Die gesammelten Schätze des Monats, der nervigen zwei Punkte Klausur

Ja, ich lebe noch! Ja, der Beitrag ist definitiv überfällig und mich nervt es, dass ich nie die Zeit gefunden habe zu schreiben und nein, ich denke dieser Zustand wird sich auf Dauer leider vermutlich sogar noch verschlechtern. Studieren ist insbesondere in den Prüfungsphasen sehr anstrengend und wenn man dann von 6:00 bis 20:00 unterwegs ist, will man auch irgendwann nur noch ins Bett. Falls es euch tröstet mein gesamtes Leben kam die letzten Monate zu kurz, was jedoch an einer ganz bestimmten Professorin lag (ich hoffe inständigst, dass ich es mir nicht mit ihr verscherzt habe). Es ist eine der Professorinnen, die wollen dass man alle Werke der Literaturliste ließt um anschließend alles Zitieren und in den Kontext setzten zu können. Ich hatte den Fehler gemacht am Anfang des Semesters eine ihrer Vorlesungen zu belegen. Die Vorlesung war grandios nur eben nicht die Klausur zur Überprüfung am Ende. Rein rational gesehen hätte ich nicht mehr als 60 Arbeitsstunden in diese Überprüfung investieren müssen. Weit gefehlt… Glaubt mir mein Timer blieb kurz vor unendlich stehen und ich fühlte mich immer noch absolut ungebildet diesbezüglich der Themen. Wir werden sehen was daraus geworden ist. Meine ganze Situation wurde dadurch verschlimmbessert, dass die Professorin sehr wohl wusste wer ich war. Ich hatte ihr nämlich Rede und Antwort gestanden, weshalb viele ihre vorgeschlagene Fachliteratur nicht lesen würden. Erstens, dieses eine Buch war zwar thematisch großartig und interessant jedoch zu polarisierend und auch zu spezifisch für die ohnehin schon spezifischen Seminarsthemen. Den einzigen ausgebildeten Historiker, den wir in unserem Seminar hatten ließ sich nach an Mitte des Semesters nicht mehr blicken. Das will was heißen, schließlich kam Frau nie wirklich auf das Thema Hexen zu sprechend. Darüberhinaus war die Lektüre war verständlich geschrieben, dennoch steckte in jedem Satz so unfassbar viel komprimiertes Wissen dass es trotzdem Stunden gedauert hat gerade mal dreizig Seiten zu lesen gerade wenn sie digital auf dem Computer existieren, Ich stelle immer wieder fest, mein Gehirn ist absolut konservativ was das Lesen von Dingen angeht. Papier funktioniert eben immer noch um 100% besser.

Wie auch immer all diese Argumente fand sie natürlich absolut nicht lustig. Ehrlichkeit wird oft überbewertet, zumindest in der Öffentlichkeit. Jetzt zu erfreulicheren Dingen.

Das Jahr wurde mit Semesterferien und einer richtig fetten Erkältung eingeläutet. So viel zum Thema: Entspannung nach der Anspannung, aber was soll ich machen wenn es überall um mich herum schnieft, niest und fiebert. Vor allem, wenn es kleine Kinder sind. Ich schwöre euch, falls uns jemals ein Killervirus alle dahin raffen sollte, der wäre nicht aus dem Reagenzglas gekommen sondern aus einer Kita oder Grundschule. Knapp zwei Wochen war ich außer Gefecht gesetzt, die typische Berg und Talfahrt. Ich habe trotzdem die Füße still gehalten, denn etwas anderes ging irgendwie auch nicht. Gliederschmerzen? Knochenschmerzen? Hals und Kopfschmerzen? Alles in doppelter Portion zum Mitnehmen bitte. Darüberhinaus war am Wochenende eine Geburtstagsfeier geplant und da musste die physische Hülle zumindest wieder Bewegungsunfähig sein.

Es klappte, was weniger klappte war der Weg zu Party. Ich bin angekommen, nur eine Stunde später als geplant. Pendeln ist absolut bescheiden, erst recht wenn man währenddessen dreimal umsteigen muss und nur von zwei mal wusste. Vororte von Vororten können tatsächlich recht lauschig sein, vor allem wenn sie noch ne richtig funktionierende Dorfkneipe haben die sogar noch gemütlich aussieht.

Wir lagen schließlich um 4:00 morgens im Bett dazwischen lag viel Pizza, gute Gesprächsthemen (die dann zu drei Leute diskutieren, der Rest hört zu) eskalierten, noch besseren Gesprächen und jede Menge Gesellschaftsspielrunden: Stichwort Secret Hitler oder Cards against Humanities. Es sind die beiden einzigen Spiele, die vermutlich ein FSK ab 18 tragen würden oder sogar tragen.

Ich wünschte ich könnte mehr erzählen jedoch wurde dann der Rest des Monats mit dem Lernen für diese eine Klausur verbracht. Es mag nur eine gewesen sein, aber habt ihr ne Ahnung was eine Klausur alles ausmachen kann? Vor allem wenn man sie bei der Professorin schreibt, mit der man es sich verscherzt hat und diese einen Anspruch erhebt an dem man sich als erst Semester die Zähne ausbeisst.

