Geschichte

„Willkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider #3

Wie ihr seht habe ich mich bemüht in die Tasten zu hauen. Allerdings ist aus dem ursprünglichen Teil 3 nun doch ein Teil 3 und 4 geworden. Dann ist aber auch Schluss. Ich verspreche es! Wer Lust hat hier und hier gehts zurück in die Vergangenheit…

 

 

„Sorry“

Ruckartig hob ich meinen Kopf. Blinzelte. War ich schon wieder eingeschlafen? Mein Kopf dröhnte, meine Augen brannten mit ihnen mein ganzer Körper. „Was?“ murmelte ich, und versuchte durch Zwinkern mein Blickfeld wieder scharf zu stellen, vergeblich. Etwas stimmte nicht, etwas fehlte. Warum sah ich trotz offener Augen alles unscharf? Eine Hand von hinten stupste mich an. Ich versuchte mich um zu drehen, wurde aber von etwas zurückgehalten. Was war denn nun los? Die Hand tippte mich noch einmal an. Langsam reichte es, mein abgeklungener Ärger kochte wieder auf, warum ich? „Kann man nicht eine Minute mal warten!“ , rief ich genervt. Abrupt hörte ich die Schiebetür aufgehen, dann schließen. Anschließend Stille. Resigniert schlug ich meinen Kopf gegen die Lehne. Wann war eigentlich mein letzter guter Tag gewesen? „Hey Blindfisch, deine Brille!“, kam es von weit her und dann hörte ich wieder Schiebetüren. Verdammt meine Brille.

