Leipziger Buchmesse

Ich bin China…

Und weiter geht’s in Sachen Leipziger Rückblick, die ganzen Tage wieder aufzurollen wird wohl ein Dauerprojekt. Wobei ich glaube, dass ich schon am Sonntag angelangt bin… Wuhu!

Erlebt wurde dieses Abenteuer um 12:00Uhr irgendwo in der Halle 4 zwischen lauter Lesebühnen und einer Gesangsbühne (dazu komme ich später…).

Weshalb ich eine Vorlesungen ausgesucht habe, bei der es um eine Art Goodbye-Loveletter an die Volksrepublik China geht? Einfach:

1. Ich interessiere mich sehr für China, allerdings habe ich das Auswandern dorthin in den letzten Jahren gestrichen

2. Weil ich die Autoren sehr interessant fand bzw. ihre Beschreibung.

3. Politisch kritisch geht (fast) immer.

So so viel zum Vorwort. Jetzt komme ich zu der eigentlichen Vorlesung, wie immer ein Interview. Vorträge habe ich in der Schule schon genug. Ähnlich wie in meinem vorletzten Artikel über die Comic Szene in Israel verpacke ich, das Ganze in einen schönen Fließtext. Ließt sich besser, finde ich. Jetzt aber.

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Writers in Prison

Der Grund weshalb ich diese Vorlesung ausgesucht habe war, dass wir ein ähnliches Projekt im Rahmen der Schule entwickeln wollten, aber es scheiterte oder es ist im Moment sehr schwierig es umzusetzen. Veranstaltete wurde diese Vorlesung von der Organisation PEN (Poets, Essayist, Novelists), die sich sich um Verfolgte oder unterdrückte Schriftsteller, Journalisten und Verleger kümmern.

Die Vorlesung bestand darin, dass drei Sprecher jeweils Texte von drei Autoren vorlasen, die entweder inhaftiert worden sind oder auf der Case-List stehen. Zu den drei Autoren zählten: Liu Xiabo,  Abd ar-Rahman Munif, Fadhil al-Azzawi. Moderiert wurde das ganze von Regula Venske. Vorab, ich kannte zwar das Drama um Rida Haddat, hatte es aber wieder verdrängt, da sich meine Welt eigentlich nur um Prüfungen, Stress und gefühltes Überleben drehte. Während der Vorlesungen wurde mir die Nachricht wieder ins Bewusstsein zurück teleportiert und ich mich wieder in dem Gedanken bestärkt: Viele Menschen, haben absolut keine emotionale Intelligenz oder gar zuträgliche Moralvorstellungen. Die meisten Regierungen haben einen Knall. Aber, dass es tatsächlich so viele Autoren sind… Verdamm mich! Oder lieber die lieben verkorksten Menschen, die diese Machenschaften durchführen, einfach so. Da möchte man doch fast eine Armee aus dem Boden stampfen und diese Gefängnisse überrennen. Aber zurück zum Thema. Nach einer kleinen Dankesrede an die Beteiligten wurde eine Schweigeminute für Rida eingelegt, obwohl er hoffentlich noch nicht von unserem Planeten davon gesiecht ist.

Leider wird dieser Artikel wohl einen ziemlich großen improvisierten Teil enthalten, da der Inhalt von Gedichten und Kurzengeschichten aus zweiter Hand nicht wirklich gut stilistisch weiter gegeben werden kann. Zumindest kann ich es nicht besonders perfekt.

Der erste Autor aus dessen Werk vorgelesen wurde, war Liu Xiabo. Als er noch in Freiheit lebte war er Menschenrechlter, Systemkritiker, Dozent an der Universät in Bejing und Schriftsteller im Einen. Im Dezember 2009 wurde er zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Grund? Untergrabung der Staatsgewalt. 2010 erhielt er den Friedensnobelpreis. Zwei Jahre später sprach sich Mo Yan (Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas) für die Freilassung Xiabos aus, dennoch geschah nichts. Sein Ehefrau Liu Xia hatte von da an Hausarest und darf weder von ihren Eltern noch von ihren Freundinnen besucht werden. Die einmaligen Ausflüge zu ihrem Mann nach Liaoning wurden ebenfalls gestrichen.

