Gesammelte Schätze des Monats der „Freiheit“

Falls in dem letzten Monatsrückblick viele Fehler enthalten waren, tut es mir bereits jetzt leid. Nur schreibe ich den Beitrag meistens mit dem Verlauf des Monats und werde sozusagen betriebsblind. Irgendwann bin ich dann so genervt und ungeduldig davon dass der Text immer noch nicht fertig ist, dass es mir zu blöd wird. Nichtsdestotrotz geht es diesen Monat weiter und der Monat fing weit besser an, als ich es mir je erhoffen durfte. Die Belohnung nach der Klausurphase war ein Wochenende im Sauerland mit den besten Freunden, die man sich nur wünschen kann. Egal was schief lief, die Stimmung war konstant genial, keiner hat irgendjemanden ans Bein gepinkelt und wir waren alle ganz wundervoll fluffig.

Die Höhepunkte (im Guten wie im Schlechten und im Absurden) wären gewesen:

 

  1. Der Weg zum meinem Treffpunkt war schon eine Odyssee. Meine wehrte Öffi-App hat es nicht so mit genauen Angaben. Man braucht entweder die Hälfte der berechneten Zeit oder die Doppelte. In diesem Falle fuhr ich eigentlich viel zu früh los, wurde dann jedoch zur falschen Bushaltestelle geschickt, sah meinen eigentlichen Bus aus dem Augenwinkel wegfahren und stand dann dort. Der nächste Bus sollte nämlich nicht in 10 Minuten fahren wie die App es mir kundgetan hatte, nein das miese Ding fuhr gerade mal alle 20. Die Strecke konnte ich dann laufen, zu spät würde ich so oder so kommen. Ein Hoch auf meine grauen Zellen, welche den Weg aufgrund eines Festivals noch irgendwie zusammen bekamen. Ich brauchte trotzdem weitere 10 Minuten um diese Hausnummer zu suchen, an der wir uns treffen sollten. Ich und Hausnummern, wir stehen seit meiner Geburt irgendwie auf dem Kriegspfad. Wie auch immer, ich sah niemanden und so langsam beschlich mich das Gefühl, dass wir uns vielleicht am alternativen Treffpunkt treffen würden. Das alles wäre nicht so dramatisch gewesen, wenn mein Handy funktioniert hätte. Ich kann damit (aus Gründen) derzeit weder SMS verschicken, noch telefonieren, noch ins Internet. Was also tun, wenn man quasi nicht erreichbar ist? Richtig, man versetzt sich in die 90er Jahre zurück und sucht sich ein Festnetztelefon. Mir fielen zwei Architekten in ihrem Büro zum Opfer, die mich sichtlich irritiert anstarrten als ich dort mit Wanderrucksack, Isomatte, einem Jutebeutel und einer Nerdmütze im Türrahmen stand. Beide dachten allen ernstlich ich wollte das Telefon klauen. Es löste sich dann übrigens alles in Wohlgefallen auf. Die Gruppe fand sich zusammen und ab ging die Post. Fast…

 

  1. Die Autobahnfahrt sollte so fünf Stunden dauern, ohne Feierabendverkehr. Den wir am Ende tatsächlich auch nicht hatten, denn kurz nach dem wir losgefahren sind bewaffnet mit Snacks, Musik und guter Laune begann unser Fahrer Witze darüber zu machen wie toll sein Auto wäre und dass es noch nie Probleme gemacht hätte. Ihr wisst bereits worauf es hinaus laufen wird oder? Richtig: Zu erst viel die Servo-Lenkung aus, dann meckerte die Kühlwasseranzeige und auf der Auffahrt zu einer Tankstelle an der wir die zweite Gruppe treffen wollten rauchte das Auto komplett ab. Unsere Motorhaube glich dem Eyjafjallajökull, der 2010 mit seiner riesigen Aschewolke gesamt Europa in Atem gehalten hat. Während wir die Anderen benachrichtigten und unsere Sachen vor noch viel Schlimmeren in Sicherheit brachten, nahm sich ein russischer LKW-Fahrer dem Ganzen an und das Ergebnis war: Der Keilriemen war gerissen und ist anscheinend so heftig gegen den Kühlwasserschlauch geschlagen, dass dieser schließlich geplatzt ist. Es folgten Anrufe an den gelben Engel, die Familie des Fahrers, an diverse Autovermietungen sowie weitere Freunde. Während sich zwei bis drei Menschen damit beschäftigen ein neues Auto aufzutreiben, vertrieben wir uns die Zeit an der Tankstelle und amüsierten uns köstlich. Bereits nach 2,5 Stunden ging es weiter in Richtung Mitteldeutschland wobei der Neuwagen sehr schnicke aussah und dank mir einen doppelt so großen Kofferraum hatte wie unser Wagen davor. Kombis sind eben klasse, zumal wir dadurch endlich den Rückspiegel benutzen konnte. Während die Snacks gereicht wurden, wechselte die musikalische Untermalung von Queen über K-Pop durch bis wir abmachten nur noch Trash zu spielen. Bevorzugt aus den 80er oder 90ern und ab und zu gab es mal auch was aus den 2000ern. Kilometerlang dröhnte aus unserem Auto (bei geöffnetem Fenster) I would like to move it move it, Rasputin, Moskau, Ice Cube, Willst du mit mir Drogen nehmen?, Crazy Town, Captain Jack, Mambo No. 5, Hyper Hyper oder Mr. Vein, High Way to Hell sowie YMCA es endete schließlich in einem Potpourri aus Rammstein, Knorkator, Marylin Manson, Linkin Park, Green Day, und diversen Songs aus Tanz der Vampire. Nicht zu vergessen das Pokémon Theme. Ich bin mir sicher die Dörfer, die wir irgendwann passieren mussten haben sich über die 5 Sek. lange Beschallung gefreut.

