Abenteuer

Die Namenlosen, Teil I

Die letzten Tage gab es ein kleines Hin und Her mit der Geschichte. Sie sollte eigentlich am Sonntag erscheinen und dann zwitscherte mir eine Kiwi, dass hier ein paar Logikfehler etc. drin wären. Da ich ein wenig in sauer lag (zu wenig geschlafen, zu viele Konzerte) habe ich es erst einmal runter genommen. Jetzt ist es aber hoffentlich endgültig fertig und ich wünsch euch ganz viel Spaß:

Ausdruckslos starrte ich in die Leere. Am großen Platz vorbei hinein ins Nichts. Völlig unbeeindruckt von all den sich amüsierenden und aufgeregten Massen. Sie waren Schuld  gewesen wie immer in meinem Leben. Was hätte ich darum gegeben schreien zu dürfen, alle bösen Erinnerungen hier und jetzt aus meinem Gedächtnis zu verbannen. Warum?! Warum konnte ich es nicht? Warum musste es uns treffen? Viel mehr warum ihn? Warum nicht mich…oder uns? Wer war denn so böse gegen jene, die noch nie auch nur irgendetwas verbrochen hatten, jene die seit Jahrhunderten verfolgt und verhasst wurden.… Wie konnten sie es wagen. Meine Kehle war wie zugenäht, zugenäht von verhassten, paranoiden Staatsführern, die an jedem und allem ein Exempel statuieren mussten und das Schlimmste war, die Mehrheit spielte mit. Aus Angst hielten sie sich versteckt. Wer wollte sich schon den Verurteilten anschließen? Noch nicht einmal die kleinsten Kleinstkinder wären so dumm gewesen. Hier zu leben war Selbstmord auf Raten, aber sich dagegen zu wehren pure Folter.

Bevor mich auch nur irgend jemand wahrnahm verschwand ich im Wald, irgendwohin. In unser altes Versteck konnte ich ja nun nicht mehr. Verbrannt hatten sie es und nicht nur dass, vorher hatten sie es auch noch zerstört und anschließend erneut ausgeräuchert. Natürlich nur um uns zu vertreiben. Wir, die möglicherweise noch irgendwo hätten liegen können unter den Trümmern begraben. Wie hatten sie uns nur finden können?! Ich hatte doch sämtliche Siegel verstärkt, alle Kreise neu gezogen, selbst die Steine neu gesät und doch hatte ich bei einem von uns dreien versagt. Eine Silbe zu schnell gesprochen, eine Linie nicht gleichmäßig gezogen oder eine Rune falsch gesetzt. Mir war klar, dass es jeder Zeit wieder passieren könnte… Dann wären wir wieder einer weniger und letztendlich ganz fort. Seit Jahrhunderten wurden wir bereits gejagt und nie war jemand von uns am Tod eines Mitglieds Schuld gewesen. Bis heute, heute war ich es. Ich versuchte den aufkommenden Würgereiz zu unterdrücken, ich wusste das es Amon wusste und er wusste, dass ich wusste. Sein Bruder war aufgrund meines Fehlers gestorben. Gerechtigkeit sah anders aus.

Ein Entrinnen würde es nicht geben, nicht mehr für ihn. Für keinen von uns. Vielleicht hätten wir ihn vor Jahrtausenden mit unseren Legionen retten können, aber Zeiten änderten sich.

Zu zweit, war es schlichtweg unmöglich. Dort wo Amons kleiner Bruder nun bis zu seinem Tod verweilte würde es düsterer und tödlicher sein, als die menschliche Hölle selbst.

Schon bei dem puren Gedanken stellten sich meine Nackenhaare auf. Gleichzeitig verlangsamten sich meine Schritte, meine Füße hatten mich automatisch zum Unausweichlichen geführt. Ich wusste was auf mich wartete, vielmehr lauerte. Ein verzweifelter Amon in der Hoffnung seinen Bruder wieder zu sehen. Ich hatte es ihm in aller Naivität versprochen. Ich hatte ihm geschworen Chumur zurückzubringen, schließlich standen die Chancen am Anfang sogar gut. Bis zu dem Moment, als Chumur gestand oder vielmehr dem Druck nachgab zu gestehen. Wie versteinert hatte ich zusehen müssen wie der Gong geschlagen wurde, der dumpfe Klang hatte meine Füße erfasst, meine Knochen durchdrungen und war durch die Mauern hindurch auf die Straßen getragen worden. Insgeheim hoffte ich, dass es Amon gehört hatte. In seinem Zustand, ihm den Tod seines Bruders zu verkünden machte mich wahnsinnig vor Angst. Gleichzeitig wusste ich je länger ich wartete, desto schlimmer würde seine Reaktion und ich wollte nicht noch jemanden verlieren. Nicht jetzt, selbst ihn nicht. Ich war schließlich kein Mensch. Wir würden schon einen Weg finden wie bisher immer.

Ich schloss die Augen, hörte auf meinen Herzschlag, versuchte ihn wahrzunehmen nur um ihn anschließend zu packen und zu schütteln auf, dass er endlich Ruhe geben sollte. Nichts geschah, ich begann sogar leicht zu schwanken. Sofort öffnete ich die Augen. Es musste enden, jetzt hier sofort, sonst würde ich noch vor Kummer verrückt.

Unsicher lehnte ich mich an den Stein und ließ mich innerlich fallen. Niemand, selbst der stärkste Rammbock hätte diese Wände zerbrechen können. Außer man war wie wir, nicht menschlich. Doch ehe ich mich überhaupt sammeln konnte, wurde ich an der Schulter gepackt und so stark herumgezerrt, dass ich das Gleichgewicht verlor. Wäre die Hand nicht gewesen, wäre ich vermutlich auf den harten Steinboden gestürzt.

Staub wirbelte auf und verklebte meine Wimpern, nur undeutlich sah ich die Gestalt vor mir. Dann ein erneuter Ruck durch meinen Körper, die Gestalt vor mir hielt mich gepackt wie ein Schraubstock. „Wo ist er?!“, donnerte es mir entgegen. Erst nach Sekunden begriff ich, dass es Amon war. „Sag mir wo er ist oder…“ er vergrub seine Fingernägel in mein Schlüsselbein und ich zuckte vor Schmerz zusammen. Durch den inzwischen wegeblinzelten Staub konnte ich seine Befürchtung geradezu wachsen sehen. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, dann erfasste der Schmerz der Verzweiflung seinen Körper, übermannte ihn und begann seine Seele zu zerfressen.

Bevor er sich wieder fassen konnte stieß ich ihn von mir weg und stolperte ein paar Schritte nach hinten. Bloß raus aus seiner Reichweite. „Du weiß ganz genau wo er ist“, flüsterte ich leise. Noch immer vermied ich der Wahrheit ins Auge zu sehen . „Ist-ist er tot?“, stieß Amon hervor. Ich ignorierte ihn, wusste er es doch selbst. „Antworte, Gott verdammt!“, hörte ich ihn schreien. „Es gibt keinen Gott, es gab nie einen, und es wird auch nie einen geben! Jedenfalls nicht für uns…“, schrie ich zurück. Da gaben seine Beine endgültig nach und er fiel auf die Knie, vergrub sein Gesicht in seine Hände. Sein Körper fing stark an zu zittern und seine Schreie hallten noch Minuten in dem uralten Höhlensystem wieder. Das war keine Verzweiflung mehr, dass war purer Zerfall. Alles erbebte: Mark, Bein, der feine Staub, selbst die Wände schienen zu vibrieren unter dem puren Schmerz eines liebenden Bruders.

