Buch

Neue Bücher gibt es nicht…

… hieß der Titel einer Gesprächsrunde auf der Leipziger Buchmesse. Nun findet den Fehler. Das erste mal, dachte ich: Reißerischer Titel, aber er erzielte seine Wirkung. Er machte mich neugierig. Ich dachte, mich würde eine Gesprächsrunde zu Innovation, Kreativität und Reproduzierbarkeit erwartet. In unserem heutigen Zeitalter, doch recht akutes Problem. Schließlich wimmelt es nur von Buchverfilmungen, Heptalogien, Neuauflagen (längst vergessener oder auch unschlagbaren Klassikern) und noch so viel mehr. Was ich bekam war… alles nur nicht, dass was ich erwartete hatte.

Als ich dort ankam saßen zwei Männer neben einem Moderator, der gerade seinen Mittagskuchen aufass, eher hastig als genüsslich. Schade um den lecker aussehenden Kuchen, aber gut. Eine Diskussion, über die Hektik des Alltags stand nicht im Vorleseverzeichnis. Konnte man diesen Herren also nicht überweisen. Zu den zwei Herren gehörten: Ein Herr mittleren Alters interessiert und leicht nervös an seinem Wasserglas nippen und Herrn K. Dieser saß erwartungsfreudig und hämisch grinsend lässig in seinem Sessel und wartete auf das Zeichen seinen Vortrag zu starten.

Mich sollte nur kein Vortrag erwarten sondern ein „E-P-O-S“. Für den Epos kann ich auch ein anderes Wort finden: Pseudophilsophischer-Dekadenter-Aufgeblasener- Studenten-Fanatsik-Erguss, denn in dem Moment in dem der Moderator das Mikro einschaltete und zu einer Begrüßung ansetzte, fing Herr K. auch schon an zu reden und hörte für die nächsten 30 Minuten auch (fast) nicht mehr auf.

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„Wilkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider

31. „Wilkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider

„Sehr geehrte Fluggäste, wir bitten Sie ihre Sitze wieder in eine gerade Position zu bringen, die Tische hochzuklappen und alle elektronischen Geräte aus zu schalten. Wir befinden uns im Landeanflug. Vielen Dank“

Verschlafen sah ich aus dem Fenster, und reckte mich. Diese verdammten Ansagen, warum nur? Ich war mir sicher, jeder normale Mensch mit ein wenig Verstand wusste was man zu tun und vor allem zu lassen hatte während eines Landeanfluges. Warum konnte man die Passagiere nicht friedlich schlafen lassen? Ich reckte mich, sah ich doch aus dem Augenwinkel wie von hinten eine Stewardess die Reihen nach Übeltätern durchforstete, um sie etwas zu energisch auf ihre Fehler hin zu weisen. Das Letzte, was ich wollte war ein Streitgespräch um… Wie spät war es eigentlich? Ich hielt inne. Ging die Sonne gerade unter oder auf? „Excuse me…“, jemand lehnte sich über meinen Nachbarn und tippte mir auf die Schulter. „I know, I know…“, antworte ich verärgert und ließ schnell meinen Walkman verschwinden. Doch die das mitfliegende Sicherheitspersonal deutete unverholen auf meinen Tisch. Es knackte, nicht im Plastik sondern in mir. Jeder einzelne Knochen hatte sich anscheinend dazu entschieden während des Schlafes aus der Reihe zu tanzen und nun geschwind zurück an seine Position zu hüpfen. Große Menschen hatten viele Nachteile, irgendwo Schlaf zu finden war einer davon. Gäbe es nur mehr Notausgangsplätze. Die Stewardess war wohl inzwischen von mir als folgsamer Passagier überzeugt, denn sie wannte sich nun an meinen (noch) schlafenden Sitznachbarn. Gelangweilt wischte über das kleine Plexiglasfenster, und schielte nach draußen. Rechts von mir erstreckte sich ein wahres Lichtermeer. Blau, grün, rot alle Farbnuancen waren vertreten. Hätte auf meinem Ticket nicht mein Ziel gestanden, ich hätte auf Las Vegas getippt. Ein riesiger Organismus der lebte… Das war das einzige was ich am Fliegen liebte, die Landeanflüge, aber nur bei Nacht. Bei Nacht sah alles anders aus, aufregender, unbekannter, lebendiger. Diese Art der Vorfreude gab es nur bei Landeanflügen…

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Vorabend der Reise

Nun gut der Vorabend der Reise liegt mittlerweile über eine Woche zurück, aber ich kam einfach noch nicht dazu darüber zu schreiben und ohne Vorwort geht meine LBM Strecke garantiert nicht in die Öffentlichkeit.

