Vorstellung verfehlte… alles?!

Weiter geht’s mit dem Rückblick auf die Leipziger Buchmesse (ich schaffe den komplette Berichtserie… Wetten?! Ich glaube es fehlend nur noch fünf oder sechs Artikel) und zwar mit einem Roman von Alexander Neumeyer. Was mich neugierig gemacht hat, war der Name des Buches und der des Autors, denn ich hatte noch nie zu vor von beiden gehört. Selbst im Nachhinein blieb mir sein „Lebensepos“ verborgen, da weder Google noch Ecosia oder andere Suchmaschienen eine Antwort auf meine Frage hatten, aber zurück zum Titel.

Er lautet: Wir Sternenkinder. Ein Roman ohne Helden. Zugegeben ein klein wenig dramatisch, aber vielleicht würde es ein gutes Jugendbuch werden wie: Es wird keine Helden geben, so meine Überlgegungen. Wenn nicht dieses Thema dort drin behandelt würde, dann doch sicher ein ähnliches. Beispielweise: Sternenkinder. Klingt jetzt sehr kreaktiv, aber tatsächlich heißen so frisch verstorbene Säuglinge (verstorben kurz nach oder während der Geburt). Wie man das Thema allerdings in einem Buch umsetzten wollte, wusste ich nicht, (da das wir sich ja wohl kaum auf die verstorbenen Kinder beziehen konnte), aber ich war schließlich nicht der Autor. Vielleicht würde es etwa so außsehen wie die Geschichte des Film Mondscheinkinder. Aber was wusste ich schon? Also stand ich pünktlich (ein Wunder) um 14.00Uhr in der Halle 5 an der entsprechenden Lesenische, um dort erst einmal festzustellen, dass die vorherige Vernstaltung überzogen hatte, sie also immer noch lief.  Wäre ich doch zu spät gekommen… Meine Begeisterung für indianische Kriegslieder hatte sich in der dritten Klasse erledigt. Allerdings dauerte die Begeisterung nur fünf Minuten an, dann erfolgte ein leicht hektischer Umbau und schon betrat Alexander Neumeyer das kleine Lespodest. Inzwischen kannte ich sogar den ungefähren Inhalt des Romans, dank eines Gespräches zwischen den kleineren Managern des Verlages.

Sternenkinder schien ein Familienroman zu sein. So weit so gut. Das hatte ich schon vermutet. Die nächsten Informationen verrieten auch leider nicht viel mehr. Der Roman spielte über 60-Jahre hinweg, während dieser Zeitspanne werden von Großmutter, Tochter und die dazu gehörigen Enkel verschiedene Lebensgeschichte und Schicksale (Hauptmerkmal: BRD-DDR) beschrieben, bis ins Jahre 2000. Trotz der Wissenserweiterung, hatte ich immer noch nicht den leisesten Schimmer, was mich erwartete. Eine Art Biographie sowie die des Finnen von gestern? Oder doch etwas ganz anderes? Herr Neumeyer räusperte sich, im Publikum fiel ein letztes Husten und dann wurde es still (So still wie es eben in einer Hangar großen Halle werden konnte). Beziehungsweise er hielt erst eine kleine Dankesrede an verschiedenste Personen und im Nachschub erwähnte er folgenden Satz ganz Beiläufig: Er wolle eine Passage direkt aus der Mitte vorlesen, bis dahin sei schon einiges passiert, doch wir wären in der Lage dem Geschehen trotzdem zu folgen.

Ehrlich gesagt, nein ich konnte nicht folgen. Ich kann bis heute noch nicht folgen, weil der Inhalt der Passage relativ unerwartet kam…