Ich ließ ihn schreien, kein einziges Wort und keine einzige Geste hätten ihn beruhigen können. Gegen Schmerz gab es nur ein Mittel und dass war die Zeit. Er konnte nicht endlos so weiter schreien, irgendwann würden seine Stimmbänder nachgeben oder sein Bewusstsein. Unentschlossen zog ich mich zurück, bemerken tat er mich nicht und schließlich nach schier endlosen Minuten sollte ich recht behalten. Sein Schluchzen wurde leiser, seine Schreie kürzer und das Husten und Röcheln lauter bis er letztendlich ganz verstummte.

Dann Stille, weder ich noch er bewegten sich. Keiner von uns schien zu atmen, jeder von uns schien auf die Reaktion des anderen zu warten gespannt wie ein Flitzebogen. Auch nur ein falsches Wort und das Grauen würde von vorn beginnen. „Warum? Warum musste es ihn treffen?“, Amon rang nach Luft. Erschöpft und immer noch zitternd stemmte er sich hoch und drehte seinen Kopf schwach in meine Richtung. Sein Blick war leer und tot, ich erschauderte. „Hör zu“, fing ich an, „es gibt Dinge, die können selbst wir nicht verstehen.“, nun brach meine Stimme. Ich war immer noch angespannt, wie viel Zeit blieb mir noch ehe er eins und eins zusammenzählte und mich beschuldigte. Mein Sichtfeld verschwamm und ich presste die Augen zusammen, jetzt bloß nicht weinen. Nicht hier und nicht vor ihm, einer von uns musste einen kühlen Kopf bewahren. Zumal ich ihn wohl bald brauchen würde.

Anstatt mich meiner Trauer hinzugeben starrte ich wie gebannt auf den Boden, doch irgendwann gab mein Wille den Geist auf. Meine Beine wurden weich und ich glitt die Steinwand herunter dort kauerte ich mich zusammen. Das Einzige, was ich jetzt noch wollte war schlafen. Schlafen, schlafen schlafen. All das schlechte, all das Grauen der letzten Stunden vergessen, aber ich wusste es würde nicht funktionieren. Solche Dinge konnte und durfte man nicht vergessen…

Verträumt dachte ich an die Zeiten, als ich noch so etwas wie glücklich gewesen war. Niemand hatte auch nur eine Notiz von mir oder gar von meiner Familie genommen. Wir waren stinknormale Bauern gewesen, nicht besonders reich aber zufrieden. Es reichte zum Leben und es gab schlimmeres als auf dem Feld zu arbeiten. Selbst unser Lehnsherr war gütig gewesen vielmehr streng, aber gerecht. Ungern erinnerte ich mich an die Geschichten von den fahrenden Spielleuchten, ich hatte sie bis dato immer für Schauermärchen gehalten bis zu dem Tag an dem unsere Äcker abgebrannt wurden und ich mich inklusive meiner Eltern plötzlich auf der Flucht befanden. Erst dann fand ich heraus, was ich wirklich war und dass mein Leben nie wieder so sein würde wie vorher. An dem Tag der Flucht verlor ich nicht nur meine Eltern, nein ich verlor alles was ich bis dato kennengelernt hatte: Geschwister, Freunde, Verwandte, Nachbarn und meine Heimat.

Wie durch ein Wunder gelang es mir zu entkommen und wie das Schicksal es so wollte stieß ich auf Amon und seinen kleinen Bruder. Amon wollte mich zuerst verraten, sah dann aber ein dass ich recht nützlich war und behielt mich dann doch widerwillig. Schließlich konnte ich lesen, schreiben und dass was mir mein Vater sonst noch so gelehrt hatte. Wie dumm ich gewesen war, mich vorher nicht zu fragen weshalb ich über die Dinge nie mit anderen reden durfte. Wie dämlich von mir, dass ich dachte es sei normal Sachen zu bewegen ohne sie jemals berührt zu haben.

Wir zogen einige Zeit durch die Länder, möglichst bedacht darauf unentdeckt zu bleiben. Drei arme Waisen getarnt als Kinder von gewöhnlichen Schmieden, Bäckern oder Stallmännern. Eines Tages gelangten wir an den Rand des Tals, in dem die Stadt so friedlich lag. Unschuldig und fast noch unberührt. Es gab nirgendwo Anzeichen darauf, dass wir auch hier gejagt werden sollten. Es wurden weder Waffen verkauft noch hingen hier irgendwo Aushänge, die die Bewohner anstacheln sollten die Augen aufzuhalten. Selbst heute, selbst nach diesem Vorfall änderte sich weder das Verhalten noch das Äußere der mittlerweile nicht mehr ganz so winzigen Stadt. In dem Sinne war es sogar noch schlimmer als in den südlicheren Großstädten. Hier glichen die Aristokraten Schlangen, die nur darauf warteten dass sich jemand zeigte und dann wurde kurzer Prozess gemacht. Ohne Kommentar, ohne großes Aufsehen… Oder war der Geburtstag des Kaisers Schuld gewesen? Färbte der nationale Eifer auf den Charakter der Gesellschaft ab? Tief in meinem Inneren zweifelte ich, Menschen waren und blieben grausam ungeachtet der äußeren Umstände. Wie viele Menschen würden in den nächsten Tagen wohl anreisen? Hunderte, Tausende? Eine Hinrichtung unseresgleichen am Nationalfeiertag hatte man noch nie erlebt, es würde sicherlich ein großartiges Fest werden. Allein die Vorstellung jemandes Todes so ausgiebig zu feiern war einfach nur zu grausam um wahr zu sein.

Ich wollte gar nicht wissen, wie Amon sich fühlen müsste. Schließlich erlebte ich es zum ersten Mal, er nun zum dritten oder vierten? Ich war mir nicht mehr sicher wusste ich nur, dass er bereits seine gesamte Familie verloren hatte. Um ehrlich zu sein, war es noch nicht einmal wirklich wichtig. Für uns zählte nur die Gegenwart und der nächste Tag. Weiter trauten wir uns nicht zu denken, früher war es anders gewesen. Zumindest für mich bis ich eines nachts  von meinen Eltern wachgerüttelt und anschließend in einem Kartoffelsack auf einem Wagen verstaut worden war.

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Die gesammelten Schätze des Monats der Feuerwelle

Die erste Amtshandlung des Monats war die Beweihräucherung meinerseits, denn ich hatte Geburtstag. Hipp, Hipp, Hurray! Wieder ein Jahr älter, und wieder ein Jahr voller Erfahrungen etc. etc. Ich kürze den klischeehaften Geburtstagsschmonz einfachhalber ab und umfahre die Dankesrede großzügig. Über welchen Geburtstag ich mich noch viel mehr gefreut habe, war der meines Blogs. Wir haben nämlich immer am selben Tag Geburtstag, was ich ungelogen jedes Jahr wieder aufs Neue vergesse und mich dann am besagten Tag dementsprechend freue. Zahlen waren wirklich noch nie mein Ding… Genauso wie der Geschenkkorb, der mir dann am nächsten Morgen von meinen Kollegen auf der Arbeit überreicht wurde. Auch wenn sie es vermutlich niemals lesen werden, möchte ich, dass nur mal für die Zukunft festhalten: Make-Up ist nicht, gebt mir Essen! Meine Mitbewohnerin hat sich dafür umso mehr gefreut, was mich wiederrum gefreut hat. Eine optimale Win Win Situation sozusagen. Ich sollte einfach das Fach „wichteln“ oder „Beschenken“ studieren, ich wäre bestimmt erste Klasse.

