„Willkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider #2

Hat etwas länger gedauert. Ich weiß. Großes sorry, aber Grammatik und Rechtschreibung will gelernt sein. Dennoch: Viel Spaß damit und wer sich nicht mehr erinnern kann hier geht’s zu Teil 1.

 

Doch die Erleichterung währte nicht lange. Ich war zwar aus der größten Gefahrenzone entronnen, aber ich konnte immer noch festgenommen werden oder abgeführt… Wie war überhaupt das Gesetz hier? Exestierten Haftstrafen für Diebe des eigenen Gepäcks oder blieb es bloß bei einer Verwarnung…? Meine Hände wurden schwitzig, trotz des eisigen Windes der mir nun um die Ohren und unter die Jacke kroch. In solchen Momenten hasste ich reisen. Noch mehr als lausigen Tee und Flughafentee war verdammt lausig. Jedes mal wenn ich ihn gezwungener maßen trank, nein eher hinunter würgte, hatte ich das Gefühl den Schierlingsbecher getrunken zu haben. Nur ohne das wunderbar betäubende Mohnextrakt, so dass ich bei vollem Bewusstsein mit erlebte wie die lähmende Wirkung erst meine Beine, dann meine Arme und zum Schluss zu meiner Lunge kroch um sich dort für die letzten Sekunden meines Lebens ein zu nisten und mich somit zum Ersticken brächten. Kalt, fremd, bedrohlich. Wenn ich noch länger hier stehen blieb würde mir genau dass passieren, nur ohne Gift. Die freudigen Rufe des Nachtfrosts begannen nun endgültig mir die letze Wärme aus meinen Knochen zu saugen.

Ob Thomàs wirklich hier parkte? Wie sollte ich eigentlich sein Auto in der Dunkelheit finden? Langsam drehte ich mich erst nach rechts, außer Schwärze und ein herrenloser Koffer, der im flackernden Vorlicht des Lufthafens immer wieder aufleuchtete, konnte ich nichts erkennen. Aber ein herrenloser Koffer um diese Uhrzeit? Merkwürdig. Wachsam drehte ich mich in die endgegengesetzte Richtung, doch auch dort: Nichts. Es reihten sich nur Kleinbusse an Kleinbusse. Alle unterschiedlichen Alters und Zustands, dennoch ausnahmslos von der selben deutschen Firma. Wie sollte ich Thomàs finden? Ich schaute auf die Uhr. Mir blieben noch zwei Minuten, die Zeit raste. Warum rief ich ihn eigentlich nicht an? Sollte er mich doch vor dem Haupteingang abholen, wie die Anderen. Mittlerweile war ich wohl der Letzte… Ich wollte gerade mein Mobiltelefon aus meiner Hosentasche nehmen, als ein lautes „Buh!“ von hinten ertönte. Ich erschrak, zuckte zusammen, schrie und und machte einen Satz nach vorn, kurz vor das Ende des Bürgersteigs. Dabei fiel mir mein mein Handy aus meiner Hand und landete klackernd in einer schwarzgrauen Pfütze. Verärgert drehte ich mich um meine eigene Achse und hob die Hand um gerade zu einer Schimpftirade anzusetzen, als ich erkannte wer mich erschreckt hatte…

