„Realistische“ Männer in Videospielen

Habt ihr eigentlich eine Ahnung wie schwer es ist auch nur ansatzweise Männer in Videospielen zu finden, die kein zweiter Hulk oder Serious Sam sind?! Soviel zum Thema Frauen seien unter repräsentiert. Sind sie sicherlich, realistische Männerbilder aber ebenso. Ich habe mein möglichstes getan und hoffe, dass sie Liste einigermaßen der Realität nahe kommt. Los geht’s:

Warren aus Life is Strange 

Warren ist der Junge, der einen egal wie betrunken man sein mag sicher nach hause bringt, er wäre derjenige der einem dem Kopf hält während man die Klobrille knutsch und er wäre derjenige, der einem die Hausarbeit schreiben würde oder still schweigend für sich behält, wo man sich die letzten Nächte so herum getrieben hat wenn die Eltern oder Lehrer fragen würden. Der perfekte Kompagnon eben und vermutlich der ewige beste Freund. Nerdig, sympathisch, zuvorkommen und loyal. Das will man eben nicht auf Spiel setzen und ich weiß nicht wie oft Warren bereits von Mädchen einen Korb bekommen hat verbittert er nicht. Er bleibt sympathisch, er ist weiterhin zuvorkommend und ehrlich. Vermutlich macht er sich als kleiner Romantiker immer noch Hoffnung, aber vielleicht klappt es ja eines Tages. Ich würde es ihm wirklich wünschen, denn man findet nicht alle Tage einen Freund der sich als geborener Nicht-Kämpfer vor einen stellt, damit man selbst nicht verprügelt wird.

Garrus, The Vakarian aus Mass Effekt 1, 2 & 3

Was wäre Shepard ohne Garrus? Richtig, gar nichts. Ich meine er ist der Sidekick schlecht hin. Eine coolere Sau findet man schlichtweg nicht in diesem Universum. Er ist nicht nur „einfacher“ Soldat, sondern gleichzeitig Agent, Ermittler, Scharfschütze und bedient sich gerne Mal der Selbstjustiz. „Do things right or don’t do them at all.“, ist sein Standardsatz und darauf lässt er nichts kommen. Egal wer vor ihm steht, Garrus macht ihn platt. Sofern sein Gegenüber keine edlen Motive vorweisen kann. Mag der Leitsatz noch so ehrenvoll und Garrus noch so taktisch erhaben sein, manchmal kostet sein Glauben an das Gute eben doch einen saftigen Preis. Getrieben von seinem Durst nach Gerechtigkeit verliert er zehn seiner Männer und vom elften wurde er vorher verraten. Noch Jahre danach nagt es an ihm…  Ein fast schon zu perfekter Charakter, mit einem enormen Hang zur Selbstjustiz und Glauben an das Gute im Menschen. Stellt sich nur die Frage wer oder was das Gute bestimmt.

Meat Boy aus Super Meat Boy

Meat Boy ist ein kleiner junge, der ohne Haut geboren wurde. Ergo ein Köttbullar in Rohform, dessen Freundin Bandage Girl vom bösen Dr. Fetus entführt worden ist. So überwindet der Spieler in Form eines Fleischhaufens die wahnwitzigsten und grausamsten Hindernisse, nur um der eigenen Freundin zu helfen. So einen Freundschaftsdienst sieht man selten. Jedoch wird die Story wesentlich bedrückender, wenn man den Hintergrund dieses Spieles kennt. Es war eine Art Therapie für den Programmierer, der wurde in der Schule nämlich regelmäßig gemobbt und hat bis heute noch mit den Nachwirkungen zu kämpfen. An dieser Stelle würde ich den Entwickler mal ganz stark paraphrasieren: Für ihn sei Meat Boy ein Junge der ohne Haut/ Panzer/ Schutz geboren wurde. Er trägt seine Gefühle und sein Herz eben auf der Zunge. Deshalb mache er sich auch extrem angreifbar, aber in dem er seine Freundin rettet steht er dazu und fasst Selbstvertrauen in sich, dass er etwas schaffen kann. Wie Zucker ist das denn bitte…

Rufus aus Deponia 1, 2, 3 & 4

Ich halte ja absolut nichts von dem Twitter Hashtag MenareTrash, aber bei Rufus… Einen so selbstgerechten Mann habe ich selten treffen dürfen. Er ist kindisch, wie gesagt sehr aufgeblasen, anmaßend, gerne narzisstisch, besitzt vor allem hat eine verdammt große Klappe und hat sadistische Tendenzen. Definitiv kein Traummann, noch nicht einmal ein bester Freund. Trotz allem hängt er an ganz genau einer Person, eine wunderhübsche Mitbewohnerin des Schrottplaneten Deponais und somit der Lichtblick in der trostlosen Welt. Im Laufe der Spiele versucht Rufus alles mögliche, um sie zu beeindrucken. Nur ist gut gemeint, nicht immer gleich die romantischste Darbietung, die Goal haben möchte. Weshalb sie eher eine Hass-Liebe miteinander führen. So blöd er sich aber auch anstellt, im entscheidenen Moment opfert er sich sogar für sie. Das traurigere daran sie bemerkt es noch nicht einmal….