Ich weiß übrigens noch nicht einmal, was dieser Korb beinhaltet hat. Ich konnte zwar diverse Nagellacke identifizieren, aber davon mal abgesehen… Es gab noch eine sehr interessante Sprühdose mit der Aufschrift „Körperschaum, Geruch: Tasty Donut“ und ich sage euch das Zeug stank. Es war eine Mischung aus dem künstlichen Geruch von diesen Harribo Beeries und ner merkwürdigen Eigennote. Es erinnerte vielleicht nach Donut? Ich hatte noch nie einen, deshalb ist die Einordnung vielleicht jetzt nicht wirklich aussagekräftig. Auf jeden Fall bekommt man Wiedererkennungswert bzw. geruchswert.

Nebenjob macht es möglich, weshalb ich mich dann noch einmal selbst beschenkt habe. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt mir ein Paar Zughilfen zu zulegen. Für die Tage, an denen meine Finger mal wieder so gar keine Lust haben auch nur irgendetwas länger als drei Sekunden festzuhalten. Ein zweites Paar bzw. mein erstes richtiges Paar Kniebandagen durfte natürlich auch nicht fehlen. Fazit der Anschaffung: Ich liebe meine neuen Bandagen, dank des Design sehe ich jetzt zwar aus wie ein BVB Fan, aber davon mal gesehen redern die Dinger wundervoll. Sie sind nur nicht für den Alltag geeignet, denn man kann mit den Teilen weder vernünftig knien noch sitzen. Mit den Zughilfen muss ich dagegen noch üben, aber es wird.

Der erste Gau des Monats war übrigens mein neuer Chef. Unser vorheriger ist wohl Rente gegangen und dann kam er. Man könnte ihn perfekt beschreiben mit: „Er ist wieder da“… Jung, vermutlich frisch aus der Ausbildung, lediglich am Profit und an der Effizienz der Mitarbeiter interessiert, inklusive einer Prise allround-Blödmanndasein. Ich durfte ihn übrigens ganz alleine kennen lernen, da der Rest des Teams entweder krank oder im Urlaub war. Endete damit, dass ich fast den gesamten Laden alleine einräumen durfte, Überstunden geschoben habe ohne Ende und dann auch noch mit einem dämlichen Kommentar entlassen wurde. Ich verbeiße mir jetzt auch jeden weiteren Vergleich, da der absolut böse enden könnte.

Zumal ich am Anfang wirklich dachte, es würde an mir liegen. Schließlich reagiere ich gerne mal etwas über. Der nächste Tag schuf allerdings Klarheit und während ich die Seife einräumte belauschte ich im Laufe des Morgens ganze drei Mitarbeitergespräche, die alle nicht glimpflich für unseren neuen Chef ausfielen. Wenige Wochen später, waren wir ganze drei Mitarbeiter weniger. Seitdem bekommen wir regelmäßig gesagt wie langsam wir doch arbeiten würden… (mehr …)

Die gesammelten Schätze des Monats der Ausnahmezustände

Was für ein Monat. Ich weiß ich schreibe das seit Oktober irgendwie jeden Monat, aber warum muss auch soviel passieren. Ich meine, auf der einen Seite ist es natürlich schön auf der anderen Seite muss ich dann so viel aufschreiben. Ich bemerke auch gerade erst jetzt, dass ich nur noch fünf Wochen habe. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich allerdings noch nicht. Wer mich auf Twitter verfolgt oder ich ihn zwangsweise ungefragt bombardiere weiß, dass dieser Monat recht explosive Phasen hatte. Lag schlichtweg daran, dass unser Museum zwecks Ausstellungswechsel zwei Wochen lang geschlossen war und wir eine Woche lang hardcore renoviert haben und die andere Woche die Ausstellungsstücke aufbauen durften. Nicht sonderlich witzig kann ich euch sagen, aber fangen wir langsam an. Der Monat begann erst einmal mit einem Besuch in dem Museumsarchiv, welches am anderen Ende der Innenstadt liegt. Da ich immer noch scharf auf kostenlose Bustickets war und die Fahrkarten zum Archiv vom Museum gesponsert werden nehme ich mir jedes Mal fest vor dort hin zu laufen. Es ist machbar, aber laufen nennt sich das nicht mehr. Es ist vielmehr eine Wanderung, weshalb zeigt mein Navigationsgerät eigentlich keine Höhenmeter an? Es fängt perfiderweise mit einem sehr langen Stück bergabwärts an, da ich ebenfalls auf einem Hügel wohne und steigt dann aber um so steiler an. Was das ganze dann jedoch ein wenig abgemildert hat war, dass ich auf dem Weg durch eine Art Wald/ Nationalpark wandern durfte. Sehr schön, sehr einsam (wenn man die Gärtner nicht mitrechnet) und sehr überraschend. Dort wachsen nicht nur Laubbäume, nein auch gibt es dort einen kleinen Trail für die ansässigen Islandpferde sowie einen riesigen Stausee.

Das Archiv ist an sich nicht wirklich erwähnenswert. Es steht jede Menge abgefahrenes Zeug herum, was noch abgefahrener wäre, wenn es nicht in Noppenfolie stecken würde. Was nicht gerade zu groß für die Kartons, Regale oder Schubladen ist wird dort drin verstaut. Das Herumstöbern macht Spaß als Archivfotografin tauge ich allerdings weniger. Nicht weil ich nicht fotografieren könnte, nein ich bin meist schlichtweg zu klein für die monströsen Poster oder Modelle, welche die Künstler so fabriziert haben. Da helfen weder Stuhl noch anderes Mobiliar. Wobei ich schon arg schlucken musste, als mir die Archivarin mal eben ihre Kamera in die Hand drückte. Einer dieser herrlichen Spiegelreflex-Kameras mit tausend Optionen… Wie gut, dass der Autofokus an war. Ob die Fotos allerdings wirklich etwas geworden sind werde ich wohl nie erfahren. Zu Gesicht bekommen habe ich sie nämlich nicht mehr. Eines noch, weshalb benutzt man Seidenpapier zum Verpacken von Dingen? Einmal eingepackt, kann man die doch nicht mehr entpacken?! Ich habe schlicht weg über zwei Stunden damit verbracht, das Seidenpapier nicht zu beschädigen. Letztendlich habe ich einfach aufgegeben, weil es mir nicht möglich war. Das Einpacken dafür war die Hölle. Wer braucht schon Texttafeln in einer Größe von 1×2 Metern, die natürlich auf keinen Fall dreckig werden dürfen?!

Hatte ich schon erwähnt, dass ich tierische Kopfschmerzen von Archivluft bekomme? Oder dieser typisch staubtrockenen Luft in Shopping-Malls? Ich sehe gerade, ich benutze zu viele Fragezeichen. Zurück zu einfachen Aussagesätzen wie: Ich habe endlich einen polnischen Supermarkt gefunden. Der liegt nämlich gleich neben meinem zweiten Arbeitsplatz. Es mag ein wenig verrückt klingen, aber ich habe mich ein wenig heimisch gefühlt. Zumindest habe ich dort endlich mal etwas verstanden, und ich konnte die Produkte auseinanderhalten. Was Auslandsabenteuer so alles mit einem anstellen. Was mir dagegen ein bisschen Sorge bereitet ist, dass meine Unterwäsche so langsam den Geist aufgibt. Stoff hält eben auch nicht ewig, und dass was ich so dabei habe ist eben seit knapp acht Monaten im Dauereinsatz. Shoppen gehen möchte ich hier jedenfalls nicht, schon gar nicht Unterwäsche. Wenn ich mir die Frauenabteilung so anschaue, kann ich mir nämlich das Einkaufen auch sparen. Ich will Unterwäsche verdammt noch mal nicht „Nichts“ tragen… Vielleicht gibt es etwas anständiges in der Kinderabteilung. Hobbit sein hat auch seine Vorteile. Wenn wir gerade bei Geldausgeben sind, müsste ich mich auch noch um das Problem mit dem Übergepäck kümmern. Ich bräuchte definitiv einen zweiten Rucksack oder einen großen Beutel. Am liebsten hätte ich ja einen mit Universums-Print, nur wo bekomme ich den her? Ich sehe schon, ich werde Pokern müssen. Drückt mir mal die Daumen, dass es ein Royal Flash wird.