„Es werde scharf…“ Gerade noch erhaschte ich einen Teil von Thomàs wild herumfuchtelnder Hand. „Sei froh, dass ich dich geweckt habe und keiner der anderen. Jetzt komm wir müssen los, dein Gepäck steht bereit, deine kaputte Brille liegt Pierre im Koffer und nein du musst dich nicht bedanken. Übrigens Karen fühlt sich schuldig wegen der Bremsensache. Verzeih ihr doch, ich kann sie nicht so traurig sehen.“. Meinen bösen Blick bekam er wohl nicht mehr mit, denn seine schnellen Schritte hallten auf einmal von allen Seiten in mein Ohr. Seit wann hatte der kiewer Bahnhof eine Tiefgarage? Meine Zehen zuckten. Anscheinend war nicht nur ich eingeschlafen sondern auch mein gesamter Körper. Draußen empfing mich eine noch erbarmungslosere Kälte, als am Flughafen. Meine gerade warm gewordene Gliedmaßen gefroren sofort. Selbst meine Haare schienen zu frieren, denn ich fühlte wie sie sich einzelnd und ganz langsam meinen Nacken hinauf krochen. Hätte ich doch bloß meine Mütze angezogen wie auch immer, es war zu spät. Ich war zu spät. Wenn ich einen Zahn zulegen würde, wäre ich eh gleich wieder im Warmen. Jedenfalls hoffte ich das. Wer wusste schon ob in den ukrainischen Zügen nicht auch Glas so zerspringfreudig war. Eilig griff nach meinen Habseligkeiten und folgte den Fußstapfen in Richtung Bahnhofsgebäude, eine winkende Person wies mir dazu den weg. Pierre hatte anscheinend keinen Problem mit der Kälte, denn er wartete geduldig vor der Bahnhofstür und schien mich aufmerksam zu bobachten. „Hey Miesepeter, bevor wir uns drei Monate lang ins Nirgendwo begeben schau dir doch zumindest mal die Fassade an…“ Er zeigte nach oben. wiederwillig folgte ich seinem Finger. Warum sollte ich jetzt in der Eiseskälte mir die architektonischen Wunderwerke einer sowjetischen Baugesellschaft anschauen? Es war selbst mich zu kalt. die durchschnittlichen -8 Grad waren schon lange passiert worden. Pierre musste wohl meinen Widerwillen spüren, denn er atmete leicht entnervt aus „Hey du bist hier der Zeichner, ich will dir doch nur mal zeigen, was du alles verweigern kannst. Bäume, Sträucher und Stahl kriegst du später noch genug.“ „Ich denke Eiszapfen und Licht genauso“ entgegnete ich ihm. „Mag sein, aber keine doppelten, mannshohen Fenster, und geschwungene Dächer. Schon gar nicht eine Prachtstraße wie die hinter dir, aber es ist deine Sache. Ich hebe dir die Bilder für später auf.“ Er verzog lächelnd die Mundwinkel, damit musste er seine Kamera meinen. Welche er wohl dabei hatte? „Ist dir denn gar nicht kalt?“, wechselte ich das Thema.“ Pierre schaute mich verwirrt: „Nein, mich wundert, dass du komplett verfroren aussiehst. Es ist gerade mal ein wenig unter null Grad. Wehe du wirst krank, ich habe keine Lust von einer einfachen Grippe hingerafft zu werden. So und jetzt komm“ , seine Stimme klang zusehend drängender, „Die Anderen warten nicht, auch nicht auf einen zweiten Monet wie dich.“ Er packte meine Hand und zog mich in Richtung der Gleise. „Was ist eigentlich zwischen dir und Karen los, hm? Thomàs hat dich so merkwürdig angeschaut im Bus“ „Dicht du auch noch.“, ich verzog das Gesicht zu einer Fratze. Pierre fing an zu lachen. „Ach ich verstehe, kompliziert wie immer. Ach Junge hab ich dich vermisst.“ Kaum hatte er das ausgesprochen bekam ich einen freundlichen Nackenklatscher. Reflexartig zog ich die Schultern hoch. „Lass das“ rief ich gespielt genervt aus und rannte dem bereits fliehenden riesen Rucksack hinterher. „Sieh an die zwei Kleinkinder Kommen auch schon. Schön, dass wir mit euch fahren.“ Pierre streckte bloß Karen die Zunge heraus. Ich schaute weg, Kein Angriffsfläche mehr zeigen ermahnte ich mich. Vielleicht ließ sie mich dann einfach in Ruhe, falls Thomàs Vermutungen stimmten, was ich immer noch nicht glauben wollte. „Ich hoffe mal keiner hat geplant die Bremsen vom Zug aus zu testen“ scherzte ich. Ich erntete nur einen bösen Blick von Thomàs: „Irgendwie hatte ich vergessen wie nachtragend du warst…“, antwortete er achselzuckend. „Aber wer weiß? Vielleicht ist mein Onkel ja dieses mal der Fahrer der Bahn. Wäre der Einzige, der dass noch könnte.“ Er lachte. Ich wandte mich von ihm ab, er war zwar nur noch angetrunken und nicht mehr betrunken, aber so ganz verstand der meinen Ärger immer noch nicht. Nach einigen Minuten Schweigens aller Mitreisenden fing ich an unsere Gruppe zu beobachten. Neben Thomas, Karen, Pierre und mir standen noch drei andere Personen mit uns zusammen. Ich erinnerte mich dunkel, in dem Schreiben hatte etwas von Forscher, Übersetzer und zwei Fotographen gestanden, also musste einer von ihnen Pieres Kollege sein. Wer wohl? Die zwei Großen oder der Kleinere mit dem aschblondem Haar und dem hagerem Gesicht? Ein leises Dröhnen durchzuckte plötzlich regelmäßig meinen Kopf. „Zug kommt“ murmelte ich und drehte mich in Fahrtrichtung. Der Mann neben Karen holte etwas aus seinem Rucksack. Die Tickets weder Kamera noch Behältnisse für Forschungsmaterial, blieb nur noch der Übersetzer.