Das erste Gedicht von Liu Xiabo handelte von einem Hund, der zu Hause auf ihn wartete. Er beschrieb wie er den Hund gefunden hatte und wie er sich wohl fühlen musste. Wobei die Gefühle des Hundes wohl seine eigenen Gefühle waren… Angst, Hoffnung, Klaustrophobie, Wünsche, Aggression gegen Machtlosigkeit und Unvernunft und natürlich Verzweiflung, die schließlich mit einer Bitte und einem Gruß an seine Frau mündete. Die Bitte: Sorge dich um meinen Hund und zweitens, ich werde dich immer lieben…

No Happy End

Der nächste Text stammt von Abd ar-Rahman Munif. Geboren worden war er 1933 in Amman, der jordanischen Hauptstadt. Er sturdierte Rechtswissenschaften, nachdem er 1951 sein Abi absolvierte. Danach engagierte er sich politisch gegen die Regierung, worauf hin ihm das Studium verwehrt blieb. Doch er ließ sich nicht entmutigen und wechselte von der Universität in Bagdad auf die in Kairo und promovierte später in Belgrad. Schließlich zog er nach Bagdad zurück und schloß sich einem radikalen Flügel der Baath-Partei (einer abrabisch-sozialistische Partei) an. Bis 1973 arbeitete er in einer Erdölfirma. Später wurde er zum Chefredakteur einer irakischen Ölfachzeitschrift ernannt. Ab 1980 beschloss er, sich nur der Literatur zu widmen. Weshalb er dann von 1981 bis 1986 im französischen Exil lebte. Bis er schließlich mit seiner Faru in ihre Heimatstadt Damaskus zog, bis er 2004 dort starb. Seine Werke erzählen oft von der einer bizzaren Verwandlung Saudi-Arabiens von einem Wüstenstaat zu einer Ölmonarchie. Oft nicht im legalen Schein der Lampe namens: Weltpolitik.

Er selbst beschrieb wie eine Person am Tisch saß. Abends, allein und in völliger Dunkelheit. Mit dem jüngsten Sohn seines Bruders. Dann plötzlich klopften Polizisten der Regierung an und was danach folgte waren mit harten Worten gezeichnete Realität. Sie wollten ihn mitnehmen, er selbst hatte es geahnt, blieb völlig ruhig, fast schon zu gefasst. Er wollte ohne Widerstand gehen, doch die Familie seines Bruders hatte etwas ganz anderes im Sinne. Vor dem Zuhörer breitete sich nun ein Horrorszenario aus. Die älteren Geschwister kamen, die jüngeren Nachbarskinder, die Ehefrau und die Geliebte des größten Bruders und sie alle wollten nicht, dass er nicht geht. Versuchten die Wachen zu bestechen und die Geliebte des Bruders fing sich sogar an zu prügeln. Aber es half nichts, gegen Ende blieb nur die zerrüttete, aufgeschreckte Familie. Allein im Dunkeln. Der Onkel wurde zu einem Ort geleitet, an dem er nichts als sich selbst brauchen würde und dass für eine sehr lange Zeit…

Nach diesen Zeilen herrschte betrete Stille, die zwar schon die ganze Zeit geherrscht hatte nun aber noch dicker und bedrückender geworden war.

Der Text von Fadhil al-Azzawi, war soweit ich mich erinnern kann, ebenfalls ein Gedicht. Es beschrieb knapp aber sehr poetisch, den langsamen Zerfall unter dem Dauerregen der Bombardierung. Der Tarum des lyrischen Ichs? Eine Nacht ohne die kreischenden Zvilipersonen oder Erschütterungen des Erdbodens.