Da wir gerade bei Gewinner-Chancen sind Dublin war mit seinen teilweise streunenden Katzen, Füchsen sowie (Madern?) ein wenig abenteuerlich Reykjavik ist allerdings noch mal ein wenig besser. Hier ist zwar kein Eisbärengucken im Vorgarten angesagt, aber es gibt noch viel mehr Katzen. Der geniale Pluspunkt dabei ist, dass nicht alle scheu wie Rehe sind. Weshalb ich mittlerweile einen Stundenplan habe, wann die Nachbarskatzen draußen sind. Die kann ich nämlich gefahrlos streicheln und bespaßen. Freut beide Parteien und ich habe angenehme Beschäftigungs- sowie Flaumtheraphie. Weil wir gerade bei Katzen sind, ich bin immer wieder erstaunt wo sich alles in der Welt Amseln und Meisen ansiedeln können. Gibt es auch einen Ort, an dem es diese kleinen Piepmätze nicht gibt? Es ist zwar schön, dass hier morgens so viel Leben herrscht aber sie sind laut. Nicht so laut wie die nervige Müllabfuhr, aber die kann ich mittlerweile recht großräumig umgehen. Was tatsächlich noch lauter ist als das ohrenbetäubende Rattern des orangenen Monsters ist das Geschrei der hier ansässigen Nebelkrähen. Offiziell gehören sie anscheinend zu den Singvögeln. Das ich nicht lache. Wenn deren Babygeschrei als Gesang tituliert werden kann, weshalb habe ich damals in Musik keine eins mit Sternchen bekommen? Ich frage mich gerade ob Reykjavik eigentlich einen Zoo hat… Besuchen würde ich ihn zwar nicht, wäre aber mal interessant zu wissen oder zumindest ein Aquarium. Ein aquares-Feeling bekomme ich immer öfters gratis. Es liegt nicht immer am Regen, der ist mehr oder weniger kein Problem. Ich rede ihr von den Meeresbewohnern. Eines schätze ich an meinem Heimathafen mittlerweile besonders. Die Fischabfertigungshalle sofern sie überhaupt eine haben liegt nicht unbedingt im Einzugsgebiet. Hier dagegen schon, genauer gesagt direkt neben meinem Arbeitsplatz, was für mich bedeutet regelmäßig dezentes Fisch Horsd’œuvre genießen zu dürfen. Zu Deutsch: Es stinkt teilweise erbärmlich nach nicht mehr ganz so frischem Fisch. Besonders schön ist es, wenn von den Transportern der ein oder andere Fischrest auf den Boden fällt. Der wiederum bleibt dort erst einmal liegen im Zweifelsfall auch gerne mal länger. Wenn schwere Sturmböen aufkommen dann wehen die euch entgegen und ihr dürft morgens um kurz vor halb elf erst einmal Fischköpfe umarmen. Entgegenkommender Straßensand ist dagegen wirklich angenehm.

Das Gefühl bei fliegenden Fischen relativiert sich übrigens wieder als ich krank wurde. Nicht wirklich richtig krank sondern eher das Level von Männergrippe. Ergo ich war fit genug um zur Arbeit zu schleichen und zu Arbeiten, aber der Rest viel eben flach. Das waren die ersten zwei Wochen des Monats, weshalb ich in dieser Zeit kaum etwas vorproduzieren konnte. Mein Tagesplan sah nichts anderes vor außer Bett und Arbeit… Zumal es sich mit Kopfschmerzen des Todes wirklich schlecht schreiben ließ ebenso wie mit Halsschmerzen schlecht reden. In dieser Zeit vielen auch relativ viele Sprachnachrichten flach, was meinen Frust weiter anwachsen ließ. Genauso wie zwei Wochen ohne Sport… Es klingt lächerlich, aber wenn dir das einzig probate Mittel genommen wird sich selbst auszulasten dann wird das ganze Leben ein wenig schwieriger. Weshalb die zwei Wochen recht schlecht gelaunt durchlebt wurden, wenn ich es vorsichtig ausdrücken darf. Was es am Ende war? Keine Ahnung, in Deutschland grassierte zu der Zeit der Influenza B Virus, ob der zur selben Zeit auch hier in Island angekommen war? Ich bezweifle es.

Was nach meinem Kranksein kam, war allerdings um einiges Schlimmer. Wir sollten für das Museum beziehungsweise für die Galerie die neue Ausstellung aufbauen. Wir müssen es selbst machen, da die Administration zu wenig Geld von der Stadt bekommt wie gefühlt jede kulturelle Institution. Voller Vorfreude sah ich den zwei Wochen entgegen und schon am ersten Tag merkte ich: Sechseinhalb Stunden Tapete von der Wand abzukratzen, die Wand zu waschen und fürs Streichen vorzubereiten ist eine Hausnummer. Die nächsten Tage wurden nicht besser… Wir strichen, putzen, strichen, verputzen Löcher, schliffen Wände ab und putzen erneut. In Anbetracht dessen, dass wir trotz Anweisung unserer Chefin die falsche Farbe benutzt hatten begann alles wieder von vorn. Eine Woche lang hieß es Putzen, Staubsaugen, Steine schleppen, Streichen und wieder Putzen.

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Gesammelte Schätze des Monats der Verabschiedungen

Der Oktober verabschiedete sich mit einem Magendarminfekt und der November hatte absolut nichts gegen meinen Okkupanten einzuwenden. Statt den magischen drei Tagen blieb der Gast eine ganze Woche, der All-Inklsuiv Urlaub für die gesamte Viren-Belegschaft. Darüber hinaus gab es dann auch noch eine Standpauke der Chefin weil man ja trotz Krankheit zur Arbeit kommen würde. Wobei ich lediglich die eine Stunde überbrücken wollte in der sie nicht da gewesen ist. Es war nicht meine Schuld, dass sie letztendlich ganze zwei Stunden später als geplant kam. Das akademische Viertel scheinen hier die Wenigsten zu kennen. Der aufgezwungene Urlaub wurde leider nicht mir Artikelvorschreiben genutzt, da ich schlichtweg nicht in der Lage dazu war. Vielmehr entdeckte ich mal wieder Netflix für mich. Mein Retter in der Not, denn nach Attack on Titan oder Thief ist es wieder stiller geworden. So ging es gleich mit ID-0 weiter. Kurze Notiz an euch: ID-0 ist eine der Netflixeigenproduktionen und besitzt eine Staffel à 12 Folgen. Was soll ich sagen um drei Uhr morgens angefangen abends um 19 Uhr beendet. Es kommt recht selten vor, dass ich eine Serie an einem Tag durchschaue. Kann nur für die Serie sprechen. Alles in allem lag ich zwei Tage im Bett (okay eher im Bad) Trotz selbstgemischter Elektrolyte: Zucker, Salz, Zitronensaft und Kartoffelmöhrenbrei wurde dann auch erst einmal eine Art Herpes entwickelt. Es war zwei keiner, aber die Schuppenflechte oder trockene Haut breitete sich immer weiter aus bis der Angriff mit der Geheimwaffe namens Vitamin A Salbe beendet wurde. Auf mein Magen-Darm-Infekt folgte eine ebenso fette Erkältung und die langersehnte Ankunft meiner Mitbewohnerin.