„Na mal schauen wie langsam die Langsamkeit wirklich ist…“ murmelte Thomàs eher griesgrämig als gut gelaunt und trat an die Bahnsteigskante. Noch so eine Macke von ihm, wenn er ausnüchterte waren die Stimmungsausschläge ungefähr so groß wie die eines Seismographen bei einer Stärke von 7,0. Diesen Punkt auf der Skala hätte allerdings auch das Dröhnen erreicht, was mittlerweile eher einem lauten Kreischen ähnelte. Der Blonde rief etwas, doch sah ich nur, dass sich seine Lippen bewegten. Der Fahrtwind und das Bremsen der riesigen Diesellok verschluckte jedes andere Geräusch im Umkreis von mehreren hundert Metern. Sobald die Wagons standen, wobei vorher der Bremsvorgang seinen Zenit erreichte, drückte Thomàs sich gegen die schwere der Tür, die zweite Frau rannte auf einen Bahnangestellten zu, der gerade aus auf die Kante herausgetreten war. Aufgeregt gestikulierten redete sie auf ihn ein und ich beobachtete wie er nur ab und an nicken konnte. Nach einigen Minuten so schien es, drehte sie sich um, nickte höflich und kam lächelnd auf uns zu, dann hielt sie ihren Daumen hoch. Koffer für Koffer wanderte nun in das extra Abteil für Sperrgepäck und Fahrräder. „Ich wusste nicht, dass wir selbst mit Anhänger und Dach so viel Stauraum hatten“ Karen schaute ungläubig auf die verschieden Gepäckstücke. „Fühlt diese herrliche Beinfreiheit!“ tönte es überrascht aus dem Nachbarwagon. Pierre hatte anscheinend sich dazu entschieden uns nicht mehr zu helfen. Der kleinere Blondschopf lachte leise im Gegensatz zu der jungen Frau, die starrte uns beiden nur böse an und antwortete grimmig. Doch außer „sofort“ verstand ich nur zusammenhanglose Wörter, die für mich nicht den geringsten Sinn ergaben. Karen nickte nur müde neben mir, denn sie ahnte wohl worauf dieses Gespräch hinaus laufen würde. Wir sollten alleine die Gepäckstücke tragen, zwar nur die 5 meterlange Strecke, dennoch genug um gute 60 Minuten später mit schmerzendem Rücken in die Sitze neben Pierre zu fallen, der inzwischen nicht nur tief schlief sondern auch unglaublich enthusiastisch den südamerikanischen Regenwald abholzte. „Wenn jetzt Greenpeace hier wäre, die würden ihn garantiert wegen illegaler Rodung einbuchten lassen“, witzelte Thomàs und öffnete eine weitere Bierflasche. Wollt ihr? Ich schüttelte den Kopf. „Nicht mal ein Versöhnungsbier nimmst du an?“ „Hör mal Leif es tut mir wirklich Leid…“, setzte Karen an, aber ich ignorierte sie. „Ich trinke nicht.“ „Du meinst du trinkst nicht mehr“ ergänzte Thomàs gereizt. „Wie auch immer du das siehst.“ Damit drehte ich mich in Richtung Fenster zog meine Kapuze über meinen Kopf und bewegte mich darauf hin nicht mehr. Ich spürte wie Karen und Thomàs mich noch eine Weile mit Blicken taxierten, doch irgendwann verloren sie das Interesse und schlichen sich leise zu unseren Kollegen um sich ihrem lautstarken Kartenspiel anzuschließen. Sobald ich sicher gehen konnte, dass sie endgültig verschwunden waren, drehte ich mich zurück in Richtung Gang. Die Sitzreihen neben mir waren leer, ebenso wie die Abteile dahinter und davor. Vermutlich war der gesamte Zug menschenleer, außer ein paar wenige Pendler die nach Hause übers Wochenende zu ihren Familien mussten, hoffentlich. Es war überhaupt ein Wunder, dass wir diesen Zug bekommen hatten. An sich existierte dieser noch nicht einmal. Eine Art illegale Linie für die unglücklichen Heimischen in der nähe Tschernobyls.

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„Willkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider #2

Hat etwas länger gedauert. Ich weiß. Großes sorry, aber Grammatik und Rechtschreibung will gelernt sein. Dennoch: Viel Spaß damit und wer sich nicht mehr erinnern kann hier geht’s zu Teil 1.

