Gesammelte Schätze- Der Monat der Tagundnachtgleiche

An dieser Beitragsreihe erkenne ich immer wieder wie schnell die Zeit geradezu wegrennt. Früher dachte ich immer, dies wäre der Standart Spruch von alten Leuten, aber jetzt… Dabei habe ich noch so viel zu erledigen. Nun, aber für euch mal eine kleine Abwechslung. Ich denke ich sollte von nun an Mr. Foster Wallace etwas mischen, da ich erstens an dem Brocken noch etwas länger knabbern werde und zweitens ich wie mit unserern Lebenserhaltungsfunktionen halten möchte. Beispielweise essen, unsere Fett, Protein und Kohlenhydratquellen sollten möglichst komplex sowie abwechslungsreich sein. Nun hier habt ihr erstens eure Abwechslung und ich hoffe auch die Komplexität, trotz dezimierten Foster Wallace. Dennoch bleibt die Basis recht humorig, denn in all den Tagen der fucking-menschlichen Abgründe muss man auch mal Lachen dürfen, verdammt noch mal. Die Satanistin hat gesprochen!

 

Hm. trifft auf unsere gegenwärtige gesellschaftliche Struktur leider so ziemlich zu und zwar per Punktlandung:

Ich habe Menschen schon immer in zwei Kategorien eingeteilt: in die Gebenden, Großzügigen, die Verantwortung übernehmen und weder weltlichen noch geistigen Müll hinterlassen und dann die Anderen, die nie etwas hergeben, weil sie es aus irgendeinem Grund nicht können oder wollen, vielleicht weil sie finden, dass die Anderen ihnen etwas schuldig sind. Sie sind immer schnell dabei, fremde Hilfe anzunehmen, kommen aber nie auf die Idee, anderen Hilfe anzubieten. Geistige Blutsauger nennt man sowas.

S.13 – Hören Sie gut zu und wiederholen Sie von Jón Gnarr

 

Jetzt mal ehrlich… Wer von uns will heute kein orangener Engel sein und ich meine damit nicht die Müllmänner:

»Wenn du nichts lernst, dann wird auch nichts aus dir. was willst du denn überhaupt werden wenn du groß bist- Müllman vielleicht?«, sagten sie. Die Idee war zweifellos verlockend. Die Müllmänner waren die Seeräuber der Neuzeit. Sie kamen im Morgengrauen, sprangen lässig hinten auf ihre Müllautos, waren frei und unabhängig. mit pfiffen und munteren zurufen hechteten sie hinter den Mülltonnen her, um dann genauso plötzlich, wie sie aufgetaucht waren, wieder zu verschwinden. Für mich waren die Müllmänner eine Art Helden, und ich schaute voller Bewunderung zu ihnen auf.

S. 27- Hören Sie gut zu und wiederholen Sie von Jón Gnarr

 

Noch besser als der Auftakt. Wobei Gutenberg seine Doktorarbeit selbst verbockt hat. Wer ist so blöd und lässt sich auch noch beim schummeln erwischen?!

Wodurch sind unsere Politiker so geworden? Wer hat sie so gemacht? Die antwort lautet: Wir. Wir alle. Wir haben die Demokratie vernachlässigt, wir haben nicht aufgepasst und wurden in gewisser Weise auch verarscht.  

S. 55 – Hören Sie gut zu und wiederholen Sie von Jón Gnarr

 

So empfinde ich meist in sämtlichen Unterrichtsstunden sowie Pausengesprächen:

»Sjón und Óttar hatten heute ein Gespräch mit Dagur«, gab Heiða bekannt. »Hat er „The Wire“ gesehen?«,  fragte ich. »Wir haben das kurz angesprochen«, sagte Óttar. »Nein, er hat die serie nie gesehen und er wollte wissen, ob wir das allen Ernstes zur Bedingung für eine Zusammenarbeit machen.« » „The Wire“ muss er kennen!«, beharrte ich. »Über was soll ich denn sonst mit ihm reden – über Sozalismus vielleicht?«