Diese fand meine Entwicklung natürlich überhaupt nicht prickelnd, weshalb min Körper erst die volle Ladung Zink, Eisen und Vitamin C bekam. Abermals einen Tag Bett gehütet, wobei es an dem Tag wirklich nur aus Eimern geregnet hat… Nicht wirklich etwas verpasst.

Meine Chefin war in der Zeit vor der Ankunft meiner Mitbewohnerin umso anstrengender. Es reichte ja schon, dass ich zwei Tage nicht bei der Arbeit gewesen war… Demnach sagte sie mir am Donnerstag Nachmittag, dass ich dich bitte am Freitag kommen solle, da sie ihre Freundin zum Flughafen wollen würde. Freitag ist mein freier Tag und ich hatte schon genug zu tun von Sport machen einkaufen, Zimmer reinigen, Betten beziehen sowie weiter Zeichnen üben und den Schrank umräumen. Zwei Personen haben in einem Raum ein anderes Teilungsverhältnis.

Ich machte sehr deutlich, dass mir das dieses Wochenende zu knapp sei und ich nicht könnte aus eben so genannten Gründen und eine ellenlange Diskussion brach aus. Also sie Diskutiere bzw. hielt Vorträge über Fleiß, Disziplin sowie Buisness-Benehmen. Wie gut dass ich zur deslben Zeit zuhören, vergessen und ignorieren kann. Sonst hätte es vermutlich Tote geben.

Ihr Ansprüche orientieren sich an einem Full-time Job, was gerade bei ihr und bei zwei meiner Ex- Kollegen auch zutraf. Nur eben nicht bei mir. Ich funktioniere gänzlich anders, ich werde für meine Arbeit nicht bezahlt noch anders honoriert. Erst recht nicht spiele ich freiwillig das Zimmermädchen, welches den Dreck anderer Leute wegmacht. Die elendige Auseinandersetzung hielt mich dennoch nicht davon ab, pünktlich am nächsten an der Bushaltestelle zu stehen und auf meine Mitbewohnerin zu warten, die mich besuchen kam. Zusammen verbrachten wir eine wunderbare Woche, ich fror mir dank dem biologisch eingebauten Heizkörper meiner neuen Zimmergenossin nicht mehr den Arsch ab, eher schwitze ich. Der vernachlässigte Schlaf wurde aufgeholt und gen Nachmittag besichtigten Museen, Kaufhäuser, Parks und ich nutze die Gelegenheit aus und räumte die Supermärkte leer.

Museumsbesuche zu zweit sind gleich so viel schöner… Besonders wenn man sich sowohl gemeinsam an Kunst erfreuen kann als auch sich fragen darf ob das Ausstellungsstück nicht wirklich in die Mülltone könnte oder zumindest an seinen ursprünglichen Einsatzort. Meine Chefin kontaktierte mich und fragte wie es laufen würde, nebenbei erwähnte sie wie anstrengend die Arbeit doch sei, sie dringend eine Pause bräuchte etc. Weder ich noch meine Mitbewohnerin wollten ein zweites Mal an den Ort der Arbeit zurückkehren, weshalb ich fleißig weiter krank spielte. Ich würde meinen wohl verdienten Urlaub, für den ich sogar noch kämpfen müsste für nichts und niemanden hergeben. Es hätte alles so perfekt weiter laufen können, wäre mein Stubentiger nicht schon wieder am abnibbeln gewesen. Zwei mal Lungenpunktion, dann Stabilisierungsphase etc. Diverse Tage sowie Heul und Wutanfälle später die Diagnose. Symptome eines bösartigen Tumors ohne Tumorzellen… Als er wieder zu Hause war wurde er beschmust und gefüttert und zwar mit Fischbrei und Garnelen à la Mitbewohnerin. Gute zwei Wochen später gab es zum Abend mehrere kryptische Nachrichten per SMS und mir war klar, das Kerlchen würde ich lebend nicht wiedersehen. Am nächsten Tag kam dann auch die Bestätigung. Irgendwie war ich in dem Moment verdammt froh, dass meine Vermieter gerade im Urlaub waren. Um ehrlich zu sein, weiß es auch noch keiner außer eine gute Freundin und nun ihr.

Aber zurück in die noch weit aus vergangenere Vergangenheit (gibt es das Wort überhaupt?) bevor die Hiobsbotschaft in mein Leben trat und mich erneut von den Füßen fegte. Denn ich verbrachte mit meiner Mitbewohnerin noch weitaus schöne Tage. Zumal wir eine sehr leckere Restaurantkette entdeckt haben. Nachdem meine Mitbewohnerin wieder ins Flugzeug gestiegen war ging es mit mir erneut bergab. Wer denkt man hat sich nach einer Woche gefangen liegt leider falsch. Der Schlaf wurde kürzer, die Laune erneut schlechter. Der Höhepunkt waren zwei Gespräche die folgten. Das erste fand zwischen meiner Chefin, einer Zeichnerin und mir statt. Die Zeichnerin wollte ich schon lange treffen, denn sie ist großartig. Dann waren wir zusammen und fingen uns an uns zu unterhalten. Über das Leben, das Universum und natürlich über meine Bewerbung für die Kunsthochschule, weil meine Chefin von meinem privaten Kram immer noch nicht die Finger lassen kann. Was folgt war eine endlose Litanei über das Leben, die Probleme welche die beiden hatten, wie sie sie lösen mussten, dass sie so viel mehr erfahrener seien als ich, dass meine Kunst nicht so düster sein solle, ich mehr Studien malen müsste. etc. Mich nervte es zusehends von gleich zwei Menschen in die Mangel genommen zu werden… Ich würde gerne mehr Zeichnen, ich habe aber nicht die Zeit dazu entweder ich bin krank oder muss arbeiten oder mein Alltagsleben auf die Reihe bekommen unfallfrei… Das ist nicht einfach! Zum anderen nervt es mich ständig belehrt zu werden. Ich weiß was für mich gut ist und was nicht. ich weiß wie ich mit mir umgehen müsste und im allgemeinen ist mir verdammt vieles sehr Bewusst, denn ein Jahr Intensivtherapie gehen an einem nicht spurlos vorbei.

Irgendwann endete der Tag und ich fühlte mich irgendwie in die Welt des Circles versetzt. Meine Chefin vertrat wohl den Vorsatz charing is caring. Kann bitte irgendjemand einen zweiten Snowden bringen, der dieses Netzwerk in die Luft gehen lässt? So sehr sie es liebt die Probleme andere zu diskutieren, so schwer schweigt sie ihre Probleme tot. Schließlich möchte sie keinen damit belasten, sie sei alt genug mit ihren Problemen alleine klar zu kommen, sie müsse es lernen etc. Die alte Leier des letzend Monats und ich rollte die Augen was dass Zeug hält. Gefühle in sich hinein fressen ist und endet niemals gut.