Der Autor selbst trat mit 18 Jahren in eine Kommunistische Partei ein, um sie anschließend nach 4 Jahren sie wieder zu verlassen. Danach studiert er wie Abd ar-Rahman Munif an der Universität von Bagdad. Allerdings keine Rechtswissenschaften sondern englische Literatur. Später wanderte in die DDR nach Leipzig aus und arbeiete dort als Auslandskorrespondent. Einige Jahre danach promovierte er im Fach Journalistik und übersetzte Robert Musilis Der Mann ohne Eigenschaften ins Arabische. Er gilt bis heute als einer der bedeutensten lebenden arabischen Autoren.

Ich hoffe Deutschland bleibt so wie es ist, denn eigentlich führen wir hier eine Art Lotter-Leben.

 

 

 

 

 

Israelische Comicszene…

Die Folgende Vorlesung behandelte den Messeschwerpunkt: Das 50- jährige deutsch-israelische, diplomatische Jubiläum. Zur Feier des Datums reisten rund 40 israelische Autoren nach Deutschland zu jeweils 74 Lesungen und präsentierten ihrem Publikum die unterschiedlichen Facetten der israelischen Literaturwelt. Da ich nun gerade die Themen: NS Zeit, Nahostkonflikt und die Rolle Deutschlands bzw. Israels über Jahre hinweg (gut, solange ist es auch wieder nicht) diskutiert und besprechen musste, interessierte mich der Vortrag erheblich mehr als der European Cosplay Wettbewerb. Projekt Horizont erweitern ging also in die zweite Runde… Die Hoffnung, dass es einen Übersetzer geben würde, bestätigte sich erfreulicherweise ebenso und den gut 60 Minuten Gesprächszeit mit Merav Salomon stand nichts mehr im Wege.

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Fantasy hat viele Seiten

Mein erster besuchter Vortrag auf der Leipziger Buchmesse, der davor wurde nämlich aufgrund irgendwelcher undurchsichtigen Gründe gekänzelt. Diese Vorlesung hatte ich mir ausgesucht, weil ich für mich persönlich das Genre Fantasy wieder zurecht rucken wollte. Das sah eine Zeit lang nicht wirklich gut aus. Während der Vorlesung habe ich nun tatsächlich wieder neue Hoffnungen und mehr Erkenntnisse dazu gewonnen. Herr Hohlbein hatte mir dazu den Anstoß dazu gegeben, denn er mag den Begriff Fantasy ebenfalls nicht. Fantasy impliziert für mich schon den Begriff eines Genre, das man nicht ernst nehmen kann. Fantasy ist doch etwas für kleine Sensibelchen, die gerade heranwachsen und auf ihre süßen Märchenwelten stehen. Das ist natürlich völlig in Ordnung, aber als junger Erwachsener oder auch Erwachsener will man damit nicht unbedingt sofort in Verbindung stehen, da das Genre durchaus mehr bieten und sehr ernst sein kann. Deshalb ist der Begriff Fantasy, meines Erachtens, mittlerweile völlig überholt. Das Genre würde laut Herrn Hohlbein viel besser Fantastik lauten. Und ich gebe ihm recht. Ich persönlich komme mit dem Begriff Fantastik besser klar, es trägt den Pudels Kern des Genres, die Fiktion an sich, viel besser. Weiteres Beispiel: Die Schublade Science-Fiction. Nur weil ein Roboter im Buch vorkommt, ist es automatisch Science-Fiktion. Eben nicht! Also erneuter Vorsatz fürs Neue Jahr: Schubladendenken abschaffen!

Nach dieser kleinen Einleitung durften dann die Zuhörer, also wir und die Reporterin Fragen stellen…

 An Herrn Hohlbein: Ob man nicht den Überblick verlöre, über die ganze Handlung oder die Geschichten oder Formulierungen

Er meine er hoffe nicht, dass sich seine Handlungen wiederholen, sicher die eine oder andere Formulierung aber generell sei es ihm noch nicht untergekommen. Das sei aber nicht seine Hauptangst. Seine größtes Problem sei, dass er zu viele Geschichten erzählen möchte. Er müsse sich ständig zusammenreißen um sich auf den Hauptplot konzentrieren zu können.

