Analyse

Analyse der vier magischen Häuser Teil II

So hier kommt der zweite Teil und damit auch der letzte ;) Ich bin gespannt, was hier dieses Mal hierraus zieht.

 

Das Haus Ravenclaw:

Sind Ravenclaws wirklich solche Streber wie immer alle sagen? Ich bin da etwas zwiegespalten, denn das Wappentier von Ravenclaw ist nämlich gar kein Rabe sondern ein Adler. (Im Film haben sie auch noch die Hausfarben geändert… Statt Blau/Bronze sind sie Blau/weiß)

Der Adler als Symbol steht für Klarheit, Freiheit und Wagemut. Gleichzeitig deklariert der magische Hut das Haus als als weise, klug intelligent sowie lernwillig. Alles gar nicht so weit voneinander entfernt, aber eben auch nicht dasselbe. Der „König der Vögel“ ist bekannt dafür über den Dingen zu stehen. Der Adler fliegt hoch über der Erde und hat von dort so ziemlich alles und jeden unter Beobachtung. Seinen Augen entgeht nichts, wenn er eingreifen möchte dann ist er in Null Komma nichts an gewünschter Stelle und auch sonst ist er durch seine Imposans und seinen Freiraum verdammt schlecht zu fassen.

Ein perfektes Beispiel für einen wahren Denkersgeist. Frei von Klischees, normierten Konzepten/ Werten/Gedanken sowie Lösungsansätzen. Je kreativer der Mensch desto freier seine Denke (häufig), wen ein Ravenclaw ein altes Problem aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachtet ist die Miete vermutlich schon halb gewonnen. Habe ich schon erwähnt, dass trotz Strebsamkeit und Bücherliebe der Ravenclaws keiner von ihnen zwingend Belesen sein muss. Es gibt tausend verschiedene Arten von Intelligenz, hier ein par Beispiele:

Sprachliche oder linguistische Intelligenz

Musikalische Intelligenz

Logisch-mathematische Intelligenz

Räumlich-bildliche Intelligenz

Körperlich-kinästhetische Intelligenz

Intrapersonale Intelligenz

Interpersonale Intelligenz

Ich will damit sagen, dass Ravenclaws vermutlich viel mehr von den oben genannten Intelligenzarten natürlicherweise in Sich tragen, als sich alles wie Hermine aus Büchern bei zu bringen. Schauen wir uns die wirklich einzig bekannten Vertreter dieses Haus an steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit immens.

Als erstes wäre dort Luna Lovegood, das sehr schräge, sehr spezielle, aber auch verdammt schlaue Mädchen aus dem Off. Sie scheint mir nicht gerade die größte Streberin der Welt zu sein, jedoch ist sie stets aufmerksam und beobachtet/ analysiert extrem gerne. Sie bildet sich gerne unabhängig von Leuten ihre eigene Meinung, ist neugierig und erneut kreativ. Sie lebt in ihrer etwas eigenen Welt und kümmert sich gelinde gesagt einen feuchten Dreck darum, was andere Menschen von ihr denken. Zum Beispiel macht sie keinen Hehl daraus unbedingt mal diesem sagenumwobenen Wesen hinterher reisen zu wollen, nur um dessen Existenz zu bestätigen (sie glaub als einzige an dieses Wesen)

Als zweites hätten wir dort Cho Chang, ich lehne mich sehr jetzt sehr weit aus dem Fenster denn ich wage zu behaupten, dass was man von ihr mitbekommt ist typisch asiatisch. Zurückhaltend, still, vermutlich hart arbeitend und keinesfalls dumm. Sie geht mit Harry aus obwohl er zu diese Zeitpunkt unfassbar unbeliebt ist /zur Zeit des trimagischen Tuniers, Cedric Digory ist gestorben und Harry wird mitschuldig an der Miserie) und lässt sich nicht beirren, gleichzeitig hälst sie zu ihm. Nicht unbedingt öffentlich wie einer der Hufflepuffjungs oder das gesamte Hause Gryffindor, doch sind die zwei allein bekräftigt Cho ihren Unzweifel umso mehr. Sie macht sich ähnlich wie Luna lieber ein eigenes Bild einer Person ohne auf die vorgefertigten Meinung anderer zu hören.

Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer vermeintlichen Intelligenz beteiligen sie sich seltenst an Intrigen/ Machtspielen der Slytherins. Sie sind eher die regelkonformen Beobachter, die sich mehr im Hintergrund halten und von dort alles schalten und walten. Weder Luna noch Cho bekennen sich öffentlich der Unterstützung Harrys. Ernie Macmillan macht es genau anders herum, nur ist er auch ein Hufflepuff und Loyalität ist eben die erste Priorität.

Ravenclaw besitzt dieses Gemeinschaftsgefühl gar nicht, sie streben gar nicht nach politischer Macht, politischen Schlachtrufen oder irgendwelchen symbolträchtigen Gesten. Von daher überrascht es fast schon nicht mehr, dass eine Ravenclaw Dumbledors Arme an Umbridge verpfeift. Nur verfolgte Marietta gar keinen bösen Schlachtplan, sie fand lediglich das dieser Club nicht regelkonform gewesen sei. Demnach bedroht sie das bestehende System und muss demnach beseitigt werden.