 

Doch die Erleichterung währte nicht lange. Ich war zwar aus der größten Gefahrenzone entronnen, aber ich konnte immer noch festgenommen werden oder abgeführt… Wie war überhaupt das Gesetz hier? Exestierten Haftstrafen für Diebe des eigenen Gepäcks oder blieb es bloß bei einer Verwarnung…? Meine Hände wurden schwitzig, trotz des eisigen Windes der mir nun um die Ohren und unter die Jacke kroch. In solchen Momenten hasste ich reisen. Noch mehr als lausigen Tee und Flughafentee war verdammt lausig. Jedes mal wenn ich ihn gezwungener maßen trank, nein eher hinunter würgte, hatte ich das Gefühl den Schierlingsbecher getrunken zu haben. Nur ohne das wunderbar betäubende Mohnextrakt, so dass ich bei vollem Bewusstsein mit erlebte wie die lähmende Wirkung erst meine Beine, dann meine Arme und zum Schluss zu meiner Lunge kroch um sich dort für die letzten Sekunden meines Lebens ein zu nisten und mich somit zum Ersticken brächten. Kalt, fremd, bedrohlich. Wenn ich noch länger hier stehen blieb würde mir genau dass passieren, nur ohne Gift. Die freudigen Rufe des Nachtfrosts begannen nun endgültig mir die letze Wärme aus meinen Knochen zu saugen.

Ob Thomàs wirklich hier parkte? Wie sollte ich eigentlich sein Auto in der Dunkelheit finden? Langsam drehte ich mich erst nach rechts, außer Schwärze und ein herrenloser Koffer, der im flackernden Vorlicht des Lufthafens immer wieder aufleuchtete, konnte ich nichts erkennen. Aber ein herrenloser Koffer um diese Uhrzeit? Merkwürdig. Wachsam drehte ich mich in die endgegengesetzte Richtung, doch auch dort: Nichts. Es reihten sich nur Kleinbusse an Kleinbusse. Alle unterschiedlichen Alters und Zustands, dennoch ausnahmslos von der selben deutschen Firma. Wie sollte ich Thomàs finden? Ich schaute auf die Uhr. Mir blieben noch zwei Minuten, die Zeit raste. Warum rief ich ihn eigentlich nicht an? Sollte er mich doch vor dem Haupteingang abholen, wie die Anderen. Mittlerweile war ich wohl der Letzte… Ich wollte gerade mein Mobiltelefon aus meiner Hosentasche nehmen, als ein lautes „Buh!“ von hinten ertönte. Ich erschrak, zuckte zusammen, schrie und und machte einen Satz nach vorn, kurz vor das Ende des Bürgersteigs. Dabei fiel mir mein mein Handy aus meiner Hand und landete klackernd in einer schwarzgrauen Pfütze. Verärgert drehte ich mich um meine eigene Achse und hob die Hand um gerade zu einer Schimpftirade anzusetzen, als ich erkannte wer mich erschreckt hatte…

„ Karen“ stotterte ich, „was machst du denn hier?“ Ich riss mich gerade so zusammen, das meine Kinnlade an meinem Kiefer haften blieb. „Du scheinst ja gerade zu entsetzt darüber zu sein, dass ich hier auftauche..“ Sie lachte und zwinkerte mir zu. Ich starrte sie immer noch böse an, doch dann legte sich mein Schrecken, dass wir uns wiedersehen würden hätte ich nie für möglich gehalten. „Ach weißt du, eigentlich hätte ich mir denken können, dass ich dem Teufel auf dem Weg in die Hölle begegnen sollte…“, antwortete ich. Dann fielen wir uns freundschaftlich in die Arme. „Mein Gott. ich habe das Gefühl es ist ewig her seit dem wir uns gesehen haben.“ „Mittlerweile über zwei Jahre schätze ich…“ Sie löste sich von mir. „Na, da haben wir uns ja was zu erzählen, allerdings würde ich unser Wiedersehen sehr gerne im Warmen weiter feiern, denn meine Jacke für Arktikexpeditionen liegt zu meinem Bedauern ganz unten in meinem Koffer und so frostige Wurzeln wie du sie hast kann ich leider auch nicht vorzeigen.“ Sie lächelte wieder und zeigte auf meinen Rucksack. Willst du den nicht mal richtig anziehen? Du siehst aus als ob du in aller Eile vor einem Bombenattentat fliehen musstest. Ich unterdrückte ein hysterisches Kichern „Sagen wir, es war etwas ähnliches.“ ich lief rot an. Verdammt, sobald Karen wieder auftauchte wurde ich wieder zu einem 13-jährigen der sich in seine Sportlehrerin verknallt hatte. Schnell wechselte ich das Thema „Weißt du eigentlich wie sein Wagen aussieht? Ich habe Thomàs schon ewig nicht mehr gesehen. Nicht seit…“ Ich schüttelte den Kopf, nein unser Kontaktabbruch war sogar noch vor dem Zwischenfall gewesen. Karen lächelte, „Nein aber ich schlage vor, dass du dein Mobiltelefon erst einmal aus der Pfütze holst und du da weitermachst, wo ich dich vorne hin unterbrochen habe.“

