Die gesammelten Schätze des Monats, der geballten Vierbeinigkeit

Wieder ein Monat um und dieses Mal fast ohne Katastrophen, zumindest in meinem Mikro-Kosmos. Ich bin schwerst beeindruckt. In Großbritannien sah und sieht vielleicht noch die Sache dagegen ganz anders aus. Was lernen wir daraus? Aus der EU austreten zu wollen ist eine sehr schlechte Idee. Ich könnte mit den Cruise Days weiter machen, aber dass Kreuzfahrtschiffe ähnliche Umweltsünden wie Flugzeuge sind, dürfte jedem bekannt sein. Ich bin ja schon froh, dass ich zu dem Zeitpunkt irgendwo in der Heide saß und mir meinen Hintern am Lagerfeuer abfror. Große gusseiserne Töpfe mögen zwar ihren nutzen haben, aber in ihnen Wasser aufkochen zu wollen ohne Deckel ist eine ähnlich dämliche Idee wie der Brexit gewesen. Dennoch die zwei Uhr nachts Gespräche waren das Beste am diesjährigen Mittelalter Phantasie Spektakulum und die letztendlich ergatterte Wärmflasche. Dank professionellem Larper in unserer Gruppe hatten wir dieses Jahr zwar sehr viel mehr Flaire, aber die Nächte sind dennoch alles andere, als bequem, weshalb ich vermutlich, wenn überhaupt die nächsten Jahre nur eine Nacht dort Schlafen werde und nicht zwei. Dann wäre ich an einem Tag vollstens ausgeruht und bereit und nicht schon am morgen zu überreizt und zerknautscht, dass ich nahezu den gesamten Nachmittag verschlafe oder vielmehr verschlafen muss, weil ich ansonsten wahnsinnig geworden wäre.

Fazit: Die Atmosphäre dieser Sparte von Festivals ist eine ganz eigene, aber nichts geht über eine warme Dusche, vernünftiges Frühstück und einer anständigen Matratze, mit anständiger Bettdecke und gutem Espresso. Nennt mich alt und verwöhnt, ich stehe mittlerweile dazu. Jeder hat sein Laster, ich habe definitiv mehrere. Wobei gerade die Abendstunden vermutlich definitiv angenehmer geworden wären, hätte einer der beiden Verantwortlichen an diese eine Kiste gedacht. Zur Aufklärung, Proficamper wurde leider kurzfristig krank und abreisen. Er ließ uns aber eine Kiste dort, mit allem Campingluxus den wir uns hätten vorstellen können. Dumm nur, das genau zwei Menschen von dieser Kiste wussten und sie konsequent vergessen haben bis zu dem Zeitpunkt des Abbauens und Aufräumens. Es sei ihnen verziehen, wir haben es ja dennoch alle überlebt.

Es ist übrigens wahnsinnig amüsant zwei Menschen dabei zuzusehen wie sie sich betrunken versuchen sich gegenseitig etwas von ihrem jeweiligen Schwertshowkampfwissen beizubringen, mitten in der Nacht auf einem nahezu verlassenen Acker im Niemandsland. Noch witziger wird es wenn sie einem am nächsten Tag erzählen, dass sie dann auch noch weitergezogen sind zum Bällebad. Es hätte um diese Uhrzeit doch wirklich leer sein müssen… War es auch, auf den ersten Blick. Die zwei kletterten also auf die höchste Erhebung, die sie finden konnten und besprachen dann wie es weiter gehen sollte. Auf ihren Satz: „Eigentlich müssen wir dort jetzt reinspringen“, ertönte jedoch von unten aus den Untiefen des Bällebads eine leicht panische Stimme: „Ist besetzt“. Dank des Alkohols haben sich die zwei wohl ordentlich verjagt, denn seit wann können Bälle reden?! Die Frage wurde dann während des Frühstücks einige Stunden sehr schnell geklärt wie die zwei es jedoch heil zurück und darüber hinaus sogar noch in ihren eigenen Zelte geschafft haben weiß niemand von uns, am wenigsten sie selbst.

