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Im Westen viel neues

Nun bin ich weder Soldat, noch Frontkämpfer oder gar Unteroffizier, doch ist die Überschrift ja ein wenig verändert worden damit es auch zu keinen Missverständnissen kommt. Denn im Gegensatz zu diesem einem Erzähler, habe ich sehr wohl neues zu berichten und es ist auch nicht alles ruhig.

Als aller erstes kann und möchte ich berichten, dass ich heil angekommen bin. Sogar ein einem Stück und ohne einen Kratzer, nur mit angefressenen Nerven. Ich bin mir sicher, die Iren machen sich regelmäßig einen mächtigen Spaß daraus Touristen in den Wahnsinn zu treiben. Steigt man aus dem Flugzeug aus, wird man in einen Dschungel von Menschen, Gängen und Gassen geschmissen. Ohne Vorwarnung, darf man sich selbstständig mit ziviler Machete einen Weg zu den Gepäckbändern bahnen, jedoch dabei bloß nicht die Passkontrolle, Zoll, oder gar das Badezimmer zu vergessen. Am Flughafen ist nahezu nichts ausgeschildert. Weder die Gepäckbänder, die Gepäckbandzuteilung oder die Toiletten. Lediglich wenn man direkt davor steht hat man überhaupt eine Chance. Hat man letztendlich seinen Koffer gerade noch so vor dem Flughafenmitarbeiter gerettet, der ihn schon als vermisst abstempeln wollte darf man sich dann in die Traufe wagen. Die Busse sind genauso wenig ausgeschildert wie der Rest. Wo, welche Linie fährt ebenso… Die einzige Lösung besteht darin sich brav von Ecke zu Ecke zu fragen. Klappt wunderbar und man lernt gleich, das irische Englisch schätzen.

Ich gebe euch einen Rat: Seid ihr einigermassen finanziell gut aufgestellt, dann nehmt euch ein Taxi zu eurer Unterkunft. Gehört ihr zu der Spezies arme Bagpacker wie ich oder zur Spezies Masochist nehmt den Bus… Das Schlimme dabei ist lediglich die recht ruppige Fahrweise der Busfahrer oder die endlose Wartezeit, die gerne schonmal bis zu 20 Minuten betragen kann. Im typischen Wechselbad der Gezeiten eine Herausforderung. Die Iren selbst sind dagegen höflich und zuvorkommend, hilft bei dem Verkehrsaufkommen und der ebenso endlos erscheinenden Fahrzeit auch keine Lösung. Wenn man darüberhinaus die Dreiviertelstunde auf dem Behindertenplatz stehend verbringt, da spürt man die Massage des Kupplung kommen lassen, Kupplung vergeigen, Bremsen, erneut Kupplung kommen lassen, diesmal es irgendwie schaffen nur um an der nächsten Ampel eine Vollbremsung hinzulegen. Dann wiederholte sich die Prozedur… Nein, ich konnte mich nicht hinsetzen, weil der Kollos von Gepäckstück keine Bremsen besitzt und so pflanzte sich mein eigener Leib dekorativ davor.

Abgesehen von dem Kuppelunglück sind die Fahrkünste der Iren sehr solide. Liegt allerdings auch an dem Umstand, dass weder völlig größenwahnsinnige Rikscha-, Tuk- Tuk-, Taxifahrer oder Kuriere unterwegs sind. Ein persönlicher Chauffeur ist in dem Sinne sicherlich stilvoller und nervenschonender. Dafür erhält man, aber bei den Einheimischen weniger anerkennende Blicke. Im Gegensatz zu meiner Heimatstadt ist hier das Fahrradfahren übrigens kein Selbstmord. Auch Laufen ist eine angemessene Fortbewegung, dank der geringen Größe der Hauptstadt braucht man maximal lediglich 45 Minuten zu einem der entlegensten Orte. Wie eben schon subtil geäußert sollte man den Bus dringend melden… Das Bussystem an sich ist ein riesiges Chaos. Befindet man sich weiter draußen wäre Busfahren vermutlich kein Problem, jedoch verschmilzt der Busplan downtown zu einer einzigen undefinierbaren Masse. Es gibt gefühlte hundert Buslinien, die an jeder Ecke halten. Eine Ordnung ist dort Fehlanzeige. An meinem ersten Arbeitstag habe ich einen Kollegen gebeten mir den Weg nach Hause vie Bus zu beschreiben, aus Gründen wie er später erfahren werdet. Er tat es und was dabei herauskam war ein solches Chaos, dass ich doch lief. Die Haltestelle, die ich hätte anpeilen sollen habe ich bis heute (eine Woche) später immer noch nicht gefunden.

