5. Türchen:

55. “Die Heimat liegt nun hinter euch- vor euch die Welt.“ -Der Hobbit/ Teil 1

„Können wir los? Hast du jetzt endlich alles?“ meckerte meine Schwester mir ins Ohr. „Natürlich, was denkst du denn?“ zischte ich zurück, „und schrei nicht so, willst, dass wir alle aufwecken oder was?!“ Statt einer Antwort bekam ich nur einen bösen Blick zugeworfen, typisch Mädchen. Aber jetzt darauf einzugehen würde uns nicht nur zu viel Zeit kosten sondern vermutlich auch noch den Kopf. So schwieg ich geflissentlich und tastete mich direkt hinter ihr die schwere Eisentreppe hinunter. Oder zumindest tasteten wir uns irgendetwas herunter, denn mochte es zwar eine Treppe sein, so sah ich sie nicht. Um genau zu sein sah ich gar nichts, noch nicht einmal meine eigene Hand vor Augen. Gewitterwolken sei Dank… Insgeheim hoffte ich die schweren Wolken würden auch weiter so brav und geduldig auf ihrem himmlischen Platz bleiben, zumindest bis wir mindestens eine Meile von unserem Gefängnis, gennant zu Hause, entfernt wären.

„Au! Du Vollidiot! Kannst du nicht besser aufpassen?!“, schrie es direkt vor mir… Als Antwort bekam sie lediglich ein Schnauben… „Lauf nicht in mich rein du Blödmann“, schnauzte sie erneut. „Und du weck nicht das ganze Haus auf!“, erwiderte ich erneut. Darauf hin kam wiederum nichts von ihr. Na, das würde ja heiter werden. Weshalb hatte ich noch einmal der dämlichen Idee zugestimmt, genau zu diesem Zeitpunkt, in dieser Jahreszeit und überhaupt von hier abzuhauen? „Denk nicht mal dran Freundchen… Ich geh auch alleine und dann darfst du diesmal ohne Babysitter die Seife aufheben, kapiert?“ kam es mit einem leisen Klack wieder von vorne. Mein Auge zuckte nervös „Halt den Mund.“ entgegnete ich leise. „Wie viele Schlösser noch?“ setzte ich hinter her. Angespannt lauschte ich in die Stille, aber außer dem Kratzen des Drahtes an der Tür konnte ich nichts wahrnehmen. Hoffentlich würde es klappen. Es musste einfach und zwar in den nächsten Minuten sonst wäre das Risiko zu groß um die geplante Route zu laufen. Wachen waren auch nur für eine bestimmte Zeit ohnmächtig…

Einatmen, leise wieder ausatmen mittlerweile eher etwas lauter. „Könntest du dich nicht einmal beeilen? Du hast mir versichert, dass du dieses Schloss blind knacken könntest…“

So langsam wurde ich wirklich nervös, mit der laufenden Zeit schwand meine Angst vor den da gewesenen Zuständen. Viel mehr bekam ich Angst vor der Situation zu scheitern. Einzelhaft oder viel mehr Hausarrest wie die Hausherrin es nannte war noch das angenehmste und geringste was einem hier passieren konnte. Langsam wurde es hier unten im Gang auch stickig. So leise wie möglich krempelte ich meine T-Shirtärmel hoch, noch 3 Minuten. Unglaublich, trotz der gebildeten Schweißperlen hatten sich meine Körperhärchen wie eine Ritterrüstung aufgestellt. Ich sah vermutlich aus wie eine elektrisierte Ratte.

