Halbgegarte Touri-Bergziegen

Aufgewacht bin ich sogar vor dem Wecker, nur leider nicht die berühmten zehn Sekunden des Triumphes um glorreich den Wecker vor Erschrillen zu erschlagen, nein meine Erweckungszeremonie fand ganze 60 Minuten vor Weckzeit statt. Einschlafen war also nicht mehr und die Ortszeit betrug 5.30, na wunderbar…

Wenn ich jetzt anfinge normal zu leben würde ich noch vor Sonnenaufgang gelyncht werden. Menschlich machen musste ich mich dennoch und so bin ich fast mit meinem gesamten Gepäck noch eher benommen ins heilige Bad getapert. Doch bevor ich auch nur irgendwie erfolgreich starten konnte landeten meine Füße zuerst in einer riesigen Wasserlache. Mein Bewusstsein hielt mir folgenden Monolog:

Erster Gedanke: Kalt!

Zweiter Gedanke: Verdammt wir hatten einen Rohrbruch!

Dritter Gedanke: Och nö, warum muss ich jetzt den Klempner rufen

Vierter Gedanke: Was heißt Rohrbruch auf Englisch?!

Meine erste Reaktion nach gut einer Minute des Noch-Nicht-Erfassens bestand dann erst einmal aus einem Check der Lage… gut es war kein Rohrbruch und es hatte auch nicht durchgeregnet, stattdessen war offenbar die Dusche undicht und die Mädels hatten diese anscheinend gestern Nacht noch bemüht. Ein Hoch auf die Körperhygiene ein Minus Punkt für das Vergessen der Badematte oder des Hinter-Sich-Aufräumens!

In diesem Moment war ich ernsthaft versucht die zwei Prinzessinnen aus ihrem Betten zu holen, damit sie ihren Mist aufwischten. Aber anstatt zu Mr. Hyde zu mutieren blieb ich still und benutze einfach ihre noch trockenen Handtücher zum aufwischen. Jetzt waren alle nass… Viel Spaß bei der Morgendusche.

Wie auf Wolken schweben wollte sich meine engelsgleiche Seele hinunter in die Küche schleichen, stolperte allerdings dabei über diesen bescheidenen Eisenbeschläge der Treppe und schlug mir fast die Lippe auf…. Geweckt dabei hatte ich wohl keinen.

Als Schreckerholung gab es dann ein fürstliches Frühstück im Bett. Konnte sich ja keiner über Krümel im Bett beschweren: Einzelzimmer ist klasse.

Übrigens mein Frühstück hatte ich am vorherigen Tage direkt nach dem Zug erlegt! Gejagt und erlegt und zwar mit meiner Hand und meinen Adleraugen, denn der einzige Supermarkt der anscheinend am Sonntag offen hat ist der Discounter am Hauptbahnhof.

Freud hätte einen heiden Spaß daran gehabt seine Studien über das Es im Menschen weiter empirisch auszubauen und zu belegen. Früher haben sich die Steinzeitmenschen zusammen getan um Mamuds über die Klippen zu jagend, heute tun sich Touristen zusammen um andere Touristen von den Regalen weg zu zerren. Da meckerte der Schwede den Engländer an, der Engländer trat wiederum dem Libanesen auf den Fuß und der libanesische Landsmann über rannte wiederum fast ältere Dame. Alles was kleiner als 170 Zentimeter war, war in der Gefahr übertrampelt zu werden. Wobei eigentlich war selbst dafür zu wenig Platz. Fast hätte ich das ganze ohne Blessuren überlebt doch kurz bevor ich an der Kasse ankam viel mir auf, dass man wie in Italien hier wohl seinen Kram selbst abwiegen durfte. Im Gegenzug bekam man so einen schicken Klebesticker für den Kassierer… Es hieß also noch einmal den ganzen Wahnsinn durchleben. Unter normalen Umständen völlig unmöglich aber wozu hat man denn einen riesen Rucksack mit schwerem Gerät? Bingo einmal um sich selbst gedreht und schon hatte ich einen wunderbaren wenn auch nur kleinen Freiraum.

Prager Straßenbahn

Nach der ersten Stretch-Runde ging es dann das erste Mal vor die Tür. Also vor die richtige Tür, auf die Straße, nach draußen! Ins Sonnenlicht… um viertel vor sieben. Zuvor wurde die Umgebung per W-LAN virtuell auskundschaftet, um die mögliche Ausbeute schonmal voraus zu planen.

