15. Türchen:

7. “Ich würde ihnen gerne die Vorschriften zitieren, aber ich weiß, Sie werden das alles ignorieren.“ -Star Trek XI/ Teil 4

Der Mann stützte sich mittlerweile mit seinen Händen im Rahmen ab. So weit ich es erahnen konnte sah mein Gegenüber nicht wirklich gesund aus, selbst für die Verhältnisse die hier herrschten. Sein Gesicht war arg eingefallen und die Zähne gelb verfärbt, fast wie Zitronen. Vermutlich rauchte er, das würde auch seine gräuliche Haut erklären. „Oh. Das heißt ich habe hier mein Vorstellungsgespräch?“ ich hoffte dass meine Maske den sarkastischem Unterton überdecken würde. Was war hier los? „Falls sie mit jedem ihrer Bewerber ihr Gespräch vom Fenster aus geführt haben würde ich diese Tradition gerne brechen…“ fuhr ich leicht wütend fort. Meine Laune war endgültig am Ende mir war kalt, ich hatte Bärenhunger und als I-Tüpfelchen sagte mir das Blinken eines blauen Streifens in meinem Display, dass sich Regen ankündigte und da es bereits ungefähr minus fünf Grad hatte würde aus Regen Schnee werden, gelber Schnee. Gefahr im Anflug und wenn ich so den aufkommenden Wind einschätze – verdammt schnell. Wer diese Defahr überlebte, dem sah man dass an und dann war es aus mit der versteckten Identität. Dann stand selbst für die Dümmsten fest, derjenige war ein Drag und für den Abschuss freigegeben. „Warten Sie kurz“, hörte ich gerade noch. Dann verschwand der Unbekannte nach Innen und aus meinem

Sichtfeld. Vorsorglich positionierte ich mich unter den kleinen Sims. Zumindest war der besser als gar nicht. Für die ersten Flocken würden es geradeso reichen…

Was mich wohl drinnen erwartete? Der Kerl meinte er hätte schon mehrere Bewerber gehabt oder waren bereits mehrere Menschen eingestellt? Erst jetzt realisierte ich erst wirklich wie wenig ich über diesen Menschen oder dieses Wesen wusste. Nur wie viel er oder es über mich wusste, dass war beängstigend. Ich hatte weder einen Schulabschluss noch sonst irgendwelche Referenzen außer dass ich einen Pokal besessen hatte, der besagte, dass ich mit 8 Jahren das Kind mit dem meisten Wissen, zumindest im Genre der Kunstgeschichte gewesen war und dem Geheimnis, dass ich zu der Gattung der Drags sowie der Undertaker gehörte. Nun negativ und negativ ergab positiv.  anscheinend nicht für mich, leider. Wie unvernünftig… Hätte ich nicht doch eine Sicherheitsbrücke mehr schließen sollen? Waren all die geduldeten Zellengenossen Spione gewesen? War zusammen gegen den Feind verbündet nicht die Tagesregel gewesen? Warum hatte er mich auserwählt? Wegen der Affinität zu Binärcodes und elektronischen Einbrüchen? Lilith finde den Fehler…

Ungeduldig lugte ich nach oben. Rauchte er erst einmal ein ganzes Pack Zigaretten um sich von dem Schock zu erholen oder hatte er mich vergessen? Ich vermutete letzteres mal wieder.

Dann wie gerufen vernahm ich Schritte. Noch fern, doch kamen sie rasch näher, sehr rasch, zu rasch für rein menschliche Beine und ich musste es wissen. Mein erster Gedanke gehörte dem merkwürdigen Kauz, der zweite gehörte wiederum einer Falle. Noch einmal hörte ich genau hin. Eine Person, das Wiederhallen von bloß zwei Beinen. Das bedeutete derjenige besaß lediglich die Fähigkeit der übermenschlichen Schnelligkeit. Schnelligkeit war leider relativ neutral, sie sagte nichts über das Individuum aus. Oft war sie nur eine Begleiterscheinung des wahren Kerns. Gut oder Böse, dass war hier die Frage. So schnell wie die Schallwellen näher kamen musste diese Frage entweder sofort gelöst werden oder ich brauchte einen verdammt guten Plan B.

Ein großartiges Versteck bot dieser Hinterhof nicht. Der Container stand an einer Wand und die beiden Seitenwände waren leicht einsehbar. Wäre die Bedrohung nicht blind würde sie mich sofort entdecken. Die einzige Möglichkeit bestünde darin mich neben dem Tor an die Wand zu pressen und zu hoffen, dass es mich nicht bemerken würde. Diese Sekunde könnte ich ausnutzen um entweder anzugreifen oder zu flüchten. Fight or Flight wie der Sympathikus es betiteln würde.