 

  1. Hier übrigens ein kleiner Tipp für ein Partyspiel, welches man in großen Runden spielen kann, verdammt viel zu lachen hat und man sich weder blamiert noch fremdschämt. Es handelt sich um eine Stillepostvariante, nur zeichnet man das Wort, welches man bekommen hat. Das Ganze läuft so ab: Jeder Spieler bekommt einen Haufen von Post-Its oder Notizzetteln auf denen er bequem zeichnen kann. Die Anzahl der Zettel entspricht der jeweiligen Spieleranzahl. Jetzt schreibt jeder verdeckt einen Begriff auf seinen Zettel, um ihn dann verdeckt an den linken Nachbarn weiter zu geben. Der schaut sich verdeckt den Begriff an, packt diesen Zettel ganz nach hinten und zeichnet den Begriff auf das neue leere Blatt. Ist er fertig gibt er den gesamten Stapel abermals nach links weiter und der, der den Stapel bekommen hat muss anhand der zeichnen den Ursprungsbegriff erraten. Viel mehr schreibt er den begriff auf bei dem er denkt, dass die Zeichnung ihn darstellen soll. Wir haben Tränen gelacht, es kann und konnte übrigens keiner von uns wirklich Zeichnen. Das ist nämlich auch der Witz an der Sache. Es gibt dann sehr viele interessante Interpretationen an sich eigentlich sehr vielen Alltagsbegriffen. So wurde aus dem Fischbrötchen am Ende Nekrophilie, aus dem Kaiserschmarrn UV-Strahlungen und aus einem Dice20 ein Looping einer Achterbahn. Desweitern hielten sich ikonische Begriffe wie Gravitationswellen (recht lange) oder Fotosynthese. Was völlig schief ging war das Wort Ehre… Aber wie soll man Ehre auch Zeichnen? Ich habe es erstaunlich gut hinbekommen, wobei es dennoch falsch gelesen wurde. Immerhin die Intention war da…. Das Ganze wurde dann drei Wochen später erneut auf einem Geburtstag gespielt.

  1. Ein weiteres (sehr beliebtes) Partyspiel heißt: Mörder. Gespielt hatte ich es mal in der 8. Klasse auf unserer Klassenfahrt. Bietet sich an wenn man mit vielen Menschen auf engem Raum über mehrere Tage zusammen hockt. Man nimmt einen Stapel Karten, mischt sie, jeder Spieler bekommt eine und wer den Joker hat ist eben der Mörder. Dabei ist natürlich wichtig, dass man selbst nicht weiß was die anderen haben. Dann versucht der Mörder mit dem Zeigen der Karte seine Gefährten umzubringen (natürlich so heimlich wie möglich damit es keiner mitbekommt). Wer tot ist muss schweigen und trägt sich auf einer Liste ein, die irgendwo hängt am besten mit Namen, Todeszeit sowie Ort. Anhand der Liste und seinen Beobachten muss man nun herausfinden wer der Mörder ist. In unserem Falle verlor der Mörder, weil ich ihn enttarnt hatte. Körpersprache und Empathie sind eben meine Steckenpferde, trotz des Daseins als verbaler Vorschlaghammer. Das Ironische dabei war, ich hätte eigentlich schon längst tot sein sollen. Der Clou: Ich stand wohl alleine im Flur und schaute auf mein Telefon (ich hatte zu dem Zeitpunkt einen Hot Spot von einem Freund bekommen), war deshalb also quasi nicht ansprechbar. Der Kumpel, der den Mörder gespielt hatte stellte sich wohl anscheinend vor mich, zeigte mir die Karte und wartete bis ich hochschaute. Was aber nicht passierte. Nachdem ich mit meiner besten Freundin geschrieben hatte, schaute ich weiter auf ein Telefon drehte mich um 180° und ging in die andere Richtung. Ich schwöre ich habe ihn weder gesehen, noch gehört noch gerochen. Ich habe ihn völlig ausgeblendet, da sag mal einer Handy könne keine Leben retten.

