Gesammelte Schätze des Monats der Arbeiteritis

Besser spät als nieund das Beste kommt bekanntermaßen eh immer zum Schluss. Unter diesen beiden Phrasen lasse ich den Beitrag hier mal stehen. Ich wäre gerne pünktlicher gewesen, doch Dinge wie Lebenund vor allem Universitätpassieren und dann gehöre ich ja auch noch zu der Sorte von Mensch, die sich zusätzlich Findlinge in den Weg räumen muss. Einerlei, ehe ich mich hier noch weiter einjammere lasse ich den Mai mal einfach ein wenig revue passieren. Zu erzählen gibt es nämlich wie immer viel zu viel:

Der Monat begann mit vielversprechendem Angrillen und anschließendem Karten spielen, Reden, Lachen, Kinderserienintros raten und dass alles bis spät in die Nacht hinein. Was Nerds eben alles so machen um die Walpurgisnacht gebührend zu feiern, ohne dabei im Auge des Sturmes zu sitzen. Weshalb ich dann mehr oder weniger spontan noch übernachtete, denn am ersten Mai alleine nachts mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein ist keine gute Idee. Zumal Aufräumen und Frühstücken als Doppeldate eh sehr viel mehr Spaß macht als alleine und wir unserem Grillmeister auch noch beim Beichten beistehen mussten, denn er hatte einen Blumentopf auf dem Gewissen. Feuer kann verdammt heiß werden…

Kleiner Fun Fact an dieser Stelle: Der 2. Mai ist Leonardo da Vincis offizieller Todestag, dieses Jahr war es sogar sein 500ster. Das ist irgendwie verdammt alt, auch wenn der Herr schon lange nicht mehr lebt. Auf seine Arbeiten wird dennoch fast jeden Tag bei mir im Studiengang referenziert. Ich gebe gerne zu, dass der Künstlerkult um ihn herum teilweise ein wenig anstrengend ist.

Wem die Gesellschaft gerne mehr Aufmerksamkeit schenken könnte wäre übrigens Fiddler’s Green. Die Jungs waren endlich mal so freundlich, in meiner Heimatstadt halt zu machen und uns ein Konzert zu kredenzen. Nach dem einmaligen Konzerterlebnis auf dem MPS letztes Jahr, war es folglich unsere Pflicht dem Ruf folge zu leisten. Zwei Stunden Irish Power Folk, was will Mensch mehr? Wobei ich das Power selbst hinzugedichtet habe… Recht habe ich wie immer trotzdem, denn das Konzert war quasi eine zweistündige Cardiosession bestehend aus Hüpfen, Springen und Tanzen. Die Wahnsinnigen hatten aber auch die Chuzpe gehabt ihre drei größten Hits (Rocky Road to Dublin, Yindy und Victor and his Demons) ganz am Ende des Konzertes zu spielen, alle hintereinander weg.

Ich kann nun mit Fug und Recht behaupten meinen ersten Moshpit überlebt zu haben. Der Moshpit war eigentlich nicht als Moshpit angelegt gewesen sondern als Wall of Folk. Nur wurde das liebende aneinander vorbeigleiten dann doch zu einer Wall of Death. Dumm nur, dass ich es irgendwie geschafft habe stets in der ersten Reihe zu stehen und dafür waren es verhältnismäßig wenig Ellenbogen. Dementsprechend wenig blaue Flecke hatte ich am nächsten Tag und selbst mein T-Shirt habe ich heil wiederbekommen.

In den darauffolgenden Tagen wurde meine letzte Bewerbungsmappe für das Vorhaben Kunststudium auf den Weg gebracht. Dafür bekam ich gleich zwei wieder inklusive Absagen. Einen Punkt mehr und ich wäre bei der einen zur Aufnahmeprüfung zugelassen worden. Knapp daneben ist auch vorbei und das miese Gefühl mal wieder irgendwo nicht hinein zu passen bleibt.

