Kultur

아이고 it’s spreading!

Nachdem ich den Schock des Donners- bzw. Freitags so einigermaßen verdaut habe, geht es musikalisch gleich weiter. Allerdings wesentlich fröhlicher wofür ihr und ich vermutlich sehr erfreut seid…

Mit dem Release von PSYs Gangam Style erfreut sich der Trend des sogenannten K-POPs immer mehr in aller Welt. Bevor ihr nun angsterfüllt reiß aus nehmt bleibt bitte an der dritten Abzweigung stehen, stoppt, atmet durch und kommt ganz langsam zurück. Weder beiße ich, noch werde ich zu einem Fangirl aller erster Klasse mutieren für Songs die ich nicht verstehe, Bandmitgliedernamen die ich mir nicht merken kann oder gar irgendwelche konzipierten Persönlichkeiten unterstützen. Jedoch muss ich zugeben, dass meine Barriere gegenüber K-Pop im letzen Jahr stark gesunken ist. Der Grund ist schlicht weg der, dass sich in meinem Freundeskreis mittlerweile recht viele Otakus tummeln und diese nicht nur die japanische Kultur besonders schätzen, sondern nun sich ebenso auf die Musik der Koreaner stürzen. Sie ist ähnlich schrill, exotisch und unterhalten wie so mancher Anime. Je mehr ich mit diesem Thema anfangs Zwangskonfrontiert wurde, wurde ich zugegebenermaßen immer neugieriger. Was ist an diesem Genre, denn so besonders, dass es inzwischen so derartig angepriesen und fanatisch geliebt wird?

Um euch vielleicht ein wenig aufzuklären gibt es hier einen etwas größer gewordenen Einblick, damit ihr vielleicht auch nicht jedes Mal vor einer kreischenden Teenagermenge steht und verblüfft feststellt, dass weder ein Justin Bieber, EdSheeran oder ein irgendein anderer westlicher Star zu sehen ist.

Fangen wir mit den Basics an: K-Pop ist eine Abkürzung für Korean Pop und bezeichnet inzwischen zwei Formen. Zum einen den ursprünglichen koreanischen Pop, der sich um 1945 etablierte und sich bis in die 1990s hielt und zum anderen, dass danach folgende Phänomen des zeitgenössischen K-Pops. Denn in den Neunzigern erfuhr die Szene eine gewaltige Veränderung. Der Gesang war nicht mehr schlicht, sondern wurde beschleunigt, elektronisch unterlegt, mit Rap-Bridges verfeinert und man begann Sprachen miteinander zu vermixen. Das schwierige dabei ist ein genaues Genre für K-Pop zu definieren. Eine weitere Besonderheit dieses Business ist es, dass es eben keine musikalische Begrenzungen gibt von Hip- Hop, über Rap, Pop, Soul, Eurodance oder R&B ist vieles vertreten. Darüber hinaus ist es sogar typisch, dass selbst innerhalb eines Songs mehrmals die musikalischen Genres gewechselt werden. Eintief emotionale Ballade die binnen Sekunden sich als Dupstep- Tanznummer outet ist dort keine Seltenheit.

Neben den typischen Pop-Themen der Welt wie zuckersüße Liebe, Erfolg oder das Leben zu genießen gibt es hier und da auch kritischere Themen, welche oftmals in Form von Metaphern publiziert werden. Natürlich wissen sowohl die Plattenfirmen als auch manche Fans, um die augenscheinliche Rebellion das tut dem Hype allerdings keinen Abbruch. Was ähnlich schräg (wie das Verhalten der Fans) anmutet, sind die Lyrics der einzelnen Songs. Oft auf Koreanisch, immer häufiger mit Nonsenssilben versehen und getopt von einer Prise Englisch.

