Die gesammelten Schätze des Monats der Musik

Ich dachte gerade ernsthaft, der Oktober sei bereits vorbei und war dezent irritiert. Nun gut, dem ist nicht so. Wobei mir jetzt einfällt, dass ich dringend unseren Tofuvorrat im Kühlschrank verspeisen sollte. Soja hält sich zwar, aber überstrapazieren will man die Pflanze ja auch nicht.

Das erste Wochenende des Septembers war ganz dem MPS gewidmet. Die ganze Aktion fing jedoch relativ hollprig an aufgrund von Verspätungen, Feierabendverkehr und einem Zeltaufbau, der eher einem Wir-halten-alles-fest-damit-nichts-zusamen-kracht erinnerte. Es blieb leider bei einem Zelt, denn das zweite war so Wacken geschädigt, dass wir es gleich entsorgten. Unsere Platznachbarn, waren auch ganz froh darüber hatten sie uns helfen müssen. Was lernen wir darauf, die Jungs sind absolut fit darin Soft sowie Hardware zu erneuern, aber ein Zelt aufstellen?

Schwierig…

Der Grill wurde dann gegen 22 Uhr angeschmissen, wir hatten also eine Verspätung von nur zwei Stunden. Ich memte mal wieder die Grillmeisterin (irgendwie ironisch so als Vegetarierin), aber das Fleisch wurde wohl erstaunlich gut. Es waren wohl alle überrascht, am meisten ich selbst. Anschließend unterhielten wir uns über Gott und die Welt, sangen Disneylieder und sämtliche Balladen aus naja Game of Thrones… Kommt schon, was habt ihr erwartet?!

Die Nacht war dementsprechend kurz und wir waren alle sehr erfreut über den morgendlichen Weckruf. Nicht. Neben unserem Zelt hauste der Timelord des Mittelalters. Sein Highlight zu jeder Stunde war es, sein Horn zu blasen und die Uhrzeit zu schreien. Wären die Bewohner des Campingplatzes nicht völlig im Eimer gewesen, wir hätten ihm die Gurgel umgedreht. Es war nämlich sieben Uhr morgens als er anfing. Es folgt die acht und um neun erbarmten wir uns schließlich aufzustehen, es nütze ja doch nichts. Wir wollten schließlich frühstücken, uns umziehen, mit den anderen noch shoppen gehen und das erste Konzert sollte bereits um 13 Uhr starten. Um neun Uhr, hat der Herr mit dem Horn dann übrigens ausgesetzt… Eine Welle aus unflätigen Wörtern folgte. Um zehn ertönte erneut sein Horn. Ich sehe, hier war man sich schnell einig.

Bin ich eigentlich die einzige Person, die das Wort „Gewandungen“ zwar episch findet, aber auch gleichzeitig sehr merkwürdig? Gegen dass sich nun vor uns erstreckende Meer aus Pfauenfedern, Rüstungen, Holzplatten, Stoffbergen, Flechtfrisuren und Make-Up konnten wir unmöglich ankommen. Zu uns gesellten sich Paladine, Samurais, Faune, Drachenblüter, Saurons, Gandalfs, Zwerge, Orks, Piraten und natürlich ein paar wunderbaren Elfen und wir alle pilgerten zur großen Wiese… So fing der Reigen an und die Eröffner waren Ye Banished Privateers. Eine Piraten(rock?)band, deren Musik uns ordentlich in Schwitzen gebracht hat. Piraten sind schon ein hartes Volk. Auf dieselbe Partyweise bestritten wir dann den Tag mit Waldkauz, Versengold, Saltatio Mortis, Knasterbard, Mr. Hurley & Die Pulveraffen, Fiddlers Green, und Faun.

Waldkauz wäre an dieser Stelle mein Geheimtipp. Eine Mischung aus Faun und Omnia, wobei sie musikalisch eher an Faun andocken und im Gegensatz zu Omnia, die englischen Texte singen können ohne dass es lächerlich wirkt.

Die große Aftershowparty gipfelte dann in einem Fiddlers Green Konzert und Holy Hell, die Jungs sind echte Rampensäue. Wurde vorher schon ordentlich getanzt wurde es hier auf die Spitze getrieben. Brüllen, Johlen, Grölen, Tanzen, Springen, Moshpid, Wall of Folk, alles inklusive und am Ende des Konzerts hatten 80% des Publikums keine Oberteile mehr an. Geschlechts und Gender unabhängig… Ein riesen Spaß! Ich merke an dieser Stelle an, die Band war keine Metalband sondern spielte irish Speedfolk.