An Herrn Hohlbein: Was der Sinn des Endes von Infinity sei

Es sei der erste Teil, mit dem zweiten würde alles schlüssiger. Der Sinn hinterem Titel, könne er aber auch nicht erklären, da sich der Verlag diesen ausgedacht hätte. Für ihn selbst bliebe es immer: Der Turm

Was die Gründe für Lisowskys literarischen Anfänge in der Fantastik seien, und ob ihn Hohlbein nicht dazu inspiriert hätte

Hohlbein hätte ihn inspiriert, denn er sei mit den Büchern aufgewachsen. Er habe Hohlbein noch vor Tolkien etc. gelesen. Das erste Buch was er damals gelesen hätte war Jurassic Park gewesen, und in seinen Gedanken hätten sich die Dinosaurier in Drachen verwandelt. Er liebe die Bücher: Die Töchter der Drachen und die Enwor Saga.

Weshalb Lisowsky in seiner neusten Reihe einen Halboger, Schurken und eine Zauberin als Protagonisten gewählt hätte

Er wollte etwas Conan-der-Barbar-artiges schaffen, nur etwas aktualisierter. Die Helden sollten auch greifbarer sein, deshalb der Schurke. Und die Zauberin ergänze die Nichtintelligenz des Schurken hervorragend. Abgerundet würde dies noch durch den Halboger.

Wie Herr Hohlbein die Entwicklung des digitalen Zeitalters sähe/ fände

Hohlbein: Er hoffe nicht, dass alles bald nur noch über Facebook liefe (Er sei selber nicht auf Facebook). Er verstehe aber vollkommen, dass dieser elektronische Briefwechsel sehr viel angenehmes bieten würde, wenn man verantwortungsvoll damit umgehe. Er möge neue Technik, fände aber man bräuchte einen Ausgleich.

Niedlich: Er meine, es würde alles etwas übertrieben und schwarz gemalt. Vieles würde sicherlich mehr werden, vor allem die sozialen Netzwerke und die damit einhergehende Überwachung, aber das sei eben unsere Zeit.

Lisowsky: Er selbst habe einen Kurz-Trip nach Dänemark mit einem entfernten Kumpel unternommen und nur aufgrund dessen, dass dieser Kumpel eine Wohnung in Berlin suchte und er ihn damals über Facebook gefragt hatte. Lisowksy wollte ihm ein Zimmer anbieten. Und Schwups seien die zwei in Dänemark gewesen.

Wenn sie die Gelegenheit dazu hätten, was sie den Tod fragen würden

Niedlich: Warum er denn immer ein Strike würfe und warum er damit nichtmal aufhören könne. Und weshalb er seinem Vater nicht noch etwas mehr Zeit hätte geben können oder auch Terry Pratchett oder auch die Famous Last Words mancher berühmten Menschen.

Lisowsky: Irgendetwas was der Tod nur wissen könne. Doch was der Tod genau sei oder was nach dem Leben komme, wolle er gar nicht so genau wissen.

Hohlbein: Er würde sich Dante (den Schurken) schnappen, damit er den Tod betrüge.

Ob sie von Anfang an ein Bild ihrer fantastische Welt hätten, bevor sie anfangen zu schreiben oder ob sie die Welt mir ihren Helden zusammen entdecken würden 

Hohlbein: Er habe einen ungefähren Plan wie: Wüste und in der Wüste stehe eine Burg, aber mehr Informationen möchte er gar nicht haben.

Lisowsky: Hätte gerne den perfekten Plan, aber das währe ihm manchmal auch zu langweilig.