(mehr …)

Werbeanzeigen

Avatar- Eine Analyse Teil III

Nun zum letzen Teil, des Liebesbriefes an meine Lieblingsserie. Auch hier erneut eine massive Spoilerwarnung für die gesamte Serie: Avatar- Herr der Elemente. Lesen auf eigene Gefahr. Zu Teil I geht es hier und zu Teil II hier…

Bändigen im Allgemeinen- It’s magic… not

Nicht jeder Bewohner des Avatar-Universums ist ein Bändiger. Bändigen ist eine Gabe die angeboren ist oder nicht. Man kann es trainieren, aber nicht erlernen. Wie es genau vererbt wird ist nicht ganz klar, wobei man folgendes feststellen kann: Zwei nicht Bändiger können durchaus ein Kind gebären, welches bändigen kann. Ein perfektes Beispiel dafür wäre Katara sowohl Vater als auch Mutter konnten es nicht und siehe da, die Tochter ist ein riesen Talent. Auch können zwei Bändiger einen normalen Menschen ohne Gabe bekommen. Wenn die Elternteile aus verschiedenen Nationen zusammenkommen, beispielsweise Feuer und Erde kann das Kind ein Nichtbändiger, ein Feuer oder ein Erdbändiger werden, aber zwei Elemente bändigen funktioniert nicht. Denn mehrfach-bändigen ist nur dem Avatar möglich. Es existieren auch gewisse Sondergaben oder Talente, welche hin und wieder Auftreten. Der Stamm der Pflanzenbändiger ist eine gesamte Gruppe von Sonderlingen. Normalerweise die Voraussetzung für solche Ausnahmen ebenfalls angeboren, manchmal erfordernden sie jedoch noch sehr langes und hartes Training.

Aufgrund dessen das Bändigen rein auf den Körper beschränkt ist und es keine magischen oder obskuren Artefakte gibt die es verstärken oder schwächen können ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bändiger völlig übermächtig wird relativ gering. Selbst der Avatar kann besiegt werden, auf dem Weg wie jeder andere Mensch auch, oder wenn er sich im Avatar Zustand befindet. Das Problem dabei ist eben, sobald man stirbt wird nie wieder ein Avatar geboren werden. Nie, nie, nie wieder. Natürlich birgt die Story das ein oder andere Hintertürchen jedoch übertreiben die Autoren es hierbei nicht. Was wäre eine Story auch ohne Plottwists. Demnach kommen die Sondertalente zwar vor, jedoch stehen sich nicht an jeder Ecke. Schon gar nicht solltet ihr in den Glauben verfallen, dass in dieser Welt Nicht-Bändiger schwächer sein könnten als Bändiger.

Das Chi-Blocken ist eine der am häufig vorkommenden Techniker der Nicht-Bändiger, falls se jemals in die Verlegenheit eines Kampfes kommen sollten. Diese uralte Technik ermächtigt den Ausführenden durch schnelle Schläge auf bestimmte Körperpunkte die jeweiligen Nerven und damit verbunden Muskeln für vorübergehende Zeit zu lahmen. Bewegungsunfähig lässt es sich schlecht bändigen…

Superkräfte müssen eben ausgeglichen werden, sonst wird es auf Dauer sehr vorausschaubar und die Geschichte langweilig. Eben diese Balance macht unheimlich Lust auf mehr. So sind die Kämpfe doch recht realistisch im Gegensatz zu den herkömmlichen Shonin Animes, in denen ich mich jede Sekunde frage wie die Charaktere es schaffen, dass Universum nicht zu zerstören. Physik? Schwerkraft? Gilt zwar für jeden, außer für uns. Dieser Spruch macht es auf Dauer ebenfalls nicht spannender.

 

The greatest Story ever told… 

Die wohl wichtigste Folge für die Hintergrundgeschichte Aangs und seinem Konflikt mit Zuko ist 12 Folge der ersten Staffel (Buch Wasser). Innerhalb dieser knapp 25 Minuten erfährt der Zuschauer Aangs Kindheit und den Grund weshalb er damals aus dem Tempel geflohen ist und vor allem warum er gute 100 Jahre im Eis eingeschlossen gewesen ist. Bezüglich Zuko sehen wir eine ähnliche Darstellung seines Lebenslaufes: eine recht glückliche Kindheit, das nicht mehr ganz so schöne Älterwerden und schließlich den augenscheinlichen Drehpunkt seiner Persönlichkeit. Bei beiden Charakteren wird dem Zuschauer nur so viel Hintergrundwissen zugetragen, wie er braucht um die eigentlichen Beweggründe des einen oder des anderen verstehen zu können.