Wobei sie auch nicht wirklich viel Auswahl gehabt hätten, wenn ich ehrlich bin. Außer unseren sechs Zelten, standen auf einer ungefähr 1,5 Hektar großen Wiese nämlich noch ganze drei andere. Die Hauptmasse von Besuchern und Campern konzentrierte sich nämlich auf die ersten zwei Campsites und ich sage euch, dort herrschten ähnliche apokalyptische Zustände wie im MadMax Universum. Wir freuten uns jedenfalls über unsere außerordentlich gute sanitäre Versorgung.Bis die Veranstalter uns diese klauten. Über den Abend verteilt dezimierte ein LKW unsere Einrichtungen zusehends, bis er des nachts uns versuchte die vorletzte Toilette zu klauen. Wir protestierten natürlich, waren aber allesamt langsamer als der LKW. Muss ein schräges Bild gewesen sein, wie sechs Personen mit übergroßen Kapuzenpullis einem Laster hinterher rennen laut protestierend. Trotz allem war es einer der saubersten Festivals, die ich je besuchen durfte.

Ich schulde der semi bequemen Isomatte übrigens noch ein großes Dankeschön, dank ihr mache ich nun regelmäßig Yoga oder vielmehr Stretching. Denn ich weigere mich diese Übungen Yoga zu nennen. Man Getue löst jedenfalls meine Verspannungen und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Genauso wie dem Umstand drei Tage in der Pampa zu sitzen. Aus dem Alltag einfach raus sein hilft gegen so manchen Stress immens, gerade wenn er von außen kommt wie auch dieses Mal. Ich hatte ja schon vorher einen argen Respekt für Lehrer_innen, die sich täglich mit den überfürsorglichen Eltern so manchen Kindes herumschlagen. Mit Hundebesitzer_innen verhält es sich übrigens ähnlich, da ist ein Telefonat pro Tag noch durchaus angenehm. Nervig wird es dann bei dreien plus die Textnachrichten, die in regelmäßigen Abständen eintrudeln. Ich sags euch, da ist die Beschäftigung von vier verschiedenen Hunden pro Tag eine Kleinigkeit. Ich kann ja verstehen, dass Besitzer_innen besorgt über ihre Zöglinge sind, aber denken die ich würde sie im Notfall nicht anrufen? Klar ich könnte auch ihre liebsten Vierbeiner im Garten verscharren und dann einfach identisch aussehende Exemplare kaufen und hoffen, dass sie es nicht merken, aber um ehrlich zu sein spare ich mir lieber die Nerven und vor allem das Geld für mich auf. Ich meine ich bin eine absolut tierliebe Person eben nur nicht wenn es um Menschen geht.

Das Umkehrerlebnis hatte ich dann eine Woche später. Das nächste Sorgenkind war nämlich ebenfalls ein Vierbeiner, ein sehr süßer dazu und darüber hinaus einen den ich schon sehr lange kenne. Wie auch immer Sorgenkind ist schon unfassbar alt und zickt dementsprechend manchmal gesundheitlich ein wenig herum. Erneut eine Woche Hundesitten, was für mich so viel bedeutete wie eine gute Woche keinen Mittagsschlaf, denn sobald Sorgenkind sich auch nur ein My im Körbchen bewegte lag mein Puls bei 180. Es könnte ja etwas passiert sein. Danke Leben, ich habe den Wink verstanden. Nach diesen zwei Wochen will ich übrigens noch weniger Kinder als vorher und ich dachte dass wäre schon unmöglich. Ich setzte einfach mal darauf, dass am Ende meines Lebens mein CO2 Fußabdruck geringer sein wird, als der des Durchschnittsmenschen. Was für eine Überleitung, beim globalen Klimastreik war ich nämlich auch noch. Greta Thunberg und ihre Mitstreiter_innen sind eines der besten Dinge, die uns passieren konnten genauso wie die regelmäßigen Demonstrationen.

Ansonsten hat mich der Brexit in dem Sinne noch auf Trap gehalten, als dass ich feststellen musste dass meine Handyversicherung ihren Hauptsitz in Großbritannien ist und es somit ein britisches Unternehmen ist. Ergo hieß es dann auch noch sich mit der Hilfshotline herum zu schlagen, alles sehr nette Leute nurinnerhalb von drei Tagen dort fünf Mal anzurufen ist dann doch ein wenig anstrengend. Davon mal ganz abgesehen, dürfen sich Wartende bei einer der großen Smartphone Unternehmen die Warteschleifenmusik mittlerweile aussuchen. Ich hatte die Wahl zwischen Pop, Klassik und Jazz. Ich kann euch sagen, keines der Angebote ist wirklich gut. Die ganze Geschichte geschah übrigens vor Johnsons Idee, die Queen an der Nase herum zu führen.

