Ich bin China…

Und weiter geht’s in Sachen Leipziger Rückblick, die ganzen Tage wieder aufzurollen wird wohl ein Dauerprojekt. Wobei ich glaube, dass ich schon am Sonntag angelangt bin… Wuhu!

Erlebt wurde dieses Abenteuer um 12:00Uhr irgendwo in der Halle 4 zwischen lauter Lesebühnen und einer Gesangsbühne (dazu komme ich später…).

Weshalb ich eine Vorlesungen ausgesucht habe, bei der es um eine Art Goodbye-Loveletter an die Volksrepublik China geht? Einfach:

1. Ich interessiere mich sehr für China, allerdings habe ich das Auswandern dorthin in den letzten Jahren gestrichen

2. Weil ich die Autoren sehr interessant fand bzw. ihre Beschreibung.

3. Politisch kritisch geht (fast) immer.

So so viel zum Vorwort. Jetzt komme ich zu der eigentlichen Vorlesung, wie immer ein Interview. Vorträge habe ich in der Schule schon genug. Ähnlich wie in meinem vorletzten Artikel über die Comic Szene in Israel verpacke ich, das Ganze in einen schönen Fließtext. Ließt sich besser, finde ich. Jetzt aber.

Der Roman „Ich bin China“ wurde ursprünglich in englisch verfasst und wird wohl auch nie offiziell ins Chinesische übersetzt werden, da das Fräulein Zensur, ähnlich wie die böse Herz Dame, in China noch einiges mit zu reden hat. Deshalb wohl auch der zweite Titel: Goodbye-Loveletter, beim ersten Lesen dachte ich noch: Was soll das denn bitte sein? Aber nach der Vorlesung finde ich, dass der Untertitel doch ganz gut getroffen ist. Wurde im Laufe der folgenden 25 Minuten deutlich, wie zerrissen die Autorin zwischen den unterschiedlichen Kulturen doch ist. Dennoch so sehr Xiaolu Guo ihre Heimat liebt, dem kleinen verarmten Bergdorf hat sie auf ewig den Rücken gekehrt. Die ersten zwanzig Jahre eines Lebens weder eine Stimme noch eine Meinung zu besitzen prägt einen sehr, meinte sie nur dazu. Denn seit kurzem besitzt sie offiziel die britische Staatsbürgerschaft. Ihr chinesischer Pass? Ist passé. Abgegeben bei den Behörden und auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Sie selbst meint, sie würde höchstens nur noch als Touristen dort hin zurück kehren. Das ist wohl der Preis für Freheit, Individualismus und Unhabhänigkeit. Und die braucht sie, für ihre Kreativität und subtile Kritik an China. Ein Herz und zwei Ideale kämpften seit Jahren in ihr und mit dieser Veröffentlichung des Romans hätte sie einen kleinen Schritt getan, diese beiden in Einklang zu bringen. Die zwei Protagonisten, ein späteres Liebespaar, hat ihr dabei besonders geholfen, da die zwei diametral verschieden sind.

Mu ist eine junge ruhige, in sich gekehrte Frau, ganz anders als ihr Geliebter Jian. Er trägt Guos frühere Entschlossenheit, Wildheit und Ruhelosikgkeit in sich. Trotz der Verschiedenheiten gehören Mu und Jian einer Organisation in China an, die für Freiheit und gegen die Unterdrückung kämpft. Mit Hilfe der Kunst und Musik versteht sich. Nur ist ein gesamte Staatsmacht mächtiger als eine kleine Vereinigung. Schon gar nicht kommt so etwas wie Liebe gegen die chinesischen Staatsvertreter an und so wird Jian auf einem seiner Konzerte verhaftet und muss ins Exil fliehen. Mu bleibt in China, schreibt ihm dafür aber eine Menge Briefe. Wobei wir schon am besonderen Punkt angelangt wären, denn der Schwerpunkt des Romans wird in Briefen kommuniziert. Weder ein dramatischer, noch lyrischer Text fesseln den Leser. Kritiker nennen ein solchen Roman anscheinend Briefroman. Mir war vorher das Genre völlig unbekannt. Xiaolou Guo äußerte sich dazu leicht lächelnd. Ihr selbst fiele es schwer eine Geschichte anhand eines Fadens zu erzählen. Sie würde eher die Ideen, Konversationen, Rätsel und Detektivgeschichten lieben. All das lasse sich wunderbar in Briefe verpacken. Auch geseteht sie offen, dass sie versuchte etwas surrealistisches an gewissen Stellen zu schaffen. Da der Surrealismus, sie seit neustem begleitet und sie ihn für sich entdeckt hat. Ebenso betonte sie, dass der Roman nicht autobiographisch sei. Nur angehaucht, da sie selbst die Odysee durch Europa erlebt habe. Deutschland. Niederlande. Frankreich und schließlich Großbritanien, vieles war dabei. Aber erst in London ließ sie sich endgültig nieder…

Links Xia Golu rechts der Moderator ohne Namen...

Links Xiaolu Guo rechts der Moderator ohne Namen…

In Großbritanien sei alles anders, aber nicht so fremd wie die USA. So viel Individualismus, Selbstfindungsdrang und die dadurch resultierende Einsamkeit hätte sie oft verschreckt. Bis heute. Diese Wurzeln des Zusammenlebens habe sie aus ihrer Heimat mitgenommen. Die Gemeinschaft. Selbst die Liebe sei in beiden Teilen der Welt West/Ost sehr unterschiedlich. Was sich an den späteren Liebespaaren im Roman wiederspiegeln soll. Insgesamt vier junge Leute, die mehr oder weniger unabhänig voneinander ihre eigene Erfahrung mit dem Gefühl Liebe erleben. Allerdings ergänst Guo selbst noch, dass ihr Roman nicht hauptsächlich um Liebe oder um die Abrechnung an China ginge, sondern eher um die Beziehung zwischen Bürger und dessen Regierung. Deshalb könnte der Titel nicht nur Ich bin China heißen. Der Titel sei nicht auf sie selbst bezogen sondern auf den jeweiligen Leser, der das Buch in Händen hielte. Jeder träge etwas aus Teilen der Welt in sich. Und wenn es nur 0,001% seien. China sei ein lebendiges Museum, moderne träfe auf Tradition. Kulturen und soziale Schichten würden sich imaginäre Straßenschlachten liefern.

Ein gedankliches Krisengebiet, in dem es gar zu unmöglich ist eine schöne Kindheit oder Jugend zu erleben. Zu schnell würde man erwachsen, erzählte Xiagolu als Abschiedssatz.

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4 Kommentare

      1. eigentlich das einzige und damit beste Buch über die Theorie der Kriegsführung, Manager lesen es aber auch sehr gerne….es ist interessant !

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