Man muss Augenblicke gehen lassen können….

Ein Augenblick ist nicht messbar, Zeitpunkt den man per Selfie oder Fotofesthalten kann. Ein Augenblick ist etwas relatives. Er hat immer eine gewisse Dauer, also wäre wohl ein Video sinnvoller nur gibt es selbst dort ein Problem, dass der Augenblick ebenso zu kurz ist für ein voll vorzeigbares Video um Freunde neidisch zu machen. Die aktuelle wohl immer währende Definition der länge eines Augenblicks wird im allgemeinen als Länge zwischen zwei Augenblinzeln bezeichnet. Aber sie ist falsch, denn dieses Zeitphänomen bedarf keiner messbaren Zeit sondern ist vollkommen subjektiv und wie Einstein schon wusste besteht zwischen relativer und erlebter Zeit ein sehr, sehr großer Unterschied.

Dabei war ich früher genauso, ich gehörte zu den Menschen die dachten sie hätten die Weisheit mit Löffeln gegessen nur um sich einbilden zu können Zeit per Definitionen zu beherrschen. Alles genau benennen zu können gibt einem die das Gefühl von Macht und Sicherheit oder andersherum vollkommener Kontrolle. Nur hat sich meine Meinung geändert wie so vieles im Leben…

Von nun an ist ein Augenblick für mich etwas nicht messbares, nicht bestimmbar, nicht nachvollziehbar weil alles wie in dunklen Nebel getaucht ist was dennoch mein Leben in irgendeiner Form beeinflusst hat. Eben einen Moment den man weder vergessen möchte noch kann. Niemals um alles in der Welt egal wie dement ich einmal sein werde. Das Problem an diesen Augenblicken ist allerdings dass man erstens nicht weiß wann sie kommen und zweitens ob sie dein Leben in den Himmel befördern oder in den tiefsten Abgrund den du dir nur vorstellen kannst. Manchmal und das wäre der dritte Punkt realisiert man sogar erst Jahre später wie sehr einen dieses oder jenes beeinflusst hat.

Aber wie bei allem im Leben gibt es immer wieder Dinge die herausfallen, die manchmal nicht ganz den eigenen Richtlinien und Leitsätzen, Wünschen entsprechen… Sie schraben grob daran vorbei wie bei mir damals… Ich wusste dieser Augenblick würde mich prägen in welcher Hinsicht auch immer auch wusste ich aber in einem Punkt stimmte er nicht zu und zwar kam er völlig unerwartet.

Erster Augenblick:

Ich war schon immer ein Tiermensch, ich bin mit einem Kater aufgewachsen und später gesellte sich ein gar nicht so kleiner Hund noch dazu. Mit diesem Hund verbrachte ich ganze sieben Jahre meines Lebens.Tag und Nacht und nie voneinander getrennt es sei denn es gab einen kurz Urlaub oder eine Klassenreise und selbst dann war ich spätestens nach 8 Tagen immer wieder froh zu Hause anzukommen und meinen riesigen herzallerliebsten Wolf in die Arme zu schließen.

Unzertrennlich obgleich es definitiv Momente gab in dem ich ihm den Hals hätte umdrehen können, bei Regen hinaus stapfen, seinen Sabber aufwischen und von seinem Fellausgeschüttle erneut trief nass zu werden nachdem ich mich gerade frisch umgezogen hatte.

