Europa

Halbgegarte Touri-Bergziegen

Aufgewacht bin ich sogar vor dem Wecker, nur leider nicht die berühmten zehn Sekunden des Triumphes um glorreich den Wecker vor Erschrillen zu erschlagen, nein meine Erweckungszeremonie fand ganze 60 Minuten vor Weckzeit statt. Einschlafen war also nicht mehr und die Ortszeit betrug 5.30, na wunderbar…

Wenn ich jetzt anfinge normal zu leben würde ich noch vor Sonnenaufgang gelyncht werden. Menschlich machen musste ich mich dennoch und so bin ich fast mit meinem gesamten Gepäck noch eher benommen ins heilige Bad getapert. Doch bevor ich auch nur irgendwie erfolgreich starten konnte landeten meine Füße zuerst in einer riesigen Wasserlache. Mein Bewusstsein hielt mir folgenden Monolog:

Erster Gedanke: Kalt!

Zweiter Gedanke: Verdammt wir hatten einen Rohrbruch!

Dritter Gedanke: Och nö, warum muss ich jetzt den Klempner rufen

Vierter Gedanke: Was heißt Rohrbruch auf Englisch?!

Meine erste Reaktion nach gut einer Minute des Noch-Nicht-Erfassens bestand dann erst einmal aus einem Check der Lage… gut es war kein Rohrbruch und es hatte auch nicht durchgeregnet, stattdessen war offenbar die Dusche undicht und die Mädels hatten diese anscheinend gestern Nacht noch bemüht. Ein Hoch auf die Körperhygiene ein Minus Punkt für das Vergessen der Badematte oder des Hinter-Sich-Aufräumens!

In diesem Moment war ich ernsthaft versucht die zwei Prinzessinnen aus ihrem Betten zu holen, damit sie ihren Mist aufwischten. Aber anstatt zu Mr. Hyde zu mutieren blieb ich still und benutze einfach ihre noch trockenen Handtücher zum aufwischen. Jetzt waren alle nass… Viel Spaß bei der Morgendusche.

Wie auf Wolken schweben wollte sich meine engelsgleiche Seele hinunter in die Küche schleichen, stolperte allerdings dabei über diesen bescheidenen Eisenbeschläge der Treppe und schlug mir fast die Lippe auf…. Geweckt dabei hatte ich wohl keinen.

Als Schreckerholung gab es dann ein fürstliches Frühstück im Bett. Konnte sich ja keiner über Krümel im Bett beschweren: Einzelzimmer ist klasse.

Übrigens mein Frühstück hatte ich am vorherigen Tage direkt nach dem Zug erlegt! Gejagt und erlegt und zwar mit meiner Hand und meinen Adleraugen, denn der einzige Supermarkt der anscheinend am Sonntag offen hat ist der Discounter am Hauptbahnhof.

Freud hätte einen heiden Spaß daran gehabt seine Studien über das Es im Menschen weiter empirisch auszubauen und zu belegen. Früher haben sich die Steinzeitmenschen zusammen getan um Mamuds über die Klippen zu jagend, heute tun sich Touristen zusammen um andere Touristen von den Regalen weg zu zerren. Da meckerte der Schwede den Engländer an, der Engländer trat wiederum dem Libanesen auf den Fuß und der libanesische Landsmann über rannte wiederum fast ältere Dame. Alles was kleiner als 170 Zentimeter war, war in der Gefahr übertrampelt zu werden. Wobei eigentlich war selbst dafür zu wenig Platz. Fast hätte ich das ganze ohne Blessuren überlebt doch kurz bevor ich an der Kasse ankam viel mir auf, dass man wie in Italien hier wohl seinen Kram selbst abwiegen durfte. Im Gegenzug bekam man so einen schicken Klebesticker für den Kassierer… Es hieß also noch einmal den ganzen Wahnsinn durchleben. Unter normalen Umständen völlig unmöglich aber wozu hat man denn einen riesen Rucksack mit schwerem Gerät? Bingo einmal um sich selbst gedreht und schon hatte ich einen wunderbaren wenn auch nur kleinen Freiraum.

