NordCon 2017, Live und in Farbe

Was macht man, wenn man in seiner posttraumatischen Abiturdepression versinkt? Richtig, man sucht sich Arbeit. In diesem falle sogar sinnvolle und freiwillige Arbeit, ergo ohne Bezahlung. Ich etabliere mich immer mehr in die sozialen Strukturen unseres Systems ob mir das so gefällt….? Ich bejahe pauschal kopfnickend. So ganz ohne Bezahlung stimmt übrigens nicht ganz, denn die Crew bekam nicht nur freien Eintritt sondern ebenso freie Kost sowie ein semi-modisches Kurzarmshirt. Auf dem groß der Name der Veranstaltung steht, in diesem Jahr ist es nämlich nicht die Magnology statt dessen prangt in großen Lettern auf meinem Bauch: Nordcon 2017.

Da ich das Thema Cosplay für diesen Lebensabschnitt genug durchekzoerziert und in gewisser Weise auch zelebriert habe waren nun LARP, Tabletop sowie Pen& Paper dran. Übrigens Messerhelfer zu sein ist wirklich „lukrativ“, sicherlich man würde als professioneller Helfer bezahlt doch auch so hatte ich jede Menge Spaß und war sogar gezwungen mit Menschen beziehungsweise Gestalten zu reden, denn ich bekam glatte zwei Schichten an der Garderobe zugeteilt. Einmal von abends bis nachts und einmal nachmittags bis abends. Der Overkill für meinen Biorythmus, jedoch nicht für meine Geruchsnerven denn ich musste zu Glück weder die Müllkörbe leeren noch die Sanitäranlagen reinigen.

Und weil diese zweieinhalb Tage recht einscheinend waren möchte ich euch darüber ein wenig berichten, in der Hoffnung das ihr vielleicht auch mal eines Tages dort als Helfer auftaucht denn das Ganze Spektakel basiert wirklich nur auf freiwilligen Arbeit….

Aber was ist überhaupt diese NordCon?

NordCon steht eigentlich Für NordConvention. Eine Convention ist ein Zusammentreffen von Gleichgesinnten um sich auszutauschen, spaß zu haben und zusammen Passanten mit Tomaten zu bewerfen die neugierig über den Zaun starren. Wer das ethisch nicht mit sich vereinen kann, der widme sich den mannigfaltigen Angeboten von den bereits erwähnten LARP, Pen& Paper, Tabletopspielen und Brettspielen. Genug Programm hättet ihr und zwar für die gesamten 48 Stunden die diese Versammlung tagt. 48 NonStop, ein sehr cooles Konzept übrigens. Zwar haben die Stände geschlossen, doch die Pen& Paper Runden finden die ganze Nacht über statt. Wer seit 1997 besteht, der hat Klasse und es beweist die Geselligkeit von Menschen immerhin mit bis zu 7.000 Besuchern.

Natürlich musste sie wachsen, angefangen hat es in einem winzigen Rahmen und heute finden Vorträge von Spielentwicklern, Spielleitern und Autoren statt. Neben bei werden Trainingsstunden sowie Vorführungen

zum mittelalterlichen Fecht sowie Schwertkampftechniken angeboten. Wer lieber seinen Geist bemühen will, der beschäftigt sich mit Magic the Gathering, Strategiebrettspielen oder schmiedet Strategien in stressigen Situationen man von Zombies gejagt wird live, in Farbe und in echt Zeit.

Jetzt wisst ihr zumindest wo ich war und was ich so ungefähr getan haben könnte. Wobei ich euch ein wenig enttäuschen muss, dass ich den Freitag mehr oder minder verschlafen habe. Denn am Ankunftstag abends ist bei der Garderobe so gut wie nichts los. Zumal der Arbeitsplatz noch eingerichtet werden musste, woran ich scheiterte denn ich bekam weder Stuhl noch Tisch zu greifen weshalb ich mich provisorisch seitlich neben der Tür positionierte mit amateurhaft vor mir liegenden Kleidertickets.