Der Weg zum Zeltplatz war dagegen weniger amüsant. Zu wenig Licht und nun ja Winter is comming war plötzlich Gegenwart geworden. In dem Moment hätte ich gerne den schwarzen Ikeaflokati aka Mantel des Kommandanten der Nachtwache gehabt. Ein grobgewebtes Leinencape musste herhalten und unter jeder Menge Gegröle und Gehopse (Das Grölen war eher einem Röcheln und das Springen eher ein Humpeln) kamen wir zumindest beim Zelt an, ohne vorher zu Eis erstarrt zu sein.

Dumm nur, dass diese Nacht das Lagerfeuer nicht ganz so brennen wollte wie letzte Nacht. Plötzlich erschien uns die Nacht durchzumachen irgendwie doch nicht mehr so verführerisch wie am Tagesanfang und so wurde um kurz vor vier Uhr das letzte Handylicht ausgeknipst. Am nächsten Tag mussten wir feststellen, dass es zwei von uns sogar nicht mehr in ihre Zelte geschafft hatten, sondern einfach draußen geblieben waren. Die beiden, wurden dann jeweils auch wirklich fies krank. Aber auch wir bekamen am nächsten Morgen die Quittung. Unser Hornbläser verschlief übrigens sowohl sechs, als auch sieben und acht Uhr. Kurz vor neun ertönten die ersten hämischen Rufe à la Na wie spät ist es denn jetzt?, Hat da jemand zu viel gesoffen? und natürlich kam auch der Wackeninsider wieder hoch, der ewige Ruf nach: HELGA!

Pünktlich um neun ertönte dann zumindest ein Versuch des Hornblasens. Der Ton schmierte aber sowas von weg, es war fast schon wieder lustig. Ja, der halbe Campingplatz war deutlich schadenfroh. Die Revange für den Vortag. Eine Stunde später, war die Hornkünste jedoch wieder zurückgekehrt und wir machten uns erneut auf in Richtung. Ich hatte übrigens noch nie so einen Muskelkater vom Tanzen, schon gar nicht in den Waden.

Es wurde übrigens eher ein ruhiger Tag, die Bands spielten definitiv mehr Balladen als am Vortag und wir widmeten uns mehr dem Gelände, denn Historischen Tanzstunden, einem Schwertshowkampf, den Märchenerzählungen des Mönchs und irgendwelchen Ritterspielen. Die Zeit ging ins Land und schließlich es dann auch für uns die Rucksäcke satteln und den Weg zur Metro finden. Leichter gesagt als getan… Vier Tage später lag ich dann am Boden von einer fetten Erkältung überrannt.

Zu meiner überaus hohen Freude bemerkte ich dann durch Zufall, dass Eminem ein neues Album veröffentlich hatte ganz ohne Promotion. Ein kleiner Skandal, seit gut drei Wochen dudelt Kamikaze nun durch meine Kopfhörer und ich gestehe ich liebe es. Es ist so viel besser als das vorherige. Eminem braucht einfach nicht viel mehr als seine Snear und seine Texte.

Zum Glück war meine Erkältung fast ganz verschwunden als sich die Metal Dayz anbahnten. Der Preis war für sechs Bands wirklich gut, wer konnte denn da nein sagen?! Vielmehr wer braucht schon Schlaf?! (Glaubt mir…. ich brauch ihn so dringend) Kurz vor Torschlusspanik, sagte ich zu, bekam Karten und schwups stand ich mitten in der Konzerthalle. Ein großartiger Abend mit drei wirklich guten Bands und drei Bands, die man ruhig vernachlässigen kann: Hier meine Kurznotizen:

Syndemic: Hat sich für mich wie 0815- Thrashmetal angehört, sind wohl allerdings eine Death Metal Band. Dann ist es leider kein 0815- Tharshmetal mehr, sondern nur noch schlechter Death Metal. Da gibt es um Längen bessere.

Bonfire: Sie sind die Inkarnation von Metalklischees. Old School durch und durch mit der Klamotte, dem Look der Instrumente, der Gesangsart, der Spielart der Instrumente… Iron Maiden, Motörhead und vor allem Manowar wären begeistert gewesen.

The Hirsch Effekt: Ein Lied vor dem verlassen des Hauses angehört und ich hatte böse Vorahnungen. Ich mag Metal, aber ich mag es nicht angeschrien zu werden. Bei mir muss es mindestens ein Bariton wenn nicht sogar Bass sein. Wer braucht denn bitte schön Tenöre…? Für die Frauen gilt übrigens dasselbe. Deshalb fragte ich mich weshalb mein Kumpel die so in den Himmel lobte. Nachdem Auftritt wusste ich es. Die sind live so der Hammer. Scheiß auf die Alben, die muss man mal auf der Bühne gesehen haben. Die Bühnenpräsenz, die Songvariation, die Percussion. Einen so guten Drummer habe ich schon lange nicht mehr erlebt. (Ausgenommen Christoph Schneider und Stephanie Bailey)

Jesper Binzer: Abermals ältere Herrschaften, fingen mit Country an, gingen dann zu Rock über und schlossen dann mit Iron Maiden angehauchten Songs ab. Ganz nett, Stimmung fehlte jedoch völlig. Leider…

Audrey Horne: Die Band hat sogar einen Wikipediaartikel und die gibt es bereits seit 2002. Die Norweger laufen jedoch unter Hard Rock. Was eigentlich total egal war, denn sie waren wirklich gut. Fand das Publikum wohl auch, denn Stimmung war ordentlich vorhanden. Weshalb kannte ich die früher nicht?! Skandinavier haben es eben einfach drauf.