„ Karen“ stotterte ich, „was machst du denn hier?“ Ich riss mich gerade so zusammen, das meine Kinnlade an meinem Kiefer haften blieb. „Du scheinst ja gerade zu entsetzt darüber zu sein, dass ich hier auftauche..“ Sie lachte und zwinkerte mir zu. Ich starrte sie immer noch böse an, doch dann legte sich mein Schrecken, dass wir uns wiedersehen würden hätte ich nie für möglich gehalten. „Ach weißt du, eigentlich hätte ich mir denken können, dass ich dem Teufel auf dem Weg in die Hölle begegnen sollte…“, antwortete ich. Dann fielen wir uns freundschaftlich in die Arme. „Mein Gott. ich habe das Gefühl es ist ewig her seit dem wir uns gesehen haben.“ „Mittlerweile über zwei Jahre schätze ich…“ Sie löste sich von mir. „Na, da haben wir uns ja was zu erzählen, allerdings würde ich unser Wiedersehen sehr gerne im Warmen weiter feiern, denn meine Jacke für Arktikexpeditionen liegt zu meinem Bedauern ganz unten in meinem Koffer und so frostige Wurzeln wie du sie hast kann ich leider auch nicht vorzeigen.“ Sie lächelte wieder und zeigte auf meinen Rucksack. Willst du den nicht mal richtig anziehen? Du siehst aus als ob du in aller Eile vor einem Bombenattentat fliehen musstest. Ich unterdrückte ein hysterisches Kichern „Sagen wir, es war etwas ähnliches.“ ich lief rot an. Verdammt, sobald Karen wieder auftauchte wurde ich wieder zu einem 13-jährigen der sich in seine Sportlehrerin verknallt hatte. Schnell wechselte ich das Thema „Weißt du eigentlich wie sein Wagen aussieht? Ich habe Thomàs schon ewig nicht mehr gesehen. Nicht seit…“ Ich schüttelte den Kopf, nein unser Kontaktabbruch war sogar noch vor dem Zwischenfall gewesen. Karen lächelte, „Nein aber ich schlage vor, dass du dein Mobiltelefon erst einmal aus der Pfütze holst und du da weitermachst, wo ich dich vorne hin unterbrochen habe.“

Ich drehte mich etwas verwirrt zu ihr, was meinte sie? Dann folgte ich ihrem Blick. „Verdammt, das habe ich ja komplett vergessen.“ Schnell holte ich mein Telefon aus der sogar noch kälteren Pfütze. Dabei streifte ich mir den Rucksack und mein Handgepäck ab. „Na danke auch, ich hoffe das es noch funktioniert.“ Ich schürtze meine Lippen. „Wie ich dich kenne, hast du die 300 Meter tiefe panzerknackerdichtes Modell. Ich bin verwundert, dass in dem Ding kein Taschenmesser eingebaut ist.“, sie machte eine Pause und sah mir dann direkt in die Augen, „Ach ja und ähm bevor ich es vergesse… Ich soll dir beste Grüße ausrichten. Von Leon, er meint er vermisse dich. Er wünschte ihr wäret anders aus einander gegangen. Es tue ihm Leid.“ Ich schluckte und sah weg… Wo blieb Thomàs? Ich grunzte und gab vor seine Nummer in meinem Telefon zu suchen. Doch meine Gedanken, schweiften immer wieder zu Karen. Warum hatte sie unser Wiedersehen gleich wieder zerstören müssen? „Besonders taktvoll warst du noch nie“ flüsterte ich, „ und wenn es ihm wirklich so unglaublich leid tuen würde, dann kann er mir dass auch gerne selber sagen.“