Allerdings fallen all diese kleinen Augenblicke des Ärgers und der Wut von einem ab, wenn sich dein eigener Hund über alles geliebt plötzlich von hier auf jetzt übergibt. Du beginnst skeptisch  nach zu denken, was er gefressen haben könnte sowohl bei dir als auch bei deiner Mutter. Du kommst zum Schluss trotz all seiner Gerissenheit hast du weder heute noch gestern irgendetwas auf den Wegen herum liegen sehen und du deine Augen sind mittlerweile ein Radar für herumliegendes Essen. Etwas falsches gegessen haben kann er also nicht, leicht panisch fängst du deine Mutter an zu fragen wie es sich bei einer Magenumdrehung verhalten würde. War Marley dieser Retriever nicht daran gestorben? Deine Mama schüttelt bedächtig den Kopf dann hätte er sich nicht übergeben. Das beruhigte mich eine Gefahr weniger eine Möglichkeit des Ernstfalls konnte gestrichen wurden und sie musste es wissen. Nach knapp einem Jahrzehnt Tierdokumentationen hätte sie die Prüfung zur Tierärztin mit mindestens gut abgeschlossen. Mittlerweile wurde meine Mutter allerdings ebenso unruhig wie ich mittlerweile hatte sich unser Hund nochmals übergeben und sein Speichelfluss ähnelte eher den Niagara-Fällen als bloßem Futterappetit. War es nicht doch ein geheimer Snack gewesen, den er nicht vertragen hatte? Von hier auf gleich sackten im die Beine weg und mein Hund taumelte gerade so ins Körbchen in dass er eher fiel als legte. Jetzt schrillten die Alarmglocken nicht mehr auf Alarm Stufe Rot nur war es kein Himbeerrot mehr vielmehr war es ein tiefbedrohliches Blutrot. Du willst deinem Hund gut zu reden, ihn beruhigen ihm sagen dass alles gut wird und ihr ihm helfen könnt, doch statt sich zu beruhigen fängt er an wie Espenlaub zu zittern.

Endgültige Panik steigt in dir auf, dir wird kalt letztendlich sogar ein wenig übel. Scheiß Abendessen, du bist weiter ratlos kurz danach hängst du in den Tiefen des Internets denn Symptome beim Hund googeln dürfte nicht sofort Krebs ausspucken. Du hattest recht vielmehr deine Mutter weder Magenverstimmung, Magendrehung oder krebs, nein ein Schlaganfall. Ein Schlaganfall bei einem Hund, die Symptome passen alle ausgenommen das schnelle Hin und her huschen der Augen. Erneutes Übergeben diesmal ins Körbchen.

Moment der Erkenntnis:

Weder deine Mutter noch du wissen was zu tun ist. Natürlich muss der Hund in eine Klinik behandelt werden schnellst möglichst nur wie? Ein Auto ist nicht zur Verfügung es ist Samstagabend und ein kleinkindschwerer Hund den trägt man mal eben nicht in die nächste Klinik womöglich drei Stadtteile weiter. In dir brodelt es, schweiß bildet sich auf deiner Stirn und die Übelkeit ist nun all gegenwärtig. Dann ein Geistesblitz die mobile Notfall-Ambulanz. Google weiß die wie immer alles entscheidende Antwort: Die Rufnummer, deine Mutter wählt und jemand hebt ab. Sie haspelt drauf los nach einer knappen Minute wird sie offenbar unterbrochen und wird weiß um die Nase. Flasche Nummer. Du reißt ihr das Telefon aus der Hand und wählst selber. Dieses Mal scheint sie richtig zu sein, sobald deine Mutter wieder anfängt zu erklären befreist du das Hundekörbchen von Erbrochenem. Einen schlimmeren Abend hast du selten erlebt. Außer deinen einen Krankenhausaufenthalt sechs Tage vor Weihnachten. sechs ganze Tage. Du wusstest nicht ob du überlebst oder überhaupt nach hause darfst, aber in dem Moment war es dir egal weil du es selbst gar nicht realisiert hast. Aber jetzt in diesem sich schier endlosen Augenblicks ist weder die Zeit wirklich messbar noch geht es um dich. Es geht um dein Brüderchen, deinen besten Freund deinen Weggefährten seit ganzen sieben Jahren. Sieben Jahre, die magische Zahl. Ob das wohl damit zusammenhängt? Das verflixte siebte Jahr? Nur ein Weggefährte war kein Ehemann und falls es das magische Jahr sein sollte würde bestimmt alles wieder gut werden. Spätestens mit dem Eintreffen des Tierarztes. Apropos du fragst ganz vorsichtig deine Mutter, die immer noch aufs Telefon starrend. Der Mediziner befände sich in N.stedt. Ich stöhnte, wann würde er den kommen? Sie meinte lediglich in dem Augenblick in dem er dort fertig ist. Norderstedt, Gott verdammt wo lag N.stedt überhaupt. Rechts, Links, Oben, Unten? War N.stedt überhaupt noch in meiner Heimatstadt?

