Neue Bücher gibt es nicht…

… hieß der Titel einer Gesprächsrunde auf der Leipziger Buchmesse. Nun findet den Fehler. Das erste mal, dachte ich: Reißerischer Titel, aber er erzielte seine Wirkung. Er machte mich neugierig. Ich dachte, mich würde eine Gesprächsrunde zu Innovation, Kreativität und Reproduzierbarkeit erwartet. In unserem heutigen Zeitalter, doch recht akutes Problem. Schließlich wimmelt es nur von Buchverfilmungen, Heptalogien, Neuauflagen (längst vergessener oder auch unschlagbaren Klassikern) und noch so viel mehr. Was ich bekam war… alles nur nicht, dass was ich erwartete hatte.

Als ich dort ankam saßen zwei Männer neben einem Moderator, der gerade seinen Mittagskuchen aufass, eher hastig als genüsslich. Schade um den lecker aussehenden Kuchen, aber gut. Eine Diskussion, über die Hektik des Alltags stand nicht im Vorleseverzeichnis. Konnte man diesen Herren also nicht überweisen. Zu den zwei Herren gehörten: Ein Herr mittleren Alters interessiert und leicht nervös an seinem Wasserglas nippen und Herrn K. Dieser saß erwartungsfreudig und hämisch grinsend lässig in seinem Sessel und wartete auf das Zeichen seinen Vortrag zu starten.

Mich sollte nur kein Vortrag erwarten sondern ein „E-P-O-S“. Für den Epos kann ich auch ein anderes Wort finden: Pseudophilsophischer-Dekadenter-Aufgeblasener- Studenten-Fanatsik-Erguss, denn in dem Moment in dem der Moderator das Mikro einschaltete und zu einer Begrüßung ansetzte, fing Herr K. auch schon an zu reden und hörte für die nächsten 30 Minuten auch (fast) nicht mehr auf.

Er wisse, dass dieser Titel provokant sei, dass sei ihm sehr wohl bewust. Aber worauf er hinaus wolle sei, dass das groß Geschriebene doch längst nicht mehr allein zähle, sondern die kleinen Stücke als erheiternde kommunikative Kunstformen ebenfalls gelten können. In der Kürze läge bekanntlich die Würze und der gedankliche Epos, der sich durch die Gehirnzellen winde inspiriere den Leser auch sich kreativ (Anm. meinerseits: meistens ist es kreatief) zu ergießen. Und genau da können seine Aphorismen weiter helfen. Warum solle man überhaupt noch Bücher lesen? Da würde doch alles schon vorgefertigt sein. Kreativität, niergends zu finden. Dazu sei dieser ganze Konsum und Kapitalismus unserer Welt ein viel zu großes Problem. Man sehe sich doch nur die jungen Leute an, kaum an Literatur interessiert. Der Mensch bräuchte doch nur, dass sei bewiesen, ein festes Dach unter dem Kopf und etwas mehr Besinnlichkeit auf die eigenen Tugenden.

Schön und gut. Dass ich nicht lache.

Da will mir also ein despotischer pseudosozialkritischer Philosophiestudent etwas von seinem ganz großen Durchbruch erzählen. Er sei der genialste Mensch auf Erden, quasi Jesus in Person. Nur mal um ihn als Person zu beschreiben: Saß dort mit seinem Hilfinger Hemd, einem iPhone 5s, Schuhen von Ansons und die Hose sah sehr nach Fjallräven aus. Also überhaupt nicht konsumoriniert, nein. Er selbst ist natürlich markellos und diese goethische Bescheidenheit… Der Wahnsinn wirklich. Glaubt mir, es hört sich so an als sei ich einfach nur tierisch agressiv. Vielleicht bin ich das auch in wenig, ein bisschen, ein ganz ganz kleines Fünkchen aber ihr habt weder seinen schleimigen Tonfall noch seine arrogante Affektierheit mit erlebt. Er vorurteilte mal eben über das gesamte Publikum, die Weltbevölkerung und sogar irgendwelche Tiere, die überhaupt nicht in den Kontext passten. Oder könnte ihr mir den Zusammenhang zwischen Woyzeck und einem Schnabeltier nennen?! (Jetzt kommt mir nicht mir: Woyzeck ist das Schnabeltier, das war meine Lösung die ich meinem Deutschlehrer mal vorgeschlagen habe. Der denkt jetzt ich habe endgültig ein Rad ab). Ich urteile leider ebenfalls zu schnell über andere Menschen, aber ich bin mir dessen bewusste, halte mich deshalb weder für Gandhi oder Jesus und schon gar nicht bin ich zu stolz um diese nich zuruück zunehmen. Wenn sie sich als Irrtum endpuppen!