Während ihrer Gesangs- Schullaufbahn müssen die Sänger meist mehr als nur eine Fremdsprache erlernen. Neben Englisch stehen häufig Japanisch, Chinesisch oder sogar Russisch auf dem Stundenplan. Das Ganze ergibt sogar Sinn hält man sich vor Augen, dass viele K-Pop Gruppen nicht nur durch Korea touren sondern mittlerweile sich international bewegen. Zumal ihre Alben regelmäßig vollständig ins Japanische oder Chinesische übersetzt werden. Die Idee dahinter: Mehr Reichweite, noch mehr Fan Interaktion sowie Identifikation. Die Boy-Group EXO ist sogar extra in eine koreanische sowie chinesische Subgruppe gesplittert, die einen singen auf koreanisch (EXO-K) die anderen auf Mandarin (EXO-M).

Neben dem Gesang einer Band spielt das Auftreten und vor allem das Image eine enorme Rolle. So gehören aufwendig produzierte Musikvideos zum Pop- Business dazu. Mehrere nahezu filmreife ausgestattete Sets sind ein Muss ebenso wie extravagante Kostüme und Make- Up. Wovon aber die koreanische Musikszene hauptsächlich lebt, sind die einzelnen Performer, Künstler oder Musikgruppen. Wobei K-Pop hier eindeutig den Focus auf Boy bzw. Girlsgroups legt. Einzelne Künstler gibt es hier kaum und wenn, dann oftmals weil sie sich mehr oder weniger freiwillig abgespalten haben. Die Sänger selbst werden Idols gennant und sind nichts anderes als gewöhnliche Popstars. Nur dürft ihr, dass gewöhnlich ganz schnell als Beschreibung streichen, denn sind wir mal ehrlich was macht Asien aus? Richtig, das Leistungsprinzip und ich sage euch das Leben eines Popstars in den USA ist dagegen Urlaub. Idol wird man mal eben nicht einfach so, aus gut Glück oder weil Daddy eine eigene Plattenfirma hat. Oh, nein…

Bevor man überhaupt diesen Traum vom perfekten K- Popstarleben träumen darf, muss man durch mehre Castings, diese werden teilweise in wöchentlichem Rhythmus von so genannten Entertainments veranstaltet. Dieser Entertainments sind die Plattenfirmen der zukünftigen Goldgruben und sortieren ihre Anwärter im zarten Alter von 9- 10 Jahren gnadenlos aus. Nicht nur Talent muss vorhanden sein, nein auch das gewisse Etwas. Wer das große Glück hat wird genommen und unterzeichnet einen Vertrag der die Ausbildung zum Star bis ins kleinste Detail regelt. Was folgt ist meist ein Umzug, Schulwechsel und ein völlig neues Leben. Denn die neue Schule kooperiert im engsten Rahmen mit dem jeweiligen Entertainment. Sobald die jungen Anwärter in dem Wohnheim für die Trainees angekommen sind, zählt nur noch die Ausbildung. Diese kann zwischen zwei bis fünf Jahre variieren und beinhaltet neben den gewöhnlichen Schulfächern auch Tanz sowie Gesangsunterricht, Seminare zum Umgang mit Fans, Paparazzis, Etiketten und idealem Benehmen. Außerdem findet eine Persönlichkeitsoptimierung statt. Haltung sowie Ausstrahlung werden verbessert, selbst der Kleidungsziel. Nichts wird dem Zufall überlassen, weshalb Schönheitsoperationen ein offenes Geheimnis sind. Der erste Eindruck zählt eben am allermeisten.

Spätestens beim Thema Schönheitsoperation wurde ich stutzig. Mit Unterzeichnung des Vertrages haben die Azubis nichts mehr zu sagen. Das jeweilige Entertainment und ihr straffer Stundenplan bestimmen nun ihr Leben weder für Familie noch für eine Beziehungen bleiben Zeit. Zumal es für die Marketingstrategien äußerst vom Vorteil den Fans einen Dauersingle präsentieren zu können. Dauer Single= mehr Leidenschaft und Verehrung seitens der Anhänger.