Ich drehte mich etwas verwirrt zu ihr, was meinte sie? Dann folgte ich ihrem Blick. „Verdammt, das habe ich ja komplett vergessen.“ Schnell holte ich mein Telefon aus der sogar noch kälteren Pfütze. Dabei streifte ich mir den Rucksack und mein Handgepäck ab. „Na danke auch, ich hoffe das es noch funktioniert.“ Ich schürtze meine Lippen. „Wie ich dich kenne, hast du die 300 Meter tiefe panzerknackerdichtes Modell. Ich bin verwundert, dass in dem Ding kein Taschenmesser eingebaut ist.“, sie machte eine Pause und sah mir dann direkt in die Augen, „Ach ja und ähm bevor ich es vergesse… Ich soll dir beste Grüße ausrichten. Von Leon, er meint er vermisse dich. Er wünschte ihr wäret anders aus einander gegangen. Es tue ihm Leid.“ Ich schluckte und sah weg… Wo blieb Thomàs? Ich grunzte und gab vor seine Nummer in meinem Telefon zu suchen. Doch meine Gedanken, schweiften immer wieder zu Karen. Warum hatte sie unser Wiedersehen gleich wieder zerstören müssen? „Besonders taktvoll warst du noch nie“ flüsterte ich, „ und wenn es ihm wirklich so unglaublich leid tuen würde, dann kann er mir dass auch gerne selber sagen.“

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„Wilkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider

31. „Wilkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider

„Sehr geehrte Fluggäste, wir bitten Sie ihre Sitze wieder in eine gerade Position zu bringen, die Tische hochzuklappen und alle elektronischen Geräte aus zu schalten. Wir befinden uns im Landeanflug. Vielen Dank“

Verschlafen sah ich aus dem Fenster, und reckte mich. Diese verdammten Ansagen, warum nur? Ich war mir sicher, jeder normale Mensch mit ein wenig Verstand wusste was man zu tun und vor allem zu lassen hatte während eines Landeanfluges. Warum konnte man die Passagiere nicht friedlich schlafen lassen? Ich reckte mich, sah ich doch aus dem Augenwinkel wie von hinten eine Stewardess die Reihen nach Übeltätern durchforstete, um sie etwas zu energisch auf ihre Fehler hin zu weisen. Das Letzte, was ich wollte war ein Streitgespräch um… Wie spät war es eigentlich? Ich hielt inne. Ging die Sonne gerade unter oder auf? „Excuse me…“, jemand lehnte sich über meinen Nachbarn und tippte mir auf die Schulter. „I know, I know…“, antworte ich verärgert und ließ schnell meinen Walkman verschwinden. Doch die das mitfliegende Sicherheitspersonal deutete unverholen auf meinen Tisch. Es knackte, nicht im Plastik sondern in mir. Jeder einzelne Knochen hatte sich anscheinend dazu entschieden während des Schlafes aus der Reihe zu tanzen und nun geschwind zurück an seine Position zu hüpfen. Große Menschen hatten viele Nachteile, irgendwo Schlaf zu finden war einer davon. Gäbe es nur mehr Notausgangsplätze. Die Stewardess war wohl inzwischen von mir als folgsamer Passagier überzeugt, denn sie wannte sich nun an meinen (noch) schlafenden Sitznachbarn. Gelangweilt wischte über das kleine Plexiglasfenster, und schielte nach draußen. Rechts von mir erstreckte sich ein wahres Lichtermeer. Blau, grün, rot alle Farbnuancen waren vertreten. Hätte auf meinem Ticket nicht mein Ziel gestanden, ich hätte auf Las Vegas getippt. Ein riesiger Organismus der lebte… Das war das einzige was ich am Fliegen liebte, die Landeanflüge, aber nur bei Nacht. Bei Nacht sah alles anders aus, aufregender, unbekannter, lebendiger. Diese Art der Vorfreude gab es nur bei Landeanflügen…

