8. Türchen:

55. “Die Heimat liegt nun hinter euch- vor euch die Welt.“ -Der Hobbit/ Teil 4

Ich starrte geradewegs ins schwarze. „Halt die Fresse“, entgegnete ich und rechnete mir noch mal aus wie viel Mühe es mich kosten würde ihn dieses mal zu überrumpeln. Aber ich vermutete wir beide wussten, dass ich außer fluchen heute wohl kaum noch etwas schaffen würde. Plötzlich merkte ich einen Lufthauch und bevor ich ausweichen konnte traf mich etwas schweres an der Brust, erschrocken zog ich die Luft ein. Das Glühen begann auf und ab zu hüpfen. Etwas sagte mir, dass sich dort jemand gerade köstlich amüsierte. „Idiot“ und pfefferte das Geschoß sofort zurück. Dank der Form wusste ich, dass es eine dieser Konservendosen aus der Kiste war.

„Iss was, dein Magenknurren hält ja keiner aus.“ kam es als Antwort und dieses Mal kam etwas angegrollt und stieß an meine Fuß.

Ich bewegte mich keinen Zentimeter vorwärts. Statt dessen begann ich zu husten. Und dieser begann langsam aber merklich sich auszubreiten. „Du willst uns wirklich umbringen“, hustete ich gerade heraus. „Genau und deshalb geb’ ich mir die Mühe was anderes zu beschaffen als das Zeug hier…“ damit deutete er mit dem Restglühen der Zigarette in Richtung Kiste.  Beschwer dich nicht und iss.“ „Komm schon, ist nicht giftig, macht satt, ist auch kein Fleisch…“ „Gebackene Fliegenpilze oder was?“ entgegnete ich in die Dunkelheit. „So in etwa.“ und damit begleitetet von einem erneuten aufflammen. Ich murrte, aber meine Magenschmerzen waren zu groß und ich griff nach dem runden etwas und riss sie auf. Etwas schwappte über den Rand und ergoß sich übe meinen Ärmel und Teil meins Hosenbeins. „Verdammt“, fluchte ich leise, gleichzeitig sah ich das Glühen wippen. Dabei blieb es allerdings und ich machte mich still und leise über den Inhalt her, der sich als kalte Ravioli herausstellte. Besser als nichts und um Längen deliziöser besser als Spam. Sehr viel magenfreundlicher. Nach kurzer Zeit war die Dose ratzeputz leer und wenn Licht geschienen hätte hätte man sie als Nagel neu ausgeben können.

„Genau deshalb wäre ich geblieben…“ , kam es erstaunt aus der Stille. Das glühen war erloschen, sodass ich mittlerweile überhaupt keinen optischen Anhaltspunkt mehr hatte. Er allerdings auch nicht, wenn ich ganz leise wäre könnte ich vielleicht vorgeben zu schlafen. „Wenn es nicht klappt sitzt ihr auf der Straße… kam es weiter. Verärgert stöhnte ich auf, konnte er nicht einfach mal seine Klappe halten?!

„So wie du?“ ich kniff die Lippen zusammen, Mist wie war das mit dem schlafen stellen. aber ich war neugierig geworden. Worauf wollte er hinaus. Ja genau, wie ich sag ja: Essen, Trinken und ein warmes Dach über dem Kopf. „Nach drei Tagen Freiluftschlafen wimmert ihr nur so danach….  Die Welt dort draußen schütz leider keinen mehr vor Seife. Passiert leider sogar mehr Menschen als man denkt“, fügte er hinzu und dann schwieg er. In mir zog sich wieder etwas zusammen, war ja klar, dass er jetzt darauf herumreiten würde. Wenn da noch etwas kommen würde war ich bereit ihm die Dose gegen den Kopf zu knallen, doch Pustekuchen. Nur ein kleiner roter Lichtschein glomm auf ungeachtet dessen tat sich immer noch nichts und nach einigen Minuten signalisierten mir meine Geruchszellen, dass es dieses Mal keine normale Zigarette war.

Die Unterhaltung war damit offensichtlich beendet und ich eingeräuchert. Erleichtert lehnte ich mich zurück, jetzt hieß es hoffentlich nur noch warten. Die einschläfernden Geräusche wie das Rattern und das leichte Schaukeln erreichten auch bei mir ihre Wirkung und ich dämmerte langsam weg, Kurz bevor ich endgültig weg war erkannte ich durch den schmalen Spalt meiner Wimpern ein schief hängendes Schild. Merkwürdig, es war doch dunkel. Schlief ich etwa schon? Ich schloss die Augen weiter bis sich auf dem Schild mehrere Wörter begannen zu formen. “Die Heimat liegt nun hinter euch- vor euch die Welt.“ Was sollte dass denn heißen? Mit dieser Frage im Kopf glitt ich hinweg.