Darauf folgte die Vorbereitsungsphase für meine zwei Referate und einer Klausur. Gute sechs Wochen purer Horror. Meine Freizeit implodierte und wich den Bibliotheken meines Campus, dem Kopier- sowie Druckerraum und mein Gehirn glich mal wieder einer gerade frisch eröffneten Nervenheilanstalt. Professoren, die nicht schreiben können machen mich fertig. Wer braucht schon klare Satzstrukturen, klar definierte Begriffe oder logisch aufgebaute Argumentationen? Anscheinend niemand, denn davon war zumindest im Bereich der Kunstgeschichte nichts zu spüren. Geschafft habe ich es dennoch allerdings auch nur, weil mir ein guter Freund geholfen hat ansonsten wäre ich mit leeren Händen am Tag der Präsentation aufgetaucht. Ein Hoch auf Lebkuchenhäuser!

In der Iranistik herrschen übrigens ähnliche Zustände. Hier stimmt zwar das Schreiberhandwerk, aber die Datenlage nicht. Mal so gar nicht, einigermaßen objektive oder vielmehr neutrale Thesen zu finden entspricht der Odyssee mit besonderem Fokus auf die Gesänge neun bis zwölf, die die Irrfahrt der jeweiligen heldenhaften Person beschreiben.

Ich saß nach zwei sehr nervigen Wochen schließlich bei meinem Dozenten und bat um Hilfe. Er empfahl mir darauf seine eigens erstellte Bibliografie seiner Dissertation. Gut für ihn, wenn er einer der wenigen deutschen Dozenten ist die das Thema lehren, über das Thema schreiben und forschen. Ich war dennoch froh zumindest ein wenig Auswahl bekommen zu haben, denn den eigenen Dozenten zu zitieren während der vor einem sitzt… Nein Danke.

Hier muss ich übrigens noch einmal einhaken und mich ganz dolle bei den drei Menschen in meinem Leben bedanken, bei denen ich mich die letzten Wochen quasi täglich ausgeheult habe. Zumal ausheulen noch das kleinste der Übel war, wie gesagt ohne die drei hätte ich vermutlich dieses Semester einfach die Hälfte meiner Leitungspunkte über den Jordan geschickt. Von den besten Knuddeleinheiten, über regelmäßige Schultern zum Jammern, Ohren zum Zuhören, Erinnerungen zum Pause machen bis hin zu empowernden Nachrichten und einer glorreichen Memekultur war alles dabei. Ihr seid toll und euch gehört definitiv ein goldener Stern in der Hall of Fame meines Lebens.

Die Probeklausur habe ich übrigens erfolgreich in den Sand gesetzt. 20 Seiten gelernte handschriftliche Notizen nützen einem auch nichts, wenn der Professor lauter geographische Fragen stellt, die die arabischen Eigennamen der jeweiligen antiken Orte behandeln. Es wäre nur nett gewesen, wenn er uns seine Ansprüche vielleicht vier Wochen vorher mitgeteilt hätte und nicht fünf Minuten vor Beginn der Klausur. Diese mussten wir übrigens auch noch an einem Samstag schreiben. Die Art des Fieslings hat übrigens System… Das Literaturverzeichnis für seine Vorlesung beinhaltet kein einziges Werk von einer schreibenden Person aus dem Nahen-Osten. Die Einführung in den Nahen-Osten ist übrigens sein Semesterthema, es geht um nichts anderes. 4000 Jahre Geschichte… und es gibt dazu Literatur, ich habe sie nämlich für mein Referat in der Iranistik gelesen.

Wäre die achte Staffel Game of Thrones nicht gewesen, wäre dieser Dozent definitiv auf Platz eins der vor mir am meist verachtetsten Personen des Monats gewählt worden. Hatte er ein Glück, dass David Benioff and D. B. Weiss dazwischen kamen. Vielleicht schreibe ich zum GoT Finale einen gesonderten Beitrag, aber hier in aller Kürze ein Abriss eines Verrisses. Der Mist hätte gut werden können, wenn sie sich mehr Zeit gelassen hätten. Ich kann verstehen, dass die beiden nach all den Jahren keine Lust mehr gehabt hatten und die Schauspieler langsam zu teuer wurden. Jedoch kann mir keiner erzählen, dass es nicht möglich gewesen wäre zumindest eine Reihe von ambitionierten und passionierten Ghostwritern zu engagieren. Kommt schon, Hollywood besteht quasi nur aus Ghostwritern. Weshalb schafft ein millionenschweres Unternehmen wie HBO so etwas nicht? Hier mein persönlicher Plan. 8 Staffel: Schlacht um Winterfell und Sieg über den Nachtkönig, Staffel 9: Bekämpfung Cerceis/ Eroberung von Kingslanding und zu guter Letzt Staffel 10: Daenerys Machtergreifung (und Fall). Die Qualität steigt um 300%…

