You never get away with…

Autorin Anna Kuschnarowa

Seitenzahl 416 Seiten

Verlag Beltz & Gelberg

ISBN 978-3-407-81155-4

Preis 14,95 €

Genre  Belletristik, Jugendliteratur, Liebesroman

Erschienen 17. August 2015

Ab 14 Jahre

Wie bereits einige mitbekommen haben dürften habe ich es tatsächlich geschafft pünktlich in der Nacht vom 31. März auf den 1. Juni Davids Foster Wallace Unendlicher Spaß zu beenden und ich sage es euch, es war ein Leseerlebnis! Aber kommen wir zu einem anderen Thema, denn danach widmete ich mich einvernehmlich dem schon oft empfohlenen Jugendbuch Dijihad Paradies. Dem Rufe folgend entlieh ich mir dieses angebliche Meisterwerk in meiner städtischen Bücherei und begann zu schmökern.

Aber zuvor der erste Eindruck: Das Cover passt zumindest zum Thema, denn passender weise erinnert mich die Grafik an eine Moscheekachel. Verschnörkelt, allerdings im Gegensatz zur Realität eher hässlich anmutend. Vor allem der schwarze Grundton hat mich verstört, zusammen mit dem Klappentext und natürlich dem Titel ist sofort klar: Dieses Buch wird nicht angenehm…und das fängt schon mit dem Beginn der Geschichte an.

Der Leser steckt quasi in der Haut Julian Engelmanns alias Abdel Jabbar Shahid, der sich nebst wundervollen Beschreibungen seiner schneebedeckten Umwelt gerade auf dem Weg ist in ein Kaufhaus nahe des Alex um sich selbst in die Luft zu sprengen. Sein Wunsch: Als Märtyer für den Islam zu sterben und so gegen den Westen aufbegehren. Fast hätte sein Vorhaben auch reibungslos geklappt, doch seine Zweifel werden nicht nur verstärkt sondern überwiegen sogar am Ende dank einer unsterblichen Liebe Romea Aschenbach.

Aus dem Auffeinandertreffen der beiden entwickelt sich nun eine Art rückblickende Erzählung durch wechselnde Perspektiven wie es zu dieser recht absurden Situation eigentlich kam.

Kommen wir nun zu Romeo äh…. Verzeihung Julian. Julian Engelmann ist ein ganz normaler Teenager zumindest war er das bis seine Mutter seinen alkoholkranken Vater verlässt, ihn selbst als Versage beschimpft und die zwei Männer komplett aus ihrem Leben streicht. Daraufhin versinkt sein Vater nur noch mehr dem Alkohol und die Schulden beginnen zu wachsen und zu wachsen… Selbst Julians Hip-Hop Auftritte können ihn selbst irgendwann nicht mehr über Wasser halten und so rutscht er zunehmend in die Kriminalität ab.

Sein Leben scheint verloren bis er seine große Liebe Romea kennen lernt, aber das Schicksal ist bereits besiedelt, denn eines Tages landet Julian doch in der U-Haft und dort trifft er auf Murat.

Romea dagegen (oder auch Julia) kommt aus einer ganz anderen Welt, ihre Eltern arbeiten ständig und sorgen durch Unmengen von Freizeitaktivitäten dafür, dass ihre beiden Zöglinge ausgebucht sind. Irgendwann wird es Romea zu viel und sie steigt aus dem elterlichen System aus, was keinen guten Anklang findet.  Mit dem Kennenlernen von Julian, lernt sich endlich jemanden auf ihrer Wellenlänge kennen und trotz des Altersunterschiede verliebt sie sich halsüberkopf und ziehen zusammen in eine muslimische Bruderschaft. Soviel zu den Charakteren…

Fange ich mit dem Positiven an. Um es zuerst allgemein zu halten möchte ich an dieser Stelle ein Lob an die Autorin geben den Mut zu haben sich mit einem solch schwierigen sowie sehr wichtigen Thema auseinander zusetzen. Es ist für die Wenigsten wirklich greifbar, doch mittlerweile alltäglich dass Menschen sich verschiedensten Terror-Gruppen anschließen. Weshalb bleibt meistens ungelöst, oftmals wird es unter dem Prädikat unbewusst- dort.hineingeraten abgetan.