Damit ihr nicht so aufgeschmissen seid wie ich, gibt es jetzt einen kleinen Einführungskurs in die wichtigsten Dinge, die man hier beachten sollte:

Der Linksverkehr

Wie in Japan, Australien und natürlich dem Vereinten Königreich und tausend anderen Ländern herrscht hier Linksverkehr. Dieser Umstand war mir zwar irgendwie geläufig, macht das immer noch bestehende Desaster aber nicht minder schlimmer. Ich denke ich habe es einzig und allein den Schriftzügen auf dem schicken Beton zu verdanken, dass ich noch lebe. Denn neben dem jeweiligen „Look- Right“ sowie „Look- Left“ ist daneben noch ein kleiner Pfeil gemalt worden in der entsprechenden Richtung versteht sich. Danke liebe Stadtverwaltung, endlich seit ihr mal zu etwas nütze. Ebenso wie die Autofahrer selbst, es gibt nämlich keine Raser…. Ein großer Großteil hält sich allen ernstes an de empfohlenen Tempomaxima.

 

Die Ampeln

Andere Städte sind für ihre verrückten Radfahrer oder Mopedfahrer bekannt. Dublin wohl für seine waghalsigen Fußgänger. Dubliner interessiert es ähnlich wie Parisienne oder die Bewohner Lissabons nicht im geringsten welche Farbe die Ampel zeigt. Ob Rot, Gelb oder Grün ist einerlei dabei hat man uns Deutschen doch diese nette Eselsbrücke beigebracht: Rotgänger, Totgänger Grüngänger leben länger. So wartete ich mein erstes Mal geduldig ab. Musste aber bald feststellen, würde ich hier so schnell nicht vom Fleck kommen. Verwesungsprozess mit inbegriffen.

Solange kein Auto fährt ist für alle Dubliner grün, ausnahmslos wann und wo. Sämtliche Auto-, Bus-, Taxi-, Mottorad- Fahrer akzeptieren dieses stille Abkommen übrigens einvernehmlich. Selbst die Polizei, wobei die so einiges Akzeptieren. Was sie augenscheinlich nicht sehen, damit müssen sie sich auch nicht befassen. Wer arbeitet schon gerne?

 

Die Sprache

Das schöne an Irland ist, es ist so vielfältig. Beispielsweise in der Sprache, Irisch ist bis heute die offizielle Landessprache und wird noch in vielen Schulen (zum Leiden der Schüler unterrichtet), dass lustige dabei ist. Gerade mal 30% der Iren sprechen wirklich gälisch regelmäßig bzw. scheinen es zu beherrschen. 1% aller Iren gibt diesen Umstand als offiziell an. Das schöne an Gälisch: Die Aussprache ist noch fantasievoller als die des Französischen und die drei am häufigst vertretenen Dialekte (Munster, Ulster sowie Connacht) bilden die Sprache selbst, da niemals ein einheitliches Gälisch existiert hat. Der Lárchanúint ist der künstlich geschaffene Standarddialekt, der vor allem auf sämtlichen Verkehrs- Hinweisschildern steh sowie auf offiziellen Plänen.

 

Der Sport

In Dublin gibt es recht viele Sportgeschäfte. Die meisten bedienen gälisches Fußball, Hurling/Camogie, oder Rugby. Eben alles seht landestraditionell… Ausgetragen werden diese bei mir direkt um die Ecke, von der GAA- Organisation gesponsert. Besonders im August sowie September, wenn hier die Finalrunden der Landesmeisterschaften stattfinden ist hier die Hölle los. Jedes Wochenende inklusive Bank Holiday pilgern Tausende in Richtung Stadion. Alle feiern, es dröhnt überall laute Musik, Konfetti fliegt, Grafschaftsbänder werden verkauft und am Ende des Abends stinkt überall nach Bier. Das Besondere, alle Sportler der GAA sind Amateure. Es kann also durchaus sein, dass man sein Idol vom letzen Wochenende plötzlich beim Bäcker vor der Nase stehen hat und er einem die frisch, dampfenden Brötchen über den Tresen reicht.

Ich war schwer verwundert zu erfahren, dass es kaum enthusiastischere Fans als die Iren gibt. Selbst die Mädels schreien sich à la Wacken die Kehle aus dem Hals und wenn die Familie folgt ist alles um so besser. Das beste daran, trotz Bier es bleibt gewaltfrei. Während der ganzen spiele habe ich max zwei Hand voll Polizisten registriert die das ganze beaufsichtigen. verliert die eigene Mannschaft wird zwar gejammert, geflucht und wild diskutiert aber niemand wird handgreif. das wäre in Deutschland undenkbar, man schaue sich die Reiterstaffeln und getrennten Bahnverkehr an.