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Herzliches Durcheinander

Am selben Abend nach dem Abschlussessen und den Escape-Games hieß es nun… Party Time! Für viele, aber nicht für mich. Spätestens als unsere, vor Müdigkeit hyperaktive Freunde, ins Zimmer stolperten, bepackt mit einer riesen Tüte voller Energy- Drinks wussten Marvinchen* und Ich: Nein, wir würden die Nacht nicht zum Tage machen. Wir wollten die spießigen Langweiler spielen und keinen Zuckerkater am nächsten Morgen adoptiert haben. Unsere Augenringe alias Augengräber reichten uns schon. Der Concealer war mittlerweile leer. Also rein in die Federn. bzw. rein in die merkwürdig gemusterte Giraffenüberdecke und durchstarten in Richtung ‚Traumland‘. Die um 3 Uhr nachts reinschwärmenden Zimmermitbewohner bekam ich nicht mehr mit, ebenso wenig wie das anscheinend folgende einstündige Gequatsche, auch ohne Ohropax. Danke Tiefschlaf! Trotzdem hieß es am nächsten morgen eher mäßig erholt aufwachen. Ab zum Frühstück, was genauso karg wie am Morgen davor ausfiel. Gemüse, Obst vom Supermarkt und der wenige Jogurth. Ein Hoch auf meinen letzen Müsliriegel. Danach wollte ich eigentlich meinen Rucksack packen, aber das vergaß ich beim Anblick der Uhr wieder ganz schnell. 8:00, die Anderen würden garantiert erst um 10.00 Uhr aufwachen, wenn überhaupt. Es hätte mich nicht gewundert, wenn erst ihr Märchenprinz hätte kommen müssen um sie wach zu küssen. Ob ein Märchenprinz, allerdings in einem solchen Hostel in Krakau nach seiner Traumfrau suchen würde? Vermutlich. Schließlich ist der Prinz für Dornröschen ebenfalls ziemlich lange gereißt.

Nun hieß es meiner seits sich beschäftigen bis entweder die Anderen aufwachten oder ich selber einschliefe. Die zweite Variante erschien mir verlockender und so verzichtete ich auf meine Reiselektüre und hörte mir BBC WorldRadioStation an. Spätestens bei den neusten Ergebissen irgendwelcher Cricket und Ice Hockey Mannschaften schlief ich ein. Sportnachrichten sind doch zu irgendetwas gebbrauchen. Irgendwann mischten sich in meine Träume allerdings merkwürdige näselnde Geräusche. Ich wachte auf und hatte zu erst gar keine Ahnung wo ich war. Ich lag normalerweise nie angezogen in einem fremden Bett. Verdammt?! Doch ich behruhigte mich merklich, als ich das näselnde Geräusch als Schnarchen einer Zimmermitbewohnerin identifizierte. Die gedanklichen Nunchakus konnte ich wieder in meinem imaginären Rucksack verpacken. Schade eigentlich… Power-Napping sei Dank (sind 90 Minuten noch Power-Napping?), war ich gefühlsmäßiger erholter und hatte auch bessere Laune. Selbst lächeln konnte ich. Meine Laune änderte sich aber schlagartig als ich von meinem Schlafplatz zu Boden sprang und prommt in einem Nest voller Salzstangen landete. Krasch. Wisst ihr eigentlich wie schmerzhaft sich zerbrochene Salzstangen am Morgen an den Fußsohlen anfühlen können? Ich würde, dass nicht wegmachen. Schließlich waren es deren Salzstangen, nicht meine. Überhaupt: Unser Zimmar sah aus wie eine einzige Müllhalde. Dem Anschein nach zu urteilen hatten meine Mitbwohner nachdem aufstehen irgendwie leise weiter gefeiert oder sämmtliche Verpackungen Krakaus umweltfreundlich gesammelt und wahllos aufgerissen. Das Zimmer war, außer mir und dem mittlerweile nicht mehr schnarchenden Wecker, leer. Alle beim Frühstück. Also noch eine Runde Tee für mich… Den jammernden Wecker ignorierte ich.

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