Ein Beispiel gefällig? Das Modul in dem wir in die Klausur geschrieben haben habe ich mit zwei Leistungspunkten belegt. Umgerechnet müsste ich rein theoretisch ungefähr 60 Arbeitsstunden investieren, um mir diese Punkte zu sichern. Mehr 22,5 Leistungspunkte wären mir schon sicher gewesen alleine deshalb weil ich keine Vorlesesitzung verpasst habe. Den Rest hatte ich bereits nach der ersten Hälfte intus, die aus dem Bearbeiten und vor allem Lesen der ausgesuchten Fachtexten bestand. Die misten waren einfach, es gab einige welche dann hin und wieder knackiger wurden aber keiner war so schlimm wie dieser eine Text der sich mit der Materialphilosophie von Carl Andre beschäftigte welche er innerhalb des Textes mit der Kritik der Ökonomie von Marxs verglich. Später kam dann ein zweiter Künstler hinzu, welcher dann Carl Andre für seine Philosophie kritisierte. Das Ganze auf Englisch.

Der Autor des Textes ist vermutlich bis heute kein guter Journalist, denn seine Wiedergabe Carl Andres Argumentation setzte vorraus, dass man sich bestens mit der Kritik der Ökonomie auskannte. Dumm nur, dass wir Kunstgeschichtsstudenten waren und keine wirklichen Geschichtler, oder vielmehr Politikwissenschaftler. Was ich absolut nicht verstanden habe, weshalb sie uns gerade den Text gegeben hat. Wir hatten Carl Andre ein einziges Mal in der gesamten Anzahl der Vorlesungen. Dort hat sie Marxs Kritik nicht einmal erwähnt. Sie hätte uns diesen Text ruhig in fünf Sätzen zusammenfassen können. Zumal Marxs Kritik ja ursprünglich in deutsch verfasst war, der Text war aber wie gesagt auf Englisch weshalb die eigen Namen eh mehr schlecht als recht übersetzt worden waren. Ich wurde dazu angehalten mir ein 90 Minuten Video anzuschauen, das die Kritik der Ökonomie behandelt noch bevor ich überhaupt an den Text denken konnte. Die Zeit mit dem Wörterbuch nicht mir eingerechnet. Die letzte Woche vor der Klausur bin ich fast jeden Tag gestorben. Ich habe die Mischung aus Stress, irrationalen Ängsten und noch mehr Stress inklusiver wunderbarer Symptome von PMS fast vergessen. Die Betonung liegt auf fast, ich hätte auf den Mist auch verzichten können.

Das wir die letzten Waren, die diese Klausur schreiben machte es nicht besser. Der Rest unserer Kommilitonen waren alle vor uns fertig und sie mussten ingesamt 45 Minuten weniger schreiben. Nie wieder belege ich eine Vorlesung, die am Ende als Überprüfung eine Klausur sitzen hat. Das Lern-Punkteverhältnis rentiert sich absolut nicht. Vor allem, wenn die Professorin gegen ihre eigenen Aussagen handelt. Ergo sie nahm Stoff mit in die Klausur, der offiziell bis dato als nicht Klausur relevant behandelt worden war. Desweiteren stellte sie so unfassbare Fragen, dass ich damit absolut nicht anfangen wusste. Ich hatte alles gelernt, nur wusste ich ernsthaft nicht, was diese Frau von mir wollte. Teilweise dachte ich einfach, sie wollte dass wir durchfallen. Dass ich in der Klausur auch noch einen Namensblackout sämtlicher Künstler hatte machte es nicht besser.

Hinterher ärgerte ich mich weiterhin tot, bis fünf Tage später die Antwort kam à la: Sie haben bestanden. Das Schlimme daran ist, dass die Professorin nächstes ja drei Seminare schmeißt und eine Vorlesung. Wir dürfen gespannt sein. Dabei fällt mir gerade auf, ich habe das Semester überstanden. Mein erstes Semester meines Lebens mit Höhenfliegen und Bruchlandungen, aber ich sitze bzw. stehe noch und wenn ich meine Hausarbeit fertig eingereicht habe freue mich mich schon ein wenig auf den nächsten Höllenritt. Allerdings ist der, dann wiederrum erst in gut 7 Wochen…

 

Ich in der Klausur:

I’m betting, of course, but truth is I didn’t know for sure.

S. 11- The Bombs that brought us together von Brian Conaghan

 

Allabendliche Stimmung:

Also nahm ich meine Bettde- cke und das Kopfkissen und krabbelte damit unters Bett. Dunkelheit, Enge, der Geruch von Holz. Ich rollte mich zusammen und wurde mit jedem Atemzug ruhiger.

S. 37- Nachtblumen von Carina Bartsch

 

Mir wäre ein richtige Harley lieber, aber man nimmt was man bekommt:

Ich klemmte kleine Stückchen Karton in die Speichen, damit mein Fahrrad klang wie ein Motorrad, wenn ich in die Pedale trat.

S. 18- Das Ende von Eddy von Louis Édouard

 

Das war meine Stimmung tagsüber:

»Klar«, erwiderte ich. »Wenn man bedenkt, dass gewisse

Aspekte von ›gar nicht so schlecht‹ eigentlich ›ziemlich schlecht‹ bedeuten.«

S. 13- Zwischen den Sternen von John Scalzi

 

Wüste -> Universität:

Aber das machte die Wüste nun mal mit uns. Sie machte uns zu Träumern mit Waffen.

S. 26- Amani – Verräterin des Throns von Alwyn Hamilton

 

Es ist ein verdammt gutes Synonym für Ich fühle mich in eine Form gepresst:

„She thinks I’m a coloring book“, Mum signs to me

S. 5- The Quality of Silence von Rosamund Lupton

 

Mehr als zutreffend, in jeder Hinsicht:

Wenigstens schien Mrs. Mitchell nicht zu ahnen, dass Amber und sie auch ihre Hausaufgaben getauscht hatten: Holly hatte Mathe und Biologie für Amber erledigt, während Amber ihre Aufsätze geschrieben hatte.

S. 9- Perfect Rhythm von Jae

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