Es fing damit an, dass ein Erzähler berichtete wie Heinrich van Maaten auf die Idee gekommen war, nach seinen bestandenen Schulabschluss seinen Vater suchen zu gehen, der sich vor etwa 18- Jahren in den Osten abgesetzt haben musste. Der Grund dafür war, dass sein kommunistischer Spionagering in Rotterdam auf geflogen war… So fährt Heinrich nun allein in die DDR und versucht verzweifelt dem fremden, tristen Ostdeutschland zumindest eine kleine vor Hoffnung funkelnde Spur von seinem Vater zu entlocken. Genug Geld besaß er, schließlich hatte er im Kurs 1:10 gewechselt. Auf der Suche nach einer Möglichkeit seine Ostmark auszugeben kommt er an einem Buchladen vorbei, der ihm recht gut sortiert vorkommt. Allerdings stellt er kurz nach dem Eintreten fest, dass es sich hauptsächlich um kommunistisch-, sozialistisch- , marxsistische- sowie russische Literatur handelt. Nach einigen Minuten des Herumstöberns, wird Heinrich von der Buchhändlerin in ein Gespräch verwickelt. Irgendwann erwähnt er ihr gegenüber seine Suche nach seinem Vater und sie ist erst einmal sehr erstaunt. Was noch viel mehr erstaunlicher ist, dass der Buchhändlerin tatsächlich einfällt, dass sie in der Vergangenheit einen Holländer auf der Leipziger Buchmesse getroffen habe. Dieser erzählte ihr wiederum, dass er selbst bald nach Algerien versetzt würde. Nach weiterem Austausch ordnet sie Heinrich an, dass er doch einfach am Abend zu ihr kommen solle. Zum Fotovergleich… (Ihr wisst worauf es hinaus läuft, nicht? Schön, ich hatte damals so gar keine Ahnung und blieb weiter sitzen.) Heinrich willigt begeistert ein und steht damit Punkt 19 Uhr vor ihrer Wohnung.

Während des ersten Teils der Geschichte waren schon relativ viele Zuhörer aus dem Publikum geflüchtet. Anscheinend hatten sie sich auch etwas anderes vorgestellt, als ich. Aber da meine nächste Veranstaltung direkt in der Nähe lag lauschte ich gespannt weiter. Ich musste mich ja nicht hetzten. Vielleicht kam noch ein springender Wendepunkt. Der kam dann auch…

Zurück zur Geschichte.

Mit fortgeschrittener Dauer der Verabredung wurde nicht nur die Buchändlerin immer betrunkener, auch Heinrich ergriff eine zunehmend erregende Stimmung und so kommt es wie es kommen muss. Heinrich erlebt sein erstes Mal. Spätestens jetzt wechselten die noch übrig Verbliebenen entsetzte Blicke und verschwanden sehr, sehr schnell. Mein Anfangs Des/interesse wich jetzt eher einer unangenehmen Überraschung. Was hatte diese ausführliche Schilderung des Geschlechtsaktes bitte mit der Geschichte zu tun?! Inwiefern hing das wiederum mit dem Titel zusammen? In meinem Gehirn war nur ein Wort zu lesen: Äh? Ähnlich erging es anscheinend auch dem Protagonisten, denn er war eher bestürzt als er nach der Vollendung seines Dates recht zeitnah aus der Wohnung geworfen wurde… Liebe hatte er sich anders vorgestellt. Mit dieser Wendung endete dann die Passage und somit die Vorlesung und ich saß immer noch verblüft in einem Meer aus leeren Stühlen. Warum hatte der Autor sich genau bitte diese Stelle ausgesucht? Ich meine die Schilderung hatte fast zweidrittel der Vorlesung ein genommen…

Dass war noch lange nicht genug. Ich mochte schlicht weg den Schreibstil nicht. Die Geschichte hatte zwar Tiefe, doch die Bilder der Geschichte wirkten grau und platt. Ich hatte das Gefühl, dass jedes Wort oder jede Szene nur angefertigt werden sollte. Schmucklos und ohne Rücksicht auf Verluste. Dazu war Heinrich für meinen Geschmack etwas zu naiv. In den Osten zu fahren und wirklich nichts über die Sowjetunion zu wissen sind zwei Dinge, die nicht zusammen passen. Ich meine, der hatte gerade seinen Abschluss fertig, war um die Zwanzig und daher denke ich, müsste er doch zumindest irgendetwas über die Teilung Deutschlands mitgekommen haben, oder meinetwegen auch nur Gerüchte! Aber nein absolut nichts… Dass ihr vielleicht denkt, er wohnte bestimmt in einem etwas abgeschiedener Landstrich. Falsch, er stammte aus den Niederlanden, kam aber aus Köln.

Wie auch immer. Ich werde mir dieses Buch nicht kaufen, aus dem einfachen Grund, dass ich etwas anderes erwartete habe. Deutsche Geschichte in einem Roman verpackt fein, nur für meinen Geschmack leider nicht geeignet. Nicht in der Art wie der Autor schreibt und auch seine Persönlichkeit so weit ich sie innerhalb der 30 Miunten erfahren durfte sagte mir nicht zu.

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