»Ich weiß was ich nicht will!« »Ach, wirklich?!«

23. Februar. Wir schreiben das Jahr 2016 nach der Geburt eines heiligen Sohnes an den ungefähr 32% der Menscheheit glauben. Es ist Dienstag der dritte Wochentag der 5 tägigen Arbeitsepoche. Noralerweise müsten Schüler nun auch arbeiten. Unbezahlt schuften wegen nichts… beziehungsweise den eignenen Weg für sein eigene Zukunft zu ebnen ist nicht „nichts“. Wie de gute Amerikaner zusagen pflegen würde Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun! Danke lieber Walt für deinen famosen Optimismus, aber für Stephen Hawking könnte es eher schwer werden noch Kunstturner zu werden. Ups, war das jetzt gemein? Ich meine, ich habe keine Ahnung von was Hawking träumt vielleicht will er sich auch einfach nur zu einem Gänseblümchen transformieren. Zurück zu diesem unerträglichen Can-do-Spirit der westlichen Weltbevölkerung, denn so sehr ich ihren Traum oder ihre Überzeugung des New Caanan, der Frontier oder des Manifest Destiny kritisiere so sehr brauchten es wohl die Studenten der Japanologie.

Unsere Komandantin namens Berufsvorbereitungspädagogin schickte uns mit einem bloßen Plan bewaffnet auf den heimischen Campus. Die Mission, ich zitiere: Es ist Uni-Tag, macht was drauß. Zukunft baut sich nicht von alleine auf. So weit so gut, was macht man also als vernunftbegabtes Wesen in jungen Jahren? Richtig, die Mission pflichtbewusst erfüllen.  Japanologie und Tibetologie waren von vorne rein für mich Pflicht gewesen. Sinologie, Lebensmittelchemie sowie Psychologie folgten eher zögerlich. Ich wollte die arme Frau ja nicht in den Herzkasper treiben.

So saß ich ausgestattet mit Zettel und Stift pünklich um 10.00 Uhr in der Vorstellung des Studiengangs Japanologie im Asien-Afrika-Institut. Der erste Schritt überhaupt anzukommen war schon einmal geglückt. Im Nachhinein wurde von verschiedenen Seiten quengelnd berichtet wie schwer doch das öffentliche Nahverkehrnetz sei.  Mit der richtigen S-Bahn Linie fahren will eben gelernt sein, wobei es an diesem einen Bahnhof wirklich verdammt schwierig ist überhaupt etwas zu finden, denn dieser steckt seit gefühlten zig tausend Jahren im Umbau/Abriss. Deshalb sind diese lebensnotwendigen Schilder entweder falsch drapiert oder halb abgedeckt. Geschützt vor Baustaub und vor den hilfesuchenden Blicken der Öffi-Nutzer. In Tokio Metro zu fahren ist trotzdem sicherlich noch nervenaufreibender. Was ist eigentlich schlimmer Rush-Hour im Auto oder im Untergrund, also in Tokio…

Die Professorin betrat das Rednerpult, die jugendliche Unruhe erstarb. Nebst mir befanden sich gut weitere 90 Personen im Raum wovon mindestens dreiviertel bunt gefärbte Haare besaßen und jeweils mindestens irgendein japanisches Franchise bei sich trugen. Unsere Vortragsleiterin überraschte es ein wenig, dass Japanologie von Jahr zu Jahr beliebter wird. Dass es wohl an der aufkeimenden japanischen Kultur liegt, war ihr allerdings sofort bewusst. Genau aus diesem Grund stellte sie zeitgleich klar,  dass man in Japanologie keine Animes schaue sondern sich mehr mit der Sprache, Literatur, Politik, Geschichte, Geistesgeschichte (Religon) sowie Kultur im dramatischen Sinne beschäftigten würde. Manga, Anime und die heutige Musikszene würden dabei vielleicht 0,1% betragen.

Ein Großteil des Studiums sei in den ersten Jahren der Sprachunterricht, bei den original Quellen aus japanischen Geschichtsbüchern/ Zeitungen wohl sinnvoll. Vor allem wenn man den internationalen Vergleich sieht und bemerkt, dass man nur in London ein noch größeres und vielfältigeres Angebot bekommt.

