Die unverhoffte Hölle

Im Frühstücksraum saßen bereits einige Morgenvögel, (alles Messebesucher) inklusive riesiger Cosplay- Versammlung bestehen aus: einer Maid, Totoro, Shiggy, Pikatchu, Yoshi und einem Kabuki Mario… Viele Nintendofans.

Das Frühstück habe ich euch erspart zu fotographieren… Apfel und Brot mit Veggie aufstrich. Das Highlight schlecht hin. Nach der Nahrungsaufnahme, dann selbst mit dem Mitbewohner wieder in den zweiten Stock zurück gelaufen um mich endlich fertig zu stylen. Mit passendem T-Shirt, Haaregl und Kayal. Nur gab es ein Problem bei dem Kayalstift, der lag nämlich bei mir zu Hause auf dem Schreibtisch wie ich feststellte. Verdammt, mein Cosplay ohne Kayal war nur nun ja irgendwie sinnlos und meine Augenringe reichten dafür so gar nicht aus. Es war auch noch zu früh, um zum nächsten Drogeriemarkt zu laufen um sich einen zu kaufen. Also was tun? Zigaretten schnorren und dann mit der Asche? Neee. Mein Mitbewohner wusste Abhilfe. Ich solle einfach seinen Kayalstift nehmen. Warum mein Mitbewohner Kayalstift benutzt, habe ich bis heute verstanden. War mir zu dem Zeitpunkt ziemlich egal, hauptsache die Augenringe saßen.

Weiter gepackt für den Tag, anschließend in ein gerade vorbei kommendes Taxi hineinhechten. Ich wollte den Luxus nicht, aber mein Mitbewohner bestand darauf. Die Straßenbahn war nicht nur überfüllt sondern fuhr fast im Schritttempo an uns vorbei. Tokio zur Rushhour ist dagegen reinste Entspannung. Das beste war allerdings der Blick des Taxifahrers, er mussterte mich nur von oben bis unten mit versteinerter Mine und sah dann zu meinem Mitbewohner. Dann fragte er einfach nur Messe?

Ich nutze die Fahrt um meinen Tag noch einmal zu planen. Der erste Termin fand um 10:00 Uhr statt. Das Cosplay- Fotoshooting am AniMaGo-Stand fand den ganzen Tag statt, also würde das als letztes aufgesucht werden. Vorneweg: Aufgrund der späteren Massen kam ich noch nicht einmal in die Nähe des Standes, ergo gibt es auch weniger Fotos. Leider.

Um 10:15Uhr stand der nächste Programmpunkt auf meinem Plan: Wie zeichnet man Superhelden. Die bespiele sollten aus Guardians of the Galaxy kommen, und das ist einer der besten Superheldenfilme die ich jemals gesehen habe, darunter sogar fast der Einzige. Rocket und Grooth sind einfach legendär.

Inzwischen waren wir angekommen und traten nun in die leere Halle ein. Dankbar für die Überdachung waren wir, denn zeitgleich zu unserer Ankunft gab es einen Wolkenschauer aller erster Horror-Feeling Manier. Anscheinend mussten wir sehr früh dort gewesen sein, denn der Aufbau für den Tag lief noch, aber da sämtliche Fachbesucher schon durch das Drehkreuz seelenruhig hindurch spazierten konnten wir es ja auch versuchen. Ich steckte meine Karte in den Kartenleser und schwang lässig durchs Drehkurz hindurch. Bei meinem Mitbewohner sah, dass allerdings noch nicht einmal halb so elegant aus, denn er kam gar nicht durch. Er hatte nämlich keine Karte, sondern nur eine Reservierung. Also ging es zum Umtauschen, ich wartete hin der Zeit wie ein Paket, dass bestellt worden war, aber nicht abgeholt wurde. Doch selbst mit der richtigen Karte wollte das Drehkreuz sich nicht bei ihm bewegen. Offizieller Einlass war schließlich erst um 10:00Uhr. Die Information kannten wir auch, nur warum hatte mich dann der Drehkreuzgott hindurch gelassen und ihn nicht?  Das wussten die Angestellten auch nicht, ließen ihn allerdings dennoch passieren. War nun auch egal, meinte die Eine. Die große Hürde überstanden starteten wir nun unser eigenes privates Fotoshooting. Recken, strecken, sitzen. Ich hasse es fotographiert zu werden…

Plötzlich klingelte mein Telefon. Ein Drachenschrei hallte durch die Halle und die Gesänge, der auf Thu‘ um singenden Mönche trat ein. Was wollte mein Kumpel so früh am Morgen von mir?  Ganz einfach sich am ESC treffen. Um genau 10.00Uhr. Ah ja… Und was war die offizielle Bezeichnung für ESC? Wir rätselten, mit einigen der Messeangestellten, die es auch nicht wussten. E= Einganshalle, S= Süden und C? Congresshalle? Gab es nicht. Es gab nur die Eingangshalle. Erst sehr viel später erfuhr ich, dass ESC die Abkürzung für European Cosplay Gathering war. Wer sollte den darauf kommen? Über das Herumgerätsel verpasste ich demnach meine Zeichenstunde. Der Tag lief gut an…

Doch nun hatte ich genügend Zeit mich in Halle 1 umzusehen. Mangas überall, dominiert von Plüsch… Überall hing Plüsch. Egal wo man hinschaute, es gab nur Plüsch. Manche sahen sehr süßen aus, andere waren eher naja nicht so süß eher potthässlich.  Kostenlose Comic-Proben, Werbegeschenke und Poster ein zu sacken hat ein riesen Vorteil.