Also war der Donnerstag relativ entspannt, da wir am nächsten Tag erst um 14.00Uhr losfahren würden. Mit der DB, mal sehen welches Abenteuer uns dort bevorstand (Achtung Spoiler: Die Bahnfahrt war absolut langweilig). Am Abend davor musste noch einmal ganz genau das Programm der Vorlesungen kontrolliert werden: Signierstunden, Writers in Prison (Vorlesung), und auch Interviews mit einer chinesischen Autorin und mit Wolfang Hohlbein durften nicht fehlen. Auf keinen Fall. Zudem musste wiederholt geprüft werden, wann die Cosplay-Wetterwerbe statt finden würden. Ich stellte fest, die Zeiten waren ausgeblendet worden und erst nach einer halbstündigen Jagd durch die Tiefen des Internets bekam ich meine Zeiten, mit der Computermaus aufgespiest. Auf der selben Website… ärgerlich. Die nächste unliebsame Überraschung war, dass ich die Hälfte meiner Vorträge verpassen würde, wenn ich zu den Wettbewerben gehen würde. Ein Schock, also wurde kurz umdisponiert. Die Wettbewerbe konnte warten. Warum nicht einfach nur die Preisverleihung ansehen? Die Besten, der Besten fotografieren und dann ab nach Hause. Mehr brauchte ich nicht. Das schlimmste Ergebnis, was ich aber noch Lesen musste war, dass am Freitag den 13, um 14.00 Uhr ein Doctor Who Cosplaywettbwereb statt finden würde. Für mich als Whovian eine Katastrophe, da ich um diese Zeit erst im Zug war. Der bittere Vorgeschmack meldete sich.

Aufgrund der vielen Entscheidungen und von der Jagd komplett erschöpft, hüpfte ich relativ früh ins Bett um am Folgetag fit wie eine Frühlingssprosse aus dem Bett zu springen. Klappte sogar fast. Die Zeit bis 14.00Uhr zog sich schier endlos hin und ich langweilte mich tierisch. Hausaufgaben waren erledigt, Sportprogramm absolviert, das Buch wollte ich mir für den Zug aufsparen und der Koffer war schon am Vortag fertig gepackt worden. Was ich allerdings noch nicht getan hatte, war nach Orten für die Nahrungsaufnahme zu schauen. Böser Fehler. Nahrungsaufnahme sollte nach einem anstrengend Messetag definitiv auf Platz 1 der To-Do Listen stehen und zwar gutes Essen. Nach einiger Zeit war ich fündig geworden und hatte drei Möglichkeiten gefunden, die alle in unserer Nähe lagen und dessen Speisekarte mir zumindest mit mindestens einem Gericht sehr zusagten.

Dann plötzlich war es schon 13.00Uhr und mein Mitbewohner wollte unbedingt schon zum Bahnhof, nur damit wir einen Sicherheitspuffer hätten. Falls irgendetwas passieren würde. Da wir auch so weit laufen mussten, nicht. Kurz um wir standen Pünktlich um 13.15 in der Bahnhofsvorhalle und stellen fest, dass wir viel zu früh dran waren. Aber wozu gibt es denn den großartigen Zeitschriften/Bücherladen mit dem daneben liegenden Fast-Fruit-Laden, dessen Angebot von Fruchtsäften bis hin zu leckeren Müslibechern alles führt. Natürlich wieder völlig überteuert, aber man gönnt sich sonst nichts. Den McDoof übersah ich wie jedes Mal ohne schlechtes Gewissen. Langsam mischte sich neben die schon vorprogrammierte, allbekannte Reisegespanntheit auch Bedenken ein. Würde alles gut gehen? Wie würde unsere Schlafmöglichkeit aussehen? Bestände die Möglichkeit, dass die Vorlesungen dieses Jahr wieder so mittelmäßig würden? Letztes Mal hatte ich den Eindruck, dass manche Autoren alles können nur nicht schreiben, was definitiv nicht ins Berufsbild passt. Und die größte Sorge, wie groß würde der Andrang in der Halle 1 sein, der Halle für Comics, Mangas und Cosplays… (Hier schonmal ein Pre-Wettbewerb)?  Spätestens als der Zug auf Gleis 4 einfuhr blieb keine Zeit mehr zu überlegen, die Koffer mussten reingewuchtet werden und anschließend schmiss ich mich auf unsere Plätze wie der wilde Watz. Der Hauptbahnhof nahte und in das Gedrängel wollte ich nicht geraten.

Und als sich dann die Türen schlossen, der Hauptbahnhof und die geliebte Heimatstadt hinter uns zurück blieben, hieß es dann: Leipziger Buchmesse, ich komme!