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Halbgegarte Touri-Bergziegen

Aufgewacht bin ich sogar vor dem Wecker, nur leider nicht die berühmten zehn Sekunden des Triumphes um glorreich den Wecker vor Erschrillen zu erschlagen, nein meine Erweckungszeremonie fand ganze 60 Minuten vor Weckzeit statt. Einschlafen war also nicht mehr und die Ortszeit betrug 5.30, na wunderbar…

Wenn ich jetzt anfinge normal zu leben würde ich noch vor Sonnenaufgang gelyncht werden. Menschlich machen musste ich mich dennoch und so bin ich fast mit meinem gesamten Gepäck noch eher benommen ins heilige Bad getapert. Doch bevor ich auch nur irgendwie erfolgreich starten konnte landeten meine Füße zuerst in einer riesigen Wasserlache. Mein Bewusstsein hielt mir folgenden Monolog:

Erster Gedanke: Kalt!

Zweiter Gedanke: Verdammt wir hatten einen Rohrbruch!

Dritter Gedanke: Och nö, warum muss ich jetzt den Klempner rufen

Vierter Gedanke: Was heißt Rohrbruch auf Englisch?!

Meine erste Reaktion nach gut einer Minute des Noch-Nicht-Erfassens bestand dann erst einmal aus einem Check der Lage… gut es war kein Rohrbruch und es hatte auch nicht durchgeregnet, stattdessen war offenbar die Dusche undicht und die Mädels hatten diese anscheinend gestern Nacht noch bemüht. Ein Hoch auf die Körperhygiene ein Minus Punkt für das Vergessen der Badematte oder des Hinter-Sich-Aufräumens!

In diesem Moment war ich ernsthaft versucht die zwei Prinzessinnen aus ihrem Betten zu holen, damit sie ihren Mist aufwischten. Aber anstatt zu Mr. Hyde zu mutieren blieb ich still und benutze einfach ihre noch trockenen Handtücher zum aufwischen. Jetzt waren alle nass… Viel Spaß bei der Morgendusche.

Wie auf Wolken schweben wollte sich meine engelsgleiche Seele hinunter in die Küche schleichen, stolperte allerdings dabei über diesen bescheidenen Eisenbeschläge der Treppe und schlug mir fast die Lippe auf…. Geweckt dabei hatte ich wohl keinen.

Als Schreckerholung gab es dann ein fürstliches Frühstück im Bett. Konnte sich ja keiner über Krümel im Bett beschweren: Einzelzimmer ist klasse.

Übrigens mein Frühstück hatte ich am vorherigen Tage direkt nach dem Zug erlegt! Gejagt und erlegt und zwar mit meiner Hand und meinen Adleraugen, denn der einzige Supermarkt der anscheinend am Sonntag offen hat ist der Discounter am Hauptbahnhof.

Freud hätte einen heiden Spaß daran gehabt seine Studien über das Es im Menschen weiter empirisch auszubauen und zu belegen. Früher haben sich die Steinzeitmenschen zusammen getan um Mamuds über die Klippen zu jagend, heute tun sich Touristen zusammen um andere Touristen von den Regalen weg zu zerren. Da meckerte der Schwede den Engländer an, der Engländer trat wiederum dem Libanesen auf den Fuß und der libanesische Landsmann über rannte wiederum fast ältere Dame. Alles was kleiner als 170 Zentimeter war, war in der Gefahr übertrampelt zu werden. Wobei eigentlich war selbst dafür zu wenig Platz. Fast hätte ich das ganze ohne Blessuren überlebt doch kurz bevor ich an der Kasse ankam viel mir auf, dass man wie in Italien hier wohl seinen Kram selbst abwiegen durfte. Im Gegenzug bekam man so einen schicken Klebesticker für den Kassierer… Es hieß also noch einmal den ganzen Wahnsinn durchleben. Unter normalen Umständen völlig unmöglich aber wozu hat man denn einen riesen Rucksack mit schwerem Gerät? Bingo einmal um sich selbst gedreht und schon hatte ich einen wunderbaren wenn auch nur kleinen Freiraum.