Ob Herr Hohlbein noch genau wisse wann und wo er seine Bücher geschrieben hätte

Nicht bei allen nur manchen. Allerdings habe er eine Wette am laufen mit seinem Verleger, die besagt dass wenn sein Verleger ihm zwei Seiten aus seinen Büchern vorlese, er selbst den Titel genau nennen könne. Bis jetzt habe er die Wette immer gewonnen. Mit einem Satz würde es allerdings nicht klappen…

An Herrn Niedlich: Ob ein zweiter Teil vom Tod geplant sei

Eigentlich nicht, aber er denke er würde gerne einen zweiten Teil schreiben. Er wisse bloß noch nicht wann. Es würde auf jeden Fall dauern.

Wo sie am liebsten schreiben würden:

Hohlbein: Er liebe Leben, er bräuchte Leben. Wenn er zu Hause schriebe, dann immer am großen Esstisch in der Küche. Oder falls er im Urlaub befände, an der Strandbar. Er habe auch ab und zu den Fernseher laufen, um Hintergrundgeräusche zu haben.

Niedlich: Er schriebe gerne zu Hause, da er dort nicht wirklich abgelegt werden könne, außer vom Internet was manchmal auch zu viel sei. In Cafés könne er sich allerdings gar nicht konzentrieren. Er ließe aber auch, wie Herr Hohlbein mal den Fernseher oder eine DVD nebenher  laufen.

Lisowsky: Er schriebe morgens immer eine Stunde. Gerne auch im Bed auf seinem Laptop. Er bräuchte völlige Stille, außer beim Ideen sammeln.

Wie Hohlbein auf seine Hexen- Reihe gekommen sei

Er war im Verlag, und es lag das Titelbild des erstens Bandes auf einem Tisch aus, nur war dieses Cover noch nicht vergeben und so hätte sich Holbein dazu entschieden eine Geschichte zum Titelbild zu erschaffen. Eigentlich sollte es gar keine Serie werden, doch auf Seite 934 hätte er sich dann anders entschieden.

Wie sie die Zukunft der Bibliotheken und des gedruckten Buches sähen

Hohlbein: Er glaube nicht, dass das E-Book das Buch ablösen in naher Zukunft ablösen würde. Er sähe es eher als eine Art Ergänzung für Reisende oder Forscher. Er  liebe es aber noch gedruckte Hardcover zu kaufen. Man kaufe aber auch die Geschichte nicht die Druckerschwärze. Weniger Bibliotheken könnte es geben, aber die großen Sammlungen würden definitiv weiter bestehen.

Niedlich: Er sähe es eher praktisch, er bliebe seinen Büchern aber weiterhin treu.Er vermute, dass es Bibliotheken weiter geben würde.

Lisowsky: Er meine, dass Medien höchstens nur noch spezialisiert würden und nicht mehr vollständig abgelöst. Er möge seine Stammbibliotheken und hoffe, dass es sie weiter geben wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorabend der Reise

Nun gut der Vorabend der Reise liegt mittlerweile über eine Woche zurück, aber ich kam einfach noch nicht dazu darüber zu schreiben und ohne Vorwort geht meine LBM Strecke garantiert nicht in die Öffentlichkeit.

Also war der Donnerstag relativ entspannt, da wir am nächsten Tag erst um 14.00Uhr losfahren würden. Mit der DB, mal sehen welches Abenteuer uns dort bevorstand (Achtung Spoiler: Die Bahnfahrt war absolut langweilig). Am Abend davor musste noch einmal ganz genau das Programm der Vorlesungen kontrolliert werden: Signierstunden, Writers in Prison (Vorlesung), und auch Interviews mit einer chinesischen Autorin und mit Wolfang Hohlbein durften nicht fehlen. Auf keinen Fall. Zudem musste wiederholt geprüft werden, wann die Cosplay-Wetterwerbe statt finden würden. Ich stellte fest, die Zeiten waren ausgeblendet worden und erst nach einer halbstündigen Jagd durch die Tiefen des Internets bekam ich meine Zeiten, mit der Computermaus aufgespiest. Auf der selben Website… ärgerlich. Die nächste unliebsame Überraschung war, dass ich die Hälfte meiner Vorträge verpassen würde, wenn ich zu den Wettbewerben gehen würde. Ein Schock, also wurde kurz umdisponiert. Die Wettbewerbe konnte warten. Warum nicht einfach nur die Preisverleihung ansehen? Die Besten, der Besten fotografieren und dann ab nach Hause. Mehr brauchte ich nicht. Das schlimmste Ergebnis, was ich aber noch Lesen musste war, dass am Freitag den 13, um 14.00 Uhr ein Doctor Who Cosplaywettbwereb statt finden würde. Für mich als Whovian eine Katastrophe, da ich um diese Zeit erst im Zug war. Der bittere Vorgeschmack meldete sich.