So gesehen können die Professoren das System Angebot und Nachfrage kaum noch nachkommen, was die Aufnahme natürlich erheblich einschränkt. Zwar gäbe es keinen genauen NC, doch würden jährlich eigentlich nur 37-38 Bewerber aufgenommen von 200. Mittlerweile hätten sie auf 50 aufgestockt. Also kanpp 25% Aufnahmewahrscheinlichkeit, immerhin 15% höher als bei der HFBK. Es erklärt sich von selbst, dass diese 200 Bewerber nicht alle aus Deutschland stammen was wiederrum für den Bachlor- sowie Masterstudiengang bedeutet, dass Deutsch quasi geradezu vernachlässigt würde. Gesprochen würde lediglich Englisch oder Japanisch. Abitur sei dennoch Pflicht oder eben einen gleichwertigen international anerkannten Abschluss.

Die ersten vier Semster wären auf jeden Fall fast nur Sprachunterricht, hauptsähclich würden die Kanjis gelehrt mit Grammatik, Aussprache sowie Verständnis. Hiragana und Katakana könnten in Zusatzkursen erworben werden ebenso die meditative Tätigkeit der Kalligraphie. Zehn Stunden Unterricht seien Pflicht, zwölf oder sogar 14 wurden uns allerdings deutlich näher gelegt. Vorkenntnisse können vom Vorteil sein, wobei eine Studentin berichtete ihren 1,5 jährigen Vorsprung konnte sie nach drei Wochen schon wieder in die Tasche stecken. Neben dem Sprachunterricht besuche man als Student das erste Jahr mit allen anderen Asien Studenten so genannte Grundkurse, die die Landeskunde und die Kultur im allgemeinen asiatischen Raum behandeln.

Ab dem fünften Semester könne man sich einzelne Module zurecht legen, die die oben gennanten Themenfelder bedienen. Da es nach dem Bachlor oder Master kein eindeutiges Berufsfeld zur Wahl steht solle man dringen ein zweites Studienfach belegen, welches mit seinen eigens gewähten Modulen zusammenhängt.

Neben den Modulen dürften wir uns nämlich auch für die freiwillige Pflicht des Auslandssemsters einschreiben. Ein Semester wäre vorgeschrieben im Zusammenhang mit der jeweiligen Partnerschule. Studiengebühren würden nicht anfallen und untersützt bei der Suche eines Wohnraums werde man ebenfalls unterstützt, doch den Rest müsse man selbst zahlen. Falls sich weniger Studenten im Studiengang darunter befänden könne man mit einer Sondergenehmigung sogar bis zu einem Jahr fort bleiben. Es dürften allerdings weder Verzögerungen im Studium noch Leistungsabfälle auftreten. Die Bereitschaft auch wieder zurück zu kommen und sich nicht loszusagen wäre eine weitere Voraussetzung.

Falls man den Bachlor besteht besäße man das Sprachniveau der Stufe zwei bis drei Tendenz zu zwei. Der Master wäre ein Sprachniveau von drei bis vier von fünf.  Verständnis von Zeitungen sowie Nachrichten ist somit garantiert. Viele wandern tatsächlich gen Japan aus um als Dolmetscher, Historiker, Fremdenführer oder sogar Botschafter zu arbeiten. Auch gibt es viele die selbst Lehrende werden.

Andere spezialiseren sich komplett auf ihre Nebenfächer und haben japanisch lediglich als netten Nebenskill für ihr zukünftiges Leben erlernt. Bei Geschichte in Kombination mit Japanologie muss man allerdings neben Deutsch, Japanisch und Englisch noch zwei weitere Sprachen beherrschen beispielsweise Französisch und Spanisch. Latein oder Altgriechisch zählen nicht.

So nach diesen 60 Minuten purem Informationszufluss war ich erst einmal platt, mir war schon vorher deutlich dass ich wohl eher Japanologie nicht studieren würde, doch jetzt sag ich erst recht eher NEIN. Ein wunderbar interessantes Fach und ohne diese japanischen Quellen würde ich das Studium auch antreten, aber die sprachliche Ebene ist mir doch irgendwie zu anspruchsvoll. Klingt blöd, aber ich habe ein einziges Mal einen Japanisch-Kurs besucht und mein Hirn starb bereits nach 15 Minuten den interlektuellen Tod.

Somit BANZAI! Auf in eine Alternative!

Hier noch zwei hoch informative Internetseiten zum Thema Studium:

Körber-Stiftung

Afrika-Asien-Institut

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24 Kommentare

  1. und was inzwischen hier Studenten gesagt wird, Business/WiWi als Nebenfach zu belegen, weil sonst die Joblage mit nur Japanologie seeeeeeeeeehr dünn wird! Dann hattest DU einen doofen Kurs……lern eine Runde selbst online als Voraussetzung kann ich DIr nur empfehlen…wenn Du das wirklich machen willst……es ist eine Fleissarbeit am Anfang!1!