Ich träumte ich stünde auf einer riesigen Kreuzung inmitten von monumentalen Häuserschluchten. Um mich herum eilten die Menschenmassen hin und her wie Bienen in ihrem Stock. Keiner beachtete den anderen, jeder schien in seiner eigenen Welt gefangen zu sein. Meine Schwester oder Jack waren dagegen nirgends zu sehen.  Ich erblickte einen riesigen, gräulichen Turm. Ein so hohes Bauwerk hatte ich noch nie gesehen. Dass er nicht schon zusammen gebrochen war erstaunte mich. Er schien förmlich an den Wolken zu kratzen… Die durchstochene Kugel an der Spitzte des Turmes glitzerte im Sonnenlicht.

„Hey, aufwachen Träumer!“, hörte ich jemanden rufen. Steine Stimme klang dumpf wie durch eine dicke Glasscheibe „Wir sind bald da, Faulpelz“, ertönte eine andere und damit wurde ich mit einem Ruck auf die Füße geholt. Noch ganz benommen blinzelte ich, nur gab es nicht all zu viel weg= zublinzeln, denn in dem Wagon herrschte immer noch dasselbe Schummerlicht wie vorher. Dennoch erkannte ich meine Schwester, die mir gegenüber auf den Kisten saß und offenbar frühstückte. Denn es roch abermals stark nach Dosenobst. Ich grummelte, ich fühlte mich wie überfahren kurz gestreckt und mein Kreuz knackte wie trockenes Holz. Hätte ich beim Recken und Strecken nicht die Augen geschlossen, hätte ich die anfliegende Dose sicherlich noch rechtzeitig bemerken können nur war mir mein Schicksal wohl auch heute nicht froh gesonnen und so erwischte es mich mit einer gewaltigen Ladung Kopfschmerzen. „Seid ihr noch ganz bei Verstand“ schrie ich reflexartig auf und hielt mir den Kopf. Zumindest fühlte ich kein Blut. Glück gehabt. „Wer fangen kann ist klar im Vorteil“ ertönte es aus der Dunkelheit womit klar war, dass der Werfer nicht meine Schwester gewesen sein konnte.

„Ach ja, und falls der junge Prinz Besteck einfordert muss er sich leider mit seinen Händen begnügen, das ist nämlich aus“. Mit diesen Worten hörte ich eine weitere Dose klacken und es dämmerte mir, wer die letzte geschmuggelte Gabel bekommen hatte. Zwar immer noch beleidigt wegen gestern, aber nicht allzu erpicht auf weitere Angriffe vom morgendlichen Miesepeter wechselte ich die Seite und schlich zu meiner Schwester. „Meine Gabel kriegste aber nicht, erst wenn ich fertig bin..“, murrte sie. „Scheiß auf die Gabel, ich bin froh wenn ich hier lebend rauskomme“, flüsterte ich zurück.  „Das stimmt, er ist ein wenig gereizt…“, schmatze sie mit vollem Mund zwischen zwei Bissen. „Ein bisschen?!“, erwiderte ich kaum hörbar. „Was ist denn passiert?“, fragte ich weiter. Als Antwort bekam ich lediglich Schulterzucken, „Der ist so aufgewacht …“ Dann konzentrierte sie sich wieder auf ein besonders widerspenstiges Stück Dosenananas, was immer wieder trotz Gabel in die Dose zurückfiel und dabei alles mit entsprechender Flüssigkeit vollspritze. „Muss, dass sein?“, maulte ich. Auch ohne großartiges Tageslicht ahnte ich, dass mein ehemals sauberer Pullover kaum mehr ansehnlich war.

Hatte ich gestern Abend womöglich einen wunden Punkt bei ihm getroffen? Hatte er so etwas wie Gefühle? War er doch nicht so rau und abgebrüht wie er tat? Was wäre wenn… automatisch schüttelte ich den Kopf, an sich wollte ich es gar nicht wissen. Er war und blieb ein Arsch. Wie auch immer, erstmal musste ich etwas essen, schnell riss ich meiner Schwester die Gabel aus der Hand und begann zu löffeln. „Hey“, brachte sie noch heraus aber ich schnitt ihr das Wort ab „Du warst doch eh fertig.“

„Na hat’s dem Prinzen auch gemundet oder würde er gerne einen Nachtisch haben?!“, feixte Jacks Stimme kurz nachdem ich die Dose restlos ausgekratzt hatte. Ich stockte und blickte ganz langsam nach oben. „Nein Danke“ antwortete ich bestimmt und spannte gleichzeitig alle Muskeln an.

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