 Er setzt sich aus 42 Ebenen zusammen, ist elf Meter hoch und wiegt fast 40 Tonnen.... gebaut von David Černy

Kunstwerk von David Černy

 

Heiligenstatue

Ergebnis: Ein deutscher Drogeriemarkt, ein Discounter-Ableger sowie eine britische Spermarktkette. Auf ging es zu den Briten, die hatten zumindest schon auf. Um einmal die Leserwünsche zu Beglücken versuche ich nun mal eine Fallstudie aufzustellen…

Der tschechische Ableger der englischen Supermarktkette hat eine sehr viel größere Gebäckabteilung als die Briten oder Deutschen selbst. Manche Supermärkte hier zu Lande haben zwar eine separierten Bäcker integriert doch glaubt mir diese Bäcker haben noch nicht einmal eine Bruchteil des Angebot was sich dort vor mir auftat.

Hier gab es allerdings weder frisch belegte Brötchen noch Brot sondern lediglich tausend verschiede Sorten von Kuchen und Kleingebäck. Nicht das die Gebäckstückchen alle typisch tschechisch waren.. Oh nein, statt Buchteln, Pfefferkuchen oder Stramberger Ohren oder gar Frgál gab es Natta, Baklava, Pastel de Belém, Queijadas, Zimtschnecken, Zupfkuchen und Tusen sowie verschiedenste Sorten von Hefezöpfen und das war erst der Anfang.

Irgendwie scheinen die Tschechen mehr international interessiert als national. Was sagt das Vernachlässigen der eigenen Backkultur über eine Nation aus? Zumindest hat Tschien die höchste Dichte an nationalsozialstischen Paretein mit Italien sowie Belgien in Europa. Irgendwie ist das widersprüchlich…

Nur biegt das die „frische Abteilung“ wieder gerade. Es gab gerade so drei verschiedene Sorten Obst gab sowie exotische Feigen, also vier…

Zucchini so wabbelig wie Gummibänder, Äpfel nur im 2kg Sack und vieles an frischem Gemüse (hier ganze fünf Arten) auf jeweils drei riesige wirklich riesige Körbe aufgeteilt. Nun weiß ich, dass es ganze fünf verschiedene Möhrensorten, deren Aussehen sich aber wirklich nicht unterschiedenen haben im Gegensatz zum Preis. Für jeden Korb gab es einen unterschiedlichen Preis. Sehr verwirrend zumal mir auch nicht ersichtlich wurde weshalb. Biologischer Anbau ist in Tschechien eher weniger bekannt. Das Witzige an all dem Grünzeug war, dass es bereits babymundgerecht zurecht gehexelt worden war.

Ansonsten gleicht der Aufbau ähnlich den Supermärkten in Deutschland. Hipster Lebensmittelgrüppchen gab es am anderen Ende des Supermarkts… Dies war meine erste Begegnung mit Kidneybohnen im Tetrapack und an alle Ernährungshipster: Achtung die Hipsterlebensmittel besitzen war ein eigenes Regal, doch brauchen anscheinend gemeine Untermieter. Ich empfehle dringensts stets die Packung misstrauisch zu inspizieren.

Darüberhinaus musste ich in den nächsten Tagen feststellen: Dosen sowie Gläser werden absolut gleichberechtigt behandelt nur sind die Hülsenfrüchte absolut in der Minderheit. Im Gegensatz zu den tainted Früchten. Alles was in der Frischeabteilung fehlte wurde mit Dosen wieder wettgemacht. Gemüsich sowie früchtlich.

Ebenfalls empfehle ich einen Schutzhelm zum Einkaufen mit zunehmen, denn die unter den Kassieren exestiert wohl ein inoffizielles Spiel, das daraus besteht den unschuldigen Kunden ihre Ware quasi an den Kopf zu werfen. Höflichkeit gehört hier nicht zum Standard. Überhaupt muss ich erwähnen, dass ich in der gesamten Zeit, die ich dort war nie auch nur einen einzigen Menschen habe lächeln sehen. Selbst im berliner Pendlerzug wird man wohl mehr lächelnde Menschen treffen als in Prag.

Zurück bei der Ferienwohnung stand ich vor dem nächsten Problem, der Schlüssel für die Wohnung lag irgendwo gute 12 Meter über mir vermutlich in irgendeinem Zimmer der Mädchen. Meine Rechnung, dass um halb neun bzw. acht seien zumindest ein zwei Personen wach, die man hätte anklingeln können ging nicht auf.