Ansonsten versuche ich noch den Rest meiner Semesterferienzeit zu genießen und versuche den Spagat zwischen Sozialleben, Arbeit, psychischer Gesundheit und Produktivität in eigener Sache zu schaffen. Die vergangen Wochen ließen sich ansonsten in etwa so zusammenfassen: Zeichen, ausgiebige Spaziergänge durch die Stadt mit Mehrwert, eVorbereitungen für die WG-Party des Jahres, mehr Pen and Paper als üblich, nervige Sprints durch die Nacht dank ÖPVN Ersatzverkehr und auch leider vielen Tagen, die ich einfach gerne aus dem Kalender hätte streichen wollen.

 

Ersetzen wir das Buch doch einfach durch meinen Blog:

Das Leben ist eine gigantische Lotterie, bei der nur die Gewinnerlose sichtbar sind. Du, der du dieses Buch liest, bist so ein Gewinnerlos. Lucky you!

S. 188- Das Orangenmädchen von Jostein Gaarder

 

Ich meine, damit lässt sich doch jede sanitäre Anlage auf einem Festival schön reden oder?

Eine Grundannahme in der Teilchenphysik besagt, dass jedes aktuell existierende Atom zuvor schon in Milliarden anderen Formen existiert hat. Nichts – nicht das kleinste Teil des Universums – ist neu. Es ist also gut möglich, dass die Luftmoleküle, die man einatmet in einem früheren Leben schon zum Kern eines Sterns gehört haben oder im Urin eines Dinosauriers geschwommen sind.

S. 10- Zusammen sind wir unendlich von Melissa Keil

 

Ich bin wohl ein ungeduldiges Müsli, aber immerhin ein Müsli:

Die Müslis waren diejenigen, die immer in Ruhe über alles reden wollten und so verständnisvoll waren. Sie liebten alle Tiere und Pflanzen, hatten aber auch Verständnis für uns Punks. Wir Punks hegten natürlich eine tiefe Verachtung für diese Leute, nicht ahnend, dass wir ziemlich bald ganz genauso werden würden.

S. 294- Heute hat die Welt Geburtstag von Flake

 

Bringt mein Verhältnis mit Straßenbahnen ziemlich gut auf den Punkt:

Ich beschließe, in die Stadt zu gehen. Als ich aus dem Hotel schieße, werde ich fast von einer Straßenbahn überfahren. Die sind hier blau. Ich nicht, aber ich habe trotzdem nicht aufgepasst.

S. 314- Heute hat die Welt Geburtstag von Flake

 

Als ob ich Pate gestanden hätte:

Oder vielmehr um mich selbst, dass ich versage. Alles beziehe ich auf mich. Schlimm. Ich bin mein größter Feind.

S. 328- Heute hat die Welt Geburtstag von Flake

 

Das mit dem Vergessen, geht auch nur einige Jahre lang gut… Unser aktuellstes Fallbeispiel wäre unsrige heutige Gesellschaft:

»Eine Entschädigung genügt.« »Lasst einfach etwas Zeit verstreichen- die Leute werden schon vergessen«, sagte ein anderer Magier. 

S. 37- Die Rebellin von Trudi Canavan

 

Ja, also was habt ihr denn erwartet?

»Natürlich nicht.« Dannyl lächelte. »Dann müssten wir uns ja benehmen.«

S. 33- Die Rebellin von Trudi Canavan

3 Kommentare

  1. Klingt doch ganz passable. Bei Deiner Beschreibung vom Camping musste ich grinsen. Eine Bekannte erzählte Ähnliches von ihrem Sohn.

    Und bezüglich Brexit. Ich finde die Idee nicht schlecht, die Ausführung schon. Letztendlich sind die Briten genauso gespalten wie die Amerikaner. Nur wird der Brexit für die Deutschen teuer.

    Gefällt 1 Person

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