Noah aus Silence

The Whispered World hatte es mir damals schon angetan. So blieb Silence auch nicht lange unberührt, was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. Doch statt Noahs Alter Ego zu sehen, spielen wir ihn höchst persönlich. Bzw. wir spielen ihn und seine Schwester, denn die beiden werden aufgrund eines Bombeneinschlags in Noahs Fantasiewelt zurückversetzt und müssen von dort aus wieder in ihre reale Welt zurückkehren. Jedoch ist das gar nicht so einfach, denn der Spiegel durch den sie hindurch müssen hängt in dem Schlafzimmer der falschen Königin. Noahs kleine Schwester, stellt sich dann als die wahre Prinzessin heraus und beide werden gewissermaßen gezwungen das Königreich von der falschen Königin zu befreien. Nach wenigen Spielstunden wird einem klar, dass nur einer in die reale Welt zurückkehren kann. Ihr könnt euch natürlich vorstellen was ein großer, toller Bruder macht oder? Was habe ich geheult…

Harry Mason aus Silent Hill 

Dieser Mann muss Nerven aus Titan haben. Anders kann ich mir seine Entschlusshaftigtkeit nicht erklären. Da adoptiert man schon ein Baby und dann bricht Jahre später über einem die Hölle aus. Sprichwörtlich, denn erst stirbt seine Frau Jodie und dann verschwindet seine Tochter kurz danach bei einem Autounfall. Harry bleibt nur übrig sich mit einer Polizistin aus der Kleinstadt Silent Hill zusammen zu tun, um sie zu finden. Dabei stoßen sie auf eine Mischung aus religiösen Orden, Kulte, Dämonen, Engel, Monster und was sonst noch eben so dazu gehört. Kurz um, beide werden fast mehrmals getötet, betrogen und wenn alles gut geht sitzt man im nächsten Moment wieder zu Hause und hat statt seiner ersten Tochter eine Wiedergeburt aus Tochter und Dämon bei sich. Die Kunst dabei, man zieht sie genauso auf wie jedes normale Kind. Den Mut muss man erst einmal haben, oder ist es doch schon Dummheit?

Daniel Lazarski aus Observer

Ich bin mir sicher, dass sich jeder schon einmal über seine Arbeitsstelle beschwert hat. Nur bin ich mir sicher, dass es niemals so schlimm war wie bei Daniel Lazarski. Der Herr ist seit mehreren Jahren (Jahrzehnten) Ermittler in einer Welt, die einer Mischung aus Blade Runner 2019 und Orwells 1984 gleichkommt. Verbrechen, Korruption, Mord und Totschlag sind an der Tagesordnung. Größtenteils illegal biomechanisch modifizierte Menschen, machen der Polizei das Leben schwer und Lazarski Aufgabe ist es sich in das Bewusstsein Verdächtiger einzuhacken, um herauszufinden ob sie schuldig sind oder nicht. Seinen Job mögen tut er nicht, was soll er jedoch tun? Kein anderer Will den Job machen und schließlich muss er irgendetwas zu Essen bekommen. Eines Tages jedoch erhält er eine ominöse Nachricht seines Sohnes, den er seit Jahren nicht gesehen hat. Der Sohn klingt jedoch so verängstigt und hysterisch, dass er sich erbarmt und ihm zur Hilfe eilt. Aber es ist bereits zu spät, sein Sohn ist tot und Lazarski macht sich auf den Mörder zu finden. Das Ende der Geschicht? Das Bewusstsein des Sohnes wurde von ihm eigenhändig digitalisiert, nur um dann von einem Virus überschrieben zu werden. Zum Schluss stellt sich dann für den Vater die Frage: Den Aliassohn ins eigene Bewusstsein lassen, um möglicherweise genauso zu verschwinden wie der eigene Sohn oder garantiert vom Virus übernommen zu werden. Ich meine da spielt man seit Jahren den Ordnungshüten und dann gerät man an so etwas….

