Die gesammelten Schätze des Monats der (Ent-)Spannungen

Es wird wieder Zeit für die Zitatelite oder für meinen viel längeren Monatsrückblick. Der August war zumindest aufgrund von Krankheit anderer und allgemeiner Ferienstimmung wesentlich ruhiger als der Juli. Ich habe es sehr begrüßt auch wenn ich mit der plötzlich vorhandenen Freizeit, schon manchmal ein wenig überfordert war. Das angenehmste sind allerdings die allmählich abkühlenden Temperaturen und die ebenso ausdünnenden Events in der Stadt. Denn jedes Wochenende musste dementsprechend abgesperrt werden. Die Straßen waren dicht, die Metrolinien erst recht und als Cocktailkirsche kamen dann noch die zigtausend Baustellen. Kurz um, man hat in dieser Stadt nur noch eine Chance, wenn man Fahrrad fährst.

Da lobe ich mir doch den norddeutschen Herbst inklusive Hoddiewetter. Perfektes Lesewetter, was ich endlich mal mehr machen müsste. Dafür habe ich endlich alle Game of Thrones Folgen geschaut. Inklusive Nachbereitung via Podcast. Ich bin mir mittlerweile mit recht vielen einig, dass die Serie ab Staffel fünf zu schwächeln anfängt. Teile der Handlungsstränge ergeben keinen Sinn mehr, die Geschwindigkeit der Truppenbewegungen wird immer absurder und es sterben keine Charaktere, wo sie eigentlich wirklich hätten sterben müssen. Ab Staffel sechs steht dann fest, gut HBO kann Game of Thrones nicht wirklich ohne Vorlage adäquat weiterführen. Für mich bleibt jetzt nur noch die gesamte Vorgeschichte durchzuarbeiten und dass müsste ich doch bis April 2019 geschafft haben.

Parallel steht noch eine Lektüre über Anarchie auf dem Plan. Schuld daran ist hauptsächlich ein weiterer Pen and Paper Charakter: das anarchistische-barbarische Eichhörnchen. Wir haben mit unserer Gruppe endlich mal angefangen Konferenz der Tiere zu spielen. Unsere Aufklärungstruppe besteht aus einem uralten kommunistischen Panther, einem existentiellen Papageien, einer faschistischen Krähe, einer feministischen Arbeiterbiene, einem Hamster der als ultimativer Mitläufer geboren wurde, meiner Wenigkeit und einem Goldfisch als General.

Ich muss euch nicht sagen, dass unser Papagei die Hälfte der Zeit unseren General im Schnabel tragen musste, weil wir ansonsten absolut nicht vorangekommen wären? Besonders schön war es, als der Papagei außer Gefecht gesetzt wurde und wir beide reanimieren mussten. Goldfisch und Papagei. Jetzt stellt euch bitte ein wildgewordenes Eichhörnchen vor, was wie geistesgestört auf einem Papageienbauch zu Stayin’ Alive von den Bee Gees herumspringt. Einen besseren Reanimator gibt es auf der gesamten Welt nicht.

Beim Spiel um den eisernen Thron gibt es nicht sonderlich viele Neuigkeiten, da einmal ein Totalausfall stattfand, aber was wir erfahren und vor allem geplant haben hat sich gewaschen. Stichwort: Ankunft in Kingslanding. Wobei ich bereits vor Kingslanding meinen ersten Ehekrach hatte, immerhin wir haben knapp 14 Tage durchgehalten. Ich war nicht ganz unfroh, denn dass hieß für mich ich würde höchstwahrscheinlich Ruhe in der Hauptstadt haben. Es kam dann auch so. Wer dagegen richtig Stress bekam, war mein Adoptivbruder. Ein kleiner Auszug:

Er: Ich leg die Rüstung nicht ab. Nicht im Thronsaal, ich war im Wald. Ich weiß, was passiert ist…

Sie: Du ziehst die Rüstung aus!

Er: Nein!

Sie: Doch, musst du sonst… *böser Blick und drohender Unterton*

Er: Ist mir egal, ich habe keine Lust von hintern erstochen zu werden

Sie: Das ist Kingslanding, hier wirst du nicht erstochen, hier wirst du vergiftet!

