7. Türchen:

55. “Die Heimat liegt nun hinter euch- vor euch die Welt.“ -Der Hobbit/ Teil 3

Dass musste meine Schwester wohl nun auch erfahren, denn ein dumpfes Geräusch verriet mir, dass sie sich samt Rucksack einfach auf die gefüllten Jutesäcke weiter hinten im Wagon fallen gelassen hatte.

„Warum wollt ihr überhaupt weg?“ fragte Jack plötzlich. „Warum willst du das wissen?“ fragte ich misstrauisch.

Jack verzog wieder sein Gesucht. „Nun ja, ich bringe mich in Lebensgefahr nur wegen zwei… sagen wir anderthalb Spaßten, da kommt man schon ins Grübeln“

Ich zuckte mit den Schultern. „Warum sitzt man seit sechs Jahren in einem Knast? Garantiert nicht weil man Mamas Liebling ist.“ Das musste vorerst als Begründung reichen, nicht weil ich nicht mehr wusste sondern weil ich kein Bedürfnis verspürte ihm Dinge anzuvertrauen die außer mir und meiner Schwester absolut nichts angingen. Nicht einmal unseren Eltern, denn de facto besaßen wir keine mehr. „Das hat meine Frage nicht beantwortet. Mir ist es scheiß egal warum ihr dort drinnen gelandet seid. Ich will wissen warum ihr dort raus wollt… Der schnellste bist du ja offenbar nicht.“

Im Dunkeln ballten sich meine Fäuste zusammen, wenn er weiter so mit mir reden würde… Darüber hinaus was bildete sich dieser Penner eigentlich ein über uns zu urteilen? „Ich habe dich sehr wohl verstanden…“ setzte ich an wurde aber auf halber Strecke unterbrochen „Ich steh nicht mehr auf die Horrortrips von unsauberem Zeug und der Herr hier…“ meine Schwester zeigte auf mich „hat genug vom Seife hoch aufheben.“ Ganz langsam drehte ich meinen Kopf zu meiner Schwester, dass hast du jetzt nicht gesagt. Flüsterte ich ganz leise… Ich wusste nicht wer im Moment heißer war der Motor des mittlerweile dahin rasenden Zuges oder ich. Ich kochte, ich spürte wie meine Adern zu pochen begannen, meine Fäuste sich erhoben und ich fast noch schneller als Jack aufsprang und meine Schwester mit voller Kraft eine langen wollte. Doch kurz bevor meine Handfläche ihr Gesicht erreichte, stoppte dieselbige. Ich zog und zerrte aber sie bewegte sich nicht vom Fleck. Nicht nach vorne, nicht zurück. Meine Schwester öffnete leicht verunsichert durch den ausbleibenden Schlag ihr eines Auge und starrte dann mich unsicher an, dann über mich hinweg. Dann spannte ich abrupt alle Muskeln an und schnellte dann nach vorne doch außer drei Zentimeter kam ich einfach nicht mehr voran. Noch wütender als vorher schnellte ich herum und verdrehte mir prompt den Arm, der immer noch fest gehalten wurde. Doch wozu hatte man einen anderen, der statt dessen nach vorne schnellte und quasi ins Leere hineinlangte. Ein harter Aufprall und ein unterdrücktes Knurren verieten mir, dass ich wohl irgendwas getroffen haben musste. Aber dass interessierte mich nicht wirklich. Der Griff hatte sich gelockert und ich ging vollends auf die Barrikaden. Meine beiden Arme schmerzten sehr: der eine vom missglückten Befreiungsversuch, der andere vom Treffer, dass nun meine Füße zum Einsatz kamen. Wild trat ich drauflos, unter mich –  gerade aus. Doch jedes mal schienen sie ins Leere zu treffen. Was mich noch wütender machte, denn inzwischen wusste ich wer mich aufgehalten haben musste. Es gab genau eine Person neben meiner Schwester und das war Jack –  und Jack sollte dafür bezahlen. Meine Schwester war das eine, aber sie hatte schon immer ihre Klappe nicht halten und von ihr hätte ich nichts anderes erwarten können. Aber er hatte gefragt. Warum hatte er das getan. um sich weiter über uns oder viel mehr über mich zu beschweren, nur um mich bloß zu stellen, zu beschimpfen?!

Dann plötzlich traf mein Fuß auf etwas, aber es konnte nichts menschliches sein denn es gab einen harten Widerstand. Nach der ersten Millisekunde immer noch keine Federung und mein Knöchel begann wie verrückt zu schmerzen und dann gab dass Ziel doch noch nach und mein Fuß rutschte quasi nach vorne. Ich verlor durch den plötzlich fehlenden Abstand das Gleichgewicht und viel nach vorne, direkt auf mein Ziel, was sich nun als definitive nicht menschlich herausstellte. Denn das Objekt war knallhart. Ich schrie auf.  Zuletzt brummte mein Schädel, dafür wurde die Welt um mich herum wieder schärfer und ich konnte wieder einigermaßen klar denken, mein Sichtfeld verschärfte sich wieder und ich erkannte eine riesige Holzkiste vor mir in der nun mein Fuß steckte.

