Rolemodel

„Realistische“ Männer in Filmen

Hallueluja, die Serie findet ihre gebürtige Fortsetzung. Hat eine Weile gedauert, jedoch viel es mir tatsächlich noch schwerer realistische Männer in Filmen zu finden als die Frauen. Meine Güte… Auch hier sind es nur fikitionale Charaktere, ansonsten hätte ich es mir doch zu leicht gemacht. Deshalb geniest einfach das Ergebnis und sagt bescheid, wenn euch noch andere Charaktere einfallen.

 

Lee Chandler- Manchester by the Sea

Lee ist nicht gerade einer der freundlichsten Menschen unter der Sonne, schon gar nicht wenn er abends auf seine regelmäßigen Kneipentouren geht. Seine Laune verbessert sich erst recht nicht, als er erfährt, dass sein Bruder Joe letztendlich an seinem Herzleiden gestorben ist. Schließlich offenbart der Anwalt sowohl Lee als auch Joes Sohn Patrick, dass Lee nun auch noch der Erziehungsberechtigte von Patrick werden soll. Beide sind davon eher weniger angetan, um nicht zu sagen entsetzt. Lee hat weder Lust nach Manchester-by-the-Sea zurück zu ziehen, noch will Patrick aus seiner Heimat weg. Wie nun das Dilemma lösen? Da wird der Film so hervorragend, denn er zeigt wie es ist, wenn Mann ob jung oder alt oder Frau vor vollendeten Tatsachen steht. Keiner der beiden hat eine Antwort darauf. Nicht nur auf die Ortsfrage, sondern irgendwie auf alles was die beiden plötzlich miteinander verbindet. Besonders Lee muss sich nun mit der Frage auseinandersetzen, wie er auf Leute wirkt, was ihm wichtig ist und wie junge Menschen überhaupt funktionieren und was aus deren Sicht Leben überhaupt bedeutet. Da ist es kein Wunder, dass der Zuschauer auch irgendwann erfährt, weshalb Lee Chandler eigentlich so unausstehlich ist und weshalb er auf keinen fall in Manchester bleiben möchte. Je mehr Zeit vergeht, desto besser kommen Patrick und Lee miteinander klar. Fragen werden zu Antworten und Lösungen finden sich auf allen Gebieten. Aber nur, weil beide nicht lockerlassen, Kommunikation und sich auseinander zu setzen mit dem Miteinander sowie der Umwelt und sich selbst ist unheimlich wichtig. Egal wie alt man ist.

 

Jackie Elliot- I will dance

So weit ist es nun schon, die Nebenfiguren werden herangezogen, jetzt aber mal im Ernst. Der Vater von Billy könnte für jedes Elternteil stehen, welches mit dem Umstand konfrontiert wird, dass das eigene Kind einen Traum verfolgt, der den eigenen Vorstellungen nicht wirklich entspricht… Viel mehr alleine die Idee, dass dies das eigene Kind tatsächlich wagen könnte den Eltern, jeweils eine Gänsehaut beschert. Sei es, weil dieser Traum viel zu gefährlich oder die Wahrscheinlichkeit einfach so unfassbar gering ist, dass es mit der Traumerfüllung klapp, dass man als Elternteil seinem Kind davon gleich abraten möchte bevor es die harte Erfahrung selbst machen muss.

Wie gesagt hier das Beispiel von Jackie Elliot. Er ist nordenglischer Kohlarbeiter in den 80er Jahren, verwitwet und gemessen an seinem Alter hat er mindestens den zweiten Weltkrieg miterlebt. Es klingt böse, aber die Voraussetzung für einen liberalen Geist, welcher frei von Vorurteilen ist sehen anders aus. Das Einzige was dieser Mann vermutlich erfahren hat in seinem Leben ist, harte, rohe, körperlich anstrengende Arbeit. Da ist es zumindest nachvollziehbar weshalb er die Liebe seines Sohnes zum Ballett erst einmal vollständig verdrängt und sie nicht wahrhaben will. Schließlich müssen Männer besonders „männlich“ sein, was sie nur beim Boxunterricht lernen. Hart, roh und möglich unzerstörbar. Zum Glück hat Billy gewisse Hilfen, weshalb sich der Vater irgendwann erbarmt und der Liebe seines Sohnes eine Chance gibt.