S.91 – Hören Sie gut zu und wiederholen Sie von Jón Gnarr

 

Meines Erachtens reich da eine Reklamation bei der Fluggesellschaft nicht aus, eher zwei oder drei:

Da reist man auf die Malediven in Erwartung klaren blaugrünen Wassers, um festzustellen, dass man sich in Sülze aalt. Jeder Milimete birgt laut Azam eine Infrastruktur aus über 300 Kilometern Proteinen, mehr als fünfeinhalbtausend Kilometern Polysacchariden und zwei Kilometern DNS-Verbindungen. Dazwischen belauern einanander ganze Mikrobenheere, von denen einige aktiv auf die Jagd gehen.

S. 165-  Nachrichten aus dem unbekannten Universum von Frank Schätzling

 

Die Welt aus der Sicht von unseren irdischen Pflanzenfressern:

Was wäre die Serengeti ohne Löwen? Ein Paradies, rufen alle Gazellen im Chor. Antilopen, Gnus und Zebras fallen ein: Ein Paradies, ein Paradies! Selbst die Nashörne und Nilpferde wären nicht unglücklich, wenn der König abdanken würde, auch ihren Nachwuchs hat er schon zwischen den Klauen gehabt. Löwen, Geparden und Leoparden sind in der Serengeti dramatisch zurückgegangen, aber noch regilieren sie die Bestände der Huftiere. diese leiden allerdings weit mehr unter den Drahtschlingen und sonstigen fiesen Tricks der Wilderer. Die Großkatzen sorgen nur dafür, dass sich die Vegetarier nicht übermäßig ausbreiten und Unheilstiftn, aber erzähl‘ das mal einem Huftier.

S. 206- Nachrichten aus dem unbekannten Universum von Frank Schätzling

 

Bevor ich selbst dem Jugendslang und dem Fluchen verfiel dachte ich ähnlich. Wobei ich chillaxen nie in einen ernstahften Kontext mit eingebracht habe:

»Endlich wieder cillaxen«, raunte Mark. Ich kann nur erahnen, was er meint. Chillaxen. Dieses Verb ist nicht sehr dolfin.

S. 137- Planet Magnon von Leif Randt

 

So ganz ohne ihn geht es dann aber doch nicht. Jeder sündigt einmal irgendwie:

Ich wollte meinem Bett ein lautes Quietschen entlocken, was, wie ich wusste, im Fall meines Bettes von der lateralen Reibung zwischen Holzlatten und Lattenrostunterlagen innerhalb des Bettgestells verursacht würde. 

S. 725 Unendlicher Spaß von David Foster Wallace

 

Aber beenden werde ich es mit einem dramatischen Tusch:

»Ich bin der einzig denkbare Spitzenfellow… ich bringe den Neubeginn.« Ich senke meine Stimme: »Aber von diesen Dingen verstehst du nichts.« Kristen versucht gegen die Härte in meinem Blick anzulächeln. Ich drehe mich um.

S. 197- Planet Magnon von Leif Randt

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15 Kommentare

  1. Oh ja die Müllmänner als Seeräuber der Neuzeit, das waren noch Zeiten (was unsere Großeltern können, beherrschen wir schon lange!).
    Und dann kam der automatische Roboterarm. 😦
    Und dann zitieren wir noch Bushido, weil man mindestens einen Rapper einbringen muss, als junger Erwachsener: „Zeiten ändern sich, Zeiten ändern dich.“
    Hab einen schönen Tag!

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    1. Ich finde nach den Müllmännern der Neuzeit sollten statt der Roboterarme erst einmal Lichtschwerter auf der Bildfläche erscheinen und anschließend wir dies

      „Wir halten zusammen,
      Wir halten mit einander aus
      Wir halten zu einander,
      Niemand hält uns auf“

      unser neues Lebensmotto 😀
      Viva là Rammstein… Dir ein schönes Wochenende!