„Damit du dein Telefon wieder an die Wand wirfst. Ich denke, dass du dir ein zweites superhightech Steinzeitding nicht leisten kannst…“ entgegnete sie leicht säuerlich. „Es tut mir leid, aber ich wollte es sagen bevor die Anderen kommen. Ich dachte private Dinge klärt man am Besten auch privat.“ „Private Dinge klärt man am besten zuhause, nicht am Anfang eines dreimonatigen Jobs“, schleuderte ich ihr entgegen. Die Wiedersehensfreude war auf einmal mit unserer Körperwärme in den Himmel emporgestiegen. Weit hinaus in die nächtlichen Weiten, des leeren Himmels. Ich drehte mich wieder zu ihr um. Mein Handy war mittlerweile wieder so trocken, dass ich die Tasten mühelos bedienen konnte. „Falls er bald nicht auftaucht müssen wir ein Taxi rufen“ sagte sie wohl eher zu sich selbst, als zu mir. Dann fing sie an auf der Stelle an zu joggen. Ihr Atem bildeten nun keine kleinen, weißen Wölkchen mehr sondern fast schon große eruptions Getüme. Wenn man sie so betrachtete, konnte man glauben ihr Kopf schwebe in einer Nebelwand. Doch ein Wolkenkind war sie nie gewesen. „Wenn du schon sauer bist, dann starre mich zumindest nicht so . Ruf den verdammten Höllenhund an. Wo bekommt man hier bloß ein Taxi her?“ Sie drehte sich wütend im Kreis. Meine Stirn legte sich in Falten, sie hatte Angefangen. Ohne ihr Gutmenschen wäre es niemals zum Eklar gekommen. Frauen. Ich räusperte mich ärgerlich, verkniff mir aber jeglichen Kommentar. Sollte Thomàs ruhig noch länger brauchen. Tiefgefrorene Menschen war nicht so launisch. Ich tippe mit meinen steifen Fingern auf die Tasten. Die Kälte war nun in den letzten Winkel meines Anoraks gekrochen und bohrte sich wie Rosendornen in meine Haut. „Wenn müsstest du zahlen,“ murmelte ich. Mein Finger wollte gerade den Hörer betätigen, als mein Bildschirm schwarz wurde und eine blinkendes Akkuzeichen aufleuchtete. Ich fluchte. Karen drehte sich zu mir um. „Geld war noch nie dein Ding gewesen….“ Sie starrte mich an. Ich spührte es, nur hatte ich jetzt keine Lust zurück zu starren, dafür war ich zu sehr mit meinem Telefon beschäftigt. „Sonst wäre ich nicht hier.“ entgegnete ich immer noch genauso pampig. Dann herrschte wieder Stille. Innerlich fluchte ich weiter. Wir würden hier niemals wegkommen, genauso gut konnten wir bis nach Slawutsch laufen. Einen solchen Irren wie Thomas würden wir niemals in der gesamten Ukraine finden. Keiner wollte in die Todeszone, außer wir. Wir die Verrückten einer Umweltzeitschrift. Wer uns so sah konnte denken, die armen Schweine. Nur fühlte ich mich nicht gerade nach Schwein sondern wie ein Huhn, ein armes kleines räudiges Hühnchen in der weiten Wildnis der Teiga, über mir die Raubvögel. Zerknirscht drehte ich mich in Richtung Flughafengebäude, wenn jetzt die Wachposten kamen. Wir standen hier sicherlich schon eine halbe Stunde, ich hätte mich noch nicht einmal hetzen müssen.

„Hey, schau mal sie stupste mich mit ihrem Ellenbogen an. Die Scheinwerfer… die blinken, die kommen auf uns zu und innen drin, dass ist Thomàs!“ Karen sprang aus ihrer Erstarrung auf und trat entschlossen auf die Starße ins Scheinwerferlicht. Ich hielt in der Bewegung inne. Was sollte dass denn werden? Ich hielt ich den Atem an. Thomàs behielt sein bisheriges Tempo bei, was gelinde gesagt irgendwo zwischen 40 und 50 Stundenkilometer lag. Doch auch Karen war anscheinend entschlossen Thomas Kühlerhaube die Stirn zu bieten, denn sie wich nicht einmal einen Zentimeter zurück. Thomas war nur noch gute 50 Meter von ihr entfernt, der Bremsweg würde nie reichen… Selbst wenn er genau jetzt anfing würde zu bremsen. Ich fing an zu schreien. Immer und immer wieder brüllte ich die Namen von Karen und Thomàs, als das nicht half wechselte ich auf „spring!“ und „stop!“.Waren die beiden nun völlig verrückt geworden? Endlich lösten sich meine steifgefrorenen Füße von dem unebenen Untergrund und ich sprintete auf Karen zu. Noch drei Meter: Thomàs verringerte den Abstand zusehends. 20 Meter, inzwischen war ich nur noch einen Meter von Karen entfernt. Aus ihren Augen funkelte der pure Trotz. Gerade noch rechtzeitig erwischte ich ihren Arm im vorbei sprinten und riss sie zurück in Richtung Bordstein. Aber ich stolperte und viel nach hinten. Karen zog ich mit mir. Während ich wie in Zeitlupe nach hinten fiel, sah ich gerade noch wie Thomàs auf den Punkt abbremste. Seine Scheinwerfen parkten genau an der Stelle an der Karen gerade noch gestanden hatte. Von 50 Stundenkilometer innerhalb 30 Meter? Unmöglich…