Sobald sich Jackie auf seinen Sohn einlässt, viel mehr noch das Talent seines Sohnes erkennt fängt er an sich dafür einzusetzen. Von dort an versucht er alles um seinen Sohn zu unterstützen. Er wird sogar zum Streikbrecher während des Kohlarbeiterstreiks und zieht damit den gesamten Zorn seiner Kollegen auf sich, nur um das Geld für seinen Sohn zusammen zu kratzen.

 

Sherlock Holmes- Mr. Holmes

Ist die Romanfigur dagegen völlig überhypet macht dieser Film vieles richtig, es braucht nur eine Weile bis man dies erkennt. Denn ein typisch schnellgeschnittener Aktionstreifen ist dies auf keinen Fall. Diese Geschichte ist soviel mehr, denn sie erzählt vom Älterwerden. Dem Älterwerden des berühmten Sherlock Holmes und das damit einhergehende schlechter werdende Gedächtnis. Richtig, Holmes leidet bereits jetzt schon unter dem Anfangsstadium der Demenz. Für jeden normalen Menschen tragisch, jedoch leider immer noch recht normal. Nur nicht für Sherlock Holmes, und das Ganze wird auch nicht besser als er in seinen „letzten“ Fall hineinrutscht und erst dort wirklich bemerkt und wahrhaben muss, dass er seine Denkarbeit von früher so nicht mehr leisten kann. Für ein Genie ein Graus. Gerade wenn der ehemalige Kollege Watson einen seiner Fälle im Übermaß fiktionalisiert. So sucht Holmes nach einer Lösung für seinen Verlust seine grauen Zellen und findet sie augenscheinlich im Gelee Royale der Bienen. Während er sich der Bienenzucht widmet nähert er sich dem Sohn der Haushälterin immer mehr an und beide entwickeln eine tiefe Freundschaft. Weshalb es Roger langsam gelingt Holmes Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Dieser wusste er musste an Watsons geschildertem Fall gescheitert, sein. Nur was war geschehen? In diesem Film lernt der alte Sherlock, was es wirklich heißt sich um jemanden zu kümmern, weil man ihn liebt. Die Intelligenzbestie des Jahrhunderts erfährt was es heißt Verantwortung zu übernehmen, sich schuldig zu fühlen und letztendlich zu sehen, dass es wichtigere Dinge gibt als das Genie zu sein. Denn eine Familie zu haben und auch mal sein zu dürfen ohne alles zu zerdenken ist ebenfalls etwas Wundervolles.

 

Nazaret Manoogian- The Cut

Seine Töchter habe ich bereits in diesem Beitrag erwähnt, jedoch hat ihr Vater eine ebenso große Berechtigung erwähnt zu werden. Als christlicher Armenier gerät Nazaret unter das gnadenlose Rad des Völkermordes seitens der Osmanen an den Armenier. Unfähig irgendwie zu helfen, wird Nazaret entführt, muss ansehen wie seine Freunde und Verwandten ermordet werden und er selbst überlebt nur durch ein gewisses Wunder, verliert dabei aber seine Fähigkeit zu sprechen.

Von dort an immer auf der Flucht erfährt er irgendwann, dass seine beiden Töchter überlebt haben und fliehen konnten. Er besitzt keinerlei Gewissheit ob es sich dabei nicht nur um ein Gerücht handeln könnte, noch hat er Geld. Er schlägt sich durch, immer mit der Angst als Armenier enttarnt zu werden und erlebt dabei ungeheuerliches. Er wird verraten, erniedrigt, sieht allerhand blutiges sowie verstörendes und gibt dennoch die Hoffnung nie auf, eines Tages seine beiden Töchter wieder in die Arme schließen zu können. Wenn dies keine Vaterliebe ist, weiß ich es auch nicht.

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Starke Frauen in Filmen

Da die letze Ausgabe schon ein wenig her ist und zwar gefühlt sehr sehr lange her, gibt es hier nun gehörigen Nachschub. Ich habe nichts unversucht gelassen, um mal wieder an ein paar Perlen zu gelangen. Vielleicht kennt der ein oder andere unter euch meine Paradebeispiele, (da sie wie der Polarstern am Firmament funkeln) vielleicht auch nicht (kann ja nicht jeder ein Alpha Ursae Minoris sein). Allerdings muss ich auch noch erwähnen, dass ich mich wirklich bemüht habe die weiblichen Charaktere aus reinen Drehbüchern zu entnehmen. Keine Roman, Comic, Videospielvorlage.  Falls mir trotzdem eine Romanverfilmung dazwischen gerutscht sein sollte, tut es mir Leid. Wobei eigentlich tut es mir nicht leid, denn jeder macht mal Fehler. Vergesst einfach was ich gesagt habe. Statt dessen widmen wir uns noch kurz drei Frauen, welche ich nicht unerwähnt lassen möchte: Kate Fitzgeralt (Beim Leben meiner Schwester), die Protagonistinnen aus Grüne Tomaten sowie Clarice Starling (Hannibal) oder Joy Newsome (Raum). Jetzt aber zum Eingemachten.