Ähnlich wie im echten Leben beschreibt Frau K. hier einen Gang der Dinge der eben nicht von jetzt auf gleich passiert, sondern schleichend… Niemand wird von heut auf Morgen radikal und selbst wenn, ist man nicht gleich ein Mensch der diesen vollends Vertritt.

Ein solches Beispiel ist möglicherweise Julian, man merkt dass er im Inneren nicht wirklich rein mit seiner neuen Ideologie ist, allerdings hat er Angst vor dem was bleibt wenn er diese Hinterfragt. Außer einen Haufen Schulden wartet auf ihn nichts… Selbst Romea nicht. So erlebt der Leser mit wie sich ein gar nicht so unintellgenter junger Mann immer weiter in irgendwelche abstrusen Theorin flüchtet um zumindest etwas im Leben zu haben.

Ein weiterer Unterpunkt der zum schleichenden Prozess der Gewinnung von Dschihadisten dazuzählt sind wohl die Vorurteile gegenüber des Islams denen Romeao sowie Julian begegnen, auch stellt Frau K. in groben Zügen die oft nicht existente Aufgeklärtheit über den eigentlichen Gedanken des Islams, denn der Dschihad ist lediglich der Kampf gegen seinen inneren Schweinehund und nicht gegen jeden und alles.

Durch das Unwissen beider lernt der Leser quasi die gröbsten Grundzüge kennen wie die wichtigsten arabischen Vokabeln sowie die ersten drei Suren des Korans.

Da konnte ich auch gleich mitlernen, da ich manches wirklich noch nicht wusste. Dabei wird einem besonders Anhand Romea das Problem von Religion oder des Islams bewusst. Es gibt unendlich viele verschiedene Auslegungen des Korans und er Scharia. Die Aussagen Mohammeds wurden auf auf Servierten, Zettelchen oder als Poem bewahrt was die Interpretation nun mehr unterstützt. Zudem besitzt das arabische Alphabet viele Buchstaben mit Doppelbedeutung….

Leider muss ich sagen, dass trotz aller Versuche dem Leser den Islam näher zubringen und der Versuch der Darstellung von Jugendlichen die mit diesem Tham konfrontiert werden nur mittelmäßig gelungen ist. Romea und Julian stehen das ganze Buch über sehr im Fokus. Darüber hinaus ist der Schreibstil leider sehr holperig. Das Buch mag für 14-Jährige gedacht sein, doch die ausgeprägte Jugendsprache ging mir nach den ersten Seiten schon sehr an die Nerven.

Dazu sind die scheinbar sinnlos eingesträuten Fremdwörter ein wahrer Graus, da sie so gar nicht passen und wie ein Fremdkörper wirken. vermutlich soll es darstellen, dass julian iicht völlig blöd ist. doch istdieser stilistische knif so schlecht gemacht , dass er mehr stört. zumal es weder story noch charakter relevant wird.

Zum störenden Erzählton kommt noch die unpassende Erzählart. Die Idee der sich abwechselnden Rückblicke ist ganz nett angedacht, doch sind die Emtionen leider zu polarisieren. Denn wenn sie überhaupt vorkommen, dann in Sätzen wie: „Ich fühlte mich mies“, „Ich war ein Arschloch“ oder „Mir war schlecht“. Dieser kurz angebundene Ton machte mir das Lesen zwar wunderbar schnell und einfach nur konnte ich absolut keine Bindung zu den Charakteren aufbauen… Dumm nur, dass das quasi das wichtigste an einem Buch ist. Selbst gen Ende, in den schrecklichsten Momenten fühlte ich mich stets wie ein Vulkanier über alles erhaben. Ein „Interessant“, traf es nämlich sehr oft.

Viel mehr hatte ich das Gefühl, dass mir die gesamte Handlung zu gestellt und künstlich vorkam. Nun ist die Uneinsichtigkeit Julians der Grund gewesen, denn ein radikaler bleibt eben radikal oder auch nicht und das war letztendlich das Problem bei Julian. Vielleicht ist es die reale Wahrheit, nur an der Darstellung hätte die Autorin wirklich nochmal rangemusst.

Diese Affektiertheit entstanden riesige Logiklücken teilweise waren sie leider so groß, dass ich mit mehr Fragen das Buch beendete als zu dem Zeitpunkt des Beginnes. Diese Fragen bezogen sich bedauernswerter Weise nicht auf das Thema Radikalisierung von Jugendlichen sondern waren es lediglich rein inhaltliche Fragen.