Dann schlug mein Kopf auf dem Asphalt auf und es wurde schwarz. Türen klapperten und eiliges Heranschreiten vieler Schritte folgten, dann undeutliches Stimmengewirr. Die Wachmenschen.

„Oh Gott, Leif! Entschuldige, dass wollte ich nicht…“ „Hé alter Junge, Augen auf. Komm schon…Mach nicht schlapp. Das nächste Krankenhaus wäre eines des Militärs, die flicken Leute nicht besonders hübsch zusammen…“

Langsam drehte ich den Kopf oder fiel er eher? Augen auf Leif dachte ich und ächzte. Die Person, die über mir stand grinste mich an. Zwei Zähne fehlten… In den Händen hielt sie jeweils eine durchsichtige Flasche und in der andere eine Zigarette, bei dem beißenden Gestank hielt ich sofort die Luft an. Warum musste er auch immer die Zigaretten, die blauen Rauch produzierten kaufen? „Thomàs?“, Ich blinzelte, durch den Rauch und einen merkwürdigen Sprung in meinem Sichtfeld war es mir unmöglich irgendetwas zu erkennen. Es dauerte in paar Sekunden bis ich verstand, dass nicht ich den Knacks hatte sondern meine Brille. “Wer denn sonst?“, die Person im Kapuzenpulli richtete sich auf. „Junge hast du dich verändert.“, er grinste schief, „also erzähl. Wie war dein Flug?“ Ich rümpfte die Nase, „Schön zu wissen, dass du uns überfahren hättest“ antwortete ich nur und richtete mich auf. Karen war anscheinend schon wieder auf den Beinen. „Du bist uns doch nicht etwas böse? Ich dachte mir, wir erlauben uns einen kleinen Scherz. Karen hat gut mit gespielt oder?“ Ich schaute ihn fassungslos an „Ihr habt geplant mich zu überfahren!?“ Thomàs Grinsen wurde zu einem lauten Lachen „Nein, mein Gott. Das war ein Scherz. Ich wollte nur austesten ob die neuen Bremsen halten was sie versprechen. Ich schüttelte fassungslos den Kopf. „Du bist doch bekloppt…!“ Das war Wahnsinn, reiner Wahnsinn. Das war selbst für Thomàs einfach zu gestört. „Könntest recht haben, aber du bist genauso bekloppt. Wir alle sind so bekloppt sonst wären wir nicht hier.“ Dabei legte er immer noch lachen den Kopf in den Nacken und beobachtete die Sterne. „Karen“, zischte ich… Ich war nicht mehr sauer, ich war auch nicht mehr entsetzt. Ich kochte vor Hass oder vor Todesangst wusste ich noch nicht genau, aber dass konnte sich ganz schnell ändern.  „Schon gut, Thomàs entschuldige dich gefälligst bei ihm!“ Damit drehte sich Karen um, schnappte sich ihr Gepäck und lief zum Wagen. „Ich dachte du müsstest mal aus deinem Trott rauskommen, wieder lebendig werden. Weißt schon…“