Ganz vorsichtig drehte ich meine Gliedmassen und ließ es sofort wieder sein, denn noch einmal durchzuckte mich ein fieser Schmerz. Ich stöhnte noch einmal auf und drehte dann meine gesamte Hüfte ganz langsam und vorsichtig bugsierte ich mein Bein aus der Gefahrenzone heraus und schaute mich dann einbeinig stehend um. Aus dem Augenwinkel sah ich meine Schwester gerade wieder von einem großen Berg aus Säcken herunterklettern, mich argwöhnisch und sogar ein wenig verängstigt anstarrend und von Jack war weit und breit nichts zu sehen. Der Typ konnte sich nicht in Luft aufgelöst haben?! „Nicht schlecht für den Anfang.“ raunte es vor mir und damit kippte die Kiste zur Seite und Jack kam zum Vorschein. In der Hocke sitzend sich die Hüfte mit der rechten Hand haltend. Durch den Widerschein der wie durch ein Wunder verschonten Lampe, konnte ich etwas aufblitzen sehen. Offenbar grinste er oder biss die Zähne zusammen, denn seine Kronen blitzen im Halbschatten. Ich hoffte letzteres.

„Damit du es weiß…“, damit stemmte er sich hoch und schaute dann meine Schwester erstaunlicherweise böse an „so genau wollte ich es gar nicht wissen.“ Sie streckte ihm nur beleidigt die Zunge heraus und begann die durchgetretene Kiste zu begutachten. Enttäuscht, dass es sich offenbar nur um irgendwelche Dosen handelte drehte sie sich demonstrativ um schreitete in die letzte Ecke des Wagons und ließ sich mit einem immer noch stets beleidigten Kleinkindlaut neben ihren Rucksack fallen um ihr gebunkertes Abendessen zu verspeisen. Beim Anblick der gold roten Dose zog sich mein Magen zusammen. Engländern hatte ich noch nie etwas abgewinnen können, nur was noch viel schlimmer war, ich wusste von ihr würde ich heute kein Abendessen bekommen. Dazu war sie zu herrisch und diskutieren wollte ich nicht. Mein Arm und Fuß taten immer noch höllisch weh. Statt dessen lugte ich noch einmal in die Kiste und erhoffte mir etwas besseres als baked beans. Zumindest die Dosenform war anders. Das war allerdings auch schon der Pluspunkt denn die Dosen stellten sich als SPAM-Konserven heraus. Gepökeltes Schweinefleisch… kalt. Lecker. Lieber verhungerte ich, als diesen Fraß zu essen. Immer noch restgeladen und nun völlig erschöpft humpelte ich soweit ich konnte von meiner Schwester weg und ließ mich die Wagonwand heruntergleiten, mit dem rechten Fuß ausgestreckt zur Seite.

„Wie im Kindergarten“ hörte ich nur als Kommentar ansonsten blieb es still. Meine Schwester war offenbar eingeschlafen. Auch die Öllampe nagte an ihren Reserven. Das Licht begann deutlich abzunehmen bis schließlich nur noch ein glühender Docht zentimeterweit den Wagon beschien.

Mein Magen knurrte und ich spürte deutlich wie er sich erneut zusammen zog. Ich wusste auch, dass kaltes Schweinepressfleisch nicht das war, was er sich erhoffte. Wozu hatte man schließlich Ärmel. Den Trick hatte ich in den letzen Jahren zur genüge geprobt und bis vor kurzen hatte er noch funktioniert. Warum also nicht aus dieses Mal und so begann ich geschützt in der Dunkelheit an meinem T-Shirt Ärmel herumzukauen. Ich kaute und kaute. Ich bemühte mich zwar meine Speichelproduktion bewusst klein zu halten, doch solche Dinge konnte ich leider nicht beeinflussen und die Feuchtigkeit stieg den Ärmel hoch. Gerade als ich begann mir zu überlegen ob ich den Ärmel nicht tauschen sollte oder zumindest mich des Pullovers entledigen sollte zischte in der Dunkelheit etwas und ich erstarrte. Wenn jetzt etwas mit der Öllampe nicht in Ordnung wäre dann… aber statt einer Explosion sah ich nur ein kleine Flamme in der Dunkelheit erscheinen und sie nach oben wandern. Ein aufflammen verriet mit, dass sch dort jemand eine Zigarette angesteckt hatte. „Willst du uns alle umbringen“, flüsterte ich entnervt. „Die schwule Nervensäge ist also doch noch wach… Schade und ich dachte ich könnt uns ganz im Stillen in die Luft sprengen“, das Glühen drehte sich in meine Richtung doch außer den Fingerkuppen konnte ich nichts erkennen.

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