Ein Beispiel: Am Anfang der Geschichte summt Julian ein Naschid. Nur wird in dem gesamten Buch ein solches nie erwähnt.

Zur Erklärung: Ein Naschid sind Gesänge die von Muslimen gehört werden. So existieren eben auch Kampfnaschids die gerne von Dschihadisten angestimmt werden, bevor der Angriff oder das Attentat erfolgt. Die Autorin verliert darüber allerdings kein einziges Wort. Als Leser bekommt man nämlich nur die Information, dass jegliche Musik haram (also böse) ist.

Dieser Schnitzer war noch das kleinste Übel….

Was mich leider zu guter letzt in den Wahnsinn getrieben hat sind die Namen: Romea und Julian. Ich hatte in vielen Foren gelesen, dass es keine moderne Romeo und Julia Variation wird, doch um ehrlich zu sein genau das ist es.

Kurze Erläuterung: Die verschiedenen sozialen Schichten der beiden Youngster symbolisieren die verfeindeten Häuser, später könnten es die Lager der Dschihadisten/ Murtadd (vom Glauben abgefallene) sein.

Romeas kleine Schwester ist Julias Zofe und Murats Rolle ist die des Mercutios… Ihr seht es gibt einige Parallelen und das wiederum waren ebenfalls nicht die einzigen.

Ihr seht nach alledem fand ich das Buch eher mittelmäßig bis ausreichend. Die Idee des Romans ist grandios und zumindest die Idee mit der Liebe ebenfalls. Denn daran merkt der Leser wie es ist Angehörige zu verlieren, die sich vollkommen entfremden.

Die Umsetzung der Intention dagegen ist meiner Meinung nach leider völlig falsch und zu eindimensional. Besonders so manches Verhalten kommt mir extrem plakativ vor.

So dass wars mit den Informationen dazu, letztendlich entscheidet ihr ja selbst ob ihr es lesen wollt oder nicht.

Buchcover

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9 Kommentare

  1. So, das ist mein 4. oder 5. Versuch zu kommentieren. Falls Du die älteren Kommentare im Spam Folder findest, suche Dir den besten raus und lösche die anderen 😉
    Also das war eine wirklich klasse Rezension. Ich kann alle Deine Kritikpunkte nachvollziehen. Es ist ein aktuelles und wichtiges Thema, das aber auch dementsprechend umgesetzt werden sollte. Und bezüglich Jungendsprache, interessant wäre es zu wissen, wie 14 jährige es empfunden hätten, vielleicht bist Du dem ja auch schon entwachsen und bei Deiner normalen Lektüreauswahl sowieso! Ich finde, Romeo und Julia ist für meinen Geschmack ein wenig ausgelutscht…..vielleicht sollte damit Niveau eingebracht werden. Keine Ahnung…aber Deinen Text habe ich sehr sehr gern gelesen. Und zum Buchumschlag, auch absolut nicht mein Ding….und an der Autorin kann man erkennen, obwohl sie erfahren in Jugendbüchern ist, scheint das Thema sie wohl etwas überfordert zu haben.

    Gefällt 1 Person

    1. Du tapfere Heldin des Internets!
      Im Spamordner habe ich dich noch nicht vorgefunden, aber dass kann sich ja noch ändern… Ich drücke einfach mal die fetten Pfoten, dass dein Problem mal bald behoben wird und ich nie eins bekomme 😉

      Zuerst Danke für das Lob, ich glaube ich habe sie auch fünf mal überarbeitet?

      Das ich vermutlich zu alt bin merke ich bei immer mehr Jugendbüchern, denn sie sind einfach stink langweilig. Früher hätte ich mich weggegruselt.

      Junkgirl, dass vorherige Buch war tatsächlich um längen besser. Wie du schon sagtest dieses Mal hat sie sich wohl irgendwie verschrieben…

      Gefällt 1 Person

      1. Sie war auch rundum schluessig, ich glaube aber auch, dass es sehr schwierig ist, sich in Menschen einzufuehlen und darzustellen, die man nicht wirklich kennt. Sie hat da offensichtlich auch keinen Background. Und danke fuer die lieben Wuensche.😂Ann

        Gefällt 1 Person

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