Die gesammelten Schätze des Monats des elektronischen Wahnsinns

Nach ganzen drei Wochen Universität kann ich jetzt schon sagen, dass ich eine ambivalente Beziehung zu diesem Konstrukt haben werde. Übersetzt heißt es so viel wie, so lange ich mich nicht auf andere Menschen verlassen muss läuft alles topp. Dumm nur, dass es so etwas wie Termine, Absprachen und Gruppenarbeit gibt. Ich sehe „The lone Wolf“ wird hier zwar leichter als auf der Schule, aber immer noch schwerer als in der isländischen Einöde. Wir werden sehen…

Wenn ich jedenfalls weiterhin Babys um mich herumsitzen habe, die noch nicht einmal wissen wie man sich seine Fachliteratur zusammensucht oder korrekt seine Quellen angibt, dann werde ich schlicht weg durchdrehen. Oder diese neunzig Minuten einfach verschlafen. Alles ist sinnvoller sich dieses Gebrabbel anzuhören. Die Folien werden eh Internet hochgeladen. Was nicht heißen soll, dass wir ein Hightech Studiengang sind. Oh nein, eine Professorin musste erst kürzlich den Technischen Support kommen lassen, weil sie nicht wusste welcher Lichtschalter für welches Licht verantwortlich war.

Ein wirkliches Klientel haben wir tatsächlich nicht in unserem Studienfach. Wir haben diverse Rentner, die ihre Rente ein wenig spannender Gestalten wollen, Menschen die bereits eine Berufsausbildung hinter sich haben oder parallel noch arbeiten, Menschen, die bereits Kinder haben und meine Altersgruppe die sich dem spießigen Partyfolk zugehörig fühlt. Party machen wollen, aber konservativ oder noch schlimmer neoliberal sein. Bin gespannt wie lange es dauern wird bis die ersten Merken, dass mein Wille zu lernen nicht nur übermotivierte Erstsemestereuphorie ist. Selbst die Identitätskrise wird mich nicht umhauen können, dafür bin ich ein zu chronisch kriselndes Krisengebiet. 

Meine Tutorinnen für die Einführungswoche waren da übrigens nicht ganz unschuldig bei. Bekomme ich am Sonntagabend um 18 Uhr eine Mail mit der Nachricht, dass sich die Begrüßungsveranstaltung mal eben um vier Stunden nach vorne verschoben hat. Wie soll man Sonntagabends den eigenen Chef noch erreichen?! Richtig man setzt sich hin und betreibt Telefonterror und hängt gleich Messenger und Mail hinten dran. Doppelt hält bekanntlich besser und ich war bereits am Ende mit den Nerven. Bevor das Studium überhaupt angefangen hat lag mein Counter der Mails bereits bei 10 Stück und es sollten noch viele folgen. Sehr, sehr viele… Dass ich mit den Nerven bereits am Ende war, stimmt deshalb so nämlich auch nicht. Es geht immer schlimmer…

Die Kursvergabe läuft mittlerweile über digitalem Wege. Nur hat das System ein paar Defizite. Mit anderen Worten: Es ist unbrauchbar. Vorlesungen die im Verzeichnis angegeben werden, sind im System nicht an wählbar und anders herum. Es gibt Vorlesungen/ Seminare, die erfordern spezielle Qualifikationen was nicht kenntlich gemacht wurde und was ganz besonders genial gelöst ist die einmal fest gesetzte Teilnehmerzahl. Die sitzt dann bombenfest und selbst wenn sich der Professor dazu entschließt, sie hoch zu setzen wird es nicht funktionieren. Weil das System es so will! Spätestens ab diesem Zeitpunkt habe ich mich gefragt wann wohl diese Sätze vom System ausgesprochen wird: I’m sorry, Dave. I’m afraid I can’t do that und dann Dave, this conversation can serve no purpose anymore. Goodbye.

Es wäre alles nicht so schlimm gewesen, hätte mal irgendjemand vernünftig mit mir kommuniziert. Das einzige was ich mit bekam war wie ich permanent abgelenkt worden bin vom Kurse eintragen durch meine Tutorin. Alles in allem: Ich bekam mehrmals falsche Informationen, weshalb erneut sehr, sehr, sehr viele Mails folgten, ich von Büro zu Büro gehetzt bin und letztendlich doch am falschen Ort war.

