16. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 5

Wirklich Lust es herauszufinden verspürte ich nicht und so riss ich mir nicht nur meine Maske vom Kopf sondern im selben Atemzug auch meine Klamotten. Bloß raus aus dem verseuchten Zeug. Angeekelt und stinkwütend schleuderte ich die Sachen so weit weg von mir wie ich nur konnte. Dann nach Vollendung der Tat klaubte ich meine noch einigermaßen verschonten Habseligkeiten wie mein heißgeliebtes Lederetwas zusammen und richtete mich langsam auf und stellte fest das das Auftreten mit meinem Knöchel nicht mehr ganz der Norm entsprach, schon gar nicht das Verhältnis von Schmerz zu Körper. Wieder umschauen. Von Wachposten oder installierten Kameras keine Spur. Wo waren diese Bastarde? Niemand ließ mich einfach so draußen stehen. Ich schaute zurück in den Hof, der Schneefall hatte aufgehört und der vorhin noch so fröhlich rieselnde Wattebausch verwandelte sich nun in radioaktive Pfützen, die nun um die Wette strahlen würden, falls dort jemand hineinträte… einzig und allein um diese Freerider tat es mir leid… Diese wunderbaren Gefährten waren nun endgültig hinüber.

Gerade wollte ich mich wegdrehen als mir ein Gedanke durch den Kopf blitzte. Rache war Blutwurst und so knallte ich das Fenster zu und legte den Schalter um. Jetzt konnten Nachkömmlinge sehen wo sie blieben. Ich drinnen alles andere draußen, dass zählte. Dann drehte ich mich auf einem Bein energisch zur diesmal existierenden Tür und hinterließ neben meinen halbdurchlöcherten Klamotten jede Menge Dreck auf dem sauberen Boden. Ich würde die Scheiße nicht sauber machen. Genauso wenig würde ich nicht ohne Bewerbungsgespräch und eine Entschädigungssumme gehen. Schließlich war ich gezwungen worden nun halb nackt durch die Gegend zu lahmen. Für ein T-Shirt unter dem Sweater hatte es nämlich nicht gereicht, geschweige denn für eine Leggins unter der Hose.

Nach passieren der, oh Wunder, unverschlossenen Tür, humpelte ich weiter den schmalen Gang entlang und tastete währenddessen die Wand ab. Raufasertapete… gab schlimmeres. Der Boden war mittlerweile zu bordeauxrotem Linoleum gewechselt, weshalb nahezu mein gesamtes Humpelpaket absorbiert wurde. Fast schon gruselig. Wo war ich hier nur reingeraten? Hoffentlich nicht in das woran ich dachte. Kaum bog ich um die Ecke tat sich eine Gabelung vor mir auf… Rechts oder Links? Schwer zu sagen. Ich horchte. Vielleicht würden mir der Luftraum und Schallwellen mehr Anhaltspunkte geben als meine optische Wahrnehmung. Es existierten weder Wegweiser noch irgendwelche Flecken, die darauf hinwiesen wohin die beiden Flure hätten hinführen können. Vorsichtig legte ich mein Ohr zwischen den verschiedenen Ausgängen an die Wand und horchte. Tapeten waren nicht die besten Schallleiter, aber besser als blind ins Leere zu laufen.

Da – ich hörte Stimmen, dann ein Lachen. Die Vibration kam von rechts. Trotz Linoleum auf leichte Schritte bedacht, wendete ich mich in besagte Richtung und folgte dem Gang. Das Erste was mir nach einiger Zeit auffiel war, dass sich der Boden erneut änderte. Statt bordeauxfarbenem Linoleum zierten nun abgewarzte Holzdielen in derselben Farbe den Untergrund.

Ich murrte widerwillig, jetzt hieß es erst recht vorsichtig sein. Holz so neu es auch scheinen mochte verzog sich unheimlich leicht und ein fieses Knarren war somit vorprogrammiert.

Ich trat wieder einen Schritt vor, nur im Unterschied darin, dass ich mich bemühte so leicht wie eine Feder zu werden. Einatmen, ausatmen. Sich vorzustellen man selbst sei ein Kranich und würde über den Boden schweben. Dann, nach dreimaligem Sammeln betrat ich den Boden beziehungsweise ich stellte mir vor wie ich darüber schwebte. Plötzlich krachte die erste Diele so laut, dass ich einen Augenblick dachte sie würde weg brechen. Die Stimmen verstummten sofort, anschließendes hektische Stühlerücken dann nichts mehr.