Außer warten könnt ihr nichts tun, euch sind die Hände gebunden. Bei einem Menschen könntet ihr Erste Hilfe Leisten, tausendmal habt ihr die Maßnahmen in diversen „Gesundheits-Tag- Stunden“ durchgekaut und jedes Mal hast du dir zu Tode gelangweilt gewünscht etwas sinnvolleres zu tun. Aber jetzt, jetzt stellst du fest dass sich ein Schlaganfall bei einem Menschen unterscheidet und du ihm weder wirklich helfen noch gut zu reden kannst. Reagieren tut er nicht mehr, trinken will er nicht und ihn regelmäßig wenden damit laut google sich die Lunge nicht entzünden kann ist ebenso unmöglich da sein Bewegungsapparat komplett außer Gefecht gesetzt ist und Arzneien kannst du ihm erst recht nicht verabreichen, da du eben kein verdammter Tierarzt bist.

Innerlich beginnst du zu fluchen, zu verwünschen, zu schimpfen und letztendlich mündet all dieses Gefühlschaos in einem Moment der Gefühlsexplosion in der sich alles entlädt was sich über die letzten Tage, Wochen vor allem Stunden angehäuft hat. Angefangen von dem kleine Zwist mit der besten Freunden bis eben hin zu diesem zähen Augenblick der Ungewissheit ob ein geliebtes Wesen nicht gerade zu deinen eigenen Füßen stirbt und du nichts anderes tun kannst als ihn zu streicheln und zu zusehen.

Du weißt nicht mehr wie viele Stunden auf auf den Retter in Not warten musstet. Ein zwei, drei Stunden? Irgendwann weißt du gar nichts mehr außer dass irgendjemand kommen muss um dich aus diesem zäh dahin tropfenden Zeitfluss zu retten.

Den Pfropfen lösen dir wieder Luft zum Sein und Atmen geben, aber erst nachdem der Hund gerettet wurde. Wie auch immer in den nächsten Augenblicken, Momenten oder Stunden der messbaren Zeit wurde der Hund beruhigt, gekrault, gehätschelt und getätschelt. Nicht mit Futter, vielmehr mit einer Art Dauerbeschallung der eigenen Stimme die hastig irgendwas vor sich hin brabbelte, nur dass dies einem viel mehr selbst half als dem Hund. Sein kopf hing schiefer als zuvor und langsam erinnerte er dich an den fast Kopflosen Nick aus Harry Potter, nur dass Hund eben noch lebte und es dabei auch gefälligst bleiben sollte. In solchen Momenten fängt man normalerweise an an einen Art Gott zu glauben, du ebenso allerdings auch irgendwie nicht. Schließlich warst du atheistisch erzogen worden und dass einzige was zählte war die Überwindung des Augenblicks des Wartens ohne medizinische Versorgung, nur brauchst man ebenso wie du irgendjemanden auf den du fluchen kannst. An dem du all deinen Hass, deine Wut, deine Rache ausüben kannst als Revanche für all die grausamen Augenblicke an diesem Abend.

Es klingelte, es war nicht der Doktor es war dein Vater der Heim kam. Erst später klingelte es ein weiteres Mal dann kam der Arzt, dann aber in voller Montur. Es wurde erst gar nicht erst geredet sondern sofort nicht nur ein Katheter gelegt sondern ebenso eine Nährlösung mit angeschlossen, Motorik- sowie Sehtests durchgeführt… Die endgültige Diagnose war euch zwar bereits bekannt aber erfasste euch dennoch wie ein Tsunami um euch in die tiefen des Schocks hinab zu ziehen.