Die Prämisse, dass sich gut situierte Menschen absolut keine Mühe geben und dafür auch noch Millionen kassieren kommt mir übrigens auch noch aus einem anderen Grund irgendwie bekannt vor. Richtig: Es waren Europawahlen. Ich finde es übrigens wahnsinnig witzig und traurig zu gleich, dass jahrzehntelang marginalisierte Personen predigen wie menschenverachtend so manch deutsche Stammespartei ist und dann kommt genau ein YouTuber und die Nation rastet aus. Gut Ding will Weile haben, aber 70 Jahre lang das Problem zu ignorieren? Die Art von Ignoranz erreicht ein völlig neues Level. Im Jahre 1997 noch gegen das Gesetz zur strafrechtlichen Ahndung von Vergewaltigungsverbrechen innerhalb einer Ehe zu stimmen ist irgendwie sehr uncool. Ja Unionspartei ich meine dich und um noch einmal nachzutreten, empfehle ich euch gleich mal diesen Artikel hier. In der Hoffnung, dass meine Generation nicht erst darauf warten muss, dass die Stammwählerschaft ausstirbt. Die Erde wartet ungerne…

Wobei ich gleich schon bei der nächsten Botschaft angelangt wäre: Liebe Grüne, ich freue mich für euer Wahlergebnis und euren Stimmengewinn. Glaubt aber ja nicht, dass das viel bedeutet. Der Osten ist statt links-grün-versifft nur noch mehr rechts-braun-poliert und ihr exportiert weiterhin fröhlich und klammheimlich Waffen in alle Welt hinaus. Nur weil ihr pro Greta Thunberg seid, anti Artikel 13 und pro TSG Reform (und zwar eine vernünftige, die vielleicht keine Verschlimmbesserung nach sich zieht) heißt es noch lange nicht, dass ihr euch auf euren Lorbeeren ausruhen dürft. Die Devise heißt nämlich ab heute: Rettet Europa verdammt noch mal und nicht nur eure eigenen Privatkonten.

Genug Politik. Kommen wir zu wesentlich angenehmeren Dingen wie meiner Konzertsaison, die dann endlich in gut vier Wochen mit dem Auftritt von Alien Weaponry beginnt. Eine spontan Entscheidung und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, schließlich machen die Jungs zumindest laut ihren Alben sehr geile Musik.

 

Unsere Rollenspielrunde legt mittlerweile keine toten Ratten mehr vor die offiziellen Gebäude der Stadt, statt dessen finden sie verbrannte Leichen:

Dead pigeons they were called, after their prefered form of intimidation, birds left bleeding on the doorsteps of their opponents.

S. 3- Those Below von Daniel Polansky

 

Wenn ich mal wieder zu einer Pause überredet werden muss:

Die Logik seiner Worte ist bezwingend.

S. 79- Gläsernes Schwert von Victoria Aveyard

 

Das geht an den dämlichen Uni-Drucker, der sich dazu entschieden hat mal eben kaputt zu gehen:

»Halt dich von mir fern«, sage ich. »Ich habe dir immer noch nicht vergeben.«

S. 19- Blood& Ink von Stephen Davies

 

Dann hofft mal mit mir, wie gesagt zwei Bewerbungen stehen noch aus:

Aber der Traum von Unwahrscheinlichkeiten hat einen eigenen Namen. Wir nennen ihn »Hoffnung«.

S. 160- Das Orangenmädchen von Jostein Gaarder

 

Hallo an alle großen Politiker dort draußen:

»Ich bin irgendwie schrecklich« »Nun es lässt dich irgendwie nazi-schrecklich wirken«, sagte Ethan.

S. 25- Die Interessanten von Meg Wolitzer

 

Diese Frage stelle ich mir jeden Abend vor dem zu Bett gehen:

„If it could not possibly be done, then obviously it had been done impossibly. The question was how?“

S. 264- The Long Dark Tea-time of the Soul von Douglas Adams

 

Da haben Detektive definitiv einen leichteren Job als Studierende der Kunstgeschichte:

The detective business was currently as brisk as the tomb.

S. 30- The Long Dark Tea-time of the Soul von Douglas Adams

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