Die zweite Unterhaltung ging erneut über eben angesprochenes Thema, über Lebensphilosophien und endlich gab es einem Menschen der ähnlich dachte wie ich. Eine großartige Frau übrigens und eine ebenso großartige Straßenkünstlerin dazu. Fazit mit dem ich konform gehen kann, man sollte aus jeder Erfahrung die man im Leben macht etwas positives ziehen. Sollte deshalb, weil Ausnahmen immer wieder die Regel bestätigen jedoch gibt es derartige Schicksalsschläge recht selten. Was mich fertig gemacht hat, war umso mehr die Tatsache, dass wir Stunden gebraucht haben um zu diesem Punkt zu kommen. Jede Minute, die ich die beiden Frauen diskutieren hörte wurde mir schlechter und elendiger, das ich dieses philosophieren ums große und Ganze nicht ertragen kann. Ich will mir keine Gedanken über den Sinn des Lebens machen, über den perfekten Lebensstil, über das Sein im Kollektiv. Ich will eifach nur leben, eifach nur ich sein und einfach nur genommen werden wie ich bin mit allen Vorzügen, Fehlern, Macken und Talenten. So mache ich es bei meinen Freunden doch auch, wenn ich bei einsam anderen nicht kann meide ich ihn eben. Schluss. Fertig. Aus. Zum Schluss gab es die große Frage Wer bist du eigentlich?, damit ist das reine „Ich“ gemeint und darauf hatte keiner wirklich eine Antwort. Ich habe nun eine dank meiner Mitbewohnerin, die mich irgendwie daran erinnert hat. Eigentlich war es mehr der Fuchs mit dem ich früh morgens an der Ampel. Ich glaube ich will gar nicht wirklich wissen wer ich genau bin. Wenn man jede Reaktion von sich kennt und jeden Winkel, dann kann man doch gar nicht mehr überrascht von sich selbst sein. Kann weder Herausforderungen annehmen oder wirklich leben, denn man kennt sich ja schon im kleinsten Detail. Würde dieser Zustand eintreten kann man doch sterben, es lohnt ich ja nicht mehr irgendetwas zu tun. Deshalb ich bin für kontrolliertes Umherwabern im inneren Selbst. Wer macht mit?

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Gesammelte Schätze des Monats der Fremde

 

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Irlands, das Land der Kobolde, der Schafe und des Islams?! Anscheinend soll die islamische Bevölkerung bis 2030 hier um 188% gewachsen sein. Ja gut… 2011 lebten 1,1% in Irland (48.130 Menschen).  Ich wusste nicht, dass dieser Umstand so weltbewegend ist, dass er auf der Googlesuche auf Platz drei der Suchanfragen erscheint, aber bitte. Jetzt aber zu wichtigergem, beispielsweise meiner Wenigkeit.

Dieser Monat sollte eigentlich jeden Rahmen sprengen in Sachen Spannung und Erlebnissen und sicherlich tut er das auch, jedoch bin ich vermutlich so reizüberflutet dass der Status schon mittlerweile bei Routine angekommen ist.

Irlands, das Land der Kobolde, der Schafe und des Islams?! Anscheinend soll die islamische Bevölkerung bis 2030 hier um 188% gewachsen sein. Ja gut… 2011 lebten 1,1% in Irland (48.130 Menschen).  Ich wusste nicht, dass dieser Umstand so weltbewegend ist, dass er auf der Googlesuche auf Platz drei der Suchanfragen erscheint, aber bitte. Jetzt aber zu wichtigergem, beispielsweise meiner Wenigkeit.

Dieser Monat sollte eigentlich jeden Rahmen sprengen in Sachen Spannung und Erlebnissen und sicherlich tut er das auch, jedoch bin ich vermutlich so reizüberflutet dass der Status schon mittlerweile bei Routine angekommen ist.

Die Besitzer meiner Unterkunft sind im Großen und Ganzen wirklich nett, wenn auch ein wenig speziell. Politischer Aktivismus, gepaart mit einen folkloristischen, yoga- orientiertem Nachtleben prallt auf Vollblut Italienerin mit frischem Baby. Zwischen all dem mal wieder ich. Weder Yoga, noch Baby oder gar Nachtleben orientiert. Ich hätte alles hervorragend ausblenden können, wäre da nicht der Umstand gewesen, dass ich die ersten 29 Tage im Wohnzimmer verbringen musste. Mein eigentlicher Raum war noch von AirBnB Gästen besetzt… Liebhaber des Nachtlebens und das Feingefühl eines Elefantens besitzend. Siehe laut um fünf Uhr morgens die Wohnungstürzuschlagen und dann minütlich abwechseln Zimmer- Badezimmertür und dann zur jeweiligen Begleitung flüstern: We have to be quiet. Jeder Guerilla-Krieger hätte die beiden an den nächstbesten Baum gebunden und den wilden Tieren überlassen, besser sie würden gefressen als der Rest der Mannschaft.

Ansonsten hält sich unser Verhältnis in der Waage. Wir teilen eine gewisse Neigung für dieselbe Filmgenres und die Liebe zur Geschichte (zumindest mit meinem Vermieter), jedoch ist die Haltung von Grundsatzdiskussionen recht unterschiedlich. Ich weiß nicht ob er schon dahinter gekommen ist, aber ich sehe zu dass ich diese Themen großräumig meide. Mit seiner Freundin habe ich nichts gemeinsam. Außer dass wir beide nicht sonderlich gut Englisch sprechen. Ich bin eben nur halb so geistreich, was mich tierisch nervt. Ich bin nicht dumm wie Stroh, wirke aber so. (Mein zweiter unabsichtlicher Reim des Tages).

Wobei, dass eigentlich zuerst meine kleinste Sorge gewesen war. Es gab da noch eine ganz andere Nummer. Wenn mein Vermieter früh morgens/ mitten in der Nacht von der Arbeit nach Hause kam legte er sich dann öfters mal ins Wohnzimmer. Wir erinnern uns, ich schlief dort. Nein, ich habe ihn nie reinkommen hören und nein wir haben auch nicht im selben Bett bzw. auf der Couch geschlafen sondern an entgegensetzen Enden des Raumes! Keine Angst. Mein Problem war einfach nur, dass ich beim Aufwachen lediglich eine dunkle Silhouette erspähen konnte, wenn ihr alleine eingeschlafen seid dann ist es überhaupt nicht witzig zu zweit aufzuwachen auch wenn der Andere mehrere Meter von dir entfernt friedlich liegt. Was mich besonders wahnsinnig macht ist, dass die Wohnung eine offene Küche besitzt… Im Wohnzimmer quasi. Habt ihr schon mal versucht im Dunkeln euer Frühstück zu kochen und zu essen? Ihr werdet die Taschenlampenfunktion eures Handy lieben lernen. Sachen packen und sich blind Klamotten für den Tag herauszusuchen wird ebenfalls zu einer Herausforderung. Egal wie leise ich war, ich habe ihn meist doch aufgeweckt. Er hat sich aber nie beklagt. Besser ist… Ich meine was kann ich dafür, dass sein Sohn gerade seine Schreiphase hat. Es ist sein Sohn, nicht meiner. Oropax würden helfen…

Daraus folgere ich einfach mal… Die Stärke meines Heimwehs sowie meiner Verfassung hängt also ganz stark von meiner Verfassung ab: Wie gut/ lang ich geschlafen habe, welche Wetterlage gerade herrscht herrschte und was ich an diesem Tag machen würde. Bis sich die Parameter verschieben, wird es noch eine ganze Weile dauern. Meine oben genannte Routine besteht meist darin mit den Stimmungsschwankungen zurecht zu kommen. Alleine… Permanent an der Wange eines irgendjemanden zu hängen schickt sich nicht. Man muss lernen, alleine klar zu kommen weshalb ich bereits stolz bin bereist drei gute Tage hinter einander gehabt zu haben. Zur Verdeutlichung, bei einem Graph der Gleichung f(x)= 20sin(20x)  hab ihr schnell einen ersten  Eindruck. Es ist kein Wunder wenn ich um neun bereits im Bett verschwinde und um vier schon wider aufstehe. Danke Zeitverschiebung…

Zumal sich neben einem unfreiwilligen Mitbewohner seines/ meines Zimmers noch  eine Spanne von weiteren Problemen auftaten. Fehlende Privatsphäre heißt für mich als introvertierter Mensch die pure Hölle. Das Wohnzimmer wird tagsüber gerne als Babyzimmer benutzt und eben Wohnzimmer. Wenn man keine Menschen sehen will, könnte dies schwierig werden. Sicherlich ich hätte rausgehen können, ich hab mir nichts anderes gewünscht nur wenn du dir das Knie beim draußen Joggen zu zerschießt, dass Gehen zum Spießroutenlauf wird ist das ganze verdammt unangenehm. So zahle ich das Fitnessstudio in dem ich mich hier angemeldet habe seit gut zwei Wochen umsonst, wobei ich nun pausieren werde denn irgendwann saß ich in der Notaufnahme. Brav früh morgens und wartete auf Diagnose, Ergebnisse, Hilfe. Kühlen, Kampferöl und eine entzündungshemmende Salbe inklusive Schonen hatten eher weniger geholfen und so hatte ich die Faxen dicke. Den ganzen Tag zu Hause sitzen ohne bis dato eigenen Rückzugsort?!