„In dem du Karen umfährst?!“ „Wie gesagt ich habe doch meine Superbremsen und ich habe ihr nicht befohlen vor meine Kühlerhaube zu springen! Das war nicht geplant“ „ Wie war es denn geplant?! Das sie dir mit Engelsflügeln gegen die Windschutzscheibe fliegt oder was?! Sie selbst wird doch wohl nicht so bekloppt sein…“ erwiderte ich sarkastisch. „Och Frauen machen viel verrücktes aus Liebe…“ Ich starrte Thomas einfach nur noch ungläubig an. Dann schüttelte ich den Kopf. Er musste betrunken sein, dass war die einzig vernünftige Erklärung für alles. Er hatte einfach zu viel getrunken, zu tief ins Glas geschaut sonst würde er niemals auf diese Idee kommen. „Karen und ich wir sind doch nur Freunde. Sie hat doch Leon?“ „Das lass mal ihre Sorge sein…“ jetzt lächelte Thomàs nicht mehr. Ich rieb mir die Schläfen, Themawechsel. Dringender Themenwechsel. Ich blickte auf Thomas Flasche wegen meines Glases konnte ich die Bustaben nur sehr schwer entziffern. Ein A, ein S und ein T konnte ich gerade so erkennen. “Ist es nicht noch ein bisschen früh um zu trinken?“ Ich legte den Kopf schief, ich ahnte was auf der Flasche stand. Wasser war die durchsichtige Flüssigkeit garantiert nicht. „Quatsch!“, nuschelte Thomàs, „denkste ich erzähl dir das mit Karen aus Spaß weil ich es lustig finde?“

„Du fandest es auch lustig sie oder mich zu überfahren… Also wenn du so fragst, ja“

Mein Immernoch-Freund rollte mit den Augen, „Ich hab dir doch schon mal gesagt, meine Bremsen…“ Ich fuhr ihm über den Mund. “Was hättest du getan, wenn die Bremsen nicht funktioniert hätten? „ Schneewehe“ und deutete dabei neben die Fahrbahn ins Dunkle. Bremst wunderbar, wäre nicht mein erstes Mal und um mal aufs Thema zurück zukommen, ich erzähle dir dass damit du dich vorsiehst. Warst in Sachen Liebe noch nie der Schnellste.“ Bevor ich ihn unterbrechen konnte und weiter nachhaken konnte was er denn nun damit wieder meinte, wendete er sich um und zeigte auf meinen Rucksack „Den hattest du als wir uns getrennt haben noch nicht und ich weiß du würdest dir nie so etwas kaufen… einen Anhänger mit Koordinaten?Niemals. Du machst ja noch nicht einmal Fotos von dein Urlauben, höchstens Skizzen.“ Er verzog die Mundwinkel traurig nach unten. „Freut mich für dich hat lange gedauert, aber pass auf!“ Dann kehrte er ebenfalls in Richtung Bus zurück und schleifte dabei meine Gepäck über den vereisten Boden.

Entschuldigen war nie sein Stärke gewesen, aber ein kurzes Nicken oder einen Schulterklaps hätte ich selbst von ihm erwartete. Auf einmal war ich mir gar nicht so sicher, ob ich das Geld wirklich so dringend brauchte. Ob diezersprungenen Scheibe ein Zeichen gewesen war? Zweimal in so kurzer Zeit? Und dass die Wachmänner nicht auftauchten, ich versicherte mich noch einmal in alle Richtungen, aber außer Sterne und Reihenweise Autos war kein einziger Mensch zu sehen. Merkwürdig. „Leif steh doch nicht dort wie verwurzelt! Das Abenteuer ruft!“ Ich hörte Karen aus dem Bus. Karen. Ich räusperte meine trocken gewordene Kehle. Warum konnte ich nicht einfach unsichtbar werden. Erdboden auf und ich würde direkt nach Hause fallen, direkt zu Jordis. Vielleicht sollte ich das Ödland doch in Erwähnung ziehen. Warum musste Leben bloß so kompliziert sein? „Ich komme“ rief ich eher resigniert, als froh zurück, danach zog ich ein letzes Mal die Luft ein. Keine Wachleute. Dann stampfte ich unsicher in Richtung Bus davon.