„Hetz mich nicht…“ fauchte sie und schon ertönte der letze Klick. „Siehst du?“ an ihrer Stimme hörte ich wie sie triumphierend lächelte. Jetzt hieß es rennen und zwar so schnell und so leise wie wir konnten. Mit dem Türenknacken war der erste Teil geschafft nur was war der erste Teil ohne den zweiten oder dritten viel mehr vierten? Richtig gar nichts, und so hieß es während des Rennens auch noch den Positionslampen ausweichen. Gott, verdammte fünf Kilometer lagen noch vor uns. Fünf Kilometer voller Gefahren, wie plötzlich entgegenkommende Autos oder spontane Patrouillen. „Verdammt hörte ich es von weiter vorne“, schnell legte ich noch ein Zahn zu. Ich war bereits jetzt schon aus der Puste und wir hatten gerade mal 500 Meter hinter uns. „Was ist passiert?“ fragte ich keuchend merklich panisch. Die Gänsehaut dominierte nun klar meine Synapsen. Vorhin war es wohl kein Hitzeschweiß gewesen sondern pure Angst. „Merkst du eigentlich überhaupt noch etwas, du Holzkopf?“ , „Tut mir Leid, wenn ich nicht so multi-taskingfähig bin wie du, Supertrooper… was denn?“, flüchtig blickte ich um mich aber sehen konnte ich nichts verdächtiges. „Bingo“, du siehst nichts, was?“ kam es von ihr. Ich schaute sie an. „Woher. Schau mal nach oben… Deine lieben Wolken verabschieden sich gerade.“ Irritiert starrte ich sie an, „na los“ damit deutete sie über sich. Immer noch verwirrt legte ich den Kopf in den Nacken und merkte erst jetzt das der Mond sowie die Umgebung heller geworden war. „So ein Mist, zischte ich…“ Mit diesen Worten peitschte uns eine eiskalte Windböe in den Rücken. Die Wolken bewegten sich schnell. „In die Wälder. Sofort!“ Die Landstraße und Felder konnten wir ab sofort vergessen. Wir wären zu leichte Ziele. Wie lange würde der Wind noch auf unserer Seite sein? Würde unser Fehlen entdeckt würden sie hundertprozentig die Hunde loslassen und dann gnade uns Gott. „Wo geht’s lang?“, meine Schwester drehte sich fragend um sich selbst. Mittlerweile keuchte ich nicht nur sondern meine Beine wurden Bleiklötzen immer ähnlicher, weshalb ich fast wiederholt in sie hineingerannt wäre. Mit ihrem riesigen Mantel war sie von der wieder rabenschwarzen Nacht kaum zu unterscheiden. „Äh…“, zerstreut entfaltete ich die provisorische Kugelschreiberkarte. Dummerweise war diese leider ausschließlich für die Felder gezeichnet und nicht für den angrenzenden Wald, dennoch Jammern half nun auch wieder nichts. „Auf gut Glück in 10 Minuten über die Straße und dann wieder in die Büsche…“, lautete deshalb meine wage Antwort. Falls man es noch Antwort nennen konnte so sprachlos wie mich meine Lunge machte. „Könnten wir dann etwas langsamer werden?“ , keuchte ich wieder denn meine hyperaktive Schwester war schon wieder losgerannt, den Baustamm überstieg ich lediglich. „Erstens wer trägt hier den Rucksack und wer ist hier kleiner? Außerdem wir haben noch vier Kilometer vor uns… Ich stöhnte, diese Wälder hatten den Weg verdoppelt. „Wenn wir in die Nähe des Dorfes kommen, dann können wir langsamer werden rief sie über die Schulter zurück. Ich seufzte darauf nur erneut und riss mich zusammen. Dorf, Dorf? Ich wusste zwar nicht wovon sie redete doch mir war es egal weshalb wir langsamer werden mussten Hauptsache wir taten es.

Während des hinweg rennens machte ich mir Gedanken über unsere Vorbereitungen. Über ein Jahr hatten sie gedauert, was wir in der Zeit alles an Plänen geschmiedet hatten und an Dingen zusammen gesucht, gebaut, geklaut hatten war schier schon fast ein Lebenswerk. Vor allem hatten wir Lebensmittel gehortet. Unter der rechten Bodendiele des Hinterzimmers des Putzmannes. Was nicht alles mit einem passierte wenn man auf Nahrungssuche war. Mein Geruchssinn hatte sich in den letzen Monaten zu dem eines Hundes verstärkt. Die Augen meiner Schwester waren so stark wie die eines Adlers. Was wir alles aufgetrieben und was der Preis dafür gewesen war. Köche konnten so gierig werden…

Nun bogen wir auf eine geradere Strecke ohne Unterholz oder Hügeln ein und ich nutze die Zeit um zurück zu schauen. Von unserem höher gelegenen Standpunkt aus konnte ich nun das gesamte Tal überblicken. Fast schon wunderschön, wenn dort am Ende des Kessels nicht dieses eine Herrenhaus gestanden hätte. Der Horrorort für Kinder wie uns, „schwer erziehbar“ wurden wir geschimpft und „wertlos“. Das Einzige was uns noch hätte helfen könnte war laut Regierung ein Programm zur „Konditionierung auf die gesellschaftlichen Normen“. Unsere Eltern sahen es wohl ähnlich und so schickten sie uns mit gutem Gewissen an diesen grausigen Ort. Einen Ort ohne Freiheit, Kreativität oder Genuss für Bildung. Bloßes Arbeiten und Lernen. Arbeiten an Ziegelsteinen oder Straßengraben ausheben und Propaganda lernen, die besagt wie großartig doch der Staat sei. Darüber hinaus liefen über den ganzen Tag Nachrichten wie erfolgreich wir im Krieg gegen den Westen seien… Dumm nur dass sich der Westen gerne mal in den Süden oder Norden verwandelte. „Nett, dass du einen Reisebericht verfasst, aber im Zug haste Zeit genug dazu.“ Damit packte mich jemand von hinten und schleifte mich mit…

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