Black lives Matter

Königin Mutter, Iyoba Idia

Das Semester ist bereits in vollem Gange und ich sehe schon wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht, also alles wie immer. Trotzdem dachte ich mir mal, ich könnte noch eine Beitragsreihe anfangen (habe ja noch nicht genug). Eine Regelmäßigkeit kann ich dennoch leider nicht versprechen. Der Einstieg besteht aus einem Text, den ich bereits für eines meiner Seminare geschrieben habe. Ein Vorteil hat es, ihr werdet verdammt wenig Rechtschreibfehler finden. Ich verspreche euch im nächsten Beitrag wird es vermutlich wieder anders.

Die nahezu ausnahmslose patrilineare Gesellschaft Afrikas bot nicht viel Platz für Frauen außerhalb ihres sozialen Standes als Mutter. Ihr Beitrag zur Gemeinschaft bestand zum großen Teil aus dem Gebären und Erziehen von Kindern vor allem von Männern, die als mögliche Thronnachfolger oder Oberhäupter von Familien oder Stämmen dienen würden. Das Amt der Königin Mutter oder auch Iyoba genannt, boten daher Frauen eine Ausnahme, um zu Reichtum, Macht, Einfluss sowie einer gewissen historischen Unsterblichkeit zu gelangen. Dazu sollte erwähnt werden, dass dieses Amt vom Schicksal vorherbestimmt und noch vor der eigentlichen Geburt verliehen wird. Ebenso war es kein Phänomen, welches sich lediglich auf das Königreich Benin beschränkte. Einen ähnlichen Status gab es beim Volk der Yoruba, unter den Ashantis, oder im damaligen Reich Bornus. Nach dem Erlangen ihres Amtes als Iyoba Idia ließ sich ihr offizieller Machtanteil mit dem eines Senior Chiefs gleichsetzten. Das Amt selbst wird dadurch definiert, dass sie die Mutter des Erstgeborenen und somit Thronanwärters wurde. Ihre Aufgabe bestand, wie die einer gewöhnlichem Mutter darin, diesen großzuziehen. Nach dem Tod ihres Gatten (König von Benin oder auch Oba genannt) kam der Titel der Königswitwe hinzu. Entscheidend hierbei ist sowohl die Entstehungsgeschichte der Iyoba als auch die später archetypische Symbolik für jede nachfolgende Iyoba eines Königs von Benin sowie damalige künstlerische Darstellung in Statuen oder Schnitzereien.

Nähern wir uns dem Kern der Geschichte, der die Maske der Königin Mutter umgab. Weder Idias Eltern noch sie selbst wussten von ihrem späteren Schicksal als Königin Mutter. Ihre Eltern versuchten die Heirat zwischen ihrer Tochter und dem Oba Ozolua nach der Auserwählung seinerseits zu verhindern. Sie baten ein Orakel um Rat, welches ihnen riet ihre Tochter durch zwei vertikale Einschnitte über dem Nasenbügel zu verunstalten, damit der König sie verschmähte. Damit nicht genug, wurde in die zwei Einkerbungen auch noch abstoßend riechende Medizin geträufelt, falls die optische Verunstaltung nicht genügte. Jedoch spürte der Oba, dass jemand versuchte sein Vorhaben zu sabotieren und konsultierte daraufhin einen seiner Ärzte, um Idia dementsprechend zu behandeln. Die für Idia charakteristischen Narben sind heute noch auf der Maske wiederzufinden. Sie dienten damals als Aufbewahrungsorte für kleine Trankbehälter oder Heilkräuter aller Art.Schließlich wurde die Heirat zwischen Oba Ozolua und Idia dennoch vollzogen. Sie schenkte ihm mehrere Söhne darunter auch Esigie. Nach dem Tod des Obas entbrannte jedoch ein Konflikt zwischen Esigie und seinem Rivalen Arhuaran. Nach mehreren Auseinandersetzungen setzte sich schließlich Esigie gegen seinen Antagonisten durch. Inwiefern Idia als Witwe und Mutter Esigies an dem Machtkampf beteiligt war ist bis heute umstritten.

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