Jack aus Bioshock

Wenn wir gerade schon einmal bei Dystopien angelangt sind, können wir auch gleich zu Rapture übergehen. Jack stürzt mit einer Passagiermaschine ab und überlebt wie durch ein Wunder- weiter, bei seiner Selbstrettung stößt er auf eine uralte Taucherglocke, die ihn eben nach unter Wasser in die geheimnisvolle Stadt Rapture bringt. Die ein wenig an die untergegangene Stadt Atlantis erinnert. Auf seiner Erkundungstour wird er entdeckt und schließlich damit beauftragt eine Familie von einem gewissen Atlas zu retten. Je länger sich Jack in Rapture aufhält, desto mehr findet er über den Konflikt heraus, der sich in der Stadt anbahnt. Irgendwann stößt Jack auf Atlas, der ihn über die geheimnisvolle Droge Adam aufklärt und von dort an wird es ein wenig schräg… Er kann kleine Mädchen entweder retten oder ausbeuten, er muss maschinenartige Wesen beseitigen und wenn man es genau nimmt will die gesamte Stadt ihn plötzlich tot sehen. Wobei diese ganzen vorgelagerten Events nur Nippes sind. Denn Jack findet heraus, dass er selbst das Resultat eines Genexperiments, was sein Vater vor Jahren durchgeführt hat. Eben diesem Vater steht er dann gegenüber und wird gewissermaßen gezwungen ihn zu töten. Danach stellt sich seine Bekanntschaft Atlas als Verräter heraus und es gibt am Ende mindestens einen Toten…  Falls ein Spieler sich so geschickt angestellt hat, übersteht dieses Abenteuer vielleicht mit ein paar Kratzern und einem Schock fürs Leben. Trotzdem, das Erlebte muss man erst einmal verarbeiten. Ich wäre auf halber Strecke vermutlich einfach wahnsinnig geworden. Hut ab vor diesen Nerven.

Dominic „Dom“ Santiago aus Gears of War 1, 2 & 3

Ich bin ja kein Fan von der Bundeswehr und schon gar nicht vom Militär. Nur tut mir Dom eben doch leid. Ein stinknormaler junge, der sich in ein Mädchen verliebt und sie zu früh schwanger wird. Was von dort an folgt kann eigentlich nur schlimmer werden. Zwar heiraten die zwei und die Eltern stehen hinter den beiden und sowohl das erste als auch das zweite Kind sind gesund und munter. Dann schmeißt Dom jedoch die Schule, um seine Familie zu ernähren. Er stößt auf seinen Bruder und dessen besten Freund. Leider hält die Freude nicht lange, denn Krieg ist nun mal hässlich und es dauert nicht lange bis Doms Bruder stirbt. Es folgten darauf seine Schwiegereltern sowie seine beiden Kinder, seine Frau verfiel daher in eine schwere Depression und flüchtete sich in Traumwelten. Er selbst kämpfte weiter in der Schlacht gegen die übermenschliche Macht, die die Erde heimsuchte. Einige Zeit später wurde seine Frau aufgrund ihrer psychischen Probleme in Gewahrsam genommen und verschwand. Es fielen erneut Teamkameraden und Freunde von Dom. Alleine der beste Freund seines Bruders blieb mit ihm am Leben bis eines Tages es auch Markus erwischt. Dom ihn jedoch rechtzeitig rettet, er dafür allerdings ein kleines Mädchen zurücklassen muss. Auch das nützt nichts, denn sie geraten wieder in einen Hinterhalt aus dem es dieses Mal kein entkommen gibt. Bis Dom die zündende Idee kommt sich selbst samt einem LKW zu opfern.

Dr. Light aus Mega Man

Dr. Light ist mir irgendwie ans Herz gewachsen. Liegt nicht zuletzt daran, dass er einer der ersten alleinerziehenden Väter in der Videospielgeschichte ist. Vater ist dabei relativ, denn eigentlich ist er lediglich der Besitzer der beiden Hausroboter Rock und Roll. Als schließlich die Welt in Gefahr gerät, wird Rock seinetwegen zu Mega Man und die Erde ist bald schon wieder sicher. Light bedauert stets den Umstand, dass es Mega Man aufgrund der asimovischen Robotergesetze nie vergönnt sein wird ein eigenständiges Leben zu führen. Deshalb setzt der Robopapa letztendlich alle Hebel in Bewegung, um seinen Schützlingen ein lebenswertes Leben präsentieren zu können. Das Vorhaben hat er bis zu seinem Lebensende, dass nenne ich doch mal Vaterliebe.

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