Kurz um, als erst Semester hast du dich nur auf dein Hauptfach zu konzentrieren. Alles andere ist nebensächlich und darf gerne vergessen werden. Für die Exkursionen kannst du dich zwar bewerben, jedoch haben die letzten Bachelorsemester und die Masterstudiengänge immer vorrang. Denn diese müssen eine bestimmte Anzahl an Exkursionstagen haben, um für die jeweilige Prüfung zugelassen zu werden. Last-Minute-Notfälle kommen eben immer mit. Auf diese Weise hast du übrigens keine Chance auf nur irgendetwas. Man wird abgestempelt wie eine Briefmarke und zwar wie eine aus diesen Massendrucken. Nix mit Britisch Guiana

Wenn man sich dann trotzdem ans Nebenfach traut, gibt es noch einmal die volle Quittung wieder in der Form von purer Ignoranz. Zu wenig Seminare mit viel zu wenig Plätzen, nicht einmal mehr schleimen hilft da. Die Professoren geben sich ahnungslos, bedauern und schließlich einfach weitermachen. Schneit man dann mal ins Fachbüro der jeweiligen Fakultät, wird man erneut abgewiegelt: Zu viel zu tun. War mir in dem Moment aber egal. Ich rückte der Dame also erst einmal nicht mehr von der Pelle, bis man mir dann mitteilte, dass die Erstsemester im Nebenfach eben noch Zeit hätten (ihr merkt, sie beginnen sich zu wiederholen). Viel wichtiger seien die Hauptfächler und die Lehrämter. Nächstes Semester würde es dann extra für uns mehr Seminare geben. Wer’s glaubt… Wenn dieses Semester schon zu wenig Geld da war, woher soll dass plötzlich innerhalb von fünf Monaten kommen? Will die Universität im Lotto gewinnen? Ich sehe schon, die Verschiebung sämtlicher Leistungspunkte nach hinten hat System. Dann wundern die sich über gestresste Bachelorstudenten, die angeblich total unorganisiert gewesen waren. Nein, die waren nicht unorganisiert, die wurden einfach nur nicht zugelassen für ihre Seminare. Weil Ms. Fachbüro zu faul war, sich mit der Organisation der Seminare auseinander zusetzen.

Das beste war dann ein Professor, der mein Wunschnebenfach vorstellen sollte:

Ich: Wie wären denn die Vorlesezeiten? Ich habe sie im Internet leider nicht finden können

Er: Morgen 8.00 bis 10.00, ist schon seit 20 Jahren so!

Ich: Schade da kann ich nicht, da arbeite ich.

Er: *Entsetztes Gesicht* Aber Sie wissen doch gar nicht ob sie noch in anderthalb Jahren dort arbeiten. Ihr Studium ist ihre Zukunft!

Ich: Ich weiß noch nicht einmal was morgen sein wird. Ich kann auch schon morgen von nem Bus überfahren werden. Da nützt mir dann aber auch das Nebenfach nichts mehr…

Ich glaube ich sollte diesem Professor niemals wieder begegnen… und ich hoffe, dass von dem Typen niemals auch nur irgendein von meinen Leistungspunkten abhängig sein wird.

Aber jetzt mal ehrlich: lebe und denke nicht an morgen. Ist ja schön, dass das in den 70er oder 90ern noch geklappt hat. Sieht heute mit dem Arbeits- Finanzmarkt und vor allem mit dem Sozialstaat gerade irgendwie anders aus. Ist halt dumm wenn man zwar den Spaß seines Lebens hat, aber das eben nicht 60 Jahre durchhalten kann. Spätestens nach fünf Jahren ist Schluss mit Sex, Drugs and Ravepartys und dann hoffe ich für jedes Partytier, dass sie entweder den Club der 27 noch unterbieten oder knapp drüber liegen werden. Andernfalls, ich habe gehört Lebertod sei relativ schmerzfrei…

Ihr seht, ich war ein zauberhafter Engel… mit ner Schrotflinte.

Ähnlich beliebt machte ich mich bei meinen Tutorinnen. Brav die Kneipenabende sein lassen, und nur den Pflichtteil der Veranstaltungen mit gemacht. Dann aber auch einigermaßen engagiert gewesen. Dann der Reichsparteitag:

Tutorin: Nun die Frage aller Fragen Gryffindor oder Hufflepuff?

*alle Studis verteilen sich, ich bleibe stehen*

Ich: Wo sind die Slytherins?!

*Mehrere Studies aus Gryffindor oder Hufflepuff rennen erleichtert zu mir*

Wenn Blicke übrigens töten könnten, wäre ich in dem Moment vermutlich absolut mause tot gewesen. Meine Wenigkeit und der Rest unseres kleinen Trupps wurden plötzlich so gar nicht mehr freundlich angeschaut. Zumal sich dann ebenso Ravenclaws formiert haben. Der moderne Klassenkampf hat sich also mittlerweile verlagert. Sorry for not being sorry.

Die Kirsche auf dem Cocktail sah übrigens so aus: Ich verbesserte einen der Profs nämlich gute 40 Minuten während unseres ersten Seminars. Wenn ich eins kann, dann die dynastisch korrekte  Reihenfolge der nordkoreanischen Diktatoren… Mein Mail-Counter ist übrigens jenseits der zwanzig stehen geblieben. Ich könnte ohne weiteres einfach als zweiten Nebenjob Sekretärin anmelden. Es würde keinem auffallen, dass ich es nicht wäre.

