Farmer der später ebenso gewalttätig wird… Einis Situation spitzt sich über die gesamte Laufzeit immer mehr zu. Irgendwann ist Eini in dem Alter der Pubertät angelangt.  Darüberhinaus beginnt sie zu hinterfragen und eins weiß sie: Sie hat genug von dem Ganzen, genug von  der Isolation, ihrem Vater und vor allem von ihrem bisherigen Leben. Grannys Abenteuerlust hat auf sie abgefärbt. So lässt Eini ihren mittlerweile entstandenem Hass freien Lauf und zurück bliebt ein freies Mädchen ohne Bleibe und ohne Bezugsperson. Glaubt ja nicht, dass dieses Mädchen auch nur einmal zurückgeschaut hat. Die Tage in denen sie sich nur mithilfe ihrer Fantasy am Leben gehalten hat sind wohl endgültig Vergangenheit.

 

Andrea Sachs (Der Teufel trägt Prada)

Eine Komödie über das Thema Mode. Wie klischeehaft kann das schon sein? Mit anderen Worten, in einer solch frauenbehafteten nur auf Kommerz aus seienden Welt gibt es stark Frauen? Oh ja, erstens unterschätzt keine Models und zweitens das war jetzt nicht wirklich das Thema auf dass ich hinaus wollt. den ei wenig erinnert der Teufel trägt Prada schon an House of Cards. Selbst im realen Leben wimmelt es in diesem von Frauen dominierten sowie komerzorientiertem Business gerade zu von Intrigen und Masterplänen für den ultimativen Erfolg. Vermutlich eben wegen der hohen Frauenquote.

Der Hauptcharakter Andrea Sachs, welche so ganz anders ist als jeder in dieser Branche, wird in diesen Dschungel hinein geschmissen und wirst erst einmal zersetzt. Nicht sprichwörtlich jedoch mit Blicken, Worten sowie Taten. Keiner liebt sie, keiner will sie kennen. Dennoch behauptet sie sich gegen all die Gemeinheiten, gegen all die miesen Kommentare und Verachtungen. Nur mit ein wenig Hilfe (die sie auch erst lernen muss anzunehmen), krempelt sie ihr Leben vollständig um, passt sich an und wird zu einer hochprofessionellen Assistentin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Der entscheidende Moment ist allerdings, der Moment in dem sie feststellt dass dieser Job und möglicherweise sogar eine Beförderung weder ihre Welt noch ihr Leben wird sein können. All das was sie sich so hart erarbeitet hat und all dass was alle jungen Frauen so unglaublich missen, mit so genialem Gehalt, Partys, Treffe und anderen Möglichkeiten verlässt sie nur um ihrem wahren Traum, der Zeitungsjournalistin zu folgen.

 

Gerda Wegener (The Danish Girl)

Es ist zwar eine Biographieverfilmung, der jedoch ein wenig Interpretationsfreiheit zu Gute kam. Ein Film „nach einer wahren Geschichte zu drehen“, bedeutet ganz schnell, dass Independence Day auf einem „ernst zu nehmenden“ Geschwisterstreit basiert. Der große, böse Bruder ist in das Zimmer der kleinen Schwester eingedrungen, um ihr einen noch böseren Streich zu spielen. Demnach ist diese Charakterwahl noch völlig legitim.

Es heißt: In guten wie in schlechten Tagen. Was ist jedoch, wenn sich die Bedeutung von „gut“ und „schlecht“ völlig relativiert? So wird ein weibliches Model eines Tages unerwartet krank, weshalb Gerdas Ehemann Einar erst zögernd dann zunehmend begeistert einspringt. Seiner Frau gelingt ein grandioses Abbild des Models und bald erlangt das Kunstwerk eine gewisse Berühmtheit. Dank dieser sitzt Einar immer öfters Model für seine Ehefrau. Im Laufe der Zeit wird die Kunstfigur („Lili Elbe“), welche er darstellt immer mehr zu Einar oder Einar immer mehr Lili. Gerda ist trotz offener Sexualität zuerst leicht irritiert, dann zunehmend verwirrt, dann verzweifelt.

Ihr Mann scheint sich immer mehr „un“-normal zu verhalten und über das Paar wird bereits getuschelt. Aber was macht eine liebende Ehefrau? Richtig, auch wenn sie ihren Mann oder bereits ihre Frau nicht mehr ganz versteht, sie bleibt bei ihm/ ihr. Trotz aller Beschimpfungen, Gerüchten sowie Risiken. Gerade bekräftigt ihren Ehemann schließlich darin, seinen Traum von Lili Elbe zu verwirklichen. Von dort an kümmert sie sich um ihre Ehefrau, umsorgt und beschäftigt sie. Bis zum Schluss bleibt Gerda Wegener die Frau von Lili Elbe, welche schließlich einer gescheiterten Operation unterliegt.

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