Es folgt Totenstille, und er willigte ein. Während des gesamten Dialogs hat unser Spielleiter übrigens die Zeit herunter gezählt, hätten wir ihn nicht überzeugt bekommen, hätte es delekaten Ärger gegeben. Ratet mal wer wenig später einen Vorkoster dabei hatte. Zu allem Überfluss brachte unser verfeindet Haus unserem König auch noch das angeblich verschwundene Drachenei. Wir wissen nicht woher sie es haben, wir wissen nur das die gesamte Sache zu Hölle stinkt. Es kommt übrigens noch bessern, denn mein Adoptivbruder darf jetzt auch noch deren Tochter heiraten. Wir schlagen natürlich ganz süffisant zurück, in dem wir eine Intrige anfangen. Was die können, können wir schon lange. Mit anderen Worten, es kann nur schief gehen. Unser Spielleiter hat sich am Ende unfassbar ins Fäustchen gelacht, wir liefern ihm aber auch jedes Mal Steilvorlagen.

Mehr oder weniger spontan kam dann auch noch die Idee auf am Ende des Monats beim MPS vorbeizuschauen. Es sollte das letzte Mal an diesem Ort statt findet, es wäre das Jubiläum und außerdem hatten wir endgültig genug Leute zusammen, die darauf Lust hatten. Wenn ihr den Text hier also lest, liege ich im besten Falle in meinem Schlafsack und erhole mich von der durchspielten Nacht. Ein Hoch auf Lagerfeuergesänge und Rollenspiel.

Es gibt natürlich kein Mittelalter Phantasie Spektakulum ohne Gewandung. Es wurde eifrig geplant und gesucht und letztendlich wurde auch etwas gefunden. Es dann zu beschaffen war eine ganz andere Nummer. Beschaffungskriminalität in Sachen Drogen? Das ist etwas für Anfänger, versucht mal ein recht günstiges, dennoch sehr gut aussehendes Kostüm zu bekommen. Eine Odyssee begann und am Schluss waren meine Nachbarn, eine Bekannte und ein fremder Einwohner meiner Heimatstadt in die Sache involviert.

Selbst Double Checks helfen nicht, wenn zwei Menschen zwei verschiedene Definitionen von genau einer Sache haben und beide ihre Definition als völlig gegeben annehmen. Für alle dort draußen: Eine Aikidohose ist kein Hakama. Die Aikidohose ist weiß und wird unter den Hakama gezogen. Ein Hakama ist ein japanischer Gehrock, der beim Aikido nur von den Meistern getragen werden darf. Der einfache Weg ist übrigens einfach zu sagen man will eine „Kendohose“. Dort trägt jeder den Hakama, egal ob Schüler oder Meister.

Nicht Wahnsinn genug, gab es da auch noch die Uni meiner Heimatstadt. Zudem Zeitpunkt war ich übrigens noch nicht einmal eingeschrieben! Ich war gerade dabei da fand ich heraus, dass das alles nicht ganz so funktioniert wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war also Powerworking sowie paniken angesagt und nach fünf Tagen hat sich dann alles wieder in Wohlgefallen aufgelöst und ich war eingeschrieben…

Ich finde es übrigens herrlich ironisch, dass die Uni sich wahnsinnig viel Mühe gibt niemanden vom studieren auszuschließen. Jeder kommt auf seine Kosten: Gehörlose, Blinde, Stumme, Flüchtlinge, Immigranten sowie Rollstuhlfahrer. Alles gute Sachen, ich finde großartig und vor allem endlich mal zeitgemäß. Nur weshalb ist das Anmeldeformular dann noch strunz binär aufgebaut, Facebook hat es doch vorgemacht. So schwer kann es doch nicht sein.

Ich bin ja ernsthaft neugierig wie viele Beschwerden diesbezüglich des Themas bei denen schon eingegangen sind.

Hier hätte der Beitrag eigentlich geendet, nur hat mir Chemnitz da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kinners, ich sags euch die Welt schafft mich. Was mich vor allem schafft sind die Menschen, die ausflippen und alles mit den Progromen von 1938 vergleichen.

Ja, wir haben eine deutliche Radikalisierung in Europa.