Wie beschissen konnte ein Tag noch werden? Ich rollte mit den Augen, biss die Lippen so fest zusammen, dass ich aussah wie Voldemort auf dem Sterbebett und schmiss all meine persönlichen Vorsichtsmaßnahmen über Bord. Wenn nichts mehr ging, half nur die Flucht nach vorn. Direkt ins Kreuzfeuer. Ehrentod war immer noch besser als zigtausend dahinsiechende Jahre ohne nicht ein Fleckchen Tageslicht. So fiel ich quasi die letzten Schritte und riss in einem Zug schwungvoll die Tür auf… Dass ich immer noch lediglich Unterwäsche trug war mir gerade einerlei. Sollten sie sich doch in Grund und Boden schämen… oder was auch immer dort drinnen auf mich wartete.

Was ich in kürzester Zeit nach betreten des Raumes wahrnahm waren: sechs Männer, die allesamt auf dem Tisch saßen, auf dem Boden oder auf der Küchenzeile, wie beispielsweise der größte von allen. Der Eine stand und trug etwas weißes auf dem Rücken. Ich kniff die Augen zusammen. Etwas sehr großes weißes. Ein Panda? Plötzlich bewegte es sich und schaute mich verschlafen an und aus dem Panda wurde ein Mensch mit sehr viel weißem Fell… Ein weiterer junger Mann mit eisblauen Augen starrte mich an, wie eine Eule in die Nacht. Dann drehte er den Kopf und schlief weiter. In dem Moment schaute der Träger des möchte-gern-Pandas von seinem Becher auf und sah mich genauso durchdringend an, mit den gleichen Augen nur nicht wie eine Eule in die Nacht sondern wie ein Raubtier auf seine Beute. Ich fröstelte. Davon völlig unbeeindruckt löste sich sein Blick von meinem Gesicht und taxierte mich weiter von oben nacht unten und zurück. Dabei verzog er keine einzige Miene. Dort wo seine Blicke mich getroffen hatten, waren meine Körperhaare so dermaßen noch oben geschoßen, dass ich mich wie ein elektrisiertes Kaninchen fühlte. Na wunderbar, ihn möglichst zu ignorieren und mir nichts anmerken zu lassen musterte ich die anderen. Wer mir sofort auffiel war der Unbekannte von vorhin am Fenster. Ebenso wie der andere saß er auf einem bequem aussehenden Birkenholzstuhl und schlief. „Sie an, der Geschäftsleiter schläft!“, kommentierte ich aggressiver und ein wenig lauter als eigentlich beabsichtigt. Sofort starrten mich zehn Augen an, direkt, und sie sahen nicht erfreut aus. Vielleicht hätte ich mir den Kommentar doch sparen sollen. Der Umstand der fehlenden Kleider machte es sicher nicht besser. Wobei allzu schlimm sah ich jetzt nicht aus. Särge schleppen machte eine gute Figur.

„Bist du die Neue?“ fragte der erste den ich wahrgenommen hatte. „Nein ich bin der Weihnachtsmann, deshalb auch der wunderbare Auftritt.“ „Es ist Mitte…“, er geriet ins stocken und brach dann ab. Anscheinend musste er sich erst darüber klar werden wo und in welcher Zeitdimension er sich befand. Ein typisches Zeichen von Wandlern… Den Gedanken offenbar verworfen stand er auf und ging zum Kühlschrank. Jetzt war ich es die ihn anstarrte. Er war es gewesen der vorhin an mir vorbei gesprintet war. Die Statur passte zumindest, weinrote Haare und als er sich erneut zu mir drehte sah ich, dass er neben den eisblauen Augen nur ein Ohr besaß, das andere fehlte. Er lächelte nicht. Er sah eher so aus als ob er mir gleich an die Gurgel gehen wollte. Trotzdem streckte er mir die Hand entgegen und reichte mir eine braune Flasche. „Nimm“, war das einzige was er sagte und schlurfte mir die Flasche in die Hand drückend wieder zurück zu seinem Platz und vertiefte sich in den Kaffeesatz seiner vor ihm stehenden Tasse. Ich biss mir auf die Lippen. Ich machte mir hier gerade keine Freunde.

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