„Ist der Herr auch da… Rucksack ist hinten. Komm her. Setz dich auf neben mich.“ Thomàs klopfte auf den Beifahrersitz. Ich stieg widerstandslos ein und ließ mich sofort auf den Sitz fallen, eine unheimliche Müdigkeit erfasste meine Glieder und löste die Kälte ab. Sobald ich saß tart Thomàs aufs Gas der Flughafen entfernte sich rasch. Anschnallgurte gab es nicht. Immer noch nicht. Selbst nach dem Unfall, hatte er keine einbauen lassen. Licht um Licht fing nun an, an mir vorbei zu rauschen. „Sollte nicht jemand anders vielleicht lieber fahren?“ bitte ich. „Glaub mir ich war schon mal betrunkener. Hier interessierts eh niemanden und lass mich doch meinen Spaß haben, bevor ich mir für den Rest meines Lebens Krebs hole.“ Ich setzte zu einer Antwort an, doch plötzlich hörte ich ein lautes „Au“. Es kam aus dem hinteren Bereich des Buses. Halbherzig bewegte ich meinen Kopf in die Richtung aus dem der Ruf ertönt war. Im halbdunkeln erkannte ich Karen, die neben einem riesen Mensch zu sitzen schien. Doch diesen Menschen, er kam mir bekannt vor. Schnell rückte ich meine Brille zurecht und blinzelte meine Müdigkeit weg. Pierre! „Was machst du denn hier?“ rief ich erstaunt. Die zweite Überraschung des Abends… „Ich dachte du würdest mich nie entdecken. Wie geht’s?“ Ich zuckte mit den Achseln. Wie es mir ging, war eigentlich eine gute Frage. Ich wusste es nicht, hätte mich jemand diese Frage vor wenigen Wochen oder sogar Tagen gestellt, ich hätte ihm nur „schlecht“ antworten können. Aber jetzt? Nach den ganzen Erlebnissen der letzten Stunden. Ich hatte das Gefühl, das mein komplettes Leben von einem Wirbelsturm durchgerüttelt worden war. Ich entschied mich lieber für das offensichtliche. „Ich wurde heute nur angefahren“, dabei versuchte ich ein Schmunzeln. Es war schön Pierre wieder zu sehen. „Ich hoffe die Briefe kamen an?“ „Klar. Weißt du ich mag zwar in Eis und Schnee wohnen, aber unsere Post funktioniert besser, als die vom Weihnachtsmann“ Ich versuchte weiter ein Lächeln.Doch meine gute Laune wurde sofort von einem schlechten Gewissen überschattet. Was er wohl dachte, warum ich nicht geantwortet hatte. Hatte er dies erwartet oder war er enttäuscht? Sauer? Unzufrieden? Besorgt? Ich hatte es versucht, aber alle versuche endeten im Papierkorb. Nichts erschien mir schön, schlicht oder neutral genug um zu schreiben, dass ich noch lebte. Wobei exestieren das bessere Wort gewesen wäre. Das Leben in mir war Tod gewesen. Leer, nichts als leere war dort gewesen wo eigentlich Organe, Blut und Muskeln sitzen sollte und mit der Leere hatten sich auch meine Gefühle verzogen. „Da bin ich aber froh“, unterbrach mich Pierre lachend. In diesem Moment viel mir ein kleiner Stein vom Herzen, wenn Pierre lachte war das ein gutes Zeichen. Anders als bei Thomàs.