Gedacht getan, so gut es auch nur irgendwie ging, presste ich mich gegen die Mauer, Atmung verlangsamen, den aufkommenden Wind und Schnee ignorierend. Mit der Schnelligkeit wäre das Problem schnell behoben. Je schneller dieser jemand war desto schneller konnte ich wieder unter den schützenden Sims. Kleinste Auffälligkeiten konnten mich verraten. Genau in dem Moment in dem ich sogar meinen Atem anhielt um das Rauschen des Filters zu unterdrücken, zischte etwas an mir vorbei. Etwas Helles. Der Größe nach zu urteilen konnte es kein wirklich Erwachsener sein.  Allerdings bedeutete es nich außer Gefahr zu sein. Die Regierung züchtete auch Kinder, um uns dranzukriegen, darüber hinaus gab es auch kleine Erwachsene…

Nur war dieser Person meine Wendigkeit anscheinend gleichgültig, denn statt sich umzudrehen und mich anzugreifen sprang es einbeinig aller Kängurumanier vom Boden ab in die Luft und flog anschließend durch das geöffnete Fenster.

Diese ganze Szene hatte laut meiner eingebauten Stoppuhr noch nicht einmal Sekunden gedauert. Wahrgenommen konnte sie kaum ein anderer. Selbst für meine geübten Augen war dies schon arg schnell gewesen… Bemerkenswert. Jetzt waren es schon zwei Unbekannte in einer Jobgleichung, die jetzt gelöst werden musste, sofern ich nicht bis ans Lebensende entstellt würde sein wollen. Meine Neugier war geweckt, nicht nur meine Neugier auch mein Forscherdrang, mein Adrenalin und den Argwohn, dass sich so die Regierung nicht verhalten würde. Wenn es eine Situation gab, in der man uns Undertaker oder Drags beseitigen könnte hätten sie es sofort getan, leise und effizient.

Wenn ihnen so viel an mir lag konnten sie auch ruhig ihren Arsch hier runter bewegen. „Hier wartete jemand auf sein Vorstellungsgespräch!“. Den stärker werdenden Schneefall verschwieg ich lieber. Sollten sie ja nicht denken, dass ich hier draußen verkümmern würde. Schnell trat ich erneut unter den Sims, die ersten Flocken begannen zu fallen und ich bemerkte nach einigen Minuten wie die Freerider leise anfingen zu zischen. Scheiße, sobald der Wind wieder einsetze wäre ich nicht mehr sicher.

Damit trat ich gegen den Müllcontainer. Der Container hielt stand, mein Knöchel weniger. Verflucht! Wenn die Idioten halt nicht raus kommen wollten, musste ich zu ihnen. Auch ohne Wohnungstür. Das Ding von eben hatte es ja auch geschafft, wenn auch sehr viel akrobatischer als ich es je schaffen würde. Ich stemmte mich mit einem Fuss gegen den Boden und warf mich auf den riesigen schwarzen Kasten – mit mäßigem Erfolg. Er bewegte sich zwar ein Stück Richtung Fenster, aber war noch weit davon entfernt. Um den Containern weiter bewegen zu können musste ich mich vom Sims entfernen. Wobei – ich musste so oder so hier weg und die Wahrscheinlichkeit drinnen sicher zu sein war größer als die Wahrscheinlichkeit heil zurück zur Metrostation zu schaffen. So warf ich mich ein zweites Mal gegen den Containern, dann ein drittes und viertes. Ich spürte bereits ein gewisses Pitzeln in den Fasern des Pullovers und ein Ziehen auf meiner Haut. Der Stoff war durch, die Kacke am dampfen und ich endlich mit einem halb zerstörtem Knöchel endlich am scheiß Fenster.

Durchnässt, schlecht gelaunt, hungrig, durchgefroren und zittrig waren keine Ausdrücke meines Zustandes, als ich begleitet von purem Ächzen und Stöhnen durchs Fenster fiel, geradewegs in die nächste Gefahr. Doch statt Kolonnen von Wachen oder auch nur einem Gegner lag ich in einer Art großem Lager in dem sich ein riesiges Sammelsurium an Schrauben, Muttern, Metallstreifen, Spulen, Kabeln, Platinen und Leuchten befanden. Jeweils alles ganz ordentlich beschriftet und mit einem Schild versehen. Von jeder Schraube gab es ungefähr Hundert verschiedene Variationen und von den Muttern, kam es mir so vor, mindestens doppelt so viele. Ich legte den Kopf in den Nacken und schaute zur Decke. An ihr hingen weitere Regale. Doch was dort gelagert wurde konnte ich nicht erkennen. Sie waren zu weit entfernt….

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4 Kommentare

  1. ich muss Dir beichten, dass ich den Teil davor nicht gelesen habe, aber was mich fasziniert hat, der Inhalt ist auch verständlich und interessant, ohne das Vorwissen. Du bist sowas von fleissig….mal so eben neidvoll angemerkt!!!

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      1. ich werde die anderen Teile auch lesen, Du schreibst wirklich toll und spannend…und …..PS: ich habe Dich auch sowas von vermisst, einfach, weil mich Deine Meinung zu Dingen, Deine Einstellung interessiert….

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