05. Mai 2017, Lords of the Lost im Gruenspan

Was ein halb abgeschlossener Abschluss ist, ist ein halbabgeschlossener Abschluss und der will natürlich ordentlich gefeiert werden. Hieß für mich sich auf die ersten Konzertkarten zu stürzen, die mir in die Finger kamen… Gut nicht die aller, aller ersten doch die ersten die mir zusagten und das reichte.

Diesmal lautete das Ziel: Gruenspan… Das Abschlusskonzert von Lords of the Lost ihrer Raining Stars- Tour. Das erste Problem stellte mal wieder die fehlende Begleitung dar. War Heavy Metal mittlerweile in meinem Bekanntenkreis vertreten, so mangelte es an Gothik- New Wave aka Dark-Rock– Supportern. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich keinen Plan gehabt hätte. Herrn FSJler so lange penetrant mit Songtexten sowie Musikvideos bombardieren bis er nachgeben würde… Nach drei Wochen, der große Erfolg. Hat erstaunlich lange durchgehalten der Liebe, aber wie sagt man so schön? May the force be with me…

Das Ergebnis meiner lang geplanten Aktion endete damit, dass er mal wieder zu spät kam und wir beide dank dieses einen Geburtstags in völlig überfüllten Metros fahren mussten… Was die den Fahrtweg nicht unbedingt kürzte, mir dabei aber half nicht völlig auszurasten.

Letzt endlich fanden wir uns beide, zwischen Tür und Angel. Ich in Bordeaux und Used-Look-Jeans, er in weißem Hemd… auf einem Konzert der schwarzen Szene, wenn das mal kein Punk war. Fehlten nur noch die rosa Feenflügel und der Glitzerstaub. Wir wissen beide, was wir beim nächsten Konzert tragen werden. Übrigens gab es tatsächlich den ein oder anderen Exoten. Hieß, uns begegnete öfters eine junge Dame im weiß- silbernen Strass-Disco-Bikini mit schwarzen High-Heels. Übrigens sollte es das einzig wirkliche funktionstüchtige Outfit des Abends werden. Wenn ich gewusst hätte, dass das Gruenspan so heiß werden konnte, ich wäre im Hoola-Röckchen gekommen.

Folgende Fragen taten sich nach dem Ankommen auf:

Wo war die Toilette? – Ich hatte meine Ohropax vergessen und brauchte dringend Toilettenpapier.

Wo war die Garderobe? FSJler wollte seine Habseligkeiten abgeben.

Wo war der Merchstand? Ich wollte mal wieder leiden, denn die T-Shirts waren zwar cool aber für mein ausgehungertes Portemonnaie zu teuer. Ach…

Wo war der beste Stehplatz? Sitzen war nicht, und die Galerie im ersten Stock war verlockend.

Nur blieben wir unten in der Menge. Heiße Luft stieg schließlich nach oben und der Raum hatte jetzt schon die Temperatur einer Sauna. Doch bevor es richtig losging gab es nicht nur eine kleine Einführungsanrede, gleich zwei Vorband sollten uns die Vorfreude schmackhafter machen. Um es vorweg zu nehmen, es klappte so halb. Dafür gebe ich euch einen Tipp fürs Leben: Toilettenpapier ersetzt Ohropax hervorragend.

Nun zum musikalischen Auftakt No°1… Scarlet Dorn, eine Freundin der Sänger und hatte auf dieser Tour wohl ihre ersten Konzerte. Ich würde behaupten sie machte so eine Art Rock bis Kuschel-Metal und war als Einstieg ganz nett. Das Einzige was ich bemängeln muss war, dass sie vor Aufregung nicht wirklich aus sich herauskam. Diese Frau hat Wumms, dass merkte so ziemlich jeder im Publikum, nur schaffte sie es nicht wirklich aus dem Bauch zu singen sondern presste immer ganz leicht. Dennoch für ihre aller erste Tour. Respekt!

Was ich als nächstes zu hören bekommen sollte, übertraf mein Vorstellungsvermögen so etwas hatte ich zuvor noch nie gehört. Allerdings nicht im Positiven Sinne… Denn erstens hatte ich Scarlet Dorn sowie Avearium als eine Band wahrgenommen. Aber nun fand ich heraus, dass diese die zweite Vorband des Abends sein würde. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte.. Vielleicht ein wenig Black Metal, Psychedelic-Rock? Irgendwie so etwas… Ich wurde bitter überrascht sowie enttäuscht.