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Be a brave Braveheart

                                                                                                                                                                                                Prolog

Vor langer, langer Zeit, genau genommen vor 269  schwor sich ein menschliches Wesen, in einer stillen Vollmondnacht seine kämpferischen Fähigkeiten zu verbessern. Am Ende der folgenden 356 Tage, sollte die Welt kein zartes Elfengleicheswesen in ihm sehen sondern einen tapferen, zähen Zwergen. Doch Schwüre waren schon vor mehr als tausend Jahren eine Wissenschaft für sich und so musste es bald feststellen, dass zwischen „etwas schwören“  und „tatsächlichem Wagen“ ein großer Unterschied lag. Und diesen Übergang zu meistern jede Menge Zeit und Nerven kostete. Der erste Gegner, der noch lange vor dem Ring lauerte, war der Rat. Er warb zwar mit Ausschreibungen, doch das Meldedatum war eigenwillig und musste sich anscheinend über Nacht geändert haben, denn als das Wesen zu seinem Sensei lief schüttelte dieser nur belustigt den Kopf und vertröstete es auf das nächste halbe Jahr, denn der Anemldeschluss sei schon längst gewesen. Er ergänzte ebenfalls, dass das Wesen gar nicht hätte antreten können, da die Richtlinien besagten es müssten spezielle Schriften erworben werden, damit jemand überhaupt das erste Tor der Qualifikationen passieren könne. Verdutzt und verärgert verzog sich das Geschöpf wieder in seine Höhle und schmollte und hätte dies vermutlich das gesamte halbe Jahr fortgeführt, wäre da nicht die wärmende Frühlingsonne gekommen.Mit der Sonne sprossen über all die Blumen und Schmetterlinge hervor und das Wesen vergaß bald seinen Ärger so widmete sich fröhlich pfeifend wieder seinem, bis dahin doch gar nichts so langweiligem Leben. Kurz nach dem Einzestzen des ersten Blätterfalles erschien dem Geschöpf ein kleiner Kobold der quäkend zeternd dem Wesen vorwarf es sei zu bequem geworden und solle sich wieder seinen Vorsetzen widmen, denn die Zeit laufe davon und bald würde die Frist vorbei sein.