Die Bahnfahrt muss ich wirklich nicht näher beschreiben. Außer Lesen, Langweilen, Musik hören und etwas im Netz surfen wurde nichts gegeben. Selbst die nervigen Businessmänner, die mit ihren Headsets oder Pipern ständig zwischen der Buchhaltung und der Manufaktur oder dem Kunden hin und her schalteten, konnten es nicht heraus reißen. Wobei sie das nie können!

Die Ankunft war dagegen schon spannender. Keine Verspätung, aber mit einem riesen Hunger wurden wir in Leipzig ausgespuckt.

Schönste Bahnhofshalle, die ich jemals betrachten durfte

Schönste Bahnhofshalle, die ich jemals betrachten durfte

Nach ein paar Minuten Diskutiererei und Einnordnung mit Hilfe der Navi-App auf dem allseits so geliebten Mobiltelefon, ging es dann hinaus in die abendliche Kälte Richtung Nahrungsaufnahmestation. Gefunden wurde sie in einem kleinen Gässchen im hinteren Teil einer Einkaufspassage, deren Wert wir erst später schätzen lernen sollten. Ein kurzer Blick auf die Speisekarte und schon bekam ich ein noch nicht blinkendes UFO in die Hand gedrückt, welches leuchten sollte wenn das Essen fertig war und wie es leuchtete, es blinkte wie ein Leuchtfeuerwerk. Zudem vibrierte es so stark, dass es mir fast vom Tisch viel.. Zumindest war das Essen fertig. Et voilà:

Gemüse und Tofu

Gemüse und Tofu

Der Lauch war noch etwas fest, und die Soße war garantiert aus der Tüte, aber im Gegensatz zum überteuerten Bahnessen ein voller Genuss. Nach dem „üppigen“ Abendmahl ging es weiter auf Hostelsuche. Mit Hilfe der Ortungssatelliten ging dies, wie schon die Suche nach der Nahrungsaufnahme, relativ schnell. Wobei wir noch an einem kleinen Kino und einem Supermarkt halt machten. Allerdings viel das Kinoprogramm an diesem Abend eher Mau aus, so dass wir an der Rezeption gleich nach einem Veranstaltungskalender fragten und prompt einen bekamen. Plus die dazu gehörigen Anweisungen: Frühstück von 7.00-10.00Uhr, Küchennutzung im 1. Stock von 11.00- 22.00Uhr, W-Lan Zugang kostenlos. Der Teenager war glücklich und der Mitbewohner froh endlich sein Gepäck abladen zu dürfen. So bezogen wir unser Zimmer im zweiten Stock am Ende des Flures. So einen langen Hotelflur habe ich noch nie gesehen. Aber in Anbetracht dessen, dass  hieß weder Fahrstuhl noch Treppe in der Nähe. Wenn ich eingeschlafen wäre, hätte ich sicherlich super geschlafen.

Meine Schlaflosigkeit lag aber nicht an der noch zuvor besuchten Lesung im Central Kabarett von Herrn Uwe Simon-Netto, der aus seiner Autobiographie vorlas: Griewatsch. Mein Leipzig. Mein Leben, sondern an der immer größer werdenden Aufregung auf den Folgetag. Irgendwann musste ich wohl doch eingeschlafen sein, denn pünktlich um 6.30 weckte uns das Tetrisgedudel meines Telefons und ich schlüpfte verschlafen ins Cosplaybasicoutfit. Schminken und das andere Brimborium würden später kommen…

Tipp: Unser Hostel war wirklich gut. 200 Meter vom Stadtkern entfernt und sehr sauber und ordentlich. Etwas spartanisch, was aber nicht im geringsten störte. Der einzige Haken war vielleicht das Frühstück. Käse und Wurst gab es in Hülle und Fülle, ebenso wie Kaffe, heißes Wasser und Instant Kakao ebenso wie zwei verschiedene Cerealiensorten mit Milch (nicht Laktose frei). Auch wurden kleine Kuchenschnittchen angeboten. Nur wer gerne zum Frühstück Gemüse oder Obst isst war hier falsch, es sei denn ihr begnügt euch mit etwas Gurke, Tomate und Äpfeln. Die Yoghurts gabt es in 75g Packungen mit Beeren oder Maracuja und gezuckert. Hielt uns aber trotzdem nicht davon ab zu Frühstücken. Ihr merkt, der Supermarkt rief…

 

Ich und die Anderen…

Wer ein unglaubliches Gedächtnis besitzt der erinnert sich jetzt und wird sich denken, hey den Titel kenn ich doch… Für die, die sich nicht mehr erinnern können. Bitte denkt jetzt nicht, dass dies hier ein philosophischer Selbstfindungstripp wird. Nein Danke…

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