Meine Vorstellungen wurden nicht nur widerlegt sondern gerade zu mit Füßen getreten. Was sich mir präsentierte erinnerte eher an eine Mischung aus Trash- sowie Hardcore- Metal inklusive einer Prise Symphonic Metal… Ergo: Ein sekündlicher Wechsel zwischen Slayer und Nightwish. Anscheinend schimpft sich dass Ganze Alternative Metal oder Gothik Metal, aber um ehrlich zu sein war es einfach nur grausam. Dabei war der Sänger an sich gar nicht so schlecht und auch der Purcussion hätte man pur lauschen können. Selbst zusammen hatten sie etwas, der riesige Störfaktor war die Sängerin… Der Bruch zwischen Metal und Oper wäre nicht so unangnehm gewesen, hätte sie die Töne getroffen und nicht so gepresst und überhaupt. Weshalb müssen alle angehende Sängerinnen die Königin der Nacht memen. Was ist an Koloratursopran so erstrebenswert selbst wenn man ihn definitiv nicht singen kann?! Zumindest die Refrains konnte ich ausmachen… Die Sprache dagegen blieb mir dagegen ebenso verschlossen wie der tiefere Sinn hinter den Lyrics. Was ich verstand, hatte ungefähr den geistigen Intelligenzgehalt einer Pfütze. Wusstest ihr, dass Babys in Pfützen ertrinken können? Sagt alles oder?

Dank technischer Fehler expandierte sich die Länge des Auftritts ins Nirvana, denn schließlich wollte jeder Song perfekt gesungen werden… Ja klar, die Technik muss stimmen aber die Technik des Gesangs ist künstlerische Freiheit oder was? Das Pseudo-Teenager-Strass-T-Shirt der uralt anmutenden Sängerin lasse ich hier übrigens völlig aus, sonst wird das ganze hier zu negativ…

Die Nachbarn links neben mir waren übrigens genauso mittelmäßig angetan und es wurde sehr schnell deutlich, dass gute 90% des Publikums eigentlich nur auf die alles andere als heiligen Herren warteten. Die restlichen 10% bildeten das Gegenstück zu unserer Front. Deshalb hier einen Appell an den weiblichen Fanclub von Aveariums Headsänger bekannt unter Marcel „Chubby“ Römer: Seid ihr eigentlich völlig verrückt geworden eine Wall of Death auf das gesamte Publikum zu reiten?! Es ist okay, zuerst hinten zu stehen und dann nach vorne zu gehen wenn die Gunst der Stunde auf der Bühne erscheint, doch entschuldigt man sich dann anstatt sich mit Ellenbogen sowie Knien und der schieren Körpermasse durch die Zuhörerschaft zu stechen. Ich meine, dass die Damen recht viel gebündelte Energie mit sich am Leibe trugen, machte die ganze Aktion nicht besser. In dem Moment war ich froh so viele ruhige Menschen an einem Fleckchen anzutreffen. Anstatt sich zu Prügeln blieb es bloß bei einigen verbalen Protesten…

Schließlich war ich nach dem eher unschönen Auftakt fast soweit wieder nach Hause zu gehen, denn meine Konzertlaune war definitiv dahin. Inzwischen klebte der Boden richtig schon von dem zuvor verschütteten Bier, der gesamten ahnungslosen Fans. Kurz um meine Erwartungen lagen hoch, sehr hoch. Ich erwartete zwar keine Rammstein- Show, aber zumindest etwas was daran erinnerte.

Ehe ich mich versah erloschen sämtliche Lichter, Scheinwerfer und erstaunlicherweise Handydisplays. Falls ich etwas hätte sehen können, würde ich behaupten ich hätte Finsternis gesehen, doch selbst die blieb im Schwarz versteckt.

Aus dem nichts schalteten sich rote Scheinwerfer ein und glitten wie die Suchleuchter von Gefängnisanstalten über das Publikum begleitet von einem ohrenbetäubenden Donnern. In dem Moment fühlte man sich zwischen Aliendasein sowie aufgeflogener Flüchtling auf Frachter. hin und her gerissen. Irgendwie war man dann doch froh, als die roten Suchscheinwerfer ihren Dienst einstellten und es abermals schwarz wurde. Dann wurde das erste blaue Irrlicht gesichtet welches fröhlich auf die Bühne zu hüpfen schien. Und dann ging alles ganz schnell erst eines, dann zwei, dann drei, dann vier und schließlich stand dem Christkind die gesamte Band vor einem, gleißendes Licht blendete einen sämtliches weißes Licht flutete den Raum und die Akkorde von Drag Me to Hell setzen ein. Verdammt war das geil…

Es folgte Song auf Song, einer besser als der andere. Die Lautstärke steigerte sich, der Metalanteil ebenso. Lasershow, auf Lasershow begleitete die illustre Gesellschaft der fünf geisterhaften Dämonen auf der Bühne, denn Engel waren dass jedenfalls nicht. Das Schlagzeug wurde dauerbearbeiteten und alle wirklich alle Bandmitglieder spielten ihre Gitarren wie Jerry Lee Lewis sein Klavier. Zwar fackelten die Herren ihre Seiten nicht nieder, doch leuchtete Chris Gitarre jedesmal im gleißenden Neonlicht auf sobald er Seiten anschlug. Das ehemalige Gruenspan hatte sich soeben in eine Metal-Disco mit Liveakt verwandelt und natürlich der wirklich mit abstand schnellsten Lichtershow der Welt. Regenbogenfarben war gestern… Wozu hat man schließlich Lords of the Lost? Dark war dort nichts mehr….