Nein, diese Ausschreitungen und Haltung gegenüber anderen Menschen gefällt mir ganz und gar nicht. Ja, jede Form von Extremismus ist scheiße. Trotzdem halte ich fest, dass Chemnitz noch lange nicht so ausmaßend ist wie es gerade beigetreten wird. Soll ich die Daten der Progromnächte hier mal aufzählen? Das ganze dauerte nämlich 6 Tage, mit 400 Toten und 30.000 inhaftierten Juden in KZs. Ob die Polizei in Chemnitz nun richtig oder falsch gehandelt hat können die meisten von uns absolut nicht beurteilen. Wir waren schlichtweg nicht vor Ort und auf die Medien kann man sich heutzutage schon gleich gar nicht verlassen. Ich kann die geistige Haltung von rechts Extremen absolut nicht verstehen, jedoch kann ich genauso wenig die Menschen verstehen die sich nun als Übermensch darstellen nur weil sie explizit kein Nazi sind. Ich wette mit euch, dass der Großteil dieser Übermenschen im Internet weder spendet, noch sich sozial engagiert, noch sich mit Nazis und ihren Beweggründen auseinandersetzt, noch irgendetwas anderes tut was diesem Land helfen könnte wieder positives Klima zu bekommen.

Sich öffentlich das Maul zu zerreißen reicht nicht verdammt noch mal. Außerdem lasse ich der Bevölkerung noch maximal zwei Wochen dann steinigen sie Politiker XY, weil der mal wieder seine Frau betrügt hat.

Ws man tun kann: Für mehr Transparenz in der Politik sorgen, die eigenen Vorurteile abbauen und sich damit konfrontieren, Menschen freundlich begegnen und als physisches und psychisches Ventil keinesfalls Gewalt wählen.

 

Das Gefühl kommt davon, wenn sich zwei Spielleiter über dich spaßeshalber streiten weil sie dich beide in ihrer Runde haben wollen

Total albern, dieses kleine Treppchen, aber es war das coolste Gefühl der Welt, ganz oben zu stehen. Gab es irgendetwas, das sich damit vergleichen ließ?

S. 57- Freestyler von Katja Brandis

 

Der Dialog zwischen meinem GoT Charakter und meinem Adoptivbrüder über seine Schwägerin hatte nur minimale Abweichungen:

»Die Schwangerschaft macht eine Frau nicht gerade lustiger.« »Sie sieht nur lustiger aus.« »Kein Kommentar«, sagt er, »So dumm bin ich nun auch nicht.«

S. 8- Die Stille vor dem Tod von Cody Mcfadyen

 

Kommt davon wenn man seine ehemalige Therapeutin in zivil trifft:

Warten Sie. Lassen Sie mich erklären… Mein ganzes Leben lang bin ich immer wieder in solche Situationen geraten wie an jenem Morgen mit dem Psychiater.

S. 17- Was ich sonst noch verpasst habe von Lucia Berlin 

 

Ich bin noch rebellischer: Ich laufe…

Entweder man fuhr selbst oder wurde gefahren; die Stadt war für Autos gebaut und für Menschen, die Autos besaßen. Moody fuhr Rad.

S. 25- Kleine Feuer überall von Celeste Ng

 

Wäre doch auch mal ein interessantes Weltrettungsteam:

Die Biene, die Seidenraupe, die Cochenille-Schildlaus, die Schildlaus, der Flusskrebs, die Landassel, der Weichkäfer, der Blutegel… carciofi, arance, pomodori, fagiolini, zucchine… crostata, lombatina de cervo, gamberi al gratin… Wortschmetterlinge, die in dem über- füllten Metro-Waggon flatterten, bevor sie sich auf Juliettes Fingerspitzen niederließen.

S. 14- Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Féret-Fleury 

 

Meine Reaktion, sobald ich aus der Hautür gehe:

Ja, ich bin. Ich bin wieder auf der Erde, ein mickriger Mensch. Weißt du, woher ich das weiß? Weil nichts so weht tut wie das Leben.

S. 30- Während ich vom Leben träumte von Estelle Laure

 

Also das Problem hatte die Menschheit noch nie: 

Dass du es nicht sehen kannst, heißt noch lange nicht, dass es nicht da ist.

S. 15- Morpheus von Jilliane Hoffman 

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