Aufgrund der vielen Entscheidungen und von der Jagd komplett erschöpft, hüpfte ich relativ früh ins Bett um am Folgetag fit wie eine Frühlingssprosse aus dem Bett zu springen. Klappte sogar fast. Die Zeit bis 14.00Uhr zog sich schier endlos hin und ich langweilte mich tierisch. Hausaufgaben waren erledigt, Sportprogramm absolviert, das Buch wollte ich mir für den Zug aufsparen und der Koffer war schon am Vortag fertig gepackt worden. Was ich allerdings noch nicht getan hatte, war nach Orten für die Nahrungsaufnahme zu schauen. Böser Fehler. Nahrungsaufnahme sollte nach einem anstrengend Messetag definitiv auf Platz 1 der To-Do Listen stehen und zwar gutes Essen. Nach einiger Zeit war ich fündig geworden und hatte drei Möglichkeiten gefunden, die alle in unserer Nähe lagen und dessen Speisekarte mir zumindest mit mindestens einem Gericht sehr zusagten.

Dann plötzlich war es schon 13.00Uhr und mein Mitbewohner wollte unbedingt schon zum Bahnhof, nur damit wir einen Sicherheitspuffer hätten. Falls irgendetwas passieren würde. Da wir auch so weit laufen mussten, nicht. Kurz um wir standen Pünktlich um 13.15 in der Bahnhofsvorhalle und stellen fest, dass wir viel zu früh dran waren. Aber wozu gibt es denn den großartigen Zeitschriften/Bücherladen mit dem daneben liegenden Fast-Fruit-Laden, dessen Angebot von Fruchtsäften bis hin zu leckeren Müslibechern alles führt. Natürlich wieder völlig überteuert, aber man gönnt sich sonst nichts. Den McDoof übersah ich wie jedes Mal ohne schlechtes Gewissen. Langsam mischte sich neben die schon vorprogrammierte, allbekannte Reisegespanntheit auch Bedenken ein. Würde alles gut gehen? Wie würde unsere Schlafmöglichkeit aussehen? Bestände die Möglichkeit, dass die Vorlesungen dieses Jahr wieder so mittelmäßig würden? Letztes Mal hatte ich den Eindruck, dass manche Autoren alles können nur nicht schreiben, was definitiv nicht ins Berufsbild passt. Und die größte Sorge, wie groß würde der Andrang in der Halle 1 sein, der Halle für Comics, Mangas und Cosplays… (Hier schonmal ein Pre-Wettbewerb)?  Spätestens als der Zug auf Gleis 4 einfuhr blieb keine Zeit mehr zu überlegen, die Koffer mussten reingewuchtet werden und anschließend schmiss ich mich auf unsere Plätze wie der wilde Watz. Der Hauptbahnhof nahte und in das Gedrängel wollte ich nicht geraten.

Und als sich dann die Türen schlossen, der Hauptbahnhof und die geliebte Heimatstadt hinter uns zurück blieben, hieß es dann: Leipziger Buchmesse, ich komme!

Die Bahnfahrt muss ich wirklich nicht näher beschreiben. Außer Lesen, Langweilen, Musik hören und etwas im Netz surfen wurde nichts gegeben. Selbst die nervigen Businessmänner, die mit ihren Headsets oder Pipern ständig zwischen der Buchhaltung und der Manufaktur oder dem Kunden hin und her schalteten, konnten es nicht heraus reißen. Wobei sie das nie können!