Es selbst würde weder Anerkennung noch Fortschritte spüren und vermutlich wieder in Schuldgefühle und Wut auf sich selbst versinken. Das war kein Weg eines Kriegers. Das Wesen blickte den Kobold anfangs eher verdutzt und ratlos an, und ließ die Schimpftirade über sich ergehen. Erst Tage später erinnerte es sich an den Schwur, den es vor 269 Tagen und 12 Stunden abgelegt hatte. Es erschrak, der zweite Meldeschluss war bestimmt bald vorüber und dann wäre die Chance tatsächlich vertan, für ein weiteres halbes Jahr, das konnte und wollte das Wesen nicht zulassen und so lief es erneut voller Hoffnung zu seinem Sensei, der darauf mitteilte es habe noch drei Wochen. Erleichtert atmete das Wesen durch und machte sich sofort an die Arbeiten, wahrhaftig, doch es half nichts, denn kurz nachdem es zu Hause angekommen war musste es feststellen, dass die Kostenfür die erforderlichen Schriften ihm nicht möglich waren zu bezahlen, aufgrund zu modernen Zahlungsweisen. Das Wesen war anscheinend zu altmodisch für die moderne Zeit. Wieder spürte es wie sich eine Zorneswolke über ihm zusammenbraute. Der Sensei bemerkte dies und gab sich einen Ruck, er versprach sich darum zu kümmern und tatsächlich hielt das Wesen zwei Wochen später die erhofften Schriften in der Hand. Nun musste es sie nur noch verschicken müssen. Doch leider nicht über das wertvolle Glasfaserkabel, nein es musste per Brieftaube geschehen, da der große Rat keinen Empfänger für Schriften per elektronischem Wege besaß. Nun brauchten Brieftauben unendlich lange, gerade für diese riesige Strecke quer durch das Reich, und so musste sich das Wesen abermals blitzgescheit eine Lösung ausdenken. In genau 2 Stunden, denn die Schriften einzuschicken genügte nicht, denn danach wurde jedem Krieger eine Urkunde ausgestellt, die besagte in wessen Namen es kämpfe. Das Wesen rannte von einer Ecke der Stadt in die nächste und sammelte dabei alles wichtige ein. Kurz vor Briefannahmeschluss am Abend traf es an der Eulerei ein. Wer wahrhaft schneller war als Tauben waren Eulen. Erschöpft durch den Nervenkitzel der letzten Stunden zahlte das Wesen die 11 Goldstücke für diesen einen Brief und nagte anschließend an seinen Fingern, denn wer wusste schon ob die Urkunde so schnell ausgestellt werden konnte? Zwischen dem Ankunftstag des Briefes und dem ersten Kampf lagen schließlich nur noch zwei Tage und diese fielen ausgerechnet auf einen Sonntag und einen Sonnabend, da arbeitete keiner. Auf dem Nachhauseweg sann es darüber nach: Elf Goldstücke waren für drei Schriften nicht gerade wenig, selbst wenn er mit Eule überbracht wurde. Vermutlich trugen deshalb alle Briefzuständigen gelb, die Farbe der baren Münze. Die Heulerei verdiente sicherlich gut an den Opfern der Vergesslichkeit. Immerhin bestand noch eine Pixie große Chance, dass die Urkunde bis Montag ausgestellt würde. Ein Pixie wurde zwar nur bis zu 15 Zentimeter groß, dennoch es war eine Chance und 15 Zentimeter besser als Nichts. Am nächsten Morgen bekam das Wesen eine Idee, der große Rat hatte zwar keinen Empfang für Schriften per Glasfaserkabel aber Hörmuscheln sollten er wohl haben.

Am anderen Ende hörte das Wesen nur Tuten, langes Tuten. Nicht viel versprechend. Sollten diese Hirsche schon in den Sonnenuntergang geritten sein? Zur Mittagszeit? Hätte das Wesen aufgesehen hätte es die kleine schwarze Gewitterwolke unter dem Tisch gegenüber gesehen, die sich bereits langsam näherte und dann plötzlich erstarrte, da war eine Stimme am anderen Ende zu hören, ein Wunder. Begeistert schilderte das Geschöpf drauf los, Fakten und Anordnungen purzelten auf ihm heraus. In seinem Sprachzentrum ging es drunter und drüber. Am anderen Ende herrschte eiserne Stille, danach hörte das Wesen nur noch „Könnte knapp werden“ danach erklang ein Freizeichen. Die schwarze Wolke hing bereits bedrohlich über dem Schopf des Wesens. Die gesamten freien Tage litten die Nerven des Wesens so arg das es am ersten Arbeitstag völlig verstört erschien. Das Nervenkleid hing nur noch in groben Fetzten vom Baum des Logos hinunter und tanzten im Wind, der die Schreie der verängstigten Seelen in das Gehör des Wesens trieb. Gen Mittag betätigte es erneut die Hörmuschel und forschte guten Willens erneut nach, wieder erklang dieses unheilvolle Tuten. Ware der Rat diesmal schon bei Tische? Eine grobe Stimme drang durch die Nervenkleidfetzten hindurch und das Sprachzentrum des Wesens verselbständigte sich abermals. An sich eine Schande, so redselig und bittend war es noch nie zuvor gewesen. Wenige Minuten später hörte man die Freude in des Geschöpfes Stimme als es erfuhr, dass die Urkunde längst bereit sei und es dürfe am Abend antreten. Der Baum der Bemühung hatte anscheinend doch Früchte getragen. Erleichtert und noch aufgeregter lief das Wesen am Abend nach Hause. Kurz darauf riss das arg zerrüttete Nervenkleid endgültig, ruhiges Sitzen war dem Wesen bis in die späten Abendstunden kaum mehr möglich. Bis es sich endlich auf den Weg machen musste. Richtung Schlachtfeld.