Insgesamt durfte ich den gesamten Abend übrigens genau auf fünf Gepäckstücke aufpassen von vier Personen. Ein adliger Jungbursche, ein Waldläufer mit riesigem fake Kuschelwolfsfell, ein Bauerssohn und zu guter letzt ein irischer Kobold später dann ein Mensch in Zivilkleidung. Die drei Gefährten des Ringes (Bauerssohn, Waldläufer und Kobold) hatten es sich wohl zur Aufgabe gemacht zu den Gefährten des Vergessens zu mutieren, denn in der ersten Stunde nach Ankunft wollte jeder von ihnen mindestens einmal an seine Tasche, da er etwas vergessen hatte. War ich froh, dass ich weder Tisch noch Stuhl besaß… Ich hätte deren Gepäck nicht über die beiden bekommen, statt dessen wurde fleißig hindurch gewunken. Zumindest hatte ich ein gutes Buch, meine Zeichensachen sowie mein Handy dabei um Musik zu hören… Der Empfang selbst war nur vorhanden wenn man sich direkt vors Fenster setzte. Wofür ich sehr dankbar war, war dass ein sehr lieber Mensch vorher daran gedacht hat in der Garderobe ordentlich durchzulüften. Denn der Raum war an sich eine Mädchenumkleidekabine. Vorprogrammierter, klischeehafter Käsesockengeruch blieb mir so zumindest erspart.

Ab 20.30 schaltete sich dann der Bewegungsmelder ein… Das hieß, energiesparend wie die modernen Gebäude sind, dass das Licht ausging. Welch Überraschung ich weiß, nur war ich irgendwann so müde dass ich es aufgab alle fünf Minuten aufzustehen nur damit meine Augen wieder anfingen zu brennen. So blieben meine Augen zwar verschont doch die Müdigkeit stieg, verschlimmbesserte meinen Zustand eher.

Wäre das Gepäck nicht gewesen… Denn es kamen schließlich genügend Menschen auf dem Gang vorbei, die potenziell neugierig genug sein könnten um mal vorbei zu gucken.

So ereignete es sich irgendwann, dass ich begann im sitzen zu dösen. Kapuze auf, Musik an und dösen… Im Dunkeln. So ereignete es sich, dass ich ähnlich wie Léon quasi im Semischlafzustand verharrte. Sobald jemand vorbei kam und das Licht anging saß ich dort bewegungslos. Ich kann euch sagen, die meisten haben sich tierisch verjagt und ich hatte mein neues Hobby für folgende zwei stunden entdeckt. Herrlich… So ging der Abend ereignislos ins Land und gen Ende meiner Schicht ging es dann ans Abschließen und ich durfte nach Hause….

Bevor ich mit dem Artikelmarathon der zwei Tage beginne kommen hier allerdings noch einmal selbst geschriebene Erläuterungen. Damit ihr zumindest eine Ahnung habt wovon ich rede.

Live Action Role Playing

Das Live Action Role Playing kurz LARP ist in Deutschland eine noch recht junge Form des Rollenspiels, genau genommen existiert ungefähr seit 1990.

Dabei ist zwischen Theater, Computerspiel, Pen& Paper sowie Cosplay zu unterscheiden… Zwar beeinflussen sich alle gegenseitig irgendwie weisen dennoch große Unterschiede auf.

Beim Cosplay geht es beispielsweise darum, einen bereits existierenden Charakter möglichst nah dem Original nachzuahmen, dabei spielt man mit diesem Charakter in einem Cosplay-Wettbewerb zwar auch Theater dennoch dauert das ausspielen der Rolle höchstens ein paar Minuten und die Darstellung und das Posieren auf Fotos maximal drei Tage eben so lange wie die jeweilige Convention oder das Treffen dauert.

Der Job eines Schauspielers ist ebenfalls einen Charakter möglichst getreu nachzustellen, doch ist das jeweilige Skript grundlegend für Text, Gesten oder Mimik. Mittlerweile erlaubt sich das Theater auch einige moderne Freiheit weshalb ein Romeo noch lange nicht sofort als der typische Jüngling aus Verona auszusehen hat. Auch gelten für das Theater andere Regeln als beim LARP.