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Ich bin ein Filius, Sohn…. (1)

Elatus, mein Name ist Aurelietta Sohn und seit dem gestrigen Tage im Januar bin ich Teil von Söhne&Söhne. Ich werde von nun an wachsen, beiwohnen und veredeln. Ich werde niemals aussprechen, was ich lieber verschweige, ich werde weder mir vorschnelle Urteile über andere Söhne anmaßen noch meine Arbeit unterbrechen und auch nichts davon übrig lassen. Von nun an wird meine gesamte Energie für die Ur-Filiale schlagen… Das geknüpfte Band wird niemals reißen und mich für ewig mit meinen anderen Söhnen verbinden…

Feststeht, dass das gestrige geknüpfte Band sich vermutlich tatsächlich nicht so leicht von mir lösen lässt auch die daran geknüpften Erinnerungen. So ein Vorstellungsgespräch inklusive Assesmentzenter werde ich wohl nie wieder erleben, zumindest hoffe ich dies inständigst. Ich hatte nämlich nicht vor bei den Zeugen Jehovas etc. anzufangen. Deshalb werde ich mich wohl bei jedem zukünftigen Vorstellungsgespräch entspannt zurück lehnen können und beruhigt lächeln. So außergewöhnlich waren meine Freitagabende schon lange nicht mehr.

Im Rahmen unseres Profiles und Leistungskurses bekamen wir eines Tages zwei Faltblätter auf den Aula-Boden geknallt, auf denen es um eine geheimnisvolle Filialenkette ging namens Söhne? Söhne. Sie war die älteste Filiale und besteht nicht nur seit Anfang an sondern nimmt eine zentrale Stellung unseres heutigen Lebens ein.

und da diese Filalien eben expandieren wollen suchen sie UNS, die Auserwählten um bei ihnen vorstellig zu werden für einen lebenslangen Job.

So weit so gut, dass hieß für meinen Kurs und mich sich auf ein weiteres Theaterprojekt der Gruppe Signa einlassen, mittlerweile für mich das dritte Mal. Ein wenig nervös waren wir schon, unser Pädagoge machte sich nun seit einer Woche einen Spaß darüber gelegentlich merkwürdige Andeutungen zu machen und sein verdammtes Joker-Lächeln aufblitzen zu sehen. Einige Neulinge ließen sich davon arg einschüchtern, schließlich ist immersives Theater von SIGNA eigentlich immer FSK 18. Wenn wir Glück hätten und sich am ende des Abend noch keiner vor unseren Füßen übergeben hätte, hätten wir noch einen sehr ruhigen Abend gehabt. Man sollte niemals die Wirkung von Kunstblut und Platzpatronen unterschätzen.

Pünktlich um 18 Uhr sollten wir angehenden Söhne (ja liebe FeministenINNEN, es gab NUR Söhne) in der Filiale erscheinen. Kaum angekommen wurden wir auch schon zur Eile angetrieben, denn natürlich waren wir zu spät…. Wie das passieren konnte wussten wir selbst nicht, denn vor 2 Minuten war eigentlich noch reichlich Zeit gewesen, doch mit der Überschreitung der Schwelle ins Innere des Herzens wechselten anscheinend auch die Zeitdemensionen. Unsere Garderobe wurde uns gerade zu entrissen und ehe ich mich versah saß ich auch noch allein zwischen wildfremden Menschen in einem riesigen, sehr dreckigen Versammlungsraum. In die Handgedrückt bekam ich lediglich eine Nummer und ein Klemmbrett. Fragen wurden ignoriert, Schwindelgefühle unterdrückt und eine gerade Haltung war durch hundert starrende Augen plötzlich sehr essentiell geworden. Neben uns 50 Auserwählten trudelten alle Mitarbeiter der Filiale ein, selbst der merkwürdig hinkende Koch. 50 weitere Menschen in grauen Kostümen, Frags, Anzügen und Kitteln selbst der Firmenclown (Flavia Sohn) vergnügten sich am Rande stehend.

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