Es gibt dabei verschiedene Schreibtechniken wie man dies bewerkstelligen kann ohne dabei ins plumpe Aufzählen zu verfallen. Die erste Möglichkeit besteht darin, dass dem Protagonisten etwas schreckliches widerfährt. Am besten so schrecklich, dass es ihn nachhaltig prägt und sein späteres Handeln beeinflusst bzw. beeinflussen könnte. Eine Variante der ersten ist, dass der Protagonist sich für das traumatisierende Erlebnis auch noch die Schuld gibt. Das Paradebeispiel hierfür wären Spider- oder Batman. Letzterer sieht den tödlichen Raubüberfall der eigenen Eltern und gibt sich die Schuld dafür, dass er es nicht verhindern konnte. Ersterer muss den Tod seines geliebten Onkels beiwohnen ohne etwas tun zu können.

Normalerweise wird dem Avatar erst mit 16 Jahren sein Schicksal offenbart und dies nicht ohne Grund. Mit dem Wissen der Avatar zu sein, geht eine Menge Verantwortung so wie Reife einher. Beides hatte Aang mit einen zwölf Jahren definitiv nicht. Wie soll er auch, er war zwölf! Jedoch spürten die Luftnomaden das etwas unheilvolles in der Luft lag, weshalb sie Aang vor einweihten ebenso wie die anderen Schüler und Nomaden des Tempels. Während der Junge recht wenig mit dieser Information anfangen konnte, begannen ihn seine Freunde immer mehr auszuschließen, aus Angst, dass er bei Spielen oder spaßigen Turnieren schneller schlagen könnte. Er wäre schließlich der Avatar und somit etwas Besonderes… Aang fühlte sich immer mehr in die Ecke gedrängt und allein gelassen. Sein einziger Freund, der blieb war sein Vorgesetzter. Als eines Tages der Junge, dann noch ein Gespräch belauschte welches besagte, dass Aang in einen anderen Tempel geschickt werden sollte schmiedete er den Plan davon zu laufen. Selbst als er aus dem Eis befreit wird, und Katara ihn in ein Gespräch über den Avatar verstrickt lügt er sie an. Anhand seiner Gesichtszüge erkennen wir, dass er immer sich immer noch nicht damit wohlfühlt. War Aang eimal mit seinem Flugbison und seinem Lemur (ja es gibt in Avatar fliegende Bisons, nehmt es einfach so hin) über dem Meer, gerieten sie in einen schweren Sturm. Kurz bevor die drei ertranken, geriet Aang wohl das erste Mal in den Avatar zustand und schloss sich inklusive seiner Begleiter in eine Luftblase ein, die dann gefror.

Aufgrund Aangs Angst Verantwortung zu übernehmen und somit erwachsen zu werden entkommt er dem Genozid der Feuernation. Vielleicht hätte der den Krieg verhindern können, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Als Aang aus dem Eis befreit wird und später feststellen muss, was während seiner Abstinenz mit seinen Freunden und seinem Volks passiert ist flippt er gelinde gesagt ein wenig aus. Schließlich ist nicht nur sein Vorgesetzer wegen seines Nicht-Daseins gestorben, sondern sein gesamtes Volk. Für einen immer noch zwölf Jährigen, der nun eigentlich 112 Jahre alt ist immer noch ein großer Schock. Deshalb ist Aangs Ziel nicht nur alle vier Elemente zu beherrschen und den Frieden wieder einkehren zu lassen, vielmehr muss er lernen Verantwortung zu übernehmen. Zukos Challenge besteht darin zu erkennen, dass er damals richtig gehandelt hat und sein Vater falsch liegt. Vor allem muss er lernen sich über seinen Vater hinweg zu setzen, denn er braucht niemanden der ihm sein Ansehen und seine Ehre zurückgibt, dass kann nur er selbst. Sich seine eigenen Schwächen und Fehler einzugestehen und diese zu überwinden weckt genug Drama und genügend Identifiaktionsmöglichkeiten für jeden Zuschauer. Schuldgefühle und Reue sind die besten Voraussetzungen um einen Charakter wachsen zu lassen.

(mehr …)

Avatar- Eine Analyse Teil II

Weiter geht es mit dem zweiten Teil. Zum ersten Teil geht es hier und auch für diesen Abschnitt gibt es eine ausdrückliche Spoilerwarnung. Für die gesamte Serie nur damit ihr es wisst!

 

Die Bewohner- Vielseitigkeit macht’s!

Wasserstamm

Insgesamt existieren zwei Wasserstämme und eine sonderbare Ausnahme, die hier aber keine Rolle spielt. Der Stamm im Norden ist sowohl sehr viel liberaler als auch größer als der südliche Vertreter. Aufgrund dessen, wurde der Süden das zweite Opfer der Feuernation in dem 100-Jährigen Krieg. Doch selbst davor besaß er keine große Handelsflotte oder nennenswerte Beziehungen zu Wirtschaftspartnern. Das Aussehen der Kleidung sowie die Umgebung beider Stämme erinnern stark an die Inuits bzw. an verschiedene Urstämme im Norden Sibiriens und Kanadas. Die Kultur dagegen: das friedliche Miteinander, die Zweisamkeit basierend auf Heirat und die Bodenständigkeit erinnert eher an Süd-Ost Asien. Eine recht interessante Symbiose. Die beiden Charaktere (Sokka plus Katara) mit denen die Serie beginnt stammen übrigens vom südlichen Wasserstamm.