Der Zuschauer kann für gewöhnlich nicht in die Handlung eingreifen. Er sitzt für gewöhnlich im Parkett und schaut auf die Bühne. Vor ihm befindet sich quasi eine Wand, die er selbst nicht durchdringen kann andernfalls wird er von Securitymännern von der Bühne gezerrt und womöglich in die Arrestzelle gesteckt. Ebenso sind Gestik, Mimik besonders wichtig ähnlich wie deutliche Aussprache, niemals mit dem Publikum interagieren oder dem Publikum während des Sprechens den rücken zukehren.

So versucht man im Theater ebenso aufwändige Szenen zu vermeiden, natürlich haben heutzutage die großen Häuser andere Bühnenbildmöglichkeiten als die antiken Griechen doch wird sich kaum ein Theater den aufwand machen neben dem originalen Plot des Stücks auf einer nebenstehenden Bühne den kompletten Zweiten Weltkrieg nachzustellen nur damit das Publikum eine Referenz zum feeling bekommt. Kurz um Theater braucht stellenweise Storytelling, bestimmte Handlungen werden entweder symbolisch extrem verkürzt dargestellt oder eben lediglich erzählt.

Der Unterscheid zwischen LARP und Videospiel Rollenspiele (RPGs) ist dagegen recht einfach zu erklären. Für ein RPG in der virtuellen Welt steuerst du deinen Charakter über ein spezielles Medium den Kontroler und obwohl es heute sogennante Open World Spiele gibt sind die Möglichkeiten doch eingeschränkte als in der echten Welt. Kommunikationsöglichkeiten sind beschränkt, und die Intelligenz der NPCs nicht wirklich überragend. Insofern ihr kein Multiplayer Rollenspiel besitzt habt ihr noch nicht einmal Kontakt zu anderen menschlichen Wesen. Der entscheidenen Punkt ist allerdings, dass euer Bildschirm eine Art Wand darstellt, die verhindert dass ihr in das jeweilige Spieleuniversum eintauchen könnt. Ist vielleicht auch besser so…

So jetzt habe ich ewig darüber gesprochen was das Live- Action-Rollenspiel nicht ist. Kommen wir doch mal zu der langen Definition was es ist und was es letztendlich so genial macht.

Beim LARP erstellt jeder Spieler (jeder Mensch) für sich einen eigenen Charakter quasi einen Avatar den er in dieser Kampagne, Welt etc. verkörpern möchte. Verkörpern bedeutet, dass man nicht nur wie Im Cosplay das jeweilige Kostüm schneidert und ein wenig schauspielerisch posiert sondern man nimmt eine komplett andere Persönlichkeit an. Samt Charaktereigenschaften, Stärken, Schwächen, Beruf und Lebenslauf inklusive Bindeverhältnisse zu anderen Spielern. Im besten Falle bestehen schon vor dem Beginn der Kampagne ein paar wenige und in einem noch besseren Fall kommen mit der Spielzeit neue hinzu und entwickeln sich sogar noch weiter. Diese Spielzeit beträgt übrigens weder zehn noch 120 Minuten sondern kann sich über mehrere Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte ausdehnen.

Damit ein jeder auf seinen Geschmack kommt, um möglichst lange am Ball zu bleiben existieren auch hier verschiedene Genre. Zu den bekanntesten zählen High Fantasy, Western, Science Fiction, Horror, Endzeit/Postapokalypse und Steam/Cyberpunk.

Je nach Genre verändert sich natürlich auch das jeweilige Spielambiente so werden sowohl Schlachtencons für historische Kontexte organisiert als auch Ambientecons, Abenteuercons, Hofhaltungen, Tavernencons und viele viele mehr… Oft bedingt, dass eine das andere. Logischerweise exestiert in einem typischen High-Fantasy-Setting nicht nur ein Ritterturnierplatz sondern ebenso der dazugehörige Königshof und Tavernen. Letztendlich kommt jeder Charakter auf seine Kosten.