Skindred: Reggae-Metal mit Rapeinlagen. Ich bitte euch, das ist scheiße geil! Mehr muss dazu gar nicht gesagt werden. Hörempfehlung für jeden und es ist mir egal ob mir Metal mögt oder nicht :D

Eine Art Convention steht mir im September noch bevor und zwar die Brett. Die Brett ist die größte Brettspielveranstaltung meiner Heimatstadt und brauchte dementsprechend Helfer. So bat mich eine Kiwi, ihr doch zu helfen und so wurde ich für Samstag und Sonntag dort hin beordert. Weiteres werdet ihr dann wohl in vier Wochen erfahren, denn gerade bin ich wohl noch mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Eins darf ich natürlich nicht vergessen. Meine beste Freundin hat mich mal wieder besucht. Jedes Mal wieder eine große Freude und jedes Mal könnte ich glücklich quiekend im Kreis springen. Spaziergänge, Ausflüge in die Untiefen Globetrotters, des immer gern gesehenen Hafens, des alternativen völlig überteuert Veganerviertels sowie Schiffsfahrt ins Stadtoutback folgten. Ich verstehe jetzt übrigens weshalb man an der Elbe wohnen will. Die Häuser dort sind schon echt schön, aber die Treppen würden meine Knie töten und meine Kondition und vor allem meinen Kontostand (liegt aber mehr an den Häusern).

Desweiteren habe ich tatsächlich den ersten Song meines Lebens geschrieben. Sehr cool, wobei ich einräumen muss, dass es eher eine mittelalterliche Ballade geworden ist und ich bis jetzt nur die Lyrics habe. Dafür aber in zwei verschiedenen Versionen und ich auch schon zwei potenzielle Musiker am Horizont erahnen könnte. Wie mein Friseurbesuch so war kommt in einen Extrabeitrag ;)

 

Momentan ist das wohl die perfekte Genrebeschreibung für mein Leben: 

Eine Tragödie ist nur eine Komödie, die noch nicht ganz fertig ist.

S.208- Ich und die Menschen von Matt Ruff

 

Auf den Schultern seiner Freunde zu sitzen und den perfekten Blick auf die Bühne zu haben ist schon genial: 

Sie fühlte, wie ein Lächeln auf ihr Gesicht kroch. “Wie viele Leute sind eigentlich süchtig nach diesem Lächeln?”

S.28- Freestyler von Katja Brandis

 

Die Welt braucht keine Carls: 

(…) »Die Musik ist okay«, sagt er nach einer Weile zu Carl. »Aber könntest du bitte aufhören mitzusingen?«

»Oh ja, natürlich«, sagt das Auto. »Entschuldigung. Da ist der Rhythmus mit mir durchgegangen.«

S. 14ff.- Qualityland von Marc-Uwe Kling

 

Deshalb gibt es auch keine Fotos von unserem Zeltplatz… Bärenüberfall hätte den Ordnungszustand ganz gut getroffen: 

Es schien, als habe da jemand den Rest der Welt ausgesperrt, um an diesem geheiligten Ort ungestört seinem ganz und gar unheiligen Treiben nachzugehen.

S. 29- Die Masken des Morpheus von Ralf Isau

 

So ähnlich war es dann auch: 

Jeder Atemzug ist wie ein Wunder. Ich bin da. Ich lebe. Ich habe es geschafft. Heute möchte ich das vom höchsten Berg hinunterrufen.

S. 350- Eden Summer von Liz Flanagan, Sabine Schulte

 

Darüber diskutieren wir dann wenn es soweit ist, aber hey… Immerhin etwas:

Ich möchte gern, dass es der tiefste Punkt in meinem Leben war, aber so läuft das nicht. Es gibt keine Garantien. Ich weiß nicht, was mich noch erwartet. Doch im Gegensatz zu früher bin ich jetzt überzeugt, dass ich es überstehen kann.

S. 350- Eden Summer von Liz Flanagan, Sabine Schulte

 

Mein Pen and Paper Charakter, als ich und mein Hauslord dem König höchstpersönlich in einem Geheimgang unter der Stadt „getroffen“ haben: 

Er war keiner, der oft fluchte, und als er sagte: «Gottverdammt! Was zum Teufel soll das sein?», war mir klar, dass wir ein Problem hatten.

S. 9- Gott hilf dem Kind von Toni Morrison

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