Die Hausklingel selbst zu bemühen war durch abknippsen dieser unmöglich gemacht worden. So machte ich nach fünf Minuten Warterei Bekanntschaft mit der sehr freundlichen Putzfrau des unten angrenzenden Restaurants die mir ebenso nicht lächelnd wie die Kassierer die Tür aufschloss. Ein ungeheuerer emotionsloser Blick musterte mich und ließ dann wieder von mir ab. Ihrem Blick folgend, dachte ich mir wäre vielleicht irgendetwas ausgelaufen oder ich stünde auf einmal oben ohne da aber es saß alles dort wo es ursprünglich sein sollte. Haustür Nummer zwei wurde abermals von ihr aufgeschlossen und ich stand dort, neben ihr, bepackt bis um geht nicht mehr und irgendwie peinlich berührt. Sie sollte mir doch gar nicht helfen, es war zwar nett aber warum machten die oben nicht auf? Warum besaß sich eigentlich keinen Schlüssel? und warum konnte diese Dame nicht einmal einen Laut von sich geben?! Ich dankte ihr anschließend auf Englisch und Polnisch… Etwas anderes konnte ich in dem Moment nicht. Auch wenn mir sehr wohl bewusst ist das Tschechisch nicht dasselbe ist wie Polnisch und man es auf keinen Fall über den gleichen Kamm scheren sollte, aber zumindest entspringen sie beide dem westslawischen Zwei der indogermanischen Sprachen. Was hätte ich denn auch bitte tun sollen?! Mit Hoch rotem Kopf und schmerzender Oberschenkelmuskulatur (wie gesagt dieser Fahrstuhl würde nicht betreten werden) kam ich dann oben auf dem vorletzten Treppenansatz an. Die Zwischentüren (die dritte sowie vierte) hatte ich lediglich angelehnt und auf wundersame Weise waren sie Universum sei dank nicht zugefallen.

Der Bär im rosa Haus

Wie bereits in meinem gesammelten Schätze Beitrag des letzen Monats bereits angedeutet klopfte ich nun an die Tür und musste fest stellen, dass auf der anderen Seit bereits sehr wohl die halbe Belegschaft fröhlich umher wuselte, denn mindestens drei begannen sofort Herumzukreischen um dann sekundenspäter wie wild zu tuscheln wer dass wohl sein könnte…. und was sollten sie bitteschön nun unternehmen? Ich antwortete darauf mit: Die Tür öffnen wäre ein guter Anfang. Erneutes Gekreische ich würde sie ja verstehen… Irgendwann hatte ich sie so weit überzeugt, dass ich es live und in Farbe war und kein Axtmörder. Die Tür aufmachen wollte, dennoch keiner bis anscheinend sich ein anderes Mädchen erbarmte aus ihrem Zimmer buw. Bett schlurfte die Tür aufriss und die anderen anmeckerte, was sie denn für einen Terz veranstalten würden es sei noch viel zu früh. Ich hätte sie in dem Moment abknutschen können. Einmal drinnen wurde ich dann erst einmal dumm angeschaut warum ich denn schon so früh auf gewesen sei…

Warum waren sie so spät auf? Warum haben Menschen unterschiedliche Biorhythmen? Sah ich aus wie Mutternatur in Person oder was? Ihr merkt ich war zu dem Zeitpunkt bereits leicht entnervt weshalb ich Sekunden später wie nach unten auf die Straße verschwand diesmal in Begleitung einer sehr netten Klassenkameradin aus der Etage unter uns.

Es folgte ein großer Drogeriemarktausraub und das Fachsimpeln über die Realitätsverhältnisse in Krankenhausserien. Unterdessen schritt die Zeit soweit vor ran, dass als ich endlich ohne fremde Hilfe wieder im vierten Stock stand und dort auch die restlichen Minuten bis zur Versammlungszeit verblieb.