Damit das Ganze nicht allzu langweilig wird, wird vorher oftmals ein grober Plot erstellt. Die Handlug selbst ist dabei nur dem Spielleiter bekannt, der das ganze dann im Laufe der Zeit in die Wege leitet. Da er dass unmöglich alleine kann zieht der Spielleiter sogenannte NSCs (Nicht- Spieler- Charaktere) zu rate. NSCs sind in den Plot entweder teils oder vollständig eingeweihte Menschen, die selbst in ihrem jeweiligen Charakter die Anweisungen des Spielemeisters ausführen. So beginnen sie Gerüchte zu schüren, bestimmte Objekte einzuführen oder zu rauben. Sie tun eben alles um ein gewisses Konflikt oder Interaktionspotenzial aufrecht zu erhalten oder aufkommen zu lassen.

Je nach Komplexität der Spielewelt in dem der eigene Charakter lebt kann es durchaus komplizierter werden. Denn schließt man sich als Spieler einer Kampen an, ist man oftmals nur noch eine kleines Sandkorn in der Wüste. Man stelle sich selbst in einer Welt vor, die nicht nur auf einem fiktiven Kontinent spielt, dazu mehrere Königreiche beinhaltet die dann auch noch von unzähligen Organisationen, Orden, Banden, Vereinen bedient werden.

So werden innerhalb einer LARP– Welt Bündnisses geknüpft, Kriege geführt, Intrigen geschmiedet oder schlichtweg mal wieder die Welt gerettet. Wer sich allerdings die Köpfe einschlagen möchte, der nimmt sich selbstverständlich keine echten Waffen sondern sogenannte LARP-Waffen aus weichem Schaumstoff damit auch alle Köpfe dort bleiben wohin sie gehören.

Im Gegensatz zu einem storylastigen elektronischen Rollenspiel existiert bei einer Convention eher weniger ein Ziel. Eher ist das Hauptziel eines Spieler seinen Charakter vollständig aus zu leben. Ist man ein verrückter König so bietet man den anderen genug Gründe um selbst gewisse Motivationen zu entwickeln. Dennoch gibt es in der ein oder anderen Kampagne durchaus Möglichkeiten sich anders zu Bereichen beispielsweise wenn Turniere gegeben werden.  So treten dann die einzelnen Charaktere in Disziplinen wie Rumpelstumpf, Pompfball oder Jugger, Dichterwettberebe, Minnegesänge gegen einander an. Für postapokaliptische Settings gäbe es da ja auch noch Laserteck. Die Kreativität ist auch hier unbegrenzt.

Damit selbst ein irrer König nicht über die Stränge schlägt und ein Jugger- Tunier nach dem Prinzip des Fair- Play folgt gibt es für jedes Seting oder jede Kampagne auch ein spezielles Regelsystem was jedem Spieler voher bekannt sein sollte. Im Beste falle kann er es sogar auswendig. Zusammengehalten werden diese für gewöhnlich in Buchform oder als PDF Datei, damit jeder sie einsehen kann falls Bedarf besteht.

Im wesentlichen muss man zwei verschiedene Regelsystemearten voneinander unterscheiden.

Die erste große Gruppe basiert auf einem Punkte- bzw. Fertigkeitensystem ähnlich wie ihr kleiner Bruder, das Pen& Paperspiel. Der eigenen Charakter besitzt eine Liste von Eigenschaften, Talenten, Nachteilen oder eben Stärken die du dir jeweils deinem Charakter zuschreibst und sie von dort an bespielen musst. Je nachdem wie erfolgreich der eigene Charakter im Spiel ist bekommt er immer weitere Punkte verliehen, sodass es sich insgesamt weiterentwickeln und seine Fähigkeiten verbessern kann.  Dabei sind diese Ansammlungen von Fertigkeiten eine Mischung aus Talenten die der Spieler tatsächlich kann wie Reiten, Bogenschießen, Rinden etc; die er erlernen kann durch Training wie Schwertkampf, Spurenlesen, Personenschutz etc. oder die symbolisch dargestellt werden müssen wie Meucheln, Fliegen und Unsichtbarmachen etc.