Das Benehmen

Wie ihr bereits erahnen konntet sind die Iren ein sehr höfliches Volk. Keine Spur von den eher ruppigen, einsilbigen Schotten. Die Iren sind ganz britisch. Ein „How are you?“ gehört wie ein „Have a nice day“ zum täglichen Umgang ergänzt durch ein nettes Lächeln. Das Einzige, was so manch einer vermissen könnte ist vielleicht der Humor. Man muss etwas tiefer schürfen um an das geistige Gold zu gelangen. Wenn man den Hacken dann raus hat findet man ihn meist in sehr schwarzer und sehr trockener Form. Muss man mögen, falls der Witz einem überhaupt auffällt… Wie gesagt man muss tief schürfen.

Darüber hinaus hält sich die Formalität wacker, angebotene Dinge erst dreimal abzulehnen bevor man sie annimmt. Ansonsten besteht die Gefahr als rude abgestempelt zu werden oder gar als etwas schlimmeres. Ähnlich unauffällig ist die Lenkung der Entscheidungen anderer. Ein klares Nein wird man selten vernehmen… Dagegen Diese Vorhänge passen doch viel besser in deinem Wohnzimmer als die letzten sehr viel öfters. Ein Müsstest du nicht auf Toilette?, ist ein Zeichen dafür dass der jeweilige gegenüber dringend auftreten müsste. Werdet ihr gefragt ob ihr nicht den Pub wechseln wollt, sagt einfach ja es wird seine Gründe geben besonders bei Einheimischen. Die jüngeren Generationen werden allerdings in dieser Hinsicht wesentlich lockerer, ist auch irgendwie unpraktisch.

 

Das Essen- Essengehen

Vegetarisch und glutenfrei sind in Dublin in der Innenstadt fast kein Problem mehr. Viele Ost- Asiaten sowie Inder bieten hier Vegetarische oder glutenfreie Speisen an. Vegan wird etwas klniffliger, ist aber auch irgendwie machbar. Meist bezieht sich, dass vegane Angebot mehr auf Cafés als Restaurants. Jedoch ist als Praktikant, dass Essengehen hier definitiv zu teuer weshalb ich wie immer zum Jäger und Sammler geworden bin. Mit wachsamen Augen schleiche ich also regelmäßig durch Supermärkte, in der Hoffnung etwas ansprechendes zu finden.

 

Der Alkoholkonsum

Das Klischee stimmt, allein in Dublin soll es angeblich 666 offizielle Pubs geben. Die tatsächliche Anzahl liegt laut so manchem Fremdenführer bei 1000. Was genau war ist, kann ich euch nicht sagen denn ich werde den Teufel tun alle zu zählen. Das einzige was ich weiß, dass ein Feierabendbier meist nicht eins ist, sämtliche Sportveranstaltungen mit Massen von Bierfässern begleitet werden und das in Dublin umgerechnet täglich 10 Millionen Pints produziert werden wundert dann auch nicht mehr. Übrigens hier gibt es existiert immer noch die alte Einheit Pint. Etwas anderes werdet ihr hier kaum finden. Demnach für alle dort draußen ein Pint= 0,568 Liter. Da irisches Bier, allerdings weniger Alkohol beinhaltet als deutschen dürft ihr trotz größeren Krügen gerne noch mehr trinken. Die Iren werden euch begeistert danken, 50% der Dubliner sind sogar noch unter 25 erklärt weshalb, sie vielleicht noch so viel Bier trinken können. Guinnes ist übrigens immer noch Markführer mit einem höheren Alkoholanteil als andere irische Starkbiere.

Lebensmittel einkaufen

Frisches Gemüse sowie Obst kauft man entweder bei den beiden deutschen Diskounter oder auf dem Markt. Alles andere ist zu teuer…Wenn hier Glück habt findet hier bei der britischen Supermarktkette angefangen mit T ebenso Tiefkühlgemüse wie bei beiden Discountern, was preiswert ist und schmeckt. Dabei muss beachtet werden, dass der Discounter mit dem blauen A zur Süd- Kette gehört und so mein Leben rettet… Wenn hier jemals bei der T- Kette einkaufen solltet beachtet dabei, je näher ihr dem Stadtzentrum kommt desto teurer werden die Preise. Ernsthaft die Preisschwankungen liegen teilweise bei einem Euro. Alle anderen schnell Supermärkte oder billig Läden verkaufen lediglich Süßigkeiten und Chips… Die Regalreihen nehmen dort endlose Maße an. Frische Lebensmittel? Fehlanzeige…

Dank der relativ hohen Immigranterate gibt es neben zahlreichen:

asiatischen Supermärtkten (nur dort bekommt ihr Tofu zum bezahlbaren Preis!),

indische Supermärkte (Palak Paner aus der Dose kann ein sehr leckrer Notfall sein)

persische Supermärkte (ich empfehle die zwei Kilogrammpackung Kichererbsen)

polnisch/ slawische Supermärkte (jede Menge Fleisch… und vegetarische Pasteten sowie deutsche Schokolade zu Wucherpreisen)

sowie brasilianische Supermärkte (Tapiokastärke und glutenfreie Käsebrötchen ich komme!)

 

Die irische Nationalgeschichte:

 

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