Klick, Klick Blitzgewitter

Vorletzte Woche kam mein Albtraum uns besuchen, mein persönlicher Paparazzo… Halt! Nicht nur mein persönlicher Albtraum, sondern auch der vieler anderer Schüler! Ich meine ich bin kein Teenager der eine Stunde im Bad braucht, ich brauche definitiv nur ein drittel der Zeit, und ich bin auch keiner dieser Teenager der alle fünf Minuten panisch auf die Toilette rennt um sein Make-Up neu aufzulegen, oder sich alle drei Sekunden die Haare kämmt, nützt bei meinen Haaren ohnehin nichts. Trotz allem Nichtseins sind Schulphotographen für mich der Tag Alptraum. Jedes zweite Jahr aufs Neue, und dieses Jahr war es wieder soweit. Wie schön. Die Reaktionen auf den angekündigten Termin waren ungefähr so klicheehaft, dass sich jeder High School Musical Psychoanalytiker darüber gefreut hätte. Es war alles vertreten: wildes Gekreische, genervtes Augenrollen bis hin zu missbilligendem Grunzen. Ich war schon froh, dass der Termin nicht auf einen  Montag den 13 gelegt worden war. Es war Dienstag. Datum: Vergessen. Kurz um, sofort machten sich ungefähr ein Viertel der Klasse daran die Ultimative Shoppinglist zu entwerfen, der weibliche Masterplan sozusagen. Schminkuntensilien, Klamotten, Friseurtermin und es musste auch Zeit eingeplant werden fürs Posen üben. Der Kommentar von der anderen Seite, dass es nur ein Schulfoto sei und es sich nicht um die Final Runde der überhypten Modelcastingshow war, wurde mit strafenden Blicken geächtet. Was die lieben Modeengel übers Planen vergessen hatten, wir hatten noch Unterricht. Die Lehrerin war mittlerweile nicht mehr Sommerbraun sondern Bordeauxrot und naher der Explosion…

Am Montag dann saßen die Fashion Victims weniger aufgeregt im Unterricht. Angenehm daute ich, bis euch jetzt auffällt warum dort Montag steht und nicht Dienstag. Ich sag nur: Wartets ab.

Denn wer kam mitten im Unterricht herein, richtig ein Mann mit einem Gerät das verdächtig nach einer Spiegelreflexkamera aussah. Obacht war geboten! In der Mitte links, fing jemand an zu knurren. Der Photograph ließ sich nichts anmerken. Er war der perfekte Schauspieler mit einem klinischen, fröhlichem Lächeln trällerte er ein „Guten Morgen“ in den Raum. Die Klasse schwieg. (Ich saß grinsend hinten in der Ecke) Der Photograph merkte anscheinend, dass die meisten noch in Schockstarre keinen Ton heraus brachten. Vorsichtig setzte er an: „Ich soll Fotos machen“. Die Klasse antwortete einstimmig: „Morgen“. Der Eindringling antwortete: „Nein, heute.“

Klasse: „Morgen.“

Photograph: „Nein, ich soll heute von euch Fotos machen.“

Klasse: „Nein, morgen“

Photograph: „Die Fotos fürs Jahrbuch muss ich heute machen. Morgen kommt mein werter Kollege für die einzel Fotos.“

Klasse: „Heute?“

Photopgraph: „Ja heute, und morgen.“

Das Folgende Phänomen kann man mit dem Erlebnis eines Spaceshuttle starts vergleichen. Man selbst sieht dass die Rakete startet, man sieht diese riesigen Wolken aus den Triebwerken hervorquellen, aber man hört nichts. Noch nicht! Denn genau 10 Sekunden später, wird man von einer Druckwelle inklusive einer Geräuschkulisse getroffen, die selbst noch Schwerhörige ohne Probleme hören können. Unsere Lehrerin war mittlerweile ein paar Schattierungen blasser geworden, der Fotograph zuckte mit keiner Wimper, kramten manche Mädchen alle möglichen Schminkutensilien heraus um den Weltrekord im Schnell- Schminke-Auffrischen zu brechen. Nach gut fünf Minuten durfte der Fotograph die Bilder schießen, aber mindestens 10 stück, wovon alle natürlich sofort begutachtet werden mussten. Ich beobachtete die Szene mit Erstaunen, die Jungs hinter mir ebenso, sie hatten zwar kein Schminkzeug dafür übergroße Kapuzen, damit machten sie selbst dem Sithlord und jedem Assassinen Konkurrenz. Dummerweise lag mein Sweatshirt zu hause, aber wozu besitzt man eine peruanische Bommbelmütze mit Monsterfratze? Tief ins Gesicht gezogen und schon ist fotophobische Jugendliche Inkognito! Als wäre der Überraschungsangriff noch nicht genug gewesen, verfolgte uns dieser Jäger mit dem Blitzgewitter; den ganzen Tag lang. Irgendwann machten wir uns einen spaß daraus entweder Foto bombing zu betreiben oder so fiese Grimassen zu schneiden, dass wir unmöglich ausgewählt werden können, falls doch könnten wir auf Schadensersatz klagen. Wie auch immer nach endgültigen 3 Stunden Fotobombingspaß wurden wir endlich in Ruhe gelassen.