Augenblick der Vergewissheit:

Ein schwerer Schlaganfall. Der Arzt meinte, er würde dem Hund Kochsalz gegen den Wasserverlust geben und es würde hoffentlich dementsprechend das Gerinnsel umspülen und auflösen, kurzerhand abschießen. Wenn dies nicht innerhalb weniger Stunden helfen würde, dann wäre Ende. Für immer. So wie die Lösung vom deinem Lieblingswesen aufgesaugt wurde bekamst du statt der Übelkeit nun erneut Schüttelfrost. Irgendwie hattest du im Gefühl, dass ihr nicht gerade die Verstopfung der Blutbahn abschosst sondern den Patienten selbst. Ein schwarzes Loch für Kochsalz.

So begann erneut der ewige Augenblick oder der Tsunami der Erschöpfung. Schwarz Denken war schon immer deine Stärke gewesen und jetzt schwankte dein Gemüt wie eine Sinuskurve von Leben hinunter zu Tod und all dass in minütigen Wechsel. Der Tiermediziner versuchte uns abzulenken stellte Fragen, erzählte viel und schaute sich irgendwann interessiert die Wohnung an denn wir zwei deine Mutter und du wart zu konstatiert und zu sehr mit dem Nicht-Ertrinken im Zeitozean beschäftigt.

Ein vollständiger Containerflüssigkeit verschwand in ihm, da gab es kein Halten mehr. Die Tränen bildeten sich du wischtest sie trotzig weg. Nein, du würdest nicht weinen. Du würdest stark bleiben für euch drei. Du würdest solange bei deinem Hund bleiben bis zum Ende egal wie es ausging. Du würdest tapfer diesen schreckens Augenblick meistern um noch stählerner daraus hinaus zu schreiten und tapfere Krieger weinten nicht. Aber es half nichts für eine weggewischte Träne kamen zwei neue bald drei und irgendwann ja irgendwann ließest du sie laufen. Wie wie sie liefen ganz still und leise ohne schluchzen ohne Zucken. Selbst wenn der Hund deinen Angstschweiß roch so sollte zumindest weder der Arzt noch deine Mutter mitbekommen wie viel Gänsehaut sch mittlerweile bei dir gebildet hatte. Stark sein.

Nachdem Container mit der Salzlösung folgte ein andere mit der Aufschrift RI- irgendetwas… Demnach sollte dieses Zeug deinem Hund imaginäre Raketen verschaffen. Wenn es ihm wieder gut ginge würde er damit wieder laufen können. Verheult schautest du in die Augen deines Hundes, der mittlerweile mehr apathisch als ängstlich da lag. Erst jetzt bemerktest du die sich hin und her bewegen Pupillen wie ein Zuschauer bei einem Tennismatch schoß es dir durch den Kopf und du wartest nun ebenso apathisch und völlig erschöpft auf das Signal der endgültigen Entscheidung. Doch bei den sich immer noch bewegenden Pupillen bildeten sich sofort wieder Tränen und dieses Mal wischtest du sie weder zu erst weg noch versuchtest du leise zu weinen.

Das Würgen hatte aufgehört, ebenso wie das Hecheln und die Funktion des Schließmuskels. Der Hund war zugleich voll und leer. Dann: ein kurzes Gerappel, Fallens gefolgt von einem sich Wiederaufrappelns wild um sich Taumelns gar Schlagens und letztendlich des völlig ausgezehrten Liegenbleibens. In derselben apathischen Haltung wie vorher. Der fast Kopflose Nick ließ grüßen.

Selbst der naivste Mensch der Welt musste nun auch einsehen, das die Chancen auf Besserung wohl eher im untersten viertel winselnd herumkroch. Verprügelt vom Schicksal höchstpersönlich.

In der erneuten Wartezeit zwischen Abrechnung wieder mobil machen der ärztlichen Ausrüstung sowie Abschließendes Gespräch brichst du die dritte Taschentücherpackung an und schwelgst in Erinnerungen. Wie viel Spaß hattet ihr gemeinsam gehabt, wie viel Freude hatte er dir bereitet trotz schlammverschmierten Fell aber vor allem wie viel Mist hattet ihr zusammen unternommen? Vom spontanen Gartenumgraben bis ihn zum ersten Nachtspaziergang, weil er selbst auf Toilette musste. Plötzlich schwappten immer mehr Erinnerungen über dich hin weg beseitigten den Zog des Tsunamis der Hoffnungslosigkeit und du gabst dich dem weichen, fast schon Zuckerwasser, hin.