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„Willkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider #3

Wie ihr seht habe ich mich bemüht in die Tasten zu hauen. Allerdings ist aus dem ursprünglichen Teil 3 nun doch ein Teil 3 und 4 geworden. Dann ist aber auch Schluss. Ich verspreche es! Wer Lust hat hier und hier gehts zurück in die Vergangenheit…

 

 

„Sorry“

Ruckartig hob ich meinen Kopf. Blinzelte. War ich schon wieder eingeschlafen? Mein Kopf dröhnte, meine Augen brannten mit ihnen mein ganzer Körper. „Was?“ murmelte ich, und versuchte durch Zwinkern mein Blickfeld wieder scharf zu stellen, vergeblich. Etwas stimmte nicht, etwas fehlte. Warum sah ich trotz offener Augen alles unscharf? Eine Hand von hinten stupste mich an. Ich versuchte mich um zu drehen, wurde aber von etwas zurückgehalten. Was war denn nun los? Die Hand tippte mich noch einmal an. Langsam reichte es, mein abgeklungener Ärger kochte wieder auf, warum ich? „Kann man nicht eine Minute mal warten!“ , rief ich genervt. Abrupt hörte ich die Schiebetür aufgehen, dann schließen. Anschließend Stille. Resigniert schlug ich meinen Kopf gegen die Lehne. Wann war eigentlich mein letzter guter Tag gewesen? „Hey Blindfisch, deine Brille!“, kam es von weit her und dann hörte ich wieder Schiebetüren. Verdammt meine Brille.

„Es werde scharf…“ Gerade noch erhaschte ich einen Teil von Thomàs wild herumfuchtelnder Hand. „Sei froh, dass ich dich geweckt habe und keiner der anderen. Jetzt komm wir müssen los, dein Gepäck steht bereit, deine kaputte Brille liegt Pierre im Koffer und nein du musst dich nicht bedanken. Übrigens Karen fühlt sich schuldig wegen der Bremsensache. Verzeih ihr doch, ich kann sie nicht so traurig sehen.“. Meinen bösen Blick bekam er wohl nicht mehr mit, denn seine schnellen Schritte hallten auf einmal von allen Seiten in mein Ohr. Seit wann hatte der kiewer Bahnhof eine Tiefgarage? Meine Zehen zuckten. Anscheinend war nicht nur ich eingeschlafen sondern auch mein gesamter Körper. Draußen empfing mich eine noch erbarmungslosere Kälte, als am Flughafen. Meine gerade warm gewordene Gliedmaßen gefroren sofort. Selbst meine Haare schienen zu frieren, denn ich fühlte wie sie sich einzelnd und ganz langsam meinen Nacken hinauf krochen. Hätte ich doch bloß meine Mütze angezogen wie auch immer, es war zu spät. Ich war zu spät. Wenn ich einen Zahn zulegen würde, wäre ich eh gleich wieder im Warmen. Jedenfalls hoffte ich das. Wer wusste schon ob in den ukrainischen Zügen nicht auch Glas so zerspringfreudig war. Eilig griff nach meinen Habseligkeiten und folgte den Fußstapfen in Richtung Bahnhofsgebäude, eine winkende Person wies mir dazu den weg. Pierre hatte anscheinend keinen Problem mit der Kälte, denn er wartete geduldig vor der Bahnhofstür und schien mich aufmerksam zu bobachten. „Hey Miesepeter, bevor wir uns drei Monate lang ins Nirgendwo begeben schau dir doch zumindest mal die Fassade an…“ Er zeigte nach oben. wiederwillig folgte ich seinem Finger. Warum sollte ich jetzt in der Eiseskälte mir die architektonischen Wunderwerke einer sowjetischen Baugesellschaft anschauen? Es war selbst mich zu kalt. die durchschnittlichen -8 Grad waren schon lange passiert worden. Pierre musste wohl meinen Widerwillen spüren, denn er atmete leicht entnervt aus „Hey du bist hier der Zeichner, ich will dir doch nur mal zeigen, was du alles verweigern kannst. Bäume, Sträucher und Stahl kriegst du später noch genug.“ „Ich denke Eiszapfen und Licht genauso“ entgegnete ich ihm. „Mag sein, aber keine doppelten, mannshohen Fenster, und geschwungene Dächer. Schon gar nicht eine Prachtstraße wie die hinter dir, aber es ist deine Sache. Ich hebe dir die Bilder für später auf.“ Er verzog lächelnd die Mundwinkel, damit musste er seine Kamera meinen. Welche er wohl dabei hatte? „Ist dir denn gar nicht kalt?“, wechselte ich das Thema.“ Pierre schaute mich verwirrt: „Nein, mich wundert, dass du komplett verfroren aussiehst. Es ist gerade mal ein wenig unter null Grad. Wehe du wirst krank, ich habe keine Lust von einer einfachen Grippe hingerafft zu werden. So und jetzt komm“ , seine Stimme klang zusehend drängender, „Die Anderen warten nicht, auch nicht auf einen zweiten Monet wie dich.“ Er packte meine Hand und zog mich in Richtung der Gleise. „Was ist eigentlich zwischen dir und Karen los, hm? Thomàs hat dich so merkwürdig angeschaut im Bus“ „Dicht du auch noch.“, ich verzog das Gesicht zu einer Fratze. Pierre fing an zu lachen. „Ach ich verstehe, kompliziert wie immer. Ach Junge hab ich dich vermisst.“ Kaum hatte er das ausgesprochen bekam ich einen freundlichen Nackenklatscher. Reflexartig zog ich die Schultern hoch. „Lass das“ rief ich gespielt genervt aus und rannte dem bereits fliehenden riesen Rucksack hinterher. „Sieh an die zwei Kleinkinder Kommen auch schon. Schön, dass wir mit euch fahren.“ Pierre streckte bloß Karen die Zunge heraus. Ich schaute weg, Kein Angriffsfläche mehr zeigen ermahnte ich mich. Vielleicht ließ sie mich dann einfach in Ruhe, falls Thomàs Vermutungen stimmten, was ich immer noch nicht glauben wollte. „Ich hoffe mal keiner hat geplant die Bremsen vom Zug aus zu testen“ scherzte ich. Ich erntete nur einen bösen Blick von Thomàs: „Irgendwie hatte ich vergessen wie nachtragend du warst…“, antwortete er achselzuckend. „Aber wer weiß? Vielleicht ist mein Onkel ja dieses mal der Fahrer der Bahn. Wäre der Einzige, der dass noch könnte.“ Er lachte. Ich wandte mich von ihm ab, er war zwar nur noch angetrunken und nicht mehr betrunken, aber so ganz verstand der meinen Ärger immer noch nicht. Nach einigen Minuten Schweigens aller Mitreisenden fing ich an unsere Gruppe zu beobachten. Neben Thomas, Karen, Pierre und mir standen noch drei andere Personen mit uns zusammen. Ich erinnerte mich dunkel, in dem Schreiben hatte etwas von Forscher, Übersetzer und zwei Fotographen gestanden, also musste einer von ihnen Pieres Kollege sein. Wer wohl? Die zwei Großen oder der Kleinere mit dem aschblondem Haar und dem hagerem Gesicht? Ein leises Dröhnen durchzuckte plötzlich regelmäßig meinen Kopf. „Zug kommt“ murmelte ich und drehte mich in Fahrtrichtung. Der Mann neben Karen holte etwas aus seinem Rucksack. Die Tickets weder Kamera noch Behältnisse für Forschungsmaterial, blieb nur noch der Übersetzer.