Nun wäre unsere Klasse nicht unser Klasse, wenn sie diese Heimzahlung vom Schicksal so einfach einstecken würde. Warum morgen nicht komplett ausrasten? Die Meinungen gingen vom Hippe-Kostüm bis hin zu Haare einfärben. Haare einfärben fand ich eigentlich ganz cool, wollte schon immer mal blaue Haare haben. Aber Blau war dann den Mädchen doch zu radikal, mein Vorschlag zur Kriegsbemalung à la KISS wurde geschockt und mit entsetztem Kopfschütteln kommentiert. Spaßverderber… Letztendlich hatte das Schicksal doch gewonnen, denn wir konnten uns auf keine Idee einigen. Wie hieß es nochmal in Rocky immer so schön? „Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du ein stecken kannst!“ In diesem Fall würden es doch katastrophale Jahresbuchportraits werden. Immerhin wohne ich nicht in der Nation der unbegrenzten Möglichkeiten, was in Anbetracht dessen dass es gesetzlich verboten ist als Frau in Arizona Hosen zu tragen oder man eine fette Bestrafung riskiert wenn man sich auf Hawaii in der Öffentlichkeit in Badehose zeigt gar nicht mehr so unbegrenzt erscheint.Aber zurück zum Thema. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, am Morgen des Schreckens.

Ein Viertel der Klasse kam zu spät, viele sogar gar nicht oder wenn doch, total übermüdet. Herr der Augenringe lässt grüßen. Doch der Fotograf war gnadenlos. 10 Sekunden nachdem letzten Eintreffen des letzten Zombies folgte das allseits beliebte Gruppenfoto. Die groß Gewachsenen nach hinten, die Kleineren nach vorne, die durchschnittlich Großen durften sich hinsetzen. Die ganz „Kleinen“ konnten sich… nach einer langen Protestaktion mit zu den Mittelgroßen an den Rand stellen. Ein kleiner Triumph gegen das böse Monster mit dem Blitzeding. Mehrmaliges Blitzgewitter folgte auf dessen Fuße(die 5000 Wattlampen haben anscheinend noch nicht gereicht). Nun standen die Einzelfotos auf der Folterliste. Aber davor erhielt jeder Schüler einen Bustaben/Zahlencode. (Bloß keine persönliche Bindungen zu den Sträflingen aufbauen, sonst könnte es noch emotionale/ethnische Probleme geben) Es wurde damit begründet, dass der Herr Künstler schon lange die eingeplante Zeit überschritten habe. Jedenfalls wurde durch sein algebraisches System wurde der Vorgang des Abknipsens nicht beschleunigt sondern verlangsamt. Denn ein Gesetz beugt sich nicht, auch wenn es in die Zwickmühle der schönen Algebra Gerät: Schüler können sich vor neun Uhr morgens nichts merken. Dies bedeutete: genervtes Schnaufen vom Fotographen, maulende Teeanger und einen sich-halb-tot-grinsender Klassenlehrer, der sich freute dass nicht nur er in den Genuss des Problem der ständigen Ähhhms und Achsos und Hab ich vergessens kam. Letztendlich klappte es doch, irgendwie, sogar halbwegs in der richtigen Reihenfolge. Die Ratschläge zur photogenität fotographenseits wurden strikt ignoriert. Allerdings beugten sich dafür alle dem Vorsatz „Nur ein Foto“. Das Foto beinhaltet auch geschlossene Augen, merkwürdige Grimassen (weil man in dem moment niesen musste) oder auch dank luftfeutigkeit zu berge stehende haare. Schließlich war ich dran, also auf den schwarzen Lederhocker gesetzt und… Verdammt war das Licht hell! Ich hätte schwören können, dass ich angefangen habe zu glitzern! Es war heller als die Sonne, und gefühlte 10 Mal heißer. 5000 Watt am morgen, bringen zwar keinen Kummer und Sorgen dafür aber eine Bindehaut Entzündung aller erster Güte. Meine schwarze, sehr sorgsam ausgewählte Kleidung verstärkte die Wirkungs des Kuschelkaribikfeelings. Bevor ich mich überhaupt in dieser Supernova aus Licht orientiert hatte ging es schon weiter. Ich sah nur noch weiß, weiß und nocheinmal weiß und dann lauter blinkende, tanzende Pünktchen vor meinen Augen. Eine Stimme ertönte: Fertig! Und ich wurde vom Hocker gezerrt. Warum ein Fotograph, der nur ein Foto machen möchte dreimal blitzt und sein Licht so verdammt schlecht stellt, nicht gefeuert wird frage ich mich heute noch. Genauso frage ich mich, warum Schulfotographen nie dazu lernen, nach einigen Jahren müssten sie doch Wissen wie Teenager ticken.

Und jetzt weiß die ganze Welt warum ich mich von diesen Objekten mit den Objektiven chronisch fern halte!

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