Depression

Mixatape der geistigen Irrungen und Wirrungen des Menschen

Ein sehr weiser deutscher Dichter schrieb vor Jahrzehnten und aber Jahrzehnten folgenden Satz:

»In der ganzen Geschichte des Menschen ist kein Kapitel unterrichtender für Herz und Geist, als die Annalen seiner Verirrungen.« -Goethe

So tauchen wir ein in die menschlichen Abgründe, die in letzter Zeit leider immer öfters zu Tage treten. Und in Anbetracht dessen komme ich auf dieses Thema zu sprechen. Lebewesen und Dinge in die Luft zu sprengen ist die eine unmenschliche Seite, eine andere sich selbst zu hassen… Deshalb nutze ich einfach mal die sonnigen Tage, die post-depressive- Abiturstimmung und lasse der Musik freien Lauf

 

Wenn man sich selbst vergewissern will und doch zweifelt….

 

 

Wenn man einfach nur Zuwendung sucht…

 

 

Und dennoch… diese endlose Belanglosigkeit:

 

 

Aber man ist trotzdem nur ein Mensch, der nicht allein sein will:

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All die Verdammt perfekten Tage

Autorin Jennifer Niven

Übersetzerin  Alexandra Ernst

Seitenzahl 400 Seiten

Verlag Limes Verlag (28. Dezember 2015)

Originaltitel: All the bright places

ISBN ISBN: 978-3-8090-2657-0

Preis 11,99 €

Genre  Belletristik, Jugendliteratur, Liebesroman

Erschienen 28. Dezember 2015

Violet Markey ist unglücklich, sehr sogar. Seit dem Tod ihrer Schwester hat sie nie wieder wirklich Fuß fassen können in der Welt der amerikanischen Teenager. Sport? Schule? Sozialleben? Selbst das Schreiben hat sie aufgegeben, bis zu dem Tag an dem sie auf den schulischen Kirchturm klettert um das Gefühl der Freiheit zu erfahren… Doch dann wird sie dummerweise gerettet und zwar von dem Schulfreak höchstpersönlich: Theodore Finch.

So stellt Violet relativ schnell fest, dass Finch möglicherweise gar nicht der Freak ist für den ihn alle halten und ehe sich Violet versieht ist sie in einer Achterbahn aus Gefühlen, Erlebnissen und Fragen gefangen, denn der Schleudersitz ist kaputt. So viel zur Grundstory…

… Wenden wir uns nun dem herrlichen Cover zu, denn Liebhaber solcher schlichten Computergrafiken werden ihr wahre Freude finden. Dieses Buch ist mal wieder ein literarisch expialigetisches Beispiel wie gut Minimalismus wirken kann! Es braucht weder dreizigtausend Farbverläufe noch tausend Illustrationen um den Inhalt des Buches gerade so widerzuspiegeln, dass der Leser den Eindruck einer stimmigen Welt bekommt.

So der Klappentext stimmte mich allerdings mächtig skeptisch, denn er strotze nur so von der Beschreibung einer 0815-Comming of- Age Liebesgeschichte. Letztendlich bewogen dieses Buch zu lesen hat mich der Umstand des Kirchturms, denn so lernt man sich schließlich nicht alle Tage kennen. Im Nachhinein darf ich mit absoluter Wahrheit behaupten, dass es keine eine 0815-Liebesgeschichte ist, trotz der vielen Elemente einer solchen. Nur schafft die Autorin es durch ihre Charaktere, diese Variationen eines Dramas in völlig neuem Licht erscheinen zu lassen. Darüberhinaus ist es verdammt kniffelig jemandem die Handlung zu erzählen ohne zu spoilern, da schon die reinste nähere Erläuterung das Ende verraten könnte.

Apropos Charaktere, kommen wir nun zu unseren zwei hübschen, speziellen Protagonisten…

Als erstes wäre da die ehemalige Schulschönheit und stets heute noch beliebte Violet Markey. Zugegeben ihr Charakter ist recht nervig, dass einzige wodurch sie sich profiliert ist der Tod ihrer Schwester. Weshalb sie immer noch psychologisch betreut wird es allerdings mehr erduldet wobei sie sich teilweise in Trauer und Selbstmitleid suhlt.  Sie schwimmt wie bloßes Treibgut auf den wellen des Lebens bis Finch sie eben einfängt und Violet plötzlich aus ihrer ach so kaputten und mittelklasse Welt hinaus gerissen wird. Denn es ist eben nicht alles wunderbar oder wundertraurig.

Wobei wir auch schon an dem zweiten Protagonisten angelangt wären: Theodore Finch… Er ist quasi der Held dieses Buches, denn er öffnet Violet Markey nicht nur die Augen sondern besitzt daneben einen unglaublich herrlich zynischen Humor und textet den Leser alle Seiten mit unnützem Wissen voll. Seine Gedanken und Handlungen sind wie die von Violet teilweise nachvollziehbar, aber sehr viel interessanter. Teilweise bekam ich während des Lesens wirklich das Gefühl einem jungen, intelligenten und völlig gestörten Mann gegenüber zu sitzen. Je weiter man im Plot voranschreitet, desto mehr werden Finch Eigenarten nämlich deutlich… Das Ausmaß wird am Anfang lediglich angedeutet, so wirkt das Buch zwar oft abstrus aber gleichzeitig wiederum unheimlich menschlich. Besonders gegen Ende könnte es durchaus realistisch werden, denn Menschen schauen eben gerne mal weg um sich nicht auf ihrer Komfort-Zone hinausbewegen zu müssen.

Trotz der unheimlichen Tiefe die Jennifer Niven ihren einzelnen Charakteren (nicht nur Protagonisten!) gegeben hat, konnte ich Violet leider nicht mögen lernen. Das einzige was mich an Finch stört, dass seine Eigenheiten nicht sonderlich im Kontrast zu seinem übrigen Verhalten stehen. Man könnte ihn tatsächlich lediglich für einen Freak halten.

Ein weiteres Manko: Der Anfang zieht sich… Ich ersten Seiten wusste ich tatsächlich überhaupt nicht worauf die Autorin überhaupt abzielte… Nur änderte sich das dass rasant vor allem die letzen Seiten waren wie Schläge in die eigene Magengrube, denn was ich schon relativ früh bemerkt hatte und eben hoffte dass es nicht eintrat erfühlte sich dann doch leider. Nur irgendwie anders, als dass ich es erwartet hätte. Das heißt ich hatte die ganze Zeit eine böse Vorahnung, die immer drückender wurde, was ehrlich gesagt nicht sonderlich witzig ist.

Letztendlich ist dieses Buch für mich bis heute viel mehr als ein bloßes Comming-of-Age-Buch… Es mag zwar nicht die offensichtlichste Botschaft haben, da sich jeder wohl seine eigene daraus ziehen muss, aber es stellt irgendwie die Menschlichkeit in uns allen da. Mit den ganzen Macken, Fehlern und Abgründen die eine Psyche eben bieten kann. Dieses Phänomen bezieht sich wie oben erwähnt nicht nur auf die Protagonisten in diesem Buch haben selbst die Nebencharaktere so viel Tiefe, dass man ihr Handeln ohne Probleme nachvollziehen konnte. So hat man hier auf 400 Seiten, menschliche Interaktion pur. Quasi eine sozial Studie in Bezug auf das Thema psychische Krankheiten….

Das heißt man sollte dieses Buch wegen der Charaktere lesen, nicht unbedingt wegen der Story, denn die ist doch leider teilweise irgendwie vorhersehbar.