Neujahr

Die gesammelten Schätze des Monats der kleinen Freuden

Ich dachte mir der Dezember wird ruhiger und siehe da, er wurde es. Zum Schreiben fehlt mir dennoch die Zeit und die Muse. Seien wir ehrlich, liegt vermutlich noch nicht einmal an den äußeren Umständen, sondern nur an mir Selbst. Wenn ich eins kann dann mich selbst zu überfordern mit allem was dazu gehört. Leben ist aber auch schwierig, wer hat sich dass eigentlich ausgedacht? Jetzt kommt mir nicht mit Gott. Ich weiß eine Nicht-Existenz kann man schwer beeisen, aber mir wäre es tatsächlich lieber wären wir die Herren unserer Schicksals. Zumal ich keine Lust habe mit 0,00000001% meiner Alltagsmenschen verwandt zu sein. Da gibt es nämlich verdammt große Idioten drunter. Ich verweise hier bewusst auf diesen einen ganz bestimmten Nachbarn und diverse Kommilitonen meines Studiengangs. Wenn ich es nicht live erleben würde würde ich nicht vermuten, dass es so unfassbar viele Spießer und selbstgerechte Pseudo-Linke in meinem Studiengang gibt. Vermutlich kommt zu einer der zwei Diskussionen sogar noch ein Sonderbeitrag, die zweite kann ich hier trotzdem noch einmal erwähnen.

Ich besuche ein Seminar, was sich konkret mit Bildern in verschiedensten Gewaltkontexten außeinander setzt. Keine Leichte kost, dafür aber oftmals sehr, sehr lehrreich und der Professor ist wirklich gut. In einer Stunde lauschte ich ich einem Referat, welche die Terroranschläge auf Weihnachtsmärkte analysierte; Tatwaffe: LKWs. Dahinter stand die Frage im Raum inwiefern Journalisten mit ihrer oftmals nicht objektiven Berichterstattung dem Terror in die Hände spielen. Schließich tragen sie die Panik oftmals in den Raum weiter, ohne Medien würde es eben Monate dauern (oder Wochen) bis wir hier im Norden wüssten, was in Straßbourg geschehen ist. Am Ende des Referates zeigte uns die Referentin eine der Titelseiten der Tratsch und Klatsch Zeitung schlechthin. Sie sollte ein Beispiel sein, wie man auf keinen Fall Bericht erstatten sollte: (Anm. meinerseits: Wenn wir den Standard so niedrig setzen, wird das nie was mit dem anständigen Journalismus) Fette Buchstaben, negativ konnotierte Schlagwörter und eine Collage aus sämtlichen Gewaltbildern des Geschehenen. Dann zeigte uns unser Professor ein weiteres Bild einer anderen Zeitung. Zu sehen war: Das Brandenburger Tor, welches in den Farben der deutschen Flagge angestrahlt wurde, davor ein Christbaum und darunter der Ausspruch: Fürchtet euch nicht. Zu meinem Entsetzten bewerteten die Mehrheit diese Titelseite als sehr viel „differenzierter“ oder „distanzierter“. In den Moment bin ich schlichtweg aus den Wolken gefallen und verbrachte die nächsten Minuten mich über die Haltung meiner Mitstudenten zu empören. Der Professor war sowohl überrascht als auch erfreut. Ich hoffe es zumindest, er sah zumindest so aus.

Für alle zum Mitschreiben. Das Brandenburger Tor in den Farben der deutschen Nationalflagge anzustrahlen mit einem deutschen Christbaum davor und einem Satz aus dem Lukas Evangelium ist keine neutrale Berichtserstattung?! Hand aufs Herz, wer von euch ist noch praktizierender Christ (außerhalb von Ostern oder Weihnachten wohlgemerkt)? Ich bin mir sicher verdammt wenige. Weshalb zur Hölle ist also dieses Titelblatt so exkludierend? Welcher Depp hatte in dem Moment zu viel Glühwein intus? Falls der Vorfall noch nicht genug war, kann ich gleich mit meinem Chef weitermachen. Der hat sich nämlich mit seiner konsumorientierten Markthaltung mal wieder wahnsinnig beliebt gemacht. Mir erst mehrmals einprägen wann ich wo zu sein habe, aber dann keine weiteren Anweisungen geben oder erst gar nicht auftauchen um aufgetragenes gegenzuzeichnen… Dafür hetzte ich mich jedes Mal durch mein gesamtes Nervenkostüm. Vor einigen Tagen hat er dann die Quittung bekommen. Ich habe nicht umsonst eine Mütze zum Nikolaus bekommen auf der in großen, roten Lettern NO! geschrieben war. In dem Moment in dem ich den Pausenraum mit dieser Mütze betrat, hatte er die Quartalsbesprechung mit der Bezirkschefin. Passiv-Agressive Rache kann ich! Zu allem Überfluss kam noch, dass sie mir meinen im Januar versprochenen Urlaub wieder genommen und ihn auf andere umverteilt haben. Macht meine derzeitige Situation nicht unbedingt charmanter. Manchmal hätte ich wirklich nichts dagegen einfach als Einsiedler irgendwo im nirgendwo zu leben. Wobei ich dort keinen Zugang zur Weihnachtsschokolade hätte… und wer sagt, dass ich dort einen Ofen fürs Plätzchen backen hätte?