Die zweite Gruppe von Regelsystemen ist da etwas einfacher sie folgt lediglich dem Prinzip: Du kannst, was du darstellen kannst. Ergo fällt so ziemlich jede Art von Magie weg und man hat es als epischer Ritter oder hinterlistiger Nekromant gar mehr so einfach. Tragt mal eine 30kg schwere Rüstung bei 30° im Schatten oder beschwört mal einen Toten ohne Leichnam 😉

Was genauso so wichtig ist wie schauspielerisches Talent wäre die Trennung der zwei Welten.

Eine Intrige im Rollenspiel gegen einen selbst vom besten Freund im echten Leben sollte man nicht persönlich nehmen. Zumindest wenn ihr aus zwei konkurrierenden Lagern kommt.

Diese Differenzierung nennen die LARPer auch In Time (In der Spielzeit sein) und Out Time (Außerhalb der Spielzeit). Das System ist recht nützlich wenn sich ein Spieler ernsthaft verletzt und nicht nur sein Charakter oder jemand kennt das Regelwerk noch nicht vollständig auswendig. Schnell nachfragen wäre somit erlaubt.

 

Was ist Tabletop?

Tabletop ist schlichtweg die coolere und definitiv friedlichere Version von den damaligen Strategie-Kriegsmodellen der Kriegsparteien im 19. sowie 20. Jahrhundert.

Um das ganze noch einmal zu verdeutlichen stelle man sich doch bitte jetzt einen riesigen Raum vor, überall herrscht Gewusel und die Luft ist erfüllt von Geschrei. Nur in der Mitte des Raumes steht ein riesiger Tisch mit, darauf ausgerollt ist eine riesige Karte eines bestimmten Landschaftsausschnitt und darauf wiederum stehen kleine Modelle von Einheiten. Die eigenen sowie die des Gegners, darum herum verteilt stehen konzentriert aussehende Offiziere, Generäle oder der Kriegstreiber persönlich und verschieben noch sehr viel ernster die einzelnen Modelle. Das Ganze dient dazu, den Kriegsverlauf anschaulich und absolut perfekt zu planen.

Von der Landung der Fallschirmjäger bis hin zum eintreffen der verbündeten Guerilla- Organisation.

So anders sehen die sogenannten Tabletop-Turniere gar nicht aus. Nur mit dem Unterschied, dass wirklich nur Figürchen hin und her geschoben werden und nicht mit ihren realen Pendants verbunden sind.

Dabei ist Tabletop eigentlich noch sehr viel mehr, als bloßes herumschieben von Figuren. Denn zu einem richtigen Tabletop-Duell gehören mehre Parameter die erfüllt werden sollen.

Als erstes das Spielfeld bzw. die Modelllandschaft in der die jeweilige Schlacht geschlagen werden soll. Je nach Genre (Fantasy, Science-Ficition oder sogar reale Historie) kann sich der Untergrund stark unterscheiden von Eislandschaften bis hin zu Wüsten kann alles dabei sein. Ergänzt werden die Grundsettings durch wahlweise Modell- Häuser, Bäume, Sträucher, Asteroidenfelder oder Bäche. Ganz fanatische Fans machen sich sogar teils die Mühe ihre Spielfelder so technisch zu modifizieren, dass in bestimmten Zeitperioden entweder Kunstnebel auf die Kriegskulisse gesprüht wird oder irgendwo lustig Lichter anfangen zu blinken, Alarmsignale sind ebenso keine Seltenheit.

Als zweite große Voraussetzung für das Schlagen einer Schlacht ist natürlich das Erstellen einer Armee. Dafür gibt es nicht nur zahlreiche YouTube Videos, die sich mit dieser Wissenschaft beschäftigen nein auch bieten mittlerweile diverse Einzelhändler oder Onlineshops Baukästen an um sich seine eigene kleine Legion zu erschaffen. Von Orks, Infanterie bis hin zu X-Wing-Fighters ist alles dabei, was das jeweilige Nerdherz begehrt. Oftmals sind diese Modellfiguren sogar noch vollständig weiß, dass heißt mit speziellen Farben darf der jeweilige Spieler seine Armee designen.

Jedoch sollten sich Anhänger des historischen Genres an den vergangen Originalen orientieren. Man stelle sich die Nationalsozialisten in neonrosa Uniformen mit quietsch orangenen Panzern vor… Die Vorstellung mag zwar amüsant sein, doch in der Glaubhaftigkeit eher ein Fehltritt.