Nun, was macht man als erstes wenn man als gebührender Touri Prag besucht? Richtig, man marschiert im Gänsemarsch vorbildlich zu dem historischen Highlight der Stadt: Der Burgstadt oder kurz für Einheimische Hradschin (größter Burgkomplex der Welt übrigens. Natürlich via Karlsbrücke, die wir ja bereits am vorherigen Tag hatten bewundern dürfen. Trotz bereits überfüllter Allstadt in jeglicher Hinsicht eine sehr schöne Strecke nur auch sehr heiß… Der Umstand, dass der Gänsemarsch sich alle paar Minuten wieder auflöste dank Star Bucks, Souvenirläden und lustigen Straßenkünstlern machte es nicht kühler. Dass merkt wohl auch unsere Lehrerin die kurzer Hand einen kleinen Umweg machte á la spontane Programmänderung um ein wenig mehr Schatten zu bekommen. Statt dem Hradschin ging es nun zur deutschen Botschaft dieser ist zwar sicherlich nur für Bergziegen vorgesehen gewesen, doch bot eher tatsächlich etwas mehr kühlere Ecken und so nahm ich das Auf und Ab der Straßen sowie der Launen gerne in Kauf. So hässlich konnte diese Botschaft nun nicht sein, wenn es ein Ziel unserer Kunstlehrerin war…

Nach gefühlten zehn weiteren Straßen und vielem Kopfsteinpflaster kam dann ein herrlich, herrschaftliches Herrenhaus in Sicht. Passend der Name: Palais Lobkowitz. Welche Botschaft kann von sich aus behaupten in einem Palais zu liegen? Besonders das Tor… der Wahnsinn.

Nach dem ersten Bestaunen wurden wir dann auch schon vor die erste schwerwiegende Wahl gestellt entweder uns im Schatten der deutschen Diplomatie zu suhlen oder den beschwerlichen Weg über den Asphalt einen weiteren Hügel hoch zu einer Art Aussichtsplattform einzuschlagen, über den man Einsicht in den Botschaftsgarten bekam. Zudem war es die Stelle von Zaun, über den am 22. August 1989 die deutschte DDR-Bürger die Botschaft stürmten dem Verlangen nach ihre Ausreisepässe ausgehändigt zu bekommen. Ich wählte mal zur Abwechslung den Höllenweg der sich eigentlich gar nicht als so höllisch herausstellte und stand fünf Minuten später auf einem sehr lauschigen Spielplatz mit Rutsche, Klettergerüst und Karussell. Plötzlich war Zaun und die Einsicht in den Garten ziemlich uninteressant geworden und die Kleinkinder wurden wach. Um ehrlich zu sein die Trabbi Statue von David Černý war auch nicht allzu interessant.

Nach einiger Zeit haben sich dann doch alle wieder berappelt und wir konnten zur alten Gruppe zurück stoßen. Die schien allerdings nicht wirklich begeistert zu sein, dass wir wieder da waren… So wurde eher widerstreben der Selfiestick verstaut und es ging endlich gen erster Endstation der Burgstadt.

Kindheitserinnerungen

Um es kurz zu halten, es ging bergauf, bergauf und nochmals bergauf. Die Fußpflege oder Hornhautentfernung solltet ih euch vor dem Urlaub sparen, ihr werdet eure Lederfüße noch lieben lernen.

Oben angekommen ist der Blick trotzdem fantastisch. Montmatre fantastisch, gesamt Prag breitet sich vor einem aus und man schaut Herr der Ringe episch ähnlich Meilen weit. Im Mittelalter musste diese Burg genial gewesen sein… Was mir bis dato gar nicht aufgefallen war konnte ich im Gegensatz zu Paris weder Hochhäuser noch Satellitenstädte/Dörfer ausmachen. Prag erstreckt sich bis zu einem gewissen Grad und vor den Horizonthügeln ist Schluss. Danach folgt nur noch Grün. Wahnsinnig schön und nach gut 45 Minuten anstehen an der Schlange auch wahnsinnig heiß.

Dank der Hyperaktivität unseres Lehrers und seinem neuen Lieblingsspielzeug der Wärmestrahlungsapp auf seinem handy durfte sich jeder eine Thermoabstrahlungsscannung unterziehen Ergebnis: 40 Grad Außentemperatur auf der Haut 50 auf schwarzem Haar…. Was waren wir froh endlich unsere B Tickets in den Händen zu halten und uns zu fühlen wie die Auserwählten von Charlies Schokoladenfabrik und den neuen Hogwarts Erstklässlern. Dieses Ticket war der Schüssel zum Eingang der monumentalen Kathedrale und dies hieß auch Schatten. Wobei ich muss mich korrigieren die St. Vitus Kappelle hat so viel mehr zu bieten als Schatten. Es ist einer der wunderbarsten, schönsten so sowie größten Kapellen die ich jemals gesehen habe. Unglaublich geschmackvoll und dass obwohl sie katholisch ist nicht zu dekadent und dennoch episch.