 

Erdkönigreich

Das Erdkönigreich ist die größte der vier Nationen, damit einhergehend ist die gesamte Lage (sozial, ökonomisch sowie politisch) nicht gerade unproblematisch. Homogenität existiert hier jedenfalls nicht. Neben Kolonien, autonom sein wollenden Regionen sowie armen Niemandsländern existiert darüber hinaus ein großes Sozialgefälle. Eben davon abhängig in welcher Region man wohnt, und welchem Fürst/ Feudalherren man untersteht. Zieht man die eine oder andere Parallele in unsrige heutige Welt fällt einem recht schnell China ein. Um es weiter zu spezifizieren, könnte man sein Augenmerk auf die Qing- Dynastie legen und wer in chinesischer Geschichte bewandert ist weiß, dass dies ebenfalls keine goldene Zeit war.

Es fängt bereits bei dem Namen der Hauptstadt des Reiches an. Damals in der Qing- Dynastie lautete der Name der kaiserlischen Residenz die Verbotene Stadt in der Welt von Avatar heißt sie Ba Sing Se oder vielmehr die Stadt der Geheimnisse und Lügen. Aus ihren Mauern dringt nichts hinaus was nicht auch hinaus soll und dass etwas ungefragt hineinkommt ist gar unmöglich. Nicht umsonst werden die Stadtmauern Ba Sing Ses gerne mit der großen chinesischen Mauer verglichen. Bewacht bis zum geht nicht mehr und unüberwindbar.

Herrschen tut hier das Militär und die Art von Bürokratie, die ihre Widersacher ganz schnell und heimlich im nächsten Brunnen ertränken lässt oder wegsperrt. Die beiden eigentlichen Herrscher Kaiser Puyi sowie sein Ebenbild in der Serie (König Kuei) sind daher mehr Marionetten als wirkliche Regierungsoberhäupter. Im Falle des Erdkönigs Kuei wird dieser von Long Feng dem Leiter des Geheimdienstes in Ba Sing Se beraten. Um den Leiter des Geheimdienstes kurz zu charakterisieren: Er ist ein Verräter aller erster Güte, ohne Skrupel aber mit verdammt viel Macht. Diese Macht kann er sich allerdings auch nicht zu schreiben, denn im Laufe seines Lebens ist er immer mehr Marionette der Feuernation geworden. Der Höhepunkt dabei bildet die Besetzung Ba Sing Ses von der Feuernation, weshalb die Tochter des Feuerlords die endgültige Macht über Long Feng, den Erdkönig und der gesamten Nation zugeschrieben bekommt. Nichts desto trotz hat er es geschafft dem König einen gesamten Krieg zu verheimlichen. Einen Krieg! Das Ganze endet darin, dass Aang persönlich den Erdkaiser darüber aufklärt was außerhalb der Mauern seines Palastes und seiner Stadt vorgeht.

Damit nicht genug, der liebe Kulturminister Long Feng verschleppte über Jahre hinweg junge Erdbürgerinnen und unterzog sie der Folter, Gehirnwäsche und einer einhergehenden Umerziehung zur perfekten Sklavin. Es gibt in der gesamten Geschichte von Avatar kein einzigen Hinweis darauf, ob die Gehirnwäsche jemals rückgängig gemacht werden konnte. Dafür wissen sowohl Zuschauer als auch die einzelnen Charaktere der Geschichte zu wenig über die Prozedur. Denn Bevor Aang etwas genaueres erfahren konnte zerstörte Long Feng das Geheimversteck unter dem See namens Laogai sowie alle dazugehörigen Informationen. Darüber was mit dem Gefangenen passierte spekulieren Fans noch heute. Eins steht jedoch fest, alle Theorien haben kein glückliches Ende für die Betroffenen. Wann die Entführungen übrigens angefangen haben, weiß ebenso niemand so genau. Viele Thesen verweisen eher auf den Anfang des Krieges, da schon damals die Flüchtlingslager eine einzige Katastrophe waren und niemand wirklich irgendjemanden vermisste. Ich erinnere gerne daran, dass der Krieg bereits seit 100- Jahren tobt. Mal mehr mal weniger, dennoch stellt euch bitte eine staatliche Organisation vor die fast seit mehreren Jahrzehnten Bürgerinnen entführt. Um gleich eins drauf zu setzen, Laogai heißt übersetzt so viel wie Reform durch Arbeit und ist nichts anderes als ein noch heute bestehendes System aus Arbeitslagern in denen alle Gefangene ihre Haft welche durch ein ordentliches Gericht verurteilt werden. Was auch immer dass heißen mag…

(mehr …)

Avatar- Eine Analyse Teil I

Als aller erstes. Ja, es kam gefühlte Ewigkeiten auf diesem Blog nichts mehr und ja, ich habe sogar dafür sogar eine Erklärung. Stichwort: Aufbau einer Ausstellung. Damit wäre das Thema auch schon abgehakt, dazu gibt es später einen Bericht. Kurzer Teaser: Hölle auf Erden.