Ich hatte diesen Monat aber auch Spaß, ich habe beispielsweise eine fast eine gesamte Nacht nur die Legenden von Andor gespielt, ein sehr geniales Brettspiel. Solltet ihr mal ausprobieren wenn ihr auf rundenbasierte Rollenspiel-Videospiele steht. Danach wurde mal eben der The Dragon Prince Marathon angehängt. Ihr wisst schon, die neue Serie von den Machern von The Last Airbender. Musste eben mit und ich bin angesteckt, ich werde beharrlich waten und wie genial ist den bitte der Akzent der einen Elfe?!

Darüberhinaus war ich noch bei ganz wundervollen Konzerten. Wobei wundervoll hier die falsche Vokabel ist. Nennen wir sie eher ober-affen-geil und was noch besser ist, ich bin jetzt stolzer Inhaber von jeweils fünf original Autogrammen meiner Lieblingsband. (Nein nicht Rammstein, aber nahe dran) So episch sie auch auf der Bühne sein mögen, so fertig sahen sie am frühen Nachmittag in der Plattenabteilung des großen Elektronikmarktes aus. Sei ihnen gegönnt, schließlich war meine Heimatstadt Tourende… zumindest von der Deutschlandtour. Es folgen noch 16 weitere Länder.

Derweilen ist auch bei Pen and Paper ein neues Semester angebrochen und meine Game of Thrones Runde geht weiter… An dieser Stelle weiß ich auch nicht ob ich mich wirklich freuen soll oder eher weinen, da wir uns letztes Mal wirklich in die Nesseln gesetzt haben. Eigentlich ist es die Schuld unseres Septons (und nur unseres Septons!), aber was will man machen? 

Wir haben übrigens einen neuen Mitspieler, jemand der sich absolut nicht im Universum auskennt und sofort der Prototyp des Peter Baelish werden will. Ob der weiß das Game of Thrones nicht nur Intrigen sind? Und ob der auch weiß, dass wir zusammen spielen und nicht gegeneinander? Und ob der weiß, was mit Baelish am Ende passiert? Wenn er der Prototyp ist… Ich meine ich habe genau den Dolch dafür. Wer weiß…

 

Wenn Mitbewohnerinnen Ratschläge verteilen und sie trotzdem nichts bringen:

Weißt du, was meine treu sorgende Mutter zu mir gesagt hat, als sie mich vor der Schule abgesetzt hat? Nicht etwa: Viel Spaß, mein Schatz! Noch nicht einmal: Viel Glück! Nichts dergleichen, nur: «Aslo, Marcus, denk dran, der erse Eindrruck zählt! Sei bloß nicht so arrogant.»

S. 11- Warten auf Gonzo von Dave Cousins

 

Hey, ich habs versucht! Okay, nich wirklich aber ich hatte zumindest gute Vorsätze:

Ich wette, sie ist zufrieden. Schon fünf Minuten nach unserer Ankunft hat sie deutlich gemacht, dass es keine gute Idee ist, sich mit ihr anzulegen. Ziel erreicht.

S.15- White Zone von Katja Brandis

 

So schlimm war die Einführungswoche dann doch nicht. Okay, doch schon nur mit anderen Attributen

Nur. Sie liebt dieses Wort. Alles ist nur. Nur ein Drink, Grace. Ein Geburtstag ist doch nur ein Tag, Grace. Es ist doch nur Sex, Grace. Mein ganzes Leben besteht aus einem einzigen gigantischen Nur.

S. 8- Eine Handvoll Lila von Ashley Herring Blake

 

Es ist endlich Herbst!

Ich laufe schneller, sauge die Farben in mich ein. Ich esse sie. Ich laufe sie mir zu eigen. Ich stelle mir mein Inneres vor: eine feurige, wirbelnde Palette. Dann atme ich alles als Drachenatem aus, perlmuttweiß schimmernde Wolken an einem milchig weißen Meerglas-Himmel.

S. 358- Eden Summer von Liz Flanagan

 

Wie war das noch gleich mit dem ewig verkannten Genie?

Ich hatte das Richtige getan. Genau wie immer. Es wäre nur schön gewesen, wenn es einfach mal irgendwen interessiert hätte.
S. 72- Anything for Love von Sarah Dessen

 

Raucher im Seminar neben sich zu haben ist auch Folter:

Der Verwesungsgestank war nur Mundgeruch, allerdings von der übelsten Sorte.

S. 26- Die Masken des Morpheus von Ralf Isau

 

Beschreibt unsere Fachbibliothek ziemlich gut:

An der Tür ein Emailschild wie aus einem Dokumentarfilm über die Kriegsjahre, dachte sie bei sich, und darauf in großen blauen Lettern: Bücher ohne Grenzen.

S. 19- Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Féret-Fleury

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