Class hielt sich übrigens so geschickt im Hintergrund gehalten, dass ich ihn bis zum nächsten Tag für eine neue Bassistin gehalten habe… Ja, selbst beim Stage Diving ist es mir nicht aufgefallen. Verschwitze Körper zu tragen ist übrigens immer noch nichts mein, selbst nach einem Jahrzehnt Kampfsport.

Das beste kommt übrigens zum Schluss und damit meine ich nicht Chris sondern Gerrits Freude an dem Bedienen seiner Synthesizerechnick. Wer denkt Flake mit seinem Glitzeroverall hätte Stil, den muss ich leider enttäuschen… Ich meine ein Blau- schwarzer Iro, und ein Piano, Synthesizer, Perkussion, Gitarre, Theremin Instrument in einem? Ehre wem Ehre gebührt…

So verflog die Zeit zusehends. Mittlerweile war die Metal- Disco allerdings zur fleischgewordenen Sauna mutiert inklusive grölenden, moshenden Zombies. Dass die Schminke den Jungs noch nicht um Gesicht herunter lief glich einem Wunder. Das Publikum zerfloss mittlerweile und nun wusste ich weshalb die Sanitäter im Eingangsbereich warteten.

Unterhalten war unmöglich, sich größer zu bewegen auch. Die Türen wurden netterweise immer wieder zum Stoßlüften aufgerissen jedoch glich die Wirkung eher einem Pseudo- Lüftchen. Irgendwann begann die Bühnencrew kleine PET-Wasserflaschen ins Publikum zu schmeißen. Ob man den Inhalt dann trank oder zum duschen verwendete war einem selbst überlassen. Das einzige Handtuch im gesamten Raum besaß übrigens Chris und er gab es nicht ab. Schweißbrüderschaft wäre allerdings auch nicht so meins.

Während also der Punk (Verzeihung der Goth) sowie die Temperaturen abging setzten die alt bekannten Konzert gebrechen auf. Tränenende Augen, brennende Lungen und Kopfschmerzen inklusive Nackenschmerzen. Aber was Adrenalin nicht alles so ausmachen kann… Die Jungs schafften es von Song zu Song einem die Schmerzen weg zu zaubern ergo wurde weiter geschwitzt und gestorben zur Musik. Schließlich waren die Jungs bei ihrer dritten Zugabe angekommen und die Zuhörer bekamen die Gelegenheit etwas zu Ruhe zu kommen. Jetzt begann das Medley Duell zwischen Schlagzeuger Tobias und Gerrit. Den Auftakt bildete Tetris, ging über in Pac Pan, gefolgt von Smoke over the Water, Seven Nations Army bis hin zu Thriller. Jedes Mal eröffnete Gerrit und Tobias holte mit phänomenale Schlag-Soli auf. Das gesamte Geschehen dauerte über mehrere Minuten an wobei, jeder Medleywechsel alle 15 Sekunden statt fand. Leider muss ich gestehen, dass e mehr als nur genannte Medleys gab nur erkannte ich diese schlichtweg eifach nicht… Vielleicht kenne ich mich doch zu wenig in Sachen Pop-Kultur aus wobei ich den ein oder anderen Gaming Theme garantiert erkannt hätte.

Gerade ebenso vom Blitzgewitter und der immerzu existierenden Nebelwand erholt ging es auch schon weiter. So wie das Wasser bei einem Tsunami zu erst extrem schnell und weit zurückgeht so schnell kommt es zurück. Donnernd, unaufhaltsam und absolut tödlich…

Wen der Song La Bomba noch nicht geschafft hatte stand jetzt vor der Herausforderung Raining Stars sowie Doomsday Disco standzuhalten. Nun entwickelte sich das Stroboblitzgewitter in ein apokalyptischen Sternenregen.

Doomsday Disco nahm einem endgültig alles… So ziemlich alles was in der Lage war zu blinken und zu leuchten gab alles. Am Ende des Abends war ich nicht nur nass sondern tierisch erschöpft. Das war kein Konzert gewesen sondern ein Workout mit liebe zum Ausgeflippten.

 

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