Abtrennung von den zahllosen Altären

Geländer

Nach der Kapelle, die alleine schon 45 Minuten in Anspruch genommen hat, dachte ich ich müsse mich beeilen und flux huschte ich durch die mittlerweile wirklich sengende Hitze zur nächsten Station auf den so gerufenen B Tour. So kam ich an der Basilica St. Georges an und war… enttäuscht. Schlicht fast schon langweilig gegen die Kapelle und außer der schönen Lichtstimmung kaum erwähnenswert. Sie war noch besonders leer… Anschließend folgte die goldene Gasse, die für alle Harry Potter Fans übrigens ein Muss sein sollte, denn sie scheint schon fast eine kleine Nachbildung der Winkelgasse zu sein oder die Winkelgasse eben eine Nachbildung der goldenen Gasse. Sie ist sogar Weltkulturerbe… Neben der Gasse selbst gibt es noch den anschließenden Wehrgang in dem ein kleines Folterkellermuseum integriert ist sowie eine Ausstellung ein über Rüstungen und sämtlichen Schilden. Ich behaupte einfach, dass es definitiv schon damals sehr experimentier freudige Schmiede gab. Ich bezweifle, dass man in den Dingern kämpfen konnte.

Poseidons Helm?

Hermes Helm?

Folterwerkzeuge oder furchteinflößende Küchengeräte?

Zu guter letzt sollte die Krönung eigentlich der Royal Palace sein doch um ehrlich zu sein, die Zimmer waren riesig, die Decken waren hoch, die Durchgänge winzig aber insgesamt war es einfach nur leer. Groß und leer aber schön kalt… Ich weiß, dass viele königliche Familien oft nur saisonweise dort wohnten, dennoch hätte ich mehr Flair erwartet.

Unglücklicherweise machte sich diese Leere oder nicht Existenz der Faszination auch zeitlich bemerkbar. Ich hatte noch volle 90 Minuten. 90 verdammte Minuten. Mein Plan zu zeichnen hatte sich dank der nur einmaligen Gültigkeit des Tickets ebenfalls erledigt und die restlichen Minuten im Kreis zu laufen erschien mir wenig reizvoll, rumsitzen genauso wenig.  Erst gen Ende entdeckte ich einen großen Schleichpfad in die Gärten der Burg nach einer Art Allee auf weiteren Schlossmauern gelangte ich zu einem weiteren Haus, den Pferdestellen und einer Yoga-Mal-Gruppe.

Leider reichte meine Zeit nicht mehr um die Gegend ausgiebig zu erkunden oder der Gruppe bei ihren abenteuerlichen Zeichen/ Mal Posen zuzuschauen. Nett gewesen war es dennoch, besonders der erneute wahnsinnige Ausblick.

Fürstliche Gärten…

Am Treffpunkt angekommen hieß es dann allerdings, dass der lang ersehnte Museumsbesuch seitens der anderen leider ausfallen musste da das Barbiemuseum durch ein Robotermuseum umgetauscht worden war. Barbie war wohl mittlerweile so berühmt geworden, dass sie expandieren würde. So wäre sie erst wieder im November verfügbar. Warum wir allerdings das Robotermuseum ausgelassen haben weiß ich bis heute nicht… Besser als in der Hitze zurück zu laufen wäre es definitiv gewesen.

Auf dem Rückweg wurde natürlich ein Umweg gemacht um die tanzenden Häuser des Frank O. Gehry zu bewundern. Bewundernswert war daran allerdings nicht außer die Moldau, nur leider bin ich nicht im Geographie-Profil und so musste ich mich perspektivisch wohl mit den zwei Glasklötzen auseinandersetzen. Ob sie dort nun stehen oder nicht ist mir bis heute schlichtweg egal.