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  2. Interessante Textstellen. Das erste Zitate gefällt mir sehr gut. Und bei den Zitaten aus „Planet Magnon“ dachte ich gerade: „Was, darin kommen tatsächlich Wörter wie ‚chillaxen‘ vor?“ Eigentlich war ich sehr neugierig, aber nach dieser Wortwahl des Autors muss ich mir das doch noch einmal überlegen … 😉

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      1. Okay, das klingt beruhigend. So ein Wort, das nur ein eher kurzes (Pseudo?)Trendwort ist/war, in einem Sci-Fi-Roman zu lesen, hatte mich doch ganz schön irritiert.

        Wie hat dir das Buch insgesamt so gefallen?

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      2. Uhhh… Also:

        Die Thematik an sich ist eigentlich sehr interessant, es ist eine Art Roman über die Liebe in verschiedenen Ethischen Gruppierungen in einem Universum. Da der Protagonist eben ein „Dolfin“ ist, beschreibt er eben Dinge sehr neutral und kaum wertend was es mir teilweise irgendwie schwer gemacht hat ihm zu folgen. Auch die anderen ethischen Gruppierungen sind ähnlich aufgebaut wobei die einzig „menschlichen“ auf meiner Sicht, die „Störer“ im System sind.

        Es ist für mich wie ein guter Klassiker, den man gelesen haben sollte eben weil er so besonders ist. Allerdings wer manche Klassiker lesen will muss ein wenig leiden 😀

        Aber die Kreativität des Autors war unglaublich. Mal eben eine neue Gesellschaft auf die Beine zu stellen… da ist nur Solaris noch besser.

        „chillaxen“ kam übrigens von einem „Wilden“ der keiner Gruppe angehört und auf einem „freien“ Planeten wohnt. Deshalb vermutlich der Bruch.

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      3. Klingt auf jeden Fall nach einer nicht gerade leicht herunter zu lesenden Geschichte, aber außergewöhnlich. Und wenn du sagst, dass nur so ein Klassiker wie „Solaris“ noch besser ist, bedeutet das schon eine Menge. Das Buch bleibt also trotz des „Chillaxen“ (das ja zum Glück nur Stilmittel zur Darstellung der „Außenstehenden“ dient) auf meiner Wunschliste. Mal schauen, wann ich zum Lesen komme – in nächster Zeit sind erst einmal andere Bücher zu lesen.

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  3. Geistige Blutsauger gefiel mir am allerbesten 😉 Aber auch interessant zu beobachten, wie die Wahl eines Buchausschnittes Kathrin direkt verunsicherte, ob sie das Buch lesen mag. Hätte ich nie gedacht, dass das so schnell geht..

    ……..so und um das Niveau direkt mal zu senken hier, ich habe gerade „The Martian“ gelesen, die Vorlage zum Film…..schönes Wochenende and happy chillaxen, Buzzz 😉

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    1. „The Martian“ zerstört doch nicht das Niveau hier…. Tsss. Das Buch will ich auch noch lesen >.< Mal schauen wann ich die noch aussteheden 365 Seiten durch gelesen habe…

      Ja, dass mit dem Wort hat mich ebenfalls erstaunt. Ich meine Rezensionen beeinflussen mein Kaufverhalten ebenfalls, allerdings lese ich mehrere Rezensionen sowie alle vollständig. Aber man erwartet dieses Wort in einem solchen Roman wirklich nicht. Deshalb habe ich allerdings dieses Zitat mit hineingenommen.

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      1. Du hast das perfekt gemacht…meine Rezension von „The Martian“..intelligente Idee, gut umgesetzt, aber beim Lesen wusste ich schon, dass es Hollywood Material war….aber es hat Spass gemacht, ein Buch, das man liest und bis auf die Idee relativ schnell wieder vergisst….

        Ich traue Rezensionen nicht so sehr. Es ist doch eine erfahrungsbezogene Beurteilung…ich schaue, ob mich die Idee interessiert und dann lese ich …..und beim Martian war es mein Sohn, der meinte, ich solle es einmal lesen 😉 was rückblickend eine gute Idee war !

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