Seit langem gab es deshalb vier ganze Bleche voll, die aber nach Abzug für Freunde und Nachbarn sich recht schnell wieder relativiert hatten. Mir schmecken sie ja jedes Mal, aber ich habe immer Bedenken bei anderen. Glutenfrei heißt zwar nicht gleich gesund, aber die vergleichsweise Alternativen zu normalem Keksteig mussten dann immer drei Stunden ruhen. Wer zur Hölle wartet bitte drei Stunden auf einen Teig? Neben dem Plätzchen backen wurden dann noch gute Spiele spielt, das Blogland mal wieder etwas aufrollt und meine beiden Essays durften halt auch nicht fehlen. An dieser Stelle einen gut gemeinten Rat: Kriegsverbrechen sind kein gutes Essaythema. Also eigentlich schon, aber gerade in der Weihnachtszeit zieht einen so etwas wirklich runter. Beschäftigt euch stattdessen lieber mit schönen Sachen wie zum Beispiel Kurzbiografien. Was mir nur keiner gesagt hat war, dass der geniale Kopf der Ikonographie in seinen späteren Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Und was das für Probleme waren… Halleluja.

Da hilft dann immer nur der fensterlose Raum einmal pro Woche und egal welche Woche ich werde nächstes Mal vermutlich verdammt viel zu lachen haben. Falls alles gut geht, wovon ich eigentlich nicht mehr wirklich ausgehe. Dafür sind meine jeweiligen Gruppen zu chaotisch und betrachten wir es mal ganz objektiv… Einen Holzpalast zu brandschatzen, damit zumindest ein Teil der Königsfamilie aus der Septe rennt um nicht auch noch in die Luft zu gehen ist bis heute ein sehr interessanter Plan. Jetzt wissen wir zumindest auch, weshalb Summerhal abbrennt. Immerhin er ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Ich halte den Plan zwar für die beste Alternative, aber immer noch nicht für eine Gute! In der anderen Woche sieht es allerdings auch nicht besser aus. Die Kampagnenprämisse einer Händlersfamilie zu helfen hatte sich mit dem Tod von vieren unserer Gruppe erledigt. Wunderbarerweise hat genau einer überlebt, weshalb wir wiederbelebt wurden. Ich betone hier übrigens das widerbelebt und nicht wiedererweckt, es war (hoffentlich?) keine Nekromantie im Spiel. Wir sind gerade dabei uns an unserem Täter zu rächen. Die Prämisse niemanden umzubringen konnten wir also gleich in die Tonne hinterher kippen.

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Die kleinen feinen Dinge…

„Sei dein Neujahrsguru und werde mit diesen folgenden Tipps der glücklichste Mensch auf Erden!“, so könnte doch in etwa eine BILD Schlagzeile lauten. Folgen würde vermutlich ein „Wissenschaftlicher“ Bericht von Experten, die vergangenes Jahr 2014 lange an der Glücksformel herumgebastelt hätten und natürlich pünktlich zum neuen Jahr, diese wie durch Zufall entdeckt hätten. Dieses unfassbare Ereignis der Menschheit hat anschließend auch nur das deutsche Klatschblatt mitgeteilt bekommen, denn die anderen Zeitungen schweigen wie Gräber… Aber denken wir doch tatsächlich mal etwas ernsthafter über das Thema Glück nach. Glück bedeutet für jedermann etwas völlig anderes. Für den einen mag es das Gefühl sein Fallschirm zu springen, der andere bastelt lieber an seinem Segelboot mit dem er eines Tages die Welt erkunden möchte. Es muss auch nichts materielles sein, Sonnenschein macht aufgrund des steigenden Serotonins Spiegel im Körper auch glücklich, ergo Spaziergänge machen glücklich rein theoretisch. Nur was tun in den Wintermontanen? Wenn die liebe Sonne selbst keine Lust auf die Kälte hat und lieber selbst in den Urlaub geflogen ist und die nächsten Monate in Argentinien, Australien oder der Antarktis verbringt. Ganz einfach, der kultivierte Mensch von heute muss mal wieder selbst Hand anlegen.
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