Inspiriert Ginger Rogers und Fred Astaire

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Von dort aus ging es dann schließlich nach Hause was ich sehr begrüßte, denn ich war des Todes müde. Falls ich jemals einen Südländer der südlicher aufgewachsen ist als Frankfurt, der kann sich auf ein wehleidiges Agressionstal gefasst machen wenn es an den Familienbesuche geht. Weihnachten wäre dabei noch das einzig Optionale. Zu meiner großen Freude erfuhr ich dann auch noch, dass ich mit zu diesen Exit-Games musste. Für mich ein zugegeben unschönes Ereignis, denn diese Exit-Games sind einfach sinnlos. Um es kurz zu Umreißen:

Der Sinn des Spieles ist sich in einen Raum einsperren zu lassen und dann auf Zeit so schnell wie nur möglich den Schlüssel für besagte Tür zu suchen um wieder heraus zu kommen und natürlich liegt der Schlüssel nicht einfach so auf dem Tisch herum. Nein, er ist versteckt und dank Lösungen aus Rätseln findet man ihn früher oder später. Klingt nach Spaß? Nein. Für mich ist es unnötiger Streß, den ich wunderbar vermeiden könnte. Zumal sich doch wirklich nur kleine Kinder einsperren ob ausversehen oder aus Absicht um mal zu testen ob wer kommt. Wieso lässt man sich als vernünftiger erwachsener Mensch einsperren?! Hat man etwas verbrochen? Ich hatte meinem Lehrer schon zwei Wochen im Vorfeld berichtet, dass ich gerne schlafend im Apartment bleiben würde. Um 23.20 wäre ich nämlich völlig unbrauchbar. Aber wie sollte es auch anders kommen ich musste mit. Ich sollte doch auch mal Spaß haben… Als ich ihm sagte, dass ich schließlich volljährig sei und es mir wirklich egal war was er von mir dachte wenn ich zu Hause bleiben würde achte er nur und nahm mich trotzdem mit. Während des Wartens auf die ersten Gruppen schlief ich eiskalt ein, tief, fest und wunderbar bequem auf einer sehr gemütlichen Couchlehne. Sie weckten mich dennoch und jetzt wollte ich erst Recht nicht mehr, nicht nach dem Tag… und nach der kurzen Nacht.

Was machte mein Gehirn also? Es berief sich auf seine hysterischen Synapsen und ich bekam wieder eine Art Kurzschluss. Auf mein Gehirn und meinen Magen/Darm ist eben immer verlass… Am Ende musste ich nicht spielen, wobei ich Mr. J. an dieser Stelle auch noch einmal danken möchte auch wenn er es nie lesen wird. Aber er weigerte sich auch mit mir zusammen zu spielen und da wir in einer Gruppe waren erübrigte sich das Thema… Es war übrigens kein Mobbing… Der Irre hatte einfach gerade einen Schub von Menschlichkeit und merkte dass mir es wirklich egal sein würde was wir dort drinnen hätten machen müssen und er wollte gewinnen. Er heißt nicht umsonst Mr. J

Mein stiller Widerstand gelangte mir also so halbwegs und ich fühlte mich auf dem Nachhauseweg ein wenig wie Ghandi. So lag ich zumindest um 23.00 Uhr im Bett und schnarchte fröhlich durch nachdem ich noch von Ex-Lieblingsmensch eine Nachricht bekommen hatte:

Heute hat mich dieser kleine Bastard gebissen…

Dazu sei gesagt er absolviert gerade ein FSJ in einer Kita. Der zweite Irre in meiner Umgebung. Solche Nachrichten erreichen mich übrigens öfters, anscheinend haben wir hier kleine Kannibalen unter uns. Die Nachrichten meine Mitbewohner diesbezüglich meines Kurzschlusses lasse ich hier aus Zensurgründen bewusst aus… Nicht ihretwegen, meinetwegen… Zu viel Skins wirkt sich leider negativ auf meine Wortwahl aus.

Slytherin lässt grüßen…

 

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5 Kommentare

  1. Ich habe Klassenausflüge IMMER gehasst! Übrigens ist das internationale Angebot in den Supermärkten in Prag darauf zurückzuführen, dass sehr viele internationale Firmen sich in den letzten Jahren dort angesiedelt haben und die Mitarbeiter ein wenig Heimat essen wollen 😉
    Ich finde, Du hast es perfekt gelöst,ich hasse Gruppenzwang!

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    1. Ahhhh… Hätte ich auch mal selber drauf kommen können😂 Ich sage mal so gewisse Marken standen wirklich an jeder Ecke. Glaub mir, die nächsten Tage werden noch sehr viel schöner und weniger Gruppenzwangsmäßig. Sich unsichtbar machen will gelernt sein 😉

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      1. es sind viele US Firmen dort…..und was mir aufgefallen ist, überall ausserhalb Deutschland gibt es jede Menge polnischer Geschäfte 😉

        Da bin ich auf die Fortsetzung gespannt 🙂

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