Du wusstest nicht wann genau du eingeschlafen warst, fest stand nur dass du jetzt halb den Hund erdrückend halb unter dem Bett liegend erwachtest. Deine Mutter beobachtete dich sowie den immer noch unangerührten Wassernapf. Ihr würdet noch eine Stunde warten bevor ihr den Arzt anrufen würdet. Denn es gäbe dort eine Möglichkeit auf Heilung, da irgendein Syndrom existieren würde welches das Mittelohr befiele um genau zu sein das Innenohr störe und deshalb der Hund kein Gleichgewichtssinn habe. Ungerührt hörst du dir dass an und bist skeptisch… Das sogenannte Syndrom könnte bis zu einer Woche andauern. Eine Woche, eine Woche der Ungewissheit. Ganze sieben Tage ohne funktionierenden Bewegungsapparat? Ohne Schließmuskel ohne sich zu bewegen zu können? Wie sollten wir den Hund wenden, wie sollte er fressen? Wie würde dein Vater reagieren? Und letztendlich wäre es denn dass alles wert? Ganze 168 Stunden den Hund pflegen… Laut Doc. hatte er wohl keine Schmerzen und wenn sich sein Zustand nicht verschlechterte würde er auch keine bekommen… Aber eine Woche?

Augenblick der Sterbebegleitung:

Wenig später riefen wir den Doc an. Wann er denn kommen könne… Frühestens morgen. Die Tierbestattung könne erst ab Vormittag. Es folgte erneut: weinen, warten, kraulen. Der Zog hatte uns alle wieder und zog uns immer weiter mit sich hinaus ins offene Meer und schließlich hinab in die Tiefen der Angst. Deine Mitbewohnerin hält tapfer Nachtwache du versuchst zu schlafen und tatsächlich gelingt es dir irgendwie unter unruhigen Minuten zumindest etwas Erlösung zu finden.

Noch halb in der Nacht stehst du völlig benommen auf und möchtest alles nur nicht den Hund sehen, denn der Anblick würde dich bis ins Mark zerstören, dich mitten ins Herz treffen und du wolltest schließlich stark bleiben bis zum Ende. Dass hieß keine einzige Träne, wenn der Vorsatz schon gestern nicht geklappt hatte dann wenigstens heute im wichtigsten Moment.  Du dachtest weiter, du konntest nicht aufhören an heute Mittag zu denken. Dein Gehirn kreiste und kreiste befand sich im Landeanflug und sekundenspäter wieder im Start. Du ohne deinen Hund. Du. ohne. Hund. für. immer.

Mit allem Mut gingst du ins Wohnzimmer und dort lagen sie deine Mama und dein Hund aneinander gekuschelt auf dem Boden. Der Hund schlafend deine Mutter dahin vegetierend im Halbschlaf. Stark sein hieß durch alle Momente zu gehen. Gute wie Schlechte, auch wenn es das Ende bedeutete. Einen größeren Gefallen hättest du ihm nicht tun können, meinte deine Mutter später.

Denn sein Zustand hatte sich verschlechtert…. Seine Zunge hing nicht mehr feucht, fröhlich, rosa aus seinem Maul sondern eher trocken und lilafarben. Du weißt nicht was du getan hättest wenn wach geworden wäre, so waren zumindest die ersten Stunden ertragbar allerdings schon bald erneut von dem altbekannten Tsunami, den Wasserfällen, Übermüdung, Hoffnungslosigkeit, Trauer und des Zeitsirups heimgesucht werden. Wie war das nochmal mit dem Augenblick gewesen? Er sehr nicht messbar… Dass traf es ganz gut die vergangene Zeit ist noch heute nicht messbar denn keiner von euch wusste wann es angefangen hat. Du weißt nur wann es zu Ende war. Um 12.33… Überraschend und ohne wirkliche Ankündigung war er da gewesen. Dummerweise warst du in dem Moment nicht im Zimmer sondern musstest kurz nach der Ankunft erst hinein sprinten noch klatsch nass von der Dusche sahst du also dort. Mit deiner Mutter und deinem Vater. Schnell merktest du, die Dusche hatte kaum etwas gebracht das Leid klebte immer noch an dir wie das zähflüssige Blut deines Hundes welches einfach nicht das Schlafmittel einfach nicht aufnehmen wollte und der Arzt schließlich direkt in eine Vene stechen musste. Wer denkt ein Tier stirbt schnell, der täuscht sich Minuten saßen wir da. Minuten kraulten wir ihn wie die letzten Stunden über Stunden. Und dann war er da der Augenblick des Todes mit all seinen Nebenwirkungen, der in einer Kinderwelt gar nicht vorkommt, selbst im Erwachsenenleben hoffentlich sehr selten. Aber Dinge die geschehen sind zu akzeptieren, weil sie nicht mehr rückgängig gemacht werden können heißt wohl auch Momente akzeptieren zu können. Mit ihnen abzuschließen, sie aufzuräumen und zu guter Letzt damit umgehen zu lernen.

