Writers in Prison

Der Grund weshalb ich diese Vorlesung ausgesucht habe war, dass wir ein ähnliches Projekt im Rahmen der Schule entwickeln wollten, aber es scheiterte oder es ist im Moment sehr schwierig es umzusetzen. Veranstaltete wurde diese Vorlesung von der Organisation PEN (Poets, Essayist, Novelists), die sich sich um Verfolgte oder unterdrückte Schriftsteller, Journalisten und Verleger kümmern.

Die Vorlesung bestand darin, dass drei Sprecher jeweils Texte von drei Autoren vorlasen, die entweder inhaftiert worden sind oder auf der Case-List stehen. Zu den drei Autoren zählten: Liu Xiabo,  Abd ar-Rahman Munif, Fadhil al-Azzawi. Moderiert wurde das ganze von Regula Venske. Vorab, ich kannte zwar das Drama um Rida Haddat, hatte es aber wieder verdrängt, da sich meine Welt eigentlich nur um Prüfungen, Stress und gefühltes Überleben drehte. Während der Vorlesungen wurde mir die Nachricht wieder ins Bewusstsein zurück teleportiert und ich mich wieder in dem Gedanken bestärkt: Viele Menschen, haben absolut keine emotionale Intelligenz oder gar zuträgliche Moralvorstellungen. Die meisten Regierungen haben einen Knall. Aber, dass es tatsächlich so viele Autoren sind… Verdamm mich! Oder lieber die lieben verkorksten Menschen, die diese Machenschaften durchführen, einfach so. Da möchte man doch fast eine Armee aus dem Boden stampfen und diese Gefängnisse überrennen. Aber zurück zum Thema. Nach einer kleinen Dankesrede an die Beteiligten wurde eine Schweigeminute für Rida eingelegt, obwohl er hoffentlich noch nicht von unserem Planeten davon gesiecht ist.

Leider wird dieser Artikel wohl einen ziemlich großen improvisierten Teil enthalten, da der Inhalt von Gedichten und Kurzengeschichten aus zweiter Hand nicht wirklich gut stilistisch weiter gegeben werden kann. Zumindest kann ich es nicht besonders perfekt.

Der erste Autor aus dessen Werk vorgelesen wurde, war Liu Xiabo. Als er noch in Freiheit lebte war er Menschenrechlter, Systemkritiker, Dozent an der Universät in Bejing und Schriftsteller im Einen. Im Dezember 2009 wurde er zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Grund? Untergrabung der Staatsgewalt. 2010 erhielt er den Friedensnobelpreis. Zwei Jahre später sprach sich Mo Yan (Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas) für die Freilassung Xiabos aus, dennoch geschah nichts. Sein Ehefrau Liu Xia hatte von da an Hausarest und darf weder von ihren Eltern noch von ihren Freundinnen besucht werden. Die einmaligen Ausflüge zu ihrem Mann nach Liaoning wurden ebenfalls gestrichen.

Das erste Gedicht von Liu Xiabo handelte von einem Hund, der zu Hause auf ihn wartete. Er beschrieb wie er den Hund gefunden hatte und wie er sich wohl fühlen musste. Wobei die Gefühle des Hundes wohl seine eigenen Gefühle waren… Angst, Hoffnung, Klaustrophobie, Wünsche, Aggression gegen Machtlosigkeit und Unvernunft und natürlich Verzweiflung, die schließlich mit einer Bitte und einem Gruß an seine Frau mündete. Die Bitte: Sorge dich um meinen Hund und zweitens, ich werde dich immer lieben…

No Happy End

Der nächste Text stammt von Abd ar-Rahman Munif. Geboren worden war er 1933 in Amman, der jordanischen Hauptstadt. Er sturdierte Rechtswissenschaften, nachdem er 1951 sein Abi absolvierte. Danach engagierte er sich politisch gegen die Regierung, worauf hin ihm das Studium verwehrt blieb. Doch er ließ sich nicht entmutigen und wechselte von der Universität in Bagdad auf die in Kairo und promovierte später in Belgrad. Schließlich zog er nach Bagdad zurück und schloß sich einem radikalen Flügel der Baath-Partei (einer abrabisch-sozialistische Partei) an. Bis 1973 arbeitete er in einer Erdölfirma. Später wurde er zum Chefredakteur einer irakischen Ölfachzeitschrift ernannt. Ab 1980 beschloss er, sich nur der Literatur zu widmen. Weshalb er dann von 1981 bis 1986 im französischen Exil lebte. Bis er schließlich mit seiner Faru in ihre Heimatstadt Damaskus zog, bis er 2004 dort starb. Seine Werke erzählen oft von der einer bizzaren Verwandlung Saudi-Arabiens von einem Wüstenstaat zu einer Ölmonarchie. Oft nicht im legalen Schein der Lampe namens: Weltpolitik.

Er selbst beschrieb wie eine Person am Tisch saß. Abends, allein und in völliger Dunkelheit. Mit dem jüngsten Sohn seines Bruders. Dann plötzlich klopften Polizisten der Regierung an und was danach folgte waren mit harten Worten gezeichnete Realität. Sie wollten ihn mitnehmen, er selbst hatte es geahnt, blieb völlig ruhig, fast schon zu gefasst. Er wollte ohne Widerstand gehen, doch die Familie seines Bruders hatte etwas ganz anderes im Sinne. Vor dem Zuhörer breitete sich nun ein Horrorszenario aus. Die älteren Geschwister kamen, die jüngeren Nachbarskinder, die Ehefrau und die Geliebte des größten Bruders und sie alle wollten nicht, dass er nicht geht. Versuchten die Wachen zu bestechen und die Geliebte des Bruders fing sich sogar an zu prügeln. Aber es half nichts, gegen Ende blieb nur die zerrüttete, aufgeschreckte Familie. Allein im Dunkeln. Der Onkel wurde zu einem Ort geleitet, an dem er nichts als sich selbst brauchen würde und dass für eine sehr lange Zeit…

Nach diesen Zeilen herrschte betrete Stille, die zwar schon die ganze Zeit geherrscht hatte nun aber noch dicker und bedrückender geworden war.

Der Text von Fadhil al-Azzawi, war soweit ich mich erinnern kann, ebenfalls ein Gedicht. Es beschrieb knapp aber sehr poetisch, den langsamen Zerfall unter dem Dauerregen der Bombardierung. Der Tarum des lyrischen Ichs? Eine Nacht ohne die kreischenden Zvilipersonen oder Erschütterungen des Erdbodens.

Der Autor selbst trat mit 18 Jahren in eine Kommunistische Partei ein, um sie anschließend nach 4 Jahren sie wieder zu verlassen. Danach studiert er wie Abd ar-Rahman Munif an der Universität von Bagdad. Allerdings keine Rechtswissenschaften sondern englische Literatur. Später wanderte in die DDR nach Leipzig aus und arbeiete dort als Auslandskorrespondent. Einige Jahre danach promovierte er im Fach Journalistik und übersetzte Robert Musilis Der Mann ohne Eigenschaften ins Arabische. Er gilt bis heute als einer der bedeutensten lebenden arabischen Autoren.

Ich hoffe Deutschland bleibt so wie es ist, denn eigentlich führen wir hier eine Art Lotter-Leben.

 

 

 

 

 

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