Jetzt aber zu einem anderen Thema und damit Beitrag, der seit ebenfalls Ewigkeiten auf meiner Festplatte schlummert. Ich war drauf und dran ihn wieder zu löschen, jedoch steckt in diesem Essay zu viel Arbeit drin, als dass ich ihn auf Nimmerwiedersehen ins Datenuniversum schicke. Tod geschrieben habe ich ihn ebenso mehrere Male, es wird einfach Zeit dass er endlich das Tageslicht erblickt. Mal wieder in drei Teilen, da meine Begeisterung mal wieder etwas entgleist ist. Wenn mir mal etwas am Herzen liegt, gibt es eben kein zurück.

Worum geht es überhaupt? Der Essay handelt davon, weshalb einer meiner Lieblingsserien so genial ist, weshalb sich andere Serien von ihr eine Scheibe abschneiden können und weshalb sie absolut keine Kinderserie ist auch wenn sie als solche oft verschrien wird.

Die Rede ist von Avatar- Herr der Elemente oder im Original: Avatar- The Last Airbender. Sie lief meines Wissens im Jahre 2005 an und endete 2008. Sie beinhaltet 3 Staffeln, welche insgesamt 61 Folgen umfassen. Obwohl Avatar, im Zeichentrickstil präsentiert wird ist es kein Anime sondern ein Cartoon. Kommt eben davon, wenn die Produktion in den USA statt findet und nicht in Japan.

Zu Avatar existiert eine gesamte Sequel- Serie „The Legend of Korra“ die etwa 70 Jahre nach den Ereignissen spielt, die ich hier allerdings nicht mit einbeziehen werde ansonsten würde ich endgültig die Seitenzahlen sprengen. Ebenso wie die dazugehörige Comic-Serie, die Aang Abenteuer nach dem Ende der Originalen Serie erzählt. Damit ihr das Ganze auch versteht und nicht völlig auf dem Holzweg herumirrt, hier der Prolog, der erst einmal alles klären dürfte. Übrigens möchte ich eindeutig darauf Hinweisen: Dies ist eine Analyse. Spoiler sind vorprogrammiert. Dies ist eine Spoilerwarnung, der die Serie noch schauen möchte lest diesen Beitrag nicht. Es sei denn ihr wollte gespoilert werden! 

 

Worldbuilding- Realismus darf ruhig auch mal ein wenig fantastisch sein

Jeder der in Avatar vorkommenden vier Nationen ist nicht nur einem Element zugeordnet, dahinter steckt tatsächlich etwas mehr als man auf den ersten Blick vermuten möchte. Sowohl der Lebensstil als auch die jeweilige Kultur bauen auf den Eigenschaften des jeweiligen Elementes auf. Beispielsweise nutzen die Wasserstämme Boote um sich fortzubewegen. Betrachtet man ihren Lebensraum (Süd- bzw. Nordpol) ist dies nur logisch, schließlich gibt es dort nichts anderes als Wasser. Und entweder es wird herkömmlich gerudert oder eben das Wasser unter dem Boot gebändigt. Die Luftbändiger konnten ihre Tempel lediglich mit ihren fliegenden Bisons oder Gleitern erreichen.

Die geographischen Anpassungen sind eben recht offensichtlich, kommen wir nun zu den politisch/kulturellen. Das beste Beispiel dafür wäre das riesige Erdkönigreich. In diesem existiert nämlich zwischen der Stadt- Landbevölkerung ein großes Sozialgefälle. Einkommen, Lebensstil sowie die Kleidungsart unterscheiden sich drastisch. Zum einen liegt es eben an der Berufung der Bewohner zum anderen am politischen Oberhaupt. Das Erdkönigreich ist ein Kaiserreich, demnach keinesfalls homogen. Im Norden herrschen andere Fürsten als im Süden oder Osten, und damit einhergehen eben auch die allgemeinen Werte, Regeln, Traditionen etc.

Vom Erdkönigreich völlig autonom sind dagegen die Feuerkolonien, lernt man den Feuerlord besser kennen weiß man ziemlich schnell wer den schlechtesten Platz in der Gesellschaft hat. Nun ist es eines wie die Welt im Individuellen aufgebaut ist und etwas völlig anderes wie sie präsentiert wird. Beides meistert Avatar ganz hervorragend inklusive des Storytellings.

 

„Storytelling is the most powerful way to put ideas into the world today“ – Robert McKee

Das Wunderbare an letzterem ist, dass der Zuschauer am Anfang ähnlich ahnungslos ist wie die beiden Charaktere Sokka und Katara. Sowohl wir als auch sie kennen die Vorgeschichte bzw. wir kennen den Prolog. Weder wir noch das Geschwisterpaar kennen die gesamte Welt, noch können wir erahnen welche Abenteuer auf sie warten. Im Laufe der Serie wird der Zuschauer mit den Charakteren selbst zum Entdecker. Wir steigen quasi durch den magischen Schrank und erleben einen Aha-Moment nach dem nächsten, kurz um wir haben Spaß. Alles ist neu, unbekannt, aufregend und irgendwie verdammt cool.