„Na dann, sei froh dass du dort vorne sitzt. Hier hinten kuscheln wir gerade zu. Ich fühle mich ein wenig wie in der Massentierhaltung.“, witzelte Pierre. Der Rest schwieg, dass hieß sechs Augen starrten aus dem Dunklen nach vorne auf die Fahrahn oder auf mich. Schwiegen. Wer sollte anfangen? Karen runzelte die Stirn und fing angestrengt zu Lächeln. Nur dumm dass es die hinter ihr nicht sehen konnten.  „Gesprächig seid ihr ja nicht gerade.“, Thomàs grunzte und kramte im Handschuhfach. Ich drückte mich nach vorn und half ihm einen Stapel mit Papieren nach hinten zu reichen. Karens Augen blitzen auf. Sie lebte lesen… wie Jordis. Was auf den Papieren stand konnte ich nicht erkennen, im Gegensatz zu Karen. Ihre Augen huschten flink über das Papier und ab und zu drehte sie sich nach hinten. Es herrschte immer noch Schweigen, nur ab und an wurde die Stille vom Geraschel, der einzelnen Blätter unterbrochen. Ich tat so, als ob ich aus dem Fenster schauen würde, aber statt dessen beobachtete ich Karen in meiner Scheibe. „Wer von euch heißt Rumanoff?“ Der Kerl hinter ihr deutete nach vorne auf einen schlafenden Mann, der es sich halb auf Pierre gemütlich gemacht hatte. „So bleibe ich wenigstens warm…“ „Wir könnten tauschen… entgegnete ich bloß. Ehe ich realisierte was ich da gesagt hatte warf mir Thomàs einen bösen Blick zu. Sollte er sich nicht so anstellen. Es war doch nur nett gemeint. Und ich wollte Pierre erlösen, nicht Karen. Neben Thomàs zu sitzen war ebenso unmöglich. Mir war es egal, ob die Bremsen neu waren oder alt. Es hätte mich das Leben kosten können oder Karen. Verärgert stierte ich wieder in Mantasdie Dunkelheit. Warum machte ich mir um Karen also viele Sorgen? Sie war alt genug. Sie konnte sehr gut selbst auf sich auf passen wie in der Vergangenheit. „Hey Leif, schläfst du schon?“ Ich schreckte auf, Pierre schaute mir aus müden Augen entgegen. „Du kannst vorne bleiben, deine Beine haben es nötiger als meine“. Thomàs quitierte dies nur mit einem Grunzen. Von Karen war nichts zu hören. Keine Reaktion. „Danke, Thomàs, aber ich kann für mich alleine antworten“ patze ich ihn an und versank wieder in Gedanken. Stille. Unser verrückter Fahrer konzentrierte sich auf die Straßen. Es war erstaunlich wie ruhig er das Fahrzeug steuerte, trotz Alkoholpegels. Karen war über ihrer Reiselektüre eingeschlafen und Pierre? Pierre schlief ebenfalls. Ich versuchte erneut, den Zusammenhang zwischen mir und den vergangenen Stunden her zustellen. So hatte ich mir meinen ersten Auftrag nicht vorgestellt. Wo war die Normalität hinverschwunden? Was würde mich erwarten? Zugegeben Karen war hübsch, aber mehr als gute Kollegen war nie zwischen uns gewesen. Zumindest aus meiner Sicht. Was war mit diesem verdammten Leon? Hatten sie sich getrennt? warum rief er sie nicht an? Warum bittete er mich nicht um Entschuldigung? Viele Fragen und auf keine eine Antwort. Meine Augen verfolgten inzwischen mehr die Lichter, die nun aus dem Dunkeln auftauchten. Immer mehr wurden es, immer mehr Autos kamen uns entgegen, immer mehr Licht erreichte mein Auge und je mehr Leben auf uns zu kam desto unruhiger wurde ich. Würde Thomàs es bis zum Bahnhof schaffen? Die Kontrollen waren seit letzten Sommer laut Bericht gestiegen. Augenblicklich schaute ich in den Rückspiegel, aber außer einem uralten Traktor und einigen winzigen Mantas sah ich nichts. Ich begann mich zu entspannen und wenn schon. Was sollte schon passieren? Plötzlich war mir das Leben egal, die Zukunft, die Vergangenheit. Ich war müde. Jordis ging es gut. Dass mit Karen würde sich klären. Ich würde mit ihr reden. Die Jahre klar stellen, aufräumen, zeichnen. Wie früher nur irgendwie anders.

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