 

Ansonsten wurde fleißig an meinen Bewerbungsmappen für die Hochschulen gearbeitet, ich habe mehr oder weniger erfolgreich meine Hausarbeit angefangen und beendet, ein Geburtstagsgeschenk gebastelt und habe mal wieder manisch und zynisch gelacht und das ganze um fünf Uhr morgens…. Kommt davon, wenn während einer Rollenspielsession man den Höhepunkt von Familienstreit verursacht, sich die Spieler in der Rolle anschreien, man einen Charakter verliert und einen weiteren beinahe. Ich bin die Hauptverantwortliche dafür und auch wenn der Charaktere ein Nicht-Spieler-Charakter war ging mir das ganze näher als ich wollte. Der Charakter war meine Ehefrau. Ich war in Beziehungen wirklich noch nie der Experte, aber den Eheschwur zu brechen meinerseits war halt einfach dämlich aber jemanden unschuldiges umzubringen funktioniert eben auch nicht. Nachdem sich meine nerven dann beruhigt hatten durfte ich noch einem Leichentransport beiwohnen, wurde morgens um fünf um rat gefragt diesbezüglich Beziehungen gefragt und bekam dann noch die Hiobsbotschaft, dass es dem Nachbarshund alles andere als gutgeht. Ich war für die nächsten 48 Stunden der Pierre-Anton im Pflaumenbaum.

 

Die Absurdität steht der in meinem Leben in nichts nach: 

Da läuft ein Schwein! David de Vriend sah es, als er ein Fenster des Wohnzimmers öffnete, um noch ein letztes Mal den Blick über den Platz schweifen zu lassen, bevor er diese Wohnung für immer verließ.

S. 9- Die Hauptstadt von Robert Menasse

 

Beschreibt mich, wenn ich mal wieder emotional in Sauer liege:

Beim Lesen dieser Worte spürte ich zwar gleich wieder das Gewicht meiner eigenen Sorgen, das Gewicht der Welt, die auf meinen Schultern lastete, aber es wurde mir doch auch etwas leichter dadurch, dass irgendwer irgendwo irgendwann die Welt ebenfalls als eine Welt der Sorgen aufgefasst hatte.

S. 20- Wem erzähle ich das? von Ali Smith

 

In meinem Zimmer gibt es auch für alles und jeden einen Plan. Er heißt: planlos

Häuser im Englischen Stil durften nur blaugrau, moosgrün oder in einem bestimmten Beigeton gestrichen werden, um die harmonische Ästhetik in einem Straßenzug sicherzustellen; Tudor-Häuser erforderten einen besonderen Cremeton auf dem Putz und ein besonderes Dunkelbraun für das Fachwerk. In Shaker Heights gab es für alles einen Plan.

S. 19- Kleine Feuer überall von Celeste Ng

 

Wie gut dass ich nicht Sherlock Holmes bin:

Eigentlich hättest du gar nicht zur Welt kommen sollen. Deine Existenz ist so unwahrscheinlich, dass sie ans Unmögliche grenzt. Am Unmöglichen zu zweifeln, heißt, an dir selbst zu zweifeln.

S. 324f.- Ich und die Menschen von Matt Haig

 

Nicht nur die Zentimeter, Darling, nicht nur die Zentimeter….

Ich bin kein Vollidiot. Natürlich weiss ich haargenau, wie absurd all die Schönheitsbilder sind, die uns aufgehalst werden. Die meisten Menschen sind zu dick, zu dünn, zu klein oder wie in meinem absonderlichen Fall, giraffenartig gross. Wir alle haben zu sprödes Haar, zu fettige Haut, zu viele Sommersprossen, zu schiefe Nasen oder zu schmale Lippen. […] Das alles ist mir klar. Und trotzdem. Es ändert nichts daran, dass ich gerne ein paar Zentimeter normaler wäre.

S. 9- Liebe ist so scheißkompliziert von Sabine Schoder

 

Die Stimmung kommt mir verdammt bekannt vor:

»Ich muss nicht glücklich sein, solange es mir gut geht.« (…) Ließ sich »gut« überhaupt objektiv nachweisen?

S. 21- Der lächelnde Gott von Joseph Fink & Jefrey Cranor

 

Fasst unsere Game of Thrones Kampagne mal wieder ganz gut zusammen, da ist auch mal wieder alles passiert…. 

They sit in a palce where people are dying every day, every hour, every minute.

S. 38- The Tattooist of Auschwitz von Heather Morris

5 Kommentare

  1. Ein paar Zentimeter normaler… Ein wunderschöner Satz, den ich irgendwann bestimmt einmal benutzen werde. Oder mein Freund, falls er das Zitat kennt, wenn er über mich spricht.
    Trotz oder vielleicht gerade wegen der holprigen Anreise, ist die Fahrt ganz wunderbar zu lesen. Irgendwie, muss es manchmal so sein. Alles muss schief gehen, weil es am Ende aber doch passt, sind es jene Tage die einem in Erinnerung bleiben.
    Es wird dich sicher nicht wundern, dass ich in deinen vergangenen Beiträgen keinerlei Fehler entdeckt habe. Über so etwas lese ich einfach drüber. Und hoffe inständig, dass es die Leser bei mir auch tun. Vermutlich nicht, aber sie sind nett genug es nicht zu erwähnen.

    Gefällt 3 Personen

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