Das Problem dabei, selbst alles Neue und noch so coole wird irgendwann langweilig. Beide Parteien (Zuschauer und Charaktere) konsumieren zunächst nur, können aber nichts beisteuern. Man läuft Gefahr wieder zu eindimensional zu werden. Doch wozu hat man denn Aang? Aang kennt immer noch die Welt vor 120 Jahren als wäre es gestern gewesen. Dank seinen Erinnerungen fängt an ein Austausch zwischen alt und jung oder Vergangenheit und Gegenwart statt zu finden. Erst währenddessen wird einem selbst klar, was sich alles verändert hat und vor allem wie viel zum Schlechten. Dabei wird vor allem immer wieder ein Thema aufgegriffen: Krieg. Dieser Sachverhalt ist in einer Kinderserie recht happig. Trotzdem schafft es die Serie dieses Thema wahrheitsgemäß, aber nicht zu traumatisieren aufzubereiten. Die verpasste Zeit holt Aang nun anhand von Einzel oder Gruppenschicksalen auf. Beginnend mit Kataras und Sokkas Familiengeschichte, fortführend mit den Schicksalen der Erdbürger in den Feuerkolonien oder den Widerstandsgruppen von politisch Gefangen und Waisen etc.

Aufgrund der ganzen Dramen, welche nach und nach aufgefächert werden, wird dem Zuschauer gezeigt was das eigentliche Ziel dieser Serie bzw. des Handelns der Charaktere ist. Für den Krieg, der einen Großteil der Welt in Unheil gestürzt hat, hat irgendwo seinen Ursprung. Dieser liegt bei Zosin beziehungsweise seinem ebenso machtgierigen und kranken Enkel Feuerlord Ozai. Nur wenn Ozai besiegt ist kann wieder Frieden in die Welt einkehren. Das Problem bis dato war, dass niemand so mächtig war um ihn besiegen zu können. Deshalb wird nun der Avatar gefordert. Doch damit nicht genug, denn selbst Aang ist in seiner Anfangsform noch zu schwach. Seine Kräfte stehen erst am Anfang der Entwicklung.

Das Ziel ist nämlich die Perfektion des Bändigens aller vier Elemente. Eins meistert er bereits hervorragend, sein eigenes: Luft. Im Gegensatz zu so manch älteren Superheldenfilmen existiert hier bei nicht wirklich eine Stringenz. (Weshalb ich hier „nicht wirklich“ anstatt „gar nicht“ schreibe erkläre ich später.) Der junge Avatar muss zwar die Welt retten, jedoch bleibt dabei sehr viel Zeit für sehr viel Nebensächliches wie eben persönliche Geschichten, Charakterentwicklung, Zusatzabenteuer, Plottwists und natürlich die allseits beliebten Insider, die dem ganzen die gewisse extra Würze geben. Bevor wir jetzt uns jetzt ans wahre Eingemachte herantrauen, hier ein kurzer Stopp. Dieser kurze Teil war quasi nur die Einführung in das Thema. Als nächstes folgt ein Artikel zu sämtlichen Fakten der Avatar Welt, und zum Schluss widmen wir uns dann noch einmal der Storyline mit einem passenden Schlusswort.

Blade Runner, ein inspiriertes Nachsinnen

Wenn man krank ist hat man sehr viel Zeit zum Nachdenken und meist noch sehr viel mehr Zeit um Fernsehen beziehungsweise YouTube zu schauen. Da trifft es sich besonders gut, wenn man wie aus dem nichts auf einen Typen trifft der unheimlich gerne, sehr ausführlich und verdammt eloquent Analysen bzw. „Ruminations“ von Filmen und besonders Videospielen veröffentlicht. Dank ihm hatte ich nun die Muße, den Leitfaden und überhaupt die formulierten Gedanken um diesen Artikel hier zu Stande zu bringen. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Herren und wollte dies demnach hier nur mal so erwähnt haben wollen. 

Die grobe Handlung lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

Blade Runner spielt in einer dystopischen Zukunft: Die Erde versinkt in Überbevölkerung, die Armut ist allgegenwärtig ebenso wie der undurchdringliche Smog. Die reale Flora und Fauna wie wir sie erkennen existiert nicht mehr. Sie war entbehrlich geworden und so wurde sie schlichtweg durch mechanische Äquivalente ersetzt und nicht nur sie. Dank Eldon Tyrell gibt es auch noch eine zweite Form des „menschlichen“ Seins, die Replikanten.

Replikanten sind irgendetwas zwischen Android und Mensch. Androiden sind humanoide Roboter wie beispielsweise C3PO aus dem Star Wars Universum. Eine Maschine, welche den Menschen sowohl im Verhalten als auch im Aussehen ähnelt. Dennoch sind Defizite vorhanden, denn so humanoid ein Roboter auch sein mag, er bleibt eben ein Roboter weshalb Gefühle oder überhaupt alles damit verwandte wegfällt. Was dagegen ein Mensch ist, spare ich mir an der Stelle nun zu erklären.