 

Die Braut (Kill Bill)

Als Attentäterin mit dem eigenen Chef liiert zu sein hat einige Vor-Nachteile. In Kiddos Fall, letztendlich mehr Nachteile denn nachdem sie erfährt, dass sie schwanger ist taucht sie unter und entscheidet sich für ein normales Leben außerhalb des blutigen Milieus. Dumm nur, dass ihr Geliebter und eigentlicher Ehemann einer der größten Verbrecher Amerikas ist und ihre gesamte Familie sowie die Angehörigen ihres folgenden Ehemannes bei der Probe ihrer Hochzeit erschießt. Was sie allerdings weiß und der Ex-Eheman bzw Ex-Chef Bill erfährt, ihre Tochter lebt… Obwohl Kiddo einer anderen Attentäterin am Tag ihrer Entscheidung nur knapp entkommen ist.

Was macht man, als Mutter wenn man aus einem vier- jährigen Koma erwacht und das Junge vermisst? Richtig, man fängt an abgrundtief zu hassen und so schwört sie sich alle ihre ehemaligen Mitarbeiterinnen umzubringen. Einer nach dem anderen, wozu gibt es ansonsten To-do Listen?

Ihr kennt den Verlauf des Films oder? Jeder muss dran glauben, egal ob ihre Kolleginnen nun selbst Mütter sind oder single. Der Terminator ist nichts gegen diese Frau, sie braucht ja noch nicht einmal ein Gewehr. Ihr ist jedes Mittel recht Messer- Katana, Gift. Sie hat ein Ziel und dass setzt sich auch verdammt noch mal in die Tat um. Sie erleidet schmerz, Panik, angst und vor allem trauert. Ihr wurde alles genommen und nun holt sie sich dass zurück was ihr geblieben ist. Ihre Tochter… Da kann selbst Bill nichts mehr ausrichten, egal wie er ihr ersucht ins Gewissen zu reden. Wenn ein Mensch einmal abgöttisch geliebt hat, dann kann Verrat genau das Gegenteil bewirken. Dabei verliert sie allerdings keine Ehre, denn Angehörigen ihrer Opfer ist Rache durchaus erlaubt.

 

Eini (Granny is dancing on the Table)

Eini wohnt zusammen mit ihrem autoritären und überwachenden Vater in einer kleinen Holzhütte mitten im schwedischen Nirgendwo. Freunde hat sie keine, denn Isolation von der Außenwelt ist das oberste Gesetz des Vaters. So bleibt die Bildung aus, obwohl Eini keineswegs dumm ist. Sie kann sich helfen, sie weiß wie man überlebt. Vor allem weiß sie wie man den eigenen gewalttätigen Vater überlebt, welcher regelmäßig cholerische Anfälle bekommt und sie seit Jahren schlägt. Weg kann sie nicht, denn jedes Mal würde sie wieder eingefangen werden. Es ist nicht so, als dass sie es nicht schon versucht hätte. Das einzige was ihr bleibt ist eine Fantasiewelt, die sie sich mithilfe des Tagebuchs ihrer Großmutter aufrecht erhält. In diesem entdeckt Granny die Welt, fährt nach Amerika und lernt jede Menge spannende Menschen kennen. Ihre Schwester dagegen heiratet einen Farmer der später ebenso gewalttätig wird… Einis Situation spitzt sich über die gesamte Laufzeit immer mehr zu. Irgendwann ist Eini in dem Alter der Pubertät angelangt.  Darüberhinaus beginnt sie zu hinterfragen und eins weiß sie: Sie hat genug von dem Ganzen, genug von  der Isolation, ihrem Vater und vor allem von ihrem bisherigen Leben. Grannys Abenteuerlust hat auf sie abgefärbt. So lässt Eini ihren mittlerweile entstandenem Hass freien Lauf und zurück bliebt ein freies Mädchen ohne Bleibe und ohne Bezugsperson. Glaubt ja nicht, dass dieses Mädchen auch nur einmal zurückgeschaut hat. Die Tage in denen sie sich nur mithilfe ihrer Fantasy am Leben gehalten hat sind wohl endgültig Vergangenheit.