Nach dem Bestaunen ging es dann in dem normalen Ablauf weiter: Wolfgang Hohlbein, Writers in Prison, Herrn K.s Gedankenergüsse…

Die wohl verdiente Mittagspause rannte schnell auf mich zu und so musste ich meine aufgegessene Tagesration gegen ein Messeessen eintauschen. Ach du heilige… So leer wie mein Magen war, gleichte dass nun die Besucherzahl wieder aus. Der Kumpel vom Morgen wollte nun auch was essen und stand in Halle 1 auf warte Position. Ich stand in Halle 4 oder 5. Was ich locker in 10 Minuten oder gar 5 an Weg geschafft hätte dauerte nun eine halbe Ewigkeit. Mein Magen knurrte nicht nur, sondern brüllte… Als ich nun den Eingang zu Halle 1 gfunden hatte, musste ich feststellen, dass diese gesperrt worden war. Aufgrund der Besuchermassen sollte man nun komplett außen rum laufen. Meine Laune ging in den Keller und aus der halben Ewigkeit wurden nun 45 Minuten. Mein Mitbewohner rief inzwischen alle 5 Minuten an, der mittlerweile auch in Halle 1 stand und Hunger schob. Ich gurgte allerdings immer noch in Halle 3 herum oder in Halle 2? Dass einzige was mich aufheiterte war, dass ich nicht von Nicht-Cosplayern mit ihren Spiegelreflexkameras belagert wurde. So kam ich nach gut 50 Minuten in Halle 1 an. Drangeln hilft manchmal ungemein. Nur hatte ich jetzt das Gefühl, dass sich die komplette Halle 1 in diesem einen Café befand… Meinem Mitbewohner war es zu voll und war deshalb schnell wieder weg, Richtung Hörbuchabteilung. Er hatte inzwischen schon etwas gegessen…  Na super. Bis ich allerdings meine zweite Begleitung treffen sollte dauerte ebenfalls noch etwas läner. Er dachte ich wäre nicht verkleidet, ich dachte er wäre verkleidet. Irritation ist bei Hunger wunderbar… Letztendlich saßen wir doch an einem Tisch und ich hielt glücklich einen Obstquark in meinen Händen. Nicht nur mein Magen entspannte sich merklich sondern auch meine Füße ebenso meine Knie. Einen Cosplay Charakter bis zur Haltung zu kopieren, kann zur Hölle werden. Insbesondere mit der Sitzart. Folgender Dialog spielte sich also ab:

K: Also manche Kostüme sehen wirklich schlecht aus. Null Liebe darin…

Ich *Obstsalat mampfen* Hm.

K: Ich meine sich so ein Internetkostüm zu kaufen kann ja jeder.

Ich: Lass die doch.

K: Also wenn dann schon richtig. Ich meine du sitzt gerade ja auch ni…

Ich: Du saßt keine verdammten drei Stunden in der Position! Ich habe jetzt Mittagspause! *Obstquark weiter mampfend*

Soviel zum Thema. Meine Laune hatte sich zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz entspannt und das wurde auch nicht besser, als ich den Stand der nächsten Vorlesung nicht fand. Denn bei Reihe F war Schluß. Nur mein Stand sollte in Reihe G stehen. Die Messeangestellten hatten ebenfalls keine Ahnung. Der Messeplan auch nicht. Schließlich gaben wir völlig entnervt die Suche auf zumal schon die nächste Vorlesung statt finden sollte.

Zu einer biographischen Vorlseung eines Finnen, dessen Familie über mehr als ein Jahrhundert Postkarten gesammelt hat und selbst zeichnete. Einige zeigten den Autoren Juhani Seppovaara selbst als Kind, andere zeigen Häuser, Kirchen oder die Tomaten in einer Obstschale des Nachbarns. Seppovaar ergänzte, diese nun abgedruckte Sammlung durch Assoziationen, Anekdoten und überraschenden Wendungen. Sehr interessant, wenn auch leider die Wortwitze und Witze im Allgemeinen nur das finnische Publikum verstand, denn der Autor sprach außer zwei Wörter (Hallo und Danke) kein Deutsch.

Am Abend, als krönenden Abschluss, gab es noch einen Japanisch-Schnupperkurs oben drauf. Dazu vielleicht später mehr. Nur so viel, laut Kursleiterin sollten nur 15 Teilnehmer in den klitzekleinen Raum passend, der anscheinend mehr eine Abstellkammer für Messeparletten oder Banner war als ein vernünftiger Konferenzraum. Kurz um aus 15 Teilnehmern wurden schnell 30 und ich war die Einzige, ich wiederhole, die Einzige bei einem japanisch Schnupperskurs in der Cosplay- Halle ein Cosplay anhatte. Alle anderen starrten mich wie eine sechsbeinige, rot gestreifte Giraffe an.

 

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8 Kommentare

      1. Nicht schlecht, ich habe hier noch Klingonisch, Na’vi, Drachensprache und Isländisch hier herumfliegen. Und Wookie…

        Ich muss sagen, ich sehe zwar gerne Animes. Bin aber mit Mangas absolut nicht bewandert. Nicht mein „Comic“-Geschmack.
        Isländisch wäre eher mein Traum und deshalb werde ich dort auch mehr Biss haben 🙂

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      2. dann mach das !!!! Mangas sind halt auch sehr vielfältig für alle Alter- und Geschmacksrichtungen !
        Bin gespannt, wozu Du Dich entscheidest….wer weiss, wann Du auf einen Klingonen triffst, einen entscheidenden Vorteil hast DU dann ja schon einmal, wenn Du im Alphaquadranten bist 😉

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