„Na mal schauen wie langsam die Langsamkeit wirklich ist…“ murmelte Thomàs eher griesgrämig als gut gelaunt und trat an die Bahnsteigskante. Noch so eine Macke von ihm, wenn er ausnüchterte waren die Stimmungsausschläge ungefähr so groß wie die eines Seismographen bei einer Stärke von 7,0. Diesen Punkt auf der Skala hätte allerdings auch das Dröhnen erreicht, was mittlerweile eher einem lauten Kreischen ähnelte. Der Blonde rief etwas, doch sah ich nur, dass sich seine Lippen bewegten. Der Fahrtwind und das Bremsen der riesigen Diesellok verschluckte jedes andere Geräusch im Umkreis von mehreren hundert Metern. Sobald die Wagons standen, wobei vorher der Bremsvorgang seinen Zenit erreichte, drückte Thomàs sich gegen die schwere der Tür, die zweite Frau rannte auf einen Bahnangestellten zu, der gerade aus auf die Kante herausgetreten war. Aufgeregt gestikulierten redete sie auf ihn ein und ich beobachtete wie er nur ab und an nicken konnte. Nach einigen Minuten so schien es, drehte sie sich um, nickte höflich und kam lächelnd auf uns zu, dann hielt sie ihren Daumen hoch. Koffer für Koffer wanderte nun in das extra Abteil für Sperrgepäck und Fahrräder. „Ich wusste nicht, dass wir selbst mit Anhänger und Dach so viel Stauraum hatten“ Karen schaute ungläubig auf die verschieden Gepäckstücke. „Fühlt diese herrliche Beinfreiheit!“ tönte es überrascht aus dem Nachbarwagon. Pierre hatte anscheinend sich dazu entschieden uns nicht mehr zu helfen. Der kleinere Blondschopf lachte leise im Gegensatz zu der jungen Frau, die starrte uns beiden nur böse an und antwortete grimmig. Doch außer „sofort“ verstand ich nur zusammenhanglose Wörter, die für mich nicht den geringsten Sinn ergaben. Karen nickte nur müde neben mir, denn sie ahnte wohl worauf dieses Gespräch hinaus laufen würde. Wir sollten alleine die Gepäckstücke tragen, zwar nur die 5 meterlange Strecke, dennoch genug um gute 60 Minuten später mit schmerzendem Rücken in die Sitze neben Pierre zu fallen, der inzwischen nicht nur tief schlief sondern auch unglaublich enthusiastisch den südamerikanischen Regenwald abholzte. „Wenn jetzt Greenpeace hier wäre, die würden ihn garantiert wegen illegaler Rodung einbuchten lassen“, witzelte Thomàs und öffnete eine weitere Bierflasche. Wollt ihr? Ich schüttelte den Kopf. „Nicht mal ein Versöhnungsbier nimmst du an?“ „Hör mal Leif es tut mir wirklich Leid…“, setzte Karen an, aber ich ignorierte sie. „Ich trinke nicht.“ „Du meinst du trinkst nicht mehr“ ergänzte Thomàs gereizt. „Wie auch immer du das siehst.“ Damit drehte ich mich in Richtung Fenster zog meine Kapuze über meinen Kopf und bewegte mich darauf hin nicht mehr. Ich spürte wie Karen und Thomàs mich noch eine Weile mit Blicken taxierten, doch irgendwann verloren sie das Interesse und schlichen sich leise zu unseren Kollegen um sich ihrem lautstarken Kartenspiel anzuschließen. Sobald ich sicher gehen konnte, dass sie endgültig verschwunden waren, drehte ich mich zurück in Richtung Gang. Die Sitzreihen neben mir waren leer, ebenso wie die Abteile dahinter und davor. Vermutlich war der gesamte Zug menschenleer, außer ein paar wenige Pendler die nach Hause übers Wochenende zu ihren Familien mussten, hoffentlich. Es war überhaupt ein Wunder, dass wir diesen Zug bekommen hatten. An sich existierte dieser noch nicht einmal. Eine Art illegale Linie für die unglücklichen Heimischen in der nähe Tschernobyls.

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„Wilkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider

31. „Wilkommen in der Todeszone!“ – Tomp Raider

„Sehr geehrte Fluggäste, wir bitten Sie ihre Sitze wieder in eine gerade Position zu bringen, die Tische hochzuklappen und alle elektronischen Geräte aus zu schalten. Wir befinden uns im Landeanflug. Vielen Dank“

Verschlafen sah ich aus dem Fenster, und reckte mich. Diese verdammten Ansagen, warum nur? Ich war mir sicher, jeder normale Mensch mit ein wenig Verstand wusste was man zu tun und vor allem zu lassen hatte während eines Landeanfluges. Warum konnte man die Passagiere nicht friedlich schlafen lassen? Ich reckte mich, sah ich doch aus dem Augenwinkel wie von hinten eine Stewardess die Reihen nach Übeltätern durchforstete, um sie etwas zu energisch auf ihre Fehler hin zu weisen. Das Letzte, was ich wollte war ein Streitgespräch um… Wie spät war es eigentlich? Ich hielt inne. Ging die Sonne gerade unter oder auf? „Excuse me…“, jemand lehnte sich über meinen Nachbarn und tippte mir auf die Schulter. „I know, I know…“, antworte ich verärgert und ließ schnell meinen Walkman verschwinden. Doch die das mitfliegende Sicherheitspersonal deutete unverholen auf meinen Tisch. Es knackte, nicht im Plastik sondern in mir. Jeder einzelne Knochen hatte sich anscheinend dazu entschieden während des Schlafes aus der Reihe zu tanzen und nun geschwind zurück an seine Position zu hüpfen. Große Menschen hatten viele Nachteile, irgendwo Schlaf zu finden war einer davon. Gäbe es nur mehr Notausgangsplätze. Die Stewardess war wohl inzwischen von mir als folgsamer Passagier überzeugt, denn sie wannte sich nun an meinen (noch) schlafenden Sitznachbarn. Gelangweilt wischte über das kleine Plexiglasfenster, und schielte nach draußen. Rechts von mir erstreckte sich ein wahres Lichtermeer. Blau, grün, rot alle Farbnuancen waren vertreten. Hätte auf meinem Ticket nicht mein Ziel gestanden, ich hätte auf Las Vegas getippt. Ein riesiger Organismus der lebte… Das war das einzige was ich am Fliegen liebte, die Landeanflüge, aber nur bei Nacht. Bei Nacht sah alles anders aus, aufregender, unbekannter, lebendiger. Diese Art der Vorfreude gab es nur bei Landeanflügen…

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