Die Ankunft war dagegen schon spannender. Keine Verspätung, aber mit einem riesen Hunger wurden wir in Leipzig ausgespuckt.

Schönste Bahnhofshalle, die ich jemals betrachten durfte

Schönste Bahnhofshalle, die ich jemals betrachten durfte

Nach ein paar Minuten Diskutiererei und Einnordnung mit Hilfe der Navi-App auf dem allseits so geliebten Mobiltelefon, ging es dann hinaus in die abendliche Kälte Richtung Nahrungsaufnahmestation. Gefunden wurde sie in einem kleinen Gässchen im hinteren Teil einer Einkaufspassage, deren Wert wir erst später schätzen lernen sollten. Ein kurzer Blick auf die Speisekarte und schon bekam ich ein noch nicht blinkendes UFO in die Hand gedrückt, welches leuchten sollte wenn das Essen fertig war und wie es leuchtete, es blinkte wie ein Leuchtfeuerwerk. Zudem vibrierte es so stark, dass es mir fast vom Tisch viel.. Zumindest war das Essen fertig. Et voilà:

Gemüse und Tofu

Gemüse und Tofu

Der Lauch war noch etwas fest, und die Soße war garantiert aus der Tüte, aber im Gegensatz zum überteuerten Bahnessen ein voller Genuss. Nach dem „üppigen“ Abendmahl ging es weiter auf Hostelsuche. Mit Hilfe der Ortungssatelliten ging dies, wie schon die Suche nach der Nahrungsaufnahme, relativ schnell. Wobei wir noch an einem kleinen Kino und einem Supermarkt halt machten. Allerdings viel das Kinoprogramm an diesem Abend eher Mau aus, so dass wir an der Rezeption gleich nach einem Veranstaltungskalender fragten und prompt einen bekamen. Plus die dazu gehörigen Anweisungen: Frühstück von 7.00-10.00Uhr, Küchennutzung im 1. Stock von 11.00- 22.00Uhr, W-Lan Zugang kostenlos. Der Teenager war glücklich und der Mitbewohner froh endlich sein Gepäck abladen zu dürfen. So bezogen wir unser Zimmer im zweiten Stock am Ende des Flures. So einen langen Hotelflur habe ich noch nie gesehen. Aber in Anbetracht dessen, dass  hieß weder Fahrstuhl noch Treppe in der Nähe. Wenn ich eingeschlafen wäre, hätte ich sicherlich super geschlafen.

Meine Schlaflosigkeit lag aber nicht an der noch zuvor besuchten Lesung im Central Kabarett von Herrn Uwe Simon-Netto, der aus seiner Autobiographie vorlas: Griewatsch. Mein Leipzig. Mein Leben, sondern an der immer größer werdenden Aufregung auf den Folgetag. Irgendwann musste ich wohl doch eingeschlafen sein, denn pünktlich um 6.30 weckte uns das Tetrisgedudel meines Telefons und ich schlüpfte verschlafen ins Cosplaybasicoutfit. Schminken und das andere Brimborium würden später kommen…

Tipp: Unser Hostel war wirklich gut. 200 Meter vom Stadtkern entfernt und sehr sauber und ordentlich. Etwas spartanisch, was aber nicht im geringsten störte. Der einzige Haken war vielleicht das Frühstück. Käse und Wurst gab es in Hülle und Fülle, ebenso wie Kaffe, heißes Wasser und Instant Kakao ebenso wie zwei verschiedene Cerealiensorten mit Milch (nicht Laktose frei). Auch wurden kleine Kuchenschnittchen angeboten. Nur wer gerne zum Frühstück Gemüse oder Obst isst war hier falsch, es sei denn ihr begnügt euch mit etwas Gurke, Tomate und Äpfeln. Die Yoghurts gabt es in 75g Packungen mit Beeren oder Maracuja und gezuckert. Hielt uns aber trotzdem nicht davon ab zu Frühstücken. Ihr merkt, der Supermarkt rief…