Wie oben schon erwähnt sind Replikanten etwas wesentlich feinsinnigeres. Sie wurden weder geboren noch haben sie einen wirklichen Alterungsprozess hinter sich. Sie wurden erschaffen, geformt sowie geprägt allein durch die Hand des Menschen bzw. Tyrells Angestellten.

Aussehen, Verhalten, Intelligenzpotential, grundsätzliche Charakterzüge, Ab- Zuneigungen sowie Motive all dies wird im Vorwege bestimmt und abgesprochen. Um den Slogan des Tyrell Unternehmens zu erfüllen „More human than human“ bleibt es jedoch nicht bei der bloßen Programmierung, es geht viel tiefer, viel perfider… Denn als Basis für das Innere oder die Identität eines Replikanten werden im künstliche Erinnerungen eingepflanzt. So wissen die Individuen meist selbst nicht, was sie sind. Weshalb wurden diese Wesen nun erschaffen? Nun, sie dienen der Gesellschaft, denn mit zunehmenden Dreck, Menschen, Armut fielen immer wieder Aufgaben an, die nie ein Mensch als Beruf bedienen wollte wie Soldat, Prostituierte, Farmer für Maden, Putzkräfte etc. Je nach Beruf wurden sie darauf programmiert. In Anbetracht dessen, dass diese Produkte vollkommen künstlicher Natur sind könnte man sie rein theoretisch so „Supermenschen“ machen und man hätte ausgesorgt. Genau da liegt das Problem, denn erstens hätte Tyrell nicht viel davon genau 500 Exemplare herzustellen und dann seine Firma zu schließen weil schlichtweg keine weiteren Replikanten mehr gebraucht werden, da diese 500 nun für die Ewigkeit weiter arbeiten. Zweitens, die Replikanten mit einer unglaublichen KI ausgestattet sind. So lernen sie aufgrund von Beobachtungen unglaublich schnell neue Dinge ähnlich wie Affen. Zwar mögen die künstlichen Erinnerungen nahe zu echt wirken, jedoch stößt selbst dort die Technik an ihre Grenzen, denn aufgrund der kurzen Daseinsdauer ohne Kindheit befindet sich das logische Denken auf der Höhe eines Erwachsenen, die Emotionen auf der eines Kleinkindes. Die Erinnerungen vermitteln lediglich die Basisgefühle: Freude, Angst oder Traurigkeit. Das macht ihre Gefühlslage teilweise recht instabil, denn alles was so viel komplexer ist als diese drei reinen Gefühle wird auf eines der drei herunter gebrochen.

All dies sind Gründe für Tyrell den Replikanten eine begrenzte Lebenszeit einzuprogrammieren. Vier Jahre, länger dürfen seine Wesen nicht unter den Lebenden weilen. Diese Zeit reicht natürlich kaum, um seine Identität voll zu erfassen. Geschweige denn zu lernen was Leben wirklich bedeutet. Sie sollen ja auch gar nicht erst auf den Geschmack kommen, sondern lediglich funktionieren. Trotz der Sicherungsmaßnahmen kam es vor 20 Jahren zu einem nicht näher beschriebenen Aufstand. Daraufhin wurde es sämtlichen Replikanten verboten auf der Erde zu leben oder je auf die Erde zurück zu kehren. Natürlich gibt es immer Rebellen, selbst unter Replikanten und so entstanden die Blade Runner. Auftragskiller, deren Profession es ist eben diese illegalen Besucher/ Bewohner zu beseitigen.

Einer dieser Blade Runner ist Rick Deckard. Dass die Arbeit nicht ungefährlich ist erlebt der Zuschauer am Anfang des Films. Denn einer Deckards Kollegen wird in seinem eigenen Büro erschoßen. Von einem der sechs Replikant, die sich zuvor von ihrer alten Kolonie losgesagt hatten und via Piraterie auf die Erde gekommen waren. Da sein Kollege nun menschliches Gemüse ist bekommt Deckard nun den Auftrag die sechs ausfindig zu machen. So viel zur Vorgeschichte und zur Handlung des Filmes….

Kommen wir zum Filmsetting:

Ist euch aufgefallen, dass es auf der Erde kein einziges Alien gibt was anders aussieht? Gut, nun könnte es für die ein ebenso geltendes Aufhalteverbot geben, jedoch weshalb wird das nie erwähnt? Überlegen wir weiter: Roy ist scheinbar ein ein ehemaliger Soldat. Diese Soldaten haben den Auftrag im Namen ihres jeweiligen Generals weitere Territorien für die Menschheit zu erlangen. Nur gegen wen kämpfen sie genau? Wenn keine Aliens existieren, wen töten sie? Betrachten wir die Gesellschaftsstruktur wird diese relativ schnell sehr klar. Replikanten, Bettler, Berufstätige und an der Spitze die wenigen Reichen. Wäre es nicht logisch wenn dieses Ständesystem auf den anderen Planeten nicht auch so funktioniert? Was wäre wenn die Reichen und Schönen nichts anderes zu tun hätten, als sich gegenseitig mit ihren gekauften Replikanten zu bekriegen? Statt Drohnen, nehmen sie nahezu echte Menschen. Macht doch gleich viel mehr Spaß und wer gewinnt hat am meisten Macht, Geld und Platz Ressourcen zu farmen.