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      1. ja, weil sie in der Uni meist weltfremd sind…sie sehen nur ihr Fach, nicht, was man danach daraus macht!!!! DU hättest sie nach Jobmöglichkeiten fragen sollen ! (bei solchen Fächern wichtig…..das Erwachen erfolgt meist nach 3-4 Jahren Studium)

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      2. Also wie ich oben bereits geschrieben habe es gab schon Erwähnungen von Dolmetschern, Lehrenden, Übersetzern, Erzieher, Historiker, Manager… Ich meine mann kann natürlich auch Koch werden.

        Zudem habe ich ja am Ende geschrieben, dass ich es nie ernsthaft in Erwähnung habe es als Studienfach zu wählen. So gesehen war es lediglich „nur“ eine interessante Erfahrung.

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    1. Das wussten die Studenten in meiner Vorlesungen auch nicht und die waren im fünften 😀

      Indologie durfte ich im Zusammenhang mit Tibetologie kennen lernen. Klang super interessant, aber Sanskrit ist ein Brocken 🙂 Thaiistik klingt wirklich super cool, konnte leider nicht reinschauen, aber ja es heißt wirklich Thaiistik.

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  2. Man sollte sich auch fragen, warum studiert man das eigentlich? Will man sich intellektuell weiterentwickeln oder auf einen Beruf vorbereiten bzw. die Basis legen! Wenn man mehr darüber wissen will, kann man auch Bücher lesen……so sehe ich das !!!

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  3. Ich hatte mal, eher aus Interesse als tatsächlichem Wunsch, Japanologie zu studieren, ein paar Informationen eingeholt. Bei diesen Unis (weiß leider nicht mehr genau, welche das waren) brauchte man erst gar nicht antanzen, wenn man keine sehr guten Sprachkenntnisse in japanisch, sowie den guten Umgang mit Kanjis beherrscht. Fand ich als Aufnahmekriterien schon ziemlich hart 😀

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  4. Ich finde es immer wieder interessant, wie uns nahegelegt wird, dass wir nicht immer das studieren können, das uns liegt, weil die Jobchancen da so schlecht aussehen.
    Das haben sie von Lehramt in Bayern auch Jahre lang gepredigt und jetzt wird händeringend gesucht.
    Im Endeffekt stellt sich die Frage, wer denn dann glücklicher ist: die die ihren Träumen nachjagen oder die „Vernünftigen“ mit ihrem abgesichertem Medizinstudium.
    Wer weiß das schon. Schlussendlich muss man selbst herausfinden was einem liegt. Ich könnte zum Beispiel niemals Pfarrerin werden aber das Thrologiestudium würde mich trotzdem interessieren, weil man da ja auch das kritische Hinterfragen „praktiziert“ (Haha)!!

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    1. Ihr habt auch akuten Lehrermangel? Ich glaube der herrscht überall, aber es stimmt ständig wird uns BWL angedreht oder Medizin, Kommunikations Design oder Ausbildungen zu Einzelhandelskaufmännern/ frauen…

      Ich meine ich muss diesen Job noch 40 Jahre machen und was nützt es mir nach 20 Jahren mit Burnout und Hilfeleistungen dem Staat auf der Tasche zu liegen…

      Das mit dem Theologiestudium ist ja interessant, dass wusste ich noch gar nicht. Meine Freundin will Islamwissenschaften studieren, obwohl sie noch nicht einmal an Gott glaubt. Interessant was man im Laufe der Zeit für Vorlieben entdeckt.

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      1. Besonders ist es bei un in den Naturwissenschaften und in Kunst…

        Das selbe Problem hat gerade unsere städtische Polizei. In den höheren Plätzen durch Juraquereinsteiger hoffnungslos überfüllt. Die Streifenpolizisten sterben quasi an Überarbeitung… Ich will nicht wissen wie dass mit den Handwerkern noch wird.

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    1. Wow, dass überrascht mich jetzt wirklich. Wegen der Größe und der Massen und Zeichen etc. 😀 Ja, ehrlich gesagt war ich in Berlin leicht am verweifeln… Haltestellenmemorie ist irgendwie nicht ganz so lustig zu spielen

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