Um die realistischen Entfernungen (Marschweite, Bewegungs-, Schieß- sowie Sprengradius) exakt auf Spielbrett zu transferieren wird oft ein Maßband verwendet, damit auch ja kein Zentimeter verschenkt wird.

Was ich dabei so faszinierend finde sind die Regelwerke. Hat ein Ottonormalverbraucher schon Probleme mit dem Regelwerk Risiko und verzweifelt beim Das schwarze Auge völlig, der sollte sich noch nicht einmal in die Nähe einer Tabletopspielanleitung machen. Denn je nach Spielgenre gibt es unterschiedliche Anweisung was man tun darf und was man inständigste zu unterlassen hat. Oftmals unterscheiden sich die Regeln zwischen den einzelnen Titeln innerhalb eines Genres nochmal. Denn wer sagt denn, dass die U.S.S. Defiant NX-74205 dieselbe Leistungsfähigkeit in ihren technischen Daten hat wie ein TIE-Bomber? Wobei es scheinbar doch recht grobe allgemeine Richtlinien für ein einzelnes Genre zu geben scheint. Anders als bei den historischen Schlachten, bei denen sich schon die Grundpfeiler stark unterscheiden dass der Zweite Weltkrieg gänzlich anders funktioniert als der spanische Erbfolgerkrieg.

Als zentrale Steuerungselemente werden übrigens belibgegseitige Würfel verwendet. Je nach Höhe der Summe oder des Produkt dürfen die einzelnen Legionen verschoben werden oder eben nicht, wenn man etwas anderes für diese geplant hat. Jetzt fragt mich aber nicht, wie das alles ganz genau funktioniert. Ich habe zwar durch ein Regelsystem mal durchgeblättert, aber die gesamten 275 und die dazu gehörigen Hintergrundinformationen (180 Seiten) nicht in 10 Minuten herunter lesen konnte… Wer Glück hat, der darf dank der Regeln nicht nur Würfel verwenden sondern ebenso spezielle Spielkarten die einem jeweilige Boni verleihen auf gewisse Aktionen.

Ähnlich wie beim LARP sind die Übergänge zwischen den Geschwistern Rollen- oder Brettspielen recht fließend. Es gibt vorgefertigte Spielbretter, die so genau ausgearbeitet sind und so statisch dass das Ganze eher an ein Brettspiel anmutet. Es gibt jedoch auch Spieler, die sich gerne ihrer Armee Settingtechnisch anpassen und dann meinetwegen als Zorg der Eroberer zu verkleiden um seine eigenen grünen oder schwarzen Männchen den Gegner zu pulverisieren.

Wie so ein Duell ganz genau abläuft kann ich allerdings nur recht grob beschrieben, denn einerseits habe ich die jeweiligen Einführungskurse aufgrund von zu wenig Zeit und auch aus fehlender Interesse für das jeweilige angebotene Setting verpasst. Dennoch weiß ich mittlerweile genug von Warhammer 4000 um es kurz zu umreißen. Insgesamt gibt es sechs Runden in der jeder Spieler einmal dran ist. Dabei fängt der eine an und sagt zu erst seine Pläne für die Nahkämpfer an, Zauber dann mit seinem Zauberer, schließt dann mit seinen Fernkämpfern auf um schließlich die zuvor angesagten Nahkampfpläne auszuführen. Dann ist der Gegenüber dran. Am Ende der Runden wird mit Hilfe der Regelsystem eigenen Tabellen der Sieger ermittelt.

Ihr seht dahinter steckt nicht nur ein gewaltiger Aufwand und Spaß für die Spieler, nein selbst die Spieleindustrie schlägt ordentlich Profit aus dem ganzen Zubehör… Man denke an das ganze dazugehörige Merchandise. So gesehen hat jeder was davon und dabei herrscht stets Frieden. Warum können nicht alle Probleme der Welt so gelöst werden? Reine Runde Tabletop für die Herren Kim Jong- Un, Assad und den Rest der Welt.

 

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s