Replikanten-Soldaten sind also dazu verdammt ihre eigene Art zu töten, vermutlich ohne dass sie es wirklich realisieren oder zumindest nicht sofort. Sie haben wie man es sieht nur oder immerhin vier Jahre Zeit es heraus zu finden. Wenn überhaupt.

Die Lichtsetzung verachte ich an dieser stelle ebenfalls nicht, jedoch dürft ihr euch auch so denken wie großartig dieses Meisterwerk ist. Gehen wir ein weiteres Thema an. Die Erzählart, Blade Runner kommt ohne jede Erzählhilfe aus. Kein Prolog, kein Textepos à la Star Was, keine Zwischensequenzen oder Begrenzungen des filmischen Raumes. Ridley Scott kreierte damals Szenen, die aneinander gereiht immer für sich stehen. Der ganze Film lässt einen zu denken beginnen. Deshalb ist es überhaupt möglich erst in diesen Film etwas hinein zu interpretieren, deshalb ist er so herrlich mehrdeutig und mehrschichtig. Selbst nach dem fünften Mal schauen entdeckt man jedes Mal ein neues Detail.

Wo wir gerade beim Thema der Mehrdeutigkeit sind, lasst uns doch einmal einige Motive des Filmes genauer Betrachten. Fangen wir mit den Augen an. Ich selbst habe das ganze Aufsehen gegenüber Augen nie ganz verstanden. Augen seien das Fenster zur Seele des Menschen, die Augenfarbe könne angeblich etwas über den jeweiligen Charakter aussagen etc. etc. etc. In dem Setting ergibt der ganze Hype endlich mal Sinn. Als erstes Beispiel könnte man hier den Voigt-Kampff-Test anführen. Er ist übrigens der Grund, weshalb Deckards Kollege am Anfang des Filmes überhaupt erschoßen wurde. Um Replikanten letztendlich als solche zu entlarven werden sie diesem Test unterzogen. Ihnen werden 20- 30 Fragen gestellt, welche ihr Gefühlszentrum aktivieren soll darüber hinaus werden gleichzeitig verschiedene Körperreaktionen gemessen wie Herzfrequenz oder eben die Bewegungen des Auges. Wir erinnern uns, Replikanten kennen lediglich die drei Grundgefühle. Diese Fragen des Void-Kampff-Tests sind allerdings sehr viel mehr komplexer und zwingen den Replikanten ständig sich auf ein Gefühl zu beschränken. Dieser Streß des Herunterbrechens wird eben gemessen. Ein emotionaler Drogentest quasi.

Als zweites Beispiel sehen wir uns doch einfach mal die Augen von Mr. Tyrell an. Ist euch aufgefallen, dass er seine gigantische Brille nie absetzt? Aufgrund der Linsenkrümmung ist sowohl seine Sicht auf die Welt verzerrt (für ihn ins sinnvolle) als auch die Perspektive des Gegenübers, da er durch die Krümmung hindurch sehen muss. Verzerrte Augen gleich verzerrte Seele, erklärt die Charakterzüge des Magnaten. Eiskalte Kalkulation, keine Schuldgefühle beim Herumspielen mit dem Leben anderer und wirtschaftliches Kalkül.

Nächstes Motiv. Es mag zwar etwas weit hergeholt sein, jedoch lasst mich erklären. In Blade Runner tauchen so einige Referenzen oder teilweise Parallelen zu Tierwelt auf. Fast jeder relevante Charakter in Blade Runner entspricht einem Tier. Es ergäbe sogar Sinn, denn vor allem als Replikant ist man nichts wert. Man ist Sklave des Systems, vogelfrei und eigentlich noch nicht einmal wirklich Herr seiner Sinne. Da ist es nur verständlich sich eine zweite Haut zuzulegen, mit der man sein Wertgefühl ein wenig aufbessern kann. Wie sollte es besser gehen, sich ein Tier zu suchen in einer Welt in der reale Tiere so selten geworden sind wie in unserer Welt außerirdisches Leben?

Fangen wir mit Sebastian an. Ein junger Mensch, welcher gewisser maßen von der Gesellschaft ausgeschloßen und letztendlich verstoßen wurde (lediglich Tyrell lädt ihn manchmal zu sich ein, um mit ihm Schach zu spielen). Seit langer Zeit lebt er im Verborgenen und baut sich seines hohen Intellekts selbst einfache Automaten, welche ihm in der Einsamkeit Gesellschaft leisten. Leise, missachtet, verborgen, intelligent und vor allem friedlich alles Eigenschaften einer Maus.

(mehr …)