   Kapitel 1

Angekommen an des Feldes Grenze bereiteten sich alle Kämpfer ganz eigen auf ihre Begegnungen vor. Aufwärmen, Werfen, die Halle war ein einziges Gewusel aus Legionären, Meistern und Richtern. Inzwischen zitterte das Wesen so sehr und war so blas, das es aussah wie ein kleiner Vampir, dessen Tarnung gerade in den Himmel empor gestiegen war. Warum die aller letzten endgültig vom Wind davongetragen worden waren wusste es selbst nicht, seine drei möglichen Gegnerinnen sahen nicht besonders furchteinflößend aus. Dennoch der kleine Vampir beobachtete die zweiten Van Helsings, sie beobachteten ihn ebenso, begierig darauf zu erfahren welche Techniken ihm persönlich besonders gut lagen. Leider musste der kleine Vampir die Familie der Helsings enttäuschen, denn es hatte keine feste Taktik außer zu kämpfen und zu siegen, wie entschied es in dem passenden Moment. Der Trainingspartner des immer noch änglichen Nachtwesen konnte sich das Leiden wohl nicht mehr ansehen und erbarmte sich seinerseits er riet dem Vampir folgende Weisheit: Selbst die berühmtesten Kämpfer dieses Landes scheiterten in der erste Runde, Grund dafür war nicht ihre Technik Grund dafür war ihr Herz. Wenn deine Seele stark genug ist den Sieg zu wollen und dafür zu kämpfen, nur dann kannst du siegen egal wie du es tust. Be a Braveheart. Dann betrat wurde der Vampir auf das Schlachtfeld geschoben. Das erste Mal betrat es das rote Rechteck und der Rest der Welt verschwand. Die Haare des Wesens stellten sich vollständig auf, Arme und Füße verselbstständigten sich. Die Gegnerin war wüst. Die Welt verschwamm zu Buntschatten und Tieferschatten, so dass nur noch die Gegnerin durch den Tunnelblick scharf erschien. Die Zeit glich Sirup und dann plötzlich lag der Vampir auf dem Boden. Doch nicht auf dem Rücken sondern mit dem Bauch auf der Gegnerin sofort nagelte das Wesen diese auf den Boden. Der erste Kampf war gewonnen. Die Mitkämpfer jubelten und der nun mutige Vampir lief aus dem roten Fleck, weiter hinaus um frische Luft zu schnappen. Der nächste Kampf würde noch härter werden, aber ein Braveheart könnte dies schaffen. Egal ob Wesen, Geschöpf oder Vampir. In den folgendem Minuten flüsterte die verzauberte Wolke das Wort Braveheart in den Verstand des Vampires, obwohl sie gegen den Wind der Angst nicht viel auszurichten vermochte. Die nächste Gegnerin war noch stärker und ausgeruhter als der kleine Vampir selbst. Sie hatte noch nicht ein einziges mal gekämpft. Die Braveheartseele bekam risse. In den nächsten Minuten wurde der Vampir ständig in die Bredouille gezwungen, das Gleichgewicht schwankte und schließlich fiel es, aber nicht auf den Rücken. So ging der Kampf im Boden weiter. Die Van Helsing war stärker, wieder und wieder wurde dem Vampir die Luft abgedrückt und wieder und wieder entwand sich das Braveheart. Der Vorteil an einem ängstlichen Vampir war, dass wenn er sich zusammen kugelte er einer alten Festung ähnelte. Kein einziges Durchkommen, dachten alle. Plötzlich war die Luft weg , der Vampir schluckte und das Gehirn ratterte, die meterdicken Wände waren durchbrochen worden. Die Gegnerin fasste nach und in dem Moment klemmte das Braveheart sein Kinn dazwischen, der Würger schlug fehl. Der Kampf wurde unterbrochen. Es ging im Stand weiter, dann folgte ein Hebel. Der Arm tat weh, doch ein Braveheart ließ sich von einem Van Helsing nicht unterkriegen, die Seele des Vampirs wuchs zusammen und hatte Blut geleckt. Krampfhaft wand er sich  den Kameraden zu um den Effekt des Hebels zu entgehen. Mit Erfolg.

Der Richter beendete den Kampf, Unentschieden.

Der Vampir verwandelte sich wieder zu einem Wesen und rannte glücklich in den Sonnenuntergang davon.

 

    Ende