Genauso wie er heute Morgen dort gelegen hatte genauso verließ er euch. Euer liebenswerter und bester Hauswolf aller Zeiten.

Du hast diese Geschichte jetzt gelesen und was auch immer du sein magst ich hoffe ich könnte dir helfen mich zu verstehen. Denn selbst noch nach sieben Tagen denke ich ich muss mit meinem Wolf raus, noch heute suche ich seine Leine, noch heute finde ich überall in jeder meiner Taschen mindestens einen Gassibeutel… Die Liste geht endlos so weiter und ich denke ich werde wohl noch viele Male in der Nacht aufwachen merken das das Schnarchen fehlt und mich wundern bis mir wieder einfällt was passiert ist.

Ich. hasse. diese. Augenblicke.

 

 

Wer Fehler findet, grammatikalische Ungereimtheiten oder logische Verwirrung behaltet sie bitte nicht für euch sondern sagt es mir. Ich würde hier gerne einen Erinnerung hinterlassen die meinem Wolf gerecht wird, obwohl das quasi unmöglich ist…. Denn er ist einfach zu genial gewesen um ihn beschreiben zu können. Sieben Mal wurde dieser Text korrigiert, aber ich kann trotzdem für nichts garantieren. Irgendwann möchte man die voll geheulte Tastatur seines Laptops eben nicht all zu strapazieren. Übrigens der Spaß und die Zeit mit meinem Waren ebenfalls unmöglich messbar. Ich würde sie gegen nichts auf der Welt eintauschen wollen. 

Und aus irgendeinem Grund muss ich euch jetzt noch was sagen: Ich hab euch lieb.

Keine Ahnung woher dass kam… Gewöhnt euch nicht dran kapiert?! 

Advertisements

5 Kommentare

  1. Deine detaillierte Beschreibung hat mir fast die Luft genommen. Ich kenne das Gefuehl, den Verlust, den Schmerz und es wird nie besser, nur anders. Bei mit ist dieser Moment 15 Jahre her, aber immer,wenn ich einen Hund sehe, der ihm aehnelt, kommen Erinnerungen hoch, inzwischen tut es nicht mehr weh……ich bin dankbar fuer die Erfahrung, das Glueck , gemeinsame Zeit verbringen zu duerfen. Du hast Deinem Hund in seiner schlimmsten Stunde beigestanden und das ist ultimative Liebe! Fuehl dich gedrueckt. Es wird dauern , aber er ist es wert!

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich finde das so krass, wie schnell und wie intensiv so eine Beziehung zu einem Tier sein kann. Ich konnte das nie so recht verstehen, nachempfinden, aber jetzt seit Woody wird mir beim Lesen ganz anders. Klar, man weiß, dass ein Haustier wahrscheinlich schneller stirbt als die Menschen um einen herum und viele sagen, es sei ja nur ein Tier, aber nein.
    Die meisten Tiere verdienen eine größere Ehrung als diese komischen menschlichen Wesen. Von daher kann ich nur sagen, dass das ein schönes Denkmal ist, was du dem Hundi gesetzt hast. Und ich hoffe es hat den Schmerz gelindert.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s