Nur weil er ein Buch mit Aphorismen veröffentlich hat und nun über die Bedeutung von Twitter, Notizen und Sprüchen auf Schulsanitäranlagen philosophiert, ist er nicht der König (und ein Hihihi, ich hatte hier Geschlechtsverkehr, ist meines erachtens nicht wirklich philosophisch). Hier als Beispiel, eins seiner Aphorismen: Der freie Fall des Menschen ist der Einzelfall.  Wie geheimnisvoll… Es mag gemein klingen, aber dass war seit langem ein Autor, der mir zutiefst unsympathisch war und ist. Sein Kollege kam nur in ein, zwei Sätzen zu Wort und auch nur weil der lieber Moderator Herrn K. unterbrechen musste. Viele von den Zuhörern oder Passanten kamen, setzten sich hin, lauschten und gingen dann wieder kopfschüttelnd weg.

Aphorismen zu veröffentlichen ist fein, sich darüber zu freuen auch, aber darüber stolze 30 Minuten in seiner Selbstherrlichkeit ebenso wie von der Gott gegeben Nichtintelligenz zu baden und so zu tun als sei man der zweite Thomas Mann, Goethe oder Bakov ist nicht der richtige Ansatz. Für niemanden. Als ich das erkannt hatte, beschäftigte ich mich ganz schnell mit etwas anderem und fing an den älteren Herren neben mir zu bobachten ebenso wie die restlich Verbliebenden. Dazu gehörten: Ein anderer Student, der mit leidendem Ausdruck und arg tiefen Augenringen verzweifelt mitschrieb, neben sich einen halben Müsliriegel von einer Drogeriemarke. Der ältere Herr hätte wohl ein gescheiterter Kritiker sein können, denn auf seinem Notizblock stand nur negatives nichts positives, noch nicht einmal: Hatte ein nettes Ambiente (Die Rezensionen bezogen sich nicht über den sich im Hintergund abspielden Zirkus). Selbst den Kuchen ass er so wie Herr Anton Ego (ihr wisst schon, der Kritiker aus Ratatouille). Gen Ende der Vorlesung empfing ich zu meiner Begierde noch ein Bild von meiner besten Freundin aus dem Oman. Sie war nun in Dakar gewesen und würde bald wieder zurück fliegen. Ihre letzte Gastfamilie sei aber total nett gewesen. Der Oman sei ihr aber ein bisschen zu einsam, wenn auch wunderschön. Klingt nach dem Island des Südens.

Nachdem endlich der Vortrag geschlossen wurde (aus Zeitgründen, nicht weil Herr K. enden wollte), machte ich mich auf den Weg in meine wohl verdiente Mittagspause. Zu Essen gab es… Schadensbegrenzung.

 

Und ich werde hier weder den Vortrag verlinken noch ein Foto hier hochladen aus Schutzgründen an Herrn K. Ich bin nicht scharf darauf einen Menschen für seine eigene Dummheit vor zu führen, dass kann/ konnte er schließlich am Besten.

Hier zu Erheiterung: Es sind zwar keine Aphorismen, aber ich habe mich in den 30 Minuten entschieden nun auch die kleinere Form der Literatur zu hegen und zu pflegen…

Markttag

Herr Duden: „Möchten Sie einen Kasualsatz kaufen?“

Passant: „Nein, danke ich habe schon welche. Gestern erst wieder Kommata für sie zum Abendessen gekocht.“

oder

Schulweg

Auf der Wiese,

in der Wiese,

steht ’ne Kuh mit Mütze.

oder

Ein Zoobesuch

Zoobesucher: „Äh verzeihen sIE, sind Sie die Giraffe?“

Tierpfleger: „Mit Nichten. Ich bin der Puma.“

Zoobesucher: „Oh, sehr erfreut!“

noch einen gefällig?

Therapiestunde

Psychologe: „Mein Hund nimt Asprrin…“

Patient: „Woher wisen sie darauf?!“

Psychologe: „Weil ich keins brauche“

jaja, ich weiß… nett zu lesen was? Deshalb kommt jetzt noch einer

Leerstunde

Koch: „Haben sie schon einmal gekocht?“

Lehrling: „Ob ich schonmal einen Zettel gelocht habe? Nein, natürlich nicht! In meiner Philosophie existieren keine Locher. Locher sind das Corpus Delikti des Manitus.

Kommt schon, noch ein letztes… Bitte

Gedanken während der eigene Hund die Zeitung auf der Wiese ließt

Gedanke: Sollte nicht, wenn ein Düsenjet die Schallmauer durchbricht, die Kirchenglocke an der Ecke läuten?“

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