 

Andrea Sachs (Der Teufel trägt Prada)

Eine Komödie über das Thema Mode. Wie klischeehaft kann das schon sein? Mit anderen Worten, in einer solch frauenbehafteten nur auf Kommerz aus seienden Welt gibt es stark Frauen? Oh ja, erstens unterschätzt keine Models und zweitens das war jetzt nicht wirklich das Thema auf dass ich hinaus wollt. den ei wenig erinnert der Teufel trägt Prada schon an House of Cards. Selbst im realen Leben wimmelt es in diesem von Frauen dominierten sowie komerzorientiertem Business gerade zu von Intrigen und Masterplänen für den ultimativen Erfolg. Vermutlich eben wegen der hohen Frauenquote.

Der Hauptcharakter Andrea Sachs, welche so ganz anders ist als jeder in dieser Branche, wird in diesen Dschungel hinein geschmissen und wirst erst einmal zersetzt. Nicht sprichwörtlich jedoch mit Blicken, Worten sowie Taten. Keiner liebt sie, keiner will sie kennen. Dennoch behauptet sie sich gegen all die Gemeinheiten, gegen all die miesen Kommentare und Verachtungen. Nur mit ein wenig Hilfe (die sie auch erst lernen muss anzunehmen), krempelt sie ihr Leben vollständig um, passt sich an und wird zu einer hochprofessionellen Assistentin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Der entscheidende Moment ist allerdings, der Moment in dem sie feststellt dass dieser Job und möglicherweise sogar eine Beförderung weder ihre Welt noch ihr Leben wird sein können. All das was sie sich so hart erarbeitet hat und all dass was alle jungen Frauen so unglaublich missen, mit so genialem Gehalt, Partys, Treffe und anderen Möglichkeiten verlässt sie nur um ihrem wahren Traum, der Zeitungsjournalistin zu folgen.

 

Gerda Wegener (The Danish Girl)

Es ist zwar eine Biographieverfilmung, der jedoch ein wenig Interpretationsfreiheit zu Gute kam. Ein Film „nach einer wahren Geschichte zu drehen“, bedeutet ganz schnell, dass Independence Day auf einem „ernst zu nehmenden“ Geschwisterstreit basiert. Der große, böse Bruder ist in das Zimmer der kleinen Schwester eingedrungen, um ihr einen noch böseren Streich zu spielen. Demnach ist diese Charakterwahl noch völlig legitim.

Es heißt: In guten wie in schlechten Tagen. Was ist jedoch, wenn sich die Bedeutung von „gut“ und „schlecht“ völlig relativiert? So wird ein weibliches Model eines Tages unerwartet krank, weshalb Gerdas Ehemann Einar erst zögernd dann zunehmend begeistert einspringt. Seiner Frau gelingt ein grandioses Abbild des Models und bald erlangt das Kunstwerk eine gewisse Berühmtheit. Dank dieser sitzt Einar immer öfters Model für seine Ehefrau. Im Laufe der Zeit wird die Kunstfigur („Lili Elbe“), welche er darstellt immer mehr zu Einar oder Einar immer mehr Lili. Gerda ist trotz offener Sexualität zuerst leicht irritiert, dann zunehmend verwirrt, dann verzweifelt.

Ihr Mann scheint sich immer mehr „un“-normal zu verhalten und über das Paar wird bereits getuschelt. Aber was macht eine liebende Ehefrau? Richtig, auch wenn sie ihren Mann oder bereits ihre Frau nicht mehr ganz versteht, sie bleibt bei ihm/ ihr. Trotz aller Beschimpfungen, Gerüchten sowie Risiken. Gerade bekräftigt ihren Ehemann schließlich darin, seinen Traum von Lili Elbe zu verwirklichen. Von dort an kümmert sie sich um ihre Ehefrau, umsorgt und beschäftigt sie. Bis zum Schluss bleibt Gerda Wegener die Frau von Lili Elbe, welche schließlich einer gescheiterten Operation unterliegt.

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